1

 

DIE FUNKTION DES MESSIAS

 

 

3.1   Körper und Seele

 

Allen menschlichen Handlungen liegen innere Prozesse zugrunde. Letztlich sind es Gefühlsabstufungen, Gefühlsintensitäten. Es ist die Frage, wie man diese Gefühlsintensitäten steuert und auf was man sie richtet? Banal gefragt, richtet man sie auf Gutes, oder richtet man sie auf Böses aus? Gut oder böse für wen? Was für den Körper gut ist, braucht für die Seele noch lange nicht zu stimmen. Wieder kommen wir zur Seele! Wir können auch fragen, ob diese Gefühle unsere Sehnsucht  befriedigen oder nicht. Präziser: Kommen die Gefühle unserem Körper zugute, oder nützen sie unserer Seele? Sind Körper und Seele also konträr, was die Sehnsucht anbetrifft?

 

Was für unsere Seele gut ist, kann und muß auch für unseren Körper gut sein, weil unsere Seele das Steuerorgan unseres Körpers ist. Aber umgedreht gilt dieser Satz nicht. Was für den Körper gut ist, einfach weil wir es wollen, kann für unsere Seele schon wieder schädlich sein, z.B. zuviel von Sex  , von Nahrung, von Arbeit. Hier gilt der Satz des Paracelsus  : Die Dosis macht, ob es ein Gift ist!

Was aber ist aber die Seele, und inwieweit grenzt sie sich vom Körper ab? Was der Körper ist, daß können wir sehen, seine Funktion können wir spüren und fühlen.

 

Wir hatten ganz am Anfang schon gesagt, daß der Begriff der Seele mit Gott zusammenhängt und im Zuge der Psychologie allmählich aus diesem Zusammenhang gerissen- und durch den nichtssagenden neutralen Begriff der Psyche ersetzt wurde.  Unter Psyche wird hingegen der gesamte Nervenkomplex des Körpers verstanden, wird nach geläufiger Einschätzung der große Bereich des "Unbewußten" und der kleinere des "Bewußtseins" betrachtet. Und in diesem großen Meer des Unbewußten treiben laut C.G. Jung  die Archetypen , das sind symbolhafte Vorstellungen höchster emotionaler Kraft, die insgesamt einen Pool bilden, aus dessen Vorrat sich unsere Psyche bedient. Gott wäre z.B. solch ein Archetypus, er wäre eine von vielen das Unbewußten prägende Vorstellungen, daß je nach Kulturstufe eine besondere Ausprägung erhalten würde. Die Kultur insgesamt in Verbindung mit unseren Instinkten wäre für die jeweilige Ausprägung verantwortlich.

 

Mit diesem Modell kommen wir jedoch nicht weiter, weil es weder die Instinkte erklärt, noch die Kultur definiert, sondern eigentlich nur alles an Gutem und Schlechtem undifferenziert zu einem Vorstellungspool erklärt und die Frage der Moral dann nur dem jeweiligen Kulturstand unterwirft. Wir sehen also, wie Gott noch weiter abgetrennt wurde. Er wurde eben nicht zu dem Archetypus, sondern nur zu einem "Archetyp" gemacht. Gott wurde damit somit auf eine Archetypilogisierung begrenzt, wurde also als "archaisch", als urtümlich, damit in unserer Zeit jedoch gleichzeitig als überholt eingestuft. Wie gesagt, damit kommen wir nicht weiter und können den Begriff der Seele nicht definieren, sondern ihn nur als einem überholten Reflex archaischer Vorstellungen auflösen, wie es uns die Psychologie gelehrt hat. Wir wollen uns aber darüber hinaus entwickeln und der Person Mensch auf den Grund gehen, deshalb halten wir zäh an der Seele fest.

 

Der Mensch ist nur deshalb Mensch, weil ihn Gott dazu gemacht hat. Würde nur die Natur den Menschen geschaffen haben, dann bräuchte er freilich keine Seele, dann genügten schon einige biologische Reizleitungssysteme (Nerven). Aber wer will von sich schon freiwillig behaupten, daß er lieber vom Affen als von Gott abstamme?

 

Also muß es eine geistige Idee sein, die unserer groben Körperstruktur wie eine Matrix eingegeben ist, die ihm aber nicht nur eingegeben, sondern gleichsam auch vorgegeben ist. Diese Idee muß die Art von Plan sein, die man aufstellt, um einen bestimmten Zweck zu erreichen, denn keiner könnte ohne Plan einen zielgerechten Zweck erreichen. Durch Jesus    kennen wir den Zweck unseres körperlichen Daseins. Wir sollen ein Kind  Gottes mit gottgleichen Attributen werden. Aber wir sind es noch nicht.

 

Damit wir es jedoch werden können, hat uns unser Schöpfer Seinen Plan, Seinen Schöpfungsplan   in uns eingelegt. Dieser Plan, nur dieser, kann uns aus unserer groben körperlichen Welt erlösen und uns in die Stätte unserer geistigen Sehnsucht   zu Gott hin führen. Darum ist Jesus  für uns auch der Erlöser. Aber erlöst in uns wird nur unser geistiges Erbe von Gott, daß in unserer Welt gefangen ist.  Wir wissen und spüren diese Gefangenschaft alle. Wir spüren, wie wir gewissen Fesseln und Beschränkungen unterliegen, gegen die unser Geist rebelliert. Unser Geist rebelliert gegen diese körperliche Beschränkung und will frei sein. Diese Freiheit aber, kann nur nach dem Plane Gottes geschehen, sonst führt sie uns nicht zur geistigen Freiheit, sondern nur mehr in körperliche Exzesse und weitere Beschränkungen und erhöht die Suchtgefahr unseres Körpers.

 

Deshalb haben wir zwei wichtige Begriffe zu beachten:

 

Einmal ist es der Drang unseres Körpers, durch seine Genußsucht in seinen Exzessen zu schwelgen. Dabei zerstört er jedoch diese Unabhängigkeit des Geistes und versklavt ihn nur. Zum anderen ist es der Plan Gottes, dieses innere Geistige aus unserer Körperlichkeit zu erlösen, um es immer weiter zu Sich hinführen zu können. Dadurch auch wurde Gott in Jesus zu unserem Erlöser.

 

Die geistige Idee von Gott befindet sich innerhalb von uns, befindet sich in unserem Herzen.  Der Körper ist aber nur das Schlachtfeld  , auf dem dieser Kampf um die geistige Freiheit ausgetragen wird. Der Körper gehört uns nicht in der Art, daß wir ihn entwickeln sollen, um bei Gott zu bestehen. Der Körper ist nur das Schlachtfeld der Seele, oder, um es noch präziser auszudrücken, der Körper ist nur das Werkzeug der Seele. Denn mit dem Körper und seinen Trieben können wir niemals zu Gott gelangen. Was wäre das für ein Gott, wenn er "nur" unseren Körper haben wollte. Dann hätte er im Endeffekt gar nichts, weil unser Körper ja zerfällt. Solch ein Gott wäre sicher grausam, aber wie gesagt, darauf kommt es Gott überhaupt nicht an.

 

Jesus    sagt z.B.: »Was nutzet es, dein Körper gewönne alle Reichtümer dieser Erde, aber deine Seele erlitte einen Schaden!« oder auch: »Und fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Fürchtet vielmehr den, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann!« (Mth 10,28)

 

Hier wird deutlich auf die Unsterblichkeit der Seele   hingewiesen, aber auch auf die Folgen der Nichteinhaltung Seines Erlöserplanes. Jedenfalls geht es Gott um den Menschen nur als unsterbliches Wesen und nicht um die körperliche Hülle, die der Zersetzung unterliegt. Deshalb ist der Körper keinesfalls die Seele, deshalb auch können es keine Nervensysteme oder sonstige Bewußtseinsinhalte sein, die noch mit dem Körper verbunden sind. Die Seele hängt allerdings über die Nerven mit dem Körper zusammen, aber die Seele ist nicht das Nervenkostüm, denn dies alles löst sich auf.

 

 

Die Seele hat also nichts mit der körperlichen Struktur zu tun, insoweit sie dem Verfall unterliegt. Was aber unterliegt nun nicht dieser Verwesung? Das kann ja dann nur das Gegenteil vom Körperlichen sein. Das kann ja nur das Geistige sein. Das Geistige jedoch muß in irgendeiner Form organisiert sein, muß eine Form haben, wenn es mit dem Begriff des Menschen verknüpft sein will, weil der Begriff des Menschen sich direkt aus Gott kommend ergibt. Denn Gott schuf uns laut Bibel  nach Seinem geistigen Ebenbild. Also ist im Menschen das geistige Bild Gottes präsent und deshalb heißt der Mensch auch Mensch und nicht Tier .

 

Nur deshalb müssen wir in uns ein geistiges Abbild Gottes tragen, daß mit der Menschenform völlig übereinstimmt. Dieses geistige Abbild Gottes in uns ist die Seele. Natürlich hat jedes Leben eine geistige Idee als Grundlage und besitzt deshalb auch eine Seele, aber nur der Mensch hat die Möglichkeit, daß seine Seele die Form Gottes annimmt. Nur deshalb ist der Mensch auch Mensch, weil er mit seiner Seele diese Form repräsentiert und sie auf sein äußeres materielles Körperbild übertragen kann. Der menschliche Körper ist die materielle Hülle der geistigen Seele, welche ganz eindeutig auf Gott ausgerichtet ist. Diese Seele besitzt darum alles, was der Körper als materielle Ausprägung auch hat, nur eben unendlich geistiger. Aus diesem Grunde ist die Seele unsterblich. Die Seele ist also das lebendige Prinzip des Körpers und dieses lebendige Prinzip hängt allein vom Geist ab.

 

Weil der Zustand der Seele also von der Einhaltung des Erlösungsplanes Jesu abhängt, kann diese menschliche Seele auch wieder "vertiert" werden. Das geschieht, wie wir wissen, immer dann, wenn der Mensch mit aller Sinnlichkeit und Leidenschaftlichkeit seines Instinktes reagiert und sich in seiner Genußsucht treiben läßt. Dieses Treiben meint denn auch nur den tierischen Part einer Aktion, die nicht mehr vom göttlichen Bewußtsein gesteuert, also agiert, sondern nur noch tierisch affektiert handeln kann, und darum triebhaft handelt.

 

Im vorigen Kapitel haben wir einige leichtere triebhafte Varianten gesehen. Beim übernächsten Kapitel werden wir leidenschaftlichere tierische Ausprägungen erleben. Aus diesem Grund heißt denn Satan  auch "Das Tier  ". Der Mensch wird mit Gott assoziiert, wobei Jesus der “Höchste Mensch” ist, während Satan als Gegenteil Gottes gilt und sich deshalb nur mit dem Menschen als Tier, also mit dem Tiermenschen verbündet. Dieses Tier , das innere Tier, steht der seelischen Entwicklung zum Kind Gottes hin natürlich konträr entgegen, und versucht darum alles, daß diese lebenswichtige Beziehung Seele - Jesus  gestört wird.

 

Lebt ein Mensch in aller Tierhaftigkeit, dann wird die Seele desjenigen allerdings schwach und dunkel. Sie leidet dann. Automatisch leidet dann der betreffende Körper mit, denn er ist das Schlachtfeld  , auf dem dieser Kampf um seine Seele ausgetragen wird. Entweder bewegt sich seine Seele auf Gott zu, oder sie geht zum Teufel  . Viele christliche Seher, Künstler und Schriftsteller haben in ihren Jenseitsvorstellungen denn auch abscheuliche Mißgestalten zwischen Mensch und Tier dargestellt, wenn sie den Zustand eines bösen Menschen schilderten, z.B. Dante, Hyronimus Bosch, H.v. Bingen, Lorber, etc. während sie bei einem guten Menschen dessen engelsartiges Aussehen konstatierten. Johann Caspar Lavater, der sich mit dem seelisch-körperlichen Zustand im Diesseits beschäftigte, gründete sogar die Lehre der Physiognomik, um darzulegen, wie sich das Antlitz des Menschen in Bezug auf eine tierische Triebhaftigkeit dann verändert, wenn der Charakter durch diese Leidenschaften mehr vertiert wurde.[a] Zum Thema Seele gibt es natürlich noch sehr viel Tiefgreifenderes zu sagen. Aber hier soll es uns erst einmal genügen. Wir werden später noch ausführlicher darauf zurückkommen. Schauen wir jetzt einmal, wie sich der Körper und die Seele äußern können:

 

Beide, Körper als auch Seele äußern sich durch Gefühlsintensitäten. Sie äußern sich und lassen den Willen in der einen oder der anderen Ausprägung wirken. Entweder wirkt der Willen dann primär für die Seele oder aber nur für den Körper.

 

Das Instrument, welches die Gefühlsintensitäten beherrscht, ist unser Wille. Unser Wille beinhaltet eine bestimmte Absicht dies oder jenes zu tun, um bestimmte Gefühle zu erhalten. Der Wille wird aber nur aus einem Mangel an Gefühlen tätig. Wenn er die Gefühle schon hätte, die sich mit einem beabsichtigten Objekt verknüpfen, dann bräuchte er das Objekt nicht mehr. Deshalb wird unser Wille nur tätig, wenn er den Mangel spürt und ihn beseitigen möchte. (will)

 

Der Grundmangel, d.h. der Mangel, aus dem all die anderen resultieren, ist das schon erwähnte Gefühl der Sehnsucht  . Man könnte es auch die Sehnsucht zum Paradies, oder noch konkreter, die Sehnsucht zum Himmel nennen. Dort, wo sich Gott in der Person Jesus  aufhält. Nur ist dieses Gefühl so tief mit unserem Denken verbunden, daß es darunter schon vergraben liegt. Unser vieles Denken läßt diese Grundursache im Dunkeln und schiebt uns dafür mindere Mangelerscheinungen zu.

 

Die Sehnsucht   nach Karriere, z.B. nach einem Haus, nach einer Familie, nach einem Auto etc. Dorthin lenkt sich unser Willen, lenkt sich unsere Phantasie  . Vielmehr, dorthin wird unser Wille und unsere Phantasie gelenkt. (Illuminaten ) Es gibt psychologische Mechanismen, nach denen leider der Willen von bestimmten Bevölkerungsschichten gelenkt wird. Der Wille wird dann sozusagen auf etwas fixiert, die Sehnsucht hängt dann vordergründig fest. Sie ist damit vom eigentlichen Ziel isoliert, und erfüllt den Tatbestand der Besessenheit . (Siehe übernächstes Kapitel) Der Wille wird damit von der Phantasie besetzt und vom eigentlichen Ziel abgehalten. Der Begriff Besessenheit  formuliert also nur diesen Tatbestand, wo sich zwischen dem Willen und dem Ziel in Bezug auf das Paradies eine Blockade ergibt. Man ist blockiert bzw. besetzt, bzw. "fremdgesteuert  ."

 

Man fühlt sich einerseits fremd, weil es der eigenen Absicht der Sehnsuchtserfüllung entgegenläuft, andererseits aber "befreit", weil man sich der Diktion Gottes entzogen hat und seinen körperlichen Trieben frönen kann. Wer oder was fühlt sich jedoch besetzt, bzw. befreit? Um das zu klären, müssen wir den Willen zergliedern. 

___________________

 

[a]                  Lavater, Johann Kaspar  1741-1801. Schweiz. Dichter, Mystiker und Theologe. Protestant. Pastor in Zürich (1786 ff.);  gründete die Physiognomik. Autor von Aussichten in die Ewigkeit (1768-78), Geheimes Tagebuch von einem Beobachter seiner selbst (1772-73), Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe (1775-78), bei diesem letzten Werk half ihm Goethe.

2