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Die Sehnsucht zur Liebe I

 


 

 Einführung..............................................................................................................

1.0   DIE SEHNSUCHT.........................................................................................

1.1      Die Sehnsucht nach Gott............................................................................

1.2      Einwände gegen die Verbindung Sehnsucht mit Gott..............................

1.2.1   Die sexuelle Variante der Liebe .................................................................

1.2.2   Die Psychologie unter Freud .....................................................................

 

 

 

 

 

 

Einführung

 

   1.0   DIE SEHNSUCHT

 

Es gibt eine Sehnsucht nach Irgendwo. Es gibt ein heißes Sehnen, ein tiefes Verlangen, daß sich in der tiefsten Tiefe der menschlichen Brust befindet: im Herzen. Dort äußert es sich dann und wann. Diese Sehnsucht ist jenseits von Worten, ist jenseits von Taten. Sie ist das höchste Gefühl einer empfindenden Seele. Selbst in Momenten tiefster Verzweiflung kann es geschehen, daß eine innere Ruhe eintritt. Für den klar umrissenen Moment gibt es dann ein ungeheures Gefühl der Stärke, des Trostes. Es ist, als ob die Sehnsucht für einen Moment gestillt würde, auf den Körper, auf den ganzen Geist übergreift und inmitten des Chaos eine Oase der Ruhe, der Zufriedenheit einkehrt. Der Frieden kehrt ein und vertreibt die Sorgen, vertreibt die Unrast.

Sehr oft geschieht es auch in normalen Situationen. Es genügt ein Sonnenuntergang, ein Blick von des Berges Höhe, ein Spaziergang in der freien Natur, die rauschende Stille des abendlichen Meeres. Diese Episoden werden mit einem Mal aus dem gleichförmigen Kontext des Alltags herausgehoben und gefühlsmäßig enorm aufgeladen. Es findet eine Transformierung statt, bei der dann dieses innere Gefühl auf die äußere Situation zurückkehrt und einwirkt. Es findet also eine innere Berührung statt. Diese Berührung kann wie ein Schock wirken und die betreffende Person wachrütteln. Meist jedoch wirkt diese innere Berührung seelentröstend und bettet das Bewusstsein desjenigen Menschen ein in ein übergeordnetes Ganzes. Das Bewußtsein fühlt sich dann endlich geborgen, fühlt sich sicher und befindet sich in einem harmonischen Grundgefühl und weiß dann, daß es ein Teil eines übergeordneten Ganzen ist.

Leider dauern diese Momente immer nur sehr kurz an. Die Welt fordert ihren Tribut und dringt mit aller Urgewalt in das Bewußtsein desjenigen ein. Und doch bleiben diese berührenden Gefühle, die das Äußere mit dem Inneren verbinden, als Oasen der Zufriedenheit zurück. Niemand kann sie einem nehmen. In diesen Momenten weiß man, daß die Sehnsucht real ist und ein Ziel hat. Man kann es jedoch noch nicht artikulieren. In den weiteren Lebensepochen sollte man dieses Gefühl nicht aus den Augen verlieren. Die Gefahr besteht, daß es im allgemeinen Welttrubel untergeht. Aber zum Glück gibt es verschiedene Methoden, um dieses harmonische Grundgefühl zu kultivieren. Es gibt gewisse Gedichte, Gemälde, Bücher, Musik, Theater. All das sind Elemente der Kultivierung dieses Gefühls der inneren Berührtheit. Sie können zu einer Verdichtung dieses Gefühls beitragen, können jedoch auch das Gegenteil bewirken.

Ein Beispiel solch einer Verdichtung ist z.B. das Gedicht von Josef von Eichendorff ”Mondnacht".2

Bei seinem Gedicht “Mondnacht” wird von einem naturhaften Moment zwischen dem Himmel, dem Mond, dem Wald ausgegangen. Es wird eine zauberhafte Stimmung eingefangen, die mehr offenbart, als sie offenbar vordergründig besitzt. Diese äußere Stimmung fängt die innere ein und schafft eine Berührung, schafft eine Verbindung zwischen beiden. Es verbindet sich die Seele des Menschen mit der Seele der Natur. Es verbinden sich Himmel und Erde aufgrund dieser zauberhaften Mondnacht. Dies kommt im dritten Vers ganz klar zum Ausdruck.

 

Mondnacht

 

Es war als hätte der Himmel

Die Erde still geküßt

Daß sie im Blütenschimmer

von ihm nur träumen müsst

 

Die Luft ging durch die Felder

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis die Wälder

So sternklar war die Nacht.

 

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.

 

Joseph von Eichendorff

 

 

Der normale irdische Aspekt der Mondnacht wird plötzlich von einer höheren Stufe aus betrachtet, die dem sinnlichen Auge sonst nicht zugänglich ist. Es wird seelisch-geistig gefühlt. Die Seele fühlt in diesem Moment ihre Verbindung mit der Heimat, der geistigen Heimat und spannt ganz weit ihre Flügel aus, um sich darauf vorzubereiten. Sie spürt, daß sie ebenfalls vom Himmel, sprich Geist so befruchtet werden kann, wie die Erde vom Himmel.

In diesem Sinne der Vorbereitung sind solche Gedichte etc. auch zu verstehen. Sie sollen die Vorbereitung der Seele sein, sich auf ihr Zuhause zu besinnen, es freudig aufzusuchen. Die Verbindung Geist - Seele wird dabei bekräftigt, wird gestärkt. Die Beziehung Geist - Seele ist dieselbe wie die Beziehung Vater - Sohn. Der Vater als Geist, als Zuhause, zieht den Sohn, zieht die Seele zu sich hin. Die Seele wird vom Vater gestärkt. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn hat sich der Mensch von seiner Heimat, hat sich also von Gott getrennt. Jeder von uns ist damit der verlorene Sohn!

Jedoch gibt es weitaus mehr Gedichte, Musikstücke etc., bei denen eine Schwächung der Seele stattfindet. Das Grundgefühl der Disharmonie wird noch weiter vertieft. Verzweiflung bleibt dann zurück. Die Seele fühlt sich quasi verloren, fühlt sich alleine gelassen. Sie ist von dem Gefühl der Geborgenheit sehr weit entfernt und wähnt sich davon völlig isoliert. Sie kann jedoch auch kurz davor stehen, ihre Sehnsucht bleibt dann noch unerfüllt So, wie dies u.a. Schiller in seinem Gedicht "Sehnsucht" ausdrückte.

 

Sehnsucht

 

Ach, aus dieses Tales Gründen,

die der kalte Nebel drückt,

könnt ich doch den Ausgang finden,

Ach wie fühlt ich mich beglückt!

Dort erblick ich schöne Hügel,

Ewig jung und ewig grün!

 

Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel,

Nach den Hügeln zög ich hin.

Harmonien höre ich klingen,

Töne süßer Himmelsruh,

Und die leichten Winde bringen

Mir der Düfte Balsam zu.

 

Goldne Früchte seh ich glühen,

Winkend zwischen dunklem Laub,

Und die Blumen, die dort blühen,

Werden keines Winters Raub.

 

Ach wie schön muß sich´s ergehen

Dort im ewgen Sonnenschein,

Und die Luft in jenen Höhen,

O wie labend muß sie sein!

 

Doch mir wehrt des Stromes Toben,

Der ergrimmt dazwischen braust,

Seine Wellen sind gehoben,

Daß die Seele mir ergraust.

 

Einen Nachen seh ich schwanken,

Aber ach! Der Fährmann fehlt.

Frisch hinein und ohne Wanken!

Seine Segel sind beseelt.

Du mußt glauben, du mußt wagen,

Denn die Götter leihn kein Pfand,

Nur ein Wunder kann dich tragen

In das schöne Wunderland.

 

 

Hier ist Schiller in einer Gemütslage, bei welcher er nicht so kann wie er will. Er findet die Verbindung Geist - Seele nicht. Er ahnt von ihr, aber er bleibt ihr fern. Seine Sehnsucht bleibt ungestillt. Er hat einfach kein Mittel, um dorthin zu gelangen, obwohl er das Himmlische präzisieren kann. Deshalb trifft ihn die Sehnsucht zum Himmel sehr viel härter. Er steht gewissermaßen vor den Pforten des Paradieses und erheischt nur einzelne Augenblicke. Er vermag es nicht, dem tobenden Strom Einhalt zu gebieten. Er ist nicht in der Lage, seine Seele zu beruhigen, er hat nicht mehr die Kraft dazu. Im dritten Vers wird auch deutlich, weshalb es ihm an Kraft fehlt. Er kennt den Fährmann nicht und hat deshalb kein Vertrauen zu ihm. Schiller gleitet dann in die Position des Zuschauers über und hat die Hoffnung aufgegeben. Er verbannt sie in das Reich der Wunder, weiß jedoch nicht, von welchem seiner Götter er sich dieses Wunder erhoffen soll. Im Gegensatz zu seinen anderen Gedichten, z.B. “Das Glück” benennt er die Götter diesmal nicht konkret, weil er nicht weiß, welcher von den vielen griechischen Götter für seine Sehnsuchtserfüllung zuständig ist.

Wenn man Schillers[1] als auch Goethes Verbindungen zu gewissen Freimaurerkreisen kennt, dann weiß man schon, warum Schiller sehnsuchtsvoll in die Ferne starrt.

Bei Eichendorff hingegen ist in seiner “Mondnacht” die Verbindung Seele mit Gott klarer ausgedrückt. Eichendorff weiß konkreter um die Verbindung der Seele mit Gott und verliert sich nicht in überholten Sagen des klassischen Altertums. Eichendorff war auch anders als Schiller und Goethe nicht in freimaurerische 3 Bestrebungen involviert.

Hören wir zum Schluß den extremsten Fall der unausgefüllten Sehnsucht, die schon verborgen und völlig zugeschüttet ist. Hier gibt es keine wie immer geartete Verbindung zwischen Geist und Seele. Hier gibt es nur das blanke Entsetzen vor dem Zerfall. Von der Unsterblichkeit der Seele ist hier nichts zu spüren, weshalb der Schock, den dieses Gedicht auslöst, auch am Größten ist.

 

 

Bin ich es

 

Bin ich es, der nachts

durch mein Zimmer wandert,

oder der Bettler,

der durch meinen Garten schlich

in der Abenddämmerung?

Ich sehe mich um und finde,

daß alles noch gleich ist,

und ist doch nicht gleich...

War das Fenster offen?

War ich nicht eben eingeschlafen?

War der Garten nicht blaß-grün?...

Der Himmel war klar und blau.

Und da sind Wolken

und es ist windig und der Garten

ist dunkel und traurig.

Ich glaube, mein Haar war schwarz

Ich war gekleidet in Grau ...

Und mein Haar ist grau

und ich bin gekleidet in Schwarz ...

Ist dies mein Gang?

Hat diese Stimme,

die nun in mir hallt,

noch den Rhythmus der Stimme,

die ich einmal hatte?

Und bin ich ich selbst,

oder bin ich der Bettler

der durch meinen Garten schlich

in der Abenddämmerung?

Ich sehe mich um ...

Da sind Wolken, und es ist windig

Der Garten ist dunkel und traurig

Ich komme und gehe ...

Ist es nicht wahr,

daß ich bereits eingeschlafen war?

Mein Haar ist grau ...

Und alles ist gleich und doch nicht mehr gleich ..

 

Ramon Jimenez

 

Span. Dichter, 1881-1958, lebte später in Amerika, erhielt 1956 den Literatur Nobelpreis

 

Hier gibt es keinen Trost mehr, weil es hier auch keine Seele und keine Heimat für die Seele gibt. Hier löst sich alles in der Frage nach dem Sinn des Lebens auf. Wozu schuftet man Tag für Tag, wozu verschafft man sich Privilegien gegenüber seinem Gärtner, wenn es am Ende des Lebens doch alles umsonst war? Hier herrscht die Grundstimmung der Verzweiflung, hier herrscht die Unentrinnbarkeit des Schicksals. Der Körper wird vergehen, er wird verfaulen. Was außer ihm bleibt dann noch? Das blanke Entsetzen, die nackte Angst schließt sich daran an. Dieses letzte Gedicht symbolisiert die heutige Stellung der Menschen zu Gott. Es ist eine intellektuelle Position, bei welcher die Verbindung Mensch - Gott, die ja nur über die Seele als das Trägermedium Gottes geht, vom Intellekt einseitig unterbrochen wurde. Der Intellekt will nichts von der Seele wissen, weil er sonst automatisch Gott anerkennen müßte. Das aber ist der Grund der angesprochenen Verzweiflung. Das ist der völlig verlorene Sohn!

Anhand dieser drei Gedichte sehen wir, wie die innere Berührung mal mehr oder weniger, bzw. gar nicht aufkommt. Sie kann euphorisch mit der Verbundenheit des AllEINEN, des Übergeistes gefühlt werden. Sie kann aber fast schon resignierend geäußert werden, weil man keine erfolgreiche Strategie hat, sich dem erahnten Paradies zu nähern, weil man dem Führer mißtraut. Zuletzt wird nur die körperliche Seite betont, ein Paradies wird geleugnet, die Seele wird geleugnet, der Schöpfer wird geleugnet. Es bleibt die Unentrinnbarkeit des grausamen Schicksals und die Frage, warum das alles? Die Vehemenz dieses grausamen Schicksals bricht schockartig in das Bewusstsein des Betreffenden ein. Nichts und Niemand kann ihn aufhalten. Das ist dann der Kontrapunkt der inneren Berührtheit, welcher die Seele aufbaut. Hier dagegen findet eine Schwächung statt, die von unseren Medien noch extrem unterstützt wird.

 

 

1.1  Die Sehnsucht nach Gott

 

Doch trotz dieser Unterschiede gibt es etwas Gemeinsames. Keiner der drei Dichter spricht Gott gezielt an. Gott als Ziel der Seele kommt hier nur graduell, kommt nur zwischen den Zeilen zum Ausdruck. Eichendorff bezeichnet ihn mit "Heimat der Seele" noch am präzisesten. Bei Schiller bleibt nur die unklare Sehnsucht, die sich an imaginären Göttern verliert, bei Jiminez noch nicht einmal dieses. Die Wucht des Todes erscheint unausweichlich. Das Ende wird hier vehement gespürt. Es gibt keinen Trost. Es gibt keinen Himmel, es gibt einfach keinen Sinn.

Anhand dieser drei Beispiele wollen wir uns durch das Buch bewegen und den Fragen der Dichter nachspüren. Wir wollen das Grundgefühl der inneren Berührung konkreter fassen, wir wollen sehen, wer oder was dahinter steckt. Was ist das Ziel der menschlichen Sehnsucht? Wie kann es am effizientesten formuliert, gelebt werden? Gibt es eine Strategie der Sehnsuchtserfüllung, und wenn, kann sie schon auf Erden erfüllt werden?

Gibt es darüber hinaus einen Dichter, der diese Sehnsucht noch klarer, noch plastischer, noch begreiflicher darstellen kann, jemand, der gleichsam als der Vertreter des Schöpfers bzw. als der Schöpfer selbst agiert? Wer anders als der Erfüller der Sehnsucht ist die Erfüllung der Sehnsucht. Wer also füllt uns aus, wer sollte uns ausfüllen? Hören wir dazu einmal ein Gedicht eines ziemlich unbekannten Dichters, der jedoch, anders als die vorher genannten, Gott erkannt hatte.[2] .

 

 

 

Der Gnadenstrom

 

Es geht ein Strom durch alle Welt,

fließt klar durch alle Herzen.

Und wer sich in die Strömung stellt,

dem schwinden Not und Schmerzen.

Und wer in diesem Lebensstrom

sich kühlet seine Wunden,

der darf voll Licht und Freude bald

auf ewiglich gesunden.

Komm, Seele, und erhelle dich!

Die Strömung steht dir offen.

Und bald hat dich der Gnadenstrom

tief in das Herz getroffen.

Dann bist du reich, und seliglich

die hellen Wasser strahlen

aus deinem Herzen ewiglich

zu deinen Seelentalen.

 

Selig ist, wer die Liebe kennt und sein eigen nennt! Selig ist, wer Mich, die Quelle aller Liebe im Herzen trägt.[3]

 

 

Die Sehnsucht als ein starker Zug im Herzen muß befriedigt werden, um die Seele zu stärken. Man kann sie jedoch nie im Kopf spüren. Die Sehnsucht läßt sich nicht "erdenken", d.h. man kann ihr zwar mit Gedanken auf die Spur kommen, sie aber zu leben, sie zu fühlen geht mit dem Verstand aus nicht. Sie bleibt ihm unzugänglich, sie bleibt deshalb auch dem reinen Verstandesmenschen fremd.

Halten wir bei dem Gedicht vom Gnadenstrom einmal kurz inne und versuchen einfach es zu fühlen....... Fühlen wir die Wirkung, .....fühlen wir die Wirkung des Gnadenstromes in uns.......fühlen wir unsere Einsamkeit und unsere Not und fühlen wir dabei wie der Gnadenstrom uns wieder mit unserer Heimat verbindet und die Not lindert........atmen wir tief und ruhig durch und schalten unsere Gedanken einmal kurz ab.......erinnern wir uns dann kurz der anderen Gedichte und vielleicht spüren wir dann wie das Gefühl, welches wir bei Eichendorffs Mondnacht hatten, hier noch intensiviert ist. Der Gnadenstrom ist hier im Herzen lokalisiert. Die Heimat der Seele, die bei Eichendorf noch im Außenbereich gespürt wird, verlagert sich nun in den inneren Herzensbereich. Die Begriffe “selig” und “ewig” beziehen sich eindeutig auf das Herz. Fischedick schafft mit dem Gnadenstrom eine Verbindung zwischen Welt und Herz, die sehr viel präziser ist als unser Gefühl der Sehnsucht.

Das Gehirn, als blutleerstes Organ, kann die Wärme der Liebe, die sehnsüchtige Liebe nicht begreifen. Im Herzen, dem Organ das von Blutstrom zu Blutstrom durchpulst wird, befindet sich der Sitz dieser Sehnsucht. Das Herz ist das Organ der Tat, wohingegen das Gehirn mit seinem Verstand das Organ der Ruhe, das Organ des Denkens ist. Jedoch kann der Verstand keinen Grund zum Handeln finden, vielmehr findet er Gründe dagegen. Deshalb muß das Herz als Sitz des Gefühlszentrums, des Gnadenstromes, eine Handlungspriorität gegenüber dem Verstand haben. Man muß sich bewußt in diesen Gnadenstrom stellen und muß sich dort auch behaupten. Diese Handlungspriorität darf auch nicht erfolgen, um Gefühlen nachzugehen, die einen immer weiter von der Sehnsucht und damit immer weiter von unserem Gnadenstrom entfernen.

Es muß schon bei den Gefühlen entschieden werden, ob und inwieweit die Sehnsucht gestillt wird, damit die dann folgenden Taten im Einklang mit unserem Herzen sind. Natürlich denkt niemand bewußt daran, es ist auch nicht nötig. Aber wenn die Sehnsucht auf Gott, auf unseren Schöpfer zielt, dann müssen die Handlungen eben im Sinne Gottes geschehen. Dafür hat Jesus seinerzeit ganz klare Richtlinien gegeben:

 

"Liebe Gott über alles und den Nächsten wie dich selbst!" 

“Was du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinen anderen zu!”

 

Dann entscheidet also der Wille, bzw. die Absicht, um den Gehalt an Sehnsuchtserfüllung. Der Wille entscheidet also um den Liebesinhalt, weil die Sehnsucht auf die Erfüllung der Liebe zielt. Auf den Willen kommen wir später noch detaillierter zu sprechen.

 

 

1.2 Einwände gegen die Verbindung Sehnsucht mit Gott

 

Es drängt sich an dieser Stelle die Frage auf, warum Taten, die nicht aus der Liebe zum Nächsten geschehen, warum diese Taten die Sehnsucht nicht auch stillen können? Wieso soll überhaupt die Sehnsucht so wichtig für uns Menschen sein und warum ist die Sehnsucht die sehnsüchtige Suche nach Liebe? Man kann mit seinem Leben ja wohl auch zurechtkommen, wenn man nicht hinter jedem Baum, hinter jeder Begegnung, hinter jeder Aktion, kurz hinter jedem Gedanken gleich Gott wittert! Man kann wohl auch ganz gut ohne Gott leben, oder?

Anders gefragt: Wieso soll der Gnadenstrom von Gott kommen und warum soll er vor Leid und Schmerzen schützen? Das sind berechtigte Einwände, die wir hier sogleich klären müssen, damit sie nicht wie ein Damoklesschwert über unseren Ausführungen schweben. Wir haben ja weiter oben die Sehnsucht mit der Suche nach Geborgenheit erklärt die man z.B. auch im Gnadenstrom findet. Dabei verbanden wir diese Geborgenheit mit unserer Heimat und unsere Heimat mit Gott. Wir stellten fest, daß sie unsere Seele stärkt, daß Heimatgefühle letztlich die Seele stärken. Warum stärkt jedoch die Geborgenheit (Gnadenstrom) unsere Seele?

Weil die Geborgenheit in Gott unsere Heimat ist (unser verlorenes Paradies) und weil nur dort Gottes Liebe zu uns spürbar wird. Deshalb ist die Geborgenheit der Ausfluß Seiner Liebe, deshalb ist sie die Liebe selbst, deshalb ist die Liebe Gottes unsere Heimat und dort, wo wir unsere Liebe finden, dort finden wir unsere Heimat. Haben wir unsere Heimat gefunden, haben wir also unsere Liebe gefunden, dann erst ist unsere Seele gestärkt und kann immer weiter aus der Heimat (Gott) gestärkt werden. Die Liebe Gottes allein stärkt unsere Seele. Als Abglanz werden wir ja schon gestärkt, wenn wir von jemandem geliebt werden und dieses Gefühl erwidern. Liebe gebiert wieder Liebe! Allerdings haben wir die Seele, als auch diese Liebe noch nicht weiter definiert. Das mit der Seele werden wir später nachholen; bleiben wir vorerst bei der Liebe.

 

Zuerst noch der wichtige Hinweis, daß der Begriff der Seele automatisch an Gott gekoppelt ist.

Aus diesem Grunde gibt es den Begriff der Seele im öffentlichen Leben kaum noch. Er wird nur noch mit seiner griechischen Übersetzung als Psyche verwendet. Bei Psyche denkt man auch nicht mehr an Gott. Weil man jedoch allgemein akzeptiert, eine Psyche zu haben, sie auch transparenter und stärker zu machen, dabei aber nicht mehr an Gott denkt, haben wir einfach keine Gebrauchsanweisung mehr, wie und womit man seine Psyche nährt. Genauso wurde der Begriff der Heimat abgewertet und gilt nur noch als Indiz für die Einstellung der “Ewiggestrigen.”

 

Statt Gott haben wir uns also den Psychiatern, oder den Ärzten, den Göttern in Weiß, zugewendet und erwarten von ihnen unser "Seelenheil". Als Heimatlose sind wir also nicht bereit, in unsere Heimat zurückzukehren, weil selbst die Kirche nicht mehr als Heimat erkannt wird. Darum existiert die Alternative, uns der Kirche zuzuwenden, kaum noch, denn sie hat es versäumt, unsere Sehnsucht lebendig zu halten. Von der Kirche haben wir leider nur ein statisches Bild der Seele, ein statisches Bild von Gott, kein Bild der Heimat, keines der tätigen Nächstenliebe, dafür aber hierarchische Strukturen erhalten, die der "normale" Mensch ablehnen muß. Der Mensch spürt bei dieser Kirche eben nichts mehr von der Geborgenheit, bzw. diese Geborgenheit befriedigt sein Gefühl nicht mehr und genügt seinem Verstand nicht.

Mit der Ablehnung der Kirche wird leider auch die Religion, und damit auch Gott und damit eben die Heimat und dadurch auch die Liebe abgelehnt. Die Kirche hat sich des Alleinvertretungsrechts Gottes bemächtigt. Somit wenden sich die Menschen nicht nur von den Kirchen, sondern leider auch von Gott ab. Dieser kleine Einschub ist notwendig, um die Beziehung Mensch - Seele - Gott von dem statischen, toten Modell zu befreien wie es leider allzu oft von den Kirchen gelehrt wird, um den Akzent auf die dynamisch lebendige Beziehung Schöpfer - Seele - Mensch zu lenken.

Wenn wir nun davon ausgehen, dass unsere Seele primär nicht mit der äußeren Kirche, sondern mit Gott als unserem Schöpfer verbunden ist, dann kann es nur Handlungen in Seinem Sinne geben. Die Kirchen haben Seinen Sinn natürlich entsprechend interpretiert und sich bei ihrer statisch dogmatischen Interpretation naturgemäß zwischen Gott und Mensch gestellt und somit unsere Sehnsucht und damit unseren Gnadenstrom blockiert.

Deshalb suchen wir nun jemanden, der uns eine neue lebendige Offenbarung, der uns ein neues lebendiges Evangelium für unsere Sehnsuchtserfüllung bringt und kommen folgerichtig zu Jesus, der die einzige Person ist, die uns eine dynamische Auffassung von Gott deshalb gab, weil nur er Gott mit dem Menschen verbinden konnte. Nur Jesus war und ist dieser Vermittler zu Gott, ist dieser Messias und bleibt dadurch einzigartig. In Jesus wurde unsere schwache Liebe zu Gott und zu den Nächsten wieder mit der unendlichen Liebe Gottes verbunden. Jesus band also unsere Herzen wieder an den Gnadenstrom an. Er stillte unsere Sehnsucht und bleibt aus diesem Grunde zeitlos! Jesus bindet deshalb auch heute noch unsere Herzen und bleibt für ewig der alleinige Messias, bleibt der einzige Vermittler zu Gott. (“Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!”)

Gehen wir zur Frage zurück, warum Taten der Nächstenliebe im Sinne Jesu unsere Sehnsucht stillen soll, so können wir diese Frage jetzt präzisieren. Warum also soll Jesus unsere Sehnsucht stillen? Können denn nicht anstelle von Jesus, der eigene Partner, oder Buddha, oder Gott selbst treten?

Nimmt der Partner diese Stelle ein, so überträgt man seine Liebe, seine Hoffnungen und Sehnsüchte, aber auch seine Leidenschaften seinem Gegenüber. Das Gegenüber ist das Du und muß mit dieser Übertragung fertig werden. Das Du nimmt das Ich des anderen auf und gibt seinerseits sein Ich her. Aber wer das Ich des anderen aufnimmt, der nimmt auch dessen Leidenschaften, der nimmt also auch dessen Leiden und Träume auf und daran zerbricht er. Ein Mensch kann noch nicht einmal seine eigenen Leidenschaften tragen, geschweige denn diejenigen eines anderen, auch wenn es der Geliebte ist. Ebenso wenig die eigenen und erst recht nicht die Träume des anderen erfüllen. Die Liebe jedes Menschen ist damit völlig überfordert, weil sein eigenes Ich Angst vor den Leidenschaften hat und im Prinzip nicht leiden will. Der Liebende müßte also seine Geliebte völlig annehmen, ohne von ihr (ihm) in den Strudel der Leidenschaften zu geraten, andererseits müsste er dessen Träume verwirklichen können. Aber das ist paradox, denn ein völliges Aufnehmen des anderen bedeuten ja auch, daß man die Begrenzung seines eigenen Ich’s aufgibt. Dann ist man allerdings nicht mehr derjenige, der man mal war und man kennt sich selbst nicht mehr. Aber auch der Partner ist verwirrt und weiß nicht mehr wen er überhaupt liebt.

Die Übertragung der Liebe scheint zwar wie ein sehr großer Liebesbeweis, aber diese Liebe ist wohl doch mehr die eigene Hilflosigkeit und die eigene Resignation. Der andere wird dadurch zum Messias, der einen dort helfen soll, wo man sich selbst nicht mehr helfen kann, doch das kann ohne die Verbindung mit Gott keiner und es bleiben dann nur Verführer und Verführte übrig. Bei dieser wechselseitigen Übertragung geschieht nun auch nichts Neues, außer das die Frau z.B. sich dem Willen des Mannes unterwirft und umgekehrt der Mann sich der Frau unterwirft. Aber es gibt Grade von Sehnsüchten, Grade von Liebe, weshalb das gegenseitige Verhältnis nie ausgewogen sein kann, weil die Partner nie gleich sind.

Jahrhundertelang nahm so z.B. die Frau die Sehnsüchte des Mannes auf und konnte sie ebenso wenig befriedigen, wie es im Zuge der Emanzipation andersherum heutzutage geschieht. Das Bild des anderen in einem wird irgendwann statisch, weil das eigene Ich dagegen kämpft. Das eigene Ich möchte die Grenzen seiner Konturen auch zuliebe des Partners nicht aufgeben. Irgendwann wird deshalb das Bild des Partners statisch. Von den anfänglichen Sehnsüchten bleibt so nicht viel übrig und Enttäuschung und Verzweiflung bricht herein.

Wie soll der Partner auch damit fertig werden, für den anderen zu leben, zu lieben, den anderen voll in sich aufzunehmen, wenn er noch nicht einmal für sich selbst funktioniert, wenn er noch nicht einmal sich selbst völlig angenommen hat? Es treffen sich deshalb auch nur zwei Blinde und führen sich gegenseitig zum Abgrund. Das ist die Ehe, bzw. die freie Ehe von heute. Ja, frei ist sie in der Tat, aber frei von Gott! Warum wohl ist die Scheidungsquote heutzutage so hoch, warum wohl wollen sich viele Ehen nur mit einem, höchstens aber mit zwei Kinder “belasten?” Ist das denn nicht ein Zeichen, das es an der gegenseitigen Liebe mangelt! Viele Ehen setzen dafür verstärkt auf das Geldverdienen und benutzen dann dieses, um sich vor der gewollten Kinderlosigkeit zu trösten.

Damit findet eine Sehnsuchtsreduzierung statt, weil das geistige Gefühl der Sehnsucht auf ein materielles Gefühl des “Habenwollens” umgemünzt wird. Um mit dem Psychologen Erich Fromm 4 zu reden, vollzieht sich damit eine Transversion vom “Sein” zum “Haben.” Das Geld wird somit zum materiellen Ersatzstoff der geistigen Sehnsucht, so ähnlich, als wenn ein vernachlässigtes Kind seinen von den Eltern hervorgerufenen Liebesmangel durch eine vermehrte Nahrungsaufnahme kompensiert. (sich dick ißt) Eine typische Krankheit materieller Wohlstandsländer, deren Kinder seelisch-geistig verkürzt sind.

Auch wenn der Partner gleichgeschlechtlich ist, wird die gegenseitige Übertragung statisch, weil die Sehnsüchte des einen sich im anderen spiegeln. Sind beide mehr oder weniger identisch, dann sind auch die Spiegelbilder gleich und provozieren dadurch noch schneller das vorzeitige Ende. Gleiche Bilder stoßen sich eben irgendwann ab, sie bekämpfen sich. Damit das nicht zu schnell geschieht, verfallen die homosexuellen Paare denn auch ganz automatisch auf ein gewisses Rollenspiel. Sie agieren damit ähnlich wie die heterosexuellen. Aber auch dieses Rollenspiel kann ihnen die sehnsüchtigen Gefühle nicht vermitteln, weil es dazu eines Dritten bedarf, der eigentlich der Erste ist. Wer das genau ist, das klären wir noch.

Der Partner kann eben nur das geben, was ihm gehört, weshalb sich von allein die Frage stellt, wem denn eigentlich die Liebe gehört, zu der uns diese Sehnsucht hintreibt? Oder treibt sie uns gar nicht zur Liebe, sondern zur Weisheit oder irgendwo anders hin?

Betrachten wir unsere geistige Abstammung, dann müssen wir erkennen, wie wir eigentlich in Liebe gezeugt und empfangen und auch in Liebe großgezogen sein sollten. Allerdings müssen wir einräumen, daß dieses nur sehr selten der Fall ist. Diese vielzitierte Liebe bleibt nur ein unerreichbares Ideal, weshalb sich für jeden Menschen ein mehr oder weniger großes Liebesdefizit ergibt. Dieses Ideal jedoch, das in uns als ideelle Größe verankert ist, ja sogar verankert sein muß, da wir sonst wohl kaum eine Sehnsucht nach Liebe haben könnten, ist darum diejenige Bezugsgröße, die unseren idealen Sollwert mit dem erhaltenen Istwert an Liebe vergleicht. Die Differenz ist eben die Sehnsucht zum Sollwert. Also müssen wir schon vor unserer Geburt eine Liebesgröße erhalten, an der sich das tägliche Leben mißt. Dieses Maß wird uns in Form der Sehnsuchtsgrade mitgeteilt, die deshalb auch nur Grade der unerfüllten Liebe sind.

Schauen wir einmal auf den Akt der zu unserer körperlichen Entstehung führt, dann sehen wir darin mehr tierische Leidenschaften mit egoistischer Triebbefriedigung als die oben angesprochene Liebe. Diese doppelte Diskrepanz zwischen der ideellen und der realen Liebe einerseits, sowie andererseits der Empfängnis in aller tierischen Leidenschaft ruft unser persönliches Schicksal hervor und ist in seiner Konsequenz kein Wissensmangel oder sonstiges, sondern eine defizitäre Liebe. Diese defizitäre Liebe kann nur überwunden werden, wenn wir uns dorthin begeben, wo wir sie wieder auffüllen können. Wir müssen also zum Dritten gehen (nach Vater und Mutter der  Dritte), der aber der Erste ist, weil er die Ursache und Erfüllung der Liebe darstellt, die uns von unseren Leiden erlöst. Wir müssen dorthin, wo der Urgrund der Liebe ist. Diese Liebe müssen wir als höchstes Gut erringen. In dieser Liebe wird der Dritte zum Nächsten, wird der Nächste zum Ersten, weil das Erste eben diese Liebe ist, weil wir dadurch ebenfalls diese Liebe werden, weil wir dann mit demjenigen verknüpft sind, der diese Liebe ist: Und das ist Gott.

Das kann niemals die Evolution als anonymer Begriff sein. Allein die Vorstellung, daß diese Liebe nicht von Gott, sondern von der Natur kommt, mag niemanden trösten oder diese Sehnsucht auch nur ansatzweise befriedigen. Die Liebe ist ein geistiges Gefühl, während die Natur nur ein materieller körperlicher Begriff ist. Wäre die Natur für die Liebe verantwortlich, dann wäre sie damit Gott. Das ist dasselbe, als wenn man behauptet, ein Haus sei für seinen Bauplan verantwortlich, es würde seinen Bauplan schaffen oder ein Buch schaffe die Ordnung seiner Wörter zu Sätzen, diese Sätze erschüfen ihren Sinn. Nein, es geht nur immer umgekehrt. Erst kommt die geistige Idee als Liebe, die etwas schaffen möchte, erst kommt der Bauplan, dann das Haus, erst kommen die Gedanken und Gefühle, dann erst die Worte und Sätze, erst kommt der Gedanke, dann die Tat. Wir sehen daran, daß Geistiges immer über und vor Materielles steht. Vor der Natur muß deshalb auch ein Plan Pate gestanden haben. Wie soll sich auch ein undifferenziertes Chaos selbst geordnet haben, wenn diese Ordnung nicht von außerhalb kommend in ihr projiziert wurde? Oder kommen unsere Gedanken und Gefühle etwa nur aus uns, etwa aus unserem Kopf ? Angenommen ja, wer hat sie denn dort hinterlegt, denn wir waren es ja wohl nicht?

Ein nur einigermaßen denkender Mensch muß sehr unglücklich, sehr unbefriedigt und sehr ängstlich sein, muß wenig Liebe haben, wenn er diese Zusammenhänge nicht erkennt, sie nicht wahrhaben will und sich nur an die Evolution klammert. Wenn er nämlich so denkt, dann empfindet er es auch so und betrachtet die Natur dann höchst chaotisch und sieht sich umgeben von Tod und Verderben. Das macht ihm Angst und deshalb klammert er sich an einen Gefährten. Genauso unverständlich aber sieht er sich, d.h. seine eigene Natur. Er wird sich und seine Natur genauso wenig verstehen können, wie er die Umgebung verstehen kann. Er kennt sich nicht, er ist von seiner Wurzel getrennt, bzw. er hat sich selbst von seinem Ursprung getrennt und wird ganz natürlich auf die Natur seines Gefährten schauen ohne ihn jemals verstehen zu können.

Hier gilt es wie in einem abgewandelten Heine-Spruch:

 

selten haben wir uns verstanden, nur wenn wir uns im Kot (Triebe) wälzten, verstanden wir uns glänzend.“

 

Man kann die Natur nie aus sich selbst heraus verstehen, und wird seinen Trieben höchstens freien Lauf lassen: etwas, was uns die Psychiater gerne empfehlen. Genauso wenig kann jemand ein Kunstwerk verstehen, wenn er nichts von der Intention des Künstlers weiß. Will sich das Kunstwerk Mensch verstehen, dann muß es sich eben um die Intention des Schöpfers kümmern, sonst geht es ihm so, wie den Psychiatern, die nachgewiesenermaßen zu den unglücklichsten Geschöpfen zählen, weil sie die naturmäßige, materiell geprägte, tierisch-sexuelle Art der Liebe in der sie durch den körperlichen Akt geschaffen wurden bevorzugen, ohne an das hohe geistige Ideal der Liebe zu denken, die erst den Wert des Menschen ausmacht.

Solche Menschen haben immer die Tendenz zur Depression und bewegen sich damit ziemlich nahe an das Gedicht von Jiminez. Sie haben die Stufe der sehnsüchtigen Suche eines Schillers schon verlassen und sehen kein Land mehr.

 

 

1.2.1 Die sexuelle Variante der Liebe

 

Nur deshalb passiert bei den heterogenen als auch bei den homogenen Partnern die typische menschliche Reaktion, sie verbinden ihre Sehnsucht mit der sexuellen Variante der Liebe.

Wie wir eingangs festgestellt haben, ist die Verbindung der Seele mit der Sehnsucht diejenige, wo sich die Seele mit dem Geist für eine kurze Zeit zusammenschließt. Die Seele wird durch diesen Zusammenschluß enorm mit der geistigen Potenz von Gott aus aufgeladen. Die Sehnsucht ist also geistig und nicht materiell ausgerichtet.

Bei den menschlichen Partnern ist sie allerdings nicht geistig, sondern materiell orientiert. Der Sehnsucht wird nachgegangen, indem die vormals geistigen Berührungspunkte zwischen Seele und Schöpfer in die sexuelle Berührung zwischen zwei materiellen Körpern umgedeutet werden. Dabei findet auch eine geistige Verbindung zwischen den Liebenden statt, aber sie befindet sich auf ein sehr geringes Niveau. Im Vordergrund steht eher die körperliche Seite, steht heutzutage die Lust. Beide Partner schließen sich damit kurz und verursachen so einen enormen Potentialverlust.

Von einer Stärkung der Seele kann bei dieser materiellen sexuellen Variante der Liebe keine Rede sein. Der Gnadenstrom versiegt, man stellt sich außerhalb. Die Partner erschöpfen sich nur gegenseitig. Die Anfangsliebe, die ihren Ursprung im geistigen Bereich hat, wird durch die Sexualität immer mehr verzehrt. Man liebt zuerst den Partner, weil man in ihm ja das Ideal sieht (einen Minigott). Man stellt nicht sofort die sexuellen Handlungen in den Mittelpunkt. Nein, im Normalfall der Liebe idealisiert man den Partner und stellt sich vor, wie er ist, bzw. wie er sein könnte. Der Partner wird dann jemand, der einen die Sehnsucht wiederbringen könnte, der also das schaffen könnte, was man selbst nicht mehr kann: Nämlich die Sehnsucht zu stillen! Damit wird der Partner wie oben schon kurz angedeutet zu einem Messias- Ersatz.

Aber dieses rein geistige Gefühl verliert sich in der körperlichen sexuellen Version der Liebe. Statt diese Sehnsucht zu stillen, wird sie allmählich vergessen. Es erscheint dann im Nachhinein wie eine Fiktion, wie etwas aus den Kindertagen, was zwar schön war, was man jedoch nicht mehr greifen kann. Man hat es vergessen wie man Märchen vergißt und muß sich eben mit etwas anderes trösten, indem man sich der so geschaffenen Realität stellt und so automatisch wieder zur konkreten Sexualität greift. Deshalb ist die zu starke Ausprägung auf die sexuelle Tätigkeit der Liebe nicht von Vorteil! Der gegenseitige Respekt und die Freiheit sich auch mal jenseits der körperlichen Triebe moralisch-sittlich weiter zu entwickeln, sollte eigentlich im Vordergrund stehen, tut es aber nicht.

Leider bemerken sehr viele Menschen nicht, wie der Begriff der Liebe auf die sexuelle Erscheinung, und damit auf die materialistische Abart festgelegt wurde. Liebe ist ambivalent, sie hängt einerseits zwischen dem geistigen Pol der liebevollen Freiheit (des Sein), dem sich Aufgeben um im Größeren seine Bestimmung zu finden. Andererseits ist in ihr ein sehr starker Zug nach unten, zum Besitz, zum Haben-wollen, vorhanden. Dieser Zug nach unten, der ein materieller ist, äußert sich ja in der Sexualität, weil der pure Sexualtrieb ein egoistischer Genußtrieb ist.

Dabei könnte der Mensch auch bei der sexuellen Ausübung der Liebe spüren, wie irgendetwas nicht stimmt. Je nach Entwicklung merkt er mehr oder weniger oft, wie ihm der Geschlechtsakt eigentlich fremd bleibt. Zwischen seinen körperlichen Bewegungen, die das Ziel haben zum Orgasmus zu kommen und seinem Geist können sich plötzlich fremde Gedanken schieben. Das Bewusstsein koppelt sich dann von dem Bewegungsapparat ab. Es findet eine Spaltung zwischen Körper und Geist statt. Wie von einer höheren Warte aus kann man dann seine Bewegungsabläufe und die Reaktionen des Partners registrieren, ohne davon geistig-seelisch berührt zu sein.

In diesen Momenten könnte man schon erkennen, daß der sexuelle Liebesakt nur ein körperlicher Reiz ist, der die Seele und den Geist in ihr eigentlich nichts angeht. Die Frage, was um alles in der Welt man da macht, könnte auftauchen. Sich in dieser Phase wieder auf den Geschlechtsakt zu konzentrieren, fällt dann wirklich schwer. Diese Gedanken irritieren. Man fühlt sich gespalten und ist sehr unsicher, weil man nicht weiß, daß diese Reaktion eigentlich erst den Menschen auszeichnet. Aber durch unsere “sexualisierte Umwelt” werden solche Menschen wieder auf Kurs gebracht und meinen, sie funktionierten nicht richtig. Aber nur das Tier kennt keine fremden Gedanken, sondern ist völlig in diesem “tierischen” Akt gefangen.

Allerdings passiert das auch vielen Menschen, die, wenn gewisse Stimulanzien gegeben sind, diesen Mechanismus nicht mehr steuern können. Deren Verbindung Seele - Schöpfer ist dann schon zu sehr geschwächt. Deren Seele ist so vermaterialisiert worden, daß sie diesen mehr geistigen Liebesakt in völliger körperlicher Hingebung mit allerlei Ausschweifungen genießen und glauben, sie müßten es. Dabei kann man gerade in der sexuellen Beziehung zum Partner sehen, wo man seine Probleme mit Gott hat. Menschen im tiefen göttlichem Sein, Menschen, die ihre Heimat der Seele gefunden haben, kennen keine Sexualität. Sie kennen damit keine materielle Ersatzbefriedigung zur Steigerung ihrer eigenen egoistischen Lustbefriedigung. Ihr Gott ist der Gott der Liebe und ist nicht die schlangengleiche Sexualität.

 

 

1.2.2 Die Psychologie unter Freud

 

Zu Anfang des 19. Jhdt. wurde dieser materialistische Zug nach unten von Freud (1856 - 1939) sehr stark betont und überdeckte die liebevollen, reingeistigen Gefühle. Hören wir dazu den heutigen Fachmann Prof. Dr.Dr. Josef Rattner 5:

 

"Sein Leben (Freud) war eingefügt in epochale geistige Wandlungen, an denen er selbst großen Anteil hatte, indem er alte Denkformen zerbrach und traditionelle Vorurteile entlarvte......

Als Anhänger einer materialistischen Weltanschauung träumte er offenbar davon, auch das Seelenleben in die Einheit der Natur einordnen zu können, so daß es mittels des Kausalgesetzes und der energetischen Betrachtungsweise wie ein "Naturobjekt" abgehandelt werden konnte.

Die künstlerische Seelendeutung ist zu ersetzen durch eine exakt- wissenschaftliche, die sich der Physik, der Chemie, der Biologie usw. angleicht. Dieser Traum des Naturwissenschaftlers Freud ist nicht in Erfüllung gegangen."

 

Soweit J. Rattner.

 

Denn so exakt wissenschaftlich läßt sich die Psyche nicht festlegen. Trotzdem war dieser materialistische Einfluß so groß, daß sich die Psychologie davon nie richtig frei machen konnte. Die drei Hemmschuhe des Menschen, die Freud damals postulierte, gelten in der Psychologie nach wie vor.

Diese sind die autoritären, religiösen und sexuellen Denkhemmungen, die den Menschen hindern, seine ureigensten Interessen wahrzunehmen. (laut Freud)

Freud sah sich deshalb als Aufklärer der Menschheit und wollte die Menschheit von diesen beschränkenden Strukturen befreien. Er rebellierte gegen jegliche Art von Autorität und ließ noch nicht einmal die elterliche Autorität gelten, die das unreife Kind ja nur vor sich selbst schützen will. Darauf baut denn auch die antiautoritäre Erziehung auf, die, wie wir wissen, nichts mit Liebe, dafür aber mit völliger Lieblosigkeit, Disziplinmangel, Unfähigkeit, Trieb- und Launenhaftigkeit zu tun hat. So ein Kind ist eine Strafe für jede Eltern.

Die Religion galt Freud nur als Opium für das Volk. Die Religion war ihm nur eine "universelle Zwangsneurose", die das Volk angeblich betäubte. Daß innerhalb dieser Religion jedoch die Werte der Nächstenliebe vertreten sind, interessierte ihn nicht. Die sexuelle Denkhemmung versuchte er mit seinem eigens entwickelten Penisneidkomplex völlig lächerlich zu machen. Als Ausläufer dieser Vorstellung haben wir heute z.B. das Schlagwort Des-Sich-Auslebens, d.h. man solle doch jedes sexuelle Tabu durchbrechen. Damit zielte Freud ganz eindeutig gegen die 10 Gebote Mosis, die in ihrer Anwendung eine gesicherte Existenz innerhalb einer gesunden Familie innerhalb eines geordneten Staates bedeuten. Denn Freuds Antiautorität zielt eindeutig gegen das erste, das zweite und das vierte Gebot:

 

1. “Ich bin Dein Herr und Gott, Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben!”

2. “Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren!”

4 “Du sollst Vater und Mutter ehren!”

 

Damit rief Freud ganz eindeutig zum Widerstand gegen die oberste Autorität, sowie gegen die Eltern auf. Freuds sexuelles Vermächtnis griff ganz klar das sechste und das neunte Gebot an:

 

6. “Du sollst nicht ehebrechen!”

9. “Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib”

 

Von diesem großen Schlag, den die Psychologie der Religion versetzte, hat sie sich nie richtig erholt. Aus diesem Grund auch wurde die Liebe, die den Schöpfer mit der Menschheit verbindet, nur als Fiktion, wurde als romantisches Geschwafel abgetan. Die Wurzeln der sexuellen Liebe, der völligen Freiheit, der Umwertung der Werte, sind hier bei Freud und seinen Nachfolgern begründet.

Bestand schon bei Nietzsche 6 die verhängnisvolle Tendenz das Gefühl der Liebe, die Verbindung Mensch - Seele - Gott zu leugnen, (Gott ist tot!) so wurde sie bei Freud endgültig zu Grabe getragen. Während man bei Nietzsche den gesellschaftlichen Bezug noch misste, kam er im Zuge der freudistisch geprägten Ära der 30er bis 50er Jahre vollends zur Wirkung. Freud hielt Eingang in soziokulturelle Bereiche. Ganze Generationen von Psychiatern und deren Abkömmlinge wurden zuerst materialistisch mechanistisch, später humanistisch, behavioristisch, dann existentialistisch etc. ausgebildet und auf die Völker losgelassen.

Bestrebungen wie von Frankl 7, den Patienten direkt zur Kirche hinzuführen, bleiben und blieben die absolute Ausnahme. Frankl stellte Freuds Feststellung der religiösen Zwangsvorstellungen entgegen, daß Zwangsneurosen nur entstünden, wenn es keine Religion mehr gäbe. In der gesamten Psychologie gab und gibt es kaum einen, der die Verbindung Jesus mit der Menschheit auch nur ahnt, bzw. in ein Konzept bringt und transparenter macht.

Wichtige Fragen wären z.B., warum man die Zehn Gebote einhalten soll ? Warum die Religion wichtig ist ? Warum die Sehnsucht zur Liebe in uns eingepflanzt ist ? Ob diese Sehnsucht ein Mensch befriedigen könnte ? Was es mit dem „Vaterunser“ auf sich hat ? Etc...

Allerdings müßte man, um diese geistigen Fragen zu klären, auch geistige, d.h. liebevolle und weise Untersuchungen anstellen, um sie zu beantworten. Schaut man dagegen auf die Psychologie, so sieht man eher, daß sie keine Liebe zu ihren Probanden hat, bzw. daß sie die richtige Liebe dazu nicht hat. Denn sie hat nur die materielle Ausprägung der Liebe, weil sie ihre Wurzeln in der Sexualität und eben nicht bei Gott hat. Wenn wir von dem dreigliedrigen Prinzip zwischen Körper-Seele und Geist ausgehen, dann ist diese sexuelle Sichtweise nur die Sichtweise des Körpers mit seinen Gedanken. Wo bleibt jedoch die Sicht der Seele, und wo bleibt die des Geistes?

Die psychologische Sichtweise hat deshalb eine Reduzierung von dieser Dreiheit zu einer Zweiheit zur Folge. Das duale Prinzip bezieht sich also nur noch auf den Menschen, insoweit er als Körper und Seele bzw. als Körper und Geist betrachtet wird. Gott – Seele und Mensch hängen dann nicht mehr zusammen. Betrachten wir jetzt einmal unsere Ausgangsposition, wo mit Hilfe der Gedichte eine innere Berührung zwischen Geist und Seele stattfand, die den Körper stärkte, so ist diese bei der Psychologie nicht mehr gegeben. Hier findet die Berührung zwischen dem Körper und dem Geist statt. Von Seele im ursprünglichen Sinn ist überhaupt nicht mehr die Rede. Das erinnert ein wenig an die Wissenschaft und ist der Preis dieser “Verwissenschaftlichung” der Psychologie!

Weil dieses duale psychologische Denken jedoch Eingang in unsere Kulturen gefunden hat, wurden die "drei Hemmschuhe" soweit abgebaut, daß sie nun kaum noch vorhanden sind. Wo sind unsere Autoritäten, wo ist unsere Religion, wo ist unsere Liebe geblieben?

Für den sexuellen “Hemmschuh” können wir das körperliche Prinzip betrachten. Für den autoritären “Hemmschuh” setzen wir die Seele, soweit sie mit den Eltern und Gott im Einklang ist. Für den religiösen “Hemmschuh” gilt zuguterletzt das Ziel all dieser Bestrebungen. Der religiöse Hemmschuh ist natürlich Gott, ist dann der reinste Geist.

Erstaunlicherweise hat Freud wohl mehr unbewußt gegen sein eigenes duales Prinzipien verstoßen, weil seine Zielrichtung mit dem Körper, der Seele und Gott, eine dreifache ist. Wenn er denn nur Körper und Geist geduldet hat, warum zielte er dann gegen die Verbindung der Seele mit Gott? Sie hätte doch nach seiner Anschauung gar nicht da sein dürfen?

Also war sich Freud doch der Existenz Gottes bewußt, wollte das jedoch nicht wahrhaben. Dagegen kämpfte er zeitlebens an, dagegen kämpft heutzutage fast jedermann.

Wir kommen deshalb nicht umhin, das festzustellen, was Josef von Eichendorff 8 mit dem verstümmelten Menschen bezeichnete. Der Mensch von heute ist zerrissen, weil seine Seele zerrissen ist. Er hat keine Orientierung mehr. Die Freiheit des Denkens, der radikale Abbau von althergebrachten Werten und Normen hat sein Denken von der Wurzel losgelöst, hat es also von Gott gelöst. Die innere Berührung zwischen Seele und Geist ist sehr selten geworden. Eichendorffs “Goldenes Zeitalter” bezeichnet hingegen die Zeit, wo diese Verbindung zwischen der Seele und Gott so intim war, daß der Körper als Sinnbild der Natur ebenfalls in Frieden lebte. Körper und Seele, d.h. Natur und Geist waren im Einklang und berührten sich auf der geistigen Ebene. Diese permanente Berührung machte die Seele klar und rein und wirkte auf den Körper wie die Sonne auf uns wirkt. In den Gedichten von Eichendorff wird schon gar nicht mehr von der Sonne gesprochen, dafür war der damalige Zustand schon zu seelendunkel. Folgerichtig konnte der Dichter nur vom Mond und von der Nacht, also von der Mondnacht sprechen.

Das Dunkel der Seele wurde nur sporadisch vom Mond erhellt. Es blieb darum die Sehnsucht nach dem Tage, nach der Sonne, nach dem Licht und der Wärme dieses Goldenen Zeitalters. Die Seele konnte sich also nur noch im Dunkel der Nacht mit dem bißchen Mondlicht treffen. Immerhin reichte dieses Mondlicht (Vollmond) der dadurch verzauberten Nacht aus, um der Seele eine Ahnung, eine Gewißheit, eine Spur eines Geheimnisses zu vermitteln, die in dieser mystisch verzauberten Dunkelheit versteckt lag.

Die Seele will aus der Dunkelheit heraus ans Licht, sie will zur Heimat zurück, aus der sie vor undenkbar langer Zeit vertrieben wurde. Bliebe die Seele länger in dieser Nacht und schwände das Licht des Vollmondes, dann würde diese zerrissene Seele den Weg nach Hause nicht mehr finden. Betrachtet man die heutige Zeit unter dieser o.a. Symbolik, dann wäre die Vollmondnacht vorbei und wir hätten noch nicht einmal Halbmond, sondern höchstens Neumond. Der Mensch kennt seine Heimat nicht mehr, weshalb seine Seele weint. Er steht außerhalb des Gnadenstromes und leidet deshalb körperlich und seelisch.

Es ist schon soweit, daß der ehrliche Mensch als der Dumme 9 bezeichnet wird. Liebe ist heute mehr denn je käuflich, sexuell alles erlaubt was gefällt, etc. Die Wahre Liebe ist zur Ware Liebe verkommen.

Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob die Liebe zum Partner die Sehnsucht des Einzelnen stillen kann, nur verneint werden. Die Sehnsucht, sofern nicht geistig befriedigt, kann nicht unter Menschen gestillt werden. Als geistiges Substrat gehört sie jener Sphäre an, die mit Gott verbindet, die zu Gott gehört. Gott ist die Heimat der Seele, weil die Seele aus Ihm kommt. Damit wird das Heimatgefühl zu einem Gottesbekenntnis. Wer seine Heimat in Gott hat, der steht innerhalb des Gnadenstromes. Wer diese Heimat hat, der hat zumindest einen Teil seiner Sehnsucht befriedigt. Das seine wahre Heimat jedoch in Gott liegt, weil dort das Paradies ist, das wird einem nicht sofort bewußt. Aber in dem Verlangen, seine Heimat, sein Haus, seine Umgebung zu verschönern und so zu gestalten, daß es einem selbst und dem Nächsten gefällt, darin liegt der Drang der Sehnsucht zum Paradies. Wenn schon nicht im Himmel, dann will man es wenigstens hier auf Erden haben. Es gibt also zwei Zustände, die das Paradies kennzeichnen:

Einmal einen Ort, den man aber zweitens erst dann als Heimat bezeichnet, wenn man ihn liebt, weil man jemanden liebt, bzw. weil man dort von jemandem geliebt wird. Gemeinsam will man dann diese Heimat verschönern. Die Liebe, die man dort erfährt, färbt dann gleichsam auf die Umgebung ab und markiert diesen Ort unzweifelhaft als Heimat. Deshalb bleibt die Liebe zur Heimat die Sehnsucht zur Liebe, die man dort aufnimmt und die man dort aber auch gerne abgibt. Weil die Liebe nicht Eigentum der Menschen ist, kann einem diese Heimat jedoch sofort genommen werden, wenn einem diese Liebe genommen wird, weil man sich bewußt außerhalb des Gnadenstromes stellt. Den Preis dieser bewußten Entscheidung gegen Gott sieht man bei der Parabel von der Vertreibung aus dem Paradies. Man fühlt sich dann heimatlos, fühlt sich vertrieben und einsam, so wie z.B. Friedrich Hölderlin, der ruhelos umherwanderte. Wäre die Menschheit wieder bei Gott so wie im Goldenen Zeitalter, kennte sie Ihn persönlich, weil sie Jesus kennen würde, dann erst wäre die Sehnsucht durch Menschen zu erfüllen. Aber nur, weil in diesen Menschen zuerst Gott, und dann erst der Mensch wirkt.

Solange eine Psychologie der Verfremdung existiert, solange die Kirche die Sehnsucht der Menschen nicht auf Jesus lenkt, solange das Heimatgefühl denunziert wird, solange kann die Sehnsucht der Menschheit nicht erfüllt werden.

Die Psychologie ist der letzte, dafür aber stärkste Angriff auf Gott. Wenn es nicht so wäre, dann gäbe es sie gar nicht. Beide verhalten sich spiegelbildlich. Jedoch ist an diesem Dilemma die Religion schuld, die es versäumte, den Glauben der Menschheit lebendig zu halten. Deshalb brachen aus der Religion die Naturwissenschaften heraus. Sie versuchten sich auf ihre Weise um die Lösung der Sehnsuchtsfrage. Die Psychologie ist nun die stärkste Bastion geworden, um die Existenz Gottes zu verneinen. Sie hat sich als letztes Kind der Religion von ihr befreit und leugnet somit ihre Mutter. Sie geht so weit, daß sie die Existenzberechtigung ihrer Mutter in Frage stellt.

Aber leider werden die Menschen tagtäglich mit eben dieser Psychologie konfrontiert. Sie fließt unterschwellig ein in das Handeln und Denken des Einzelnen. Sie wirft den Mensch auf den Menschen, damit aber auf das Tier zurück. Darauf kommen wir später ausführlicher zu sprechen.

Weil die Sexualität so sehr Eingang in unser Wesen gefunden hat, wollen wir hier, ein wenig früh, dieses Kapitel damit beenden, indem wir auf die geistige Sichtweise verweisen, mit der alles verknüpft ist. Dazu betrachten wir im Folgenden einmal die Prostitution unter der geistigen Erklärung des Sechsten Gebotes: Du sollst nicht Unkeuschheit treiben, nicht ehebrechen! [4]

 

“Wo aber ist diese Wurzel (des sechsten Gebotes)? Ihr wißt, daß die Liebe der Urgrund und die Grundbedingung aller Dinge ist. Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne Liebe wäre ebenso wenig ein Dasein denkbar, ....Also ist die Liebe der Grund von allem und ist zugleich der Schlüssel zu allen Geheimnissen. Wie aber läßt sich eben die Liebe mit unserem sechsten Gebot in eine erklärende Verbindung bringen? Ich sage Euch, nichts leichter als das, indem bei keinem Akte in der Welt die Liebe so innig verwoben ist wie gerade bei dem, den wir zu den unkeuschsündigen rechnen.

 

Wir wissen aber, daß der Mensch einer zweifachen Liebe fähig ist, nämlich der göttlichen, welche aller Selbstliebe entgegen, und der Selbstliebe, welche aller göttlichen Liebe entgegen ist.

Nun fragt es sich: So jemand den Akt der Zeugung begeht, welche Liebe war da der Beweggrund, die Eigenliebe, unter deren Botmäßigkeit auch jegliche Genußsucht steht, oder die göttliche Liebe, welche nur mitteilen will, was sie hat, ihrer selbst gänzlich vergessend? ...

Setzen wir zwei Menschen: der eine begeht den Akt aus selbstsüchtiger Genußsucht, der andere aber in dankbarer Andacht für die Zeugungsfähigkeit, seinen Samen einer Frau mitzuteilen, um in ihr eine Frucht zu erwecken. Welcher von den beiden hat denn gesündigt? ..

Damit uns aber die Sache völlig klar wird, müssen wir uns auch mit dem Begriffe “Unkeuschheit” näher vertraut machen. Was ist Keuschheit und was ist Unkeuschheit? Keuschheit ist derjenige Gemütszustand des Menschen, in welchem er aller Selbstsucht ledig ist, oder in dem er rein ist von allen Makeln der Eigenliebe. Unkeuschheit ist derjenige Gemütszustand, in welchem der Mensch nur sich selbst berücksichtigt, für sich selbst handelt und seines Nebenmenschen, besonders in Berücksichtigung der Frauen, gänzlich vergißt.

Die Selbstsucht aber ist nirgends schmählicher, als wie gerade bei dem Akte, wo es sich um die Fortzeugung eines Menschen handelt. Warum denn? Die Ursache liegt am Tage. Wie der Grund, so der Same, so auch wird die Frucht. Ist göttliche Liebe, also die Keuschheit der Same, so wird auch eine göttliche Frucht zum Vorschein kommen; ist aber Eigenliebe, Selbst- und Genußsucht, also der unkeusche Zustand des Gemütes der Same, welch eine Frucht wird da hervorgehen?

 

Sehet, darin liegt es, warum es durch das sechste Gebot verboten ist. ...

 

Aus dem aber geht hervor, daß nicht nur die sogenannte fälschlich bezeichnete “Unzucht”, welche man besser “Genußsucht” nennen sollte, in die Reihe unserer zu behandelnden Sünde gehört, sondern jegliche Genußsucht, wie gestaltet sie auch immer sein mag, besonders aber, wenn ein Mann die ohnehin schwache Frau sich eigennützig zum genußsüchtigen Nutzen macht..... Ein kurzer Vorgang wird uns die Sache noch klarer vor die Augen bringen.-

 

Man könnte hier sagen, indem es im sechsten Gebot nur heißt: Du sollst nicht Unkeuschheit treiben”, daß da die Prostitution nicht als verboten angesehen werden kann, da es im sechsten Gebot nirgends heißt: Du sollst nicht Hurerei treiben.- Ich aber sage: Was ist die Prostitution, welcher Art sie auch sein mag, geistig oder fleischlich? Sie ist eine sichere Anbequemung des Lasters, und zwar auf folgende Weise: Man philosophiert sich über die sündige Möglichkeit hinweg, setzt alle Erscheinungen in das Gebiet “natürlicher Bedürfnisse”. Wenn jemandem seine eigene Wesenheit die Forderung kundgibt, sie zu befriedigen, so tut der Mensch zufolge seines Verstandes und seiner Erfindungskraft ja nur etwas Lobenswertes und Ersprießliches, so er für alle zu fordernden Bedürfnisse seiner Natur Mittel zustande bringt, durch welche denselben Genüge geleistet werden kann. Das Tier muß zwar seine Bedürfnisse in der rohesten instinktmäßigen Art befriedigen, weil es keinen Verstand, keine Vernunft und keinen Erfindungsgeist hat. Dadurch aber erhebt sich ja eben der Mensch über das gemein naturmäßig Tierische, daß er allein den Anforderungen seiner Art auf eine raffinierte Weise Genüge leisten kann. Daher sagt der Verstand des Kulturmenschen:

 

Wer kann einem Menschen zur Sünde rechnen, so er sich mit Hilfe seines Verstandes ein stattliches Haus zur Bewohnung erbaut, und somit ein ehemaliges Erdloch oder einen hohlen Baum mit demselben vertauscht? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, so er die Baumfrüchte veredelt?....Oder sind die Dinge in der Welt für einen anderen als für den Menschen erschaffen worden, damit er sie zweckdienlich benützen sollte? –

....Wenn aber dem Menschen die verschiedenartige Kultivierung des Erdbodens doch unmöglich zu einem Fehler angerechnet werden kann, obschon sie in sich durchaus kein anderes Zweckdienliches enthält als den angenehmen und bequemeren Genuss [Michael N1]  der Dinge in der Welt; so wird doch andererseits auch ein raffinierter Zeugungsgenuß dem Menschen mitnichten zu einem Fehler angerechnet werden können, indem sich sonst selbst der gebildetste Mensch in diesem Akte am wenigsten von dem Tiere unterschieden hat. Also auch dieser Trieb des Menschen muß auf eine veredeltere und raffiniertere Weise befriedigt werden können, und das aus demselben Grund, aus welchem man sich bequeme Wohnhäuser erbaut, weiche Kleider verfertigt, etc....

 

Man nehme nur den Fall, ein Mensch gebildeten Standes hat zu seiner Befriedung die Wahl zwischen zwei Frauen, die eine ist eine schmutzige, gemeine Bauernmagd, die andere aber als die Tochter eines ansehnlichen Hauses ist ein wohlerzogenes, sehr nett gekleidetes, am ganzen Leibe makelloses und sonst üppiges und reizendes Mädchen. Frage: Wonach wird der gebildete Mann greifen? ... Also ist auch hier eine Verfeinerung am zweckdienlichsten Platze, weil der Mensch durch sie bekundet, daß er ein höheres Wesen ist, welches alles Unangenehme und Schmutzige zu reinigen und angenehmer dazustellen die volle Macht und Kraft in sich hat.

Da aber der Mann wie die Frau in dieser Hinsicht ein öfters Bedürfnis sich zu befriedigen in sich stark wahrnehmen, wobei man doch nicht allezeit die Anforderung machen kann, ein Kind zu erzeugen, wird es da wider die Gebühr der Ausübung seiner Verstandeskräfte sein, wenn er die Mittel aufstellt, durch welche die Befriedigung dieses Triebes zuwege gebracht werden kann, sei es nur durch den blinden Beischlaf mit den Frauen oder durch Selbstbefriedigung oder im Notfalle durch die sogenannte Knabenschändung? Denn dadurch unterscheidet sich ja eben auch der Mensch von dem Tiere, daß er diesen am meisten naturmäßigen Trieb auf anderen Wegen befriedigen kann als gerade auf jenen nur, auf die er von der rohen Natur angewiesen wurde. Und sonach sind ja ganz besonders wohlkonditionierte Bordellhäuser und dergleichen Anstalten mehr zu billigen, und können dem Verstande des Menschen keineswegs zur Unehre, sondern nur zur Ehre gereichen!?

 

Seht, was läßt sich, naturmäßig (körperlich) betrachtet, dagegen einwenden? Denn das ist richtig, daß das Tier dergleichen Kultivierungen und allerlei Nuancierungen in der Befriedigung seines Geschlechtstriebes nimmer zuwege bringen kann; und so ist darin gewisserart eine Meisterschaft des menschlichen Verstandes unleugbar zu entdecken. Das alles ist richtig, das Tier hat in allem dem seine Zeit, außer welcher es stumpf für die Befriedigung des Triebes bleibt.

Aber was ist alle diese Raffinesse? Das ist eine kurze Frage, aber ihre Beantwortung ist groß und gewichtig. – Diese Raffinesse hat doch sicher nichts anderes zum Grundmotiv als die entsetzlich leidige Genußsucht. Die Genusssucht aber, wissen wir, ist ein unverkennbares Kind der Eigenliebe, welche mit der Herrschliebe ganz identisch einhergeht.....

Betrachten wir die Bewohner einer großen Stadt und dagegen die eines kleinen Bauerndorfes. Die Bewohner der großen Stadt wissen sich vor lauter Genußsucht nicht zu helfen, alle wollen angenehm leben, alle sich unterhalten, alle glänzen und womöglich ein bißchen herrschen. Kommt ein armer Landbewohner in die große Stadt, so muß er wenigstens einen jeden Stiefelputzer usw. mit “Euer Gnaden” anreden, will er sich nicht irgendeiner Grobheit aussetzen.

Gehen wir aber ins Dorf, da werden wir noch Hausväter antreffen, nicht selten friedliche Nachbarn, welche sich nicht mit “Euer Gnaden” und “Herrn von” titulieren.....Alle derartigen genußsüchtigen Verfeinerungen sind nach vorangehender Betrachtung nichts als Abgöttereien; denn sie sind Opfer des menschlichen Geistes an die äußere tote Naturmäßigkeit.

Sind sie aber Abgöttereien, so sind sie auch die barste Hurerei, und daß sie nicht in die Sphäre der Keuschheit aufgenommen werden können, beweist ihre Tendenz.

.... Also heißt auch “die Hurerei treiben” im eigentlichen Sinne: der Unkeuschheit dienen nach aller Lebenskraft.(Soweit J. Lorber)

 

Also kann man sagen, daß wer “Unkeuschheit treibt” Abgötterei betreibt und sich dadurch seinem Abgott mit dem Namen Sexualität unterwirft. Deshalb sind solche Menschen in ihren Handlungen völlig befangen und von einer Freiheit gegenüber der Sexualität kann überhaupt nicht die Rede sein. Im Gegenteil wird dieser “sexuelle Hemmschuh” immer größer, weil ständig mehr und mehr Energien zu seiner Befriedigung aufgebracht werden müssen. Deshalb ist der Begriff der sexuellen Freiheit in Wirklichkeit die Unterwerfung unter diesem mehr auf tierische Art ausgelebten Trieb. Solche Menschen können später nicht mehr zwischen der reinen Liebe und der schmutzigen Sexualität trennen und verspüren in sich den unwiderstehlichen Drang, dieses Reine zu besudeln.

Die Liebe, die wahre Liebe ist ein seelisches Gefühl der Zuneigung, die im anderen widerklingt. Es ist wie ein Ton, der voll zarter Liebe angeschlagen wird und der im anderen auf einen Resonanzkörper trifft, der mit gleicher Schwingung antwortet, so antwortet, daß die Schwingungen der beiden sich anschließend ergänzen und nach außen hin wie ein mehrstimmiger Ton erklingen, der in seiner Kraft verstärkt ist. Wenn es z.B. bei alten Schriftstellern heißt, die Engel singen im Chor, so ist dieser Punkt des gemeinsamen Liebesschwingen gemeint. In dieser Liebe gibt es keine Dissonanzen. Deshalb ist es auch egal, ob man seinen Vater, seine Mutter, die Geschwister, seinen Ehepartner etc. liebt, wenn dieser Grundton der Liebe seelisch verstanden wird und nicht körperlich. Innerhalb des Gnadenstroms fühlt man sich als Teil des Ganzen und fühlt, wenn man sein triebhaftes Selbst überwindet, wie man plötzlich das Ganze ist.

Aber dieses seelisch tragende und damit erhöhende Liebesgefühl wird von den meisten Menschen nicht mehr verstanden. Der Begriff der platonischen Liebe, der das in etwa bezeichnet, wird meist nur im Sinne einer körperlich unfähigen Liebe verstanden. Er wird also umgekehrt als negativ abgewertet, obwohl er seelisch betrachtet positiv ist. Das seelisch-geistige Mitschwingen des anderen potenziert die Kraft des Einzelnen und schafft erst die Bedingungen, unter denen großartige Werke entstehen können. Denken wir an die fruchtbare Verbindung zwischen Goethe und Schiller.

Kann diese moralische Stufe der seelischen Schwingung nicht mehr erreicht werden, dann wird sie energetisch reduziert und äußert sich in der körperlichen Liebe. Die körperliche Liebe schwingt natürlich idealerweise auch im Gleichtakt der körperlichen Bewegungen. Aber das ist nur der Trostpreis, denn anstatt seelisch-geistig zu schwingen und sich im Chor zu verstärken, so schwingen diese Körper nur zusammen, während der Geist, bzw. die Seele der beiden Partner jeder seinen eigenen Grundton beibehält und für sich getrennt bleiben. Obwohl es einigen so scheinen mag, gibt es eine seelische Mitschwingung in der körperlichen Liebe nicht, deshalb auch nicht, weil das Gefühl des Orgasmus letztlich egoistisch bleibt. Jeder genießt seinen eigenen Orgasmus. Es gibt keinen gemeinsamen Orgasmus von Mann und Frau als seelisch erweiterte Mitschwingung, dafür gibt es idealerweise nur einen gemeinsamen Orgasmus zweier Körper, die der Seele einen geistigen Hochgenuß vorgaukeln, während es in Wirklichkeit einfach nur eine animalische Triebbefriedigung ist. Der Orgasmustrieb ist also ein Todestrieb, welcher die Seele enorm schwächt und die Sehnsucht zum Paradies blockiert, indem er stattdessen ein körperlich triebhaftes Fleischparadies anbietet.

Menschen mit sehr viel persönlicher Kraft wirken aufgrund ihrer seelischen Stärke auf das andere Geschlecht darum anziehend, nicht weil sie körperlich anziehend wären, sondern weil ihr seelisches Potential im anderen gespürt wird. Das andere Geschlecht möchte auf dieses seelische Niveau des Seelenstarken mitschwingen, um so frei zu werden. Aber anstatt das andere Geschlecht in dieser seelischen Liebe zu bestärken, wird der Seelenstarke allzu oft das andere Geschlecht körperlich-seelisch dominieren, (z.B. Goethe, Gandhi, indische Guru´s) indem er die seelische Zuneigung des anderen nun körperlich genießt. Allerdings geschieht es nur zu oft, dass die seelenschwächeren eine körperliche Liebe vom stärkeren fordern, weil sie ihn nur körperlich, aber nicht seelisch verstehen können. Viele Geistliche haben diesen Sachverhalt für ihre egoistischen Zwecke ausgenutzt und haben dadurch das seelische Gefühl der Liebe im anderen beschmutzt.

Den Begriff der platonischen Liebe, den wir hier als moralisch erhöhte Seelenschwingung verstehen, gibt es in anderen Religionssystemen nicht. Beim Buddhismus mit seiner ausgeprägten Diesseitsorientierung steht der Körper schon so stark im Vordergrund, daß man spezielle Kasteiungen ersonnen hat, damit dieser Körper in seinen Schranken gehalten werden kann.

 

 


 [Michael N1]Noch mal darauf zurückkommen, wo es um den Genuß von Kaffee, etc. geht.

 

2.

Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (geb. 10.3.1788 auf Schloß Lubowitz bei Ratibor, gest. 26.11.1857 in Neisse), deutscher Schriftsteller.

Eichendorff stammt aus einem alten, katholisch geprägten Adelsgeschlecht. Ab 1805 studierte er Jurisprudenz und Philosophie in Halle/Saale, Heidelberg und Wien. Begegnungen mit Clemens von Brentano, Heinrich von Kleist und Adam Heinrich Müller, der Besuch von Vorlesungen bei Joseph Görres sowie der enge Kontakt zur Familie Friedrich Schlegels (in Wien) prägten den jungen Eichendorff nachhaltig. 1813 und 1815 nahm Eichendorff aktiv an den Befreiungskriegen teil, ab 1816 war er als Beamter im preußischen Staatsdienst tätig, zunächst in Breslau, ab 1821 in Danzig, ab 1824 in Königsberg, schließlich ab 1831 bis zur Pensionierung im Jahre 1844 in Berlin.

Eichendorff ist einer der wichtigsten Schriftsteller der deutschen Romantik und als Lyriker und Erzähler gleichermaßen bedeutsam. Seine Gedichte und Erzählungen kreisen um die zentralen Motive der Romantik wie Sehnsucht, Heimweh und Aufbruch. Das Ungenügen an einer als entfremdet und einengend empfundenen Realität führt zur Konstruktion einer literarischen Gegenwelt, die einen Zustand der absoluten Harmonie zwischen Mensch und Natur heraufbeschwört. Diesen paradiesischen Zustand hat es - der literarischen Fiktion zufolge - in einer imaginären Vorzeit einmal gegeben, im Goldenen Zeitalter. Nun ist er unwiederbringlich verloren. Zurückgeblieben ist eine im Menschen verschüttete Erinnerung an die ursprüngliche Weltharmonie. Diese Erinnerung gilt es freizulegen und als Korrektiv einer sich immer stärker atomisierenden Gegenwart zu nutzen. Seine Gedichte wurden von zahlreichen Komponisten vertont, u.a. von Robert Schumann und Hugo Wolff. Werke: "Ahnung und Gegenwart" (Roman, 1815), "Aus dem Leben eines Taugenichts" (Novelle, 1826).

 

3.

Sogar außerhalb der kath. Kirche sind andere Kirchen zu der Überzeugung gelangt, daß Freimaurerei und Christentum unvereinbar sind. So erklärten die Bischöfe der griechisch-orthodoxen Kirchen auf ihrer Konferenz am 12. 10. 1933:

“Freimaurerei ist eine Mysterienreligion, sie ist vom christlichen Glauben völlig entgegengesetzt und fremd. Wie die Mysterienkulte, trotz scheinbarer Toleranz und Anerkennung fremder Götter zum Synkretismus (Vermischung der Religionen) führen, das Vertrauen zu anderen Religionen untergraben und allmählich ins Wanken bringen, so ist die heutige Freimaurerei.”

Erzbischof Chrysostomos von Athen gab folgende Beschlüsse bekannt: “Die Freimaurerei kann absolut nicht mit dem Christentum im Einklang gebracht werden, weil sie eine Geheimorganisation ist, die im dunklen und geheimen arbeitet und lehrt, sowie den Rationalismus vergöttert....... Es ist unrecht zu Christus zu gehören und Erlösung sowie seelische Vervollkommnung dann außerhalb von ihm zu suchen.”

 

4.

Erich Fromm – Sein oder Haben

 

5.

Josepf Rattner – Klassiker der Tiefenpsychologie – Psychologie Verlagsunion 1990, S. 3,4

 

6.

Das Nietzscheproblem – Prof. Dr. R. Kötzschke – Verlag Bertelsmann 1928, S. 2,4

 

7.

siehe bei Joseph Rattner – Klassiker der Tiefenpsychologie unter Frankl nach

8.

Manfred Häckel – Eichendorffs Werke, eine kurze, aber ausgezeichnete Abhandlung über Eichendorff.

 

9.

Ulrich Wickert – Der Ehrliche ist der Dumme. Der bekannte Fernsehmoderatur hat die heutige Einstellung auf den Punkt gebracht.

 

10.

Aus dem Großen Lexikon auf CD von Data Becker 1998

 

 

Weitere Fußnoten

 

[1]                  Schiller   als auch Goethe   gehörten dem Orden der Illuminaten  an, der 1776 von Adam Weishaupt  in Ingolfstadt gegründet wurde. Weishaupt war abtrünniger Jesuit und überzeugter Vertreter einer kosmopolitischen Weltregierungs-Elite, die äußerst extrem alles Patriotische und monarchistische bekämpften. Gerade Schiller hat mit seinen Werken von “Wilhelm Tell” und “Wallenstein” viel für die Entfaltung des vaterländischen Geistes getan, ein Umstand, der von seinen Ordensbrüdern nicht mehr länger toleriert werden sollte.

 

                    Siehe dazu das ausgezeichnete Buch von Hermann Ahlwardt – Mehr Licht – Der Orden Jesu in seiner wahren Gestalt.

                    Siehe dazu die Bücher von Manfred Adler   über die Freimaurer im Miriam Verlag, Jestetten.

 

[2]                 aus “Vom inneren Leben – Worte der ewigen Liebe von Johannes Fischedick

[3]                 aus “Vom inneren Leben – Worte der ewigen Lieben von Johannes Fischedick 

[4]                 Die Zehn Gebote sind von Jakob Lorber   in seinem Werk “Die geistige Sonne” Bd. 2 in

                     ausführlichster Weise erläutert worden. Im Folgenden beziehen wir uns auf diese geistige

                     Betrachtungsweise     und stellen sie der sexuellen gegenüber.   Siehe unter “Geistige Sonne,

                     Bd.2” Kapitel 79 - 81

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