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Die Sehnsucht zur Liebe I

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort:

 

 

Die Sehnsucht   -   als Führer zu Religion und Wissenschaft -

 

 

Wir leben gegenwärtig in einer Zeit, in der es keinen unbedingten Glauben mehr an religiösmoralische Systeme gibt. Die Ära der Kirche ist vorüber. Das sittlich-moralisch festgefügte System des Mittelalters mit seiner unbedingten Einhaltung der Zehn Gebote Gottes hat sich verflüchtigt. Es ist nur noch hier und da anzutreffen. Menschen, die dieses moralische System praktizieren, gelten im Westen als nicht aufgeklärt, gelten als rückschrittlich, gelten als abergläubisch. Im Großen und Ganzen hat im Westen die Aufklärung soweit um sich gegriffen, daß der unbedingte Gehorsam gegenüber dem Kirchenkodex nachgelassen hat zugunsten einer liberalen Einstellung. So sehr dabei der Glaube an die Kirche schwand, so sehr hat der Glaube an die Richtigkeit des naturwissenschaftlichen Denkgebäudes zugenommen.

Diese beiden Systeme stehen sich konträr gegenüber. Hier die große alte Kirche mit dem Bezug auf Gott. Der Mensch sei eingebettet in ein Universum, welches von Gott geschaffen und mit ganz bestimmten Gesetzen den einzelnen Menschen verpflichtet, sich moralisch zu entwickeln. Der oberste Grundsatz dabei ist, Gott über alles zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Anschließend folgen Zehn Gebote. Insgesamt baut die Kirche also auf ein Gefüge von diesen zwei Liebes-Geboten und den restlichen zehn mosaischen Geboten auf. Gott schuf dabei wissentlich den Menschen nach Seinem Vorbild. Vor ca. 6000 Jahren erzeugte Er mit Adam und Eva das erste Menschenpaar und gab ihnen eine moralische Verpflichtung mit auf dem Wege, die sie wie bekannt ja nicht erfüllt haben.

Dort nun das wissenschaftliche Lehrgebäude mit den Prinzipien von Zufall und Notwendigkeit. Der Mensch wäre mitnichten von einem irgendwie gearteten Schöpfer geschaffen, sondern sei das Produkt der Evolution, das Ergebnis von Versuch und Zufall. Blinde Naturkräfte hätten im Verlaufe von Jahrmilliarden den Menschen hervorgerufen. Der Mensch wäre aus einer "Ursuppe" entstanden und müßte sich durch Versuch und Irrtum bis zum heutigen Stadium hocharbeiten. Es gäbe keinen Gott, auch keine Engel, keinen Satan, keine Verpflichtung nach den Zehn-Weisheits-Geboten von Moses und den zwei Liebes-Geboten von Jesus zu leben. Jesus als der Sohn Gottes sei nur eine Fiktion. Als Religionsstifter könnte man ihn vielleicht noch gelten lassen.

Diese beiden großen Systeme stehen sich unversöhnt gegenüber und dazwischen steht der kleine Mensch. Es gibt zwischen diesen Systemen nur ein "Entweder Oder" aber nicht ein von Fall zu Fall, oder ein harmonisches Zusammensein. Genaugenommen ist dieses Verhältnis zwischen beiden politisiert, da ihre Beziehungen zueinander kaum noch auf der Basis der Nächstenliebe, sondern zu sehr auf die Einhaltung der diplomatischen Kodices beruhen. Genauso kodifiziert sind dann auch die Beziehungen der Menschen untereinander. Entweder ist man ein Anhänger der Kirche, die somit das Wissen und das Alleinvertretungsrecht Gottes innehat, oder man ist Anhänger der neutralen Wissenschaft, die sehr gerne die moralische Verantwortung von sich weist. Kurz gesagt, entweder ist man Anhänger von unklar gewordenen Gefühlswerten oder man ist Anhänger einer verstandesmäßigen Anschauung.

Einen dritten Weg gibt es scheinbar nicht, außer man betrachtet die Politik als einen solchen, was sie jedoch vom Prinzip her nicht ist. Sie bewegt sich ja nur zwischen diesen beiden Spannungsfeldern. Weder der Buddhismus, der Islam, der Hinduismus, noch andere Naturreligionen vertreten einen irgendwie gearteten dritten Weg. Der Islam beruft sich auf Mohammed als Prophet Gottes; hat deshalb den sehr großen Nachteil dem Christentum gegenüber, daß es hier zwischen Gott und dem Menschen keinen Messias, also keinen Vermittler gibt, wie ihn Jesus für das Christentum darstellt. Beim Buddhismus, gibt es nur erleuchtete Menschen, Boddhisattwas, die gottähnlich werden können. Der Hinduismus, Shintoismus, etc, sind alles nur Naturkulte, es sind heidnische Varianten, ähnlich den altrömischen und altgriechischen Mythologien. Aber auch das ändert nichts an der Tatsache, daß sich einerseits Religionen, andererseits Wissenschaften unversöhnt gegenüberstehen. Der äußere Konflikt findet sich jedoch auch in jedem Menschen wieder und läßt ihn mal vor Glück taumeln, aber meist in Depressionen versinken. Wo ist die Verbindung, wo ist die Brücke zwischen beiden?

Diese Frage nach der Verbindung zwischen Religion und Wissenschaft ist also ähnlich, wie die Frage nach den Beziehungen der Menschen untereinander. Dabei vergißt man allzu leicht, dass doch vor 2000 Jahren eine ähnliche Fragestellung aufgetaucht ist, die durch das Erscheinen des Messias überwunden werden konnte. Als der Messias Jesus auftauchte, schuf er damit einen dritten Weg. Diesen dritten Weg finden wir im ursprünglichen Christentum wieder, genauer, wir finden ihn in der christlichen Nächstenliebe wieder, weil nur dort durch die Nächstenliebe im Herzen der Verstand im Gehirn erleuchtet werden kann, weshalb unter den wahren Christen auch immer die scharfsinnigsten Menschen, sogar herausragende Erfinder zu finden waren. Denken wir an Augustinus, an Hildegard von Bingen, denken wir an Thomas von Aquin, an Paracelsus, an Leibniz, an Swedenborg, an Tesla. Wer oder was hat sie erleuchtet? Der Messias, den sie liebten! Denken wir an Menschen, die für die Mitmenschen sehr negativ wirkten, so denken wir z.B. an Nero, an Napoleon, an Hitler, an Stalin und müssen uns eigentlich auch nach dem „warum“ fragen! Weil sie nicht an die Nächstenliebe von Jesus Christus glaubten, weil sie nur der Macht und damit ihrem Verstand vertrauten. Aber welcher westlich orientierter Mensch könnte darauf diese kurze und schlüssige Antwort geben, weiß er doch nichts mehr von der Kraft der Liebe und der angewandten Nächstenliebe. Sie wissen eher etwas von der Macht des Geldes. Das Judentum, daß sich im Verlauf der Geschichte auch mehr dem Geld und dessen Prinzipien zugewandt hat (natürlich nicht alle), wartet deshalb noch immer auf das Kommen des Messias, diese Juden erkennen Jesus deshalb nicht an, sondern halten an Moses fest. Ähnlich ist es mit den Christen, die die Nächstenliebe auch nur noch vom Hörensagen kennen. Sie halten dann zwar nicht an Moses, aber genauso fix an Kant, an Voltaire, an Hegel, an Nietzsche, an Freud, usw. fest.

 

Die große Frage der Gegenwart bleibt also für die meisten akut, da sie nicht wissen wie man diesen Riß zwischen der Religion und den Empfindungen der Menschheit, die sich mehr wissenschaftlich liberal entwickelt hat, angemessen überbrücken kann. Der einzelne Mensch spürt, dass ihn beide Systeme nicht befriedigen. Viel von seinen Sehnsüchten bleibt auf der Strecke. Die starre dogmatische Haltung der Kirche ist für den Einzelnen ein Korsett, an dem der liberal geschulte Geist vor Empörung aufschreit. Die Kirche ist einfach nicht mehr in der Lage, dem intellektuell entwickelten westlichen Menschen die Fragen des Lebens zu beantworten. Alles was sie kann, ist, vom Menschen einen unbedingten blinden Glauben zu fordern, obwohl dieser Glaube in völligem Widerspruch zu dem angeeigneten Wissen steht. Deshalb spüren diese Menschen, daß sie alleine gelassen werden und wenden sich von dieser Kirche ab.

 

Als Folge erleben sie ein enormes Freiheitsgefühl. Frei von Erbsünde, frei von Schuld, frei von Buße, frei von der Knechtschaft unter mittelalterlichem Machtgepränge. Aber diese Freiheiten und die sich daraus entwickelnde Unordnung in allen Bereichen, läßt diese Menschen etwas später wieder sehnsüchtig nach einem Zeitalter Ausschau halten (dem Goldenen Zeitalter), wo alles noch so einfach und geordnet war. Doch dieses einfache Zeitalter, das paradiesische, war nicht jenes der römisch/kath. Kirche, bei denen ähnliche Korruptionsbeziehungen und Machtstrukturen auftraten, wie heutzutage in der Politik. Denken wir nur an die Ära des Cesare Borgia, wo ein Machtmensch extremster Art, als Papst nur haarscharf an der Einführung des Erbrechtes in der Papstfolge gescheitert ist. Denken wir an die unseligen Kreuzzüge, an die Hexenverbrennungen und viele andere äußerst unmenschlichen Handlungen damals.

 

Schauen wir auf die Gegenwart, dann sehen wir keine grundlegende Besserung. Die römische Kirche ist z.B. noch immer so geblieben wie sie war. Sie tätigt Milliarden durch Spekulationsgeschäfte. Was wunder, daß sie die Zinsfrage noch immer nicht in ihren Kanon aufgenommen hat, obwohl Jesus eindeutige Aussagen dazu gemacht hat. Sie ist an dubiosen Machenschaften beteiligt, denken wir nur an die P2-Affäre, bei welcher die Freimaurer nicht nur die italienische Regierung handlungsunfähig machten, sondern wo sich Freimaurer auch innerhalb des Vatikans etablierten. Damit im Zusammenhang verschwanden mindestens 500 Millionen DM, eingezahlt von gutwilligen Gläubigen. Denken wir auch daran, wie der Papst Woytila in der ganzen Welt den Asphalt der Flughäfen küßte, sich jedoch nicht darum kümmerte, mit welchen fragwürdigen Methoden der Vatikan das Geld erbeutete, welches er der polnischen Solidarnosc in den Rachen schmiß, im Gegenteil. Er nahm keinerlei Stellung zu konkreten, den Menschen bedrückenden Vorfällen, die den Glaubensverlust dieser Menschen überhaupt erst hervorrufen. Er leugnete die herausragende Stellung der Christen, die Einmaligkeit von Jesus als unserem Messias, indem er sich mit sämtlichen Religionssystemen der Welt traf und sie alle gleichberechtigt in eine Ökumene zusammenfassen wollte. Jesus wird so zu einem Religionsstifter reduziert, wurde vom Papst auch meist nur als Christus bezeichnet, der gleichwertig neben Buddha, neben Mohammed steht. Dazu paßt es dann, wenn das am 27. November 1983 in Kraft getretene neue kanonische Recht die Zugehörigkeit zu einer Freimaurerloge nicht mehr mit sofortiger Wirkung ahndet. Als ob man zwei Herren dienen könnte.

Andererseits fand gerade mit Karol Woytila eine Marienverehrung großen Stils statt. Beide, Maria als auch Woytila füllen somit den Platz aus, welchen dem Messias Jesus genommen wurde. Beide gelten mithin als Messias-Ersatz. Maria wird als Mutter Gottes fast schon wichtiger als Jesus, der in dieser Terminologie ja eigentlich Gott selbst ist. Hinzu kommt noch die Medienwirksamkeit des verstorbenen Papstes. Während Jesus immer unklarer, immer nebelhafter gezeigt wird, präsentierte sich der Papst als ganz konkreter Werbestar. Seine Person, die doch auch nur menschlich ist, wurde dermaßen aufgewertet, wurde dermaßen geheiligt, daß man dahinter die Taten und Untaten des Vatikans vergaß, bzw. damit zudeckte. Dieser Papst fungierte somit als Hülle, innerhalb derer die römische Kirche einen großen Freiraum krimineller Handlung hatte. Wie war es denn mit dem Vorläufer von Johannes Paul II. Da gab es doch den unglücklichen Papst Johannes Paul I, der nach nur 33 Tage im Amt 1, unter sehr mysteriösen Umständen gestorben ist Es gibt nicht wenige, die diesen Papst für ermordet halten, weil dieser im Begriff stand, kriminelle Verschwörer in den Reihen der Kurie aufzudecken. Gerade auf diesen Papst hatten angeblich alle Kräfte, die sich auf Jesus beriefen, so große Hoffnungen gesetzt.

Der durchschnittliche Mensch wird völlig verwirrt und findet in der "schlichten einfachen Religion" genau die gleichen Täuschungsmanöver vor, wie in der Politik. Das alles muß einen ernst denkenden Menschen abstoßen. Und doch bleibt diese Sehnsucht nach dem Guten, nach dem Wahren erhalten. Schauen wir nur nach Lateinamerika, wo der Papst für viele wie ein Garant für eine bessere Existenz nach diesem Leben steht. Wenn schon nicht dieses Leben lebenswert ist, dann soll es wenigstens danach besser werden! Als Folge dieser Ausrichtung auf ein besseres Leben danach, findet sich die lateinamerikanische Bevölkerung zu schnell mit ihrem Leben ab und begründet somit ihre fatalistische Haltung. Der Papst wirkt deswegen automatisch als Garant einer unseligen Regierungsform, welche einem explosiven Bevölkerungsgemisch vorsteht.  Anstatt auch hier die Rolle Jesu transparenter zu machen, tut die katholische Kirche genau das Gegenteil. Damit schaffen sie es nicht, diesen Lateinamerikaner so für den Glauben zu begeistern, daß er seine Naturreligionen gänzlich fahren läßt. So nimmt er denn von der Kirche auch nur das pompöse Blendwerk, nimmt Maria, nimmt z.T. auch noch die Apostel und das war es dann.

Man kommt bei der Betrachtung der Beziehungen zwischen den Menschen nicht um die Analyse der Religionssysteme herum. Insofern ist unser westlicher Fortschritt unsere moderne Art von Religion, auch wenn es die Wissenschaftler selber nicht wahrhaben wollen. Verflochten damit ist ein scheinbar unwichtiger Punkt, der sich beim genauen Hinsehen als der einzige Eckstein herausstellt, an dem sich viele stoßen. Dieser Punkt ist die Person JESUS. Wie vorhin schon kurz angedeutet, tauchte schon vor 2000 Jahren die ähnliche Frage auf: Wer oder wie kittet man den großen Riß innerhalb der Menschheit? In dem damaligen Kulturbrennraum zwischen Rom, Palästina, Ägypten, Griechenland waren Umstände aufgetreten, die diese Menschheit ebenso sehnsüchtig auf einen Messias warten ließen, wie wir in der Gegenwart nach einem Ordner, Leiter, Großadministrator etc. ausschauen.

Egal wohin wir uns wenden, betrachten wir unsere Geschichte, unsere Religion, dann kommen wir um die Person JESUS nicht herum. Betrachten wir andererseits die Geschichte unserer Wissenschaften, betrachten unsere Technologie und unsere Wirtschaft, betrachten wir unsere Politik als Vermittler, da in diesem Chaos nur noch die höchste Staatskunst zu vermitteln mag, dann fällt uns diese Verbindung nicht mehr ins Auge, nichtsdestotrotz ist sie aber da. Sie ist nun zwar in der Staatskunst kaum noch anwesend, aber das erklärt ja auch die große Konfusion und die sich in der Diplomatie immer mehr einstellende schlangenähnliche Staatskunst der Verklauselierungen, der Geheimverträge, der subtilen Gerüchte und Lügen, die alle nur einem bestimmten Zweck dienen: die Verhinderung der christlichen Nächstenliebe, die keine politische Staatskunst, die kein Zinsgeld, die keine Drogen und selbstgemachte Naturkatastrophen, keine Tier- und Menschenversuche, keine Atomkraft usw. braucht.

Wir können daran ersehen, wie sich die ursprüngliche Politik, die sich aus dem Gottesbild ableitet und in dieser Nächstenliebe all ihre Staatsorgane so führt, wie sie die Menschen insgesamt führt, daß diese ursprüngliche christliche Politik durch bestimmte Mechanismen aufgebläht und damit völlig undurchschaubar gemacht wird. Undurchschaubar wenigstens für die Allgemeinheit, denn natürlich gibt es welche, die dieses geheime staatspolitische Treiben durchschauen und auch steuern. Durchschaut man allerdings diese Politik, so merkt man recht schnell, daß sie die Nächstenliebe als die Grundlage des Christentums zerstört und deshalb antichristlich wirkt. Die geheime Staatskunst dient somit nicht mehr den Bürgern, sondern dient sich selbst und fördert nur den Eigennutz weniger. Sie liebt damit nicht mehr den Nächsten, den Bürger, wie sich selbst, tut jedoch alles, um das zu verschleiern. Darum ist diese Politik auch geheim und breitet einen geheimen Mantel über die konkrete Nächstenliebe und damit über Jesus aus.

Denn Jesus steht in seiner Schlichtheit nicht für die Erfüllung aller weltlichen Träume, wie unsere Gesellschaft, wie unser Staat von uns fordert (er kommt nicht im weltlichen Schaugepränge) und wie man ihn zum Teil absichtlich mißverstanden hat, sondern Jesus steht für die persönliche, steht für die innere moralische Integrität und Zufriedenheit, die man als Summe dieses erreichten Zustandes mit den Worten “Glück” und “Gesundheit” umschreibt. Diese “glückliche Gesundheit” ergibt sich als Folge der Einhaltung seiner Forderungen, weil nur sie die Sehnsucht zum Schöpfer, weil nur sie die Sehnsucht zum Vater stillen. Deshalb war, ist und bleibt Jesus einmal unser persönliches Symbol für diese Erfüllung unserer inneren Zufriedenheit, der uns als der verlorene Sohn wieder zurück zum Vaterhaus führt. Andererseits ist und bleibt er ein ewiges Mysterium für uns Menschen.

Über diese Zeilen sollte man nicht milde lächeln, wie es der verstandesbewußte und in dieser humanistischen Weise erzogene Mitteleuropäer so gerne tut. Wüßte er nämlich jetzt schon, wer ihn weshalb auf was hin erzogen hat, dann müßte er nämlich weinen, darüber, daß er die milde und sanfte Liebe zugunsten einer “humanistischen Bildung” verstoßen hat. Damit hat er sein irdisches Paradies verstoßen, wurde zum verlorenen Sohn und deshalb muß er leiden und vergrößert diese auch nur, wenn er seinen Verstand zum Führer aus diesem Nebel wählt. Leider können unglückliche Menschen nicht verstehen, und wollen es zum Teil auch gar nicht, warum sie an diesem persönlichen Jesussymbol scheitern, warum gerade sie deshalb krank sind und wegen ihrer Unkenntnis diesen geistigen Verbindungen gegenüber ihre Tragödien erleben. Jesus wird so zu ihrem Fall oder ihrer Auferstehung, aber nicht weil er es so will, sondern weil wir es so wollten und zu viele wollen es noch immer. Dieses Mysterium Jesus zu enträtseln, es einfach klarer ins Bewußtsein zu fassen, indem man versucht seine Nächstenliebe praktisch zu leben, ist die lebensnotwendige Verpflichtung, die der Mensch durch den Eintritt in diese körperliche Welt eingegangen ist. Es ist für unser Seelenheil also absolut unwichtig, uns mit der Politik, mit der Staatskunst, den Wissenschaften, der Religion, der Geschichte, Hitler, etc. zu beschäftigen, wenn wir es ohne ihn (Jesus) tun. Weil wir es aber taten, sind wir eben dort, wo wir nun sind. Das sind hohe Worte, die für viele noch nicht nachvollziehbar sind und für die die Gefahr besteht, das sie dieses Büchlein nicht zu Ende schaffen. Darum sei an dieser Stelle eingefügt, nicht nur der Autor brauchte unendlich Zeit und Geduld diese Materie aufzuschlüsseln, sondern der Leser wird sie gleichfalls benötigen. Er wird Geduld und Kraft, er wird Ruhe und Konzentration, er wird Demut und Barmherzigkeit benötigen, all jenes, was er in seiner täglichen Umgebung auch anwenden sollte.

Dieses Büchlein will also die verschütteten Beziehungen zwischen Religion, Psychologie, Wissenschaft und Politik aufzeigen, indem als Führer die Sehnsucht dient. Denn der Mensch wartet sehnsüchtig auf das Gute, findet es allerdings zu selten und verstrickt sich dann in eine nebulöse Grauzone, wo er das Böse nicht mehr vom Guten unterscheiden kann. Das zu beleuchten, ist natürlich ein Unterfangen, das deutlich über dieses Buch hinausgeht. Deshalb kann die Thematik auch nur oberflächlich behandelt werden, und mag zum Teil auch sehr einfach, mag sehr simplifizierend erscheinen, aber sie stößt jedoch ab und an in die Tiefe vor. Der Vorstoß in die Tiefe gelingt aber nur, wenn die Bedeutung von JESUS klargemacht werden kann. Insofern kann dieses Büchlein auch als Versuch gewertet werden, die Person von JESUS transparenter zu machen, um unsere persönliche Existenz greifbarer zu handhaben, damit wir einen ewig gültigen Reisepaß nicht nur hier auf Erden erhalten. Denn wir und Jesus sind auf verborgene Weise miteinander verknüpft. So innig jedenfalls, daß unsere Qualität des Lebens mit der Qualität der Vorstellung, die wir von Jesus haben, untrennbar zusammenhängt. Um es einmal poetisch auszudrücken: "Die Luft, die wir atmen und das Wasser, welches wir trinken und von denen unser Wohlbefinden abhängt, ist Jesus!"

Unsere heutige Religion dagegen ist nicht greifbar. Sie bietet uns keinen persönlichen Gott, kein direktes Objekt, welches man lieben kann. Sie bot uns allenfalls Papst Woytila und, in allen ein wenig moderater den neuen deutschen Papst Benedikt, der ein schweres Erbe für eine kurze Zeit angetreten ist, oder aber versteckt sich wie die Protestanten hinter der Psychologie, aber aus bestimmten oben angesprochenen Gründen ist das für uns als Vorbild untauglich. Durch die Umtriebe der Kirchen und dieser schon erwähnten Politik der geheimen Staatskunst ist Jesus selber für die meisten von uns zu einem religiösen Schwärmer bzw. einem unpraktischen Philosophen abgewertet worden, der sich noch nicht einmal selbst, geschweige denn anderen helfen konnte. Und doch spürt ein jeder einen gewissen Zauber, spürt eine nicht zu fassende Kraft, spürt ein unglaubliches Potential, hat jedoch Angst, sich seinen innersten Gefühlen zu stellen.

JESUS scheint für unsere tägliche Lebensbewältigung unpraktisch, in der Familie, im Berufsleben, im Urlaub, im Krankenhaus, etc. Er ist dort weit weniger effizient und anerkannt als unsere wissenschaftlichen Errungenschaften, als unsere Medizin z.B. Dabei ist unsere heutige Wissenschaft jedoch genauso unklar für uns Menschen. Was kann sie uns außer an materiellen Gütern denn für unsere innere seelische Entwicklung bieten? Kernkraftwerke, genmanipuliertes Obst und Gemüse, ein Mehr an Kriegswaffen, Tierversuchen, eine gerätemäßige kalte und sterile Medizin vielleicht? Wo ist der Messias, der unsere modernen Vorstellungen vom Leben mit denen eines zufriedenen, erfüllten Lebens verbindet? Wer vermittelt uns das? Wer erlöst uns von einer aus allen moralischen Bindungen herausgelösten Wissenschaft? Etwa unsere Politik, die erst recht den Menschen aus seinem sittlichen-moralischen Bezugsrahmen herauslöst? Genauso herausgetrennt, genauso von inneren Prozessen isoliert sind dann diese westlichen Menschen.

Paradoxerweise haben wir also 2000 Jahre nach JESUS wieder die gleiche Fragestellung, nur den Umständen entsprechend angepaßt. Für eine kurze Zeit schien es, als wenn uns die Psychologie die so wichtigen Fragen des Lebens klären könnte. Woher kommen wir, wohin gehen wir, warum das alles, hat das alles wirklich einen Sinn? Die Psychologie schien im Gegensatz zur Religion einen praktischen Rahmen zu haben, der sie greifbar werden ließ. Aber allmählich haben wir gelernt, haben wir lernen müssen, daß sich die Psychologie noch nicht einmal selbst helfen kann. Die Psychologie ist materiell geworden. Sie hat sich der Diktion wissenschaftlichen Denkens unterworfen. Sie, die doch auf der Suche nach der Seele und ihren Krankheiten sein sollte, ist leider genauso vom ganzheitlichen Menschen abgetrennt worden, d.h. sie hat sich durch ihre verstandesmäßig rationale Vorgehensweise selber disqualifiziert. Die Psychologie kann die moralische Frage des sehnsüchtig auf einen Sinn harrenden Menschen genauso wenig beantworten wie die Mathematik, die Chemie, die Astronomie etc. Sie hat es versäumt, sich der Religion und damit Gott zuzuwenden, hat es leider nicht vermocht, sich mit den inneren geistigen Prozessen zu beschäftigen.

So bleibt sie auf ein Fragment beschränkt und ordnet seelische Krankheiten mehr oder weniger den physiologischen Fehlfunktionen zu. In den letzten 80 Jahren trat deshalb eine große Verschiebung auf, bei der das relativ festgefügte innere moralische Gefüge mit Hilfe der Psychologie aufgelockert wurde. Alles was von außen kam, die Sichtweise der Augen wurde einfach wichtiger. Die Mode, das Fernsehen, die Kosmetik, das Styling, etc. Das gefühlsmäßig höher entwickelte Ohr, welches Nuancen im Tonfall heraushört, läßt sich nicht so leicht wie die oberflächlichen Augen betrügen. Das Ohr hört tiefer und genauer. So entstand eine enorme Sinnesverschiebung, gerade in unseren westlichen Kulturen. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn nicht gerade unsere Augen mehr mit unserem oberflächlichen Verstand in einer unmittelbaren Beziehung stünden und gemeinsam diese Welt ausheckten. Nur sehr wenig von dem, was unsere Augen sehen, berührt unser Herz. Darauf bezogen ist unser Ohr höher entwickelt, weil es ohne den Umweg über unseren Verstand gleich mit dem Herzen in Kontakt steht.

Also stehen wir vor der Tatsache, daß wir angesichts vielfältiger äußerer visueller Ablenkung auch noch eine Isolation von unserem Gefühlszentrum erleben. Das Ohr wurde konsequent entmachtet, die wichtige Verbindung zwischen Ohr/Herz mit dem Gehilfe Auge/Verstand ist unterbrochen. Deshalb der Spruch, daß man nur das glaubt, was man mit den eigenen Augen sehen kann. Was jemand anderer erzählt, ist ja nur erzählt. Die Wahrheit innerhalb des Wortes wird nicht mehr verstanden, man vertraut nur noch auf seine Augen, man vertraut damit auf den Gehilfen, sprich Verstand. Der Gehilfe des Gefühls ist der Verstand in der Hinsicht, daß moralische Werte vorgegeben werden, an denen sich der Verstand zu orientieren hat. Weil ja das, was die Menschheit von den Tieren unterscheidet, primär der moralisch-sittliche Status ist. Und das sind eben entwicklungsfähige Gefühlswerte. Werte der Liebe, der Nächstenliebe; Werte der Geborgenheit, der Zuversicht, der Zufriedenheit, des Vertrauens, der Zärtlichkeit, der Treue etc. Tiere haben keine Religion, welche der äußere Garant dieser inneren Werteskala ist, bzw. sein sollte. Untersucht man daraufhin unsere wissenschaftlichen Errungenschaften, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluß, daß sie weitgehend in Kooperation mit unseren Augen stehen, für unsere Gefühlswerteskala bleibt nicht allzu viel übrig. Sie wird eher noch reduziert. Unsere Augen trennen uns immer weiter vom Ganzen ab.

Schauen wir dabei auf die religiösen Systeme, hier jetzt konkret des Katholizismus und Protestantismus, so stellen wir besonders bei den Katholiken eine ähnliche Entwicklung fest. Das pompöse Auftreten des Papstes, die Zelebrierung der Messe, der Aufbau der Liturgie etc. alles das gilt mehr für unsere Augen. Die Bedeutung der Worte verschwindet dahinter. Genauso ist es mit der Bibel. Sie wird von dem Wortinhalt her nicht mehr verstanden. Denken wir an die Wortmächtigkeit der Propheten. Wie sollten sie überhaupt verstanden werden von Augenmenschen, die nur das sehen und sehen wollen, was ihnen ihr Verstand vorschreibt. Es sind ja leider nicht die Augen, die dem Verstand Aufschluß von allem geben, sondern die Augen stellen gefiltertes Material dar, welches von dem Gehirn vorher ausgesiebt und interpretiert werden mußte. Erst seit der Neuzeit wissen wir, daß die Augen die Gehilfen des Gehirns sind und nicht umgekehrt. Man sieht, was man denkt. Dabei könnte man sehr wohl die Augen in den Dienst des Gefühls stellen und tiefer schauen. Dann sähe man, was man fühlte, man sähe das Naheliegende, man sähe dann die Verbindungen der Menschen zueinander. Dazu müßte aber wieder das Ohr mehr entwickelt und das Auge mehr entmachtet werden. Ein Kreislauf!

Wenn man sieht was man denkt, ist die Interpretationsmöglichkeit enorm, eine Sinnesverfälschung sehr wahrscheinlich. Die Bandbreite des Denkens ist ungeheuer groß. Dabei kann man denken, was man gar nicht fühlt, bzw. man kann das Gefühl nicht definieren, es bleibt vordergründig. Das erkennt man z.B. an dem Wandel unserer Mode. Was gestern noch als schick galt, ist heute schon wieder lächerlich, obwohl die Augen wohl noch dieselben sind. Aber die Denkvorstellung hat sich geändert und mit ihnen das ausgefilterte Sehmaterial, mit ihnen das Gefühl, das mit den geschauten Objekten verbunden ist. Die Objekte sind also nicht mehr unmittelbar mit dem Gefühl der Zuneigung, sind nicht mehr mit der Liebe verbunden. Vielmehr sind sie gekoppelt an Vorstellungen der Blendung; die geblendeten Augen sind Folgen geblendeter Gefühle, daraus folgt eine reduzierte Gefühlswerteskala. In der Wissenschaft gibt es viele Phänomene, die unter dem Begriff der optischen Täuschung laufen. Akustische Täuschungen, auditive Phänomene gibt es (Echo) so gut wie gar nicht. Die verbale Lüge ist die einzige Täuschung, die auch nur gelingt, wenn der Mensch visuell abgelenkt ist und mehr auf seinen Verstand als auf sein Gefühl horcht.

Und gerade hier setzt unsere gegenwärtige Politik ein, die ein Meister der Vertuschung und Täuschung, die ein Meister der Blendung und Verblendung ist. Zudem hat sie sich noch anstatt mit der Nächstenliebe, dann lieber noch mit dem Geld getroffen und schafft in einträglicher Kooperation durch den Zins eine äußere Schutzhülle, innerhalb derer sie weitgehend frei vor familiärer und nationaler, übergeordnet also frei von moralischer Verantwortung handeln kann. Das christliche Sittengesetz mit all seinen Beschränkungen gilt dann nicht mehr. Wer auf seinen Verstand horcht, d.h. hört, der hat sich vom tiefergehenden Fühlen des Herzens abgekoppelt. Der Verstand soll natürlich schon hören, d.h. horchen. Aber, und genau daran mangelt es: Der Verstand soll auf sein Herz hören. Der Verstand soll sich im Dienste des aufrichtigen Gefühls stellen. Der Verstand soll also dem Herzgefühl "gehorchen".

Aber was geschieht stattdessen? Der Verstand hat sich abgenabelt und gehorcht nicht mehr, sondern blendet und läßt sich von seinen Augen blenden. Welcher in aller Tragödie steckender Mensch ahnt denn nur, daß der Kernpunkt seiner Tragödien an dem ungehorsamen Verstand liegt, der nicht mehr gehorcht, der seinem Gefühl, der seinem Gewissen nicht mehr unterstehen will. Wie sollte man auch darauf kommen, wie und warum das Ohr wichtiger als das Auge ist, wenn es ums gehorchen geht, wenn doch die Verstandesschärfe scheinbar im Trotz gegen den Gehorsam erworben wird. Verliebte wissen allerdings um diesen Umstand. Denn der verliebte Verstandesmensch wird seiner Liebe gehorchen und seinen ausgeprägten Verstand sofort in ihre Dienste stellen, ungeachtet der Tatsache, sich damit vor der Welt zum Trottel zu machen. Ebenso soll der Mensch auf sein Herz (Liebe) hören. In dieser Liebe erst kann der Verstand reifen und wird keine Tragödien erleben, sondern erstaunt feststellen, wie oberflächlich die Welt eigentlich ist, weil sie, anders als er nun, ihre Liebe verleugnet hat und deshalb die tiefgehende Erfüllung der Liebe gar nicht mehr kennt.

Wir können folgenden großen Bogen schlagen. Die Wissenschaft und die Religion scheinen unvereinbar zu sein, da die mangelnde Nächstenliebe nur die Differenzen betont und die Politik als der vermittelnde Faktor zusehends versagt. Und doch gibt es Elemente, welche sie gemeinsam haben. Beide haben sich zu visuellen, zu äußeren Phänomenen hinentwickelt und befassen sich mit der toten, weil äußeren Hülle. Innere, lebendige Prozesse auf der Basis einer sinnvollen Beantwortung der alten Menschheitsfragen können sie beide nicht verstehen. Der Mensch bleibt allein, bleibt von den inneren Werten, den gefühlsmäßigen Worten, abgetrennt. Wichtige Fragen können ihm somit nicht beantwortet werden. Der Bogen schließt sich, wenn wir überlegen, wo und wann in der Entwicklung der Menschheit die Stimme, das Gehörte, das Ohr, bzw. das Wort, das lebendige Wort, wichtig war. Wann und wo war die Einheit zwischen Wort und Mensch, zwischen Gefühl und Verstand, zwischen Liebe und Weisheit?

Nun, es heißt z.B. in der Bibel, dass am Anfang das Wort sei. Und das Wort war und ist bei Gott und ist Fleisch geworden. JESUS sei das fleischgewordene Wort, etc. Das fügt sich aber nicht mehr ganz mit den Vorstellungen der Kirche, die kein inneres, sondern nur noch ein äußeres Wort predigt. Das äußere Wort aber ist die Hülle, ist der Glanz und das Schaugepränge und ist nur dem Auge erscheinlich. Leider bewegt sich der Papst, wie überhaupt alle Konfessionen zu sehr innerhalb dieser Hülle und verweicht damit dem Kernpunkt.

Aber die Wissenschaft hat es ebenfalls versäumt, sich Jesus zu widmen. Anstatt z.B. die wissenschaftlichen Aussagen seiner Propheten mit liebenden Augen zu untersuchen, zu schauen, was eine von Bingen, ein Böhme, ein Swedenborg, ein Lorber, eine Emmerich, eine Dudde, usw. an Wissen vermittelt, um es in Einklang mit unserer Zeit zu bringen, haben sie sich, träge wie sie in geistigen Dingen sind, gleich von allem abgenabelt. Dabei kann man anhand des Wortes den Zusammenhang zwischen Auge und Ohr- zwischen Licht und Ton erkennen. Wie ein Gegenstand eine äußere sichtbare Hülle und ein nicht erkennbares Inneres hat, so hat das Wort dieselben Komponenten. Leider sind wir westlichen Menschen an der äußeren Hülle klebengeblieben und finden diese Entsprechung nicht mehr zum Kern. Dabei ist die Wissenschaft ebenfalls eine Entsprechungslehre, denn sie arbeitet ähnlich wie die Religion mit Gleichnissen und Gleichungen. Aber sie vermag es leider nicht ihre Wurzeln zu erkennen, vermag nicht zu sehen, wie sich die Gleichungen in Gleichnisse verwandeln, z.B. wie bei der Quantenphysik und bei den Atommodellen. Sie beharrt einfach zu sehr auf der Ebene der Körperlichkeit und nennt es Raum. Selbst das Licht muß sich bei Einstein der Zeit- und damit dem Raum beugen. Vom Wort, vom Licht des ewigen Wortes wissen sie nichts, weil sie keine ewigen Werte vertreten und weil sie in dieser Beziehung sträflich nachlässig und damit auch lau sind.

Bei der Wirkung des Wortes haben wir eine höchst komplexe Interaktion zwischen Ohr, Gefühl, Auge und Verstand. Dabei übernimmt der Verstand mit seinem Auge die äußere Form. Wie und in welcher Verfassung wird von wem, wann und wo, das Wort ausgesprochen? Das ist die typische Überlegung des Verstandes, danach analysiert es den Wortinhalt, danach richtet sich die Wertigkeit der Bemühungen um eine angemessene Antwort, eben auch die Gefühlsskala.

Die Wirkung vom Wort zum Ohr ist sehr viel komplexer. Dort geht es in das Innere des Menschen über und läßt auf eine sehr viel tieferen Ebene Gefühlsinhalte erklingen. Das Wort ruft Assoziationen der Zustimmung, der Ablehnung hervor. Es berührt den ganzen Körper, der sich förmlich versteifen kann. Genauso kann er aber in einen Zustand der Freude gebracht werden. Die Analyse und Entscheidung darüber, in welcher Art und Weise man zu reagieren hat, geschieht primär jedoch nicht vom Verstand aus, dieser Reflex ist durch unsere humanistische Bildung nur anerzogen und deswegen leider völlig verzogen. Das ist allein dem Herzen, als Sitz des Gefühls, als Sitz des Willens, vorbehalten. Der Wille ist ein Werkzeug, welcher für Intensitäten von Gefühlen spricht und mit diesen umgehen kann, sie steuern kann und soll. Der Wille ist der geistige Arm des Herzens, mit dem er nach geistigen Qualitäten greift. Das Herz entscheidet dann, inwieweit man das Wort aufgenommen-, und gefühlt hat, inwieweit der Wille das “richtige” ergriffen hat. Die Bedeutung des Gefühlten ist einfach sehr viel tiefer, als die Bedeutung des Verstandenen, des Erkannten.

Bei der Antwort, man habe das Gesagte verstanden, wird das Wort nur wieder in äußere Prozesse aufgegliedert, die sehr leicht zu "durchschauen" sind. Aber gerade weil der Verstand die Worte zu schnell und leicht versteht, "durchschaut", können sie niemals tiefgreifend vom Herzen durchgefühlt werden. Weil darum die Worte zu äußeren Gefühlsfragmenten verstümmelt werden, müssen eben, um das in etwa auszugleichen, statt einem Wort dann sehr viel mehr Worte gesprochen werden. Es kommt dadurch zu einer wahren Flut von Worten, letztlich auch von Werten.

Nicht, das uns der Osten darin überlegen wäre und es noch verstünde, sich mit den inneren Prozessen auseinanderzusetzen. Dort ist das Verständnis schon längst einer gewissen Fremdheit, einer Angst gegenüber den eigenen Gefühlen gewichen. Im Gegensatz zum Westen werden sie dort einfach für tabu erklärt. Aber in unserer Thematik widmen wir uns ausschließlich unserem westlichen System als dem Kulturträger. Vom "Untergang des Abendlandes" allein, wie seinerzeit von Oswald Spengler postuliert, können wir nichts sehen. Der Osten hat uns nichts Neues zu bieten. Im Gegenteil, er bestrebt sich geradezu uns alle Fehler nachzumachen. Alles bleibt nur äußerlich. Was hier im Vorwort gedrängt ausgesprochen wird, ist im Buch ausführlicher behandelt und soll ein Versuch sein, eine zugeschüttete Quelle zum Herzen eines Jeden zu öffnen. Möge es diesen Worten gelingen, die äußere Hülle zu durchstoßen.

Es kommt nicht darauf an, wie schön es unserem Auge sichtbar ist. Es muß unser Herz befriedigen und es erfüllen. Das Leben ist nicht das Vehikel, um die Wahrheit zu erkennen, sie zu verstehen. Nein, das Leben ist die einzige Möglichkeit die Wahrheit zu erfüllen. Erst wenn man erfüllt ist, kann man es erkennen. Das leere, rastlose Herz kann nichts als Trug und Lüge erschauen. Leider kann es in diesem Zustand auch nicht verstehen, wie ein erfülltes Leben um den zentralen Punkt der Wahrheit kreist, weil es ihn hat.

Das ist die Bedingung allen Seins: Die Wahrheit muß erfüllt (erfühlt) werden, indem die Liebe erkannt und gelebt wird; denn ohne Liebe kann man nicht leben, weil die Liebe sich im Schaffen und nicht im Denken und erst recht nicht in diesen computerisierten virtuellen Welten äußert. Von der Religion müßte das eigentlich selbstverständlich sein, daß man ohne Gott weder leben noch etwas schaffen kann. Von der Wissenschaft her ist diese Wahrheit so auch nie zu erfüllen. Es sei denn, die Wissenschaft träfe sich endlich mit der Religion und würde sich in dieser zentralen Frage durch ihren äußeren Wust von Wortgeklingel sehr viel tiefer zum Kern hin durcharbeiten, aber das kann bei unserer gegenwärtigen Politik so nie geschehen. Das geschieht nur, wenn der politisierte Mensch, der sich deshalb mehr als Wissenschaftler versteht, in seinen Worten (Werten) mehr Liebe hätte, und das ginge nur über die Nächstenliebe. Diese Nächstenliebe geht aber nur über Jesus. Das ist der einzige Weg. Wieso und warum bleibt im Nachhinein über die Sehnsucht noch zu klären.

 

Michael Nehmann. 17.03.1992

aktualisiert 11.02.2006

 

 

 

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