5.

G E D I C H T E

AUS DER KRIEGS- UND NACHKRIEGSZEIT

und

UNVERÖFFENTLICHTE GEDICHTE

AUS DEM NACHLASS

 

 

I N H A L T S Ü B E R S I C H T

Es schreiten die Zeiten (22.12.1939 - aus Band 4)
Starrende Felsen, wie Burgen verschollener Riesen (9.6.194l - aus Band 4)
Unterm Träumebaum bin ich oft gestanden (5.7.1941 - aus Band 4)
Der Traum ist dein Teil, nicht das Wachen (unveröffentlicht)
Der du dein Haupt schon erhebst (21.4.1944 - unveröffentlicht)
Tausendfältig preisgegeben (2.2.1945 - aus Band 4 )
Du, dem seit je alle Loblieder galten (17.4.1945 - aus Band 4)
Ist das des Pilgerweges krönend Ende (13.6.1946 - aus Band 5)
Es lag ein Herz im Staub der Alltagsstraße (4.7.1946 - aus Band 4)
Ich blickte auf das Böse (7.4.1947 - aus Band 5)
Denn vom Anfang unsres Seins (23.4.1947 - aus Band 5)
Es tut nicht not, das Schicksal zu befragen (2.11.1947 - aus Band 5)
Wenn du allein bist, sprechen die Sterne (28.9.1956 - unveröffentlicht)
Allnächtlich überschreiten wir die Schwelle (1957 - unveröffentlicht)
Ich bin der Wind, ich wandre weit umher (28.1.1958 - unveröffentlicht
Wie kann mich der Sturm erschrecken (aus Band 5)
Das Erinnern ist die Kunst der Götter (10.3.1958 - unveröffentlicht)
Mein Herz weiß längst, wo es dich suchen soll (16.8.1958 - unveröffentlicht)
Nachwort

 

 

 

 

Es schreiten

die Zeiten

im maßvollen Reigen

und schweigen.

 

Sie prägen die Formen

und schaffen die Normen

und setzen die Grenzen

nach Monden und Lenzen,

die menschlichem Leben

auf Erden gegeben.

 

Kann keiner entrinnen

dem Kreis, wo Beginnen

ans Ende gebunden,

zersplittert in Stunden,

zerbrochen in Farben

des Gotteslichts Garben?

 

Allein der Erwachte,

zur Flamme Entfachte,

Erlösungsbereite,

von Formen Befreite,

der Zeitenentrückte,

vom Himmel Beglückte!

 

Ihn heben

ins Leben

der göttlichten Rechte

die Mächte!

 

 

 

 

Starrende Felsen, wie Burgen verschollener Riesen,

ragende Söller und Säulen, verwitternde Wälle,

unter zerstürztem Gemäuer begrabene Leiber,

fahle Gesichter, im Krampfe erstarrte Gebärden - -

 

, ,Da ihr hier bleichet im Schutt dieser steinigen Halde,

die ihr mit blicklosen Augen so traurig mich anstarrt,

Riesen der Vorzeit, euch ruf ich,

euch frag' ich um Antwort:

Was habt ihr Böses getan,

daß so schwer ihr müßt büßen ?" - -

 

„Rufst du uns, wandelnder Bruder mit fühlender Seele?

Ward dir gegeben die Schau in das Herz aller Dinge?

Ward dir die Stummheit der Steine

zum Schrei unsrer Leiden?

Dann, Bruder, sei dir die Antwort

zum Dank für dein Mitleid:

 

Nicht was wir taten, doch das, was zu tun wir versäumten,

ließ erst das Herz, dann uns selber zum Steine erstarren.

Weltzeiten ziehen vorbei, eh' verlorenes Fühlen

einst unserm Staube entblüht als das Grünen des Waldes."

 

 

 

 

 

Unterm Träumebaum

bin ich oft gestanden,

wenn in Schlafes Banden

lag mein Leib.

 

Hab' am Stamm gerüttelt,

Blättchen abgeschüttelt,

daß ein goldner Traum

bei mir blieb - .

 

Und zum Erdentag,

diesem bitterschweren,

freud- und liebeleeren,

dann erwacht -

 

fand auf allen Wegen

ich verborgnen Segen,

der verschüttet lag.

Und das macht:

 

Von dem Träumebaum

blieb ein Blättchen hangen,

ist mit mir gegangen

allezeit.

 

Daß so froh sie wandern,

wünsch' ich auch den ändern

einen goldnen Traum

zum Geleit.

 

 

 

 

Der Traum ist dein Teil, nicht das Wachen,

durch Silbergewässer dein Nachen

trägt rosenbekränzt dich zurück.

Wenn morgens die Sterne verblassen,

dann gehst du durch irdische Gassen

und freust dich am irdischen Glück.

 

Wie wenige wissen vom Träumen,

wie viele verwundert dein Säumen

und daß du es dennoch erreichst,

daß Sonne wie Wolken dich segnen,

daß Wunder dir lächelnd begegnen.

Sie wissen nicht, wie du uns gleichst,

 

uns heiteren Traumlandgefährten,

die wir unsern Schutz dir gewährten,

dich sandten, mit Rosen bekränzt,

im Lande der Wachen zu sagen,

wie reich deine Traumgärten tragen,

bis Wachen und Traum sich ergänzt.

 

 

 

 

Der du dein Haupt schon erhebst

in die Wolken des Himmels,

wandle gelassen die Wege

der wimmelnden Menge.

 

Nichts als den Staub an den Sohlen

habt ihr noch gemeinsam,

nichts als die Not ihres sinnlosen Tuns

soll dich rühren.

 

Neigtest du dich, den Gehetzten

in Demut zu dienen,

richte dich gleich wieder auf

zu der einsamen Höhe.

 

Ungetrübt mußt du als Tröster

Betrübter verharren;

nur eine brennende Fackel

dient Dunklen als Leuchte.

 

 

 

 

Tausendfältig preisgegeben,

leidumnachtet, wintermüde,

tödlichkalten Haß im Herzen,

schrie ich nach des Frühlings Milde!

 

Tausendarmig, hilfeheischend,

frosterstarrte Leiber reckend

in den gnadenlosen Himmel,

trotzen stumm die stolzen Bäume.

 

Und es kam die Zeit der Stürme!

Wolkenrosse rasten wieder,

Schauer in den schwarzen Mähnen,

über fahle Nebelfelder.

 

Klirrend sprang des Frostes Fessel!

Von den Zweigen, von den Wimpern

tauten Tränen, leis und lindernd,

denn ich weinte mit den Bäumen.

 

Gute Erde, trink die Tränen!

Wandle sie in Blütensterne,

wenn die Frühlingssterne strahlen

über mir und meinen Bäumen!

 

 

 

Du, dem seit je alle Loblieder galten,

du, vor dem Engel die Lichtflügel falten,

du löst die Wolken, die drohend sich ballten,

und auch die Sorgen, die mich schon umkrallten!

Dein sind die Sonnen, die Leben entfalten,

dein auch die Blitze, die Berge zerspalten!

Du bist der Eine in vielen Gestalten,

immer derselbe in allen Gewalten!

Nie kann dein Leben in meinem erkalten -

wo ich auch bin: Du mußt mich erhalten!

 

 

 

 

 

Ist das des Pilgerweges krönend Ende,

ist das die lang verheißne Lebenswende,

die Heimat, die aus blauer Ferne rief?

Ich lief und lief - -

und angelangt erschrak ich tief.

 

Ich bin am Berg, um den die Wolken kreisen,

doch neue Gipfel seh' ich aufwärts weisen,

neu lockt ein Licht - - ich Tor, was folgt' ich dir?

Nun bin ich hier.

Nun, Stimme, stehe Antwort mir!

 

Mein Kind, wovon du sprichst, sind nur die Schritte.

Das Ziel bist du! Du suchst die eigne Mitte!

Wie könnt' das ew'ge Ziel ein Stillstand sein?

Kehr froh hier ein!

Solang du's suchst und siehst, ist's dein.

 

 

 

 

Es lag ein Herz im Staub der Alltagsstraße

wie viele andre Menschenherzen auch;

nur litt dies eine in verstärktem Maße,

es kannte schon der Höhe heil'gen Hauch

und wollte sich dem Licht entgegenheben.

Doch man vergißt im Staub die Kunst zu schweben.

 

Da kamen ihres Weges schnelle Schritte.

Ihr Klang war hart gleich einem Zorneswort,

sie traten achtlos auf nach Menschensitte

und schleuderten das Herz vom Wege fön

und merkten's kaum. Wenn eigne Sorgen rufen,

sind Steine oder Herzen nichts als Stufen.

 

Jedoch das Herz, emporgeschleudert, bebte -

denn sieh, die Flügel wuchsen ihm im Flug!

Es stieg und stieg - es schwebte und - umschwebte

den Schreitenden, der seine Bürde trug,

bei ihm zu sein, wenn einst sein Fuß wird wanken.

Hat es ihm nicht sein höchstes Glück zu danken?

 

 

 

 

Ich blickte auf das Böse,

da ward mein Herz zum Stein,

der fiel in trübes Wasser

wie in ein Grab hinein.

 

Ich glaubte an die Güte,

die in uns allen lebt,

da ward mein Herz zur Blüte,

die auf den Wellen schwebt.

 

Das Schwere ist das Schwache

und sinkt hinab ins Grab.

Das Leichte ist das Starke,

weil Gott ihm Flügel gab.

 

 

 

Denn vom Anfang unsres Seins

sind wir eins:

Deine Seele ich, und du mein Geist.

 

Du das Denken, Streiten, Streben,

wo ich fühle, hüte, trage.

Du wie ich: ein randvoll Leben

in zwei Schalen einer Waage.

Dein Gestirn läßt dich nicht irren

auf den graden und den wirren

und den ungebahnten Wegen,

immer gehst du mir entgegen.

 

Mögen Abgründe uns trennen,

mögen alle Brücken brennen,

mögen alle Stege brechen,

Menschenhände sich erfrechen,

uns zu scheiden. Aus uns beiden

kann kein Gott das Einssein reißen!

Ob wir's suchen oder meiden,

sind wir, wie er uns g"eheißen.

 

Deine Seele ich, und du mein Geist,

wir sind eins

bis zum Ende unsres Seins.

 

 

 

 

Es tut nicht not, das Schicksal zu befragen,

ich brauche nur zu wirken und zu wagen,

um so mit meinem Schicksal eins zu sein.

Ich bin dem Leben und dem Tod verbunden

und laß die hellen und die dunklen Stunden

als Boten Gottes in die Seele ein.

 

Ich halte stand, kein Sturm kann mich verjagen;

und kann er's doch, dann will er mich nur tragen

und meiner Sehnsucht seine Schwingen leihn.

Und gibt es Menschen, die mein Herz verwunden,

so hab ich Gott, um wieder zu gesunden.

In ihm ist seine ganze Schöpfung mein.

 

 

 

 

 

Wenn du allein bist,

sprechen die Sterne

dem nicht, der Stein ist.

Hör es und lerne,

allem Erleben

Durchlaß zu geben.

Sondern schafft Schwere,

Meiden macht Leere.

 

Willst du dich finden,

schenk dich den Winden.

Willst du erfassen,

lerne das Lassen.

Lasse dich fallen,

wohne in allen,

sei das All-Eine,

dann ist's das Deine.

Wenn du all-ein bist,

sprechen die Sterne.

 

 

 

 

Allnächtlich überschreiten wir die Schwelle,

wir alle, die dem Tag verpflichtet sind,

und tauchen in die uferlose Helle

und stehen staunend an des Ursprungs Quelle

und werden, was wir sind: des Lichtes Kind.

Warum, so fragt ihr, findet uns der Morgen

so unbelehrt, als wäre nichts geschehn?

Wir stehen ratlos vor dem Stapel Sorgen

und müssen fremdes Wissen borgen

aus fremdem Buch, und könnten doch verstehn.

Warum? Warum? Ihr selbst löscht eure Lichter,

weil ihr nicht wißt, daß Leben brennen heißt.

Im Tode erst entspannt ihr die Gesichter,

doch jeden Morgen spinnt das Netz ihr dichter

und spinnt ihn ein, den flugbereiten Geist.

Der weiß den Weg zum Licht, dem wir entstammen

die kurze Frist der Nacht nur gibt ihn frei,

statt ihn zum Lastenträger zu verdammen.

Ja, leuchtet, lodert auf, verklärte Flammen,

daß jeder Morgen neu voll Wunder sei!

 

 

 

 

 

Ich bin der Wind, ich wandre weit umher;

die Welt zu wecken, das ist mein Begehr!

Nicht, daß sie schläft - daß sie den Traum verlor,

macht sie so krank. - Ich stoß' des Traumes Tor

mit Jauchzen auf! Da wirbeln sie umher,

die Wesen dieser Welt: zum Flug zu schwer,

zum Blühn zu schwach, zum Fruchtbarsein zu feig.

Ich streif die dürren Blätter von dem Zweig,

der grünen soll. Ich bin es, der befreit;

ich bin der Wind und bring' die neue Zeit!

 

 

 

Wie kann mich der Sturm erschrecken,

wenn ich selbst die Windsbraut bin?

Hinter Mauern, hinter Hecken,

mag der Schwache sich verstecken,

ich zieh' mit dem Sturm dahin!

 

An der Erde sucht Behagen

nur der flügellose Wurm.

Doch wo Wesen Schwingen tragen,

wollen sie den Lichtflug wagen.

Wer den Frühling will, will Sturm!

 

 

 

 

Das Erinnern ist die Kunst der Götter

und auf Erden wenigen bewußt.

Was die Menschen mit Erinnern meinen,

ist Verweilen an verblühten Beeten,

ist Verharren nur und Stehenbleiben

und entfremdet seinem wahren Sinn.

 

Denn Erinnerung heißt Weiterschreiten,

leichten Fußes, weil Vergangenheit

unverlierbar in der Seele mitgeht,

und Erinnerung heißt Brückenschlägen

und Erlebnis an Erlebnis binden

und in jedem gegenwärtig sein.

 

 

 

Mein Herz weiß längst, wo es dich suchen soll,

es weiß geborgen dich im lichten Land.

Mein Äug' nur, unbelehrbar, sehnsuchtsvoll,

sieht immer noch dein irdisches Gewand,

geliebtes Bild im leergewordnen Raum.

Doch Nächte kommen, wo du nah mir bist,

und manchmal hebst du mich zu dir im Traum

und sagst mir, daß mein Schmerz der Schleier ist,

der dich verhüllt -

und ich gelobe dir,

was mir am ändern Tag so schwer erscheint,

in Glanz und Glück zu gehn, du dort, ich hier -

in Gottes großem Licht sind wir vereint.

 

 

 

 

Die in den Himmel erhobene Liebe auf Erden

weiß, aus Begrenztheit zur seligen Allheit zu werden

die der Verwandlung verliehenen Kräfte zu schenken,

tatlos die Taten der Liebe zu wirken im Denken,

waffenlos siegend und wortlos dein Wissen verbreitend,

unversehrt staubige Straßen wie Gärten durchschreitend

 

 

 

 

Aus den siebenfachen Sonnenkreisen

strömen Kräfte, welche Welten speisen,

strömt das siebenfach gebrochne Licht,

 

findet euch in tiefer Erdverirrung,

weckt euch auf aus eurer Weltverwirrung,

die in euren Herzen sich entflicht.

 

Aus der Vielheit zu der Einheit strebend,

hilfesuchend oder hilfegebend,

tastet ihr euch weiter Schicht um Schicht.

 

Alle Kinder Gottes haben Flügel,

alle tragen der Berufung Siegel

auf der Stirne - doch sie wissen's nicht . . .

 

Du, mein Bruder, hast das Wort gefunden,

hast die tiefverborgne Kraft entbunden

und dein Zauberwort - es ist so schlicht -

 

ist ein Wort nur, wie die Menschen meinen,

doch es kann die ganze Schöpfung einen,

wenn ein Mund es nur in Ehrfurcht spricht.

 

Liebe, die du wähltest, nimm entgegen,

Liebe, die dich führte, sei dein Segen,

Liebe werde dein Erkenntnis-Licht!

 

 

 

 

Die Krone hast du getragen,

die Krone hast du verloren,

nach Einsamkeit und Entsagen

zu neuen Zielen geboren.

 

Empfange, verwandle sie wieder,

wie du ein Verwandelter bist;

nun drückt sie dich nicht mehr nieder,

weil Sonnengold schwerelos ist.

 

Der funkelnden Bildschrift der Sterne,

die alle Gesetze enthält,

entnehme das Deine und lerne,

zu dienen IHM in der Welt.

 

Zu herrschen über dein Leben,

den Widerspruch zu versöhnen,

ein König zu sein im Geben -

laß von der Liebe dich krönen!

 

 

 

 

Des Bewußtseins roher Diamant

braucht den Schleifstein Zeit, um aufzustrahlen,

Weltenzeiten, nimmer euch bekannt,

längst versunken unterm Meeressand,

habt durchmessen ihr in Lust und Qualen.

 

Wieder muß der harte Schleifstein Zeit

Kanten schärfen, matte Flächen glätten.

Wir Gefährten der Vergangenheit

sehn uns an im neuen Erdenkleid,

als ob wir uns nie vorloren hätten.

 

 

 

 

Füchtet euch nie!

Furcht bindet,

und was ihr furchtet, rindet

den Weg zu euch.

 

Denken ist Tun,

ist Rufen,

auf springt mit flinken Hufen

das Schicksalsroß.

 

Nun trägt es dich

zu deiner Qual,

zum Glück - nach deiner Wahl.

Drum glaub an Glück!

 

 

 

 

Die Erde bebt in Fieberschauern

wie ihr!

Die Elemente warten, lauern,

Dämonen, die in dunklen Tiefen,

im Fels, im Sumpf, in Feuern schliefen,

gebannt seit urdenklichen Zeiten,

und die zum Aufstieg sich bereiten

wie ihr.

 

Die neue Zeit hat angefangen

in euch!

An alle ist der Ruf ergangen -

vom Bösen scheiden sich die Guten.

Auch die in eurer Seele ruhten,

die Widersprüche, Härten, Gluten,

die Wunden brechen auf und bluten

in euch.

 

Der Zeitenwender eurer Welten

ist hier!

Die Sterne, die sein Haupt erhellten,

kann er in seinen Händen halten.

Er löst, er bindet die Gewalten,

er sucht und findet die Erwählten,

und die zu seinem Volke zählten,

sind hier.

 

 

 

 

Du hörst den Rufer,

hängst nicht am Ufer.

Du siehst die ändern

mühselig wandern,

Hütten sich bauen -

Dein ist das Schauen.

Dich trägt die Welle,

dich labt die Helle,

du siehst im Dunkel

Sternengefunkel.

 

Dein ist's, die Fernen

kennen zu lernen,

und im Erkennen

wirst du verbrennen,

daß aus dem Feuer

aufsteigt ein neuer,

nicht mehr Versehrter,

göttlich verklärter

Leib der Vollendung.

 

 

 

Lasse strömen deinen Segen

gleich dem milden Frühlingsregen,

hülle den Geliebten ein,

daß auf Wegen, die er schreitet,

helles Frühlingsgrün sich breitet,

weich im Moos versinkt der Stein.

 

Alle fordern, alle darben,

seit dein Licht zerbrach in Farben.

Heb in ihm die Grenzen auf!

Wer so stark ist, schon auf Erden

jedem Strahl gerecht zu werden,

führt den neuen Tag herauf!

 

 

 

 

Aus dem gleichnamigen Buch vom Dayar-Verlag Graz:

 

BIOGRAPHIE UND NACHWORT

 

 

Hella Zahrada wurde am 26.März 1896 in Prag geboren, wo ihr Vater Martin Hegedusic zu dieser Zeit als Offizier der österreichisch-ungarischen Armee diente. Der Vater stammte aus Hlebine bei Kopreinitz in Kroatien, die Mutter, Blanka geb. Kamitska, aus Kesmark in Ungarn. Ihre Jugend verbrachte Hella in der damals noch zu Österreich gehörenden Stadt Marburg an der Dräu, einem Ort, der bei vielen altösterreichischen Offizieren und Beamten als Ruhestandsaufenthalt beliebt war und in den sich auch Martin Hegedusic nach seiner Pensionierung als Oberst mit seiner Familie zurückgezogen hatte.

 

Hella besuchte in Marburg das Gymnasium und eine Musikschule und war dann dort als Musiklehrerin tätig. Im Jahre 1919, im Alter von 23 Jahren, verlobte sie sich mit Viktor Zahrada, einem österreichischen Offizier, den sie bei einem Besuch ihrer in Feldbach lebenden Schwester Draga Nitsche kennengelernt hatte. Viktor Zahrada, der, wie die meisten jüngeren Offiziere, infolge des Zusammenbruches der Mittelmächte und der Auflösung der österreichischungarischen Armee seinen Beruf wechseln mußte, wandte sich dann einem technischen Studium zu. Nachdem er dieses abgeschlossen und bei den Siemens-Werken in Köln eine Anstellung gefunden hatte, heirateten Viktor und Hella am 28. August 1922 in Marburg und begründeten ihren Wohnsitz zuerst in Köln. Die Zeit des Aufenthaltes in Köln benützte Hella Zahrada, um ihre musikalischen Kenntnisse durch ein Studium an der Rheinischen Musikhochschule zu vervollkommnen.

 

Im Jahre 1925 wurde Viktor Zahrada nach Wien versetzt. Hier verbrachte das Ehepaar das nächste Jahrzehnt. Es waren zum Teil sehr schwere Jahre, da der Gatte in dieser Zeit auch lange arbeitslos war, aber Jahre, die für die geistige Entwicklung Hella Zahradas entscheidend waren. Im Herbst 1936 wurde Viktor Zahrada dann in die Siemens-Werke nach Berlin berufen. Doch hatten sie dort ihren Hausstand noch gar nicht eingerichtet - sie wohnten zunächst möbliert - als Viktor Zahrada am 25. Januar 1937 völlig unerwartet im Alter von nur 46 Jahren an einem Herzversagen starb.

 

Hella Zahrada entschloß sich, trotz dieses Schicksalsschlages in Berlin zu bleiben. In dem befreundeten Ehepaar Frh.v.d.Horst fand sie in den ersten schweren Jahren eine starke Stütze. Rudolf Frh.v.d.Horst, selbst ein Sucher, hatte in dem Kreis des damals in Berlin wirkenden persischen Mystikers Iranschähr die Ephides-Gedichte kennen gelernt und mit dem Ehepaar Zahrada sofort nach ihrem Eintreffen in Berlin Kontakt gesucht. Es entwickelte sich daraus eine lebenslange Freundschaft.

 

Hella Zahrada arbeitete in den folgenden Jahren als Büroangestellte bei den Siemens-Werken, leistete dann eine Zeit lang Kriegsdienst als Wehrmachtshelferin und war nach dem Krieg in ihrem erlernten Beruf als Musiklehrerin tätig. Sie lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, doch war sie in ihrer Anspruchslosigkeit damit so völlig zufrieden, daß selbst ihre Angehörigen und nahen Freunde nicht ahnten, wie sehr sie haushalten mußte. Ihrer Wahlheimat Berlin blieb Hella Zahrada treu und sie verließ die Stadt nur mehr für kurze Reisen zum Besuch ihrer Geschwister in der Steiermark und geistiger Freundeskreise in der Schweiz, in Österreich und in der Tschechoslowakei.

 

In Berlin geschah es auch, daß sie die irdische Welt verließ. Am Morgen des 25. Januar 1966 - am gleichen Tag, an dem 29 Jahre zuvor ihr Gatte in die andere Welt hinübergegangen war, wurde sie am Morgen bei brennendem Licht, in einem Sessel sitzend, tot aufgefunden. Ihre Züge drückten zeitlose Ruhe und Frieden aus.

 

…………………

 

Hella Zahrada war ein Mensch von besonderer, in gewissem Sinne zwiespältiger Veranlagung. Im Irdischen war sie ein fröhlicher, allem Schönen aufgeschlossener, tüchtiger Mensch, der zuversichtlich sein Leben meisterte. Andererseits aber war sie das, was man in der Parapsychologie »sensitiv« nennt, d.h., sie hatte eine Wesensstruktur, in der das physische Gehirnbewußtsein durchlässiger für Einflüsse aus psychischen Bereichen ist und in der die einzelnen Wesensteile des Menschen lockerer geschichtet sind, so dass das Bewußtsein von einem Bereich zum ändern wandern kann.

 

Wie sie in einer unveröffentlichten Autobiographie erzählt, hatte Hella schon als kleines Kind in ihrem dritten Lebensjahr bisweilen das Gefühl, aus ihrem Körper herausgezogen zu werden. Sie fürchtete sich davor und es entschwand ihr dann das Bewußtsein. Wie ihre Eltern ihr später erzählten, saß sie dann mit gefalteten Händen aufrecht in ihrem Bettchen, mit Augen, die niemanden erkannten. Es währte manchmal eine Stunde, bis sie aus diesem Zustand geweckt werden konnte.

 

Nach dem dritten Lebensjahr verloren sich diese Erscheinungen

und, wie Hella Zahrada selbst berichtet, hatte sie erst im Alter von 23 Jahren wieder ein ähnliches Erlebnis. Eines Morgens, als sie in halbwachem Zustand im Bett lag, empfand sie plötzlich, sie habe außer den Armen, die unbewegt unter der Bettdecke lagen, noch zwei andere Arme, mit denen sie aber, wenn sie sie bewegte, durch die umliegenden Gegenstände hindurchgriff, ohne sie anfassen zu können. Ähnliches empfand sie bei ihren Beinen, und als sie schließlich überlegte, wie es wohl mit ihrem Kopfe stehe, fühlte sie sich im selben Augenblick aufrecht über ihrem Körper stehen. Diesmal empfand sie keine Angst, sie überlegte vielmehr, ob sie in diesem Zustand wohl einen Spaziergang durch die Stadt machen könne. Sofort fühlte sie sich, ohne das Bewußtsein ihres im Bett liegenden Körpers zu verlieren, emporgehoben und über der Stadt und dem Draufluß mit seinen Brücken dahinschweben. Als sie aber den Gedanken faßte, „ich möchte nach meinem Körper sehen", fühlte sie sich blitzschnell wieder von ihrem Körper eingesaugt.

 

 

 

 

Es vergingen dann wieder einige Jahre ohne derartige Erlebnisse, aber nach ihrer Eheschließung traten sie wieder auf und wurden häufiger. Als sie sich einmal in Köln einer Operation unterziehen mußte, war sie überrascht, sich in der Narkose in einem gleichartigen Zustand zu finden. Sie wußte aber in dieser Zeit ihre Erlebnisse noch nicht zu deuten, da sie bis dahin keinerlei diesbezügliche Literatur gelesen oder sonstige Belehrung erhalten hatte.

 

Erst in Wien wurden Hella Zahrada und ihr Gatte, ohne es gesucht zu haben, in geistige Kreise eingeführt, insbesondere in jenen um Hans Malik. Sie besuchten Sitzungen mit Sprechmedien, hörten aber auch Vorträge der verschiedensten anderen geistigen Richtungen und hatten so Gelegenheit, sich mit den Theorien über okkulte Erscheinungen vertraut zu machen.

 

Hella Zahradas Gabe, aus dem physischen Körper auszutreten und bewußt in zwei Welten zu leben, entfaltete sich lun, ohne daß sie es wollte, ja eigentlich gegen ihren Willen mehr und mehr. Sie wurde in ihren Wanderungen im feinstofflichen Körper sicherer, erlebte, wie sie in diesem Zustande durch Mauern, ja selbst durch Felsen hindurchzugehen vermochte, und machte Experimente, indem sie die Wahrnehmungen, die sie im leibfreien Zustand gemacht hatte, nach der Rückkehr in ihren Körper auf ihre Richtigkeit überprüfte. Ihr Gatte stellte fest, daß ihr ruhender Körper während ihrer Astralwanderungen einen stark verlangsamten Puls und Atemrhythmus aufwies.

 

Die wesentlichste Erkenntnis, die Hella Zahrada aus diesen Erlebnissen schöpfte, war die ungeheure Bedeutung der menschlichen Gedanken. An einen anderen Ort zu denken, bedeutete im leibfreien Zustand, im selben Augenblick auch schon dort zu sein. Im zwischenmenschlichen Verhältnis erschienen Gedanken in dieser Welt als lebendige Kräfte, die ebenso helfen wie verletzen konnten. Furcht zu haben bedeutete, sofort in eine dichtere Sphäre hinabgezogen zu werden, in der sie sich bedrohlichen Gestalten gegenübersah. Ein Anruf Gottes, ein Kreuzzeichen oder dergleichen konnte dann zwar befreiend wirken, aber sie fand es schwierig, sich in einer solchen Lage dazu aufzuraffen.

 

Im Herbst 1932 traten bei Hella Zahrada neue Erscheinungen einer von ihr bis dahin nicht gekannten Art auf. Sie empfand, wie sie später erzählte, wiederholt einen inneren Befehl, einen Bleistift zur Hand zu nehmen, und ihre Hand wurde dann von einer ihr unbekannten Macht geführt. Zuerst waren es nur Striche und Bögen, die sich zu Ornamenten und Zeichnungen fügten, was ihre Hand schuf. Dann aber ging ihre Schulung weiter, und eines Tages bemerkte sie, daß das, was sie in diesem Zustand schrieb, Buchstaben waren. Im November 1932 wurde sie, wie Viktor Zahrada im Vorwort zum ersten, Ende 1933 im´Selbstverlag erschienenen Gedichtband berichtet, auf solche

Weise zum ersten Mal Mittlerin einer zusammenhängenden in Prosa verfaßten Botschaft ethischer Natur. Am 25. Mai 1933 wurde ihr auf gleiche Weise das erste Gedicht gegeben.´

 

Über das mediale Schreiben sagt Viktor Zahrada in dem erwähnten Vorwort:

,, . . . das Medium ist sich beim Schreiben über den Sinn, die Form und die Art der zu erwartenden Mitteilung völlig im Unklaren. Es vermag lediglich mitzulesen, vorausgesetzt, daß nicht die Geschwindigkeit der Niederschrift bei der Undeutlichkeit der Schriftzeichen auch das unmöglich macht, so daß nur mehr eine nachträgliche Entzifferung der Schrift nach vorhergehender Worttrennung und Interpunktierung möglich erscheint."

 

Auf solche Weise entstanden in den Jahren 1933 bis1936 über 120 Gedichte.

 

Später veränderte sich die Art der Durchgabe. Die Gedichte wurden nicht mehr automatisch niedergeschrieben, Hella Zahrada hörte sie innerlich und schrieb sie danach nieder. Manchmal hörte sie sie auch zuerst als eine Melodie, aus der sich erst allmählich die Worte formten. Auch das aber war, wie sie selbst betonte, keine bewußte eigene künstlerische Schöpfung, sondern nur die Weitergabe von etwas Empfangenem. Ihre künstlerische Begabung - sie war eine vorzügliche Pianistin - beschränkte sich auf das Gebiet der Musik. Frh. v.d. Horst berichtet darüber:

 

„Hella Zahrada konnte nicht dichten, sie konnte selbst nicht eine einzige einigermaßen vernünftige Reimerei zustande bringen und hatte auch gar keine Lust dazu. Sie hörte innerlich das vollständige Gedicht ertönen und schrieb es nach diesem Diktat auf, ohne nach den ersten Worten zu wissen, wie es weitergehen und wie es enden würde. Die Gedichte kamen ohne Rücksicht auf ihre irdische Situation, in der Bahn, auf der Straße, bei der Büroarbeit bei Siemens ... Natürlich war sie oft nicht in der Lage, die Verse gleich zu notieren, doch das machte ihr nichts aus, sie war sicher, daß das Gedicht wiederkommen würde, und so war es auch stets." („Grenzgebiete der Wissenschaft", Innsbruck, 26. Jahrgang 1977, Heft 3)

 

Oft schienen die Gedichte rein zufällig zu kommen, manchmal allerdings waren sie auch Antworten auf Fragen, auf eigene oder auf solche anderer.

 

So berichtet Viktor Zahrada im vorhin erwähnten Vorwort zum ersten Band der Gedichte, daß er sich bei der Abfassung eben dieses Vorwortes Gedanken darüber gemacht hatte, ob es wohl recht sei, über derartige Dinge für die Öffentlichkeit zu schreiben. Da erhielt Hella Zahrada das Gedicht „Sorge nicht, ob deine Taten" (Seite 54).

 

Ein anderes Beispiel:

Hellas älteste Schwester Blanka war 1957 gestorben. Im darauffolgenden Sommer 1958 verbrachte Hella einige Zeit in Feldbach in der Steiermark bei ihrer zweiten Schwester Draga Nitsche. Draga litt noch sehr unter der Trennung von der verstorbenen Schwester und außerdem rang sie damals innerlich mit dem Gottesbegriff. Obwohl sie all dem, was Hella in ihren Gedichten vermittelte, Vertrauen schenkte, konnte sie sich nicht von der traditionellen Vorstellung eines zu fürchtenden Gottes lösen. Hella bemühte sich zwar, fand aber während der Zeit ihres Aufenthaltes anscheinend nicht die rechten Worte, die Zweifel der Schwester zu zerstreuen. Auf der Heimreise begleiteten Schwester und Schwager sie am 20. September 1958 noch bis Graz, wo sie gemeinsam das Grab der verstorbenen Schwester besuchten. Und da erhielt Hella Zahrada, während sie auf einem verkehrsreichen Platz der Innenstadt einige Minuten warteten, um in eine andere Straßenbahn umzusteigen, das folgende Gedicht:

 

 

Ob du mich kennst,

ob du mich nennst,

ich bin der namenlose Grund in dir.

Wie du mich suchst und wie du rufst nach mir,

bin ich dein Retter, bin dein Schild, dein Schwert,

und gibst du mir Gestalt, dein Meister, der dich lehrt.

Ich bleib' verhüllt, ich offenbare mich

nach deiner Kraft. So wirke ich durch dich,

wie du mich denkst

und dich mir schenkst.

 

 

Diese Worte waren für die Schwester bestimmt, und sie waren es, die ihre Zweifel zu lösen vermochten. Mit Rücksicht auf die An, auf welche die Gedichte entstanden, betrachtete sich Hella Zahrada, wie schon erwähnt, nie als ihre Schöpferin, sie fühlte sich als eine Empfangende, als ein Werkzeug der Vermittlung. Sie hatte die Überzeugung, es müsse eine fortgeschrittene geistige Wesenheit sein, die ihr diese Lehren schenkte. Auf eine dies bezügliche innere Frage erhielt sie, wie Viktor Zahrada in dem schon mehrfach erwähnten Vorwort zum ersten Gedichtband berichtet, das folgende Gedicht als Antwort:

 

Ich bin dir längst bekannt!

Ich bin dir jetzt gesandt

und werde dich im lichten Land erwarten

und deinem Geiste dann verraten,

was unsre Seelen aneinander bindet.

Wenn eine in der ändern Frieden findet,

ist meine Aufgabe erfüllt.

Gott grüße dich l

EPHIDES

Diese Mitteilung war der Grund, weshalb Hella Zahrada ihre Gedichte fortan »Ephides-Gedichte« nannte und sie auch unter dieser Bezeichnung veröffentlichte. Sie war überzeugt, daß Ephides ein mit ihr eng verbundener, aber fortgeschrittenerer Bruder-Geist sei, der sie führte, und sie glaubte auch, ihn in jenem feinstofflicheren Zustand, in den sie so oft eintrat, gesehen zu haben. Sie schreibt in ihrer Autobiographie:

 

„Ephides war mir gar nicht fremd, als ich ihn das erste Mal sah. Ich wußte, daß ich ihn längst gesehen hatte, und ich sah ihn in der Folge in vielerlei Gestalten, sehr häufig als Inder, immer aber erkenne ich ihn an den dunklen Augen, die alles zu wissen scheinen und mir ins Herz sehen."

 

Es ist hier nicht der Raum, die verschiedenen Theorien zu erörtern, die es in geistigen Kreisen über das Leben nach dem Tode und die Beziehungen zwischen den im physischen Körper lebenden Menschen und den Bewohnern innerer Sphären gibt.

 

Hingewiesen sei nur darauf, daß bei sensitiven Menschen die Möglichkeit besteht, daß sich verschiedene geistige Wesenheiten durch eine und dieselbe Mittelsperson kundtun. Und bei den Gedichten ,,So du mich liebtest, segne auch die Stunde" (Seite 135) und „Durch deine Augen schaue ich die Erde" (Seite 137) zum Beispiel würde man sicherlich eher annehmen müssen, daß es der verstorbene Gatte war, zu dem sich Hella Zahrada in ihrem inneren Bewusstsein erhob, so daß seine Gedanken in ihr Gestalt annehmen konnten.

 

Nach östlichen esoterischen Lehren, aber auch nach der Psychologie G.G. Jungs mußte es jedoch überhaupt nicht immer eine fremde Wesenheit sein, die sich auf solche Weise äußerte. Es konnte auch das eigene innere Selbst auf solche Weise einen Ausdruck suchen, den das wache Gehirnbewußtsein noch nicht zu vermitteln vermochte. Eine solche Auslegung würde zum Beispiel das Gedicht „Denn vom Anfang unsres Seins" (Seite 165) treffender erklären. So mag es sein, daß die Gedichte in Wirklichkeit sehr verschiedenen Ursprung haben.

 

Wenn man das ganze Lebenswerk Hella Zahradas überblickt, scheint sich dabei abzuzeichnen, daß es im Anfange wohl vorwiegend Belehrungen waren, die sie von der »Ephides« genannten Wesenheit erhielt, daß aber mehr und mehr ihr eigenes inneres Selbst die Führung übernahm, und je nach dem Maß, in dem die persönlicheren Schichten ihrer Natur die Aussage des Geistes färbten, erschien in den Gedichten stärker die zeitlose Aussage oder der Ausdruck ihres persönlichen Wesens.

 

So fand zum Beispiel ihre enge persönliche Verbundenheit mit der Welt der Bäume in zahlreichen Gedichten Ausdruck, von denen nur das folgende wiedergegeben sei, das sie am 10. April 1943 an ein Rotdornbäumchen in ihrer Straße richtete, an dem sie in der Bombenzeit, in der auch ihre Wohnung vernichtet worden war, einen Freund gefunden hatte:

 

Kümmerlich sprießender Baum,

zwischen schattenden Mauern

wie von den Scharen der Feinde listig umstellt,

schweigender Freund meiner Seele, ich teile dein Trauern,

warte wie du auf den Strahl, der die Enge erhellt.

Steigt dann die Stunde des Strahls

über schwärzliche Mauern,

wachsen wir, bebend vor Lust, in ihr Leuchten empor,

du, Freund, und ich, und erkennen

in heil'gern Erschauern,

daß uns die Gottheit zur seligen Sehnsucht erkor.

 

 

Ihre frohsinnige, hoffnungsfreudige Natur wiederum kam zum Beispiel in dem folgenden Gedicht bezeichnend zum Ausdruck, das sie am 24. Mai 1938 niederschrieb:

 

Was wundert euch mein leichter Schritt

Durch Not und Nacht ?

Auch ihr habt eure Lampe mit,

doch unentfacht.

 

Sonst wüßtet ihr, was Traurigsein

und Schatten scheuchte:

Vergangnen Glückes Widerschein

ist meine Leuchte

 

und heller Zukunft Strahlenkranz

mein Morgenrot.

Mich trägt das Glück von Glanz zu Glanz

durch Nacht und Not.

 

 

Wie immer man sich aber zu der Erklärung seiner Entstehung stellen mag, das Werk Hella Zahradas ist von einzigartigem Charakter, und was der 1946 verstorbene Dichter und Schriftsteller Karl Hans Strobl in seinem Geleitwort zum zweiten Band der Gedichte schrieb, kann wohl von jedermann angenommen werden:

 

,,Wer immer auch Ephides sei - er ist ein Dichter. Er gibt Verse, so klangvoll und rein, formlich und sprachlich schön, daß man dem Wohllaut geschlossenen Auges beglückt nachträumt. Glocken über dunklen Abgründen, so schwingen sie dahin, rufen und mahnen, schweben nachtwandlerisch zwischen Tod und Leben; und wenn sie auch nicht selber Stimmen aus der Ewigkeit sein sollten, so geben sie doch bisweilen deren Schauer und Ahnung - wie jede echte Dichtung."

 

…………………………….

 

 

Es bleibt noch, einige bibliographische Daten festzuhalten:

 

-Die ersten drei Bände, die zusammen 123 Gedichte enthielten, wurden in der Druckerei Ferdinand Berger in Hörn, Niederösterreich, gedruckt und erschienen 1933, 1934 und 1936 im Selbstverlag Hella Zahradas in Wien. Sie waren, einschließlich einer zweiten Auflage des ersten Bandes, binnen kurzem vergriffen. Eine Neuauflage dieser drei Bände brachte, in etwas geänderter Anordnung, 1957, 1958 und I960 Frh.v.d.Horst in seinem Verlag in Frankfurt am Main heraus.

 

Die in den Jahren 1937 bis 1948 entstandenen Gedichte wurden zunächst nur in mit Schreibmaschine geschriebenen Heften verbreitet. 1954 ließ Hella Zahrada 66 dieser Gedichte bei Karl Mann in Hildesheim drucken und brachte sie als „Band IV" im Selbstverlag in Berlin heraus.

 

43 weitere von diesen Gedichten nebst einigen Prosaschriften erschienen dann 1961 unter der Bezeichnung „Band V" im Frh.v.d.Horst Verlag.

 

1965 wurden 59 in der Zeit zwischen 1949 und 1965 entstandene Gedichte vom Verlag Geistige Loge Zürich unter der Bezeichnung „Band VI" herausgegeben. Eine zweite, auf 79 Gedichte erweiterte Auflage dieses Bandes erschien im gleichen Verlag im Jahre 1975 unter Weglassung der Bezeichnung „Band VI". Dies ist die einzige derzeit noch erhältliche Ausgabe von Ephides-Gedichten; alle früheren Ausgaben sind vergriffen.

 

Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, daß einzelne Gedichte und kleinere Auswahlen im Laufe der Jahre außerdem in verschiedenen Zeitschriften erschienen.

 

Außer den in den vorangeführten Ausgaben veröffentlichten 310 Gedichten gibt es aber noch über 100 Gedichte, die nur in Briefen oder maschingeschriebenen Abschriften erhalten sind.

 

Mit dem vorliegenden 136 Gedichte enthaltenen Band, der in Zusammenarbeit mit dem Neffen Hella Zahradas, Dr. Gerhard Nitsche in Graz, veröffentlicht wird, ist beabsichtigt, einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk Hella Zahradas zu bieten. Er enthält neben der Mehrzahl der in Band I bis III veröffentlichten Gedichte der ersten Zeit und einer repräsentativen Auswahl von Gedichten aus Band IV und V auch 15 bisher unveröffentlichte Gedichte. Soweit möglich, wurden die Gedichte chronologisch nach der Zeit ihrer Entstehung gereiht, um die inhaltliche und stilistische Entwicklung, die sich in ihnen zeigt, erkennbar zu machen.

 

Graz, im Mai 1978 Dr. Norbert Lauppert

 

Aus: http://www.himmelspoesie.de/himmelspoesie/ephides.htm

 

http://www.himmelspoesie.de

 

Nur wer gerne gibt, gibt gut, nur wer freudig dient, dient recht, nur wer aus freien Stücken Gott sucht, wird Gott finden.

 

Menschensatzungen und Gebote, die von Menschen als Gottesgebote in die Welt gesetzt werden, unterscheiden sich von der Gottesstimme, die aus dem Licht in das Menschenherz einfließt, dadurch, dass Menschengebote die Verneinung verlangen, die Gottesstimme aber Bejahung ist. Menschengebote beginnen mit: „Du sollst, du darfst nicht!“, Gottes Stimme aber ist ein Drängen, ein Müssen. Und ein einziger Schritt in der Bejahung wiegt viele Fortschritte in der Verneinung auf. Denn die Stimme Gottes, die zum Müssen wird, hat die Kraft, alles zu wandeln, was dem Müssen entgegensteht, und trägt den steilsten Weg empor, als ob ihr über blumige Wiesen ginget. Verneinung aber ist die Last, unter der man seufzt.

 

So möchte ich Euch eines mit auf den Weg geben, was Ihr zu leicht vergesst, wenn Ihr damit beschäftigt seid wegzulegen, abzustreifen, herzugeben. Dies eine ist die Freudigkeit. Bei all dem Weglegen legt Ihr oft auch sie ab, die doch Eurer Stab sein kann auf dem Weg zu Gott, die doch die heilige Verwandlerin des Leides ist.

 

Freudigkeit wurzelt im Glauben, denn nur wer glaubt, dass alles noch zu gutem Ende kommen muss, dass alles in Gottes weisen Händen ruht, kann freudig sein. Der Ungläubige, Furchtsame kennt keine Freudigkeit. Denn sie setzt Vertrauen voraus. Misstrauen und Verachtung schließen Freudigkeit aus. Und endlich wächst Freudigkeit aus der Liebe, die Glaube und Vertrauen in sich schließt und unbekümmert und unbegrenzt gibt. So wie die Sonne, die immer strahlt und wärmt, weil das ihr Wesen ist, weil sie nicht anders kann. Sie strahlt, weil sie muss und nicht, weil sie soll und wählt die Menschen nicht aus, denen sie schenkt. Sie wäre keine Sonne, würde sie ihr Strahlen nur fallweise und um der Menschen willen, die würdig sind, üben. Sie ist für alle da, die sich ihrem Licht aussetzen, sie strahlt vielleicht einem, den die Menschen schuldig sprechen, tiefer ins Herz, weil er sie aufsucht, als jenem, der würdig ist, aber, mit dem Ablegen seiner schlechten Eigenschaften beschäftigt, im Schatten bleibt.

 

Im Irdischen seht Ihr das Bild so oft und wisst es im Geistigen nicht zu deuten. Ihr sagt vom Menschen, der im Schatten stehen bleibt, er sei selbst schuld, weil ihn die Sonne nicht erwärmt, aber Ihr versucht es immer wieder, Euch ohne die Freudigkeit auf den Weg zu Gott zu machen, und indem Ihr mit Schatten kämpft, versäumt Ihr des Lichtes Segen, der Euch umgibt, Euch einhüllt, der immer da und für alle da ist, die sich ihm aufschließen.