Lieber Joachim,
könntest du da vielleicht mal deine Sicht über den "Aufenthaltsort" der
ungeschaffenen Engel darstellen?
Damit habe ich immer noch Probleme. So wie du es schreibst, meinst du,
dass alle urgeschaffenen Engel -also auch, wenn noch nie inkarniert- sich
im 3. Himmel aufhalten, also dem Himmel der wahren Kinder Gottes.
Dem widerspräche ja, dass man dazu einen extrem freien Willen haben muss
und sich
diesen Himmer nur auf unserer Erde, (ok ok, auf der Sonne etc? auch)
verdienen kann.
Nun heißt es ja bei Lorber, dass die uingeschaffenen Engel diesen freien
Willen, wie wir ihn haben, gar nicht besitzen. Gruß
thomas
________________________________________________________
Von: Von: j-herbst
Lieber ..! Danke
für die mail. Ich hatte die Botschaft vom 17 auch nicht bemerkt. Falls ich noch
bessere Zitate finde, werde ich sie nachliefern. Die Hildegard Zitate würden
mich auch interessieren, insbesondere dort wo sie vom großen Schöpfungsmenschen
spricht. [HGt.02_086,07]
Sehet hierher: Jorias ist durchglüht bis zur äußersten Haut! Er schaut und
genießt nun schon die unermeßlichen Schätze aus Mir, – ja Schätze, die
unvergänglich sind ewig und unverbrauchbar, da sie sich also mehren und mehren
ins Unendliche, wie sich da mehret das Weizenkorn auf der Erde, nur mit dem
Unterschiede, daß die verzehrten Schätze der Liebe sich stets verherrlichter
und ins Unendliche vermehrter erneuern, während das Weizenkorn der Erde, wenn
es in die Erde gesät worden ist, sich selbst nur höchstens hundertfach
wiederbringt. [HGt.02_086,08]
Wahrlich, wahrlich, sage Ich euch, diese Erde und alles, was auf ihr, in ihr und
über ihr ist, und die Sonne und alles, was da ist in ihr, auf ihr und über
ihr, und alle die großen Sterne mit ihren zahllosen Weltenheeren und mit ihrem
Lichte und mit allem, was da ist in ihnen, auf ihnen und über ihnen, und was da
war und sein wird nach undenklichen Zeitläufen, und den ganzen Himmel in aller
seiner Unendlichkeit, alle zahllosen Myriaden der Engelscharen mit aller ihrer
Herrlichkeit, ja Mich Selbst habt ihr in euch! [HGt.02_086,09]
Wie ist demnach der doch ein Tor, der hier um ein Stückchen Erde streitet, wie
es schon zu öfteren Malen unter euch der Fall war, da er doch eine ganze,
wahrhaft lebendige Erde, die für ihn ewig nimmer vergehen wird und auch ewig
nimmer vergehen kann, sondern sich nur nach seiner Lust und seinem freien Willen
stets vergrößern, stets mehr verherrlichen und stets mehr vervielfachen wird,
in sich birgt und trägt, und also auch alles früher Bezeigte! [HGt.02_086,10]
Denn wenn es nicht also wäre, da wäre niemand eines Gedankens fähig; alles
aber, was da jemand denken kann und mag, und wie vielfach und wie immer
gestaltet, muß ja doch wohl also in ihm vorhanden sein wesenhaft, wie da in dem
Samenkorne schon vorhanden ist eine endlose Vielheit seiner selbst nebst allen
dasselbe produzierenden Pflanzenbestandteilen, ohne welche Beschaffenheit keine
Fortpflanzung ins Unendliche denkbar wäre. [HGt.02_086,11]
Wenn also gestaltet euch aber eure Gedanken lehren, was ihr alles unendlichfältig
in euch berget und traget wesenhaft und Ich als der Schöpfer alles dessen und
euer wahrer Vater euch nun auch noch dasselbe enthüllend sage und ihr nichts
als nur der wahren Liebe bedürfet, um euch in den Vollbesitz aller dieser
unendlichen Schätze zu setzen, – saget, ein wie großer Tor ist demnach der,
so er sich kümmert und sorgt um eine Faust voll Staub der nichtigen Erde, die
da nur ist ein prüfendes Trugbild oder eine barste Scheinwelt, während er doch
zahllose Sonnenheere in sich birgt, die da echt sind und unvergänglich! [HGt.02_086,12]
Darum sehet an den Jorias; der zeigt euch nun, was die Liebe vermag, und zu was
allem sie allein euch verhelfen kann. [HGt.02_086,13]
Daher seid künftighin keine Toren mehr, und fliehet die Welt, und suchet euch
selbst und Mich in euch! [HGt.02_086,14]
Habt ihr mit eurem Liebelichte da alles gefunden, so werdet ihr wohl einsehen,
wie viel die ganze Erde wert ist gegen den geringsten inneren Schatz des Lebens
aus Mir. [HGt.02_086,15]
Wer aber da erglühen wird in der Liebe gleich dem Jorias, der wird auch finden,
was er nun gefunden hat! [HGt.02_086,16]
Du, Mein geliebter Jorias, aber stehe nun auf, und zeige den anderen den
kleinsten Teil dessen, was du nun in dir aus Mir gefunden hast durch deine
Liebeglut! Amen.“ 87. Kapitel [HGt.02_087,01]
Und alsbald erhob sich der glühende Jorias und begann folgende Worte nach dem
Willen Abedams an alle die anwesenden Väter zu richten und stellte ihnen getreu
den kleinsten Teil des nun in sich gefundenen Schatzes, der unendlich ist, dar;
die Worte aber, die er zu ihnen sprach, lauteten also: [HGt.02_087,02]
„Väter, Brüder, Kinder, Mütter, Weiber und Töchter, höret! Wahrlich,
wahrlich, wahrlich, kein äußerer Sinn unserer Seele kann es je erfassen, was
Gott, unser heiliger, liebevollster Vater, denen vorbereitet hat, die Ihn allein
über alles lieben und ihre Herzen nimmerdar abwenden von Ihm, und auch keines
Menschen Zunge wird solches je wiedergeben können! [HGt.02_087,03]
Oh, wie wäre solches auch da möglich, wo uns die Worte verlassen und sicher
niemand mehr in sich ein Wort finden wird und kann, durch welches er imstande wäre,
nie geahnte, viel weniger noch geschaute Dinge vernehmlich zu bezeichnen! Und so
er auch alsbald bilden möchte neue Worte, wer wird sie aber verstehen, und wer
die endlos vielen sich dann erst merken?! [HGt.02_087,04]
Daher kann nur ein kleinster Teil eines kleinen Teiles allhier zum schwachen
Verständnisse kundgegeben werden. Ich sage, liebe Väter, Brüder und Kinder,
nicht umsonst ‚zum schwachen Verständnisse‘, denn ein irdisches Wort ist ja
kaum nur die äußerste Rinde eines mehrere Hunderte von Jahren alten Baumes. [HGt.02_087,05]
Wer aber kann aus derselben das innerste, wunderbarste Leben des Baumes
erkennen, wer im Baume selbst den mächtig gewordenen Keim und in diesem die
endlose Vielheit dessen, was da noch verborgen liegt und erst mit der Zeit zum
Vorscheine kommt sichtbar unseren Augen?! [HGt.02_087,06]
Und wer möchte endlich erst erkennen aus dem Äußersten der Rinde die
geistigen Wunder alle, welche eine allerkleinste Faser des Holzes in sich birgt. [HGt.02_087,07]
Wie daselbst das Laub, die Blüte, die Frucht mit allen ihren sie umgebenden und
sie durchdringenden Teilen von vielen tausend Geisterhänden vorbereitet wird,
von ihnen dann zur rechten Zeit durch alle die zahllos vielen Kanälchen zu den
Ausmündungen an den Zweiglein geführt und dort erst endlos wunderbarer
ausgebildet wird nach der bestimmten Form und nach allen uns wie nur immer möglich
fühl- und wahrnehmbaren Eigenschaften?! [HGt.02_087,08]
So wenig wir aber alles dieses und noch zahllos mehreres der Außenrinde des
Baumes entnehmen können, – um noch viel weniger kann jemand das allerkleinste
Teilchen dessen durch Zungenworte wiedergeben, was dieser unser aller heiligste,
liebevollste Vater in den Herzen derer vorbereitet hat, die Ihn über alles
lieben! [HGt.02_087,09]
O Liebe, Liebe, Liebe, du große, heilige Liebe, welche Fülle, welche Tiefe des
Lebens und des Lichtes fassest du in dir! [HGt.02_087,10]
Gott, Gott Selbst ist die reinste Liebe, und diese Liebe ist vor uns allen; sie
ist unser aller heiliger, liebevollster Vater, hier – in unserer Mitte, – da
– in unseren Herzen! [HGt.02_087,11]
Vor den Augen des Fleisches und der Seele auch liegt es verborgen, aber nicht
also vor denen des Geistes, in dem die Liebe wohnt, ja der selbst Liebe ist aus
der endlosen Liebe unseres heiligen Vaters. [HGt.02_087,12]
Dem Geiste ist ein Sandkörnchen mehr denn dem fleischlichen Auge diese ganze
Erde und der ganze gestirnte Himmel, so er auch geschaut werden könnte in aller
seiner Außenpracht, gleich wie der Fleck der Erde, auf dem wir wandeln, also
nahe! [HGt.02_087,13]
O Sandkörnchen, du großes Wunderwerk, was bist du, – wie groß und herrlich!
Wer ahnt die unaussprechliche Majestät dessen, das da unbeachtet an seiner Fußsohle
kleben bleibt?! Es ist ja nur ein winziges Stäubchen! [HGt.02_087,14]
O Väter! Glaubet es nicht! Es ist kein Stäubchen! Eine Welt, eine unermeßlich
große Welt ist es! In ihren weiten Räumen wallet Licht und Leben! [HGt.02_087,15]
Große Ströme durchziehen ihre weiten Kristalltäler; auf ihren sehr hohen
Bergen brennen tausend und tausend Sonnen, voll des herrlichsten Lichtes aller
Farben, und zahllose Wesen in den nie geahnten, wunderbarsten Formen beleben
diese große Welt! Licht und Wärme ist ihre Nahrung; ihre Bewegung gleicht
einem Wanderer, dem ein hohes Reiseziel vorgesteckt ist. [HGt.02_087,16]
O du Körnchen, du Körnchen, du allein ja wärest mir genug für die ganze
Ewigkeit! [HGt.02_087,17]
O Väter, Brüder und Kinder, – ich vermag nun nichts mehr zu reden; denn größer
und herrlicher stets wird ja schon dies Stäubchen! [HGt.02_087,18]
Was soll da erst sein eine ganze Erde und ihre stets herrlichere Vervielfachung
im Ganzen, wie in allen ihren unzähligen Teilen. [HGt.02_087,19]
Was dann erst eine Sonne, was der ganze sichtbare Sternenhimmel, was dann erst
der Geister- und Engelshimmel, was sie, was wir, was erst die Liebe Gottes in
uns?! [HGt.02_087,20]
Daher liebet, liebet, liebet Ihn; in der Liebe werdet ihr erst erfahren, was die
Liebe ist, und wie unaussprechlich gut da ist unser heiliger Vater! [HGt.02_087,21]
O Liebe, du heilige Liebe! Du allein bist alles in allem! O Vater, Du heiliger
Vater, Du bist ja diese heilige, große Liebe Selbst! [HGt.02_087,22]
Daher liebet, liebet, Väter, Brüder und Kinder, liebet die Liebe; liebet über
alles den heiligen Vater! [HGt.02_087,23]
Denn Er allein ist die Liebe, die ewige, die unendliche! Daher auch Ihm allein
alle unsere Liebe ewig! Amen.“ Beste
Liebe J.
Herbst _____________________________________________________________________ Von: j-herbst Frage: Gibt
es Probleme, wenn Gott die Gänseblümchen schafft und andererseits aber ein
Naturgeist die Gänseblümchen betreut wachsen läßt etc. Ist es schwierig,
wenn ein Engel eine neue Schmetterlingssorte erfindet und andererseits aber alle
Wesen von Gott stammen? Oder wie ist es zu verstehen, daß einerseits Mercedes
mein Auto repariert hat, aber der Techniker doch Fritz Müller war ??? Also
grundsätzlich nicht vergessen Gott macht alles, aber ( fast ) alles durch seine
Diener und Geschöpfe ( da gibt es auch noch Zitate zu ). [GS.02_045,10]
Wenn der Geist sagt: Ich bin und denke, so zeigt er dadurch an, daß der Herr in
ihm alles in allem ist; und sagt er von sich aus: Ich bin nicht und denke nicht,
so redet er, daß ohne den Herrn für sich selbst kein Wesen etwas ist noch
etwas vermag. Wie ist es denn aber, wenn der Herr in der tiefen Weisheit Ähnliches
von Sich aussagt, der doch ewig alles in allem ist? Sehet, dann bezeiget
solches, daß der Herr Selbst in Sich Selbst ewig vollkommen ist und denket.
Wenn Er aber spricht: Ich bin nicht und denke nicht, so besagt das soviel als:
Alle Wesen sind zwar Geschöpfe von Mir und sind Meine durch Meinen Willen
festgehaltenen lebendigen Gedanken; und es gibt kein Ding in der ganzen
Unendlichkeit, das Ich nicht gedacht und schöpferisch mit Meinem Willen
gefestet hätte. Damit aber Meinen Geschöpfen die vollkommene Freiheit werde,
so gebe Ich Meine Gedanken so vollkommen frei, als hätte Ich sie nicht gedacht
und nicht geschaffen, auf daß sie nun wie aus sich ganz frei denken, schalten
und walten können, als hingen sie von Mir nicht im geringsten ab und als wäre
Ich gar nicht vorhanden. Das
Zitat besagt eigentlich das Gemeinte, nur ist es nicht sehr eindeutig
formuliert, es müßte ergänzt werden, daß das freie Denken, schalten und
Walten, natürlich auch das Schaffen beinhaltet, was aber eigentlich klar ist,
da Denken und Schaffen im göttlichen eh identisch ist. [HGt.03_338,09]
Sage Mir, wie möglich vollkommener könnte der Mensch wohl gedacht werden, als
so er also frei gestellt ist aus Meiner Allmacht hinaus, daß er wie ein zweiter
Gott mit Mir, seinem ewig allmächtigen Schöpfer, um seine eigen geschaffene
Ordnung rechten kann!? Also
so ähnlich jedenfalls J J J J J J J Beste
Grüße J.
Herbst ____________________________________________________________________________________ Die Engel bei Swedenborg und Lorber Die Engellehre als Widerspruch Das ist auch aus einem anderen Grunde sinnvoll. Der Luziferkomplex bietet nämlich
an sich schon genügend Konfliktstoff. Nicht ohne Grund wurde er in der
Kontroverse angesprochen, die Ende der siebziger Jahre zwischen Swedenborgianern
und Lorberianern stattfand. Ich hatte Gelegenheit, den Briefwechsel einzusehen,
der damals am Rande der offiziellen Veröffentlichungen geführt wurde. Daraus
nur zwei Zitate, die u.a. den Geisterfall als Hauptdifferenzpunkt bezeichnen.
Friedemann Horn schrieb: "Ich sehe vor allem zwei Fragenkomplexe, die
zwischen uns abgeklärt werden müßten ... Wer ist der Urheber der Lorber'schen
Diktate (und im weiteren Sinne aller sogenannten Vater-Worte)? ... Der andere
Komplex ist die Lehre von Luzifer mit all ihren unsagbar weitläufigen
Folgeerscheinungen."[3]
Und der exzellente Lorberkenner Wilfried Schlätz schrieb: "Wie ich aus dem
letzten Schreiben von Dr. F. Horn an Dich ersehe, gibt es doch größere
Lehrunterschiede zwischen Swedenborg und Lorber: 1. Swedenborg lehrt, daß eine
abgeschiedene Seele sich in alle Ewigkeit nicht mehr ändern kann und wird und
statisch, unveränderlich genau so bleibt, wie sie im Augenblick des Todes in
ihrer herrschenden Liebe beschaffen war. 2. Swedenborg lehrt, daß es keine
urgeschaffenen Engel und urgeschaffenen Geister gibt. Damit gleichzeitig lehnt
Swedenborg die gesamte Lehre vom Fall Luzifers und der daraus entstandenen
materiellen Schöpfung ab."[4]
Der Luziferkomplex wurde also mehrfach als Lehrgegensatz namhaft gemacht.
Doch worin soll der Streit bestehen? Swedenborg zufolge entstammen die Engel
ausschließlich dem menschlichen Geschlecht, folglich gibt es keine
urgeschaffenen Engel und schon gar keinen urzeitlichen Engelfall. Lorber dagegen
spricht ausdrücklich von "urgeschaffenen Engeln" (Ev IV.105.11); und
sein buntes Gemälde vom Fall Luzifers läßt vermuten, daß er diese alte jüdische
Mythe im Unterschied zu Swedenborg kritiklos übernommen hat. Das ist in kurzen,
zugespitzten Worten der Gegensatz. Doch Ziel der vorliegenden Untersuchungen ist
es, den Knoten zu entwirren und zu zeigen, daß der Widerspruch in der
angenommenen Weise gar nicht besteht. Ich gehöre zwar nicht zu denen, die aus
falsch verstandenem Harmoniebedürfnis alle Brüche und Sprünge beseitigen
wollen, denn die Wahrheit zeigt sich stets in Widersprüchen, aber wer das
Seziermesser des kritischen Verstandes gebrauchen will, der muß den Schnitt
auch dort machen, wo er tatsächlich zu machen ist.
Swedenborg und Lorber gegenüber der klassischen Engellehre Swedenborgs Revolution besteht in der Einsicht, daß Himmel und Hölle dem
menschlichen Geschlecht entstammen. Diese Einsicht muß nicht als Widerspruch
gegenüber Lorbers Festhalten an einer geistigen Urschöpfung dargestellt
werden, obwohl dies häufig so geschieht. Ohne Frage, Swedenborg hat klar
gesagt: "Michael, Gabriel und Raphael sind nichts anderes als
Engelgesellschaften, die wegen ihrer Funktion so genannt werden" (HH 52;
vgl. auch HG 8192c und WCR 300). Das ist richtig; das ist die "innerhimmliche"
Sicht der Dinge. Ist damit aber auch ein unauflöslicher Widerspruch zu Lorbers
Erzengellehre gegeben? Diese Frage gilt es zu untersuchen. Vorab nur soviel:
Swedenborgs Stellung zu den Engeln der klassischen Angelologie und zum Fall
eines Teils dieser Engel muß im Rahmen seines Hauptanliegens gesehen und
begriffen werden. An und für sich ist die Frage einer geistigen Urschöpfung
Swedenborgs Thema nicht. Die Dinge liegen hier ähnlich wie in der alten
Streitfrage nach dem Ursprung der Seele.[5]
Wenn Swedenborg sagt, die Seele stamme vom Vater, dann will er damit nicht primär
in den alten Streit eingreifen, denn diese Äußerung macht er immer nur im
Rahmen seiner Lehre vom Herrn. Er will sagen, daß die Seele unseres Herrn vom
Urgöttlichen des Vaters abstammte und daher zuinnerst göttlich war, was sich
im Prozeß der Verherrlichung auch zeigte. Das Böse konnte ihn daher nur
umbranden, wie die Wogen des wildschäumenden Meeres das Land, ihn aber nie völlig
überschwemmen, weswegen unser Herr den Kampf gegen das Böse aufnehmen und
siegreich bestehen konnte. Ebenso ist die Ablehnung einer geistigen Urschöpfung
kein selbständiges Thema Swedenborgs, sondern steht immer im Zusammenhang mit
dem menschlich-irdischen Ursprung der anderen Welt. Man kann also die These
wagen, daß Swedenborg eine geistige Urschöpfung nur insoweit ablehnt, als sie
einen Widerspruch zu seinem Hauptanliegen darstellt.
Lorbers Revolution fand auf einem anderen Gebiet der klassischen Angelologie
statt. Nicht der Ursprung der Engel des Himmels, sondern die Folgen jenes überlieferten
Abfalls einiger Engel von Gott beschäftigen sein Gemüt. Sah man den
Aufenthaltsort der gefallenen Engel vor Lorber in der Hölle, ohne eine rechte
Vorstellung davon zu haben, so kann man ihn seit Lorber in der materiellen
Weltenschöpfung erblicken. Lorber hat eine ganz unmittelbare Verbindung
zwischen der Angelologie und der Kosmologie hergestellt; eine Verbindung, die so
nirgends zu finden ist, weder im jüdischen Denken noch im
katholisch-christlichen Bereich und wohl auch in der Gnosis nicht. Dort findet
man lediglich den Gedanken, daß im Menschen gefallene Lichtfunken eingekerkert
sind, die auf das befreiende Licht der Gnosis (Erkenntnis) warten, aber daß die
gesammte materielle Schöpfung das Gefängnis eines urgeschaffenen Geistes
darstellen soll, hat in dieser Totalität und Konsequenzenfülle wohl nur Lorber
gedacht.
Um es auf den Punkt zu bringen: Swedenborgs Interesse gegenüber der herkömmlichen
Engellehre ist anthropologischer, Lorbers Interesse hingegen kosmologischer
Natur. Das muß man wissen, um nicht Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen.
Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht Ganz anders hat das Swedenborg gesehen. Zwischen Menschen und Engeln besteht
kein wesentlicher Unterschied. Sie sind nur durch die Schwelle des Todes
voneinander getrennt. Die vierte Kreaturgattung unterscheidet sich von der fünften
lediglich wie die Puppe vom Schmetterling. Das ist Swedenborgs Hauptaussage,
alles andere nur Beiwerk, was deutlich wird, wenn man das folgende Zitat
aufmerksam liest:
"In der Christenheit ist völlig unbekannt, daß Himmel und Hölle aus
dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen sind (Stufe der These). Man
glaubt allgemein, die Engel seienam Anfang erschaffen worden und daher stamme
der Himmel. Der Teufel oder Satan aber sei ein Engel des Lichts gewesen, sei
jedoch, weil er sich empört habe, mit seiner Schar hinabgestoßen worden und
daher stamme die Hölle (Stufe der Antithese; sie wird nur als Gegensatz zur
These referiert). Die Engel wundern sich sehr darüber, daß ein solcher
Glaube in der Christenheit herrscht und wollen daher, daß ich aus ihrem Mund
versichere, daß es im ganzen Himmel keinen einzigen Engel gibt, der am Anfang
erschaffen worden, noch in der Hölle irgendeinen Teufel, der als Engel des
Lichts erschaffen und später hinabgestoßen worden ist. Vielmehr seien alle im
Himmel wie in der Hölle aus dem menschlichen Geschlecht (Stufe der
kontrastreich formulierten These; unmißverständliche Abgrenzung gegenüber der
Antithese). (HH 311 mit Auslassungen)
Die Führung des Gedankens ist klar: Himmel und Hölle sind aus dem
menschlichen Geschlecht. Wollte man ihren Ursprung aus einer geistigen Urschöpfung
ableiten, so wäre das falsch. So gesehen läßt Swedenborg die Existenz einer
geistigen Urschöpfung durchaus offen, aber sie darf nicht für den Ursprung von
Himmel und Hölle in Anspruch genommen werden. Wir werden später sehen, daß
Lorber dies auch nicht tut.
Was für die Engel gilt, trifft auch für die Teufel zu. Urgeschaffene Teufel
oder Satane gibt es nicht; alles hat sich aus dem menschlichen Geschlecht
entwickelt:
"Bis heute glaubt man auf Erden, es gebe einen bestimmten Teufel, der
die Höllen beherrsche; er sei ursprünglich als Engel des Lichts erschaffen,
dann zu einem Empörer geworden und mit seiner Rotte in die Hölle hinabgestoßen
worden. Dieser Glaube beruht darauf, daß im Wort sowohl vom Teufel und Satan
als auch von Luzifer (Lichtbringer) gesprochen wird und man das Wort an diesen
Stellen rein buchstäblich versteht. In Wirklichkeit hat man unter dem Teufel
und Satan die Hölle zu verstehen, wobei der Teufel die Hölle bezeichnet, die
weiter hinten liegt, wo sich die Schlimmsten befinden, böse Engel (oder Genien)
genannt. Der Satan hingegen bezeichnet die weiter vorn liegende Hölle, wo sich
die weniger Bösartigen aufhalten, böse Geister genannt. Unter Luzifer sind
hingegen diejenigen zu verstehen, die aus Babel oder Babylonien stammen, das heißt
Geister, die ihre Herrschaftsbereiche bis in den Himmel ausdehnen" (HH 544).
"Teufel sind die im anderen Leben, die Menschen waren und ihr Leben in
der Welt in Haß, Rache und Ehebruch verbrachten. Der Teufel bezeichnet nichts
anderes als eine solche Höllenschar. Folglich ist die Meinung falsch, es gebe
einen Teufel von Anfang der Schöpfung an, und zwar einen anderen als die
Menschen, die so (nämlich teuflisch) beschaffen waren" (aus HH 968).
Nebenbei differenziert Swedenborg auch zwischen "Teufel" und
"Satan": Teufel bezeichnet das Böse, Satan das Falsche (EO 97, 550).
Interessant ist nun, daß auch Lorber Swedenborgs Anliegen ohne Wenn und Aber
übernommen hat und dennoch seltsamerweise Raum genug gefunden hat, um sein
eigenes Anliegen, die Verknüpfung des Engelfalls mit der materiellen Schöpfung,
ungehindert zur Entfaltung bringen zu können. Das ist aus der Sicht eines
Swedenborgianers verwunderlich und hat daher zu Fehleinschätzungen geführt.
Zunächst die Aussagen bei Lorber, die sich problemlos mit denen Swedenborgs
decken: "Übrigens gab es im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel, der
nicht zuvor auf irgendeiner Erde ein Mensch gewesen wäre" (Ev VII.56.8).
Auch "wir [Engel] waren einmal auf irgendeinem Weltkörper das, was ihr
[Menschen] nun seid" (Ev VI.190.3; vgl. auch Vers 17). Die
"Hauptnachkommen des ersten Menschenpaares waren in einer steten Verbindung
mit Gott und den Engeln, die ehedem auch, wennschon auf einem anderen Erdkörper,
als Körpermenschen gelebt haben" (Ev VIII.128.2).
Aber nicht nur die Engel, auch die Teufel sind allesamt aus dem menschlichen
Geschlecht: "Bevor es aber keinen Menschen auf einem Weltkörper gab, da
gab es auf demselben auch keinen persönlichen Teufel" (Ev VIII.35.16).
"Es gibt in der ganzen Natur- und Geisterwelt keine sogenannten Urteufel,
sondern nur solche, die schon früher als unverbesserlich schlechte und
lasterhafte Menschen einmal auf der Erde gelebt haben" (Ev V.97.5). Da
dieses Wesen, nämlich Satan, "sich aber schon in solcher Zeit eine Menge
gleichgesinnter Geister aus dem menschlichen Geschlecht herangebildet
hatte, so wirkte es dann durch diese seine Engel; denn ein Diabolus oder Teufel
ist nichts anderes als ein in der Schule des Satans herangewachsener und
ausgebildeter Geist" (EM 56).
Nach dem Gesagten kann man Lorber nicht den Vorwurf machen, er leite in
schroffem Gegensatz zu Swedenborg Himmel und Hölle woanders als "aus dem
menschlichen Geschlechte" her. Was hat es dann aber mit den urgeschaffenen
Engeln und dem Fall Luzifers auf sich?
Widersprechen Lorbers "urgeschaffene Engel" Die Himmelsengel sind jedem Swedenborgianer ein Begriff; weniger bekannt ist,
daß "Engel" für den Seher noch weit mehr bedeutet: "Unter
'Engeln' wird im Wort der Herr verstanden, weswegen der Herr selbst 'Engel'
genannt wird. Von daher bezeichnen 'Engel' auch das Göttlich Wahre, denn das
vom Herrn ausgehende Göttlich Wahre macht den Himmel, folglich auch die Engel,
die den Himmel bilden" (HG 8182b). "Durch den Engel wird im höchsten
Sinne der Herr bezeichnet, hernach der Himmel der Engel (die Himmelsengel), und
dann auch das vom Herrn ausgehende Göttlich Wahre" (EO 647).
"'Engel' bezeichnen im Wort etwas vom Herrn, d.h. Göttliches." (HG 4085).
All diese Stellen bieten außerdem noch interessante Parallelen zur
Vertiefung des Verständnisses. Speziell zu den Erzengeln meint Swedenborg:
Michael, Raphael und andere bezeichnen "eine engelhafte [= von Gott
ausgehende] Funktion, somit das Göttliche des Herrn hinsichtlich dieser
Funktion" (HG 8192c). Die Himmelsengel nennt Swedenborg
himmlische, geistige, natürlich-geistige und natürlich-himmlische Engel (HH 31),
je nach dem Grad der Aufnahme für das eigentlich Engelhafte. Uns interessieren
nun die höheren Bedeutungsebenen des Begriffes "Engel", denn den dort
noch vorhandenen Platz füllt Lorber ideenreich aus.
Zunächst, indem er das Wesen der "urgeschaffenen Engel" von dem
der Engel des Himmels unterscheidet, wobei der Begriff "Bote" sehr
originell aufgefaßt wird. Die "urgeschaffenen Engel" sind mit Gott so
eins wie das ausstrahlende Licht mit der Sonne (Ev V.106.9). Von einer Sonderung
oder gar Selbständigkeit der Botenkräfte Gottes gegenüber dem Urwesen Gottes
kann keine Rede sein. Während die Engel des Himmels ein "Eigenes"
haben (GLW 114), weil sie die Erfahrung der Sünde (als Sonderung gedacht)
gemacht haben, sind die Urengel Gottes "eigentlich noch kein Ich" (Ev III.180.20).
Sie sind lediglich Funktionen Gottes. Ihre völlige Abhängigkeit von Gott
beschreibt Lorber in zahlreichen Bildern und Worten: Die Erzengel "sind
pure Aufnahmegefäße des göttlichen Willens und hernach die Austräger [daher
Boten] desselben!" Sie "sind gewissermaßen die Flügel des göttlichen
Willens und sind sonach ganz eigentlich der göttliche Wille selbst" (Ev
II.136.6). "Wir Engel sind im Grunde ja nichts als Ausstrahlungspunkte des
göttlichen Geistes! Wir sind gewisserart der personifizierte, kräftigst
wirkende Wille Gottes". Wir sind "nichts als Arme und Finger des
Herrn". "Von uns gehört alles, was du an uns siehst, dem Herrn;
nichts ist als irgend selbständig uns zu eigen, und es ist eigentlich alles an
uns der Herr Selbst". Wir sind "des Herrn Wille und Tat" (aus Ev III.180).
Die schon mehrfach verwendete Stelle Ev VII.56.8 lautet vollständig:
"Übrigens gab es im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel, der nicht
zuvor auf irgendeiner Erde ein Mensch gewesen wäre. Das aber, was ihr euch
unter den als reine Geister geschaffenen Engeln sehr irrig vorstellet ist nichts
als die auswirkenden Kräfte und Mächte Gottes, durch die Gottes
Allgegenwart, in aller Unendlichkeit wirkend, bekundet wird".
Das hier von Lorber ausgebreitete Verständnis vom unselbständigen Wesen der
Erzengel kann als Interpretation ihrer Namen aufgefaßt werden, denn die
Endsilbe -el in Rapha-el, Micha-el, Gabri-el und Uri-el bedeutet
"Gott" und weist die Erzengel als Qualifikationen Gottes aus. Raphael
heißt "Geheilt hat Gott", Michael "Wer ist wie Gott?",
Gabriel "Mann oder Kraft Gottes", Uriel "Mein Licht ist
Gott" (vgl. auch Swedenborg EO 548). Diesem Namensverständnis folgend
benennt Lorber die Erzengel im 5. Kapitel der "Haushaltung Gottes", wo
von der geistigen Urschöpfung die Rede ist, nicht mit ihrem Namen, sondern mit
einem Sinnspruch (HGt I.5.12), den der interessierte Leser selbst nachlesen
kann.
Die Erzengel Lorbers sind geistige Gebilde, d.h. Gedanken und Ideen Gottes,
und als solche nicht unähnlich den Gedankenformen eines Menschen. Nur kann Gott
im Unterschied zum Menschen seine Gedanken und Ideen aus sich herausstellen,
ohne an eine vorgegebene Materie anknüpfen zu müssen. Die
"erstgeschaffenen Geister" sind "die freien und belebten Ideen
Gottes im endlosen Raume" (Ev II.224.1). Oder: "Die
urgeschaffenen großen Geister sind ja eben die Gedanken in Gott und die aus
ihnen hervorgehenden Ideen" (Ev VII.18.2). Als Gedankenformen besitzen
sie noch längst nicht die Objektivität (Gegenständlichkeit) materieller
Dinge. Man darf Lorbers Erzengellehre nicht grobmateriell auffassen. Die
ersten großen Gedankenfiguren Gottes sind die Urformen der Schöpfung und sind,
wie es schon der Name Engel sagt, Boten oder Ausstrahlungen des großen,
heiligen Schöpfungsgedankens in die Weiten des endlosen Schöpfungsraumes.
Lorbers Erzengellehre ist sonach eine geistige Deutung des Wunders "Schöpfung".
Im Unterschied zu Swedenborg hat Lorber die Naturwissenschaften nie ernsthaft
studiert. Wem mag es da verwundern, daß sein Verständnis der Schöpfung ein
ganz anderes ist als dasjenige Swedenborgs? Man lasse nur einmal einen
Philosophen und einen Botaniker ein und denselben Baum beschreiben! Ihre
Aussagen werden so unterschiedlich sein, daß man Mühe haben wird zu glauben,
ihnen liege derselbe Baum zugrunde.
Die Erzengel als "der personifizierte Ausdruck" "des göttlichen
Willens und der göttlichen Kraft" (Ev V.106.9) oder als "sonderheitliche
Repräsentanten der allgemeinsten Gotteslebenskraft" (Ev III.32.9)
erscheinen stets "in der Gestalt eines Menschen" (Ev II.195.5),
denn die Gedanken und Ideen Gottes verbinden sich immer "nach der Urform
Gottes" (Ev II.227.2), welche die Menschenform ist. Gleichwohl sind
die Engel nur "Licht und Feuer" (Weisheit und Liebe): Einzig die
Liebe, die selbst Gott den Herrn "zum Menschen vor euch [Menschen] zeihet,
macht auch uns Engel zu Menschen vor euch, ansonst wir nur Licht und Feuer sind,
hinauszuckend durch alle die endlosen Räume als große, schöpferische
Gedanken, erfüllt mit Wort, Macht und Willen von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Ev III.180.3).
Das Personifikationsprinzip kann einem Swedenborgianer nicht fremd sein; man
denke nur an die weitreichenden Folgerungen Swedenborgs aus dem Göttlich
Menschlichen des Herrn! Die folgenden Belege zeigen, daß sich die Schöpfungen
des Geistes stets menschlich figurieren:
"Eine jede Neigung des Guten und zugleich des Wahren ist in ihrer Form
Mensch." (GV 66). "Die Liebe zusammen mit der Weisheit ist in
ihrer Gestaltung Mensch, weil Gott, der die Liebe und Weisheit selbst ist,
Mensch ist." (GLW 179). "Das Göttlich Hervorgehende ist im größten
und kleinsten Mensch." (Ath. 178).
Somit werden auch die Gedanken und Ideen Gottes, die er als Schöpfer gedacht
haben muß, Menschenform haben, obgleich sie ihrem innersten Wesen nach
"Licht und Feuer" sind.
Die Erzengel oder Urgedanken Gottes erscheinen zwar als Menschen, werden
aber erst dann Menschen, wenn sie einen der zahllosen Erdkörper im Weltall als
Wesen aus Fleisch und Blut betreten. Der Fleischesweg, den der Herr als der
reinste Geist gegangen ist, ist das Nadelöhr, durch das die alte Schöpfung
hindurch muß, um zur neuen Schöpfung zu werden. Die neue Schöpfung Gottes ist
Jesus Christus und die Wiedergeburt. Jesus Christus, die neue Gedankenschöpfung,
daß Gott Fleisch werden mußte, um das Sterbewesen des Ackerbauern zu erlösen.
Und die Wiedergeburt, die Neuschöpfung des Geistes, derzufolge wir Gott von
Angesicht zu Angesicht erschauen werden wie ein Bruder den andern. Das erst ist
der neue Himmel, der "wahre Himmel" (Ev VII.56.8) aus dem
menschlichen Geschlecht.
Swedenborg hat eine geistige Urschöpfung zwar nie zum Thema seiner
Offenbarung gemacht, erwähnenswert ist aber seine Vorstellung von den Strahlengürteln
rings um die geistige Sonne. Sind diese Strahlengürtel mit Lorbers Erzengeln
verwandt? Den Texten zufolge handelt es sich bei den Strahlengürteln um überhimmlische
Sphären aus dem Licht des Göttlich Wahren und dem Feuer der Göttlichen
Liebesglut. Nach allem, was man von Swedenborg weiß, wird man auch von Substanz
und Form sprechen müssen und von Wesen in Menschengestalt. Die Texte lauten:
"Das unmittelbar vom Herrn ausgehende Wahre kann, weil es aus dem Göttlich
Unendlichen kommt, von keiner lebenden Substanz, die ja endlich ist, aufgenommen
werden, somit von keinem Engel [Himmelsbewohner!]. Deshalb hat der Herr
aufeinanderfolgende Sphären (successiva) geschaffen, durch die das unmittelbar
ausgehende Göttliche Wahre wie durch Mittel(glieder) mitgeteilt werden konnte.
Aber die erste dem Göttlich Wahren entstammende Sphäre ist des Göttlichen
noch zu voll, als daß sie schon von einer lebenden und endlichen Substanz,
einem Engel also, aufgenommen werden könnte. Deshalb schuf der Herr noch eine
weitere Sphäre, durch die das unmittelbar ausgehende Göttlich Wahre einigermaßen
aufnehmbar wurde. Diese Sphäre ist das göttliche Wahre im Himmel. Die ersten
beiden Sphären [= das Göttlich Wahre und die erste Sphäre?] sind über den
Himmeln und sind gewissermaßen Strahlengürtel (cingula radiosa) aus dem
Flammenmeer rings um die Sonne des Herrn." (HG 7270b).
Auch in "Himmel und Hölle" kommt Swedenborg auf diese Strahlengürtel
zu sprechen. Dort heißt es jedoch nicht, das Göttlich Wahre werde angepaßt,
sondern die Liebesglut des Herrn, was freilich kein Widerspruch ist, denn in den
überhimmlischen Sphären sind Liebe und Weisheit bzw. Wahrheit noch eins:
"Der Herr als Sonne fließt nicht unmittelbar in die Himmel ein, sondern
vermindert auf dem Wege die Glut seiner Liebe stufenweise. Diese
Herabminderungen erscheinen als Strahlengürtel rings um die (geistige)
Sonne" (HH 120). Im Lorberwerk kennzeichnet Raphael das Wesen der
Erzengel mit den Worten: "Wir sind um Gott herum [cingula radiosa] so ungefähr
das, was das aus der Sonne ausfließende Licht [Divinum Verum] ist" (Ev V.106.9).
Zusammenfassend kann man sagen, daß Lorbers Erzengelvorstellung dem
Swedenborg'schen System nicht widerspricht, weil Lorber a) Swedenborgs
Hauptanliegen wahrt und b) Swedenborgs Vorgaben sehr geschickt mit konkreten
Ideen ausfüllt. Lorbers Erzengel gehören einem Bereich an, der mit den Himmeln
nichts zu tun hat und somit auch mit den Engeln des Himmels nicht kollidieren
kann.
Der Fall Luzifers: Ein alter Mythos neu gesehen Allerdings sollen sich schon in der Schöpfungsgeschichte Hinweise auf einen
Kampf im Himmel finden lassen. Friedrich Weinreb berichtet, nachdem er auf
unterschiedliche Schreibweisen der "Lichter" des vierten Schöpfungstages
hingewiesen hat: "Die mündliche Überlieferung [des Judentums] erzählt,
die Lichter hätten zwar bei ihrer Erschaffung vollständige Lichter werden
sollen, im Himmel aber sei es zu einem Kampf gekommen ..."[7]
Und Lorber schreibt: "Der Fall der erstgeschaffenen Geister ... ist die
große Scheidung, von der Moses sagt: 'Da schied Gott das Licht von der
Finsternis!'" (Ev II.224.1).
Im Judentum war der Mythos sehr verbreitet, wie die Apokryphen des Alten
Testaments und das Neue Testament zeigen. So liest man im "Buch
Henoch": "Weiter sah ich mit meinen Augen, während ich schlief, und
ich sah den Himmel oben, und siehe, ein Stern fiel vom Himmel herab" (86).
Und in der ebenfalls apokryphen Schrift "Das Leben Adams und Evas"
spricht der Teufel "aufseufzend": "Adam, meine ganze Feindschaft,
Neid und Schmerz geht gegen dich, weil ich deinetwegen vertrieben und entfremdet
ward von meiner Herrlichkeit, die ich im Himmel inmitten der Engel hatte, und
deinetwegen auf die Erde hinabgestoßen ward." (12). Im Neuen Testament künden
2.Petrus 2.4 und Judas 6 von der Engelsünde.
Die christliche Kirche hat diesen Mythos unverändert übernommen. Swedenborg
und Lorber hingegen haben ihn neu gesehen. Swedenborg geht von Jesaja 14 aus und
deutet diesen Text im Sinne der Entsprechungskunde. Lorber geht von der
ursprachlichen Bedeutung der Worte "Luzifer" (Helel) und
"Satan" aus und kommt auf diese Weise ebenfalls zu einem vertieften
Verständnis. Beide Neuoffenbarer lehnen die vulgäre Erzählform als falsch ab,
denn sie entspringt dem viel zu oberflächlichen Buchstabenverständnis.
Swedenborgs Deutung der Jesajastelle Lorbers Namensdeutungen Es klang schon an, daß der Bewußtseinsträger zugleich auch (gerechter)
Gegner bzw. Gegenüber Gottes sein muß. Damit sind wir bei der geheimnisvollen
hebräischen Buchstabenkombination "stn", die Lorber einmal weiblich
(Satana), einmal (Satan) vokalisiert (EM 56), womit der Zwiespalt im Wesen
der bewußten Schöpfung, somit auch des Menschen, angedeutet ist, die
einesteils Aufnahmegefäß Gottes sein kann, sich andernteils aber auch diesem
Einfluß verschließen kann. Swedenborg hat auf das Wechselseitige der
Verbindung mehrfach hingewiesen, ferner auf "die Verbindung des Aktiven und
Passiven" (WCR 588). Erwähnt seien auch Swedenborgs Ausdrücke
"Hauptursache" und "werkzeugliche Ursache" (WCR 473).
Diese Begriffspaare verdeutlichen die Zusammengehörigkeit von Sein und
Gegensein. Ausgehend von der Grundbedeutung Satans als Widersacher oder Gegner
Gottes hat Lorber den Widerstand als die Grundlage alles Seins erkannt.
Dazu die folgenden Abschnitte: "Keine Kraft kann irgendetwas wirken, wenn
sich ihr nicht eine Gegenkraft entgegenstellt." (Ev II.228.6; vgl.
auch 10; Ev II.229.1). Die Gegensätze sind zunächst in Gott und von da aus in
den geschaffenen Wesen. Satan ist dasjenige "Wesen" (Seinsausdruck),
das die Gegenkräfte zum Schweigen bringen will und daher selbst zum Schweigen
gebracht wird und fortan nur noch ein toter Seinsausdruck ist, den Lorber in der
Materie erkennt: "Satan ist eine große Persönlichkeit und entspricht der
zu starren Ruhe und Trägheit; denn diese geschaffene erste große Persönlichkeit
wollte alle anderen Kräfte in ihre Wesenheit vereinen und ist aber darum tot
und tatunfähig geworden in sich selbst. Aber die in ihr besiegten anderen Kräfte
ruhen dennoch nicht völlig, sondern stehen in einer fortwährenden Tätigkeit
und personifizieren sich dadurch wie selbständig. Durch solche Tätigkeit
beleben sie aber das Grundwesen wie mit einem Scheinleben, und dies Leben ist
dann offenbar nur ein Trugleben einem wahren freien Leben gegenüber. Solche
besiegten und doch den Sieg nicht annehmen wollenden Kräfte sind dann das, was
man dem Satan gegenüber 'Teufel' oder 'böse Geister' nennt." (Ev II.229.12f).
Wir sehen, daß Lorber die hebräischen Wortwurzeln geistreich aufschließt
und Swedenborg'sche Ansätze verarbeitet.
Der Fürst der Welt Die Materie ist für Lorber umhülltes oder "fixiertes Geistiges"
(Ev II.195.4): "Die Materie selbst ist demnach nichts anderes als ein
gerichtetes und aus sich selbst verhärtetes Geistiges; noch deutlicher
gesprochen, ist sie eine allergröbste und schwerste Umhäutung oder Umhülsung
des Geistigen." (Ev IV.103.4). Swedenborg bezeichnete den natürlichen
(materiellen) Grad als "Behälter (continens = Zusammenhaltendes oder
Umschließendes)" der vorhergehenden (geistigen) Grade (GLW 209). Er
verwendet die Muskelfasern als Beispiel (GLW 190) und schreibt: "Man
muß wissen, daß jeder Grad vom anderen geschieden ist mittels eigener Hüllen
(velamina) und alle Grade zusammen mittels einer gemeinsamen Hülle" (GLW 194).
Lorber sprach von "Hülse" (Ev II.232.3). Auch für ihn sind das
Geistige und das Materielle getrennte Grade: "Das Geistige aber kann mit
all der noch so harten und groben Umhülsung nie selbst zur vollkommenen Materie
werden" (Ev IV.103.5).
Objektiv betrachtet ist die Materiewelt der sogenannte Satan (Gegenpol
Gottes, des Geistes), subjektiv betrachtet ist es das Prinzip "Welt"
(der Fürst der Welt) im Menschen und personal betrachtet ist es der Mensch
selbst, wenn er sich von diesem Prinzip vereinnahmen läßt. Die subjektive
Deutungsstufe kommt in den folgenden Texten zum Ausdruck: Die "Trägheit
oder stets steigende Lust zum Müßiggange" "ist eben jener böseste
Geist, den die Schrift 'Satan' nennt." (Ev V.204.8). Swedenborg
schrieb: "Müßiggang läßt das Gemüt zusammensinken und erweitert es
nicht, tötet den Menschen ab, statt ihn zu beleben." (WCR 694c). Das
Prinzip "Welt" ist die träge Ruhe, die sich nur allzu leicht auf die
noch unreifen Geister überträgt wie eine unheimliche Krankheit, und sie in ihr
Grab reißt. Die Heilige Schrift nennt die träge Weltruhe im Menschen "das
Gericht" und verordnet als Gegenmittel die "Liebtätigkeit":
"Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige
Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen."
(Joh 5.24). Daß Müßiggang aller Laster Anfang ist, weiß schon der Volksmund;
so kann es denn auch nicht verwundern, wenn Lorber den Fürsten der Welt auch
mit folgender Lasterkette charakterisieren kann: "Lüge, Trug, Stolz,
Habsucht, Eigenliebe, Neid, Haß, Herrschgier, Mordlust und allerlei
Hurerei." (Ev V.220.2). Wie nahe Lorber der Swedenborg'schen Wortwahl
kommen kann, zeigt der folgende Text. Swedenborg differenzierte bekanntlich
zwischen Satan und Teufel und schrieb: "Satane werden jene genannt, die im Falschen
und von daher im Bösen, Teufel jene, die im Bösen und von daher im
Falschen gewesen sind." (WCR 281m). Ganz ähnlich Lorber: "Und
siehe, ebendieses Falsche, die Lüge und der Trug, ist geistig genommen
der 'Satan', und alle die einzelnen, daraus notwendig hervorgehenden Laster
sind eben das, was man 'Teufel' nennt; und eine jede Seele, die irgendeinem der
zahllos vielen Laster als begründet ergeben ist, ist ein Teufel in Person und
ein tätiger Ausdruck eines oder des andern Schlechten und Bösen" (Ev V.94.3).
Satan kam zu seiner Ehre, ein persönliches Geistwesen im Reigen der
himmlischen Gottessöhne zu sein, hauptsächlich durch das Buch Hiob. Doch
dieses ist "voll von Entsprechungen", weil es "ein Buch der Alten
Kirche" ist (WCR 201). Auch Lorber hat Werke geschrieben, die den Satan als
personales Wesen auftreten lassen. Ich denke hier insbesondere an die
"Haushaltung Gottes", aber auch an "Das große Evangelium
Johannis" und an die Jenseitswerke. All diese persönlichen Auftritte sind
jedoch reine Entsprechungsbilder, wie Lorber selbst bestätigt: Der "Satan,
der den frommen Hiob so sehr versuchte" "war der gerichtete Geist
seines Fleisches, d.h. dessen verschiedenartige Begierlichkeiten!" "Daß"
"der Satan und die Teufel von den alten Weisen [Swedenborgs 'Antiqui']
unter allerlei Schreckensbilder dargestellt wurden, hat den Grund darin, damit
die Seele unter allerlei argen Formen sich einen Begriff bilde, welch eine Not
ein freies Leben zu erleiden hat, so es sich wieder von dem Gerichte der Materie
gefangennehmen läßt. Ich selbst habe meinen ersten Jüngern einmal den Satan
in einem entsprechenden Bilde auftreten lassen, und sie entsetzten sich
gewaltigst vor demselben [vgl. Ev I.225]. Desgleichen geschah auch zu öfteren
Malen bei den Altvätern dieser Erde ["Haushaltung Gottes"]; doch
damals ward keine Erklärung darum wörtlich hinzugesetzt, weil die Alten aus
dem Geiste der Weisen die bildliche Darstellung auf dem Wege der inneren
Entsprechungen wohl verstanden" (aus Ev VIII.34 und 35).
Wollte man das Lorberwerk zum Zeugen für einen "persönlichen
Ursatan" machen, so würde man es grob mißverstehen. Lorber beseitigt
diese Schimäre, indem er den Fürsten der Welt tatsächlich in der Welt
erblickt. Das Weltall hat nach Lorber Menschenform. Und nach dem Vereinsprinzip
sind die naturmäßig bewohnbaren Welten "chaotische Konglomerate
von Seelen zu Seelen, welche in der Urzeit der Zeiten als ordnungsmäßige Gefäße
der Geister aus Gott bei dem allgemeinen Falle des einen großen Gemeingeistes
notwendigerweise mitfallen mußten." (GS II.66.5). Das Vereinsprinzip
ist auch in folgender Aussage enthalten: "Der Satan ist die Zusammenfassung
des gesamten Materiemußgerichts, und was seine Persönlichkeit betrifft, so ist
diese an und für sich nirgends da, wohl aber ist sie als ein Verein aller
Art und Gattung von Teufeln nicht nur dieser Erde, sondern aller Welten im
endlosen Schöpfungsraume anzusehen, gleich wie auch ... alle die zahllos vielen
Hülsengloben am Ende ihrer gemeinsamen Zusammenfassung einen übergroßen Schöpfungsmenschen
darstellen. Im kleineren ist freilich auch ein Verein aller Teufel eines Weltkörpers
ein Satan, und im kleinsten Maße ein jeder einzelne Teufel für sich." (Ev VIII.35.14-15).
Doch das ist nun schon Schöpfungskunde und gehört deshalb nicht zu unserem
eigentlichen Thema!
Abschließend noch ein Wort zum Begriff "Fall". Was soll
"fallen" in einer geistigen Urschöpfung bedeuten, die noch kein Oben
und Unten und auch noch keine Schwerkraft im materiellen Sinne kennt? Der
folgende Text bietet daher neben dem kosmologischen ein anthropologisches Verständnis.
Der "Fall" bezeichnet das gestörte Gleichgewicht der Kräfte Gottes
(bzw. des göttlichen Einflusses) im Menschen, ist also ein Bild für den
verelendeten Zustand des unwiedergeborenen Menschen: Der Fall "der
urgeschaffenen Engel" ist "nur ein entsprechendes Bild von ebendem,
was ich dir ehedem von der Erschaffung oder sukzessiven Bildung eines ganzen
Weltkörpers mitgeteilt habe ... Und siehe nun, darin besteht dann auch fortwährend
insolange der Fall der Engel oder der Gedanken und Ideen aus Gott - die wir auch
die von Gott beständig ausgehenden Kräfte benamsen können -, als wie lange
sie in ihrer Gesamtheit im Wesen des Menschen nicht den siebenten Geist
[Barmherzigkeit od. Sanftmut] in sich zur wahren und höchsten Vollendung
gebracht haben" (aus Ev VII.17.12, 18.1 und 20.10).
Ergebnisse Fußnoten:
[1] siehe OT 4/91
[2] Kurt Hutten. Seher, Grübler, Enthusiasten: Das Buch
der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen. 14. Aufl.
(Stuttgart: Quell Verlag, 1989) 607.
[3] Brief an Peter Keune vom 1.9.1976.
[4] Brief an Peter Keune vom 20.9.1976.
[5] Präexistentianismus, Emanatismus, Generatianismus oder
Kreatianismus? Swedenborg vertritt eine Form des Generatianismus.
[6] Man beachte den alttestamentlichen Engel oder Boten des
Herrn (malak-Jahwe). Manchmal wird zunächst von einem Engel gesprochen, der
Redende dann aber als der Herr bezeichnet (Gen 16.7-11 und 13). Das zeigt, daß
der Engel des Herrn keine selbständige Persönlichkeit ist.
[7] Friedrich Weinreb. ] Die Symbolik der Bibelsprache:
Einführung in die Struktur des Hebräischen, Nach der Bearbeitung von Dr.
Friedemann Horn, 5.Aufl. (Bern: Origo 1981) 44.
[8] Der 11. Band des Werkes "Das große Evangelium
Johannis" wurde 27 Jahre nach Lorbers Tod durch Leopold Engel
niedergeschrieben, wird aber seit eh und je zur Neuoffenbarung Lorbers
gerechnet.
[9] "Materiemußgericht" ist bei Lorber nur ein
anderes Wort für materielle Schöpfung. Lorber begreift die natürliche Welt
als einen zwangsweisen, d.h. nach Naturgesetzen ablaufenden Prozeß (deswegen Mußgericht),
dessen Ausrichtung die Entstehung des Menschen ist. "Gericht" ist also
von "ausrichten" abgeleitet, und der gesamte Begriff "Mußgericht"
will einen bestimmten Aspekt des Naturgeschehen oder der natürlichen
Weltordnung sichtbar machen.
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 13:12
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Eigen-schöpferische Tätigkeit
der Engel
In einer eMail vom 01.08.01 19:31:28
(MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit schreibt
j-herbst:
[GEJ.03_003,04] Ich selbst (Raphael) habe bereits mehrere Welten mit kleinen
Und
Sonnen geschaffen und sie alle aus mir heraus vollkommen bevoelkert.
alle diese Welten sind mit allem oft besser denn diese eure Erde
ausgestattet. Alles pflanzt sich dort also fort wie hier, und die Geister
sind dort so wie hier einer hohen Vollendung faehig. Und warum sollten sie
es auch nicht sein? Denn es ist am Ende doch ein jeder Geist aus Gott,
gleichwie die Keime der kuenftigen Gewaechse nun schon mehrere Milliarden
Male aus den Vorsamenkeimen reproduziert worden sind
-----------------------
Lieber Jo,
vielen Dank für Deinen Hinweis auf GEJ 3.003. Mir war nicht geläufig, dass
ungeschaffene Engel und auch Menschen, die Kinder Gottes geworden sind (dann
= Engel im Liebehimmel), in einer so umfassenden Weise selbst schöpferisch
sein können und dürfen. Der Engel Raphael zeigt hier großartige Persektiven
auf.
In einer eMail an die Liste vom 17.07. habe ich mal gefragt: "Mir geht es
im
Kern darum, erahnen zu können, wozu der Herr Seine vollendeten und lebendigen
gewordenen Kinder dann einsetzt (sie sollen bildlich ausgedrückt ja nicht nur
brav um IHM sein), sondern sicherlich Sinnvolles in Liebtätigkeit in den
Himmeln auch tun. ..."
Auf dieses Anliegen hatte niemand in der Liste reagiert. Mit Deinem Hinweis
auf GEJ 3.003 - nun in einem anderen Zusammenhang - hast Du mir eine
hilfreiche Antwort gegeben.
Dass zeigt auch, und ich bin froh darüber, dass die Kinder Gottes nicht nur
selig in den Armen des Vaters liegen werden (IHN dann in Seinem eigenen
Tätigksein evtl. sogar behindern), sondern selbst weitreichende Aufgaben
eigenständig ausführen sollen (siehe Raphaels Hinweise). Das ist eine viel
schönere Perspektive als am Händchen gehalten zu werden. Das zeigt aber auch,
wie erwachsen man werden muss, um dies je erreichen zu können.
Hildegard von Bingen spricht in ihren Bildern über den Herrn von solchen
Tätigkeiten der Kinder Gottes. Dass darüber auch etwas im Werk durch Lorber
steht, freut mich und zeigt auch an diesem Beispiel, dass Hildegard
sicherlich als ein "Vorläufer" der Neuoffenbarung gelten kann.
Herzliche Grüße
_____________________________________________________________________
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 23:14
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: AW: [Freundeskreis-Lorberliste] Eigen-schöpferische Tätigkeit
der Engel
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 04:10
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Gott oder die Engel – Grundsätzliches
Ein Beitrag der Reihe "Neuoffenbarungsstudien"
Thomas Noack
Gewisse Vorstellungen Swedenborgs und Lorbers in der Engelkunde (Angelologie)
gelten als der eigentlich gravierendste Widerspruch in ihren Lehrsystemen.
Demgegenüber sind die Abweichungen in der Frage der ewigen Verdammnis[1]
eher nebensächlich. Kurt Hutten, der verdiente Sektenkundler der Evangelischen
Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, schreibt: In den Werken der beiden
Offenbarungsträger "entdeckt man wichtige Gemeinsamkeiten ... Aber diesen
Gemeinsamkeiten stehen auch ebenso große Gegensätze gegenüber. Ihr
Ursprung liegt in der Lehre von der Schöpfung. Swedenborg richtet sich nach
den Aussagen der Bibel: Die Schöpfung ist Gottes Werk. Darum gilt hier: 'Und
Gott sah, daß es gut war'. Nach Lorber war die Entstehung des Alls eine
Folge von Luzifers Fall. Darum trägt hier die materielle Schöpfung ein
negatives Vorzeichen - sie ist mit Schuld behaftet."[2]
Hutten bezeichnet die Schöpfungskunde (Kosmologie) als den Ursprung aller
Gegensätze. Doch seinen Worten ist auch zu entnehmen, daß bei Lorber die Schöpfungslehre
so eng mit der Engellehre, namentlich dem Fall Luzifers, verbunden ist, daß ein
Widerspruch auf dem einen Gebiet notwendigerweise auch ein solcher auf dem
anderen ist. Wenn Lorber von der materiellen Schöpfung spricht, dann verwendet
er stets das Bild vom Fall Luzifers; Swedenborg tut das nie. Für ihn hat sich
das Weltall sukzessive aus der geistigen Sonne entwickelt. Von einer
Urkatastrophe, die zur Geburt der materiellen Welten führte, weiß der Seher
nichts zu berichten. Es wäre also sinnvoll, Engel- und Schöpfungskunde
gemeinsam zu behandeln. Aber wer umkreist schon gerne Himmel und Erde ohne
Zwischenlandung? Ich werde mich daher zunächst auf die Engelkunde konzentrieren
und möchte mich erst später mit der Schöpfungskunde befassen.
Swedenborg und Lorber haben die klassische Engellehre keineswegs einfach übernommen.
Beide haben gezielte und gravierende Veränderungen vorgenommen, jedoch auf völlig
verschiedenen Gebieten. Swedenborgs Hauptinteresse gilt der Feststellung, daß
die geistige Welt aus dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen ist (HH 311-317).
Lorbers Hauptinteresse gilt der Feststellung, daß die materielle Welt aus dem
Fall Luzifers hervorgegangen ist. Swedenborgs Seherblick schaut sozusagen
ausgehend von der Erde nach vorn, in den Himmel; Lorbers Sicht geht von der Erde
aus zurück in die Urschöpfung. Dabei sind beide Schauungen auffallend eng mit
der Erde, dem Brennpunkt des Geschehens, verbunden.
Nach herkömmlicher Lehrmeinung sind Engel und Menschen zwei völlig
verschiedene Wesensgattungen. Engel sind geistige Wesen, am Anfang der Zeit von
Gott geschaffen. Menschen sind geistig-materielle Wesen, bestehend aus zwei
Wesenselementen, einem materiellen Leib und einer geistigen Seele. Der Leib gehört
so wesentlich zum Menschsein, daß die entkörperten Seelen ihren Leib am Jüngsten
Tag wiedererhalten müssen. Außerdem waren die Engel eher da als die Menschen.
dem Swedenborg'schen System?
Wir haben gesehen, daß es auch für Lorber ganz in Übereinstimmung mit
Swedenborg "im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel"
"gab", "der nicht zuvor auf irgendeiner Erde ein Mensch gewesen wäre."
So weit, so gut. Nun gibt es aber für Lorber auch "urgeschaffene
Engel" (Ev IV.105.11) bzw. "Erzengel" (Ev V.106.10).
Sie "wurden endlos lange eher geschaffen, als irgendeine Spur von einer
materiellen Schöpfung vorhanden war" (Ev II.134.2). "Fleisch und
Blut" haben sie "nie getragen" (Ev II.79.3). Damit ist klar,
daß diese Engel nicht zu den Engeln des Himmels gehören können, denn die
haben alle "Fleisch und Blut" getragen. Lorber unterscheidet folglich
zwei Gattungen von Engeln: a) urgeschaffene Engel und b) Engel aus dem
menschlichen Geschlecht. Dabei macht er sich die unterschiedlichen Bedeutungen,
die im Begriff "Engel" anklingen, zunutze: Engel sind a) entsprechend
der Grundbedeutung des Wortes Boten[6]
des Herrn und b) entsprechend dem allgemeinen Verständnis die Bewohner des
Himmels.
Ursprung und Verbreitung
Der Mythos vom Fall Luzifers, des Satans, der ein Engel des Lichts war, geht auf
Jesaja 14.12-15 zurück. Dort beginnt der Text mit den Worten: "Wie bist
vom Himmel du gefallen, du Leuchtender, Sohn der Morgenröte!" Das hebräische
Wort "Helel", hier mit "Leuchtender" übersetzt, wurde in
der griechischen Bibelübersetzung (Septuaginta) mit "eosphóros"
wiedergegeben, aus "eos", das "Frühlicht" und
"phero", "bringen". Dementsprechend wählte die lateinische
Bibelübersetzung (Vulgata) "lucifer" (lux und ferre = Lichtbringer),
so daß man seitdem lesen kann: "quomodo cecidisti de caelo lucifer qui
mane oriebaris (Swedenborg: lucifer, filius aurorae)". So kam Luzifer in
die Heilige Schrift, und seither rätselt die Fachwelt, was es mit seinem Namen
wohl auf sich habe.
Ausgehend von Jesaja 14 sieht Swedenborg in Luzifer den alten Geist der Erhebung
gegen Gott, der schon in Babel herrschte: Wohlan, lasset uns einen Turm bauen
"und seine Spitze sei im Himmel" (Gen 11.4). "Unter Luzifer sind
[daher] diejenigen zu verstehen, die aus Babel oder Babylonien stammen, d.h.
Geister, die ihre Herrschaftsbereiche bis in den Himmel ausdehnen." (HH 544).
Luzifer ist somit auch ein Bild für diejenigen, die sich Göttliche Vollmachten
anmaßen, z.B. die Macht, den Himmel auf- und zuzuschließen oder Sünden zu
vergeben (GV 257 und 231). Da dies nur auf dem Wege der Entweihung des
Wortes geht, bezeichnen Luzifer und Babel auch dies (EO 24). Den
luziferisch-babylonischen Geist sah Swedenborg in der katholischen Kirche und in
gewissen höllischen Gesellschaften am Werke. Er ist aber sicherlich auch
andernorts wirksam. Ich sehe in Swedenborgs Zuschreibungen lediglich Beispiele
und setze sie nicht absolut. Das Leuchtende in "lucifer, filius aurorae
(Lichtbringer, Sohn der Morgenröte)" erklärt Swedenborg mit dem anfänglichen
Eifer für die Sache des Herrn. Da aber inwendig meist nur das Verlangen,
Herrschaft über andere ausüben zu wollen, vorhanden ist, tritt früher oder später
die Entweihung der heiligen Gegenstände zutage (GV 257 und OE 1029.11).
Lorber gelangt zu seiner Interpretation, indem er von der ursprachlichen
Bedeutung der Begriffe "Helel" und "Satan" ausgeht.
"Helel" bedeutet "Leuchtender", "Satan" bedeutet
"Widersacher" oder "Gegner". Der folgende Text[8]
behandelt das Wesen Luzifers. Wer ihn aufmerksam liest, findet sowohl das
Leuchtende als auch das Widerstehende: "In diesem Geiste wollte die
Gottheit Selbst den festen Punkt der eigenen Wirksamkeit feststellen,
gleichwie ein Mensch, welcher geht, in dem festen Stützpunkt der Erde erst
einen festen Punkte findet, seine Kraft wirken zu lassen und sich fortzubewegen.
Der Widerstand, den die Erde selbst bietet, ist aber gerecht, ja, ist das
Mittel, daß die Kraft eigentlich zum Vorschein kommt und dadurch Fortbewegung
geschieht. Diese abgegebene Kraft, welche in den neu erstandenen Geist eingelegt
wurde, war der Gegenpol, d.h. war der gerechte Gegensatz aller der
Eigenschaften, die ihr als göttlich bezeichnet, welcher deswegen aber nicht ungöttlich
ist, sondern nur ermöglicht, das rechte Licht der Erkenntnis zu
verbreiten." (Ev XI.17.6). Der "erstgeschaffene Geist" hieß
"'Luzifer' (d.h. Lichtträger)", weil er "in sich das Licht der
Erkenntnis" trug und "als erstes Geistwesen die Grenzen der
innergeistigen Polaritäten recht wohl erkennen" konnte. (Ev XI.17.12;
vgl. auch Vers 11). Hier wird die Entstehung von Bewußtsein geschildert.
Einen "persönlichen Ursatan" lehnt Lorber ebenso wie Swedenborg ab,
allerdings erreicht Lorber dies anders als Swedenborg, indem er die materielle
Schöpfung mit dem Satan gleichsetzt: Einen "gewissen persönlichen Ursatan
und persönliche Urteufel hat es in der Wirklichkeit niemals woanders gegeben
als nur in der gerichteten Weltmaterie aller Art und Gattung" (Ev VIII.34.21).
"Verstehe sonach unter 'Satan' im allgemeinen die ganze materielle Schöpfung
und unter 'Teufel' das getrennte Spezielle derselben." (Ev VIII.34.9).
"Der Satan ist die Zusammenfassung des gesamten Materiemußgerichts[9]"
(Ev VIII.35.14). Der "Teufel oder der Satan" "ist die tote
Materie und die in sie gebundenen und dadurch oft eine überaus lange Zeit hin
gerichteten Geister" (Suppl. 249). "Sieh, das, was man 'Satan' und
'Teufel' nennt, ist die Welt mit aller ihrer verführerischen Pracht" (Ev V.94.2).
"Es gibt zwar keine urgeschaffenen Erzteufel in der Art, wie ihr euch
dieselben vorstellet, - aber dennoch ist alles der Materiewelt in seinem
Urelement ebensoviel wie ein urgeschaffener Erzteufel ... und wer sich von der
Welt und seinem Fleische zu sehr gefangennehmen läßt, dessen Seele ist dann
auch ein persönlicher Teufel ..." (Ev IX.134.7). Lorber versteht also
den "Fürsten der Welt" des Johannesevangeliums sehr wörtlich als
"Fürst der Materie" (Ev XI.17.27). In der "Welt" ist
ein böser Geist wirksam, der mittels seiner "verführerischen Pracht"
die Menschen verführen will. Nun hat Hutten (s.o.) dagegen eingewendet, daß für
Swedenborg die Schöpfung gut ist (WCR 78), während sie für Lorber böse
ist. Diese Gegenüberstellung ist aber nur teilweise richtig, auch Swedenborg
schreibt nämlich: "Wer die Welt und nicht zugleich den Himmel in sich
aufnimmt, der nimmt die Hölle auf." (JG 16). Wenn nun die
"Welt" böse machen kann, dann kann sie an sich nicht gut sein.
Bildhaft gesprochen ist in ihr ein böser Geist wirksam, der sich nur aufgrund
des Einflusses aus den Himmeln Gottes nicht aus-wirken kann, weswegen der
johanneische Christus ausruft: "Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt;
jetzt wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden." (Joh 12.31).
Die Hutten'sche Berufung auf den biblischen Schöpfungsbericht ist in den Augen
eines Swedenborgianers auch deswegen bedenklich, weil dort überhaupt nicht von
der Schöpfung der Welt, sondern von der Wiedergeburt des Menschen die Rede ist.
Als Ergebnisse wollen wir festhalten: 1.) Swedenborg und Lorber sind sich darin
einig, daß Himmel und Hölle ausnahmlos aus dem menschlichen Geschlecht
entstammen. 2.) Swedenborg lehnt daher die Vorstellung von Erzengeln und vom
Teufel als urgeschaffenen Persönlichkeiten ab. Er tut dies, indem er diese
Begriffe "innerjenseitig" als Vereine deutet. Lorber hält an
urgeschaffenen Engeln und den Fall des Lichtengels fest, lehnt aber ebenfalls
die Vorstellung ab, daß es sich dabei um Persönlichkeiten handelt. Die
Erzengel sind "eigentlich noch kein Ich" und die Persönlichkeit des
Ursatans besteht lediglich in der materiellen Schöpfung, die sich, wie alle Schöpfungen
Gottes, in Menschenform zeigt. Ausgehend von den ursprachlichen Bedeutungen der
Worte "Engel", "Helel" (Luzifer) und "Satan"
versucht Lorber eine tiefgeistige Deutung, die der Entsprechungskunde
Swedenborgs alle Ehre macht. 3.) Zur Frage des Widerspruchs der Lorber'schen
Urengel- und Luziferlehre zum Swedenborg'schen System: Lorbers Erzengel und
Luzifer gehen der materiellen Schöpfung voran (oder versinnbildlichen ihr
innerstes Wesen); Swedenborgs Erzengel folgen ihr nach, sind nämlich
Engelsgesellschaften im Jenseits. Hier muß man jedoch kein Entweder-oder,
sondern kann ein Sowohl-als-auch annehmen, weil völlig verschiedene Bereiche
angesprochen werden. Es handelt sich um komplementäre Sichtweisen. 4.) Lorbers
Erzengel- und Luziferlehre ist Schöpfungslehre. Die Verträglichkeit mir
Swedenborgs Kosmologie wäre daher gesondert zu untersuchen.