Schriftenreihe  

Max Seltmann
Köstliche Szenen aus dem Erdenleben Jesu 25 Hefte Max Seltmann, kart., gesamt: EUR 85,00 3930

 

 

 Erlebte geistige Welt,  Ein Sensitiver erzählt seine Lebensgeschichte

 

 

 

Nachstehend:

Max Seltmann

Erlebnisse mit Jakobus

Bände I-IV

Vorwort

Dank der Gnade unseres Himmlischen Vaters und auf Wunsch unseres Bruders Max Seltmann (+), war es uns möglich, diese herrlichen Offenbarungen zu vervielfältigen.

Wir wünschen allen Geistesfreunden, dass ein jeder die rechte Erleuchtung für seine Seele erhält, was besonders dadurch geschieht, dass man diese Kostbarkeiten an geistigen Erleben nicht nur einmal, sondern mehrere Male ernstlich in sich aufnimmt, da ja alle geistigen Erlebnisse unseren Geist immer mehr beleben und vergeistigen!

Viele Geistesfreunde wissen, dass Jesus, als Er auf Erden wandelte, mit dem König Abgarus Ukkama von Edessa, in Mesopotanien, einen Briefwechsel hatte und dem König versprach, nach Seiner Rückkehr in Sein geistiges Reich, ihm einen Jünger zu senden, der ihn von seinem irdischen Leiden (Lähmung) heilen werde, und ihn und allen, die bei ihm sind, auch das Evangelium vom wahren Sein und Leben bringen wird.

Hierzu hatte der Herr Seinen Stiefbruder und Jünger Jakobus ausersehen, und was Jakobus auf seiner Reise durch die Heidenländer erlebte und an Zeugnissen, Krankenheilungen und Fragen beantworten konnte, das alles erfahren wir in den vier Bänden dieses herrlichen Lebenswerkes.

Der 1. und 2. Band beschreibt die Erlebnisse Jakobus auf dem Wege nach Edessa. Der 3. und 4. Band beginnt mit dem Abschied von Edessa und der Rückreise nach Jerusalem. Dieses Buch berichtet aber auch von dem Unkraut, welches der Feind des wahren Lebens inzwischen zwischen den Weizen gesät hatte. Er aber säuberte die Spreu vom Weizen. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem konnte Jakobus noch mehrere Jahre in aller Jesuliebe wirken, bis auch er den furchtbaren Märtyrertod starb, indem ihn die Tempeldiener von der Zinne des Tempels stießen, und wie es geschehen konnte und welche Herrlichkeiten Jakobus noch im Sterben seinen Getreuen offenbaren konnte, erfahren wir am Schlusse des vierten Bandes.

Alles, was unser lieber Bruder Max Seltmann niederschreiben durfte, dank der großen Gnade, die er nach vielen Prüfungen in seinem Leben, bei unserem himmlischen Vater in Jesu, gefunden hatte, hat Er nicht nur durch das innere Wort hören können, sondern das Geschehene geistig mit schauen dürfen.

Dank, alles Lob und alle Anbetung gebührt allein unserem himmlischen Vater, dass Er uns in jedem Jahrhundert - auch heute noch Seine Geistesboten schickt, und uns durch sie immer wieder Seine allein wahre Liebelehre erneut schenkt, die zu befolgen, unsere heilige Aufgabe ist, so wir uns dankbar als wahre Tatchristen Ihm gegenüber zeigen wollen.

Helfe auch hier ein jeder mit zur Wiederherstellung der göttlichen Ordnung beizutragen, damit das verheißene Reich Gottes und der Durchbruch der göttlichen Herrlichkeit beginnen kann. Denn das ist der Zweck aller Dinge, ja, der gesamten Schöpfung: .Die Vergeistigung in dem herrlichen Geiste Christi, der unser eigentliches wahres Leben ist in Ewigkeit, denn wir sind Geist aus Seinem Geiste! 

 

Gez. Gertrud Breßler,

Hans Eichbaum i.A.

 

 

 

Max Seltmann

 Erlebnisse mit Jakobus

Band I

                 Kapitel: 

Jakobus Heimkehr von Edessa 

Bei Mauritius

Kamillo, Antonio, Baltasar

Arminius und Hendrick

Bei Kaspar

Andree   

Iwan              

Erlebnisse bringen Erfüllung

Bei Joram 

Darius     

Arnaut       

Levi         

Bei Rake 

Ludmilla    

Ein herrlicher Sieg  

In Rakka 

Bei Amalie und Amelia

Wurka       

Bei Arius im Tempel    

Sabbat in Rakka 

Bei der alten Wurka

Bei Anuschka           

Mirigia      

Bei Adonis 

Bei Petro  

Sabine        

Laurentius 

Ein geistiges Schauen   

Eine Episode des Herrn       

Benediktus     

Der Liebe Lohn 

Krischan, Miriga und Bonja

              

Jakobus Heimkehr von Edessa

 

 

Im Hause der Maria war eitel Sonnenschein, Jakobus Heimkehr stand bevor. In diesem Glück vergaßen sie sogar die nötige Vorsicht, denn die Templer umkreisten wie Aasgeier das Haus.

 

In der frühen Stunde bekam Maria den Zuruf: Jakobus wird heute noch allen Freude bereiten. So wurden die Freunde geladen und alles zum Empfang vorbereitet. Als die Sonne sich neigte, betritt Jakobus das Haus, zur Freude aller, denn auch seine Augen leuchteten in seltenem Glanz. Maria, als erste, umarmte ihn und spricht: “Deine Freude ist auch unsere Freude. Im Geiste standen wir dir immer helfend zur Seite. Wir hatten immer Freude, wenn der Meister in Seiner Liebe und Gnade uns erleben ließ – deine Freude und Glück“.

 

Er musste sich viel gefallen lassen, dann aber sagte er: „Ihr alle seid ganz anders geworden in diesen zwei Jahren, so seid ihr doch früher nicht gewesen“. Spricht Maria: “Mein Jakobus, diese Zeit, in der wir heute leben, hat uns in dieser Liebe freudiger und freier gemacht. Siehe, wir mussten viel lernen, obwohl die Liebe wunderbares schuf. Wir waren gewohnt, immer Liebe zu nehmen, der Meister hat uns verwöhnt. Jetzt aber, im Ernst der Zeit, möchten wir nur immer Liebe geben, damit in keiner Weise das Werk des Herrn Abbruch leidet.“

 

„Wo sind die Brüder“, fragt Jakobus, „ich sehne mich nach ihnen, möchte in ihren Augen den Glanz der Freude nicht vermissen, den ich in vielen Brüdern erschaute“. - „Die Brüder sind noch in ihrem Dienst. Erst wenn es dunkel ist, kommen sie, da die Gefahr eine zu große ist, denn die Templer sind unsere Feinde“. - „Gewesen, Maria. Wir haben nur einen einzigen Feind, es ist unsere eigene Angst und Furcht und damit hat es ein Ende. Sie alle neiden uns um unserer Freude willen und können nicht verstehen, dass wir Auserwählte sind für das ewige Werk, um dessentwillen Er Selbst unter uns lebte. Es war eine herrliche Zeit, Maria, und doch brachte sie uns innerliche Sorgen, Angst und Leid, weil wir Ihn nicht erfassen konnten nach Seinem Liebewollen. Wie aber hat Sein Geist uns belebt, und, Maria, was dürfen wir den anderen sein? . Was wir sind, sind wir aus Ihm, darum gibt es kein Verstecken und Verbergen mehr! – Er ist unser Schutz und Schirm!“

 

„Jakobus, ich verstehe dich voll und ganz. Aber was leide ich, so man den einen oder anderen in das Gefängnis wirft, gewöhnlich ist es ihr Untergang.“ - „Es ist nicht dein, sondern des Herrn Leid, -  wie kann es sich anders offenbaren, als nur in denen, die Ihm ganz gehören! Wie gerne würde Er alles verhindern, wenn nicht Größeres auf dem Spiele stände. Darum nicht kleiner werden, sondern größer, denn es geht ja um das Heil aller.“

 

Die Brüder und viele neue Freunde kommen. Leider fehlten auch einige, die dem Feind zum Opfer fielen, aber die Freude war groß, als sie ihren Jakob in alter Gesundheit und Frische begrüßten.

 

Andreas, der Ruhige und Stille, sagte: „ Bruder, deine Freude kann nicht größer  denn die unsrige sein. Deinem Aussehen nach muss es dir gut gegangen sein, und nach dem Glanz deiner Augen musst du Herrliches hinter dir haben.“ – „Du hast recht gesagt, nur kann man es nicht so recht in Worte kleiden, aber seid versichert, der Herr und Meister war immer mit mir“.

 

Nach dem Abendmahle, welches wie immer in aller Stille und in gewohnter Weise verlief, schilderte Jakobus seine Erlebnisse. Er erzählte: „Ihr wisst um meine Berufung nach Edessa. Wie gerne folgte ich dem Ruf des Meisters. Was aber kein Mensch ahnte, wurde mir. In Tyrus blieb ich bei den Brüdern. Es waren erbauliche Stunden, wo wir so recht aus der Herrlichkeit Gottes belebt wurden.

 

Ein Schiff des römischen Dimetrius, welches nach Cilicien fuhr, nahm mich mit und landete in Issus, einem schönen kleinen Hafenstädtchen, wo man mich zu Freunden brachte. Es ist nicht nötig, alle Einzelheiten zu erzählen, aber dort erlebte ich die erste Krankenheilung.

 

Ein Weib lag schwer an Gicht danieder, Schmerzen hatten ihre Glieder gelähmt, die Hände gekrümmt. Dieses Weib sagte unter Tränen: „Ja, ihr Menschen in Judäa habt es gut gehabt, es gab ja keinen Kranken, den euer Heiland und Meister nicht geheilt hätte. Aber wir hier in Cilicien hofften und hofften – aber kein Heiland kam, sondern größere Schmerzen und größere Sehnsucht nach Erlösung vom Übel“. Ich verstand dieses Weib.

 

Da wurde mein Inneres froh, denn der Meister sagte: - „Nun ist auch deine Stunde gekommen, Ich und du sind Eins. Handle nach deiner Liebe, denn deine Liebe ist ja Mein Leben in dir. Alles, was du in dieser Liebe tust, wird sein, als hätte Ich es getan“.

 

Eine Glut wurde in mir angefacht. Ich ergriff die kranken Hände, strich darüber und sagte: „Weib, so du nur glauben könntest, dass der Heiland, der gestorben und wieder vom Tode lebendig wurde, auch dich noch heilen könnte, würdest du alle Sehnsucht in dir gestillt finden.“ Da sagte sie unter Zittern und Tränen: „Wenn Er im Tode wieder lebendig wurde, dann kann Er mich gesund machen, dies ist meine Zuversicht.“

 

Da wurden ihre Hände wieder gerade, ihr Aussehen änderte sich im Nu, kerzengerade stand sie vor mir und sagte: „Ja, Herr, Du lebst, Deine Kraft ist die selbe, Du hast mich gesund gemacht, nie werde ich Dir den gebührenden Dank schuldig bleiben. Meine Hände sollen sich nur noch rühren für Dich, meine Liebe aber wird alles tun, was mich Deine Liebe heißen wird.“  Da konnte ich sagen: „Sehet, welche Gnade der Herr auch heute noch walten lässt, überall, wo Seine Liebe erwidert wird, wird Seine Kraft offenbar. Darum vergesset das Denken und Dienen nicht, wie der Herr und Meister uns auch immer dient.“

 

Dieses Geschehen brachte Freude, Aufregung und auch Verdruss. Wie auf der einen Seite das größte Verlangen lebendig wurde nach Beweisen des lebendigen Gottes, so wurde von Seiten der Priester der Hass größer. Aus der einen Krankenheilung wurden Hunderte, der Ruf eilte vorwärts. Kam ich in ein Dorf oder einen Flecken, wurde ich freudig begrüßt und bewillkommnet und um Krankenheilungen gebeten, die auch in allen Fällen erfolgte.

 

So sagte ich zum Meister: „Mein Jesus, wenn ich überall so aufgehalten werde, wie soll ich nach Edessa kommen?“ Da sprach der Herr: „Mein Jakob, sorge dich um alles dessen nicht, denn du weißt um alle Kraft und Herrlichkeit. Handle nur nach dem Zug deiner Liebe in dir, alle Wege wirst du geebnet finden."

 

 

 

 

 

 

Bei Mauritius

 

 

Es war auch so. Kaum hatte ich mich dem Gedanken hingegeben, an kein Ziel mehr zu denken, sondern nur die Einsprache des Meisters zu beachten, wurde auf wunderbare Weise Hilfe, denn der Weg nach Mesopotamien  war weit. In einer Herberge war wiederum die Gnade des Herrn lebendig geworden.

 

Der Wirt, da ich noch in jüdischer Kleidung ging, hatte mich ungern als Gast aufgenommen. Da ich aber sagte: „Nicht das Gewand, sondern die Gesinnung adeln den Menschen“, sagte er: „Junger Mann, schlage keine solchen Töne an, denn einem Juden ist kein Wort zu glauben. Wer solche Verbrechen, wie in Jerusalem geschehen sein soll, noch als Gott-gewollt hinstellt, ist nicht wert, dass man ihnen Labung und Quartier gibt.“ -  „Du magst recht haben, Mauritius, aber man darf nicht alle in einen Topf werfen, denn ich bin gerade einer von denen, der am meisten unter diesen Verbrechen litt, denn Jesus von Nazareth war mein Bruder und dann unser Meister.“

 

„Mann, wenn du die Wahrheit sprichst, dann kannst du so lange du willst mein Gast sein, denn alles, was ich bisher hörte, war nur Gerede. Was liegt mir an den Reden, sehen und erleben möchte ich es, damit aller Zweifel, alles Suchen und Forschen endlich aufhört.“       

 

„Mauritius, wenn dein Sehnen und Verlangen wahrhaftig aus dem Herzen kommt, dann sollst du die ganze Wahrheit erfahren. Aber wie viele sind voller Neugier, wenn aber die Lehre in die Tat umgesetzt werden soll, versagen sie“. - „Was verlangt Jesus von Nazareth?“, entgegnete Mauritius. – „Nichts weiter, als den vollen Glauben an Ihn und Seine Lehre, die in wenigen Worten eingefasst ist: Liebe deinen Nächsten nach all deinen Kräften und gebe nur allein dem wahren Gott die Ehre“. Erwiderte Mauritius: „Gut gesagt, junger Mann, nur einen Haken hat die ganze Geschichte. Fast jeder sein wollende Priester, sei er Jude, Grieche oder Römer, behauptet dasselbe und jeder hat einen anderen Gott, an den man glauben soll“.

 

Es traten zwei römische Soldaten in das große Gastzimmer und fragten, ob sie mit ihren Leuten und Pferden Quartier bekommen könnten. Der Wirt bejahte mit sichtlicher Freude. Darum wurde unsere Unterhaltung beendet, denn er wollte wissen, wie viel ihrer waren und was ihre Wünsche wären. Erst war es mir unangenehm, aber wie ich die kraftvollen Männer ansehe, zog  wieder eine warme Welle über mein Herz, die mich ganz frei machte.

 

Als die Beiden ihre Wünsche dem Wirt mitgeteilt hatten, brachte dieser einen Krug Wein und drei Becher, Brot und Salz und sagte: „Stärket euch zuvor, denn bis zum Mahle wird eine geraume Zeit vergehen, ihr werdet zufrieden sein“.

 

Der Wirt winkte mir auch zu. So setzten sich die Beiden an meinen Tisch und ohne viel zu fragen, schenkten sie sich ein und stillten ihren Durst. Ich aber nahm das Brot, zerbrach es und legte jedem einen Teil hin und sagte: „Lasset es euch gut schmecken, auch ich habe Hunger und Durst auf dem Wege nach hier bekommen“. Sagte der Eine: „Wo kommst du her und wohin geht dein Weg, denn du bist ja ein Jude“. – „Du hast recht“ - erwiderte ich  - „mein Ziel ist Edessa in Mesopotamien, bis Issus hatte ich ein Schiff und jetzt bin ich hier“.

 

Wir aßen gemeinsam unser Brot. Es kamen noch andere Soldaten herein, holten sich Anweisungen, sie gingen und andere kamen, da wurde nichts mehr gesprochen. Mich aber interessierte die Art, wie die Beiden ihre Soldaten behandelten.

Es kam die Wirtin und zwei Töchter mit Geschirr und richteten die Tische. Die Wirtin begrüßte uns mit freundlichen Worten, die Töchter dagegen nahmen gar keine Notiz von uns. Es dauerte keine Stunde, so war die ganze Schar im Gastzimmer an den Tischen, wir aber blieben an unserem Tisch.

 

Nach kurzer Zeit war auch das Essen auf dem Tisch. So segnete ich alle und das einfache Mal, da fragte der Eine: „Warum bist du so andächtig, ehe du zu essen anfängst, dies habe  ich bei anderen Juden noch nie beobachtet“. -  „Es ist mir Bedürfnis, jede Speise zu segnen“ – erwiderte ich – „es ist der Dank für die Gabe und die Bitte, dass es allen zur Kraft gereiche.“ „So hast du auch meine Speise gesegnet?“ fragte der Eine. Ich antwortete: „Ja, ein Segen kann nur Wirkung haben, so niemand ausgeschlossen wird“. – „So möchte ich dir danken, du gehörst wahrscheinlich zu der Sekte der Nazarener, doch nun lasst uns essen“.

 

Es wurde mir zu laut, die vielen Menschen, doch ich blieb, obwohl ich gerne die Ruhe aufgesucht hätte.

 

Nach dem Essen spricht der Römer: “Ich liebe den geraden Weg, ich bin Kamillo und dieser ist Antonio. Du gabst mir keine Antwort, als ich die Bemerkung machte, du gehörst zur Sekte der Nazarener“. – „Du hast recht gesagt, nur gehöre ich nicht zur Sekte der Nazarener, sondern ich bin einer. Jesus von Nazareth war mein Bruder, mein Meister, jetzt aber mein Gott und Herr, in dessen Diensten ich stehe. Mein Name ist Jakobus, wir wohnten bis jetzt in Nazareth“.

 

Erwiderte Kamillo: „Es ist mir versagt geblieben, nach Judäa zu kommen. Viel, sehr viel hörte ich von Jesus, dem Wundermann, aber auf Gehörtes gebe ich wenig, denn so man an der Quelle nach der Wahrheit forscht, bleibt gewöhnlich nicht mehr viel übrig“. - „ Du magst recht haben, Kamillo, aber trotzdem versichere ich dir, dass du viel zu wenig gehört hast. Aber unser Meister gibt dir auch jetzt noch Gelegenheit, Ihn zu suchen und zu prüfen, ob, nach allem deinem  Gehörten, Glauben zu schenken ist“. - „Ich zweifle, mein Freund Jakobus, mit Toten ist schlecht von Lebensauffassungen zu reden. Dein Meister gehört zu den Toten und  ein lebendig geworden sein geht über meine Begriffe“. - „Für dich ja, Kamillo, aber für mich und die vielen Tausende nicht, weil sie alle Ihn sahen, mit Ihm redeten und Er dann uns, Seinen Jüngern, Seinen Geist, Seine Kraft gab, zu denen ich gehöre.“

 

 Da sagte Kamillo: „Jakobus, wenn du im Ernst diese weittragenden Worte zu uns sprichst, dann bist du auch verpflichtet, den Beweis zu erbringen. Ich als Römer habe andere Ehr- und Wahrheitsbegriffe als ihr Juden. Ich will dich durchaus nicht beleidigen, aber es ist einmal so“.  - „Ich wäre ein schlechter Jünger, so ich noch beleidigt werden könnte. Ich würde obendrein meinem Meister einen schlechten Dienst erweisen“ – antwortete ich – „um aber den Beweis zu erlangen, brauchst du niemand weiter, als dich selbst“. - „Inwiefern?“, fragte der Römer.

Da sagte ich: „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerem Gepränge oder großen Zeremonien, sondern es ist inwendig in dir. Sobald du dir bewusst bist, dass du nur einen kleinen Funken jenes großen gewaltigen Gottesgeistes, der alles ins Dasein stellte, in dir trägst, muss auch eine Verbindung möglich sein mit dem Ur- oder Gottgeist. Wenn ich behaupte: Er gab uns Seinen Geist und Seine Kraft, so ist dieses nicht eine Redensart oder ein Schlagwort, sondern reine Wahrheit! Würde ich dir und euch allen erzählen, was wir erlebten, ihr würdet es kaum glauben. Aber um dir zu beweisen Gottes Kraft und Herrlichkeit, bitte ich dich um etwas Vernünftiges, was ich dir aus Seiner Kraft und Macht tun soll“.

Entgegnete Kamillo: „Ich wüsste nicht, um was ich dich bitten soll. Höchstens darum, dass der Wein im Becher nicht so schnell alle wird“. Da sagte ich: „Dann trinke so viel du willst, dein Becher wird heute nicht mehr leer werden, obendrein soll der Wein noch viel besser sein. Doch bitte ich dich, halte Maß, denn du hast heute noch große Unannehmlichkeiten“. Kamillo trank, der Becher wurde nicht leer. Er gab Antonio, er gab dem Wirt, der hinzugetreten war, sie lobten den Wein, aber der Becher blieb voll.

 

Spricht Mauritius, der Wirt: „Junger Mann, verzeihe mir, weil ich dir die gebührende Achtung nicht entgegen brachte. Ich bin überzeugt, du bist der Mann, der mir volle Wahrheit bringt und alle meine Zweifel zunichte macht. Darum bitte ich dich, bleibe so lange du willst mein Gast, es soll dir nichts abgehen“. -  „Nicht länger als nötig, Mauritius, denn der Herr und Meister bestimmt mein Tun, Sein Wille ist auch der meine“.

 

Die anderen Soldaten waren aufmerksam geworden. Sie interessierte der Wein, der nicht alle wurde. Sie fragten, ob sie auch davon trinken könnten. Kamillo bejahte mit einem Blick auf mich. Sie  waren einfach rein weg und schauten mich an, was ich sagen würde, wenn der Becher leer würde, aber er wurde nicht leer, sondern blieb voll. Wie ein Wunder betrachteten sie den Becher.

 

Als sie aber alle getrunken hatten, sagte Kamillo: „Lieber Freund, nimm das Wunder von dem Becher zurück, sonst sind alle tüchtig betrunken, denn solchen Wein bekommt man nicht alle Tage. Es bedarf keines weiteren Beweises mehr, du bist wahrhaftig voll der Kraft von deinem Meister. Aber wenn ich dich bitten würde, möchtest du uns nicht etwas erzählen, wer war und was wollte dein Meister und warum dieser traurige Tod? Nach all dem Gehörten war Jesus ein Großer, wie noch keiner auf Erden. Sein Tod aber hat allen große Enttäuschung gebracht“.

Ich aber sagte: „Kamillo und ihr alle, denkt nicht, dass ich euch gewinnen möchte zu einem Jünger Jesu, o nein, sondern zeugen will ich von Ihm, der unser aller Heiland, Freund und Bruder ist. Sein Leben glich dem unsrigen, Seine Bedürfnisse waren auch die selben wie die unseren. Bei meinem Vater lernte Er den Zimmermannsberuf, nur mit dem Unterschied, dass niemand eine solche Arbeit leisten konnte, wie Er! Was uns nicht gelang, brachte Er fertig!

 

Als Kind versprach Er, Großes zu werden, aber ab Seinem 12. Jahre glich Er einem jeden Kinde. Als Er älter wurde und ein Jüngling war, ging die Not mit Ihm los. Er ging Seine eigenen Wege, Seine Reden waren kurz, aber Sein Wesen war immer liebreich. Wir aber verstanden Ihn nicht und nannten Ihn einen Sonderling. O, waren dieses schlimme Zeiten. Es schien, als wollte aller Friede von meines Vaters Hause weichen.

 

Da sagte Er einmal zu Maria, Seiner Mutter: - Weib, wie lange willst du noch Gott betrüben, oder sollte Gott Seinen Heilsplan ändern, damit ihr euren Frieden habt? Nicht einen Zoll darf Ich von dem Mir vorgezeigten Weg abirren!“ Unter Tränen sagte Maria: „Aber Jesus, zu allen bist du gut. Deine Augen leuchten allen entgegen, nur zu uns bist du hart, ja grausam. Bedenke, der alte greise Joseph sehnt sich nach Ruhe und Frieden, und du wirst immer unverständlicher“. Da sagte Jesus: „Es ist bitter für Meinen VATER, weil ihr alles vergessen habt, was Er euch allen offenbarte! Noch keinem Menschen wurde so viel Kunde als gerade euch, und nun verlangt ihr, Ich solle Mir untreu werden?! Lieber gehe Ich zu den wilden Tieren im Walde und suche dort in Mir zu einen, was das Leben ist und bleiben wird ewig!“

 

Er tat es auch, und tagelang mied Er das Elternhaus. Kam Er aber wieder zurück, sah man Ihm die Spuren Seines inneren Kampfes an“.

 

Da fragte Kamillo: „Welche Kämpfe hatte denn Jesus zu bestehen, es fängt an, mich zu interessieren, denn meines Wissens hat noch kein Jude sich großen Zwang auferlegt?“.

Antwortete ich: „Sein Kampf war nur ein innerer, Er prüfte alles auf das Genaueste, was in Ihm lebte und schied aus oder veredelte, was sich in Ihm nicht ganz mit dem Gottes-menschen deckte, welches Ihm Sein eigener Geist offenbarte. So läuterte Er Seine Seele bis Er ein ganz Vollendeter war und Sein eigener Geist mit dem ewigen Gottgeist Eins wurde. Menschlicherseits ist es ein Geheimnis geblieben, aber jetzt, wo ich zeugen darf von Seinem Wesen, von Seiner Kraft und Macht, ist es mir so natürlich, als wenn nicht ich, sondern Er in mir lebt und in allen Dingen nur Er die Erfüllung ist“.

 

„Ich kann euch gut verstehen“ – spricht Kamillo – „dass ihr mit Ihm nicht ganz so gehen konntet, da ich auch mit dir nicht ganz gehen kann, trotz der Beweise deiner in dir wirkenden Kraft. Mir wäre es etwas Unnatürliches, so nicht ich selbst, sondern ein anderer das Bestimmende und Ausführende wäre. Auch ich bin ein Diener meines Kaisers, aber ausführen tue ich selbst die mir gegebenen Befehle“.

 

„Du hast recht, aber es ist ein Unterschied. Du bist und bleibst der Diener deines Kaisers und wirst demgemäss auch gelohnt. Wir tun es ohne Anrecht auf Lohn oder Dank, sondern aus dem Drängen des eigenen Geistes heraus, der alles Unerlöste, sei es in uns oder bei anderen, in ein freies Dasein überführen möchte, um alle, alle Menschen auf eine höhere Lebensstufe zu stellen, die ihnen immer größere Freude, größeren Frieden und größeres Lebensbewusstsein gibt! Dieses erlebten wir an Jesus und erleben es auch an uns. In diesem Lebensbewusstsein kenne ich keine Krankheit, keine Sorgen, kein Leid, da ja unsere erdgebundene Seele vom Geist alles Lebens getragen wird.

 

Es ist dem Herrn und Meister gelungen, Ihm war alles untertan, ob Elemente oder andere Kräfte, sogar der Tod musste seine Beute heraus geben. Er war und ist unser Erlöser bis in alle Ewigkeit und wird auch allen Erlöser werden, die an Ihn glauben und Seine Lehre annehmen, die in nichts anderem besteht, als nur die Liebe zum Nächsten zum Lebensprinzip zu machen“.

 

Spricht Kamillo: „Jakobus, deine Darstellung ist gut, aber wer könnte dir folgen, die Liebe zum Nächsten soll wahres Lebensprinzip sein, es hieße ja, aus dem Löwen ein Lamm zu machen“.

 

Jakobus: „Menschlicherseits sieht es so aus, Kamillo, aber sagte ich nicht, dass Er uns Seinen Geist und Seine Kraft gab, ohne Ihn vermag ich nichts, mit Ihm aber alles. Dass dieses aber nicht mit einem mal geschehen kann, sagt uns schon der eigene Verstand. Es gehört schon ein Wollen dazu, wie auch du deinen Willen anwenden musst, um die dir übertragenen Befehle auszuführen“.

 

Spricht Kamillo: „Jakobus, jetzt verstehe ich dich vollkommen, aber Jesus nicht. Wenn Er der Erlöser ist, wenn Er sich alle Kraft und Macht zu eigen machte, warum rottete Er nicht alles Böse, alles das, was sich Seinem Lebensbewusstsein feindlich  gegenüberstellte, aus? Nur so wird mein Sieg über meine Feinde, wenn ich alles feindliche vernichte“.

 

Jakobus: „So spricht nur ein Soldat, der mit dem Schwert umzugehen weiß, aber Jesus war Mensch, alle Menschen aber betrachtete Er als Brüder. Ihnen allen die Menschenwürde wieder zu bringen, war Sein höchstes Ziel! Nicht vernichten, sondern neu beleben, die Wurzel allen Übels in eine Wurzel des Lebens zu veredeln, war Sein heiligstes Bestreben. Und in diesem folgen wir Ihm gerne nach, da Seine Beihilfe ja die größte Gnade ist“.

Spricht Mauritius: „Ich habe das allergrößte Interesse an diesem Menschen. Sage mir, wie sahet ihr Ihn, als Er von den Toten wieder lebendig wurde, denn drei Tage im Grabe gehen doch nicht spurlos an einem vorüber“.

 

„Liebe Freunde“ – erwiderte ich – „eure Frage ist berechtigt, doch in dieser sehe ich noch eure falsche Vorstellung von unserem Meister und Heiland Jesus! Die Kreuzigung und Sein Sterben – und ich war Zeuge dessen – haben Ihn arg mitgenommen, wie jeden anderen Menschen. Uns, seinen Jüngern,  war alles so unfassbar, dass wir selber trostbedürftig waren, obwohl Er manches mal Andeutungen Seines Sterbens und Auferstehung machte. Ich war nicht einer von den Esten, die Ihn sahen. Wir waren voller Angst und Zweifel, bis endlich Er selbst in unserer Mitte erschien. Sein Körper war genau so gediegen wie früher, die Nägelmahle waren sichtbar, und doch verschwand Er vor unseren Augen, wie Er gekommen war!“

 

Spricht Kamillo: „Dieses ist ja wie in einem Märchen. Einem natürlichen Menschen ist das alles unglaubhaft, da möchtest du schon eine Erklärung geben“. - „Gern“, erwiderte ich  „Jesus ist nicht verwest, wie ein anderer Leichnam, sondern Sein in Ihm wohnender Geist, der ja nichts anderes wie Gott Selbst war, vergeistigte Seine Seele und den Leib, so dass Er nicht Seinem Fleischleibe, sondern ganz als Geist unter uns erscheinen konnte.

 

Der Gottgeist in Seiner Schöpfermacht schuf sich einen materiellen Leib, so Er ihn für uns brauchte, und löste denselben wieder in seine Urstoffe auf, wenn sein Zweck erfüllt war. Überall, wo Er erschien, sichtbar unter Vielen weilte, heilte Er die gebrochenen Herzen und machte sie fähig, dass sie sich ganz in Seinem Willen bewegten“.

 

Dann fragte Kamillo: „Hat der lebendig gewordene Jesus auch Kranke geheilt und Tote lebendig gemacht?“  Da musste ich antworten: „Nein, denn all diese Kraft hat Er ja uns übergeben, wenn wir in Seinem Namen den heiligen Vater bitten“.

 

Spricht Kamillo: „Jakobus, ich glaube dir jedes Wort, aber mein Verstand wehrt sich dagegen, jedenfalls ist mir Jesus das Unbegreiflichste in meinem Leben“. -  „Mir weniger“ – erwiderte Mauritius - „wie viele kehrten hier ein und erzählten Dinge, die mir unbegreiflich waren. Aber Römer, verständige Männer, schilderten es derartig wahrheitsgetreu, dass ich glauben musste. War ich wieder allein, kam der Zweifel. Neue Dinge erfuhren wir – so lebte ich zwischen Zweifel und Neugier. Dann kam die Kunde Seiner Kreuzigung und Auferstehung – und ich war ein geschlagener Mann. Ich hätte so gerne geglaubt, aber ich konnte nicht, kam über das „Warum“ nicht hinaus und lebte dann zwischen Hoffnung und Zweifel.

 

Du, junger Mann, hast recht getan, uns Seine Macht zu beweisen, darum danke ich dir mit vollem Herzen. Alles andere wirst du,  als Jünger und Zeuge des Herrn, wohl noch geben können“.

 

 

 

 

 

Kamillo – Antonio – Baltasar

 

 

Die Soldaten gingen zu ihren Pferden: es war eine Unterbrechung gekommen. Auch kamen wieder neue Gäste, sodass der Wirt sich von uns trennte. Wir unterhielten uns über das Gesprochene, dann kam ein Soldat und bat Kamillo, mit hinaus zu kommen, ein Unglück sei geschehen. Eilends ging er hinaus, so war ich mit Antonio allein.

 

Dieser sagte: „Ich habe dich gut verstanden, aber da nun Jesus nicht mehr ist, wird es schwer zu beweisen sein, dass Seine Jünger auch wirklich in Seinem Geiste die Lehre verbreiten. Was versuchen nicht eure Priester mit ihrem Jehova. Ihr Tun spricht Jehovas Gesetzen Hohn, aber sie sind eben Priester und das Volk hat eben zu glauben.

 

Hier in Cilicien, überhaupt in Asien, herrscht völliges Heidentum und wird beherrscht von gar schlauen Priestern. Juden wirst du auch antreffen, aber von einer neuen Lehre werden sie nicht viel wissen wollen, da ja ihre Lehre ihnen ein ganz nettes Einkommen und Ansehen gibt. In den größeren Handelsstädten ist ja auch die Kunde des Heilandes durchgedrungen, kommst du aber mehr nördlich, hört dieses auf. Wir Römer haben Anweisungen, den Ausbreitern der neuen Lehre keine Schwierigkeiten zu machen! Wie aber wollen wir feststellen, dass es auch die rechte Jesuslehre ist?

 

Ich bin ganz dafür, dass die Menschen in ihrem finsteren Aberglauben das rechte Licht bekommen, aber was nützt alles gute Licht, wenn die Leuchter nichts taugen?! Auf Wunderwerke lege ich wenig Wert, meistens ist es Blendwerk. Ich liebe die Wahrheit. Bei einem Künder der ewigen Wahrheit möchte ein jedes Wort ein Strahl von Wahrheit sein!  Siehe, ich kenne euren Moses wie auch die Propheten. Es ist alles gut, aber wie stehen die Priester da? Wenn es nach mir ginge, wären sie alle ausgerottet, auch die wenigen Guten. Darum bin ich sehr kritisch, auch mit den Kündern der neuen Lehre.“

 

„Du bist im Recht Antonio, denn wären diese Zustände nicht, brauchte Gott Seinen Sohn nicht auf diese Erde zu den Menschen, die keine Menschen mehr sind, zu senden. Aber bedenke, wenn kein Erlöser, kein Retter gekommen wäre, könntest du dir vorstellen, was aus der Menschheit werden würde? Es wird trotz dem Kommen des Menschen-  und Gottessohnes, trotz Seines Todes und Auferstehung, die Seine überherrliche Lehre besiegelte, noch überaus schlimm werden, von deren Zuständen wir uns nichts vorstellen könnten.“ -„Wieso, Freund Jakobus, sind unsere Gesetze nicht aus der Gerechtigkeit hervorgegangen?“

 

„Wohl ist es so, aber in einem hat sich der Gesetzgeber geirrt: dass sich alles Falsche und Böse nicht mit den härtesten Strafen ausrotten lässt und dass die Saat des Falschen und Bösen hundertmal besser aufgeht, als die Saat des Guten und Wahren. Wenn du den Menschen durchblicken könntest, wäre dein Verlangen nach einem Erlöser größer, als nach guten Gesetzen“. Spricht Antonio: „Jakobus, was siehst du in mir, weil ich nach deinem Ausspruch einen Erlöser brauche?“

 

Da sagte ich: „Antonio, deine Ehre, dein Wahrheits- und Gerechtigkeitssinn ist härter wie Stein, was wir, und vor allem  der Meister als Liebe bezeichnen, betrachtest du als Schwäche. Du hast noch kein Weib gebraucht, du glaubtest es sei Erniedrigung und es vereinbart sich nicht mit deinen Ehr- und Wahrheitsbegriffen. In Wahrheit ist es aber Eigenliebe, die nahe an Hochmut grenzt. Errege dich nicht, Antonio, denn einmal muss es doch gesagt werden, da du es doch von selbst nicht finden wirst. Wie wahr ich aber gesprochen habe, soll beweisen, dass ich dir noch sage, dein Pferd hat einen deiner Leute schwer verletzt, man kommt, um dich zu holen“.

 

Ehe Antonio etwas erwidern konnte, tritt ein Soldat ein und bittet Antonio zu Kamillo, ein Unglück sei geschehen. Antonio steht schnell auf und folgt dem Soldaten. Die Gäste aber hatten unsere Unterhaltung gehört und fragten mich, wie ich das wissen könnte, da ich das Zimmer doch nicht verlassen habe.

 

Da sagte ich: „ Liebe Männer, es ist nichts besonderes, da mir der Geist Gottes, von dem ihr nichts wisset, es mir offenbarte. Eure Götter können euch leider keine Offenbarungen geben, da sie ohne Leben sind. Ich als Zeuge des ewigen und lebendigen Gottes kann und darf es euch sagen, weil ich auch die Beweise nicht schuldig bleibe“. Spricht einer, ein alter Grieche: „Auf die Beweise wäre ich aber neugierig, denn bis jetzt hat noch niemand gewagt, unseren Göttern das Leben abzusprechen.“

 

„Ja, dieses stimmt, einesteils aus Furcht und anderenteils, weil niemand etwas besseres und lebendigeres hat“, erwiderte ich. „Wir aber, die wir Zeugen sind von der Menschwerdung des lebendigen Gottes, dürfen aus dem Reichtum des ewigen Gotteslebens doch anders reden, als eure Priester, weil wir mit dem ewig wahren Leben doch verbunden sind – in unserem Inneren!“

 

Erwiderte der Grieche: „Junger Mann, sei nicht so selbstbewusst, denn meistens hält die Prüfung nicht stand. Worte sind immer billig, aber auf den Erfolg kommt es an. Mir liegt nichts an den Worten oder an einer neuen Lehre, sondern an dem Beweis, ob meine oder deine Götter leben“. Sage ich: „Nur einen Gott kennen wir, Jehova Zebaoth ist Sein Name. Sichtbar aber ist Er allen Geschaffenen und fühlbar im eigenen Herzen, wer aber ganz in den von Ihm geoffenbarten Willen eingeht, kann auch Seine Einsprache vernehmen“.

 

Entgegnete der Grieche: „Mein Freund, dies sind alles nur Worte, mir liegt an Beweisen. Kannst du den mir vor drei Tagen gehabten Traum erzählen und deuten, dann will ich gerne deinen Worten glauben“.

 

Da sagte ich: „ Nichts leichter, als das. Du hattest am Tage viel Ärger, einer deiner Leute hatte dich belogen um eines geringen Vorteiles willen, da konntest du nicht gleich einschlafen, da du zu keinen Resultaten kamst, ob du den Mann behältst oder nicht. Endlich schliefst du ein und hattest folgenden Traum:

 

Du gingest eine lange Straße, die rechts und links von Bäumen bewachsen war und kamst doch an kein Ziel. Lange dehnte sich der Weg, dann hörten die Bäume auf und du kamst an ein großes Feld. So weit das Auge schaute ging das Feld, aber es war unbebaut, alles war Unkraut, jedes erdenkliche Gestrüpp wucherte, dass du kaum weiter gehen konntest. Da sagtest du `Warum stehet hier kein Weizen oder Gerste?`, aber du sahest niemand und wolltest umkehren. Da stand hinter dir einer deiner Knechte und sagte: `Herr, nur um ein weniges Land von diesem Unkrautfelde bitte ich dich, es würde mir gelingen, dass ich mich loskaufen könnte`. Da sagtest du: `Nie und nimmer, ich kann keinen Herrn neben mir gebrauchen. Zur Strafe aber sollst du ganz allein diesen Boden zu einem Weizenfelde umarbeiten`.

 

Als du aufwachtest, hattest du den Traum vergessen, im Laufe des Tages fiel er dir wieder ein, als du den Knecht sahest. Sein scheues Wesen fiel dir sofort auf, da fragtest du ihn, ob ihm etwas fehle. Da sagte er zu dir: `Ja, Herr, ich suche eine Möglichkeit, von hier fortzukommen, ich möchte nicht immer bei dir als Knecht verbleiben, da du keine Verheirateten duldest`. Du aber sagtest ihm: `Gehe an deine Arbeit und komme mir nicht mehr mit solchen Reden`.

 

Siehe, dies war dein Traum und seine Begebenheit, zuvor und darnach, - und was will dir dieser Traum sagen?  Du bist reich, groß ist deine Welt, doch zu einem Weizenfeld hat es deine Nächstenliebe noch nicht gebracht, da du nur an dich denkst. Die Straße mit den Bäumen stellen deine erfüllten Pflichten dar, aber zum Ende bist du gefangen in deinem eigenen Unkraut. Da sich in dir das Gottesleben regt und dich bat, den Anfang zu machen zu einem Weizenfeld, lehntest du ab. Deine Liebe soll nur dir und keinem anderen dienen.

 

Habe ich nun recht gesprochen, oder verlangst du noch andere Beweise?“ -  „Du hast recht gesprochen – erwiderte der Grieche – genau so war es. Nun verpflichtet mich mein Wort, deinem Gott zu glauben.“ - „Nein Baltasar“, sage ich , „du bist frei. Wenn du nicht ganz freiwillig aus dir selbst heraus an den lebendigen Gott glauben willst, dann lebe in deinem alten Irrtum weiter. Gott will einem jeden Menschen oder Wesen seine vollste Freiheit lassen. Es muss den Menschen selbst Bedürfnis werden, nach dem lebendigen Gott zu suchen und zu forschen!“   Erwiderte der Grieche: „Mag sein, aber wo finde ich den lebendigen Gott?“ -  „In dir“, erwiderte ich, „in deinem eigenen Herzen. Die Wege zu Ihm sind Liebe zum Nächsten, Liebe zu den Armen und Verlassenen!“

 

Es kommen Antonio mit einigen Soldaten, die den Verunglückten tragen, der völlig bewusstlos ist. Sie legen ihn in eine Ecke, wo Decken und Teppiche rasch zu einem Lager bereitet wurden. Dann kommt Kamillo und spricht: „Holt einen Priester ehe er stirbt, dem vermag niemand mehr zu helfen“.

 

Da stand ich auf und sagte zu Kamillo: „Kamillo, jetzt wäre für dich und die anderen Gelegenheit, die wunderbare Heilkraft des von den Toten erstandenen Heilandes Jesus zu erleben, wenn ihr wollt“. Ganz aufgeregt erwiderte er: „Jakobus, du könntest, du wolltest diesem helfen?“ – „ Nicht ich, sondern Jesus in mir kann es, so es euer Wunsch ist, denn ohne eure Bereitwilligkeit sind mir die Hände gebunden“. Spricht Kamillo: „Tue nach deinem Willen, Jakobus, es ist einer meiner besten Leute, er würde uns allen fehlen. Aber wenn er leben bleiben würde, würde er ein Krüppel bleiben und lebenslang große Schmerzen ausstehen müssen, er hat ja das Kreuz gebrochen“.

 

Ohne etwas zu erwidern ging ich hin zum Leblosen, legte meine Hand auf sein blasses Gesicht, betete, bis ich in voller Harmonie mit dem Meister war und sagte laut: „Hendrick, stehe auf, mein und auch dein Heiland will, dass du lebest und gesund seiest. Dir aber, mein Jesus und mein Herr und mein Gott, danke ich für Deine Gnade, Liebe und Erbarmung,   Amen“.

 

 Da erhob sich der Soldat, blickte verwundert um sich und sagte: „Was ist mit mir geschehen? Hättet ihr mich doch lieber gelassen, wo ich war. Ein freundlicher Mann, der fast aussah, wie du – hier zeigte er auf mich – sagte: `deine Stunde ist noch nicht gekommen. Lebe, sei gesund, aber suche fürderhin Mein Leben!´“

 

Spricht Kamillo: „Jakobus, du machst uns zu einem Schuldner, wie könnten wir dir nur danken?“ Da sagte ich: „Mit nichts anderem, als dass ihr an den glaubet, dessen Liebe, Macht und Herrlichkeit ihr eben erlebt habt! Es ist für euch der beste Beweis: Jesus lebt und wird ewig leben und auch alle die, die an Ihn glauben, mit Ihm leben und von dem Reichtum Seiner Liebe, Gnade und Kraft erfüllt werden nach dem Maße ihres Glaubens und ihrer Liebe“.

 

Da spricht Antonio: „Jakobus, dies ändert die ganze Situation. Wir waren Suchende, Kritische, nach Beweisen Fordernde. Jetzt sind wir Bittende, aber nicht um Beweise bittende, sondern um Licht, Klarheit und Gewissheit“.

 

Der Grieche ist stumm vor Bewunderung, dann aber spricht er: „Ihr Männer, hier ist mehr denn alle Priester und Altäre. Hier ist der unbekannte Gott, der ohne Worte jedem sagt: `ICH bin das Leben`. O, wer auch dieses sagen und erleben könnte: einen Todgeweihten in die vollste Gesundheit zurückversetzen, kann nur ein Gott, der wahrhaft Leben ist! O du treuer Zeuge deines Gottes, mache uns bekannt mit dem lebendigen Gott, damit wir alle toten Götter entbehren können“.

 

Es waren der Wirt, sein Weib und seine Töchter in das große Zimmer gekommen, um dem Verunglückten eine Erleichterung zu geben. Als sie aber das große und herrliche Wunder erlebten, war es ganz aus. Jedes Wort nahmen sie auf als die höchste Himmelsspende. Als aber die Worte des Baltasar gehört waren, sagte Mauritius: „Kinder, traget alle Götter hinaus in den Hof, der gegenwärtige Gott soll ein gereinigtes Haus als Zeichen unseres Glaubens an Ihn finden! Ist schon das Weinwunder ein herrlicher Beweis Seiner Macht und Kraft, - dieses Heilwunder aber ist Liebe über Liebe!

 

Ihr seid heute alle meine Gäste, und die Stunde, die wir noch zusammen sind, wollen wir dem lebendigen Gott weihen und als Dank darbringen. Dich aber, du Zeuge und Betreuer lebendiger Liebe bitte ich, öffne deinen Mund und sei der Mittler des wahren Gotteslebens“.

  

Sehet nun, an diesem Abend habe ich bis zum frühen Morgen das Leben des geliebten Meisters dargestellt und habe einen Samen gelegt, mit Hilfe des Herrn, der herrliche Frucht bringen wird“.

 

Maria: „Jakobus, warum ist es in Jerusalem so schwer. Es ist mir, als wenn ich den Herrn so wenig verstehe, wie in der Zeit, wo wir im Hause Josephs lebten.“ - „Maria, noch oft wirst du so denken. Wann wird die Zeit kommen, wo du denken wirst, wie der Herr. Ist Sein Opfer nicht die Zusage, dass Er uns Alles sein will? – Gerade in Jerusalem, wo die Hölle und der tiefste Hass uns verfolgt, wird der Liebe höchster Lebenssieg offenbar werden. Wo noch Angst und Furcht sich einschleichen, kann der Meister uns nicht Alles sein, denn wir stellen ja nur hinaus, was wir von Ihm überkommen haben!“.

 

Maria: „Du hast in allem recht, lieber Jakobus, es ist das Leid der anderen, das meine Seele traurig macht, obwohl mein Geist sich mit Jesus ganz eins fühlt und weiß, wir sollen recht wachen, damit wir in Seiner Liebe nichts versäumen. Gehen wir alle zur Ruhe, du aber Jakobus, segne uns heute, mir ist, als wenn unser Jesus viel herrlicher wäre!“

 

Jakobus tat, wie Maria geheißen. In dieser Nacht konnte der Feind die Ruhe nicht stören.

 

 

 

 

Arminus und Hendrick

 

 

Begleiten wir Jakobus weiter auf seinem Wege, die Liebe will weiter schildern, was im Geiste der Liebe alles geschah.

 

Mauritius ließ ein Gastmahl richten, trotz Sträuben des Kamillo, da der morgige Tag ein anstrengender sei, aber Mauritius sagte: „der Gott, der Todgeweihten das Leben wieder gibt, wird wohl auch Kraft geben, um alles Schwere zu überwinden. Es geht ja um den lebendigen Gott und Seinen vom Tode erstandenen Sohn. Ich könnte ja sagen, du lieber Gottesbote, bleibe einige Tage und lehre mich den lebendigen Gott erkennen. Ich tue es aber nicht, denn dieser Gott ist es wert, dass Ihn alle erkennen und so rasch wie möglich. Schade um jede Stunde, die unnötig in Zweifel, Sorge und Leid verbracht wird! Allen soll Gott gehören und der lebendige Gott soll Eigentum aller werden!“

 

Kamillo: „Habe Dank, lieber Hausvater, du hast mir jetzt viele Steine aus dem Wege geräumt, deine Liebe betrachte ich als Gottesliebe.“

 

Unter den Gästen war ein Freund des Baltasar. Dieser hatte einen kranken Sohn, der seit frühester Kindheit schwachsinnig war. Er trat hin zu Jakobus und sagte: „Du lieber Gottesbote, darf ich morgen früh mein Weib und meinen kranken Sohn, ehe du weiter reisest, einen Augenblick hierher bringen, damit auch sie die Stärkung erhalten?“ Jakobus: „Andree, warum fürchtest du dich vor Gott und bittest nicht für deinen kranken Sohn, oder vermagst du nicht den Glauben aufzubringen an den ewigen und lebendigen Gott?“

 

„Ich wollte zu den vielen Torheiten keine weiteren hinzu machen, denn ich bin ja der großen Wunderliebe nicht wert“. – „ Andree, jetzt hast du wieder eine Torheit begangen, indem du deinen eigenen Wert herab setzest. Denn vor Gott sind wir alle Sünder und nicht einer ist ohne Fehler, aber Gott will ja, dass allen geholfen werde. Darum sandte Er Seinen Sohn in diese Welt, auf dass alle Gott erkennen und an Ihn glauben und Ihn lieben!“

 

„O könnte ich, o dürfte ich?! O Gott, wie musst Du gut sein! Ich halte es nicht mehr aus, ich muss die Meinen holen!“ Rasch eilte Andree aus dem Hause. Da sagte Baltasar: „Wenn dessen Sohn gesund wird, dann können die Priester ihre Tempel zu machen, denn Andrees Sohn ist manchmal schlimmer als ein Tier. Die Familie wird von allen bedauert.“

 

Mauritius brachte Wein, Kamillo sagt: „Lieber Hausvater, wird es dir nicht leid tun um deinen Keller, den du heute plünderst, denn meine Kameraden haben einen guten Zug und einen gesunden Appetit.“ -  „ Es soll allen schmecken und alle sollen recht fröhlich sein, denn wir feiern das Kommen einer neuen Zeit! Wenn ich bis jetzt nicht ärmer wurde, wo ich im Unsegen stand, werde ich auch nicht weniger werden, seit ich im Segen des lebendigen Gottes stehe!“

 

Spricht Jakobus: „Mauritius, im Namen des lebendigen Gottes sage ich dir: Jede Liebe, die du ausübest im Geiste Seiner Liebe, wird dir wunderbaren Segen bringen, denn in diesem Geiste öffnest du dich Ihm und nimmst Ihn in dir auf. So, wie du Seine Sachen zu den deinen machst, so wird Er auch deine Sache zu den Seinen machen.“

 

Der Wein schmeckte allen, aber trotzdem wollten sie Jakobus hören, aber dieser sagte: „Liebe Brüder, wir wollen unserem Wirt etwas zu Händen gehen, er ist so eifrig und möchte jedes Wort mithören, darum warten wir bis nach dem Mahl. Alles, was ich euch sagen möchte, soll ja von euch in der Ruhe eures Herzens aufgenommen werden. Die Tische werden wir zusammen stellen, so dass alles nur ein Tisch sein wird. Dann wird auch Bruder Andree mit seinem Weibe und seinem Sohn Armino kommen.“

 

In kurzer Zeit war dies geschehen. Mauritius war hocherfreut. Gerade wollte er mit seinen Töchtern die Speisen bringen, als Andree erschien. „Hier bringe ich mein Weib und unser Sorgenkind und empfehle sie dir. Tue nach deiner Liebe, denn ich weiß, dem lebendigen Gott wird es recht sein.“

 

„Was sagt nun dein Weib, Bruder Andree?“ - „O, warum fragst du, wo du doch längst die Antwort weißt. Ist dieser unser erstgeborener Sohn nicht die Strafe, dass sie um meinetwillen den Glauben verließ und meinen Göttern hörig ward?“

 

„Du irrst, Andree. Im Geheimen betete sie doch zu Jehova und dein Sohn Armino lud freiwillig dieses Kreuz auf sich, um zu gegebener Zeit den ewig wahren Gott zu verherrlichen. Jetzt verstehst du die Sprache freilich noch nicht, aber wenn du erst den wahren ewigen Gott erkannt haben wirst, wird dein Sohn dich in allen Dingen unterrichten.“

 

Weinend kniet Andrees Weib vor Jakobus und spricht unter Tränen: „O du Mann Gottes! Wer hat dir verraten mein geheimes Weh, meine Reue, meine Sorgen und mein Beten? Sage es mir, damit ich unter Tränen wieder aufschauen kann zu Jehova, den ich verleugnete.“ - „Gabriele, stehe auf, Jehova Selbst kündet dir volle Verzeihung und selige Verheißung, so du wieder ganz frei dein Herz Ihm schenken willst. Aber du darfst Ihn nicht mehr verleugnen, sondern lebendig bekennen in der Liebe, denn Gott heißt Treue um Treue, Liebe um Liebe!“

 

Das Weib stand auf mit Tränen in den Augen und spricht: „O du heiliger Gottesmann, du nanntest mich wieder bei meinem Kindesnamen! Mir ist es Beweis genug, dass Jehova, der heilige Gott, meine Schuld gestrichen hat. O Du Heiliger Gott, gib mir einen neuen Mund und ein neues Herz, damit ich Dir danken kann mit Worten aus meinem Herzen!“ - „Gabriele, deine Bitte ist erfüllt, wenn du des ewigen Gottes Neugebot erfüllest, es lautet: Liebet euch, wie Ich euch geliebt habe!“

 

Gabriele spricht: „Liebet euch, wie ich euch geliebt habe, o wie leicht machst du es Deinen Menschenkindern, Du großer Heiliger Gott. Nie mehr sollst Du bitten, liebet euch, denn meine Liebe soll werden ein Feuerbrand, dass alle schauen an mir, dass ich Dich in meinen Mitmenschen liebe. Und nun weiß ich auch, dass du  Armino gesund machen wirst, wie du den armen Soldaten gesund machtest! O Andree, warum zauderst du noch und gibst nicht unserem Gott die Ehre? Fühlst du nicht den Sonnenschein Seiner Liebe? Komm, lass uns danken, weil wir nun endlich geeint einem Gott gehören.“

 

Andree spricht: „ Mir fehlen die Worte, doch du herrlicher Bruder, bitte Gott für uns um unseres Armino willen!“ Jakobus spricht: „Es sei, da ihr glaubet, dass Gott euren Sohn heilen kann. So bitte ich dich, o mein Jesus, Du unser aller Heiland und Erlöser, erweise Dich auch hier als der Herr über alles Leben und Gericht! Du aber, Arminus, sei fortan gesund im Namen des Herrn Jesu!“

 

Arminus, ein Mensch von 20 Jahren, welcher schon vom Ansehen verriet, dass er schwach im Sinnen war, hatte teilnahmslos allen Reden gelauscht. Als aber Jakobus sagte `sei fortan gesund im Namen des Herrn Jesu ` da ging ein Ruck durch seinen Körper, seine Gestalt straffte sich, seine Augen leuchteten, und so sah er alle an mit Blicken, die das ganze Wunder verrieten.  Da sagte er langsam: „Vater, Mutter, was ist geschehen mit mir, ich könnte singen und jubeln, alles ist ganz anders, alles sehe ich anders, darf ich in diesem Zustande verbleiben?“

 

Andree und Gabriele konnten nichts sagen, sie weinten laut vor Freude, es waren die ersten vernünftigen Worte aus ihres Sohnes Mund – sie wiesen auf Jakobus. Arminus verstand und fragte: „Bist du der Wohltäter, der von meinen Augen den Schleier und von meinem Mund die Fessel nahm, dann habe herzlichen Dank, du hast einen anderen aus mir gemacht, als ich bisher war.“ -  „Arminus“, spricht Jakobus , „bald wirst du deinen Wohltäter erkennen, es ist Jesus, der wahre Sohn aus Gott! Lerne fleißig, damit du nachholest, was das Schicksal dir vorenthielt. Und bleibe Ihm getreu, nicht, weil Er dich gesund an Leib und Seele machte, sondern weil Er einlösen will Sein an dich gegebenes Versprechen!“

 

Bei den Römern war es aus, die Soldaten waren stumm vor Bewunderung. Baltasar aber sagte: „ Es ist genug an Wundern. O Gott, lass uns Dich ganz erkennen, damit auch wir Dich lieben können!”

 

Mauritius aber ließ Speisen bringen, die in der Küche schon bereitet waren, und nun aßen alle vereint am Vatertische. Er sagt: „Dir zur Ehre, Du gnadenvoller Gott, und Dir zum Dank, weil Du volle Gewissheit gegeben hast über Dein Leben, Deine Macht und Herrlichkeit. Wie soll ich Dich gebührend ehren?  Nimm diese Liebe, die ich Deiner Liebe zu verdanken habe, als Ausdruck meines Dankes an, und bleibe Du immer gegenwärtig, wie Du jetzt gegenwärtig bist.“ Sagte Jakobus: „Mauritius, der Meister hat deine Liebe gesegnet und lässt dir sagen: Öffne noch mehr dein Herz den Armen und Bedrängten, denn was du denselben tust, hast du Ihm getan! Und Segen über Segen wird über dein Herz gehen, dass du vollkommen selig bist schon hier und dereinst dort. Seid gesegnet in Seiner Liebe, sei gesegnet du Liebesmahl und gesegnet eure Liebe!“

 

Wunderbar schmeckte allen dieses Liebesmahl und die Stimmung wurde immer besser durch den guten Wein.

 

Nun setzte sich Hendrick zu Jakobus und sagte: „Ich bin noch ganz benommen von dem Geschehen. Sage mir doch offen, wie war eigentlich der ganze Vorgang. Ich weiß, dass ich von dem Pferde geschlagen worden bin, mir wurde schwarz vor den Augen, dann wurde es um mich Nacht. Ich hörte immer Stimmen, die mir ganz fremd waren, und doch fühlte ich mich so frei, so wohl. Ich denke, was ist denn dieses für eine Finsternis und rufe meine Kameraden, aber niemand hörte mein Rufen. Ich erhebe mich, so gut ich konnte, dann ging ich, so gut ich konnte, ein paar Schritte. Da wurde meine Hand erfasst, dann fühlte ich, wie über meine Augen gestrichen wurde und es ward hell. Ich erschaute einen schönen Garten, wo viele arbeiteten und mir zuwinkten. Da sehe ich den Mann an, freundlich lächelte er mir zu und spricht: „Deine Stunde ist noch nicht gekommen. Lebe, sei gesund, aber suche fürder Mein Leben!“

 

Wie soll ich dieses alles verstehen? Wer war der Mann, denn du warst es nicht. Seine Hände waren durchbohrt, aber Seine Augen waren das Köstlichste, was ich bisher gesehen!“

 

Aller Augen hatten sich auf Jakobus und Hendrick gerichtet, alle Unterhaltung schwieg, da sagte Jakobus: „ Siehe, mein im Herrn gewordener Bruder, du warest eingegangen in das Reich des Lichtes und der Wahrheit, der Herr brauchte dich, um zu verherrlichen Sein Werk, Sein Leben und Seine Wahrheit und Wesenheit, die ich ja bezeugte. Deine Kameraden sahen dich leiden, deine Seele löste sich von deiner Leibeshülle – und Finsternis war dein Los, bis der Herr Selbst dich heraus führte in das Reich der Gnade und des Lichtes, du konntest sehen und hören.

 

Deine Stunde ist noch nicht gekommen, das heißt, du bist noch unreif für das Leben in jenen Sphären. Darum sollst du dir Sein Leben aneignen, was du in Seinen Augen erlebt hast. Lebe fortan ein Leben der Liebe in Seinem Geiste. So, wie du heute Seine Liebe erlebt hast, sollen alle deine Mitmenschen deine Liebe erleben. Trage Sein Bild in dir, nicht im Kopfe oder in Erinnerung, sondern im Herzen. Lasse es immer lebendiger werden, dann wirst du auch die Segnungen erleben, die heute Mauritius erlebt.“

 

Spricht Hendrick: „Wenn du nicht mehr verlangst, dann nimm mein Versprechen hin, es wird geschehen nach deinen Worten, weil es die Worte des Herrn sind.“ Jakobus spricht: „Leicht gibst du dein Versprechen, aber sei versichert, ohne des Herrn Hilfe ist es unmöglich, dasselbe zu halten. Darum nimm die Verheißung aus Seinem Geist: `Die Mich lieben, zu denen werde Ich kommen und werde sie erfüllen mit Kraft und Freude und werde Mich täglich mehr und mehr offenbaren, damit alle inne werden, dass Ich das Leben bin, ohne das keiner leben kann!` - So segne ich dich, der Herr und Meister Jesus sei von nun an dein Ziel!  Jesus mit dir!“

 

Noch lange blieben die Freunde zusammen. Immer Neues wusste Jakobus zu erzählen. Ohne dass man es bemerkte, begann der neue Tag. Kamillo ordnete an, dass die Pferde gefüttert und alles für die Tagesreise hergerichtet wurde. Dann sagte er zu Jakobus: „ Wir nehmen dich auf unserer vorgeschriebenen Tour bis über das Gebirge mit. Ehe es Nacht wird, bist du ein ganz Teil deinem Ziele näher gekommen.“

 

So wurde es auch.  Gleich nach dem Frühmahl brachen die Soldaten auf. Es war eine Weihestunde für das Haus des Mauritius, aber auch für die Soldaten. Lange noch lag Armino auf den Knien, dankend für die große, große Gnade.

 

 

 

 

 

Bei Kaspar

 

 

Der Weg der Soldaten war beschwerlich. Jakobus, des Reitens ungewohnt, musste sich anfangs rechte Mühe geben. Dann aber siegte die Kraft des Herrn und er blieb frisch und munter.

 

An einer Herberge setzten sie Jakobus ab, mit schweren Herzen trennten sie sich. Jakobus aber segnete, so lange er sie noch sehen konnte. Dann kam der Wirt und fragte, warum er den Soldaten so lange nach schaute, es sei doch keine Seltenheit, römische Soldaten. „Nein“, spricht Jakobus, „ aber seltene Menschen sind es, die mit einem leichten Kampf den Sieg über das Falsche und Verkehrte errungen haben.“

 

Spricht der Wirt: „Ich glaube, du bist ein noch viel seltenerer Mensch, denn mit diesen Worten ist bei mir noch keiner eingekehrt, aber trotzdem heiße ich dich willkommen!“   „Wirst du mich auch willkommen heißen, wenn ich mit leeren Taschen komme. Siehe, ich habe nicht einmal einen Stecken, nur ein Herz voll der heiligsten Güter!“  Spricht der Wirt:

„ Für dich mag es viel sein, für mich aber wenig. Aber dessen ungeachtet, sei willkommen. Vielleicht kannst du doch etwas bringen, wonach ich mich sehne. Tritt ein!“

 

Jakobus tritt ein, in der geräumigen Stube war die ganze Familie beisammen, bei einem Mahl. Der Wirt sagt kurz: „Nimm Platz und nimm mit dem fürlieb, wir haben jetzt nur frische Milch und gutes Brot.“ -  „Ich danke dir, Hausvater, und gerne setze ich mich an deinen Tisch, und so segne ich euch im Namen meines Gottes!“

Das Brot und die Milch waren wirklich gut, es war auch genug vorhanden. Die Mahlzeit wurde schweigsam eingenommen, dann verließen die Söhne und Töchter die Stube, nur der Wirt blieb mit seiner Frau am Tisch sitzen. Beide waren betagt, und so schauten beide erwartungsvoll Jakobus an. Er sagte: „Ihr wundert euch, dass ich euch im Namen meines Gottes segnete, diesen kennt ihr ja nicht. Wie ich sehe, besitzt ihr mehrere Götter, wie die Bildnisse in dieser Stube bezeugen.“

 

„Du hast recht gesehen“, spricht der Wirt, „wo sollen wir die Kunde von anderen Göttern hernehmen. Unsere Herberge ist klein, selten kommen Fremde durch unseren kleinen Ort, wir besitzen nicht einmal einen Priester. So erinnern uns die Bilder an unsere Götter, denen wir alle Ehrfurcht entgegen bringen.“

 

„Du bist Kaspar, und dein Weib Vera gleicht dir in deinen Glaubensansichten, nur deine Söhne machen dir Sorgen, weil sie deinen Göttern nicht genug Ehrfurcht entgegen bringen.“ Kaspar spricht: „Wer hat dir dieses verraten? Du bist doch ein Fremdling und deinem Kleide nach ein Jude. Dann habe ich über diese meine Sorgen noch zu keinem Menschen gesprochen, als mit meinem treuen Weibe.“

 

Jakobus spricht. „Sagte ich nicht, dass ich ein Herz voll der heiligsten Güter habe, und eben mein Herz sagte mir dieses dein Geheimnis. Sei aber deswegen nicht ungehalten, ich könnte dir noch mehr sagen, aber du könntest es nicht fassen. Du hast gehört von dem Wundermann aus Judäa, du hieltest es für ein Gerede. Deine Söhne aber hungerten nach der Wahrheit, die allen Gerüchten noch fehlte. Hättest du deinen Söhnen Verständnis entgegen gebracht, würdest du viel reicher in der Wahrheit dastehen.“

 

Kaspar spricht: „Du bist nicht nur ein seltener, sondern auch ein geheimnisvoller Mensch, aber ich muss dir auch recht geben. Siehe, die wenig Fremden sind meistens Kaufleute, denen ist ihre Wahrheit die Ware. Juden kehrten selten hier ein, weil ich nicht so viel habe, um Freitische gewähren zu können.“

 

Jakobus spricht: „Ja, aus diesem Grunde hat man dich gemieden. Doch hoffe ich, dass es bald anders werden wird, denn ich bin ein Jünger des Wundermannes Jesus und mein Herz drängt es gewaltig, dir und den Deinen die Wahrheit über Jesus von Nazareth zu übermitteln!“ Kaspar spricht: „Du wirst einen schweren Stand haben, denn der Tod am Kreuze ist eines Wundermannes unwürdig. Wohl soll er von den Toten auferstanden sein, aber wer sollte denn dieses glauben? Du als Jude wurdest von der Lehre eures Gottes von Kindesbeinen an vertraut, eure Priester taten das ihrige. Aber besser seid ihr deswegen nicht geworden, als wir Heiden, eher schlechter. Denn wenn ich Schaden oder Verlust erlitt, so geschah es meistens nur von den Juden. Es mag als Jude für dich nicht gerade löblich klingen, aber es ist dieses auch eine Wahrheit.“

 

Jakobus spricht: „Jawohl, ich gebe dir ganz recht und habe noch viel mehr Schlechtes von meinen Stammesgenossen erleben müssen. Aber eines ist das Judenvolk allen Völkern voraus: sie haben noch Verbindung mit dem wahren Gott, dem Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden! Eben weil das Judenvolk im Besitze dieser Wahrheit ist, sandte Gott Seinen Sohn, um eben vorerst den Juden und dann allen Menschen dieser Erde, die verloren gegangene Wahrheit wieder zu bringen und allen den Weg zu ebnen zu dem alleinigen Gott und Erhalter! Dass sich dabei  die seinwollenden Priester nicht so verhalten haben, wie es ihre Pflicht als Priester war, ist ein Beweis, wie groß schon der Widersacher war, obwohl im Heiligen Buche der Propheten die Ankunft des Gottessohnes an hundert Stellen geweissagt war.“

Kaspar spricht: „Es ist dies alles schön und gut, mir ist aber dabei nicht gedient, da ich alles dieses nicht erfasse. Ich meine, wenn schon Gott da ist, warum denn da noch Seinen Sohn schicken, der auch noch zu Seinem Unglück am Kreuze enden muss. Da bleibe ich lieber meinen Göttern getreu und bleibe frei von aller Blutschuld.“

 

Jakobus spricht: „Es ist wohl löblich dieser dein Grundsatz, wenn nur deine Götter Leben hätten, - anders bei meinem Gott! Er ist das Leben Selbst, und wer an Ihn glaubet und Seinen Willen tut, wird Sein Leben in sich überkommen! Es wird sich offenbaren als Freude und Glückseligkeit!“

 

Kaspar spricht: „Klingt alles ganz schön junger Mann. Auch ich kann dieselben Eigenschaften nach außen bekunden, so ich will, und leide doch am Übel aller Menschen.“

 

Jakobus spricht. „Dieses wäre Selbstbetrug und keine Wahrheit, denn Gott gibt einen Frieden, den diese Welt nicht kennt, und eine Freude, wie sie in Seinen Himmeln lebt. Alles Alte im Menschen umstaltet sich zu Neuem, Wahren und Vollkommenen! Der ganze Unterschied ist:  der Gott will im Herzen aufgenommen sein! Wer Gott im Kopfe trägt, ist genau ein Heide, wie du und viele Tausende. Würdest du deine Götter in dir zum Leben und Bewusstsein bringen, wärest du derselbe Gläubige, wie ich und viele Tausende.“

 

Kaspar: „Dies verstehe ich nicht, aber ich möchte dich bitten, heute Abend mit meinen Söhnen von deinem Gott zu reden, denn ihnen fehlt der Friede und auch die Freude.“ Spricht Vera, Kaspars Weib: „Ja, tue dieses, denn nichts ersehne ich mehr, als das Glück meiner Kinder.“

 

Jakobus: „ Welche Mutter möchte wohl dieses nicht. Solange sie dieses nicht restlos sieht, ist sie auch nicht glücklich. Und ebenso verhält es sich mit dem lebendigen und ewigen Gott. Ist Er doch der Vater aller Menschenkinder. Immer trug und trägt Er den Wunsch in sich, Seine Menschenkinder frei und glücklich zu machen von dem Druck der Erdenmaterie.  In der Geschichte der Menschen bis zum heutigen Tage wirbt der lebendige Gott, dass der Mensch wieder zum wahren Menschen werde.“

 

Kaspar: „ Würdest du nicht mit mir hinaus zu meinen Söhnen kommen? Wir müssen noch tüchtig schaffen, unser Brunnen versagt, unsere Sorge ist die, Wasser zu versorgen für uns und unser Vieh. Durch die lange Dürre ist das Wasser im Brunnen immer weniger geworden.“ Jakobus nickt Vera zu und verlässt mit Kaspar die Stube.

 

Ein Stückchen über den Hof arbeiten die Kinder in und an dem Brunnen. Jakobus als Zimmermann kennt auch diese Arbeiten, er möchte mitschaffen. Da bekommt er den Zuruf: „Nicht weiter arbeiten, vergebliche Mühe. Zehn Schritte rechts einen neuen Brunnen graben, dieser gibt immer und für alle Zeiten Wasser in Fülle.“

 

Er geht die zehn Schritte rechts, da fühlt er in sich eine starke Quelle. Er geht auf Kaspar zu und spricht: „Würdest du einen guten Rat von mir annehmen?  Das tiefer machen deines alten Brunnens ist zwecklos. Dort, zehn Schritte rechts, befindet sich eine starke Quelle, leget dort einen neuen Brunnen an. Ihr seid dann versorgt für alle Zeiten mit Wasser.“

 

Kaspar: „ Dieses ist schnell gesagt, wer gibt uns die Gewähr, dass es so ist? Du gehst morgen weiter, wir aber graben und graben und es wird doch zwecklos sein.“ Jakobus: „Mit dir ist schlecht reden, weil du nur mit dem Kopfe arbeitest. Glaubst du, ich würde dir den Vorschlag machen, wenn ich nicht im Voraus wüsste, dass es von Erfolg sei? Was ich im Herzen fühle und empfange, ist aus dem Urborn göttlicher Liebe und Gnade gegeben und bestimmte Wahrheit! Noch nie wurde ich irregeführt! Kaspar: „ Lasse mich mit meinen Söhnen sprechen.“

 

Kaspar rief seine Kinder und sagte: „ Dieser Fremdling ratet ab, weiter zu graben, und meint dort, zehn Schritte weiter rechts sei eine starke Quelle.“ Spricht der Älteste: „ Ist dieses dein Ernst, Fremdling, wie willst du wissen, dort sei eine Quelle?“ Jakobus: „ Ich weiß es nicht, aber mein Gott, der der Ewige und Wahre  ist, hat es mir mitgeteilt. Ich bin ein Zeuge des Wundermannes aus Judäa und bin gekommen, euch die Wahrheit über eure toten Götter und über den wahren und ewigen Gott zu bringen. Ich würde ein schlechter Zeuge sein, so ich euch die Gnade meines Gottes vorenthielte, denn gerade in diesen Liebes- und Gnadenbeweisen sollet ihr ja erfahren, wie Gott die Liebe und das Leben ist, was nie von euren Göttern gesagt werden kann.“

 

„Vater“, spricht der Älteste, „ich denke wir hören vorerst einmal auf und lassen unseren Gast einmal zu Worte kommen, mich interessiert der Mann. Endlich mal einer, der den Wundermann gekannt hat.“ - „Wir brauchen aber Wasser, Andree“, erwiderte Kaspar. Andree spricht: „Holen wir nochmals beim Nachbar, Vater, der Mann flößt mir Vertrauen ein.“ -  „Mir auch“, spricht Krischan, der Jüngste, „ wir kommen sowie so nicht mehr weiter, wir kommen auf Felsen.“ - „Na dann gut, ihr Mädchen helft der Mutter zu einem guten Nachtmahl.“

 

Vera ist verwundert, als alle in das Haus treten und fragt: „Habt ihr Wasser, weil ihr schon kommt?“ - „Lass gut sein, Mutter, morgen werden wir weiter sehen, für heute ist Feierabend und dieser unser Gast wird uns von dem Wundermann erzählen.“ – So wurde es auch.

 

Jakobus schilderte die Gnade und Liebe Gottes und die Menschwerdung des Herrn und wurde von niemand unterbrochen. Nach dem gemeinsamen Mahl blieben alle am Tisch sitzen, Gäste kamen keine.

 

Da fragt Andree: „ Wie kommt es eigentlich, dass sich nun Gott, der nach deinen Darlegungen die ewige Urkraft, Allmacht und Vollkommenheit ist, Er sich heute kleiner Menschen bedienen muss? Warum kommen nicht Engel oder Gottesboten aus Seinem Reiche und klären  die Menschen auf? Siehe, deine Worte klingen wahr und schön, aber beweise mir die Wahrheit! Längst bin ich unzufrieden mit unseren Göttern, alles ist nur Erschwerung unseres Lebens, wir sind Sklaven unseres eigenen Leibes und alle Sehnsucht bleibt ungestillt.“

 

Jakobus: „ Andree, deine Frage ist die Frage der ganzen Menschheit und nie wird die Antwort befriedigen, wenn sie von Menschen kommt. Meine Antwort soll aber nicht von mir, sondern von dem ewigen und wahren Gott sein und sie lautet:

 

Würden Engel die Menschen belehren, würden sie es auch nicht glauben und obendrein als Lüge hinstellen. Würden sie ihre Macht entfalten, wären die Menschen ihrer Freiheit beraubt und blinde Maschinen, denn dann würden sie sich nicht freiwillig zu dem lebendigen Gott bekennen, sondern unter dem Zwange unerträglicher Gesetze stehen. Dieses will Gott auch nicht, sondern die Erlösung aller vom Gesetz und Gericht.“

 

Andree: „ Die Antwort ist gut, ich habe dich verstanden. Denn so Gott wirklich Liebe ist, kann Er mich nicht zu etwas zwingen. Aber wie konnte Gott es zulassen, Seinen Sohn am Kreuze verbluten zu lassen, dies kann doch nicht Liebe sein?“

„O Andree, gerade dieses war die allergrößte Liebe! Als Jesus geboren war, wurde ich damit bedacht, Ihn zu pflegen, und habe dabei Herrlichkeiten erlebt, die zu schildern ich Tage brauchte. Da war der Beweis erbracht, dass Er zu Größerem berufen war und wir sahen in Ihm den Messias, den Verheißenen!

 

Als Er älter wurde, verloren sich die herrlichen Begabungen und Er erlernte gleich uns das Zimmermannshandwerk. So, wie sich die Begabungen verloren, verschwand auch bei uns die Hoffnung, dass Er der erwartete Messias sei. Dann kamen schlimme schwere Jahre für mein Elternhaus. Jesus ging Seine eigenen Wege, ja Er mied uns, weil wir Ihn nicht verstanden. Es war eine schlimme und böse Zeit, schlimm für Ihn, weil wir Ihm niemals recht gaben, und böse für uns, weil wir uns um das Herrlichste, was ja Gott zu geben vermag, betrogen. Bis nun endlich die Erlösungsstunde schlug und Jesus voll des göttlichen Geistes sagen konnte: `Nun ist der größte Kampf überwunden, was später kommt wird nicht so schwer sein.`

 

Nun kam die Zeit, von der ihr hörtet: Tote wurden lebendig, Blinde sehend, Taube hörend, Lahme gehend und alle Kranken gesund! Elemente gehorchten Ihm, es gab nichts, was nicht Seinem Willen untertan war. Dabei verbreitete Er eine Lehre, die nur Liebe zum Grund und Leben zum Inhalt hatte.

 

Er starb am Kreuze, wir alle wussten es aus Seinem eigenen Munde, und am dritten Tage stand Er mit unzerstörbarem Leibe unter uns! Festigte unseren Glauben und ging dann nach 40 Tagen in Seine Urheimat zurück, um von dort aus uns alle und die an Ihn glauben, zu erfüllen mit Seinem Geiste, Seiner Lebenswahrheit und Seinem ewigen Leben!“

 

Spricht Vera: „O ihr glücklichen, glücklichen Menschen, und du noch glücklichere Mutter, was ist euch alles geschenkt worden, und dieser Mensch musste sterben? O Erde, warum hast du die Menschen nicht verschlungen?“

 

Jakobus: „ Weil alle erlöst und errettet werden sollten! Deswegen bin ich auch bei euch, um euch den Weg zu ebnen, der zum großen, heiligen Ziele – eure Erlösung – in und durch Christi Jesu führt . Denn der Menschheit Lauf endet nicht mit dem Leibestode, sondern gehet ewig und ewig fort, damit sie vollbringen ihre Aufgaben.“

 

Andree: „Lieber Freund, werde nicht undeutlich. Der Mensch hat eine Aufgabe, sie zu erfüllen sei ihr Erdenlauf, und wer sie hier nicht erfüllt, soll es nach dem Tode?“

 

„Du hast recht verstanden“, erwiderte Jakobus,  „unser Erdenleben ist nur der kleinste Teil von dem großen Lebensabschnitt, den wir durchleben. Aber gerade dieses Erdenleben ist der wichtigste Teil, weil alles, was wir in uns tragen und um uns finden, seine Erlösung durch uns finden soll. Versäume ich dieses alles als Mensch, hängt mir diese Materie an und muss im Leben nach dem Tode diese ihrer Bestimmung zuführen, welche lautet: Alles Daseiende in den nächst höheren Grad der Vollkommenheit einzuordnen.“

 

Spricht Kaspar: „ Das ist dunkel, noch nie hörte ich solche Worte.“     Spricht Andree: „Vater, ich verstehe diesen Freund ganz und gar, es ist leicht, ihm zu folgen. Er sagt mit wenig Worten: alles ist gefangen auf der Erde. Der Mensch ist der Gefangenenwärter, die Erde das Gefängnis und alles Gefangene soll durch den Menschen erlöst werden oder ihre Erlösung finden.“

 

Spricht Jakobus: „ Sehet liebe Freunde, um alles dieses braucht es wenig. Gott, als die ewige Liebe, hat einem jeden Menschen diesen Seinen Liebesfunken ins Herz gelegt. Lasse diesen Funken zur Flamme werden, und du liebst Gott und alle deine Mitmenschen! In dieser Liebe wächst der Geist und das Leben aus Gott in dir und du wirst innewerden, dass du ein anderer wirst. Dein Leben hat Inhalt und Wert, dein Inneres wird frei und froh, was dunkel war wird licht und du empfängst in dir die Beweise, dass du wahrhaft einem lebendigen Gott gehörst, da ja Gottesleben dir zu eigen wurde! Was kein Mensch je gesehen und gefühlt, wird in dir, in deinem eigenen Herzen Wahrheit!“

 

Andree spricht: „Ich danke dir, lieber Gottesbote, es bedarf keiner Worte weiter. Ich glaube auch, dass wir morgen Wasser finden werden. Aber lass es genug sein für heute, ich kann so viel Freude nicht vertragen. Nur um eins bitte ich deinen Gott, dass Er dieses Sein Leben mir nicht vorenthalten werde.“ Jakobus spricht: „Andree, sei versichert, wer Gott erfasst hat mit dem Herzen, ist angenommen von Ihm, für Zeit und Ewigkeit!“

 

Kaspar spricht: „Andree, hast du dir überlegt, dass du unsere Götter tief beleidigst. Hüte dich, so voreilig zu sein. Denke an unseres Nachbarn ältesten Sohn!“    Spricht Andree: „ Gut Vater, dass du mich daran erinnerst. Ich werde den Iwan holen, da es noch nicht zu spät ist. Einmal muss doch  die Zeit kommen, da die Wahrheit offenbar wird.“  Bittet Kaspar: „Bleibe, Andree, bringe nicht noch größeres Unheil über uns, es ist genug an dem Bestehenden.“  Spricht Andree: „Vater, mir ist so eigen, ich war immer ein guter Sohn, aber diesmal bleibe ich bei meinem Vorsatz, was meinst du, lieber Freund?“

 

Jakobus spricht: „ Handle nach dem Zuge deines Herzens. Übrigens bist du nicht Schuld an der Stummheit deines Freundes, sondern der Schreck war es, weil du versehentlich an den toten Götzen auf dem Sims gestoßen bist. Werfe deinem Freund alle toten Götzen vor die Füße im Namen des ewigen und heiligen Gottes, und der Schreck wird seine Zunge lösen. Glaube und handle, und du wirst die Kraft des Herrn erleben!“

 

Andree spricht: „ Freund, das wäre der volle Bruch mit all den Göttern und der Bruch mit den ganzen Nachbarn. Aber ich tue es, denn dadurch würden ja auch alle – auch mein Vater – von den toten Götzen befreit. Wenn dann noch das Wasser gefunden ist, hat es keine Gefahren mehr. Einmal muss doch die Wahrheit an den Tag kommen.“

 

 

 

 

 

Andree

 

 

Andree verließ eilends das Haus, Kaspar aber sagte: „ Wenn das gut geht, lieber Freund, denn mein Nachbar, Iwans Vater, hält auf seine Götter noch größere Stücke, denn ich.“

 

Spricht Jakobus: „ Du wirst noch manche Enttäuschung  an deinen Göttern erleben, aber sei deswegen unbesorgt um die Anderen. Wenn der ewige Gott dir Seinen Segen nicht geschenkt hätte, wäret ihr längst nicht mehr hier. Gott ist ja nicht nur Liebe, sondern auch Geduld. Und darum lasse dein Herz recht weit offen, damit du den rechten und neuen Geist aus Gott in dir aufnehmen kannst.“

 

Erwidert Kaspar: „ Lieber Fremdling, du redest mit einer Bestimmtheit, dass ich deinen Gott zu dem meinen mache. Ahnst du denn nicht, dass mich nichts von meinen Göttern trennen kann? Eher geht eine Welt zu Grunde, ehe ich anders denke.“ - „Du hast recht, Kaspar, deine Welt wird in Trümmer gehen. Verlassen wirst du sein von deinen Göttern, da sie nicht da sind. Dann wirst du mit Freuden die Hand des Heilandes Jesu ergreifen und wirst erleben die Liebe, die Gnade und die Erbarmung Jesu.“

 

Spricht Vera: „ Lieber Fremdling, nimm es meinem Kaspar nicht übel, er ist ein Dickkopf und nimmt nicht gern Belehrung an. Aber ich bitte deinen Gott für ihn, dass Er Seine Hilfe nicht zurück ziehe. Mit Freuden gäbe ich mein Leben, so Kaspar wieder ein froher Mensch wäre. Seit Iwans Unglück trägt er doppelt schwer.“

 

 „Mutter Vera, wer so liebt, wie du, trägt unbewusst das Heilandsleben in sich. Freue dich der Gnade des lebendigen Gottes! Bald wird dein Mund nicht laut genug rühmen können, was euch allen Gutes widerfahren ist.“

 

Salome, die Tochter, tritt zagend zu Jakobus und spricht: „ Du musst mir verzeihen, Fremdling, ich habe solche Angst um Andree, denn wenn Andree sich wirklich an den Göttern vergreift, dann gibt es ein Unglück. Du hättest Andree nicht auffordern sollen.“

 

Jakobus spricht: „ Salome, warum sperrst du dich auch für den lebendigen Gott, der nur Liebe ist und auch dein Bestes will? Nicht die Angst um Andree öffnet dir den Mund, sondern die Angst um Iwan. Was soll denn Gott tun, um euren Sinn zu ändern, oder glaubst du wirklich, dass deine Götter Iwan heilen können? Niemals, aber nun versichere ich dir, Iwan ist gesund! Eile hin zu ihm, damit du, die du an Iwans Leid den größten Anteil nimmst, auch die erste Freude erleben kannst.“

 

Nach wenigen Minuten kommt Andree zurück. Aufgeregt wie noch nie, spricht er:  „Freund komme, lass dich an meine Brust drücken, denn für das, was ich jetzt erlebt habe, gibt es keine Worte. O Du lebendiger Gott, warum lerne ich Dich erst heute kennen?“ Er drückt Jakobus stürmisch an seine Brust, schwieg dabei einige Minuten. Dann ging er zu seinem Vater und sagte: „ Vater, erlaube mir, dass ich unsere Götter hinaus in den toten Brunnen trage, der uns sowieso kein Wasser mehr gibt. Jetzt beginnt eine neue Zeit, eine Zeit des Lebens aus Gott, der da ewig und wahrhaftig ist!“

 

Kaspar spricht: „ Andree, du bist ein Narr geworden, lasse doch erst die Beweise sprechen.“ Andree spricht: „Vater, Beweise verlangst du noch, wo in mir alles zum Durchbruch drängt? Jeder Augenblick, den ich noch zögere, deucht mir Sünde gegen Gott. Vater, nun bitte ich dich, störe mich nicht in meinem Wirken, denn ich muss, sonst hätte ich jeden Anspruch an Gott verwirkt.“

 

Vera, die alles genau verfolgt hatte, sagte: „ Andree, so habe ich dich noch nie gesehen. Was ist in dich gefahren, wie sprichst du auf einmal gegen deinen Vater?“

 

„Mutter, Mutter, verzeihe deinem Sohn, so er in seinem Drang nicht die überzeugenden Worte fand, aber ich muss. Mir ist, als wenn durch mein Zögern ich euch an dem Glück, den lebendigen Gott kennen zu lernen, große Schuld aufladen würde. Komm, Krischan, hilf mir, wir beide haben immer die größte Sehnsucht nach Wahrheit gehabt.“ Spricht Krischan: „ Ja, Andree, wir machen das Haus rein, es ist genug geredet.“

 

Kaspar war wie gelähmt, als die beiden Söhne die toten Götzen von Simsen und Konsolen nahmen und hinaus in den Brunnen warfen, öfter mussten sie gehen. Als sie ihr Werk beendet hatten, tritt Andree hin zu Jakobus und spricht: „ Freund, das Haus ist gereinigt für deinen Gott, offenbare uns, wie Er der Unsrige werde.“

Jakobus spricht: „ Andree, in deiner Schwester Kammer befindet sich noch eine Figur. Beende auch dort noch das von dir angefangene Werk.“ – „ Davon weiß ich aber nichts“, erwiderte Andree, „aber ich will nachschauen, denn auf dein Wort hin tue ich es. Weißt du davon, Mutter?“ – „ Nein Andree, ich weiß auch nichts davon. Willst du nicht erst Salome fragen?“ erwiderte Vera. Da sagte Jakobus: „ Es ist wirklich so. Ganz heimlich verschaffte sich Salome diesen Götzen, den sie täglich bat, er solle Iwan die Sprache wieder geben. Hebe den Deckel von ihrer Truhe, dann kannst du dein begonnenes Werk vollenden.“

 

Andree ging, in wenigen Minuten hatte er die kleine Figur in den Händen und sagte: „Sehet,  wie wir Menschen noch so dumm sind. Ich könnte dieses in meiner Hand zerdrücken, und dieses sollte Iwan heilen? Ich verstehe dich, lieber Freund und Wohltäter, dass es uns Menschen größte Pflicht ist, das Leben zu suchen, wo es ist, nämlich im eigenen Herzen, und nicht in toten Dingen!“

 

Andree ging mit der Figur hinaus, in diesem Augenblick kommt Salome mit Iwan. Sie fragt Andree: „ Wo willst du noch hin?“ Da spricht Andree: „ Deinen toten Gott in den Brunnen werfen, weil er doch kein Leben hat. Wartet noch einen Augenblick, ich muss die Freude mit Vater und Mutter erleben.“ Spricht Salome: „ Andree, gib mir die Figur zurück, ich selbst will sie versenken, wo sie niemand mehr finden wird, denn damit begrabe ich auch meine Dummheit.“

 

Andree gibt dieselbe Salome zurück, nimmt Iwan bei der Hand, dann geht sie mit ihm zum Brunnen und wirft die Figur hinein. Gemeinsam treten sie ins Haus, da spricht Iwan:   „Große Freude lebt in mir, ich kann wieder richtig sprechen. Darf ich euer Sohn sein, der euch lieben wird, solange ihr noch seid? Ich liebe Salome und begehre sie als mein Weib.“

 

Kaspar spricht: „ Was ist mit dir geschehen, Iwan, du hast die Sprache wieder gewonnen, wie ging dieses zu?“

 

Iwan spricht: „ O, was soll ich sagen, Andree ist ganz aufgeregt. Er kommt in unsere Stube, Vater war gerade mit mir darinnen, da spricht er: `Herminus, wir haben einen lebendigen Gott, in Seinem Namen begehe ich den ersten Gottesdienst und opfere Ihm deine toten Götter`. Ehe mein Vater etwas sagen konnte, langt Andree über die Tür auf den Sims und wirft unseren Hausgott vor unsere Füße. Ich schreie auf vor Schreck, da kann ich reden und sage Andree, `was bedeutet das alles?` Da umarmt mich Andree und spricht: `Iwan, das größte Glück bedeutet dieses, nur die toten Götzen sind uns noch im Wege`. Ohne zu fragen, greift er nach den anderen Götzen. Da sagt mein Vater: `Andree, bist du in deinem oder in meinem Hause. Die Götter bleiben, sonst schlage ich dich nieder, wie du meinen Hausgott zerschlagen hast`.

 

Da sagt Andree: `Herminus, du hast recht, du musst selbst dein Haus reinigen von den toten Dingen, wenn dich der lebendige Gott mit Seiner Liebe und Gnade beglücken soll. Siehe, die wiedergewonnene Sprache Iwans ist Gottes erstes Werk unter uns. Morgen wird das zweite Werk Gottes offenbar werden: wir werden einen Brunnen graben, der nicht nur uns, sondern der ganzen Gemeinde gehören soll und uns allen zu einem dauernden Segen werden wird. In meines Vaters Haus ist ein Bote von Ihm eingekehrt. Die Heilung des Iwans geschah im Auftrage des wahren und lebendigen Gottes! `

 

Da betritt Salome unsere Stube, auch Mutter kommt aus dem Stall, da sagte ich: `Salome, nun ist der Weg frei, ich darf um dich werben! O, welch großes Glück, dass du gekommen bist!` Da spricht Andree: `Nun Salome gekommen ist, kann ich gehen, denn Salome kann besser die Wahrheit über den lebendigen Gott bekunden, wie ich`. Mein Vater ist stumm und Mutter nimmt Salome ans Herz, nun ist sie meine Braut.“

 

Kaspar spricht: „ Iwan, Iwan, mir ist alles wie ein böser Traum, ich weiß gar nicht, was ich denken soll, aber schau, ich vertraue dir Salome an. Denn dass Salome dich liebt, hat sie uns nie offenbart, aber dieser Fremdling tat es, denn er verriet, dass sie täglich ihren Gott für deine Heilung anflehte.“ Da drehte sich Salome um und sagte zu Jakobus: „ Woher wusstest du dieses? Habe ich es doch mit keinem Wort verraten, mein süßes Geheimnis.“

 

Spricht Jakobus: „ Mein und nun auch euer Gott offenbarte mir dieses. Und darum empfange du nun auch den Segen von dem lebendigen Gott für deinen Lebensbund, auf dass ihr als Gesegnete auch Segen verbreiten könnt. Du aber, mein lieber Hausvater, gib mir eine Kammer, ich sehne mich nach Ruhe, denn morgen sollt ihr alle die Herrlichkeit Gottes erleben.“ Jakobus ging, von Salome geleitet, in das Gemach. Die Familie aber blieb noch lange wach, denn Iwan hatte viel zu erzählen.

 

Ganz in der Frühe gingen die Kinder des Kaspars ans Werk. Zuvor aber holte man Jakobus und ließ sich die Stelle anweisen, wo gegraben werden soll. Da gingen sie, von Jakobus geleitet, an die Stelle und Jakobus sagte: „Hierher kommt der Brunnen, aber ihr müsst noch für einen Ablauf sorgen und eine Tränke für euer Vieh anlegen, denn es ist eine mächtige Quelle, die euch viel zu schaffen machen würde, wenn nicht zuvor ein Ablauf geschaffen ist.“

 

Da sperrte Kaspar seinen Mund auf und sagte: „ Mir wird Angst vor deinem Gott, wie werde ich dann bestehen können?“ – Spricht Jakobus: „ Ganz gut Kaspar, du wirst Ihn lieben und ein treuer Diener sein. Deinen Kindern aber ist Größeres beschieden, sie werden Seine Kinder werden!“

 

Sieben Stunden grub man, dann wurde das Erdreich feucht. Mit Eimern hatte man die ausgegrabene Erde in den alten Brunnen geworfen. Da sagte Jakobus, der auch tüchtig mitarbeitete: „ Jetzt Vorsicht, macht mit Steinen noch einen hohen Rand, damit niemand hinein fallen kann. Und hier lasset eine Öffnung zu dem Graben, in wenigen Minuten wird sich euer Glauben krönen! Du Kaspar, hole deine Freunde, deine Nachbarn, vor allem Herminus, der sich gegen den lebendigen Gott wehrt.“

 

Mit den Steinen des alten Brunnens war in kurzer Zeit die Umfassung fertig. Nachbarn kamen, schüttelten mit dem Kopf über die Dummheit des alten Kaspars. Als aber Iwan mit gewaltiger Stimme die Bemerkungen verbat, schwiegen sie und staunten, dass Iwan reden konnte. Mit vieler Mühe gelang es Kaspar, Herminus an den neuen Brunnen zu bringen.

 

Da sagte Jakobus: „ Liebe Freunde, ihr seid erstaunt über das, was sich hier abspielt. Kaspars Brunnen versiegt, in Kürze versiegen auch eure Brunnen. Eure Götter haben euch noch in keiner Weise geholfen, da sie auch nicht helfen können, denn sie sind ohne Leben!

 

Ich, Jakobus, bin ein Zeuge des alleinigen und wahren Gottes und bringe euch allen die Wahrheit über den wahren und ewigen Gott, der eure Not im voraus sah und nun mit Seiner Hilfe euch entgegenkommt! Ihr braucht diesen lebendigen Gott zu eurem Leben, und dass Er das Leben ist, wird euch dieser Brunnen beweisen! – Andree, stoße noch einmal tief in die feuchte Erde, im Namen des lebendigen Gottes, und mit dem Herausziehen deiner Eisenstange wird die Quelle laufen“.

Andree nimmt die schwere Stange, wuchtig stößt er im Namen des Heiligen Gottes. Da zieht er die Stange zurück und das Wasser spritzt viele Meter hoch. Der Brunnen füllte sich schnell, in kaum einer viertel Stunde lief das Wasser schon in den Ablaufgraben.

 

Jakobus spricht: „ Bringet einen Becher. Kostet nun das Wasser und betrachtet diesen Brunnen als das Geschenk, welches Gott euch allen gegeben hat! – Du aber, Du herrlicher Gott, habe Dank für all Deine Liebe und Treue, Amen!“

 

Da betrachteten alle – es waren an dreißig Menschen – das große Wunder und bestaunten das Wasser, welches sich inzwischen geklärt hatte. Krischan, einen Krug in den Händen, sagte: „ Jakobus, hier ist ein Krug, gib du als erster von uns von dem Brunnen, er heißt von nun an  Jakobus-Brunnen!“ Jakobus aber sagte: „Salome, gib allen von dem Brunnen zu trinken, denn du hast geglaubt, ohne zu fragen.“

 

Es tranken alle von dem wohlschmeckenden Wasser, da tritt Herminus zu Jakobus und sagt: „ Fremder, ich ahne Großes von deinem Gott. Was muss ich tun, um Ihn zu verehren?“

 

Spricht Jakobus: „ Herminus und ihr alle, höret! Dieser lebendige, für euch unbekannte Gott fordert viel, welches in dem besteht, dass ihr Ihm alle eure Götter opfert. Sonst aber bittet Er euch durch mich: Liebet Ihn und liebet euch, betrübet keiner den anderen und seid voll Erbarmung und Barmherzigkeit gegen die, die euch noch nicht ganz verstehen. Dieser Brunnen verpflichtet zu nichts. Er sei Eigentum der ganzen Gemeinde, wie auch der lebendige Gott das Eigentum aller werde! Nun aber geht wieder zurück in eure Hütten und kommet am frühen Abend, da will ich euch mit dem lebendigen Gott bekannt machen.“

 

Es blieben trotzdem noch einige, die das Wunder betrachteten. Dann kam eine Herde Schafe und Ziegen, welche das frische Wasser tranken aus dem Graben. Da sagte einer: „ Die Tiere wissen es auch schon und bleiben doch nicht stehen. Es wird besser sein, sich mehr um den unbekannten Gott zu kümmern!“

 

 

 

 

 

 

Iwan

  

 

Es war Abend geworden, die Arbeit war getan. Da kamen alle Männlein und Frauen mit ihren großen Kindern. Bei Kaspar ging es auf einmal recht enge zu, die Wirtschaft konnte fast niemand mehr aufnehmen. Als Letzter kommt Herminus mit seinem Weibe und bringt einen Sack, den er Jakobus vor die Füße stellt.

 

Da sagte Jakobus: „ Herminus, ich danke dir im Namen meines und auch deines Gottes, weil du als erster vor deinen Mitbewohnern dein Haus gereinigt hast. Krischan mag deine Götter hinaustragen. Rein soll in Zukunft Kaspars, wie auch deines und der anderen Häuser von den toten Götzen sein. Vernehmet die Botschaft, die ich euch allen zu übermitteln habe von dem wahren und ewig lebendigen Gott:

 

Ihr alle lebtet in einem Sein und Leben, welches Gott, der Ewige, allein wusste. Eure Tagesmühen lohnten auch nur mit dem Nötigsten, und eure Götter brachten auch keine Freuden, nur Opfer. Von nun an wird es anders sein. Mein ewiger Gott und Schöpfer Himmels und der Erde will der Eurige sein. Er hat längst vorgesorgt für alle eure Bedürfnisse, Er will euch allen sogar noch mehr geben, damit ihr auch den anderen, die zu euch kommen, von dem Segen reichen könnt. Alles ist Sein Werk, alles Seine Liebe, die euch schützt vor Not und schlimmen Zeiten, wenn ihr in treuer Hingabe und Glauben an Ihn, Sein Gebot der Liebe in euer tätiges Leben umsetzt!

 

Sehet Andree, euren Bruder, dieser wohl einer der Jüngsten unter euch, höret auf ihn, denn er hat Ihn, den wahren Herrn und Gott, am besten erfasst und Ihm geopfert sein Herz, er sei euer Priester. Du aber Andree, sei du der Diener aller. Lasse dein Herz offen für alle, die zu dir kommen, schließe es aber fest zu, so man dir dein Heiligtum nehmen möchte. Und nun erfahret die reine Wahrheit über Gott:

 

Gott ist Gott über alles Bestehende. Fremd und unbegreiflich wird euch Seine Allmacht, Seine Allkraft und Seine Herrschaft bleiben. Darum sandte Er Sein ewiges Wort aus Seinen Himmeln und wurde Fleisch. Als Jesus – den Menschensohn – lernten wir Ihn kennen, als Gottessohn offenbarte Er den in Ihm wohnenden Gott und nannte Ihn VATER. Angefeindet, verfolgt von den Priestern, die wohl Gott kannten, aber treulos handelten, brachte Er das größte Opfer: Sein Leben!

 

Vergessen war Sein Leben, Sein Lieben, Sein Wirken, von dem ihr gehört habt. Die Armen und Kleinen durften sich nicht dagegen wehren. Er wurde ein Opfer und in diesem Opfer der Retter aller, auch für euch! – Ja, staunt weiter über meine Worte! Sein vergossenes Blut ist die ewig zur Tatsache gewordene Wahrheit geworden, dass alle, die daran glauben, Eigentum des Sohnes Jesus werden, die Er Selbst vertritt vor Gott, Seinem Heiligen Vater!

 

Aber nun höret weiter: dieser Jesus verblieb nicht im Tode, sondern nach drei Tagen bekundete Er Selbst Seinen Sieg über allen Tod und hat das Leben zu Seinem ewigen Eigentum gemacht!

 

Hier fließet euer Brunnen, nie wird diese Quelle versiegen, er bleibt euch als Eigentum für euch, und die nach euch kommen. So, wie diese Quelle fließt, fließt auch Sein Leben euch zu! Wir taten nichts, als nur das Erdreich beseitigen, dass wir zum Quell stießen, so dass es fließen kann, allen zum Segen. – Beseitigt nun auch bei euch und in euch alles Erdreich falscher und toter Götter, dann wird in euch der Strom des wahren Lebens fließen und euch nähren und sättigen aus Seinem Geist, der Liebe und wahres Leben ist!

 

Liebe sei euer Leben, Liebe sei euer Streben und Liebe das Band, das alle umschlingt, weil in dieser Liebe Jesus, der Heiland und Erretter, euer Eigentum sein will. Reiniget eure Herzen, aber zuvor alle eure Behausungen, denn Jesus will euch ganz, damit ihr Ihn auch ganz besitzen könnet, zu eurem und aller Heil. So übermittle ich euch Seinen Segen und die Verheißung, dass Er sich weiter offenbaren wird durch Seine lebendige Gnade und Erbarmung.“

 

Sie schwiegen alle, kein Laut war vernehmbar in der vollen Stube. Da sagte Iwan: „ Verzeihe, Jakobus, wenn ich dich unterbreche, ich kann nicht mehr schweigen vor dieser gewaltigen Liebe. Mir brennt mein Herz vor Sehnsucht, diesem uns neu Gewordenen meinen Dank auszusprechen. In meiner Stummheit hätte ich das größte Opfer gebracht, um meine Sprache wieder zu gewinnen, und nun höre ich nichts von opfern, nichts von der Schuld, die ich zu begleichen habe, sondern empfange Segen Seiner Liebe. Ja, ich danke es diesem Gott, dass ich Salome als mein Weib an mein Leben binden kann. Wie kann ich ein froher Mensch sein in dem Bewusstsein, ein Schuldner zu sein? Sage auch darin die Wahrheit, du lieber Gottesbote und Menschenfreund.“

 

Spricht Jakobus: „ Iwan, und ihr alle, höret und vernehmet das Köstlichste, was ein Vater seinen Kindern geben kann:  Vor Ihm seid ihr befreit von aller Schuld, da ja Er Selbst das Lösegeld am Kreuze bezahlte und Sein Blut ist eure Freiheit für eure Seelen. Wenn ihr aber ganz in Seiner Liebe erwachet zum eigenen freien Leben, dann drängt Sein Geist in euch auch so zu handeln, wie Er handelte. Die noch Gebundenen machet frei, indem ihr ihnen helfet als Bruder! Die Armen und Schwachen traget, auf dass ihnen geholfen werde! Nur denen seid recht ernst, die den, nun euch gewordenen lebendigen Gott, wieder nehmen wollen. – Er ruft euch allen durch mich zu: Er will euer Vater sein, ihr aber sollt Seine Kinder werden. Bereichert euch an Seinem Heilandsleben, dann seid ihr schon Kinder hier auf Erden, bis fort in alle Ewigkeit, Amen!“

 

Am anderen Tage, schon in der Frühe, kamen einige, um noch einmal das Wunder zu beschauen. Unter anderem kam auch eine Mutter mit ihrem kleinen Kinde  mit bösem Aussatz im Gesichte. Jakobus, der sich zu der Gruppe gesellte, wurde von der Mutter gefragt, ob es wahr sei, dass dieser Heiland auch Kranke gesund gemacht habe.

 

Da sagte Jakobus: „ o Weib, warum fragst du, wo dich dein Herz drängt, den Heiland Jesu zu bitten, dass Er dir helfe. Ist Er nicht gekommen, um euch zu erlösen von allem, was euch drückt? Glaube, glaube und du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen. Glaube, dass dieses Wasser dein Kind heilen wird von diesem Aussatz, und Jesus wird dich nicht enttäuschen, denn Er ist Liebe und Treue denen, die Ihm in Liebe und Treue zu eigen sind!“

 

Ohne ein Wort zu sagen, ging sie hin an den Graben, wo das Wasser floss, wusch ihr Kind und sagte: „ Herr und nun mein Gott! Nicht, dass ich Deine Liebe prüfen möchte, sondern weil ich weiß, Du wirst meinem Kinde helfen durch dieses Dein uns geschenktes Wasser, denn was von Dir kommt, ist gut!“

 

Da fielen die eitrigen Geschwüre von dem Kindesgesicht, in wenigen Minuten war das Kind rein. Da kniete das Weib nieder und betete: „Herr und Gott, wie soll ich Dir danken für das Glück, welches mir geworden ist. Du hast mir alle Sorgen für mein Kind genommen und hast meinen Glauben gelohnt über alles Verstehen. Lasse Dich recht lieben und verlasse uns nie mehr. Denn nun wir die Wohltat Deiner Liebe erlebten, möchte ich nicht mehr ohne Deine Liebe leben. Habe innigen Dank, dass wir zu Dir beten dürfen!“

 

Da war es bei den anderen aus. Erst neugierig über dieses Wunder, besehen sie das Kind. Dann sagte einer: „ Ungern trennte ich mich von meinen Göttern, aber nun bin ich froh, dass ich doch dem Wunsch des Gottesboten entgegen gekommen bin. Du, Jakobus, möchtest du nicht gerne einmal in meinem gereinigten Hause einkehren?“ Spricht Jakobus: „ An meiner Einkehr ist nichts gelegen, denn mit dem Wegschaffen deiner Götter ist ja schon der Herr und Heiland bei dir eingekehrt. Ich aber werde weiterziehen, denn die Herrlichkeit Gottes sollen noch viele erfahren.“

 

So verging noch ein Tag im herrlichen Wirken, wo Andree nicht von der Seite des Jakobus wich. Reich belohnt im Herzen, nimmt Jakobus Abschied von allen und weiter drängt ihn der Geist im Dienst der ewigen Liebe.

 

Andree aber sagte: „Bruder Jakobus, ich habe mit Vater und Mutter gesprochen, ich bleibe mit dir noch einige Tage zusammen. Der Weg über das Gebirge ist beschwerlich, ich aber kenne jeden Weg bis an die Karawanenstraße, die nach Rakka führt. Vater wollte nicht recht, aber Mutter sagte, es wäre für uns alle das größte Geschenk Gottes, so ich mit dir noch länger zusammen bliebe. Ich müsste noch viel von dem wahren lebendigen Gott erfahren, wenn ich Priester sein soll.“ - „Du kommst meinen Wünschen entgegen, Bruder Andree, es wird dir und allen zum Segen gereichen, denn zu der Erkenntnis des wahren und lebendigen Gottes fehlt noch viel.“

 

 

Erlebnisse bringen Erfüllung

 

 

Die beiden wanderten schon zwei Tage, ohne in Berührung mit Menschen gekommen zu sein. Der Mundvorrat neigte sich dem Ende zu, da sagte Andree: „ Bruder, auch in dieser Nacht werden wir kein Dach über uns haben, denn wir haben uns etwas zu viel Zeit genommen, oder wollen wir die Nacht zum Tage machen?“

 

Spricht Jakobus: „ Andree, bereust du, dass wir auf dem Wege zögerten? Was du erfahren und aufnehmen konntest, ist anderen erst in Wochen möglich.“ Spricht Andree:   „Ach Bruder, nicht um meinet- sondern um deinetwillen war ich besorgt. Nun bin ich es aber nicht mehr, denn wahrlich, ich wünschte, ich brauchte mich von dir nicht mehr zu trennen.“

 

Spricht Jakobus: „Andree siehe, ich bin nur ein schwacher Diener Seiner Liebe, du aber darfst dich nicht an mich hängen, sondern der Herr allein sei dein Heil! Von Ihm wirst du empfangen das Licht, die Klarheit, wie ich es auch von Ihm empfange. Aber eins fehlt dir noch, die rechte Geduld! Gierig saugst du jedes Wort von mir in dir auf, als sei es das Wort des Herrn. Du musst aber auch bedenken, dass ich auch nur ein Mensch bin, dessen Seele auch noch an irdisches gebunden ist, wie du an irdisches gebunden bist. Ich fühle gerade das Bedürfnis nach Ruhe. So denke ich, wir bleiben hier bis zum Sonnenaufgang und die ewige Liebe wird uns geben nach unserem Sehnen.“

 

„Bruder Jakobus, ist die Sehnsucht, den Herrn und Meister einmal zu schauen, und sei es nur von ferne, Sünde gegen Seine Liebe? Ich kann mir nicht helfen, je mehr du mir erzählst von Ihm, der euch allen Herr, Freund und Bruder wie auch Heiland war, brennt in mir das Verlangen, nur einmal Ihn zu schauen und Sein Bild mir einzuprägen in mein Herz, das mir niemand mehr nehmen könnte.“

 

Spricht Jakobus: „ Andree, du nennst es Sünde gegen Seine Liebe, was dein eigener Geist dir gibt. Siehe, diese Sehnsucht ist der Beweis, dass sich dein Geist regt und deiner trägen faulen Seele Schwingungen gibt. Bis jetzt warst du in deiner Seele gebunden. Nun aber, wo dein Geist reger wird, liegt es an dir, zu erkennen, was von deinem Geist und was von deiner Seele kommt. Alles Seelische ist erdgebunden und bedarf einer großen Läuterung, damit es sich auf eine höhere Stufe stelle und sich ganz dem Einfließen des Geistes aus Gott in dir hingebe.“

 

Andree: „Bruder, wie ist das möglich, das ist ja eine ganz neue Lehre.“ Spricht Jakobus: „Nein Andree, du darfst dir kein falsches Bild machen, denn ohne den Geist aus Gott in dir bliebest du Geschöpf und dem Gesetz untertan. Der Mensch aber ist schon seit seiner Erschaffung berufen als Krönung alles Geschaffenen, er ist die höchste Stufe alles Geschöpflichen.“ Andree: „ Wieso, Bruder Jakobus, du verwirrst meine Gedanken, denn ich kenne mich als Mensch – als ganz armseliges Geschöpf.“

 

Spricht Jakobus: „ Bis heute, mein Bruder. Von nun an sei dir bewusst, dass du ein Träger zweier Welten bist! Alles Seelische ist eine Welt für sich und trägt in sich von allem Geschaffenen ein Teilchen. Dein eigener Geist aber trägt eine Welt in sich, die erst erschlossen werden muss durch die Gaben, die Gottes Liebe, Gnade und Erbarmung deinem Geist offenbaren. Eben darum wurde Gott Mensch, um Möglichkeiten zu schaffen, dass dem Geist aus Gott im Menschen wieder das Recht werde, Führer und Leiter zu werden in der erdgebundenen Seele, damit das Gebundene frei und der wahren Erlösung entgegen gehe.“

 

Andree: „Du sagst mir viel Neues, Jakobus, da sieht es bei mir, der ich Priester sein soll, noch böse aus. Es wäre besser gewesen, Iwan wäre der von dir bestellte Priester.“ Jakobus: „Andree, was der Herr will, sei dir angenehm. Fürchte dich dessen nicht, noch nie hat der Herr Unmögliches verlangt. Sei dir bewusst, der Herr ist bei dir.“ Andree: „Jakobus, diese Worte flößen mir Beruhigung ein, aber ich bin wirklich noch recht dumm.“ Jakobus:     Jesus lieb haben, allen Diener und Bruder sein ist mehr, denn alles Wissen! In der Liebe zum Bruder bereicherst du in dir deinen Geist, während du im größten Wissen deine Brüder vergessen könntest. So, nun wollen wir schweigen und Einkehr halten in uns, damit die Seele in der Ruhe sich labe an dem Reichtum des Geistes aus Gott in uns.“

 

Lange schwiegen beide, aber Andree kommt zu einer Ruhe. Er betrachtete Jakobus, der zu schlafen schien, aber die Augen nicht geschlossen hielt. Da sagte er: „Jakobus, in mir ist alles durcheinander, ich finde keine Ruhe in mir. Ein Gedanke jagt den anderen, ich finde keine Ruhe, habe gebeten, aber umsonst. An was liegt es denn, was habe ich falsch gemacht?“

 

„Du willst mit Gewalt erreichen, was nur mit Geduld möglich ist. Damit dir aber bewusst wird, was alles in deiner inneren Welt laufend vorgeht, will ich dir meine Hände auflegen, und du sollst wie von außen sehen die Vorgänge, die dich nicht zur Ruhe kommen lassen. Lasse es zu, Herr Jesus, Du lieber treuer Meister Du, dass dieser mein Bruder Dich und Deine herrliche Liebe erlebe, Amen.“ So legte er dem Andree beide Hände auf das Haupt, dann auf die Brust und sprach: „Im Namen des Herrn sei hellwach und hellsehend.“

 

Alles drehte sich um Andree. Jakobus verschwand, das Lager unter den Bäumen war nicht mehr. Er befand sich in seinem Vaterhause, das wie ausgestorben ihm vorkam. Er ging von einem Gemach in das andere, seinen Vater zu suchen, er fand ihn aber nicht. Als er hinten an die Ställe eintrat, die für die Reisenden waren, war viel Volks darinnen, die gar keine Notiz  von ihm nahmen. Ihre Sprache verstand er nicht, sie mussten verschiedene Zungen reden, denn als er einige ansprach, wurde er verwirrter, sie hatten ihn, er aber sie nicht, verstanden. Durch allerhand Gebärden konnten sie ihm verständlich machen, sie hatten Hunger und Durst. Schon wollte er sie in die Gaststube führen, da kommt sein Vater uns spricht: `Andree, lasse sie vorläufig im Stall, bis du sie verstehen kannst. Denn wisse, sobald sie einmal unsere gefüllten Kammern aufgefunden, ist alle Ruhe vorbei, denn diese sind noch reine Tiere.` Andree: `Aber Vater, sie haben Hunger und Durst, es wären die ersten, denen wir Wegzehrung versagten.` Kaspar: `Andree, diese sind keine Hausgenossen und ernten, wo sie nicht gesät haben. Sie sollen aber doch in deinem Hause nützliche Hausgenossen werden, dann wird ihnen nichts versagt werden, Denn wisse, nun bin ich nicht mehr der Herr im Hause, sondern du.`

 

Kaspar ging hinaus und wartete die Antwort gar nicht ab. Andree folgte, um mit dem Vater weiter zu reden, denn noch nie sagte er, dass er nicht mehr Haus- und Herbergsvater sein wollte, fand ihn aber nicht. Nun geht er in die Küche, wo Vera, seine Mutter, sich am Herd zu schaffen macht.

 

Andree :`Mutter, was ist denn mit euch? Vater sagt, ich sei der Herr im Hause, das geht doch nicht, ihr seid doch noch da.` Vera: `Es wird wohl gehen müssen, mein Kind, denn du bist nun unserer Pflege entwachsen und stehst auf eigenen Füssen. Wir bleiben trotzdem im Hause und werden uns an deiner Arbeit erfreuen, die ja allen zum Segen gereichen soll. Du hast das Haus von den toten Götzen gereinigt, aber deine Hausbewohner werden sie vermissen. Du musst dich nun bemühen, und ihnen Leben und Inhalt geben.` - `Wie soll ich dieses, Mutter, sie verstehen wohl meine Sprache, ich aber die ihre nicht, was gehen mich überhaupt die Fremden an?` - `Sehr viel, denn es sind keine Fremden, sondern sehr gute Bekannte, von denen du dich sehr schwer trennen wirst können. Bis jetzt hast du es freilich nicht gewusst, aber nun, da du selbst Hausvater bist, wird es Zeit, dich mit allem, was in deinem Hause vorgeht, vertraut zu machen.`

 

`Mutter hör auf, ich will nicht Hausvater sein, mir fehlt ja noch die rechte Erfahrung.` Vera: `Mein Sohn, freue dich der großen Aufgabe, die deiner harrt, denn hinter dir liegt die Zeit, die dich zu dem machte, was du heute bist, vor dir aber liegt ein großes heiliges Ziel. In deinem Hause soll man gerne einkehren und, wenn möglich, auch verbleiben.` Andree: `Ach Mutter, nun fängst du auch noch mit Dingen an, die ich nicht verstehen kann. Ich will doch lieber mit dem Vater reden.`

 

Wieder ging Andree hinaus, den Vater zu suchen, betrat wieder den Stall, wo die Fremden waren, sie aber waren nicht mehr da. `Ist auch gut, denkt er, sind vielleicht bei dem neuen Brunnen`. In der Hoffnung, den Vater dort zu finden, geht er hinaus an den Brunnen, aber niemand war da, als nur ein Fremder.

 

Andree fragt: `Bist du allein und wo sind die anderen hin?` Dieser aber sagt: `Noch bin ich allein, Andree, und warte auf dich, denn ich habe Durst nach langer Wanderung.` Andree: `Ja warst denn du mit den anderen nicht mit im Stalle? Wer bist denn du, da du meinen Namen kennst? Warum bleibst du am Brunnen sitzen und kommst nicht ins Haus?` `Andree, konnte und durfte Ich denn, wo man Mich noch nicht begehrte, denn wisse, es ist schwer, an verschlossene Türen zu klopfen. Darum setze ich Mich lieber an den Brunnen, denn der Quell erfrischt, ohne dass der Besitzer ein Opfer bringt.` Andree: `Fremdling, du sprichst eine traurige Sprache. Mir fällt ein, dass mein Vater hart und lieblos gegen solche war , die keinen Stater bei sich hatten. Aber das wird anders werden, denn nun bin ich Herr im Hause.` - `Andree , mit guten Vorsätzen wird der Hunger und Durst nicht gestillt, sondern mit der tätigen Liebe. Was weißt du von Hunger und Sehnsucht? Nichts, dein Leben ging in einer Form, was darüber hinaus war, ging dich nichts an. Denn wisse, ein Fremder kann mehr wie Hunger und Durst haben, er kann auch eine Bleibe suchen, aber welcher Herbergswirt fragt danach?`

 

`Daran habe ich noch nicht gedacht, aber nun komm, tritt ein in das Haus. Du bist der erste Gast, den ich begrüße. Ruhe dich gut aus, fühle dich ganz zu Hause.` - `Andree, würdest du Mich auch mit der Freude begrüßen, wenn Ich der Hundertste wäre, und du hättest viel Arbeit und auch Verdruss?  Denn wisse, in Ruhe und Frieden ist es leicht. Wie willst du aber bestehen, wenn du im notwendigen Kampf stehst? Es ist Not, die Sicherheit deiner Ruhe und das Bewusstsein, du kannst vor allem bestehen, weil dein Haus auf gutem Boden stehet.`

 

Andree: `Aber nun komm und stärke dich einmal, sonst vergesse ich noch bei den Reden, was ich meinem ersten Gaste schuldig bin.` Er ging in die Küche, niemand war da, nahm das Brot, füllte aus einem Schlauch einen Krug Wein und stellte es seinem Gaste hin. Dann holte er zwei Becher, schenkte ein und sagte: `Auf dein Wohl, mein lieber Gast, mag es dir zur Stärkung gereichen`. Andree reicht dem Gast einen Becher hin, da sieht er Nägelmahle an der Hand.

 

Der Fremde aber spricht: `Erschrecke deswegen nicht, lieber Andree, segnen kann man auch mit durchbohrten Händen. So segne Ich dieses Brot und diesen Wein, und diese Meine Liebe soll Erfüllung deiner Sehnsucht sein`.

 

Andree will rufen, da erwacht er und spricht: „Jakobus, was habe ich nur geträumt, ist denn dieses alles Wirklichkeit gewesen? Ich habe den Herrn gesehen, Er war mein Gast, warum musste ich aus dem Traum erwachen?“

 

„Es war kein Traum mein Bruder, sondern ein Blick in deine Welt, die dir bis heute fremd war. Habe ich dir nicht gesagt, du solltest die Vorgänge erschauen, die dir die Unruhe machen? Und nun wirst du fragen, was nützen mir die Erlebnisse, wenn ich sie mir nicht deuten kann. Um dir aber im voraus zu sagen, was es bedeutet, so wisse, ich habe die Vorgänge mit erlebt.

 

Dein Vaterhaus, gleichbedeutend deine innere Welt, ist der Schau- und Tummelplatz  vieler Bewohner. Es schaut aus, als wenn niemand im Hause wäre, da gehst du suchen und findest die Fremden im Stall, wo dieselben ihre Tiere unterbringen. Du verstehst ihre Sprache nicht, aber sie verstehen dich. Es bedeutet, dass dieselben schon lange deine inneren Bewohner sind, ohne dass du es wusstest. Du triffst deinen Vater, der dich belehrt, dass du der Herr im Hause bist. Er entspricht deinem in dir ruhenden Gottesgeist, der da hinweist, dass du alles in deiner Seele erkennen und in dir dienstbar machen sollst.

 

Fremd ist dir noch die Sprache deines Vaters und du kommst zu deiner Mutter, als Entsprechung, dass die göttliche Liebe in deinem Geist erwacht und Zuflucht bei der Liebe sucht und auch findet, obwohl du noch nicht recht begreifen willst ihre werbende und aufklärende Sprache. Unbefriedigt suchst du weiter, um den Vater  - deinen Geist in dir – zu befragen und gehest in die Kammern und Räume deines Hauses, findest aber niemanden mehr. Da drängt dich deine Unruhe hin zu dem Brunnen und begenest Dem, der dich längst erwartete und das andere kannst du dir leicht selber erklären“.

 

Spricht Andree: „Ich kann dich verstehen, Jakobus, bei deiner Erklärung ist mir vieles klar geworden. Aber um eins bitte ich dich, war der Herr auch eine Erscheinlichkeit, oder war Er Wirklichkeit? Schone mich nicht und sage mir die Wahrheit!“

 

„Andree, es war der Herr Selbst, denn wo der Herr einem jeden Erfüllung gibt, sendet Er keinen Vertreter! Sein herrliches Wort : `Siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende` findet täglich und stündlich seine Erfüllung!

 

Solltest du dich aber von Ihm trennen, dann muss Er sich auch von dir lösen. Im Augenblick aber, wo du dich mit Ihm wieder verbindest, ist auch alle Trennung vorüber. Denn siehe, das ist der Sieg aller Siege, Er lässt dir und allen Menschen die Freiheit! Der Herr ging in Seine Urheimat zurück und stehet doch in Seinem Geist jedem nach seiner Sehnsucht und Verlangen zur Verfügung. So wie du Ihn sahest, wirst du Ihn jederzeit sehen. Bist du in Leid und Schmerz, wird Er mit dir leiden, bist du in Freude, wird Er sich mit dir freuen und dein eigener Geist in dir nimmt die Eindrücke des Herrn in sich auf und sie werden fühlbar in deiner Seele. Nun aber ist die Zeit gekommen, wo du ruhen musst. Schlafe einige Stunden gut, denn der kommende Tag braucht ausgeruhte Menschen.“

 

Mit Sonnenaufgang wanderten beide in den werdenden Tag hinein. Eine Quelle spendete Labung und der Rest im Beutel wurde verzehrt.

 

Da fragte Andree: „Hast du keine Sorge um dein Mittagbrot, denn vor Abend kommen wir in keine Herberge?“ – „Nein, Andree, auf den Wegen des Herrn ist Sorgen überflüssig, ist Er doch unser Begleiter und Zuhörer! Ist Er doch der Geber von dem Herrlichen, was man erlebt, und darum ist man auch mit Ihm aller Sorgen entbunden. Er hat Engel in Überfülle, und auch Menschen und Tiere, die Er zu Seinen Diensten nutzbar macht. Freilich, wenn es der Mensch nicht merkt, was Gott in Seiner Fürsorge tut, sind auch alle Wunder überflüssig, denn Gottes Liebe muss ja allen Menschen ein Wunder sein.“

 

Beide wanderten im glühenden Sonnenbrand, ohne einmal zu ruhen, aber immerzu sprach Jakobus von dem herrlichen Heiland, von Seiner Geburt bis zu Seiner Auferstehung. Sie merkten keinen Hunger, keinen Durst, aber auch kein Bedürfnis, zu ruhen, bis nun Jakobus sagte:

 

„Andree, nun sei es genug, du bist angefüllt mit geistigem Brot in Hülle und Fülle. Bist du noch in einigen Punkten unklar, so frage, denn ich glaube, wir haben nicht mehr viel Zeit.“  Spricht Andree: „Jakobus, um was soll ich dich noch fragen, ist nicht jedes Wort eine Klarheit für sich? Die Schilderungen Seines Erdenlebens sind so ergreifend, ich glaube, ich werde sie in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen können. Aber du sagtest, wir haben nicht mehr viel Zeit, hat der Herr in dir gesprochen?“

 

„Nein Andree, mein Geist löst in mir das Gefühl aus. Denn wisse, würde in allen Dingen der Herr sprechen und Anweisungen geben, wäre dieses doch ein Zwang. Für mich, als einem Seiner Jünger, hätte es wenig zu sagen, aber viel für dich, da du dich ja selbst als Sein Kind entwickeln sollst und aus freier Liebe zu deinem himmlischen Vater werktätig sein sollst. Jünger und Knechte kann Er sich Selbst erziehen, aber freie Kinder nicht! Darum werde ganz Sein Kind. Alles, was du tust in diesem freien Kindesgeist, wird dem heiligen Vater ein herrliches Geschenk sein!“

 

Sie kommen an die Karawanenstraße. Weit reicht der Blick, von einem lebenden Wesen ist nichts zu sehen. Da spricht Andree: „In zwei Stunden kommen wir an eine große Herberge. Der Wirt ist ein geiziger Jude, der sich auch das Salz bezahlen lässt. Ich habe einige Stater bei mir, da wird er uns nicht abweisen.“

 

 

Bei Joram

 

 

Schon von weitem sehen sie die Herberge mit vielen Menschen und Tieren. Eine richtige Wagenburg hat man errichtet. Nun sie dort sind sehen sie, dass dieselbe bewacht sind, Netze sind über die Wagen gezogen. Als die Beiden in einen solchen Wagen schauen wollten, hindert sie der Wächter daran. Jakobus wusste sofort, hier sind Menschen gefangen.

 

Jakobus spricht: „ Komm ins Haus, Andree, ich muss klar sehen, alles andere wollen wir dem Herrn anheim stellen, denn umsonst lässt Er uns dieses nicht erleben.

 

In der großen Wirtsstube geht es toll zu. Fast alle Tische sind besetzt von laut sprechenden Menschen in fast allen Zungen. Sie suchen sich einen etwas ruhigen Tisch, da kommt auch schon der Wirt auf Jakobus zu und sagt: „Ist dein Wagen schon versorgt und deine Tiere? Ich habe dein Kommen überhört“. – „Wir sind zu Fuß gekommen und begehren für die Nacht ein Lager, wir müssen nach Rakka weiter“. – „Zu Fuß, das wird kaum möglich sein, denn es sind viele Wegstunden dahin und du bist nicht in Israel“.

 

Jakobus spricht: „Joram, lass das deine Sorge nicht sein, denn der Herr, der mich bis hierher führte, wird mich auch bis dahin bringen. Lasse uns etwas Brot, Salz und frisches Wasser bringen, denn dieses wirst du uns doch nicht versagen?“

 

„Nein, eine Wegzehrung ist frei, aber für morgen habt ihr dann selbst zu sorgen. Übrigens, ich habe dich noch nie gesehen, woher kennst du meinen früheren Namen?“  Spricht Jakobus: „Ich kenne dich auch nicht, habe dich auch noch nie gesehen. Aber ich weiß doch, dass du der frühere Priester Joram bist, dem der Zwang im Tempel zu Jerusalem nicht gefiel“. Spricht der Wirt: „Dann schweige, dafür kannst du so lange mein Gast bleiben mit deinem Begleiter“. Spricht Jakobus: „Nein Joram, auf dieses Geschäft gehe ich nicht ein. Sei aber versichert, dass ich in keinerlei Weise dir schaden werde, denn auch du bist, gleich mir, aus dem Stamme Davids“. Kopfschüttelnd schaute er Jakobus an, dann eilte er in die Küche, um selbst Brot und Wein zu holen.

 

In dem Tumult merkten die Gäste nicht, dass der Wirt die Beiden selbst bediente, wo dagegen die anderen von den beiden Töchtern bedient wurden.

 

Der Wirt hatte keine Zeit mehr, mit Jakobus zu sprechen, der Betrieb war zu groß. Auch weil es auf den Abend zu ging, wollten alle essen. Aber Jakobus störte es nicht, ihn beschäftigten die vielen Menschen. Er hatte sich mit dem Brot und dem Wein gestärkt, dann fragte er Andree, ob er die Sprachen verstehe, die da durcheinander gesprochen wurden. Andree verstand sie nur halb, aber dieses fand er heraus, römische Kaufleute waren es nicht, sondern Persianer und Juden. Hier wurde von den Persern Ware übernommen von den Juden, und umgekehrt.

 

Jakobus fühlte sich eingeengt unter den vielen Menschen. Ihm war so traurig zumute, am liebsten wäre er weiter gewandert, wenn es morgens gewesen wäre. Er verließ die Gaststube mit Andree, um sich in dem kleinen Ort etwas umzusehen, er musste eine andere Luft atmen. Es waren arme Hüttenbewohner mit einigen Ziegen, Schafen und Hühnern. Am Brunnen wurde das Wasser mit Eimern herausgezogen, und diese einfache Vorrichtung interessierte Andree. Die schweren Eimer wurden mit Leichtigkeit empor gezogen. So kamen auch zwei betagte Frauen Wasser holen. Andree zog ihnen das Wasser herauf und erbot sich, dasselbe ihnen in ihre Behausung zu tragen, und löste große Freude aus.

Er blieb lange, dann kommt er und bittet Jakobus, ihm doch zu folgen, da im Hause ein junger Mann liege, der dem Tode nahe sei. Als sie eintraten, waren die Bewohner vollzählig beisammen. Für sie war es ein Wunder, dass sich Fremde für einen Kranken interessierten, der auch ein Fremder war. Eine Karawane setzte ihn ab. Da der Wirt keine Zeit hatte, erboten sich die alten Leute, den Mann so lange zu pflegen, bis sie wieder nach hier kämen, was ungefähr einen Monat dauern könnte. Nun sei die Zeit längst vorüber, und alle Liebe und Arbeit sei doch umsonst gewesen, er müsse doch sterben.

 

Jakobus fühlte, hier ist menschliche Hilfe vergebens, wenn der Herr nicht hilft. So sagte er zu Andree: „Was fühlst du in dir, mein Bruder?“ – „Ach Jakobus, wenn ich doch dem armen Menschen helfen könnte, seine Augen blicken so bittend und treu“. Spricht Jakobus: „Ja, mein Bruder, warum zögerst du noch, wo du doch in dir den Zug des Heilandes fühlst. Der glaubst du, dass der Zug in dir, dem Armen zu helfen, aus deiner Seele ist? Verbinde dich doch ganz lebendig mit Dem, der immer bei dir sein will, und du wirst das Wunder Seiner Liebe erschauen!“

 

Da geht Andree hin zum Kranken, schaut ihn lange an. Mächtig arbeitet es in ihm, da geht er auf die Knie und betet: „Du Jesus, Du herrlicher Vater und Heiland, ich komme, Dich zu bitten um Deine Hilfe für diesen armen Bruder. Du hast mich Dich drei Tage erleben lassen, ich habe keine Zeit gefunden, Dir zu danken für das Große, was ich von Dir erlebte. Lasse mich Dich herzlich bitten, schenke mir Deine Kraft, dass ich Dich ganz verherrlichen kann, wie Du Deinen Vater verherrlichst hast! Durchdringe mich mit Deiner Kraft und gib diesem armen Bruder die Gesundheit wieder! – Ich fühle Deinen Strom, ich fühle Deine Kraft, ich sehe Dich, o mein Jesus. Du winkst mir zu, habe herzlichen Dank! Und du, mein armer Bruder, mein und dein Heiland will, dass du lebest!“

 

Da legte Andree beide Hände auf das Haupt des Kranken. Das Todesfieber wich und Andree sagte: „Im Namen Jesu sei gesund und Sein Leben werde das deinige. Stehe auf, dir ist geholfen!“

 

Der Kranke schaute ganz anders aus. Er erhob sich und sagte: „Wo ist der Schmerz und die Qual nur hin, ich bin ganz frei und wohlauf, wem verdanke ich diese Wohltat?“ Jakobus: „Nimm erst einige Bissen Brot und etwas Milch zu dir, dann sollst du alles erfahren“.

 

Die Bewohner staunten über diese Begebenheiten, sie konnten nicht die rechten Worte finden für dieses Wunder. Die alte Mutter brachte Brot und Milch, welches der Genesende auch sogleich verzehrte. Da sagte die alte Mutter zu Jakobus: „Dein Kleid sagt mir, du bist ein Jude. Diese sind verhasst bei uns, weil sie nur Bitternis brachten“.

 

Jakobus: „Nicht nur den Glauben an Menschen, sondern an Gott, den Wahren und Lebendigen, den ihr heute das erstemal richtig erlebt habt und Ihn nun auch kennen  lernen sollt“. Sagt die alte Mutter: „Wir haben genug von den Göttern, an die wir glauben und ihnen opfern sollen. Wir sind arm, wünschen auch nicht, dass wir mit Glücksgütern gesegnet sein wollen, wenn wir nur so viel haben, was wir zum Leben brauchen. Bei dem Herbergswirt freilich, da häuft sich der Reichtum, dafür werden sie aber auch immer geiziger. Nicht ein einziges Brot haben sie uns gebracht, aber Geld hat er viel bekommen“.

 

Jakobus: „Liebe Mutter, ist dir dein Herzensfrieden nicht mehr wert, als das Hasten und Jagen nach Gewinn? Auch meine Eltern waren arm, kam aber Geld ins Haus, dann war der Friede hin. Bist du nicht reicher, als der Wirt? Bedenke nun noch, dass ich dir die Bekanntschaft mit dem ewigen Gott vermittele, der diesem armen Bruder aufs Neue das Leben schenkte. Du bist an Alter dreimal so alt, wie ich, aber Erfahrungen über den wahren Gott habe ich tausend male mehr, wie du. Hast du, und ihr alle, noch nichts von dem Wunderheiland Jesus gehört, der in ganz Judäa die Kranken gesund machte, sogar Tote erweckte?“

 

„Gehört schon“, erwiderte die Mutter, „aber drüben der Wirt sprach nicht gut von ihm, da verlor ich jedes Interesse. Aber Ilonka kann erzählen, da sie oft zum Arbeiten geholt wurde in die Herberge“. Jakobus: „Also ist euch der Heiland doch nicht so ganz fremd!“ Ilonka: „Er wird uns fremd bleiben, weil er zu den Toten zählt. Gekreuzigt soll man ihn haben. Wenn du, als Jude, etwas von dem Gott der Juden bringen willst, da musst du weit ausholen, denn an den Juden haben wir noch nichts göttliches, sondern nur verwerfliches erfahren. Darum bin ich sprachlos, dass dieser dein Begleiter zu Jesus betete und im Namen Jesus unseren Kranken gesund machte“.

 

Jakobus: „Du freust dich doch am meisten, dass Veit nun wieder gesund ist, obwohl gerade du es an Liebe und Ausdauer nie hast fehlen lassen. Aber da du es als einzige bemerkt hast, dass Veit im Namen Jesus geheilt wurde, sollst du auch diejenige sein, die die Wahrheit am besten aufnehmen wird“. Ilonka: „Ich habe keine Lust, über Tote mich zu unterhalten, denn grausam ist der Tod und machtlos die Menschen“.

 

Jakobus: „Nicht so, Ilonka, der Tod ist nichts Schreckliches mehr, sondern nur ein Übergang in ein ewiges unvergängliches Sein! Unser aller Erdenleben, von der Geburt bis zur Sterbestunde, ist wohl ein Kampf, aber eben durch Jesus erhält alles eine andere Bedeutung. Jawohl, Jesus ist den Kreuzestod gestorben, aber am dritten Tage wieder auferstanden! Die dortigen Priester verbreiteten Gerüchte, die Auferstehung sei Lüge. Aber ich bin einer Seiner Zeugen und Seiner Jünger , die in Seinem Auftrag von Ort zu Ort ziehen, um die Botschaft zu verkünden: - der Tod ist überwunden und alles Leben wäret ewig durch den Heiligen Jesus! Wer an Ihn glaubet und sich an Seine Lehre hält, wird leben, aber ein Leben nach dem Tode, für das die Welt keine Worte hat, es zu beschreiben!“

 

            Ilonka: „Welches ist nun Seine Lehre, um an Ihn zu glauben, muss man Seine Lehre kennen“. Jakobus: „Nur Liebe soll alle Menschen beleben, und in dieser Liebe soll einer dem anderen dienen. Dies ist Seine ganze Lehre! Ehe ich an mich denke, soll ich erst an die anderen denken und mich bemühen, der Kleinste zu sein!“ Ilonka: „O weh, da hapert`s aber gleich, denn der Kampf um das bisschen Leben hat uns hart und für die Nächsten misstrauisch

Gemacht, du wirst wenig Freude bei uns finden“.

 

Jakobus: „Ich bin vom Gegenteil überzeugt, wenn ich euren Irrtum beleuchte. Bis jetzt lebtet ihr eure eigene Welt und hattet gar kein Verlangen nach euren Mitmenschen. Die Fremden brachten euch viel Verdruss und dieses macht euch noch verbitterter. Habt ihr euch jemals Mühe gegeben, die Fremden zu verstehen? Nein, kamen Kamelreiter und holten Wasser für ihre Tiere, da ärgertet ihr euch, weil es manchmal einen gab, der ein Flegel war. Aber daran habt ihr nicht gedacht, dass 99 Anständige  auf ihren freundlichen Gruß auch das Anrecht auf einen freundlichen Dank hatten.

 

Alle diese Menschen, die hier vorüberziehen, haben dasselbe Anrecht auf das ewige Leben, weil Jesus, der übergute Heiland, für alle, alle Menschen Sein Leben auf das Spiel setzte und Seiner Liebe die Krone aufsetzte, indem Er sich opferte für alle ihre Sünden!  Es geschah, wie ihr richtig vernommen habt. Was ihr aber nicht wusstet war dieses, dass Er lebt! Aber ein Leben, was unzerstörbar ist! Wir sahen Ihn, wir sprachen mit Ihm und sind auch jetzt mit Ihm verbunden. Ja, Bruder Andree sah Ihn, wie Er winkte, um dem Veit das Leben wieder zu geben!“

Spricht Ilonka: „Du Mutter, könnten die Beiden nicht bei uns bleiben, wir haben Platz genug? Jesus fängt an, mich zu interessieren und es wird Zeit zum Nachtmahl“. Die Mutter nickt und spricht: „Bleibet in dieser Nacht bei uns, dort drüben vermisst euch niemand. Wir sind auch euch zu Dank verpflichtet, weil alle Sorge um Veit in Freude verwandelt wurde“.

 

Spricht Jakobus: „Wir bleiben gerne, aber der Wirt hat uns als Gast aufgenommen und dort ist meine Anwesenheit wichtiger, als hier bei euch. Bruder Andree mag bei euch bleiben. Wenn ich weiter gezogen bin, wird er euch weiter unterrichten, denn ich gehöre nicht mir, sondern dem lebendigen Gott und Herrn, der uns durch Jesus offenbart wurde.

 

Um euch allen aber die Herrlichkeit Gottes zu beweisen, so stellt einen Krug frischen

Wassers aus dem Brunnen auf den Tisch. Der Herr wird ihn segnen und euch einen Wein geben, der euch überfröhlich machen wird. Alles weitere folgt, denn es drängt mich hin zu unserem Wirt. Komm, Andree, des Herrn Ruf ist geschehen, so geschehe auch Sein Wille, ihr aber seid gesegnet in Seiner Liebe!“

 

Eilig verlassen beide die armselige Hütte. Als sie aber in die Herberge kommen, hatte nicht einmal der Wirt das Fehlen gemerkt, denn es war wieder eine Karawane angekommen, mit vollgeladenen Wagen. Der Wirt hatte alle Hände nötig, um mit seinen Knechten und Töchtern die Menschen und Tiere zu versorgen. Ohne zu bestellen, wurde auch ihnen das Mahl, bestehend aus Fleisch, Gemüse und Brot, gereicht.

 

Da sagte Andree: „Bruder, ich glaube, dass wir hier völlig überflüssig sind, wir hätten doch bei den anderen bleiben sollen“. Spricht Jakobus: „Nein Andree, des Herrn Ruf ist erfolgt. Warten wir ab, es wird bestimmt etwas eintreten“.

 

 

 

 

 

Darius

 

 

Da kommen wieder frische Ankömmlinge, geführt von dem Wirt, und suchen einen bequemen Platz. Da sieht der eine den Jakobus an und spricht: „Beim Zeus, ich muss dich doch kennen, bist du nicht einer von denen, die mit dem Wundermann herumgezogen sind?“ Spricht Jakobus:“ Ja Herr, du hast recht, ich aber habe dich noch nicht gesehen. Unser Meister ist nicht mehr im Fleische, aber in Seinem Geiste wirke ich in Seinem Auftrage“. „Setzen wir uns hierher“, sagte er zu seinen Begleitern, „der Mann ist mir jetzt das Wichtigste“. Während sich die drei platzierten, schaute Jakobus den Mann an, dann kam die Erleuchtung.

 

Nach dem Abendmahl bestellten die Anderen Wein, auch für Andree und Jakobus. Dann sagte der Mann: „ Ich bin Darius, ein römischer Kommissar, und habe einmal im Gefolge des Statthalters ganz Judäa bereist, aber nur ein einziges Mal den Heiland und Meister gesehen, am See Genezareth. Leider rief die Pflicht, da war es nicht möglich, mich ganz zu orientieren, aber was ich hörte, war groß! Leider war der Abschluss dieses seltenen Mannes nicht erfreulich. Aber diese Gerüchte hören nicht auf, was geht denn  in Judäa vor?“

 

Spricht Jakobus: „Herr, große Dinge haben sich ereignet. Es ist in Wirklichkeit wahr, unser Meister starb am Fluchholz, aber Er ist wahrhaftig nicht im Tode verblieben und hat uns zu Sendlingen Seiner Lebenslehre gemacht“. Spricht Darius: „Man sagt, dies sei der größte Volksbetrug, darum liegt mir daran, Licht und Klarheit zu erhalten. Habe ich mit Juden gesprochen, wurde der Meister als Volksbetrüger hingestellt, redete ich aber mit meinen Stammesgenossen, klang es ganz anders. Bist du aber, nach deinen Worten, ein Sendling deines Meisters, musst du dieses auch belegen können. Siehe, hier ist meine Beglaubigung meines Kaisers mit allen erdenklichen Vollmachten, was kannst du aufweisen? Es ist mein Recht, dich danach zu fragen, obwohl ich den Nazarenern gut gesinnt bin“.

 

Spricht Jakobus: „Herr, ich kann nichts aufweisen als nur das, was mein Meister, Herr und Gott in mich legte, obwohl dasselbe auch in dir liegt. Es ist auch schwer zu beweisen, da ja der Glaube an den Meister und Seine Lebenslehre sich nicht auf Beweise stützen soll, anderseits ist es kaum möglich, den Gegner zu gewinnen. Wir, als die Sendboten Seiner Lebenslehre, handeln nur auf Geheiß des Meisters, Herrn und Gott, der uns jederzeit Anweisungen gibt, die ich in mir vernehme“.

 

Spricht  Darius: „Das ist mir neu, in dieser Art habe ich noch von niemanden etwas gehört. Du aber hast mich recht neugierig gemacht und hätte gerne gewusst, welche Anweisungen dein Meister für mich gibt?“ Jakobus: „Herr, es ist wenig und doch viel. In deiner Macht liegt es, den 19 Gefangenen die Freiheit wieder zu geben, die ein gewinnsüchtiger Händler hier verkaufen will“. Darius: „Was sagst du, es kann unmöglich wahr sein“. Jakobus: „Herr, noch nie hat mir mein Meister etwas gesagt, was nicht zugetroffen wäre. Dort links, am dritten Tisch, sitzen die Händler“. Darius: „Kannst du mir auch sagen, wo die Gefangenen sind, hast du sie gesprochen?“ Jakobus: „Ich habe sie weder gesehen, noch gesprochen, aber die Wagen sind es, die bewacht werden“. Darius: „Wenn deine Angaben stimmen, soll auch dein Meister zufrieden sein. Nun sage mir noch deinen Namen, deinen Worten bringe ich keinen Zweifel entgegen“. Jakobus: „Ich bin Jakobus, der Bruder des Menschensohnes Jesu, ein Jünger aber des Gottessohnes Jesu!“ Darius: „Es genügt mir. Bleibet ruhig am Tisch sitzen. Du Fabian, gehe hinaus ins Zelt, alle Mann haben sich sofort ohne Pferd zur Verfügung bereit zu halten“.

 

Darius geht hin zu dem bezeichneten Tisch, reicht den beiden Händlern die Vollmachten und bittet um ihre Ausweise. Die Beiden erschrecken, aber sofort fassen sie sich und holen ihre Ausweise hervor.

 

Darius, als er die Ausweise längere Zeit studiert hat: „Es ist aber nicht zu ersehen, welcher Art euer Handel ist. Habt ihr noch andere Schriftstücke bei euch?“ Levi, ein jüdischer Händler: „Herr, in meinem Wagen befindet sich alles Wünschenswerte, ich werde es gleich holen gehen“. Darius: „Nein, bleibe hier, meine Soldaten werden schon alles besorgen. Und, was wirst du sagen, Arnaut?“ – „Nichts“, erwiderte Arnaut, „ich kann dich bloß bitten, sei nicht allzu streng mit uns, denn für meine Ladung habe ich keinerlei Ausweise“. Darius: „Welcher Art ist dein Handelsgut?“ Arnaut: „Herr, persische Teppiche, Stoffe und 19 junge Menschen, denen ich eine Heimat und einen gütigen Herrn versprochen habe“. Darius: „Ich werde deine Angaben prüfen. Ehe ich mit euch weiter verhandle, wollen wir erst einmal die 19 Menschen herein holen“. Arnaut: „Herr, dein Wille geschehe, aber die Menschen sind in fast nacktem Zustand, Sklaven werden nicht anders transportiert“. Darius: „Ganz gleich, sofort herein holen. Aber du, Arnaut und du, Levi, ihr bleibet hier und verlasset das Zimmer nicht. Bitte, Fabian, rufe unsere Leute herein“.

 

Welch eine Aufregung in diesem großen Gastzimmer, zusammengedrückt sitzen die Anderen da. Der Wirt hätte etwas unternommen, aber es war zu spät. Es kommen an 20 Soldaten herein, da spricht Darius zu seinem Unterführer: „Niemand verlässt dieses Zimmer. Mit zehn Mann sicherst du die Wächter und bringst dann die Gefangenen herein, aber in dem Zustand, wie du sie antriffst. Behandle sie als Menschen, es sind unschuldig Gefangene“. Der Unterführer gab einige Anweisungen, teilte seine Leute ein, ließ sich Fackeln geben und eilte mit den anderen hinaus.

 

Es dauerte keine Viertelstunde, da kommt der Unterführer und spricht: „Herr, bestehst du darauf, die gefesselten Menschen herein zu bringen, sie sehen erbärmlich aus. Wir haben noch ein Zelt, darin könnte ich sie menschlich unterbringen“. Darius: „Du hast recht Humbert, tue, was dich dünkt, ich werde sie dann morgen in der Frühe vernehmen. Was hast du mit den Wächtern erzielt?“ Humbert: „Herr, sie sind froh, von uns abgelöst zu werden, denn sie hätten in jüdischen Tempeldiensten weiter verbleiben müssen, so sei es vereinbart“.

 

Darius winkt Arnaut zu sich und fragt: „Bist du bereit, die Wächter in deinen Diensten zu behalten, denn sie sind froh, nicht länger Wächter zu sein?“  Arnaut: „Herr, was du anordnest wird geschehen, ich habe nun keine Verwendung mehr für sie“.

 

Arnaut

Levi wird es eigentlich bange, die ganze Geschichte gefällt ihm nicht recht. Gut, dass er die Ware noch nicht übernommen hat, so hat er wenigstens keine großen Verluste. Aber warum darf niemand seinen Platz verlassen?

 

Von den brennenden Fackeln angezogen, kamen auch die Leute von den Nachbargrundstücken. Auch Ilonka und Veit kamen und wollten schauen, was in der Herberge los ist. Als sie hinkommen, werden sie von den Soldaten gefragt, was sie hier zu suchen hätten. Ilonka will daraufhin weggehen, aber der Unterführer spricht: „Halt, hier geblieben. Mag der Richter euch befragen, marsch hinein in die Stube. Betroffen betreten sie die Gaststube und erschrecken über die vielen Leute, die ganz ruhig da sitzen.

 

Da meldet der Unterführer dem Darius: „Hier sind zwei, die recht neugierig waren, ich mag aber keine Zuschauer vor den Gefangenen“. Darius: „Wer seid ihr und warum stehet ihr bei nachtschlafender Zeit vor der Herberge?“

 

Spricht Ilonka: “Herr, wir haben heute Großes erlebt, da blieb der Schlaf uns ferne. Dort, die beiden Männer, brachten uns das Erlebnis“. Darius: „Welches Erlebnis? Rede du, junger Mann, ein Manneswort ist wichtiger, als das eines Weibes“. Veit: „Herr, seit Wochen lag ich krank im Hause von Ilonkas Mutter, die der Wirt sehr gut kennt. Heute auf den Abend, besuchten uns die beiden Freunde, bringen mir volle Gesundheit im Namen eines gewissen Jesus  und beim Abschied der Beiden wird uns ein Krug reinen Brunnenwassers als bester Wein geschenkt, der uns in gute und frohe Stimmung brachte. Wir sahen vom Hause aus den Schein der Fackeln, da gedachten wir der beiden Freunde, und wollten schauen, was hier für ein Wunder geschieht. Dies ist alles“.

 

Darius: „Nehmt am Tisch der beiden Freunde Platz, ich möchte noch mehr erfahren. Bist du hier beschäftigt?“ Veit: „Nein, ich bin ein Viehtreiber, meine Heimat ist die Landstraße, ich gehöre zur Karawane Melchior. Bei einem Sandsturm wurde ich von rasenden Tieren fast zu Tode getreten, aber Melchior nahm mich bis hierher mit, der Wirt sollte mich gesund pflegen. Da aber in dieser Herberge doch nicht die rechte Ruhe und Pflege war, brachte man mich zu Ilonkas Mutter. Alles andere kann Ilonka erzählen“.

 

Ohne Aufforderung spricht Ilonka: „Ja Herr, es war so. All unsere Mühe und Pflege war nutzlos, von Tag zu Tag wurde der Kranke schwächer und heute wäre er gestorben, wenn uns nicht von den Beiden Hilfe geworden wäre!“ Darius: „Ich danke dir, Ilonka, aber sag, hast du gewusst, dass die Beiden dem Kranken helfen konnten?“ Ilonka: „Nein Herr, im Gegenteil, ich habe mich gewehrt, etwas von Jesus anzunehmen, da ich hier in diesem Hause viel Gutes, aber noch mehr Schlechtes von Ihm gehört habe. Nun aber bin ich in Ordnung und weiß, an wen ich zu glauben habe. Nicht, weil Veit gesund wurde, oder uns ein Krug Wein geschenkt wurde, sondern weil alles in mir umgewendet ist“.

 

Darius: „Mädchen, behalte diesen Platz am Tisch. Ich freue mich, dieses Zeugnis über Jesus zu hören. Nur über Veit bin ich noch nicht so recht im Bilde. Sag, war Veit wirklich so krank, dass ihr das Schlimmste befürchtet hattet?“ Ilonka: „Herr, seit Wochen pflegen wir ihn, aber mit jedem Tag wurde er schwächer. Wir konnten ihm nichts Besonderes bieten, denn wir sind arme Leute, und so erwarteten wir mit Trauer sein Ableben“.

           

Sich an Jakobus wendend spricht Darius weiter: „Lieber Freund, wertvoll ist mir dieser Bericht, aber trotzdem muss ich dich immer noch mehr befragen. Wie äußert sich eigentlich der von den Toten erweckte Jesus?“

 

Jakobus: „Herr, vor allem muss ich glauben, dass Jesus Christus, der eingeborene Sohn, allen Tod überwunden, und nun Leben über Leben ist, aber ein Leben, welches nicht mit dem Verstand, sondern in der vollen Hingabe an Christus Jesus gefühlt und erlebt wird. Dieses Leben schult mich, dass sich in mir trennt mein eigenes Ich vom Gottes-Ich. Alles, was sich vom Gottes-Ich  in mir offenbart, sei es, um helfend in der Liebe zu wirken, oder um Aufklärung oder Zeugnis zu geben, oder in geistige Sphären zu schauen, sind eben Mitteilungen von Jesus, meinem Meister, Herrn und Gott, dem ich unbegrenzt glaube und sofort werktätig umsetze. Denn aller Glaube ist tot und kann nur durch die Liebe lebendig werden. Diesen armen Bruder Veit habe nicht ich, sondern mein Begleiter Andree geheilt. Du siehst also, dass Jesu Geist durch alle wirken kann, wenn eben die Bedingungen erfüllt worden sind“. „Darius: „Das ist mir neu, wie lange kennt Andree den Heiland Jesus?“ Jakobus: „Kaum fünf Tage, aber in ihm ist wahrhaftig Jesu Geist lebendig geworden“.

 

Es tritt der Unterführer hin zu Darius und spricht: „Herr, ich habe die Überführung in das Zelt, welches ich aufstellen ließ, durchgeführt. Aber es sind Gewänder nötig für die Mädchen. Ich würde die jungen Mädchen, es sind ihrer 9, von den jungen Männern trennen. Sie alle scheinen sehr gutmütig und ängstlich zu sein“. Jakobus: „Herr, der Wirt hat Töchter. Er hat viel verdient in den Jahren, ihm würde es geringen Verlust bedeuten, so er die Mädchen bekleidete“.

 

Darius rief den Wirt zu sich und bat ihn, die 9 Mädchen mit Gewändern zu versehen, damit es keinen Anstoß errege, wenn sie sich frei bewegen. Spricht der Wirt: „Herr, sollen denn die Sklaven frei gelassen werden? Das ist ja gegen jeden Brauch, ich habe es noch nie erlebt!“ Darius: „Arnaut kann keinen Nachweis erbringen, dass sie ehrlich erworben sind. Aber willst du meiner Bitte kein Gehör geben?“ Spricht der Wirt: „Ich will meinem Weibe und meinen Töchtern Anweisungen geben, aber wie komme ich wieder zu meinen Gewändern?“

 

Spricht Jakobus: „Herr, es ist nicht mehr nötig, darüber zu sprechen, der Wirt bekleidet alle Gefangenen. Ilonka und Veit mögen mithelfen, damit es schneller geht. Und einen Verlust bedeutet es für den Wirt nicht, da Melchior mehrere Pfund Silber für Veits Pflege hinterlegte, deren Zahlung hinfällig ist, weil Ilonka und deren Mutter die Pflege aus purer Nächstenliebe taten“. Darius: „ Woher weißt du dieses, Jakobus, hat dir dieses dein Herr und Meister mitgeteilt?“

 

„Ja, sogar noch mehr. Ein Mädchen ist noch im anderen Wagen, die noch der Freiheit bedarf, denn unfreiwillig musste sie Arnaut folgen“. Darius: „Stimmt dies, Arnaut?“ Spricht Arnaut: „Herr, sie soll nicht verkauft werden, sie ist keine Ware, sondern“ – hier stockt Arnaut. Aber Darius spricht: „Warum redest du nicht weiter, hast du Angst vor die selber?“ Arnaut: „Herr, was soll mit mir werden, du lässt uns bewachen, lässt die Ladungen ausräumen und glaubst diesem jüdischen Menschen, was er sagt“.

 

Darius: „Du bist im Irrtum, mein Freund, ich habe lediglich mit den Gefangenen ein Ziel im Auge, an deiner Ware vergreife ich mich nicht. Dass nun dieser Jude im hellseherischen Zustand mir Manches mitteilt, was dir unangenehm ist, kann ich nicht ändern. Aber willst du nicht freiwillig diese deine persönliche Gefangene herein holen, Humbert mag dich begleiten. Ich gebe dir den guten Rat, versuche nicht, mich zu hintergehen, denn dann müsste ich mit ganzer Strenge vorgehen. Eben dieser Jude hat mich gebeten, dich zu bewahren vor den Galeeren“. Arnaut: „Herr, ich will das Mädchen holen, aber lasse Milde walten, es war das erste und letzte Mal, dass ich Menschen transportierte“.

 

Der Wirt ging in die Küche, Ilonka und Veit folgten. Dann ging Arnaut mit Humbert und brachte in wenigen Minuten ein Mädchen von auffallender Schönheit.

 

„Herr, hier ist das Mädchen, ich hatte die besten Absichten“, sagte Arnaut. Darius sagte mit ruhigen Worten: „Arnaut, wenn dieses Mädchen ganz freiwillig mit dir ziehen will, wird dir nicht das Geringste in den Weg gelegt werden. Es wäre besser, du würdest Vertrauen zu mir haben, denn ein gütiges Geschick führte mich hierher.

 

Ehe wir aber zu weiteren Verhandlungen schreiten, möchte ich von dir eine Auskunft erhalten, davon hängt auch viel für dich ab. Du bist doch weit und breit im Lande herumgekommen, du warst gewiss auch in Judäa. Hast du etwas gehört und erlebt von dem Wunderheiland Jesus von Nazareth, der große Wunder vollbrachte und einen schmählichen Kreuzestod starb – und hernach wieder auferstanden wäre?“ Arnaut: „Herr, gehört habe ich das Unglaublichste, gesehen habe ich noch gar nichts. Ich muss aber gestehen, ich habe den Gerüchten wenig Glauben geschenkt und mich nie darum gekümmert. Ich habe zu viel gesehen von den Priestern aller Gattungen und habe kein Interesse für die mannigfaltigen Götter“. Darius: „Du hast nie gehört von dem ewig wahren und alleinigen Gott, den ihr den Unbekannten nennt?“ – „Herr, wir sind Menschen der Landstraße. Zu was wäre uns ein Gott nütze, der doch unbekannt wäre. All die Götter sind nur da, um von uns Opfer zu erpressen“.

 

Darius: „Hast du schon jemals dem Unbekannten Gott ein Opfer gebracht? Wenn nicht, dann würde ich dich bitten, es zu tun und zwar, opfere deine Abneigung gegen das Göttliche und Erhabene. Wir Römer haben tiefst erkannt, dass alle Gesetze nur bestehen können, wenn sie von den göttlichen Gesetzen abgeleitet werden, darum will ich auch nicht nach den puren menschlichen, sondern nach göttlichen Gesetzen handeln. Freilich werde ich mich nach dir richten müssen, ob du gewillt bist, Göttliches anzuerkennen“.

 

Arnaut: „Herr, du hast die Macht, ich bin in deiner Hand. Deine Handlungsweise ist aber ein Zwang gegen meine innere Freiheit. Ich soll Göttliches erkennen, welches ich noch nie erkannt habe. Was ich von all den Göttern halte, will ich nicht sagen, denn es würde das Kreuz bedeuten, und der unbekannte Gott wird auch nichts anderes sein. Bringe mit einen Gott, der gütig und weise, liebreich und huldreich ist, dann werde ich der Erste sein in dieser herberge, der das größte Opfer zu bringen vermag“. Darius: „Ist dies dein Manneswort, Arnaut?“ – „Ja Herr, ich schwöre es bei dem Andenken meiner geliebten Mutter“.

 

Darius, sich an Humbert wendend, spricht: „Lasse deine Leute in das Zelt gehen, aber sie können auch hier bleiben, die Bewachung ist aufgehoben. Dich aber hätte ich lieber in meiner Nähe, da dich die weiteren Unterhaltungen auch interessieren werden. Aber zuvor bringe den Gefangenen die Botschaft, dass sie sich frei bewegen können. Es darf keinem der Zutritt in dieses Zimmer gewehrt werden. Mit dir, Arnaut, verhandle ich morgen, d.h. wenn es noch nötig sein sollte. Betrachte dich als freien Mann und als Gast dieser Herberge, aber hole mir den Levi an unseren Tisch, auch mit ihm habe ich zu reden“. Levi, der die Veränderung in der Gesinnung des Römers merkte, frohlockte innerlich. Als er aber an seinem Tisch Platz nehmen sollte, war es ihm einerlei.

 

Darius fragte das Mädchen nach Stand und Namen, diese aber war verschüchtert und getraute sich kein Wort zu sagen. Da sagte Arnaut: „Ludmilla, sprich ruhig, dieser Herr ist ein hoher Römer und ein Gesandter des Kaisers. Er ist dir gut gesinnt und will dein Bestes“.

 

Spricht das Mädchen: „Hoher Herr, ich bin Ludmilla, eines Teppichwebers Tochter, habe noch eine Mutter und noch mehrere Geschwister. Seit dem Tode meines Vaters ist es uns allen nicht gut gegangen, darum suchte ich ein Unterkommen bei meinem Onkel. Leider habe ich kein Glück gehabt, denn auch dort war die Sorge und die Not ständiger Gast. Da sollte ich mir mein Brot selber suchen und bin dabei zu Arnaut gekommen. Er versprach, mich unterzubringen“. Darius: „Schön Ludmilla, hattest du bisher Grund, dich zu beklagen über Arnaut, oder ist er dir einmal zu nahe getreten?“ Ludmilla: „Nein Herr, Arnaut war wie ein Freund und Beschützer, ich habe nur Grund, ihm zu danken“.

 

Darius: „Ich danke dir, Ludmilla, aber noch eine Frage möchte ich beantwortet haben. Möchtest du in Arnauts Dienste treten und ihn immer  auf seinen eisen begleiten?“ – „Nein Herr, unter diesen rohen Menschen möchte ich auf keinen Fall bleiben und Arnaut ist noch ledig. Ich sehne mich nach einem festen Heim“. Darius spricht zu Arnaut: „Also, mein Freund, mit Ludmilla wirst du wohl andere Verfügungen treffen müssen, denn ihre Antwort hast du ja gehört. Nun zu Levi sich wendend, spricht er weiter:

 

Levi

 

„Levi, was hattest du für Pläne mit den Gefangenen? Du brauchst mir nicht zu antworten, wenn du nicht willst, denn ich erfahre doch die Wahrheit, und zwar von dem Manne mit Namen Jakobus, der ein Bruder und Jünger des Heilandes Jesus von Nazareth ist“.

 

„Herr, wenn du dich auf den Nazarener oder Seinen Jünger berufst, dann bist du schlecht beraten, denn von einem Volksbetrüger und einem Tempelschänder ist ja kein Heil, sondern Unheil ausgegangen. Darum geschah es recht, dass Er am Kreuze endete“. Darius: „Levi, ist das Gesagte deine eigene Meinung, oder ist es dir übermittelt worden von deinen Stammesgenossen. Es ist nämlich das Merkwürdige: Frage ich deine Stammesgenossen nach Jesus von Nazareth, erhalte ich fast regelmäßig die ungünstigsten Antworten, frage ich aber Römer, Griechen oder andere, ist die Antwort das Gegenteil, nur Gutes erfahre ich dann. Nach deiner Antwort wäre auch Jakobus ein Betrüger und ein Schänder deines Glaubens. Wie kommt es aber, dass gerade heute im Namen Jesus ein dem Tod geweihter seine volle Gesundheit erhielt? Du hast mich schwer enttäuscht  durch deine Antwort. Rede nun du!“

 

„Herr, was soll ich reden, wenn sich ein hoher Römer noch von Belzebubs Künsten  breit schlagen lässt. Ich habe den machtlosen Nazarener gesehen, wie er unter dem Kreuze zusammen brach, in den Gassen Jerusalems, ein würdiger Vertreter Jehovas, das muss ich sagen“. Darius, sich an Jakobus wendend, spricht: “Nun Jakobus, was sagst du nun zu dieser Rede?“

 

Jakobus: „Herr, ich hätte die Macht, ihn zu schlagen mit Stummheit oder einem anderen Gebrechen, aber eingedenk der herrlichen Mahnung meines Herrn und Meisters, alles Schlechte mit Gutem zu vergelten, vergebe ich ihm, denn er ist ja blind in seinem Hass. Als er selbst noch Priester war, ist es sein bestes Geschäft gewesen, ja den Zehnten von allen einzuziehen. Als aber durch den Herrn und Meister viele zur besseren Einsicht gelangten, wurde ihm der Boden zu heiß, nahm sein Gold und Silber und wurde Handelsherr. Der Hohepriester weiß bis heute noch nicht, dass er ein Abtrünniger des Tempels ist, man hält ihn für tot“. Darius: „Jakobus, wie willst du diese Beschuldigungen beweisen, wir sind tief in Syrien, also weit weg von Jerusalem. Mir ist es aber zur Pflicht gemacht, über eines jeden Ehre zu wachen. Also bitte deinen Herrn und Meister, damit du gerechtfertigt aus diesem Kampfe hervor gehst, denn du stehest ja an Stelle deines Meisters hier!“ Jakobus: „Herr, verbinde mir die Augen mit dem Tuch, jetzt, in später Abendstunde  will ich den Beweis erbringen. Bestimme einen deiner Begleiter, und aus Levis Eigentum will ich mit meinen Händen den Beweis erbringen“.

 

Darius spricht zu Fabian: „Da bin ich neugierig, was da zu Tage gebracht wird. Es wäre schon des Wunder genug, unter den vielen Wagen Levis Eigentum festzustellen, aber nimm trotzdem ein Licht und sorge, dass Jakobus nicht gehindert wird. Nimm aber noch zwei Mann mit“.

 

Nun nimmt er ein großes Tuch und bindet es selbst dem Jakobus an die Augen, aber so, dass auch die Nase und die Ohren verbunden waren, nur der Mund war frei. Dann sagte er: „Nun gehe und rechtfertige dich“. Jakobus ging durch die Tische, als wenn er sehend wäre. Dann rief Fabian: „Halt, erst muss ich mir ein Licht besorgen“, da blieb Jakobus stehen. Bald war eine Laterne zur Hand. Ohne zu warten eilte er, gefolgt von Fabian, nach den Wagen der Karawane des Levis. Die Hüter protestierten, aber Fabian sagte: „Ruhe Leute, sehet ihr nicht, dass dem Mann die Augen verbunden sind. Er hat einen Auftrag auszuführen, ihr dürft zusehen, ihn aber nicht hindern“.

 

Jakobus ging an einen der Wagen, wo viele Kisten abgeladen waren, schob einige zur Seite, dann hatte er gefunden, was er suchte. Von einer großen Kiste löste er die Verschnürung, die viele Mühe machte. Dann öffnete er die Kiste und nahm einige Gewänder heraus und einen Pack, verschloss und verschnürte die Kiste wieder und sagt: „Lass uns gehen zu den anderen, damit die Ehre des Meisters wieder hergestellt werde“. Rasch eilte er voraus, dass kaum Fabian mit dem Licht folgen konnte, und brachte dem Darius die Gewänder und den Pack.

 

Darius, auf den Erfolg neugierig, ist erstaunt, in den Händen eine volle Priesterbekleidung zu sehen. Da sagte Jakobus: „Herr, überzeuge dich über diese Gewänder, sie sind Levis Eigentum. Nimm mir aber das Tuch wieder ab, dein Begleiter mag bezeugen, wie ich das gefunden habe“. Darius fragte Levi: „Erkennst du diese Gewänder als dein Eigentum an?“ Levi: „Herr, was heißt Eigentum, ich habe noch viele Gewänder, warum soll ich nicht ein Priestergewand mit mir führen?“

 

Fabian: „Darius, du hättest Jakobus sehen sollen, mit welcher Sicherheit und Schnelligkeit er in der Finsternis zu den Wagen eilte. Es waren mehrere Kisten abgeladen und die richtige musste erst frei gemacht werden, die Verschnürung war das einzige, was länger dauerte. Mit sicherem Griff nahm er die Gewänder und den Pack, verschnürte wieder die Kiste, und du siehst, was er in den Händen hat“.

 

Jetzt wurden alle in der Gaststube lebendig. Man sah Jakobus mit verbundenem Kopf hinaus und herein kommen. Man glaubte an einen Scherz, aber nun machte das Priestergewand doch ein Aufsehen. Sie umstanden den Tisch, ja einige traten sogar auf die Bänke, um alles übersehen zu können, und Darius ließ es zu.

 

Jakobus: „Herr, in diesem Pack ist der beste Beweis, es ist die priesterliche Kopfbedeckung. In dieser Kopfbedeckung ist ein Segensspruch seiner Mutter eingestickt. Er lautet: `Elis, halte stets den Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt, deine Mutter Elisabeth`. Da Levi nur ein angenommener Name ist, wird durch den Spruch auch sein richtiger Name bekannt, er hieß Elis, nach seiner Mutter Elisabeth“.

 

Darius: „Weißt du, Jakobus, dass man sich vor dir fürchten möchte, da dir alles offenbar wird? Ich glaube, dass es so ist, aber zuvor frage ich dich, Levi, trifft alles zu, was Jakobus sagt?“ Levi: „Was fragst du, hoher Herr, wenn du es weißt, es ist doch kein Kunststück, dieses Blendwerk der Hölle“. – „Unsinniger und Verblendeter, wie weit willst du noch mit deinem Hass dein Spiel treiben mit uns? Ich will wissen, ob alles das von Jakob gesagte zutrifft. Ich verlange ein Ja oder Nein“. Levi schweigt .

 

Da öffnet Darius selbst den Pack, es war so, wie Jakobus darstellte. „Levi“, sagte er, „Hier brauche ich nichts mehr zu sagen. Was du als Priester tatest, kümmert mich nicht, dass du aber unter falschem Namen mit Sklaven handelst, bringt dich auf die Galeeren. Darüber habe ich nicht zu entscheiden, sondern das römische Gericht. Wir Römer lieben Gerechtigkeit, ihr Juden aber liebt nur euch. Wärest du offen und wahr wie Arnaut gewesen, wir hätten Milde walten lassen. Den schönen Spruch deiner Mutter scheinst du nicht beherzigt zu haben, sonst wärest du Priester geblieben. – Fabian, lasse den Mann in ein Gewahrsam bringen, mich ekelt vor solchen Menschen“.

 

Das war ein Aufsehen unter den vielen Gästen, an Schlaf dachte niemand. Da sagte Darius: „Leute, gehet zur Ruhe, morgen ist auch noch ein Tag, und du Jakobus, bleibst noch lange hier, ich könnte dich gebrauchen“.

 

Der Wirt wurde nun freigebig, wie war er auf einmal besorgt um seine Gäste, ja er bot Veit an, er solle bei Ihm bleiben, aber Ilonka sagte: „nein, er bleibt bei uns“. Es wurde wenig geschlafen. Andree, der solches noch nie erlebte, war aufgeregt, aber Jakobus sagte: „Du darfst dich nicht wundern, denn wir stehen an des Meisters Stelle hier, da gilt es, den Meister zu verherrlichen.

 

Gleich am frühen Morgen kommt Arnaut zu Jakobus und spricht: „Mann, du bist ein Jude, warum ließest du zu, dass Levi zu schaden wurde, ich kann dich nicht recht verstehen. Ja, du mit deinen Beweisen bist ja direkt schuld, er ist doch ein Stammesgenosse. Jakobus: „Arnaut, du magst als Mensch recht haben, aber ich bin nicht von der Art wie Levi. Mein Leben gilt der Ehre meines Gottes, und meine Liebe gilt allen Menschen. Siehe, ich habe alles im Stich gelassen, um meinem ewigen Herrn und Gott zu dienen. Ich will nicht, dass Levi zugrunde gehen soll, sondern dass er lebe. Hätte er nur gestern Abend etwas Reue gezeigt, er wäre noch ein freier Mann wie du. Sein Vergehen ist nicht größer als das Deine, und du bist und bleibst ein freier Mann und wirst dein Eigentum behalten. Aber weißt du auch, wem du es zu verdanken hast? Nur Jesum, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.

 

Dass der Mensch Fehler macht, ist nicht zu ändern, aber Fehler nicht einsehen wollen und Behauptungen aufstellen, die die Fehler noch zu Tugenden machen, ist gewagtes Spiel. Levi weiß als Priester mehr, wie du ahnst, aber seine Geldgier, sein Geiz und Hass ließen es nicht zu, dass die Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit auch in ihm Eingang finden konnte. Noch ist nichts verloren, an ihm liegt es selbst, denn mein Herr und Gott hat nicht Gefallen am Tode der Sünder, sondern dass ein jeder lebe und volle Erlösung empfange!“

 

Arnaut: „Mann, du redest von einem Herrn und Gott, andermal von einem Heiland, der dein Meister ist, wie soll ich dich verstehen? Ich habe die ganze Nacht nachgedacht, bin aber zu keinem Ziele gekommen. Wer ist dein Gott, und wer ist dein Meister? Ist es etwa Jesus, der Wundermann, denn kein anderer könnte ja in Frage kommen. Aber sein Tod am Kreuze, wie soll ich das in eine Ordnung bringen?“

 

Jakobus: „Arnaut, hast du nicht gehört von dem Römer wie er sagte, ich stände an Stelle meines Meisters? Du hast gestern Abend beim Andenken an deine Mutter geschworen. Du hast deine Mutter heiß geliebt, sag, lebt deine Mutter noch in dir, oder ihre Liebe, oder ihr Geist?“ Arnaut: „Ihre Liebe wird immer in meinem Herzen fortleben, denn sie war die beste aller Mütter“.

 

Jakobus: „Siehe Arnaut, wie deiner Mutter Liebe und Leben dich belebt, so belebt mich Jesus von Nazareth, der unser Meister war. Nur mit dem Unterschied, deine Mutter ging ein in die Ewigkeit und lebt in deiner Erinnerung, und du bleibst der selbe wie du warst. In mir lebt aber Jesus nicht in Erinnerung, sondern als Kraft, Liebe und Leben, denn Sein Eingang in die Ewigkeit öffnete allen Menschen die Tore zu ewigen Leben, da Er Selbst das Leben ist! Sein Tod ist unsere Geburtsstunde ins Leben! Und durch Seine Auferstehung ist dem Tod alle Macht genommen. Es wird für Ewigkeiten keinen Tod mehr geben, sondern nur ein Verwandeln“.

 

Arnaut: „Das ist mir zu viel, da kann ich dir nicht so recht folgen. Aber sage mir, wie konntest du im Finstern alles so finden? Ich stehe vor einem Rätsel“.

 

Jakobus: „Arnaut höre, mein Meister ist Licht und Leben, was ich tue, geschieht auf Drängen Seines Geistes in mir. Als das Tuch meine Augen bedeckte, war um und in mir hellster Tag. Seine Stimme vernahm ich in mir, und so war alles so einfach, als wenn du bei hellstem Tage in deinem Eigentum etwas suchst. Wir sind heute und morgen noch zusammen, da wird dir volle Klarheit werden. Aber wenn du von mir einen Rat annehmen willst, so suche Darius recht bald auf, denn das weißt du aus Erfahrung, die Römer arbeiten gründlich“.

 

Arnaut: „Ja, was soll ich bloß mit den vielen Menschen machen, die mich die vielen Pfunde Silber gekostet haben, ich weiß ja gar nicht, wohin damit. Dann bin ich ja auch gar nicht auf die Ernährung eingestellt, die wollte ja Levi übernehmen“.

 

Jakobus: „Stelle sie doch dem Römer zur Verfügung. Dein Silber ist freilich verloren, dafür aber gewinnst du einen lebendigen und wahren Gott, der dir aus Seiner Liebe und Gnade neue Wege und ewiges Leben anbietet. Lasse doch einmal alle materiellen Dinge laufen und halte dich vorerst an Göttliches, d.h., wenn du willst. Denn Gott ist wohl die reinste Liebe, aber Er zwingt keinen, auch Levi nicht.

 

Da schau, dort kommen schon deine Sorgenkinder. Sie werden Hunger haben und wissen mit ihrer Freiheit nichts anzufangen“. Arnaut wies sie alle in die Wirtsstube, die noch  leer war. Die Treiber und Wächter hatten mit ihren Tieren zu tun, die Soldaten waren bei ihren Pferden und die anderen in ihren Gemächern.

 

In der Küche war die Wirtin mit ihren Töchtern. Da ging dann Arnaut, als sich die 20 platziert hatten, in die Küche und bestellte ein Morgenmahl, bestehend aus Brot und Suppe, und setzte sich dann zu ihnen. Als sie sich gesättigt hatten, fragte er, ob sie noch ein mehreres brauchten. Sie schwiegen, aber ein Jüngling sagte: „Herr, wir sind frei gelassen worden, was ist nun unser Schicksal? Wir brauchen einen Herrn, der uns Brot und Arbeit gibt, sind wir schon am Ziel?“ – „Nein, es wird anders über euch verfügt werden, denn der Herr, der eich übernehmen sollte, ist ein harter, strenger Herr. Ihr aber sollet einen guten Herrn erhalten, dieses ist mein Wunsch. Sorget euch vorerst nicht, sondern bleibet recht ruhig, über euch wacht ein guter Stern“.

 

Arnaut fragt nach den Gemächern des Darius. Als er sich hinbegeben wollte, kommt gerade Darius mit Fabian. Die Begrüßung war kurz, aber herzlich. Da sagte Arnaut: „Herr, gerade wollte ich zu dir. Die 20 Menschen liegen mir am Herzen, die versorgt werden müssen, ich weiß nicht, wohin mit ihnen“.

 

Darius: „Auch mir geht es so, wenn ich daran denke, dass sie keine Heimat mehr haben, entrechtet und der freien Willkür hartherziger Herren ausgesetzt sind. Da möchte ich jeden, der mit Sklaven handelt, selbst zu einem Sklaven machen. Darum ist das Gesetz scharf gegen die, die ohne die Zustimmung der römischen Behörden mit Menschen handeln. Darum frage ich dich, Arnaut, seit wann handelst du mit Menschen?“ – „Herr, es ist das erste mal, auf Drängen des Levi tat ich es. Ich war mir gar nicht bewusst, welches Vergehen ich eigentlich beging, mir sind erst heute Nacht die Augen richtig aufgegangen“. – „Was gedachtest du nun mit den vielen Menschen zu tun, du hast doch keine Abnehmer“. – „Herr, ich weiß es nicht, am liebsten würde ich sie deiner Liebe und Fürsorge empfehlen, denn dann hätte ich Gewähr, dass sie gerechte Herren bekämen“. – „Wenn es dein Wunsch ist, wird sich schon ein Weg finden, vorerst will ich mich mit den Leutchen etwas unterhalten. Hast du Jakobus und seinen Begleiter schon gesehen? Ohne seinen Rat möchte ich eigentlich nichts unternehmen“. – „Ich sprach mit ihm, nur kann ich ihn nicht recht verstehen, denn was er sprach ist etwas ganz Neues“.

 

„Arnaut, danke du dem ewigen Gott, dass Er es so fügte, dass Sein Jünger hier ist, denn du und Levi hättet die ganze Schwere des Gesetzes tragen müssen. Der Auferstandene Jesus, den ich nur ein mal sah und hörte, hat in mir meinen Sinn gewandelt und mein Herz bewegt, dass ich euch die Hände reiche und ihr gute Staatsbürger und fühlende Menschen werden könnt. Leider hat Levi keinen Sinn für Ehrlichkeit und Nächstenliebe“. – „Herr, wenn ich nochmals versuche, ihn umzustimmen, würdest du Milde walten lassen?“ – „Aber gerne, Arnaut, aber ich zweifle, dass es fruchten wird, der Mensch ist blind in seinem Hass und bar aller Nächstenliebe. Versuche es immerhin“.

 

Jakobus ging mit Andree hinüber in die Kate der Ilonka, die beim Morgenbrot saßen. Wie freuten sich die armen Menschen über Jakobus.

Die alte Mutter weinte vor Freude und drückte ihn einige male an ihre Brust und sagte: „O du Liebes- und Freudenbote, wie sonnig hat der heutige Tag begonnen. Veit will hier bleiben, Ilonka liebt diesen Menschen längst  , obwohl sie wusste, er wird sterben, und nun diese Freude. O erzähle noch etwas von diesem wunderbaren Heiland, der solchen Sonnenschein in unser Haus und in unser armseliges Leben brachte. Wo ist die Sorge und die Not? Hinweg hat Er sie genommen. Darum ist die Sehnsucht nach Ihm groß und wir möchten noch sehr viel von Ihm wissen“. Jakobus: „Mutter Rake, dein Wunsch wird erfüllt werden, doch nicht in diesen Morgenstunden, sondern heute Abend. Ich möchte nur mit meinem Bruder Andree das Morgenmahl mit euch einnehmen, denn drüben wird es mir zu bunt“.

 

Zu gerne brachte Ilonka Brot und Milch, als aber Jakobus betete: „O Jesus, Du treuer herrlicher Vater, wir danken Dir für Deine Liebe, Güte und den sichtbaren Segen. Erfülle mich mit der ganzen Liebesglut und Deiner Lebenskraft. Sei bei uns, um uns und in uns und segne uns dieses Mahl, damit wir zum Segen aller werden. Deine Liebe sei unser Leben und unsere Liebe Deine Freude, Amen“.

 

Da weinten sie, denn auf einmal schauten sie alle, in der Tür stehend, den segnenden Heiland und Herrn. Rake wollte aufstehen und hineilen, da verschwand der Herr. Da sagte Jakobus: „Nun haben eure Augen Ihn gesehen, Er ist immer noch hier und nimmt Teil an eurer Freude. Freuen wir uns dessen, denn freuen ist danken“.

 

 

Bei Rake

 

 

Darius und Fabian nahmen am Nebentisch Platz. Arnaut bat um die Erlaubnis, mit Levi zu sprechen, sein Inneres drängte ihn, da erlaubte es Darius. Inzwischen kamen aber auch die Treiber und Soldaten, die ihr Morgenbrot verzehren wollten. Da wurde es bald lauter und lauter in der großen Wirtsstube. Darius war bald fertig mit seinem Morgenbrot, dann besprach er sich mit den befreiten Menschen, vor allem mit Ludmilla, die einen freien offenen Blick hatte.

 

Da sagte Darius zu ihnen: „Ich wüsste schon einen Herrn, er wohnt weit weg von hier. Aber nicht als Sklaven würdet ihr dort sein, sondern als ganz freie Menschen. Nur eins hält mich noch zurück, euch dort hin zu senden: ihr seid Menschen, die tote Götter anbeten“. Spricht Ludmilla: „Herr, ich habe noch nie gehört, dass unsere Götter tot sind, im Gegenteil. Die Priester machen uns angst und bange, weil die Götter furchtbar zornig werden können. Zu wem betet denn der Herr, den du für uns wüsstest?“

 

Darius: „Höret, was ich euch sage, jener Herr betet zu dem wahren und lebendigen Gott, den eure Priester den Unbekannten nennen. Ich kenne den wahren und lebendigen Gott, Er ist Liebe, Liebe und wieder Liebe, und die Menschen, die zu Ihm beten, sollen auch Liebe und immer mehr Liebe werden! Darum ist dieser Herr, wie es Sitte ist, kein Herr, sondern ein Vater, dem das Wohl aller seiner Knechte und Mägde am Herzen liegt“. Ludmilla: „O muss das schön sein, lieben dürfen und geliebt zu werden ist meines Herzens Sehnsucht. Mein Leben gäbe ich, wenn es nötig wäre, um der wahren Liebe willen. Herr, nenne mir den Ort und den Herrn, ich möchte zu ihm gehen“. – „Ich auch, ich auch“, sagten die Mädchen.

Einer aber spricht: „Herr, lehre uns den lebendigen und wahren Gott. Am Eifer soll es bestimmt nicht fehlen, denn unsere Götter sind uns längst fremd geworden“. Darius: „Hört, ich kann es nicht tun, aber heute noch mache ich euch mit einem Boten des lebendigen Gottes bekannt. Bis dahin seid ihr ganz frei und Gäste dieser Herberge. Bleibet aber zusammen, damit ich euch habe, wenn ich euch brauche“.

 

Darius und Fabian verlassen den Raum. Da kommt eine der Töchter, die da bediente, und spricht: „Herr, Herr, mein Vater möchte euch gerne sprechen, aber unter vier Augen, er hatte eine schlaflose Nacht“. – „Wo ist dein Vater“, fragte Darius. „In seiner Kammer, er ist voller Verzweiflung“, antwortete das Mädchen, „so habe ich ihn noch nie gesehen“. – „Führe mich hin zu ihm“, spricht Darius. Da ging das Mädchen voran, Darius folgte.

 

In einem schönen Wohnraum erwartete der Wirt den hohen Römer. Da spricht er langsam: „Herr, ich habe dich rufen lassen, ich möchte mich dir anvertrauen. Die Sache mit Levi ist mir sehr nahe gegangen“. – „Wieso“, fragte Darius, „du hast doch nichts mit ihm zu tun, oder arbeitest du mit ihm Hand in Hand?“ – „Nein Herr, aber es ist etwas anderes, nämlich ich bin auch Priester gewesen und dem Tempel untreu geworden. Ich konnte das verbrecherische Treiben der Oberpriester und des Hohenpriesters nicht länger ertragen“. – „Welches verbrecherische Treiben meinst du? Wollte man dich zwingen, ein Verbrechen zu begehen?“ – „Ja Herr, wir Priester und Diener sollten Jesus von Nazareth, an dem viel Volk hing, unschädlich machen. Da nahm ich mein Gold, Silber und alle meine Kostbarkeiten, und floh aus dem Tempel und baute mir ein anderes Leben auf. Durch bezahlte Boten ließ ich mein Weib und meine Töchter holen und wir führen nun ein Leben, wie die Heiden“.

 

„Was du tatest, musst du selbst mit dir abmachen und sehen, wie du mit Gott fertig wirst. Eine ungesetzliche Tat hast du dir nach unserem Gesetz nicht zuschulden kommen lassen, höchstens, dass der Tempel zu Jerusalem sich an dir rächen wird, und da gibt es ein Mittel: werde römischer Staatsbürger. Dass du Jesus von Nazareth kein Leid antun wolltest, und deswegen dich vom Tempel frei machtest, ist ein Milderungsgrund, der alle deine Vergehen, deinen Geiz und auch deine Hartherzigkeit in einem anderen Lichte erscheinen lässt. Ich hoffe, du wirst dieses einsehen, und als römischer Untertan ein vorbildlicher Herbergsvater werden, und Vieles gutmachen, was sich gutmachen lässt, oder hast du dich am Menschenhandel beteiligt?“ – „Nein Herr, ich liebe Gold und Silber, aber so weit ist es noch nicht gekommen. Ich verspreche feierlich, meine Hände sind rein von diesem Fluch, nur meinen Namen trage ich zu unrecht“. – „Lege deinen Namen ab und sei ab heute wieder der selbe, der du warst. Zwingen kann ich dich nicht, und auch kein Gesetz, wieder Priester zu werden“. – „So will ich ab jetzt wieder Joram heißen und römischer Untertan sein“.

 

„Es sei, im Namen des Kaisers wird dir Fabian das Schild an deine Tür heften. Was hinter dir liegt sei begraben, vor dir liegt ein Leben in Pflichterfüllung und Ehrsamkeit! Dann sei dir bewusst, dass die neue Lehre jenes Nazareners keinerlei Schwierigkeiten erfahren darf, es ist der Wille des Statthalters“. Joram: „Herr, ich danke dir, du nimmst alle Last von meinem Herzen und hast mich zu einem freien Menschen gemacht“. Darius: „Joram höre, danke mit den Händen und mit den Füßen. Ich sehe so viel Not und Elend, dass es einen jammert. Aber nun komme und führe mich zu dem Menschen, der dem Tode geweiht war und nun gesund ist, ich möchte ihn sprechen“.

 

Als Jakobus und Andree das Morgenmahl bei den armen Leuten eingenommen hatten, sieht Rake den Wirt und die Römer kommen. Sie sagt: „Ja seit wann kommen denn die Männer zu uns, wollen sie Veit holen?“

Da tritt Joram ein und spricht: „Rake, zwei Römer möchten in deinem Hause einkehren, hast du etwas dagegen?“ – „Nein, nein“, sie geht den Römern entgegen und spricht: „Willkommen die Herren, es ist wohl eine armselige Kate, aber wir sind seit gestern Abend recht glücklich“. Darius: „Dann freue ich mich auch. Freilich, da ihr ja die Gottesboten aufgenommen habt, ist es ja erklärlich. Dich Jakobus, hätte ich am wenigsten hier vermutet, du wolltest wohl mein Gast nicht länger sein? Dich Hausmutter möchte ich fragen, was hast denn du erlebt, weil deine Augen so strahlen?“

 

Rake: „O Herr, unsagbar glücklich hat uns der Herr und ewige Gott gemacht, denn auf Augenblicke durften wir Ihn schauen, wie Er mit segnenden Händen unter dieser Türe stand. Dann koste diesen Wein. Noch nie ist ein solch herrlicher Wein über meine Lippen gekommen“. Sie nimmt einen Becher und reicht ihn hin. Darius nimmt ihn und kostet, trinkt einige Schluck und spricht: „Fabian koste einmal, noch nie habe ich solchen Wein getrunken. Auch du Joram, verkoste ihn, solchen wirst du nicht in deinem Keller haben“. Beide mussten den Wein loben.

 

Da sagte Darius: „Ich habe genug gesehen und gehört, ich verlange nun keine weiteren Beweise mehr. Jesus muss Gott gewesen sein, denn einem Menschen ist dieses alles unmöglich. Nun ist Seine Auferstehung aus dem Grabe auch kein Wunder mehr, denn Gott, der ewig ist, konnte ja nicht sterben“. Fabian: „Darius, aber Sein Tod am Kreuze, wie soll ich das mir erklären?“ Darius: „Das mag uns Jakobus erklären, aber nicht jetzt, sondern wenn alles erledigt ist, was uns Ärgernis macht.

 

Dürfte ich eine Bitte an dich, Hausmutter, richten? Ich möchte heute Abend mit vielen, denen ich Freude bereiten möchte, dein Gast sein. Erschrecke nicht, du sollst kein Opfer bringen, sondern du sollst auch eine Freude sein. Denn solche Liebe, die ihr seit Wochen einem fremden kranken Menschen entgegen brachtet, soll ihre Krönung finden. Ich könnte euch einladen als meine Gäste, aber es ist in mir so gekommen und dabei bleibe es“.

 

Sich an Veit wendend, spricht er: „Mein Sohn, um deinetwegen komme ich in dieses Haus, und da ich in allen Dingen klar sehen will, frage ich dich, kannst du dich jetzt noch besinnen auf die letzten Stunden, ehe du verwundet wurdest? An den Grenzen zwischen Tod und Leben ist wenig beschieden, genaue Angaben zu machen“. Veit: „Herr, ich weiß nur, mir war sehr heiß, ich litt qualvollen Durst und hatte merkwürdige und wüste Träume. Aber besinnen kann ich mich auf nichts. Auf einmal steht ein Mann vor mir, es war dort, Andree, dann war mir, als wenn ein anderer vor mir stand. Von dem ging eine wohltuende Kühle aus, die mich belebte. Ann war es wieder Andree und ich konnte aufstehen“. Darius: „Wie sah der Mann aus, von dem das Leben ausging, kannst du Genaues sagen?“ Veit: „Nein Herr, doch jetzt kommt die Erinnerung. Es muss der Herr gewesen sein, denn vor einer viertel Stunde sahen wir Ihn dort an der Tür stehen!“

 

Darius: „Veit höre, was ich dir sage. Wenn du es nicht genau sagen kannst, dann schweige so lange, bis du Gewissheit hast, damit die Neugierde anderer nicht befriedigt wird. Wie fühlst du dich heute, würdest du Jesum, dem lebendigen Gott, ein Opfer bringen und für einige Monate Sein Diener sein? Ich habe 20 junge Menschen, die ich sicher versorgt hätte. Es sind ungefähr 30 Tagereisen, ein mir lieber Freund bedarf dringend guter Arbeitskräfte, und für die Heimatlosen wäre es eine Heimat und sicheres Brot“. Veit: „Herr, bestimme die Stunde, ich bin bereit. Mein Leben gehört nicht mehr mir, sondern Dem, der es mir wieder schenkte, Jesus, der lebendige Heiland, ist es!“ Darius: „Dann ist es gut, mein Freund, es wird dein Schaden nicht sein. Betrachte dich von jetzt an als einen freien Römer. Wenn du einen Wunsch hast, ich erfülle denselben gern, so es in meiner Macht liegt. Überlege es dir gut, denn heute und morgen sind wir noch hier“.

 

Der Tag brachte viel Angenehmes, aber auch viel Unangenehmes. Die Versorgungsfrage wurde geregelt, bis ins kleinste der Transport organisiert. Nur Levi blieb hart und unbeugsam. Er wurde in Obhut der Soldaten gegeben, sein Gut kam den Menschen zu gute, die durch ihn ihre Heimat verloren hatten.

 

Arnaut ging Darius zur Hand, so dass er sagte: „Arnaut,deine Bereitwilligkeit macht meinem Herzen Freude. Du hast großen Verlust erlitten, den ich dir leider nicht ersetzen kann infolge deiner verkehrten Handlungsweise. Aber als Römer hast du gewisse Vorrechte, die dich in einen besseren Stand versetzen werden“. Arnaut: „Herr und großer Menschenfreund, was ist mein Verlust gegen das, was ich hier gewonnen habe. Ich vermache den jungen Menschen meine Wagen und Tiere, und will noch ein paar Zentner Silber dazu geben, die in meinem Wagen liegen“. Darius: „Arnaut, nun hast du dein Wort erfüllt, denn dieses Opfer habe ich nicht erwartet. Mit dem Silber kann viel geschafft werden, was diese jungen Menschen brauchen. Es ist eine große Hilfe für den neuen Brotgeber. Der ewige Gott wird es dir mit doppeltem Segen lohnen! Was wirst du beginnen?“ Arnaut: „Herr, ich bin kein sesshafter Mensch, ich bin und bleibe ein Händler“.

 

Darius: „Höre lieber Freund, wir brauchen ehrliche Männer an festen Plätzen. Die Art des heutigen Handelns gefällt mit nicht. Wir brauchen mehr Handelsherren, die von einem Ziel zu einem anderen ihre Ware bringen. Der Statthalter möchte in den Städten große feste Handelshäuser sehen, um dem Handel eine neue feste und ehrliche Form zu geben, wie es schon in einigen großen Städten ist. Dann können auch solche Geschäfte, wie du und Levi es wolltet, mehr unterbunden werden. Der Menschenhandel hat Formen angenommen, die geradezu erschreckend und teuflisch sind. Aus Kleinasien werden junge Menschen geraubt und zu hohen Preisen verkauft. Und aus Judäa beginnt ein Menschenhandel, der vom Tempel organisiert ist. Wir sind machtlos, weil es keine Kläger gibt, darum muss eine Kontrolle kommen, damit das Übel gebunden wird“.

 

Arnaut: „Herr, der Plan ist gut, aber es fehlt an Vermögen. Es gibt viele Ware, auch genug Karawanen, nur ganz Reiche können dieselben an den Abnehmer absetzen, wir tauschen untereinander. Freilich gehen viele auf Abwege, wie es auch bei mir und Levi der Fall war, wenn es der Herr Selbst nicht verhindert hätte“. Darius: „Es freut mich, dies zu hören, auch bin ich glücklich, dass mein Wanken nun zu Ende ist und es nur noch einen Gott und Heiland gibt, der meinem Beruf und meiner Mission eine ganz andere Richtung gibt. Manchmal habe ich den Statthalter der Schwäche bezichtigt, so er Verbrecher mit einer noch nie da gewesenen Milde behandelte, jetzt verstehe ich sein Handeln. Des Statthalters Blick war darauf gerichtet, einem jeden, der vom Gesetz abirrte, noch Gelegenheit zu geben, dass er sich bessern konnte. Vielleicht gelingt es doch noch, den Levi zu retten“.

 

Es kamen heute keine Fremden, darum lud Darius auch den Joram ein, zur alten Häuslerin zu kommen. Alle zwanzig, die da frei wurden, nahm Darius selbst mit, und Arnaut brachte seine alten bewährten Leute ins Haus der Rake.

 

Veit und Ilonka richteten Sitze und Ruhebänke in genügender Anzahl, so dass trotz der Raumschwierigkeiten doch alle Platz hatten. Mit sichtbarer Freude segnete Jakobus all die Kommenden, die da an diesem Tage schon viel vorbereitet waren, die Kunde und die Botschaft des lebendigen Gottes zu hören. Nur verschiedene Nachbarn waren als Neugierige gekommen, da sie von dem Wunder an Veit gehört hatten.

Darius sprach einige Worte zu den Versammelten und machte sie aufmerksam, dass sie etwas hören werden, was ihnen unglaubhaft erscheint. „Es hat ein jedes das Recht, sich zu äußern, mag es dafür oder dagegen sein. Fürchte sich ja niemand, dass ihm etwas geschehe, ihr alle seid unter meinem Schutz, denn ich habe gefunden, dass diese Tage von dem ewigen Gott gewollt sind. Sammelt euch, dann mag uns Jakobus etwas erzählen“.

 

„Liebe Freunde, liebe Mitmenschen, die ihr mir alle Brüder und Schwestern seid, der Friede Gottes sei mit euch! Ich möchte euch nicht sagen, was ihr in Zukunft tun oder lassen sollt, dieses ist nicht meine Mission, sondern ich bin ein Zeuge und Jünger des Herrn Jesus, dessen leiblicher Bruder und treuester Freund ich war.

 

Meine Eltern und auch ich erlebten während der Kinderjahre Jesu die größten Herrlichkeiten, die zu schildern ich Tage brauchte. Die Entwicklung des Kindes war schon ein Wunder, und mit zwölf Jahren war man im Tempel zu Jerusalem bestürzt über die Weisheit des Knaben, der nie eine Schule besucht hatte. Solange wie die Pflege meiner Eltern, und meistens auch durch mich, nötig war, war Jesus ganz willig und gehorsam. Mit den Jahren aber, wo Er mit uns zur Arbeit ging – Er wurde gleich uns ein Zimmermann – ging ein Wechsel in Ihm vor. Jesus fand in sich den Erzieher, der Ihn zu dem Werke erzog, zu dem Er gedungen war.

 

Von dieser Zeit an konnte niemand mit Ihm auskommen, der nicht auf Seine Ideen und Gedanken einging. Wir erlebten Tage des größten Schmerzes. Jesus ging Seine eigenen Wege, Er war liebreich, aber auch streng. Für Ihn gab es kein Gebot, so es nicht auf Liebe gegründet war. Wie schwer mein Vater litt, säßt sich nicht schildern, und Seine Mutter Maria beschwor Ihn oft mit Tränen im Auge, doch abzulassen von Seinen verkehrten Anschauungen. Die Folge war, noch größere Entfremdung, bis Er das 30. Lebensjahr erreicht hatte.

 

Nach einer selbst auferlegten Prüfung in der Wüste, trat Er in die Öffentlichkeit und bekundete den wahren lebendigen Gott in einer Art und Weise, die Ihm die Feindschaft des Tempels und das Vertrauen des ganzen Volkes brachte. Überall, wohin Er kam, brachte Er Freude und Zufriedenheit. Kranke wurden gesund, ja sogar Tote wurden lebendig, es gab nichts, was Ihm nicht möglich war. Alle Elemente gehorchten Ihm, aber das größte Wunder waren Seine Worte. So einfach, so schlicht, so wahr, nicht ein einziger Mensch konnte Ihm etwas widerlegen. Immer zeugte Er von Sich und Seinem Gott und heiligen Vater, der in Ihm lebte! Immer größer wurde die Zahl der Anhänger. Was hat nicht der Tempel alles versucht, Ihn zu vernichten, aber nie gelang es.

 

Wir nannten Ihn nur Herr und Meister, und nun höret genau zu: Der Meister legte uns klar, dass Er viel leiden und einen schmählichen Tod sterben müsse. Wir wollten es nicht glauben, wollten es nicht hören, aber Er sagte bestimmt: `Wenn der Menschensohn dieses Kreuz nicht annehmen will, wird alles Bestehende der Auflösung und dem Verderben entgegen gehen`. Deswegen wurde das Wort Fleisch und lebte unter uns und wir erlebten unsagbare Herrlichkeiten.

 

Es geschah, Jesus wurde gekreuzigt. Überlasset es mir, zu schweigen von dem, wie es uns allen war. Sein Tod war unser größtes Unglück.

 

Da erscheint Er uns, wie Er lebte, hier und da besuchte Er die geschlagenen Herzen und machte sie wieder froh. Da wurde in uns etwas lebendig durch Seine Auferstehung, und dieses Leben ist geblieben und wird auch bleiben. Dann erfolgte Sein Scheiden von uns, sichtbar, wo Er wieder zurückkehrte in Seine Urheimat, in Seine Urhimmel, aber Seinen Geist ließ Er zurück. In diesem Geiste und in Seiner Kraft diene ich euch.

 

Sein schönstes Wort: `Kommet her zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken`. Machet es euch zu eigen, denn Er ist wahrhaftig Liebe und heiliges Leben. Wer in dieser Liebe bleibet, bleibet in Gott und Gott in ihm!

 

Hier war Er der Menschensohn und wurde durch Seinen Gehorsam zum Gottessohn. Jetzt aber ist Er das Leben, welches allen Tod überwunden hat. Wer an Ihn glaubt und in tätiger Liebe Sein Leben aufnimmt, wird auch leben mit Ihm bis in alle Ewigkeit“.

 

Eine heilige Ruhe überkam die Zuhörer. Da steht der Wirt auf und spricht: „Wenn ich einige Worte sage, so tue ich es um der Nachbarn willen. Ich muss jedes Wort bejahen, was Jakobus, der treue Diener und Gottesbote schilderte, denn ich war auch Priester. Mir wurde es zu arg, die Hetzereien gegen Jesus von Nazareth wurden immer schlimmer. Tot oder lebendig sollten wir Ihn bringen, so dass ich aus dem Judenlande floh und hier einen anderen Erwerb suchte und fand.

 

Seit gestern, wo ich den wahren Gott erst richtig erkannte, bin ich wieder ein anderer. Ich will euer Freund und Bruder sein. Keiner soll sich mehr über mich beklagen brauchen, über Lieblosigkeit von meiner Seite. Ich bitte euch um Vergebung, wo ich hart war. Jesus hat aus mir einen anderen, einen dienenden Joram gemacht. Auch kann ich manches von Jesum erzählen, was heute in mir lebendig wurde“.

 

Ludmilla steht auf und spricht: „O ihr Lieben, lieben Menschen, in welchen Himmel sind wir versetzt worden! Wie trostlos war unsere Vergangenheit. Liebe war nur etwas für die Hohen und Reichen, und jetzt heißt es: `Wer an Ihn glaubt und Sein Leben in tätiger Liebe aufnimmt, wird ein Leben aufnehmen, welches bis in Ewigkeit währet`. Ja, warum jubeln wir nicht und bleiben immer noch stumm? O ihr armen Götter, euch wird man nicht nachtrauern, denn vor dieser Jesusliebe vergehet ihr in Nichts.

 

Du aber, Du Jesus der heiligsten Liebe, habe Dank, dass Du uns in Deiner Liebe nicht weniger, eher größer und herrlicher bist. O komme zu uns und erquicke uns, das Wort Deines Boten hat eine Sehnsucht entfacht, o komme und stille unsere Herzenssehnsucht. Öffne unsere Augen, dass wir Dich schauen und unsere Herzen, dass wir Dich fühlen. Du hast uns herausgerissen aus einem Leben der Angst und Not, wir gehören Dir jetzt und allezeit!“

 

Ludmilla

 

Nach einigen Augenblicken spricht Jakobus: „Fürchtet euch nicht, die ewige Liebe ist ja unter uns in unserer Mitte. Schaut hin, an der Tür steht Er und spricht:

 

`Sehet Meine Hände und Füße, sie sind das Zeichen Meiner sichtbaren Liebe. Durch dieses Opfer seid ihr alle Mein ewiges Eigentum geworden. Lasset euch dieses Bewusstsein nicht mehr nehmen, bemühet euch durch Meinen Heilandsgeist, dass auch Ich euer ewiges Eigentum werde, dann leben wir ein Leben der Freude und Seligkeit bis in Ewigkeit. Amen`. Segnend breitet Er die Arme aus und mit freundlichem Lächeln vergehet langsam die von Licht durchflossene Gestalt. Niemand sprach ein Wort in dieser Stille.

 

Endlich spricht Darius: „Freund Jakobus, hast du etwas beigetragen zu dem Erscheinen des Herrn, ich war völlig unvorbereitet“. Jakobus: „O Darius, nur dieser Mädchenblume ist es zu danken, die in glühender Sehnsucht ihr Leben Ihm weihte, ohne Ihn zu kennen. Bist du enttäuscht?“ Darius: „O nein, im Gegenteil, hoch beglückt. Sein Auge ist milder und Sein Gesicht ernster geworden“.

 

Aber nun ging ein Reden los, es war die reinste Judenschule. Da sagte Darius: „Höret Freunde, so verlieren wir das schöne Erlebnis! Bleiben wir doch recht schön in der Ruhe unseres Herzens, denn der Herr und Meister ist doch noch unter uns und wir wollen Ihn alle recht bitten, dass Er uns noch etwas schenke. Er als das Leben, kann uns auch Einblicke in das Leben gewähren. Darum Bruder Jakobus, bitte du den Herrn, da du mit Ihm am engsten verbunden bist, Er möchte uns aus Seiner Liebe, uns allen noch etwas schenken, was zu unserem Heile dient“.

 

Jakobus: „Eure Bitte ist zu verstehen. Seit heute lebt ihr mit eurem Herzen in einem Himmel und mit eurem Kopf in der Welt. Nun kann aber ein jedes nur den Himmel in sich tragen, den die Liebe schuf. Jesus, der Herr und Meister, schuf einen Himmel, der alle und alles in der ganzen Unendlichkeit einschloss. Wir Menschen aber, die wir nur einen Teil Seiner Liebe unser eigen nennen, können darum auch nur in einem Teilhimmel leben, der aus Seiner Liebe in uns geworden ist.

 

Um nun keine langen Erklärungen zu geben, wird der Herr und Meister einen jeden von euch den Himmel erleben lassen, der in eurer Innenwelt seinen Grund und Anfang hat. Schließet die Augen und versenket euch in die Stille und in den Herrn, der euch so liebevoll segnete“. Jakobus machte das Zeichen des Kreuzes, dann sah er, wie die Menschen völlig entrückt und andere, welche völlig enttäuscht waren. Er sagte: „Unterhaltet euch mit euren Lieben, es sind keine Truggestalten, sondern genau so voll Leben, wie wir“.

 

Ein Reden ging los, ein Fragen und Wundern, und doch störte keiner den anderen. Dieser Gnadenakt dauerte eine Stunde, kontrolliert von Jakobus und einem Stab von Engeln, damit der Feind des Lebens keinen Schaden anrichten konnte. „Erwachet alle wieder in die Wirklichkeit“, mit diesen Worten waren sie alle wieder in ihrem natürlichen Zustand.

 

Da fragte Darius: „Jakobus, ich habe viele und große Dinge gehört von dem Herrn und Meister Jesus, dass Er sich liebenden und sehnenden Herzen offenbart, und das ist Liebe, große und heilige Liebe. Dass Er aber Dinge offenbaren lässt von denen, die längst nicht mehr sind, ist mehr als ein Wunder, denn hier geht der Verstand einfach nicht mehr mit. Siehe, mein Vater trug ein Geheimnis mit sich herum. In seiner Sterbestunde verlangte er nach mir, seinem einzigen Sohne. Durch die allergrößten Anstrengungen meiner Mutter gelang es, mich  holen zu lassen, der Vater habe mir etwas anzuvertrauen, aber ich kam zu spät. Bei meiner Ankunft war er schon verschieden. Und jetzt offenbarte er mir in Gegenwart meiner Mutter, dass seine letzte Bitte an mich heute seine Erfüllung gefunden habe. Ich solle mich von den toten Göttern lossagen, da er auch an den lebendigen, den uns unbekannten Gott glaube, den er durch einen alten Freund gefunden habe. So weilte ich in seiner Welt und, o heilige Liebe, der Herr und Meister war dort sein Gast.

Es war alles so gediegen, so einfach und doch so schön, ganz dem Charakter meines Vaters angepasst. So führte er mich, trotzdem ich diese Stube nicht verlassen habe, durch große Ländereien, wo viele Menschen ein glückliches Leben führten.

 

Auf meine Frage: `Vater und auch du Mutter, ihr seid doch gestorben, um euch ist aber alles Leben, was ist denn geschehen?` Da wurde mir gesagt: `Seit Jesus, der Gekreuzigte, uns Erlösung brachte, ist Leben über Leben uns geworden, aber nur nach dem Grade, wie wir Liebe gegen unsere Mitmenschen und auch Tiere hatten. Mir ist vieles geschenkt worden, aber es gibt auch viele, denen wenig Freude beschieden war, da sie dem Jesus keinen Glauben entgegenbrachten`. Dann sagte er noch: `Darius, heute ist mein Geburtstag im Leben, ihr nennt es immer noch Sterbetag. Darum dieses Fest, wo der Herr, mein Alles, unser Gast und Freude ist. Die größte Freude aber ist die, dass du nun endlich den gefunden hast, der dein und unser aller Heil ist`“.

 

 Auch andere wollten Jakobus ihre Visionen anvertrauen. Jakobus aber sagte: „Meine Freunde, seid ruhig und voller Freude. Behaltet es für euch und bemüht euch, recht in der Liebe tätig zu sein. Ihr vor allem, die ihr euer Glück, eure Freiheit, nur dem Herrn und Meister zu danken habt, seid getreu, seid bewusst, dass euch allen viel, viel Größeres noch erwartet, denn der Herr will euer Vater sein und ihr sollet Seine Kinder werden. Was ihr jetzt erschauen durftet, war Gnade über Gnade, und Vorgänge in und um euch.

 

So ihr aber in der Liebe tätig und ganz in Seinem Geiste lebendig seid, werdet ihr Herrlichkeiten aus Seiner Vaterliebe erleben, für die es keine Worte gibt. Vergesset ja das Danken nicht, denn noch nie ist ein solches Opfer gebracht worden, wie es Jesus, der herrliche Heiland, brachte. Vergebt einer dem anderen, liebet die Liebe und das Leben, dann wachset in Seinem Geist, damit ihr freie und frohe Kinder werdet“.

 

Ludmilla hielt es nicht mehr aus, glühend vor Liebe spricht sie: „Ich kann nicht mehr schweigen, denn zu viel Freude hat sich in mir aufgespeichert. Ich muss über meine Lippen fließen lassen, was mich erfüllt.

 

Ich sah meinen armen Vater, wie er mich trostlos anschaute und sagte: `Ludmilla, ich habe viel leiden müssen, denn meine toten Götter waren ohne Leben, und ich glaubte doch nie an ein Fortleben nach dem Tode. O, wie arm bin ich noch, um mich ist Freude, aber ich kann sie nicht fassen. Es ist alles so schwer, es ist niemand da, der mir Hilfe und Befreiung aus meiner Verwirrung bringt. Auch ich habe die Botschaft des Gekreuzigten vernommen, aber ich blieb taub, bis endlich durch viel Leiden und schwere Mühen sich doch ein guter Geistesbote meiner annahm. O hätte ich doch mit beiden Händen nach der Botschaft des Gekreuzigten gegriffen, mir wäre viel erspart geblieben. O Ludmilla, wir haben oft von Liebe gesprochen, wie du noch ein junges kleines Mädchen warst, aber was ich heute von Liebe vernehme, von meinem Geistesboten und Führer, ist etwas ganz anderes. Nicht Liebe fordern, sondern Liebe üben und geben ist das Grundgesetz in dieser Welt. O, wer es nur fassen und verstehen könnte, da bin ich eben noch zu dumm und blöde. Mein Führer belehrt mich und die anderen, dass ich nicht so denken soll, sondern dass ich auch berufen sei zu der Gemeinde der Seligen, die der Auferstandene gegründet hat. Eins ist das Schlimme hier in diesem Leben, dass alles so tausendfach erschwert ist, während es als Mensch so leicht gegangen wäre. O, waren die gehörten Worte von dem Menschenbruder schön, und in mein Herz drangen sie wie Wunderbalsam. Wenn du kannst, und du wirst es können, ergreife die Botschaft des Lebens, damit all das Schwere dir erspart bleibt. Sag es allen, die es hören, schrecklich ist der Tod, aber süß das Leben“.

Ludmilla schwieg, dann sagte sie zu allen: „Mag das Opfer noch so groß sein, um zu dem neuen Herrn zu kommen, eins aber ist gewiss, es lohnt sich, da es um das Leben geht. In meinem Herzen will ich eine Glut schüren, dass das Feuer der Liebe immer leuchtender werde. Und Du, Herr Jesus, Du uns allen wohlbekannter Gott, nimm unsere kleine schwache Liebe an, die aus unseren schwachen Herzen kommt. Du gabst Dein Leben für uns alle, nimm das unsrige, es ist dein, nicht nur heute, sondern allezeit!“

 

Jakobus: „Liebe Schwestern und auch liebe Brüder, es ist genug der Worte. Was ihr erlebt habt, ist aus Seiner unermesslichen Liebe und Gnade geschehen. Verlangt nicht mehr danach, damit ihr euch nicht wieder verlieret, sondern wacht und seid tätig im Geiste Jesu, der eure einzige Liebe sein soll und alles nur in dieser Liebe lieben soll. Du, Bruder Veit, und du, Schwester Ilonka, eure Herzen brennen zueinander, aber liebet euch wahr und wahrhaftig in der Liebe, die den anderen glücklich machen will. Der Herr und Meister segnet euren Bund. Du Joram, sei wieder Priester, aber für den lebendigen Christus, und deine erste Handlung sei die, dass du morgen in der Frühe ihren Lebensbund segnest.

 

Mein treuer Darius, im Namen des Herrn und Meisters danke ich dir für deine Mühe, unendlicher Segen wird aus dieser deiner Handlung hervorgehen. Nur noch eine Bitte hätte ich persönlich an dich: Ludmilla mag mit Andree zu dessen Eltern gehen, wo er sich eine kleine, aber gute Gemeinde gründen wird für Jesu. Wird es dir recht sein, Ludmilla?“

 

Ludmilla: „Recht sein? Schrecklich bist du, denn vor dir ist das Verborgenste nicht sicher. Wenn Andree will, ich habe ihm überhaupt noch kein Wort gegönnt“.

 

Jakobus: „Nun, Andree, sprich ruhig vor allen aus, was dein Herz bewegt. Als Priester deiner Gemeinde musst du ganz frei sein, einmal musst du doch anfangen und dein Herz öffnen“. Andree: „Bruder Jakobus, es ist genug der Gnade und Liebe in diesen Tagen über mich gekommen, ich fange an, mich als Schuldner zu fühlen. Freilich, Ludmilla wäre die rechte Priesterin für mich, ich würde es als das größte Gottesgeschenk betrachten“.

 

Darius: „Jakobus, du lieber Bote und Künder der wahren und reinen Liebe, segne uns alle durch die Kraft des Herrn in dir. Es ist so viel geschehen an diesem Tage, wir wollen diesen Tag beschließen. Nur um diese Liebe bitte ich dich noch, dass du mich und Arnaut zu Levi begleitest, denn ich möchte ihn um jeden Preis retten“. Jakobus: „Darius, der Meister dankt dir für dieses Wort, nun wird es auch gelingen. Und ihr alle, begebt euch zur Ruhe, und so wünsche ich euch eine gesegnete Nacht. Segen über euch und eure Herzen, Segen über euch und über eure Liebe, Segen über euch und über eure Werke, dass sie zeitigen die Frucht der Jesusliebe. Amen“.

 

 

 

 

 

Ein herrlicher Sieg

 

 

In einem finsteren Gelass flucht Levi, dann pocht er an die feste Tür und der wachhabende Soldat fragt nach seinem Begehr. „Öffne, Soldat, ich möchte mit dir reden“ – „Nein Gefangener, nur durch dieses kleine Fenster kannst du mit mir reden, aber mach es kurz, jede Unterhaltung ist verboten“.

Als der Soldat das Fenster geöffnet hatte, spricht Levi: „Mann, ich bin reich, viel reicher als dein Herr. Lass mich fliehen, mit Gold will ich es dir lohnen“. – „Nein Gefangener, der Tod wäre mir sicher und dein Gold wäre die Ursache dazu. Aber warum willst du fliehen, da sich dir doch Möglichkeiten bieten, frei zu sein? Darius sagte, sobald der Gefangene Reue zeigt, lass es mir melden, ich möchte nicht sein Unglück. Siehe, deine Freiheit würde dich nicht so viel Geld kosten, wie du mir bietest. Auch Arnaut sagte betrübt zu mir: `Schade um Levi, dass er in seinem Starrsinn beharrt, Darius will sein Bestes“. Levi: „Melde Darius, ich möchte ihn sprechen“.

 

Es dauerte noch zwei Stunden, da ließ Darius durch zwei Soldaten Levi holen. Ein kleines Zimmer hatte Joram zur Verfügung gestellt.   

 

Darius. „Levi, es freut mich. Dass du den Wunsch hast, mich zu sprechen, doch nur eine Bedingung stelle ich: Ehrlichkeit! Denke nicht, dass du mich hintergehen kannst, du weißt, einen Helfer habe ich, Jesus ist sein Name“. Levi: „Herr, ich bin dein Gefangener. Wie kann ich wissen, dass du ehrlich bist, so ich mit gebundenen Händen vor dir stehe. Es ist das erste mal, als Gefesselter vor Menschen zu stehen“.

 

Eigenhändig nahm Darius dem Levi die Fesseln ab, dann sagte er: „Levi, euch Juden ist nicht zu trauen, doch sei versichert, dein Leben ist verwirkt, so du fliehen wirst. Merke dir, Ehrlichkeit ist meine Haupttugend, aber ich bin auch vorsichtig. Ehe du etwas sagst sei versichert, mir liegt nichts an deinem Untergang, sondern an deiner Rettung. Deine Rettung aber bedeutet, dass du dich frei machst von deinem Hass gegen Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, Änderung deiner Gesinnung, die sich nur bereicherte auf Kosten anderer“. Levi: „Herr, leicht gesagt, aber was kann ich anderes tun, als versprechen, so ich in Freiheit bleiben will. Ich soll meinen Hass begraben gegen Jesus. Nun, ich meine, einen Toten zu hassen ist ja ein Unding und an seiner Auferstehung zweifle ich. Bringst du mir Beweise, dass Er wirklich lebt, dann war eben mein Leben ein großer Irrtum. Über meine Gesinnung kann ich nicht urteilen, da ich mir noch nie Mühe gab, dieselbe kennen zu lernen, es liegt eben so im Blut“.

 

Darius: „Levi, deine Sprache gefällt mir besser als gestern, und ich soll dir Beweise bringen, dass Jesus wirklich lebt. Hast du denn vergessen, wie Jakobus, der Jünger und Bruder Jesu, den Beweis brachte?! Sei versichert, Jesus hätte Jakobus nicht erleuchtet und geführt, so Er dich untergehen lassen wollte. Denke an den Spruch deiner nun auch seligen Mutter: `Elies, halte deinen Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt`, oder was verlangst du noch für Beweise? – Nun ich gefestigt bin im Glauben an den Herrn und Meister Jesu, sage ich dir aber auch, spiele nicht mit der Gnade Gottes, denn furchtbar würde dich der Ernst und die Strafe Gottes treffen. Halte dir deine jetzige Lage vor Augen, wenn auch nicht der Tod, aber die Galeeren sind dir sicher. Für alle Zukunft bist du ein geschlagener und erledigter Mann. Dein Vermögen, welches sehr groß sein muss, wie du den Soldaten unterrichtet hast, ist für dich bestimmt verloren. Änderst du deine Gesinnung, ja dein ganzes Leben, versuchst du, gut zu machen, was an Schuld du dir bisher aufgebürdet hast, würdest du wieder ein freier, ja sogar geachteter Mann. An Jesu zu glauben, verlange ich ja nicht, nur deinen Hass sollst du begraben“.

 

Levi: „Herr, du bist gnädig, ich wäre ein Tor, so ich auf deine Wünsche nicht einginge. Ich kann dir nur versprechen, dass ich mein Leben so einrichten will, wie du es verlangst und nur darum, weil du nicht verlangst, dass ich an Jesus glauben soll. Ich verspreche, kein Wort mehr gegen Jesus zu äußern und bitte dich um Verzeihung , weil ich dich gestern beleidigte, da ich Jesus als Genossen des Beelzebubs hinstellte“.

Darius: „Gut Levi, du bist wieder ein freier Mann. Nun vernimm: Die Sklaven, die du erwerben wolltest, sind durch mich freie Menschen geworden. Durch einen Vertrauensmann lasse ich sie an den Moran-See zu einem Freund bringen. Der Transport verlangt größere Mittel, würdest du etwas beitragen, die Hauptlast trägt sowieso Arnaut“. Levi: „Herr, wie kommt Arnaut dazu, ich war der Veranlasser. Ich gebe dir die Versicherung, dass ich nicht nur den Transport übernehme, sondern sie alle noch beschenken werde, damit sie nicht als Arme dahin kommen“. Darius: „Levi, ist das dein Ernst?“ Levi: „Ja Herr, beim Andenken an meine Mutter, die wahrhaft mein Bestes wollte, gelobe ich es“. Darius: „Dann ist es gut, dein Gut gehört dir wieder. Nun wollen wir wie Freunde reden, wir werden schon einig werden. Doch du wirst den Wunsch haben, mit deinem Freunde Arnaut zu reden, so werde ich schlafen gehen. Wenn ich aber eine Bitte an dich hätte: Lass dir die Freundschaft des Jakobus nicht entgehen, denn er ist nicht nur liebevoll, sondern auch weise“.

           

Am frühen Morgen gab es wieder das gewohnte Bild. Die Tiere wurden versorgt, alles wurde zur Abreise fertig gemacht, und Levi gab die Anweisungen. Mit ihm war wirklich eine Änderung vor sich gegangen. Nun kommt Veit zu Levi, der noch keine Ahnung hatte, dass Levi den Transport übernimmt.

 

Spricht Levi: „Freund, dich muss ich doch kennen, bist du nicht Melchiors Vertrauter?“ Veit: „War ich, durch einen schweren Unglücksfall musste ich hier zurück bleiben und wäre gestorben, so Jesus, der Heiland, mich nicht gesund gemacht hätte“. Levi: „Rede kein solch dummes Zeug. Wie kann ein Toter dich gesund machen, es muss ein Irrtum vorliegen“. Veit: „Nein, es ist kein Irrtum. Jakobus` Begleiter, namens Andree, legte mir im Namen Jesu die Hände auf, so wurde ich gesund. Und gestern früh um die selbe Stunde stand Jesus unter der Türe und segnete uns, ebenso gestern Abend, als wir bei Rake gemeinsam versammelt waren“.

 

Levi: „Bist du geschickt, mir dieses zu sagen? Warum kommst du überhaupt hierher?“ Veit: „Mich schickt niemand hierher, nur das Interesse für die befreiten Gefangenen, die ich im Auftrag des Römers Darius nach dem Moran-See transportieren soll, ist es, warum ich hier bin. Auch ich habe wenig Zeit, da in zwei Stunden Joram, der Wirt und nun Priester, mich mit Ilonka, Rakes Tochter, fürs Leben verbinden wird“.

 

Levi. „Ach; du bist der Mann namens Veit, Arnaut erzählte mir gestern Abend. Jetzt ändert sich das ganze Bild. Aber höre, ich werde den Transport übernehmen und dein Dienst ist hinfällig geworden“. Veit: „Mit Darius habe ich noch nicht gesprochen. Wenn dem so ist, möchte ich mit meinem Weibe und ihrer Mutter doch mitkommen, da ich unter meinen Glaubensbrüdern und Schwestern eine neue Heimat finden möchte“. Levi: „Dem steht nichts im Wege. Jedenfalls habe du Dank für deine Mitteilungen, die mir sehr wichtig sind. Du kannst Darius alles erzählen, aber zu deiner Hochzeitsfeier lade ich mich selber ein, um meines Heiles willen“.

 

Alle befreiten Menschen fanden sich bei Rake ein, um die Hochzeit des Veit zu feiern. Joram im Priesterkleide erschien, dann kommen in Darius Begleitung Fabian, Arnaut, Levi, Jakobus und Andree. Noch nie sahen die Nachbarn Joram im Priesterkleide. Neugierig fragten sie nach dem Grund, und in denkbar kurzer Zeit sind alle in Rakes Stube, um der Trauung zuzuschauen, die in ganz kurzer Zeit vollzogen wurde.

 

Bei den Glückwünschen staunte Darius über Levi, der da sagte: „Der Transport geht erst morgen in der zeitigen Frühe ab. Für heute und bis zum Ziele seid ihr meine Gäste. Ich bitte euch alle, insbesondere euch, die ihr Jesus angenommen habt, dass ihr mir Vertrauen entgegenbringt. Ich bin so voll Freude, dass ich das erste Mal etwas aus Liebe tue, von der ihr schon so viel erlebt habt, und diese Freude kannte ich noch nie. Als du vor ein paar Stunden so ahnungslos von deiner Heilung erzähltest, da glaubte ich, ich sei wieder in jene Zeit versetzt, wo der Heiland Jesus in Judäa die vielen Kranken heilte. Als du, Veit, weg warst, da fühlte ich in mir. Dass ich dir danken musste, denn noch nie glaubte ich an eine Auferstehung des Herrn. Wohl hatte ich viel Groll gegen den Herrn, warum? Weil der Tempel und wir, als Priester, immer mehr verloren. Jetzt zeigt sich erst, dass unser Einkommen pures Geschenk des Heilandes Jesu war. Hätte Er gesagt, löst euch vom Tempel, von euren Priestern, wahrlich, das Volk hätte es getan. Aber nichts davon, sondern Er ermahnte, dass ja alle in der Treue und im Glauben ausharren sollen, bis Sein Werk vollendet wäre. Ich bitte euch, habet rechte Geduld mit mir, dann werdet ihr auch alle mit mir recht zufrieden sein. Denn jetzt ist es mir unmöglich, den Heiland Jesus anzunehmen, da ich ja an Seinem Tode die größte Freude hatte“.

 

Jakobus: „Liebe Schwestern und Brüder und du, neuvermähltes Ehepaar! In meinem Herzen drängt sich die ewige Liebe, euch zu künden die Freude des Herrn, der im Geiste unter uns ist. Voller Segen sollen alle eure Handlungen sein. Volles Leben soll sich um euch entfalten, und in diesem neuen Leben soll sich offenbaren die allzeit gegenwärtige Liebe des Herrn und Meisters. Aus dem Füllhorn Seiner Liebe seid gesegnet, dass sich eure Liebe mit des Heilands Liebe ganz eine und einer dem anderen leuchtendes Beispiel werde. Euer Leben sei geweiht im Dienste für den Geist, der euch erlöste. Wie Er die Himmel erschloss für ein ewiges Leben, sollt ihr auch einen Himmel erschließen, aber in euch, in dem alle wahrhaft glücklich werden sollen.

 

Dir aber, Levi, sage ich, begrabe, was du begraben kannst, sonst bleibst du Knecht deines Verstandes. Es ist des Herrn und Heilands größter Liebeszug, alles, was man Ihm antat, mit Liebe zu vergelten! Alles, was war, ist vergangen. In einem neuen Leben und in einem neuen Geist wirst du geführt und geleitet werden, dass dich die Aufgaben der Liebe so erfüllen, und dass du dich mehr und mehr erkennen wirst! Darum sage ich dir auch nicht, suche Jesum, damit dir Vergebung werde, sondern verwirkliche Sein Leben in dir und du wirst inne werden, dass Jesus, der Heiland, Herr und Gott auch ewige Vergebung und Erbarmung ist.

 

Dir, mein lieber Joram und Priester, eine Bitte hätte ich an dich: Sei deiner Gemeinde Freund und Vater. Und lasse einen Brunnen graben, der an deiner Herberge liegt, damit die Bewohner dieses kleinen Fleckens nicht mehr beunruhigt werden von den wüsten Gesellen der Landstraße.

 

Ungern trenne ich mich von euch, aber die ewige Liebe mahnt mich an meinen Dienst. Ihr habt Gnade über Gnade empfangen und nun danket mit Liebe an euren Nächsten, denn nur in tätiger Liebe sichert ihr euch den Frieden und das Heil eurer Seele. Ziehet hin in Frieden. Amen“.

 

Noch einen Tag blieben alle zusammen. Als der Abend hereinbrach, sagte Jakobus zu Andree: „Komme du mit Ludmilla zu Rake, ich habe ein Drängen in meinem Herzen“.

 

In der Gaststube des Joram war viel Leben, fast zu viel des Guten bot Levi. Veit und Ilonka blieben bei Rake, die dem Treiben fern geblieben war. Da wurde niemand gewahr, wie Andree und Ludmilla die Gaststube verließen. Jakobus hatte keinen festen Platz. Bald war er hier, bald dort, den einen dieses, den anderen wieder etwas anderes sagend. So war er auch still gegangen, um bei Rake den Abend zu beschließen, der der letzte in diesem Ort war.

Ganz ernst und feierlich saßen die Fünf am Tische, auf Jakobus wartend, endlich war die Sehnsucht erfüllt. Jakobus spricht: „Friede, Friede und nochmals Friede erfülle euch, denn die ewige Liebe ist unter uns. Morgen scheide ich von euch, doch in dieser Stunde, mein Andree, will der Herr durch mich dir Ludmilla anvertrauen und dir zum Weibe geben. Eure Herzen liegen offen vor mir, ich brauche nichts zu fragen, sondern ich lese in euch die Antwort, dass ihr in treuer Liebe verbunden sein wollt, bis in Ewigkeit. Macht euch bereit für die Gnade, denn der Herr und Meister wird euch segnen“.

            Da stand der Herr sichtbar unter ihnen und allen hörbar sagte Er: „Kindlein, freuet euch der Gnade, die sich in dieser Stunde über euch ergießet. Es ist Meinem Herzen Bedürfnis, euch persönlich zu dienen. Dir, du treue Rake und Hüterin dieses kleinen Hauses, die du Mir dienest, ohne Mich zu kennen. Dir, Veit und Ilonka, gab Ich Meinen Segen zu eurem Bund. Jetzt aber sage Ich noch aus Meiner heiligsten Liebe: Vergesst diese heilige Gnadenstunde nicht, denn Ich kann nicht immer so zu euch kommen, wie in dieser Stunde. Traget Mich in euren Herzen, dann wird Mein Geist alles in euch ersetzen.

            Du Andree, du Feuergeist in Meiner Liebe und du, Ludmilla, in strahlender Liebe steht dein Herz zu Mir. Ich führte euch zusammen, um in euch Kinder zu finden, die ganz in Meinem Liebesgeist nichts Größeres wollen, als zu dienen in dieser Kindesliebe. Ich segne euch als Mann und Weib, doch dies sei noch euer Geheimnis. Ich selbst werde euch beide, wenn auch unsichtbar, begleiten, es soll eine Probe dem Lebensfeind gegenüber sein. Lasst euch nicht begeifern von der Schlange, und wartet mit der Zeugung, bis ihr auch nach dem Gesetz vor aller Welt ehelich verbunden seid. Alle Himmel sind Zeugen dieser Weihestunde, alle schauen auf euch, die ihr Erlöser werden sollt denen, die noch Gebundene sind. Ich könnte euch alle Himmel erschauen lassen, aber nun ihr Mich geschauet habt, ist euch Größeres geschehen. Und warum? Weil Ich auch Großes von euch erwarte. So nehmet hin Meinen Vatersegen, dass er in euch Kraft und Leben werde. Meine Liebe und ;ein Friede erfülle euch zum Heil für alle. Amen. Amen. Amen“.

 

Der Herr war unsichtbar geworden, da sagte Ludmilla: „O Andree, dies war eine selige Stunde. Wie leuchteten die Augen des Herrn. In meinem Herzen hatte ich einen Drang, Ihn zu umarmen. So will ich aber trotzdem dir im Angesicht des Herrn und Seines Jüngers und vor den Freunden geloben, dass ich dir ein treues Weib sein will, wie es der herr erhofft für dein Lebensglück. Sollte ich schwach werden, stütze mich, denn vor dieser Liebe wird mir bange, es ist zu viel der Liebe“. Jakobus: „Beruhige dich, Ludmilla, der Lebensernst kommt auch zu seinem Rechte. Um den Herrn lieben zu können, musst du frei, ganz frei sein. Die kleinste Rücksicht, die du noch dem Weltlichen opferst, schmälert dich an der Kraft, zu lieben. Es ist die höchste Liebe, und du sollst streben, dieser Liebe zu ähneln. Nun aber beschließen wir den Abend, denn in der Frühe müssen wir scheiden. Bleibet aber noch zusammen, denn man sucht mich bereits“.

 

Es war auch so. Arnaut tritt ein, kommt auf Jakobus zu und spricht: „Bruder, ich habe dich gesucht seit einer Stunde, warst du bei Rake und Ilonka?“ Jakobus: „Fa Bruder, Andree und Ludmilla sind durch den Herrn ehelich verbunden worden. Doch soll es ein Geheimnis bleiben, da der Herr den weltlichen Gesetzen nicht vorgreifen will“. Arnaut: „Ich danke dir für diese Mitteilung und gönne ihr das Glück, und Andree scheint ein reiner Charakter zu sein“. Jakobus: „Habe Dank für dieses Wort, es wird auch dir zur Freude gereichen“.

 

Arnaut: „Jakobus, darf ich Ludmilla, die mir mehr als eine Tochter war, ein Heiratsgut mitgeben, denn ich liebe dieses Mädchen“. Jakobus: „Wenn es dich drängt, dann ja, denn Andree kann es gut gebrauchen im Dienst der Liebe. Dort, Darius winkt, wir wollen zu ihm gehen“.

Noch lange waren alle beisammen in rechter Freude. Dann aber sagte Levi: „Kinder, ruht noch ein paar Stunden, denn vor uns liegen unruhige Tage. Ich habe das Bedürfnis, noch mit Jakobus allein zu sein“.

 

Jakobus und Levi schliefen nicht in dieser Nacht. Obwohl wenig geredet wurde, konnte Jakobus doch guten Samen legen und viel Unkraut sichten. Levi, der nie ein Freund von Zärtlichkeit war, umarmte und küsste Jakobus. In diesem Liebesakt zerschmolz der letzte Rest von falschen Begriffen, und das Bild von Jesus stand in Reinheit vor Levis Augen.

 

Kurz war das Morgenmahl, kurz der Abschied. Da nahm Arnaut Andree und Ludmilla bei den Händen und führte sie an einen bepackten Wagen mit zwei Pferden und sagte: „Bruder Andree, betrachte diesen Wagen als dein. Du sollst in Ludmilla kein armes Mädchen an dein Herz nehmen. Betrachte es als Geschenk der ewigen Liebe“. Andree wollte nicht, aber Jakobus sagte: „Andree, nimm es an, was aus Liebe kommt, soll auch wieder der Liebe dienen. Und dann betrachte dich nur als Verwalter, und der Segen wird groß sein“.

 

So fuhren die Wagen los, nachdem Darius nochmals die Liebe Jesu als herrlichstes Liebesgeschenk pries. Viele Händedrucke, Rake und Ilonka aber segneten, was ihnen bisher Heimat war. Auch Darius rüstete zur Abreise mit seinen Leuten.

 

Arnaut, der nur noch einen Wagen und einen Treiber hatte, nahm Jakobus noch zwei Tagesreisen mit bis Rakka, wi sie in einer großen Herberge abstiegen. Hier verabschiedeten sich die beiden, Arnaut mit schwerem Herzen, denn in den zwei Tagen war ihm Jakobus ein wahrer Bruder, Jesus aber wahrer Vater geworden.

 

 

 

 

 

In Rakka

 

 

Jakobus, der an dem lauten Treiben in der Herberge kein Wohlgefallen hatte, ging, da der Abend hereingebrochen war, in das Schlafgemach, welches Arnaut bestellt und auch bezahlt hatte. Auch für sein leibliches Wohl war gesorgt worden. Es war eigenartig, in dieser Nacht konnte er keine Ruhe finden, der Lärm hielt die ganze Nacht an. Es war ein Kommen und Gehen.

 

Schon frühzeitig nahm er das Morgenmahl, welches eine Magd ihm bereitete. Die war allein in dieser großen und öden Gaststube, ein Bild voller Schmutz und Abfall. Da entschuldigte sich die Magd, weil sie es Jakobus ansah, dass es ihm nicht gefiel.

 

Jakobus: „Es kommt ja weniger auf den Schmutz in dieser Stube an, sondern auf den Schmutz im inwendigen Menschen. Was ich hier erlebe, übersteigt alle Grenzen“. Die Magd: „Ja, wir müssen nur arbeiten und arbeiten für karges Essen und die paar Kittel, die wir auf dem Leibe tragen. Nicht einmal einen Groschen habe ich, um meiner kranken Mutter ein paar Früchte kaufen zu können“. Jakobus: „Ist deine Mutter in der Nähe, könntest du mich zu ihr führen? Geld habe ich auch keines, aber ich trage einen Gottesschatz an Kraft in mir, die sie aller Leibesnot entbinden könnte“. Die Magd: „Auch du wirst ihr nicht helfen können, denn der Priester Arius hat sich schon viel Mühe gegeben. Für uns gibt es eben nur Arbeit, Kummer und Trübsal bis zur Todesstunde“. Jakobus: „Aber Amelia, warum siehst du das Leben von der schwarzen Seite, hast du nicht eine sonnige Kindheit und manche frohe Stunden gehabt? Freilich, wenn du verzagst, unterbrichst du ja den Lebenswillen in dir“.

 

Amelia: „Fremdling, du kennst unser Leben nicht. Es ist auch besser, mit vergrämtem Gesicht umherzulaufen, als mit einem fröhlichen, denn schnell ist man ein Opfer der Händler, was aber dann geschieht, weiß man nicht. Erst vor zwei Tagen sind über 100 im Hofe gewesen, welch ein Elend“. Jakobus: „Ich weiß um dieses und noch mehr. Es wird auch noch längere Zeit dauern, bis hier rechte Ordnung wird. Aber gerade deswegen sollst du ganz froh sein, um deiner Mutter willen, die heute noch ganz gesund werden wird, wenn sie will“. Amelia: „Bist du ein Arzt oder Priester? Zu Arius habe ich kein Vertrauen mehr, in seiner Nähe wird mir unheimlich“.

 

Es kamen Treiber von Karawanen in die Stube, die ungestüm ihre Suppe verlangten, es waren rohe Menschen. Da die Magd allein war, dauerte es natürlich viel länger. Sie verwünschten die Magd, obwohl dieselbe sich die größte Mühe gab, was auch alle sahen. Immer lauter wurden die wüsten Gesellen.

 

Da ging Jakobus hin und sagte: „Es ist nicht fein von euch, auf dieses arme Menschenkind euren Zorn und eure Rohheit auszugießen. Ihr seht es ja, dass sich ihre Hände und Füße lebhaft bewegen“. – „Sei du ja stille, du Tagedieb von einem Juden. Erschlagen müsste man einen jeden von euch, ihr seid ja nichts anderes wert“, spricht einer. Jakobus: „Klebt noch nicht genug Blut an deinen Fingern, oder willst du, dass deine Schandtaten offenbar werden?“

 

Da sprang der Mann auf und wollte sich an Jakobus vergreifen. Dieser aber sah ihn fest an, da wich er zurück, Schritt um Schritt, Jakobus aber folgte ihm. An der Türe drehte er sich um und eilends war er hinaus. Die anderen waren entsetzt, entgeistert sahen sie Jakobus an.

 

Dieser aber sagte: „Ziehet daraus eine Lehre, und befleckt euch nicht mit dem Blut von euren Brüdern, denn einmal kommt die Stund, wo alles offenbar wird“. Spricht einer: „Ja, wer bist du denn, dass du den Ausbund von Wut gebändigt hast?“ Jakobus: „Nichts anderes, als ihr, ein Mensch von Fleisch und Blut, aber erfüllt mit dem Gedanken, allen Menschen zu helfen und sie glücklich zu machen. So, wie ihr heute steht, lauft ihr Gefahr, bei nächster Gelegenheit erschlagen zu werden. Ein Sinn für Höheres, sogar für ein ewiges Leben, geht euch gänzlich ab, denn ihr hättet fühlen müssen, dass diese arme Maid dort sehr schweren Kummer hat. Statt eines freundlichen Grußes verflucht ihr sie noch“. Spricht einer: „Freilich hast du recht, aber es ist mit uns eben so, sind die Herren nicht da, dann sind wir die Herren. Es liegt eben so in uns“.

 

Jakobus: „Ich möchte euch auch keinerlei Vorschriften machen, aber ich fühle mich verpflichtet, das Mädchen vor eurer Brutalität zu schützen“. Antwortet ein anderer: „So, seit wann sind denn die Juden Helden geworden. Nach meinen Erfahrungen seid ihr Juden nur Helden im Betrügen, aber nicht im ehrlichen Kampf“.

 

Die Magd bringt die Morgensuppe und einige Brote, vergessen ist ihr aller Streit. Mit Hast verzehren sie ihr Morgenmahl. Jakobus aber schaute wortlos zu. Er war unbefriedigt, weil es nicht gelang, eine Verbindung herzustellen, auch wollte er den Schimpf nicht auf sich sitzen lassen.

 

Andere Männer kamen und verlangten ihre Morgensuppe. Es war wieder genau der rohe Ton, wie bei den anderen. Einer aber starrte ihn mit finsteren und unfreundlichen Augen an. Nach einer Weile steht er auf, geht hin zu Jakobus und spricht: „Was tust du hier in Rakka, bist wohl einer, den der Tempel zum Raub geschickt?“

 

Jakobus: „Im Gegenteil, ich bin in der Mission des Gekreuzigten und Auferstandenen hier. Ich bin niemanden verpflichtet, Rede und Antwort zu stehen, als nur meinem Herrn und Meister“. Spricht der Frager: „Wenn du die Wahrheit sprichst, dann entschuldige meine unfreundliche Art. Ich könnte ja jeden Juden in das Gesicht schlagen, dem ich begegne, weil sie ihren Stammesgenossen, der anderer Art war, an das Kreuz lieferten. Wie viel habe ich von dem Heiland und Wundertäter gehört, Er interessiert mich. Was macht das elende Judenpack, liefert Ihn an das Kreuz, damit ja niemand weiter diese von Ihm ausgeführten Wohltaten erhalten könne. Ich kann nur nicht verstehen, dass Er sich alles dieses gefallen ließ, denn Er soll auch im Besitz von großer Kraft und Weisheit gewesen sein“.

 

Jakobus: „Du hast recht vernommen, es ist alles so gewesen. Dass Er am Kreuze endete, war ja Vorausbestimmung. Du wirst es nicht so leicht fassen können, denn für uns, Seine Jünger, war es auch unfassbar, bis Er Selbst als Auferstandener uns anderer Meinung machte. Sein Sterben am Kreuze wurde zum Heil aller Menschen. Dieses Heil aber zu verkünden ist meine  und anderer Jünger Mission“. -  „Es klingt sehr geheimnisvoll, ja fast unglaublich“, erwiderte der Mann, „wäre es nicht richtiger gewesen, Er hätte Seine Macht und Kraft gebraucht und Seine Feinde umgebracht. Seine Feinde sind geblieben, ja, es sind ihrer mehr geworden, die Folgen Seiner Unterlassung aber müssen Seine Anhänger tragen, auch du wirst nicht verschont bleiben. Ich habe genug gesehen, ich könnte jeden Juden erschlagen, der des Wundertäters wegen seine Stammesgenossen ins größte Elend bringt“.

 

Jakobus: „Obeth, ich könnte dir noch viel mehr sagen, aber es würde dir nicht zum Heile gereichen. Sei aber versichert, der Herr und Meister Jesus ist von allem unterrichtet. Er weiß um alles, nicht das Kleinste und Geringste entgeht Ihm. Unser Leid ist auch Sein Leid. Darum bin ich stille und bin mir bewusst, wenn es nicht im Plane der Erlösung liegen würde, würde es nicht zugelassen werden“.

 

Obeth: „Wie kommt es, dass du meinen Namen weißt, wir sehen uns doch erst seit wenigen Minuten?“ Jakobus: „Ich weiß noch um mehr, ich weiß sogar, dass deine Mutter eine Jüdin war und viel vom kommenden Messias erzählte, dein Vater aber nannte dieses blinde Schwärmerei“. Obeth: „Mann, du wirst rätselhaft, kein Mensch in dieser Umgebung weiß um dieses. Die Eltern sind tot, für mich sind es alte Geschichten“. Jakobus: „Mag sein, Obeth, der Mutter Sehnsucht aber liegt in dir, denn es gab eine Zeit, wo du auf den Wundermann Jesus große Hoffnung gesetzt hast“.

 

Obeth: „Leugnen ist zwecklos, aber was nützt mir Sein Tod? Was ein Lebendiger nicht vermochte, bringt ein Toter gleich gar nicht fertig“. Jakobus: „Wieder ein Irrtum deinerseits, denn mit Jesu Sterben ist der Weg zum Leben frei. Du sagtest, was ein Lebendiger nicht vermochte, bringt ein Toter gleich gar nicht fertig. Bist du überhaupt imstande, dir ein Bild von Jesu Macht, kraft und Herrlichkeit zu machen? Du kannst es nicht, weil du Jesu Liebe nicht in Rechnung stellst. Dir ist es einfach unbegreiflich, im Besitze der Macht zu sein und im entscheidenden Moment zu versagen. O, mein Freund, da haben andere damit gerechnet, und warum? Damit das Erlösungswerk zunichte geworden wäre. Bei Seinem Tode triumphierten alle Seine Feinde, bei Seiner Auferstehung aber hatte das Leben den Sieg über allen Tod errungen. Darum werden alle, die an Ihn glauben, leben, obgleich sie sterben“.

 

Obeth: „Jetzt hast du aber wieder daneben gehauen. Machst das Leben deines Meisters interessant, und zum Schluss stellst du alles auf den Kopf. Sie werden leben, obgleich sie sterben, dies ist totaler Widerspruch. Du bist halt auch schwärmerisch veranlagt, wie meine Mutter“. Jakobus: „Obeth, besser ein Schwärmer für das Leben, als ein kalter Verstandesmensch gegen das Leben, denn einmal muss es doch offenbar werden. Einem Schwärmer stehen immer noch Türen zum Leben offen, während ein Verstandesmensch sie zuschlägt. Lass dir aber gesagt sein, den Nachfolgern Jesu ist alle Schwärmerei ein Greuel, ihnen ist das Leben heiliger Ernst. Das Leben aber will gesucht und erfasst sein, bedeutet mitunter größte Hingabe und festen Willen. Was du lebst, ist kein Leben, nur ein Vegetieren im Weltgeist. Weltgeist ist gerichtet, und die Folge ist der Tod. Leben aber ist befreites Sein aus dem Geiste der Barmliebe, mit dem Erfolg einer nie aufhörenden Glückseligkeit“.

 

Bei Amalie und Amelia 

 

Die Magd kommt und spricht zu Jakobus: „Ich darf zu meiner Mutter gehen für die Zeit von ein bis zwei Stunden, die Hausmutter hat es mir erlaubt. Wenn du willst, so komme mit“. Jakobus: „Ich komme mit, Amelia, und du, Obeth, für dich würde der Gang sehr segensvoll werden“. Obeth: „Nur wenige Minuten Geduld, ich will meinen Leuten einige Anweisungen geben. Aber eins sei auch dir gesagt, wenn ich nicht befriedigt bin, mache ich dir ein Feuer“.

 

Als die Drei nach fünf Minuten Weges bei Amelias Mutter eintreten, ist auch gerade Arius, der Priester, gekommen, der die Drei überaus freundlich begrüßt. Es war ihm nicht recht, zwei Fremde bei Amalia zu sehen.

 

Da sagte Amelia: „Mutter, hier bringe ich dir einen Freund, er wird dir gewiss die ersehnte Hilfe bringen“. Amalie: „O Amelia, du gutes Kind, ich habe die Hoffnung aufgegeben. Die ganze Nacht hätte ich vor Schmerzen schreien können, und der Schlaf floh meine Augen und mein Lager. Wie besorgt ist der gute Arius, auch ihm machen meine Schmerzen Sorgen“. Arius: „O liebe Amalie, rede nicht so viel. Die Götter soll man nicht betrüben oder ihnen etwas abringen wollen. Es ist eben dein Schicksal, leiden zu müssen“.

 

Spricht Jakobus zu Amalie: „Ich habe deiner Tochter Hoffnung gemacht, dass du gesunden könntest, wenn du nur wolltest, darum bitte ich dich hier“. Arius: „Da wäre ich neugierig, wie du dieses anfangen willst, denn diese verkrüppelten Glieder können unmöglich wieder gerade werden“. Jakobus: „Warum nicht, lieber Freund? Sind denn deine Götter nicht imstande, einem Menschen die geraden Glieder wieder zu geben, die sie ihnen erst genommen haben? Überhaupt, was sind und wie sind deine Götter, als Vertreter und Priester musst du es wissen?“ Arius: „Wer und was bist du, welchen Ton erlaubst du dir als Fremder, mir, einem Priester gegenüber? Mit welchem Recht fragst du überhaupt?“

 

Jakobus: „Mit dem Recht der Menschlichkeit, die einem Jeden das Beste geben will, was sie kann. Du stellst dich auf einen ablehnenden Standpunkt und siehst in mir einen Feind, dem ist nicht so. Ich bin nur deinen falschen Gottesbegriffen und der Art, wie du dienst, nicht gut gesinnt und bin bereit, dir die Augen zu öffnen über diene Götter, die völlig tot und nur ein Mittel sind, die Menschen nieder zu halten, ja noch mehr, zu binden. Ich aber bin gekommen, um die Botschaft des wahren und lebendigen Gottes und Herrn zu verkünden, die in dem besteht, dass alle Menschen erlöst werden sollen von aller Knechtschaft, und ein freies und ewiges Leben erhalten sollen“.

 

Arius: „Ach, du bist ein Jude, einer von denen, die behaupten, sie seien die Auserwählten ihres Jehova, der ihr Gott sein soll, und dürfen dafür die Menschen ausbeuten in ihrer Habgier und Geldgier. Frage Amalie, ob ich jemals den geringsten Stater für meinen Dienst beansprucht habe“. Jakobus: „Darum dreht es sich jetzt nicht, was wir Menschen tun oder getan haben, sondern um den wahren und lebendigen Gott, von dem ich behaupte, Er will die Menschen zu den Glücklichsten machen, jetzt und bis in alle Ewigkeit, während deine Götter scheinbar nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind“. Arius: „Ich wage gar keine Antwort zu geben, denn deine Worte sind reine Gotteslästerung“.

 

Jakobus: „Freund, du möchtest mich los werden, darum werde ich auch nicht in dich dringen. Ich bin geladen von der Tochter des Hauses, um der Mutter Hilfe zu bringen. Darum bitte ich dich, mich nicht zu stören, damit das Übel nicht über dich komme.

 

Dich aber, Mutter Amalie, frage ich, könntest du an einen ewigen und lebendigen Gott glauben?“ Amalie: „Warum nicht, lieber Menschenfreund, wenn dieser Gott Liebe und Güte ist? Immer sehne ich mich nach etwas, was mich froh und zufrieden machen soll, aber es bleibt beim Sehnen. Siehe meine verkrüppelten Hände und Füße, ich muss stundenlang warten, bis gute Menschen kommen und mir mein Los erleichtern, und dazu gehört in erster Linie Arius! Noch nie hörte ich, dass ein Mensch mich fragte, ob ich an einen ewigen und lebendigen Gott glauben könne. Hier schaue, in der Ecke ist mein kleiner Hausgott. Seine Augen verfolgen mich auf Schritt und Tritt, ja, es ist mir, als wenn sie manchmal zornig blickten“. Jakobus: „Amalie, deine Antwort befriedigt mich. Um dich aber zu befreien von deinem Irrtum, und dass der Weg zum wahren Gott dir frei gemacht werde, werde ich deinem Hausgott ein anderes Plätzchen geben, bis du so weit bist, ihn ganz frei zu vernichten“.

 

Jakobus nahm die kleine Figur, wickelte sie in ein da liegendes Tuch und legte das kleine Bündel unter ihre Liegestatt. Arius wollte auffahren, aber Obeth sagte: „Lass diesen Menschen frei handeln, ich bin begierig, wie das enden wird“.

 

Jakobus: „Amalie höre, deine Sehnsucht ist dem wahren Gott bekannt. Durch mich will Er dir Hilfe geben. Nur eine Bedingung knüpft Er daran, dass du fest glaubst, dass nicht ich, sondern Er Selbst dir helfen kann und du Ihm allein die Ehre gibst“. Amalie: „Nichts weiter? Dieses wäre ja der Liebe Höchstes. Ja, deine Worte klingen so verheißungsvoll, ja, ich fühle, ja, ich glaube, dass mir Gott helfen wird“. Jakobus: „Liebe Amalie, auf deine Worte hin wollen wir zu dem seligen Werk schreiten. Du aber, Du herrlicher Meister, Du, mein Jesus, mein Gott und Vater, erfülle mich ganz mit Deiner Kraft und mit Deinem Geist“.

 

Jakobus legte seine beiden Hände auf Amalies Haupt und betete: „Mein Jesus, Deine Liebe in mir drängt mich, diesem Deinem Kinde zu helfen. Durchdringe mich ganz mit Deiner Kraft und verherrliche Dich in diesem Kinde. Amen. Du aber, Amalie, dir geschehe nach deinem Glauben. Stehe auf und sei von nun an Dienerin der Liebe, die sich jetzt an dir so herrlich offenbart. Jesus mit dir. Amen“.

 

Da ging ein Blitz, den auch Arius und Obeth sahen, durch Amalie. Ein Aufschrei, und Amalie sah auf ihre Hände, dann auf ihre Füße, wie sie gerade waren. Stand auf, reckte und streckte sich und sagte mit einem Tränenausbruch: „Ich bin gesund, o Du wahrer Gott gabst mir meine Gesundheit wieder. Was soll ich tun, um dir zu danken für dieses Geschenk?“ Jakobus: „Nichts, als zu glauben an den ewigen Gott und an Seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, alle Götter als nicht da seiend betrachten und Seiner Lehre, die da lautet: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten, wie dich selbst, den größten Eifer entgegen bringen“.

 

Da war es aus bei Arius. Er besah sich die Hände und Füße der Amalie und sagte: „O Freund, welch ein Abgrund tut sich mir auf, was habe ich getan, wie kann ich mich mit deinem Gott versöhnen?“ Jakobus: „Arius, werfe alle deine Götter ins Feuer und ergreife du mit ganzem Herzen Gott, den Herrn und Seinen Sohn Jesu, dann wirst du glücklich machen können, jetzt und allezeit“.

 

Amalie war außer sich. Unter Freuden und Weinen rief sie: „Diese Freude, diese Freude, das müssen alle erfahren“, und schnell war sie zum Hause hinaus. Nur Minuten dauerte es, da kamen auch schon die Nachbarn, beschauten das Wunder und wollten wissen, wer es vollbrachte. Da war es Arius, der sich zum Sprecher machte und dem wahren Gott die Ehre gab.

 

Unter den Neugierigen war auch eine alte betagte Mutter. Es war schwer, mit ihr zu reden, denn sie hatte zwei aussätzige Enkel, die noch mit anderen weit draußen, außer der Stadt, isoliert waren. Dieses Wunder war ihr eine Botschaft aus einer anderen Welt. Sie betrachtete das Wunder größer als den Gott, der es vollbrachte. Wiederum war es Arius, der die alte Mutter nach dortiger Art überzeugen konnte, dass diese Heilung kein Wunder, sondern der Ausdruck der großen Gottesliebe sei, von der sie heute erst erfahren.

 

Da ging ein Lächeln über ihr altes runzliges Gesicht. Aus ihrem zahnlosen Mund sprudelten die Worte: „Wenn dieser Gott solche Liebe besitzt, dann sollen auch die anderen diese Liebe erfahren“.

 

 

 

 

 

Wurka

 

 

 

Sie verließ, ohne noch ein Wort zu sagen, das Haus. Die anderen aber sagten: „Was ist denn in die alte Wurka gefahren, so viel hat sie in ihrem Leben noch nicht zusammenhängend gesprochen“. Spricht Jakobus: „Ja, liebe Leute, wundert euch nicht, sie bringt alle Aussätzigen, damit sie gesund werden sollen“.

 

Da rissen die anderen schnell aus, denn ein Schrecken war in sie gefahren, sie hatten Angst vor der schrecklichen Krankheit. Nur einige wenige waren geblieben. Zu ihnen sagte Jakobus: „Warum geht ihr nicht mit den Furchtsamen, denn auch euch trieb die Neugierde ins Haus zu Amalie“. Sagte eine: „Nun ist es nicht mehr Neugierde, sondern Verlangen, auch diesen Gott kennen zu lernen“. Jakobus: „Dann bleibet, ihr alle werdet dann die Herrlichkeit Gottes schauen und Seine große Liebe erfahren“.

 

Es kamen immer mehr, Angst und Entsetzen packte sie, als sie hörten, die alte Wurka bringe die Aussätzigen.

 

Da sagte Jakobus: „Liebe Leute, fürchtet euch nicht um Dinge, die euch allen dem ewigen Heil dienen sollen. Schauet eure Amalie an, sie ist gesund durch die Kraft und Liebe des wahren und lebendigen Gottes, der euch bisher unbekannt war. Ihr habt gehört von dem Heiland und Wundermann Jesu aus dem jüdischen Land, dessen Bote ich bin. Ich darf euch die Botschaft des ewigen Gottes und Seines Sohnes Jesus überbringen, welche lautet: `Ich lebe und alle, die an Mich glauben, werden auch leben`. Denket ja nicht, wir leben ja, was soll uns diese Botschaft. O liebe Leute, ein Leben aus Gott ist ein anderes Leben, da Jesus Christus, der Sohn Gottes, uns erlöst hat vom Tod und Gericht, und allen Fluch, der auf dem Menschengeschlecht lag, gesühnt hat“.

 

Arius: „Lieber Mann, was ist das für ein Fluch, der auf allen Menschen lastete, was ist es mit dem Tod und Gericht, es müssen doch alle Menschen sterben“.

 

Jakobus: „Arius, was wisset ihr alle vom Leben, nichts. Jeder Pulsschlag deines Herzens zeugt wohl auch vom Leben, aber ein Leben, welches jederzeit ausgelöscht werden kann, da es gerichtet ist. Dieses Leben aber ist der Fluch, der auf dem Menschengeschlecht liegt, dass es dem Fleische zinspflichtig ist, und alles geistige Leben schwer erkämpft werden muß. Darum braucht das gesamte Menschengeschlecht einen Erlöser, sonst wäre es dem ewigen Tode verfallen. In Jesus, dem Menschen- und Gottessohn, ist der Retter erstanden, und der Weg und das Tor zum ewigen Leben frei geworden für alle Menschen, die da eines guten Willens sind“.

 

Arius: „Aber Freund, du schilderst das Menschengeschlecht, als ob es am Abgrund stünde. Was wird aus denen, die schon im Grabe ruhen und aus denen, die deine Botschaft nicht erreicht?“ Jakobus: „Sorge dich dessen nicht. Gott ist Liebe und der Retter und Erlöser hat auch den Weg zu denen gefunden, die das irdische Sein verlassen haben. Seine Liebe und Weisheit findet auch Mittel und Wege, dass sie alle diese Botschaft erfahren“.

 

Arius: „Freund, noch eine ganz wichtige Frage, sie lastet schwer auf mir. Wer gibt mir Garantie, dass, so ich an Gott und Seinen Sohn glaube, auch wahrhaft das ewige Leben überkomme. Bis jetzt sind alle gestorben und keiner konnte sein Leben beweisen noch offenbaren“.

 

Jakobus: „Arius, und ihr alle, höret: Jesus Christus ist der Garant für euer ewiges Leben und Sein, denn, obwohl Er Mensch war, erfüllte Er das Gesetz bis zum letzten Buchstaben und ließ es zu, dass man Ihn verfolgte, verschmähte und zuletzt an das Kreuz heftete und Sein Leben opferte für die Wahrheit Seiner Lehre. Sein in Ihm geeinter Geist mit dem Gottesgeist aber überwand den Tod, und nach drei Tagen stand Er im unzerstörbaren Leibe unter uns und brachte die Kunde: `Ich lebe, und die an Mich glauben und Meine Lehre ausleben, werden auch leben`. Sehet, so lebt in allen, die an Ihn glauben und in Seinem Geiste, Seiner Liebe leben, Seine Kraft und Herrlichkeit, und alles wird möglich, so ich recht glaube und mit Ihm verbunden bin im Geiste“.

 

Obeth: „Lieber Menschenfreund, jetzt habe ich nicht nur dich, sondern auch deinen Gott und den Retter und Heiland Jesus verstanden. Ich wollte keine Einwendungen machen, und ich wünschte, ich könnte Manches ungeschehen machen in meinem Leben. Da schaut ja die Menschheit und die gesamte Welt ganz anders aus. Was habe ich wohl zu tun, dass ich das ewige Leben erringe?“ Jakobus: „Glaube an Jesus, den Lebendigen, dann wird Sein Geist in dir lebendig werden. Und hemme diesen Geist nicht, denn er führt zu Gott, dem Ewigen“.

 

Amelia kommt ganz erhitzt und spricht: „Die halbe Stadt weiß um dieses Wunder, du wirst dir viele Fragen gefallen lassen müssen, du edler Menschenfreund!“ Jakobus: „Amelia, was wird wohl die ganze Stadt sagen, wenn der ewige Gott eure Aussätzigen heilen wird, die die alte Wurka bringt, denn sie ist schon auf dem Weg nach hier“. Amelia: „Die alte Wurka, die kaum zehn Worte sagen konnte? O, Du unbekannter Gott, lass Dich nicht so lange suchen, verbirg Dich nicht hinter Deinem Priester, damit wir Dir den gebührenden Dank entgegenbringen können“.

 

Jakobus: „Amelia, würdest du im rechten Glauben dem dir noch unbekannten Gott ein Opfer bringen und Ihm einen Dienst erweisen, der deinen kranken und aussätzigen Schwestern und Brüdern zum Heile werden würde?“ Amelia: „Bedingungslos tue ich, was dein Gott, der auch der meine sein soll, von mir verlangt“. Jakobus: „Dann fülle einen Kübel mit reinem Wasser und einem reinen Lappen, damit wäschst du einen jeden Kranken. Tue es im Namen deines Herrn und ewigen Gottes, dann wirst du Seine Herrlichkeit sehen“. Amelia: „Ja, ich tue es. Es genügt mir zu wissen, dein Gott ist auch mein Gott“.

 

Eilig füllte sie einen Kübel mit reinem Brunnenwasser, die Mutter gab ihr ein Tuch. Da kommt auch schon die Wurka mit einer großen Anzahl Aussätziger, alt und jung. Vor dem Hause warten sie auf Geheiß der Wurka. Von weitem verfolgten die Neugierigen die Kranken, aber die Wurka nahm keine Rücksicht. „Kommet, der Retter ist da“ waren ihre Worte. Im nächsten Augenblick war das Häuschen leer, alle waren sie auf die Straße geeilt, Jakobus und Amalie als die Letzten.

 

Spricht Jakobus: „Wurka, hast du die Überzeugung, dass dich der wahre und heilige Gott nicht enttäuscht, denn ohne zu fragen, bist du von hier geeilt?“ Wurka: „Wenn der wahre Gott Liebe ist, wie ich an Amalie erlebte, dann wird mich keine Enttäuschung berühren, denn Liebe will ja allen helfen“.

 

Jakobus: „Auf deinen Glauben hin sage ich dir, du treue Wurka, dass der heilige Gott und Vater aller Menschenkinder dich für würdig befunden hat, Dienerin der heiligen und erlösenden Liebe zu sein, dir geschehe nach deinem Glauben. Euch aber, ihr Kranken und Leidgeprüften, lasset euch sagen, dass eure Zeit des Leidens vorüber sein soll, so ihr an den Gott, der Liebe und ewiges Leben ist, glauben wollt. Wer da nicht glauben kann, mag ruhig zurücktreten. Wer da glauben kann, setze sich auf den Boden, damit Amelia mit dem Wasser, welches ich im Namen des Herrn segnen werde, euch waschen kann. Bist du bereit, Amelia?“ – „Ja, mein Herr und Gott“, rief  Amelia mit lauter Stimme.

 

Da kniete Jakobus nieder und betete: „O, Herr und Meister, Deine Liebe führte es, dass viele Kranke Hilfe bei Dir suchen, der Du die Kraft, Macht und Herrlichkeit bist. Erfülle mich ganz mit dem Strom Deiner Kraft und Macht und lass das Werk Deiner Liebe gelingen. Wir danken Dir mit kindlichem Herzen und bitten Dich, sei unter uns und offenbare Deine Liebe, Macht und Herrlichkeit. Amen“. Sei gesegnet im Namen des Herrn Jesu, du Wasser, sei belebt durch die Kraft des Herrn und ewigen Gottes und so erfülle sich der Wille Gottes an diesen Kranken. Du, Amelia, des Herrn Segen über dich und deine Liebe! Vollbringe im Glauben, was Liebe sich ersehnt. Jesus mit euch“.

 

Da wollte Amelia das Tuch in das Wasser tauchen, da kam Wurka und sagte: „So nicht, Amelia, mit einer Schüssel schöpfe ich dir, denn diese Tat erfordert doppelten Glauben“. Schnell war eine Schüssel zur Hand. Amelia wusch die ersten Drei mit Beten und Bitten, o Wunder, das Wasser nahm den Aussatz. Da jubelten die Drei, aber Wurka sagte: „Kinder, danket und bittet, alle sollen gereinigt werden, so will es der wahre Gott“. Zehn mal brauchte Wurka Wasser, alle wurden rein, da knieten noch alle 30 auf dem Boden.

 

Sagte Jakobus: „Bruder Arius, walte deines Amtes als Priester und Diener des lebendigen Gottes. Amen“ Da besah Arius die Gereinigten und sagte: „Ihr seid rein durch die Gnade des Herrn und Gottes. Ihr dürft wieder dort hingehen, wohin ihr wollt. Vergesst das Danken nicht, und eingedenk dieser großen Gnade, bleibt diesem wahren Gott getreu“.

 

Da wich die Menge bestürzt zur Seite. Vor diesem allgewaltigen Werk der unbekannten Gottheit wagte niemand ein Wort zu sagen. Aber Wurka, ihre beiden Enkel bei den Händen nehmend, sagte zu Jakobus: „Du Bote der Liebe und Vertreter deiner Gottheit, gib uns ein Wort, wie ich zu leben habe. Was uns hier geschehen ist, kann nur einem lebenden Gott möglich sein“.

 

Spricht Jakobus: „Kinder, schaffet erst einmal Ruhe in euch. Es sind noch viele unter euch, die noch an den toten Göttern hängen, denn der wahre Gott, der auch der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Will ganz und gar nicht angenommen sein. Heute Abend werde ich euch dienen wie ein Bruder, werde euch hineinführen in den Geist, der unser aller Glück und Leben will, und euch Kunde geben von dem Sohne Jesu, der uns allen der Weg zum Vater ist. Reinigt zuvor eure Herzen von den Anhängseln falscher und toter Götter, damit Jesus, der Heiland, ein gereinigtes Herzenshaus vorfinde. Wer sich aber nicht trennen kann und mag von seinen toten Göttern, bleibe ruhig dabei“.

 

Wurka: „Dein Wort, du Bote Gottes, ist wie ein Licht, was da erstrahlt in einer Nacht und mir leuchtet in froher Hoffnung. Ich wollte, ich wäre noch jung, um ganz Dienerin der Liebe zu sein. Nun aber sterbe ich gerne, da ich diese Armen der Armen, Ausgestoßenen vom Glück, wieder glücklich sehe. Nur so lange lass mich noch leben, Du herrlicher und unbekannter Gott, bis ich Dich ganz erfasst habe und dir danken kann für die Erfüllung meiner Sehnsucht“. Jakobus: „Wurka, bleibe mit deinen Sorgenkindern, dein Herzenstor ist offen, ihr anderen aber tut nach meinen Worten“.

 

Es kommt die Wirtin, um Amelia zu holen, denn die Arbeit häufte sich an. Aber Amalie sagte: „Lass heute Amelia hier, denn vor diesem großen Gotteswunder muss alles stille stehen. In treuem und doppeltem Fleiß wird sie alles wieder einholen“. – „Ach was, Gotteswunder, wenn man vor Arbeit nicht weiß, wo aus und ein. Für mich gibt es nur ein Wunder, wenn die viele Arbeit nicht mehr wäre, auch ich sehne mich nach Ruhe“.

 

Jakobus: „Beschaue dir Amaliens Hände und Füße, sie hatte bis jetzt Ruhe“. Amalie: „Frage die Wurka, die alle Aussätzigen holte. Sie alle wurden rein“. Die Wirtin: „Ach, darum dieser Auflauf, so etwas hat Rakka noch nicht gesehen. Aber nun weiß ich immer noch nicht, was geschehen ist“. Wurka: „Gott ist zu uns gekommen, der wahre, wirkliche und lebendige Gott, von dem uns kein Priester und Mensch je eine Mitteilung machte“. Wirtin: „Haben wir noch nicht genug Götter? Aber von dem Gott möchte ich etwas erfahren“. Jakobus: „Jetzt nicht, die Pflicht bindet dich an dein Haus. Dein Mann ist ungehalten, weil du überall fehlst, aber morgen sollst du mehr erfahren. Mache dich aber mit dem Gedanken vertraut, der wahre Gott möchte auch in dein Haus einkehren“. Wirtin: „Da muss ich aber eilen, sonst ist der Unfriede eher da, als der wahre Gott“.

 

Auch Obeth verließ das Haus der Amalie. Aber zuvor dankte er Jakobus noch und sagte: „Ich habe noch mehr Verlangen nach dem lebendigen Gott, der allen Erlöser sein will. Ich weiß nur, dass Er da ist, aber ich finde noch nicht den rechten Weg zu Ihm“. Jakobus: „Obeth, die alte Wurka hat allen den Weg zu Ihm gezeigt. Liebe ist Sein wahres Wesen und Liebe Sein Vermächtnis, das Er allen, allen Menschen als Trieb in das Herz legte. Darum liebe die Liebe und werde ihr Diener, dann hast du den ewigen Gott nicht nur gefunden, sondern bist Sein Diener und mit Ihm verbunden“.

 

 

 

 

 

Bei Arius im Tempel

 

 

An diesem Tage war das Haus der Amalie der Mittelpunkt von Rakka, Jakobus spürte das Wehen der heiligen Liebe. Sein Herz war übervoll, er musste zurückhalten, denn die Menschen hatten noch große Furcht vor den toten Göttern.

 

Abend war es, viele, viele waren gekommen und trugen eingewickelt ihre toten Götter. Wer sie noch nicht hatte, holte sie schnell, denn Arius sagte: „Unseren toten Göttern opfern, ist kein Opfer, sondern ein Eintauschen von Gaben, die der lebendige und ewige Gott allen denen gibt, die sich frei gemacht haben vom Götzentum“.        Es war unmöglich, die vielen, vielen im Hause unterzubringen. Da sagte Arius: „Gehen wir in unseren Tempel, und du, Jakobus, weihe ihn für unseren Gott, der uns heute so viel schenkte. Die beiden anderen Priester sind auch auf dem Wege zu Ihm, der zum wahren Leben führt“.

 

Da es schnell Nacht wurde, brachten auch Einige Fackeln mit. So bewegte sich ein Zug in Rakka zu den Tempeln vor der Stadt, wie noch keiner gesehen wurde. Die treibende Kraft war Wurka mit den Gereinigten, von denen die Hälfte Fackeln hatten und den Platz vor dem Haupttempel beleuchteten, der eine Halle mit einem Altar mit einer Götzenfigur darstellte. Auf diesen Altar legten auf Geheiß der Wurka alle ihren Götzen. Auch Amalie hatte ihren Götzen mitgebracht und geopfert.

 

Arius tritt vor den Altar und spricht: „In einem anderen Geiste stehe ich vor euch. Noch nie waren wir bei Nachtzeit hier versammelt, aber die Dinge, die geschehen sind, erfordern große Entschlüsse. Da uns Rakkaer ein großes Gnadengeschenk geworden ist, indem der wahre Gott sich offenbarte, möchten wir auch diesem wahren Gott unseren Dank darbringen. Ich, als euer Priester, lege meine Würde nieder, da ihr euch frei gemacht habt von dem, was ein Irrtum war. Aber zu meiner letzten Handlung erbitte ich eure Liebe. Sehet, die toten Götter will ich vergraben, nicht nur in eurem Beisein, sondern im Angesichte des lebendigen Gottes, der uns in Jakobus entgegen gekommen ist. So will ich zu dem Werke schreiten. Ihr aber, ihr Gereinigten, bringet alles, was auf dem Altar liegt, damit es begraben sei für unsere Augen und auch für unsere Herzen“.

 

Wenige Schritte vor der Halle war ein Grab ausgeschaufelt, dahinein wanderten diese Figuren. Arius selbst schaufelte es im Licht der Fackeln zu. Dann trat er vor seine Gemeinde und sagte: „Jakobus, das Haus ist gereinigt, der Weg zu Gott ist geebnet. Offenbare du uns alles, was wir brauchen, um den wahren Gott als unseren Gott anzunehmen“.

 

Jakobus, voll der seligsten Wonne, spricht: „Liebe Männer, Frauen und auch Kinder, ich grüße euch alle im Namen der ewigen Liebe, die unser aller Gott und Vater ist! Ich will euch hineinführen in Sein Reich, welches ein ewiges und bleibendes ist.

 

Im Anfang war das Wort, Gott war das Wort und alles, was geschaffen wurde, geschah durch dasselbe. So gingen große Welten, Sonnen, Sterne und Erden, welche alle belebt wurden, in ein Dasein, wovon wir Menschen noch keine Kenntnis hatten. Diese Schöpfungen waren der Anfang zu dem größten Werke, welches noch hervor gehen musste, es war der Mensch. Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde, angefüllt mit allem, was in Gott lag.

 

Gott brauchte einen Vermittler zwischen Sich und Seinen Schöpfungen. So waren die Schöpfungen wegen des Menschen, und der Mensch wegen der Schöpfung da. Der Mensch verlor sich aber in all dem Geschaffenen, und verlor dabei den Schöpfer und die in Ihm ruhenden Kräfte. Für die Gottheit, die den Menschen so herrlich, in der größten Freiheit bleibend, schuf, war das Irren des Menschen ein Durchkreuzen Ihrer Pläne, und der Mensch hörte auf, ein Vermittler zu sein. Wohl blieben Einzelne im Besitz der Weisheit Gottes und Seiner Offenbarungen, aber der Lebensfeind, der ja die Trennung des Menschen von Gott verstand, brachte noch mehr fertig, denn er setzte sich an Gottes Stelle und wurde zum Fürsten dieser Welt! Mit all den Dingen, die der Mensch als Geschenk Gottes ursprünglich in sich trug, verlor er sich mehr und mehr und stand am Untergang.

 

Da erbarmte sich Gott Seiner irregeleiteten Menschenkinder, und wurde Selbst Mensch. Mensch wie wir, nicht besser und auch nicht schlechter wie wir, erfüllte alle Bedingungen, die nötig waren und erreichte die Vollkommenheit, die der erste geschaffene Mensch besaß, und wurde zum Vermittler zwischen Gott und Mensch. Es war Jesus von Nazareth.

 

Liebe Männer und Frauen, ich, Jakobus, war Zeuge der Geburt, lebte in dem Hause, wo Er lebte, habe alle Entwicklungen erlebt, die Jesus durchmachte. Ich sage euch, dass es noch keinem Menschen gelang, in den tausend mal tausend Kämpfen mit sich und seiner eigenen Seele so viel zu erringen, dass der Lebensfeind keine Macht, keinen Einfluss mehr auf ihn hatte, und er als Vermittler oder als Gottessohn in die Öffentlichkeit treten konnte.

 

Um nun einige Beispiele Seines Ringens zu geben, will ich euch einige Episoden schildern: Im Hause Josefs, meines Vaters, lebte Jesus mit seiner Mutter. Josefs Glaube und Ehrfurcht vor Gott war beispiellos, und Marias Hingebung ist einmalig.

 

Da kommen Freunde meines Vaters, es waren Templer und mein Vater war ein Ältester. Sie machten ihm Vorwurf, dass Jesus keine bessere Erziehung im Tempel erhalte. Jesus, der dabei war, fragte, was Er noch im Tempel erlernen solle. Da sagte der eine Priester: `Mein Junge, du musst noch viel lernen, vor allem Lesen und Schreiben, und dann sollst du für den Tempel geweiht sein, wie deine Mutter geweiht war`. Spricht Jesus: `Alles dieses habe ich gelernt ohne den Tempel. Und dann will ich nicht für den Tempel, sondern für die Menschen da sein, die einen Wegweiser brauchen zu dem wahren Gott, der auch dem Tempel verloren gegangen ist`.

 

Darüber war großes Entsetzen bei den Priestern, wie auch bei meinem Vater Josef und bei Maria. Aber Jesus sagte: `Warum entsetzt ihr euch über Mich? Ist der Geist, um den Ich ringe, der Feind der Menschen? Mit euren Gesetzen zerbrecht ihr den Menschen und liefert ihn den Zweifeln und der Unkenntnis aus. Denket nicht, dass Ich von dem Mir gestellten Zeile abweiche. Lieber von den Menschen verkannt und verachtet sein, als Gott und Seiner Mission untreu werden`. Spricht der Priester: `Jesus, mein Wohlwollen hast du, aber weißt du nicht, dass Kinder den Eltern gehorsam sein sollen?` Erwidert Jesus: `Gehorsam sein ja, aber nicht in Dingen, die das Unglück vergrößern. Um Gott und den Menschen zu dienen, muss Ich Mich trennen von dem Weltgeist, der alle Herzen belebt`. Was nun folgte, könnt ihr euch vorstellen, denn von dieser Zeit an war der Friede des Hauses stets in Gefahr.

 

Noch ein anderes möchte ich darstellen. Im Hause Josefs war das Beten ein heiliges Gesetz. Wehe, wer sich dem entzog, der ganze Zorn des Vaters entlud sich. Was folgte, könnt ihr euch vorstellen. Jesus aber ging aus dem Hause, für Ihn war das Beten vor dem Altar ein Zwang und unsympathisch.

 

Einmal entlud sich der Unwillen des alten Vaters Josef auf Jesus. Da demütigte sich Jesus und sagte: `Josef, wenn Ich nun in dem Geiste, wie du in Mir etwas zerstören willst, deinen Altar, deinen Herzensfrieden zerstören würde, wie könnte Ich da noch mit euch beten? Zu wem betest du, zu wem soll Ich beten? Siehe, dein Glaube ist groß, aber Gott ist dir unbekannt. Du kennst Sein Wort, Seine Offenbarungen, Seine Gesetze, aber Ihn zu erfassen, ist dir unmöglich, weil du mit keinem Zoll vom Gesetzesweg abirren möchtest. Siehe, Ich will dir ein wahres Gebet vorbeten, wenn in einer Stunde die Römer einen Verbrecher bringen`.

 

Richtig, eine Stunde später kommt ein Trupp Soldaten geritten, an einem Pferde ist ein Mensch angebunden und muss in der selben Gangart gehen, wie die Reiter gehen, wenn er nicht geschleift werden will. Um den Nazarenern ein abschreckendes Beispiel zu geben, jagen sie in einer Gangart, die es dem Gefangenen unmöglich macht, zu folgen.

 

Was tut Jesus? Zum Entsetzen aller stellt Er sich mitten auf den Weg und unwillkürlich muss der Trupp halten, wollen sie Ihn nicht über den Haufen reiten. Der Truppführer flucht, aber Jesus greift nach dem Zügel und spricht: `Danken sollst du Mir, weil du nicht zum Mörder deines Bruders werden sollst. Dein Gefangener ist kein Verbrecher aus Mutwillen, sondern aus  den Verhältnissen heraus geworden und verdient Gnade und Erbarmung, damit er sich bessern und gut machen kann`.

 

Da springt der Führer ab und brüllt: `Was erlaubst du dir, du Missgeburt eines Menschen?` Jesus aber spricht: `Nur das, was ein Mensch dem anderen tun soll. Um dir aber zu beweisen, dass Ich keine solche Missgeburt bin, wie du mich nanntest, sollst du drei Tage lang keinen Bissen und keinen Tropfen über deine Lippen bringen, und die Zunge soll dir in dieser Zeit den Dienst versagen`.

 

Es war tatsächlich so geworden, keinen Ton konnte der Truppführer hervor bringen. Die anderen Soldaten bekamen Furcht, dass es ihnen auch so erginge. Nach drei Tagen kam der Truppführer und wollte Jesus sprechen, aber Jesus war aus dem Hause gegangen. Was sich aber noch alles abspielte, wird einst die Nachwelt erfahren. Es gelang Jesus, sich ganz mit Gott zu einen.

 

Als Er Sein Lehramt antrat, ahnte noch kein Mensch, was in Jesus lebte. Aber als die Kranken gesund, Blinde sehend und Taube hörend, ja, sogar Tote lebendig wurden, erkannten unsere Stammesgenossen die Heimsuchung Gottes, nur der Tempel nicht, sie wurden Feinde Jesu. So geschah, was geschrieben und offenbart war: Jesus endete am Kreuz! Alle Feinde jubelten, aber zum Entsetzen aller stand Er nach drei Tagen wieder unter uns und brachte die Botschaft vom Siege des Lebens über den Tod.

 

Meine lieben Freunde, uns wurde froh und leicht! Vorbei alles Leid und Kummer. Wir erlebten den größten Sieg aller Zeiten, denn Sein Geist des Lebens wurde uns zu eigen gegeben. In diesem Seinem Geiste stehe ich vor euch, in diesem Seinem Geiste bin ich nur Vermittler und Diener Seiner Liebe. Er ist das A und O, der Ausführende und der Vollender. In diesem Geiste segne ich euch! Und eure Liebe weihe dieses Fleckchen Erde  für Ihn und für euch, auf dass sich erfülle euer Sehnen und Wollen.

Du, Arius, bleibe Priester. Nimm auch du hin den Segen unseres Herrn und Meisters Jesu und Gott, auf dass Sein Geist in dir Zeugnis gebe deinem Geist, in dem du dienen kannst allen nach der Liebe, die du in dir trägst.

 

Ihr Gereinigten, freut euch der Gnade, die durch euch verherrlicht werden konnte! Der herrliche und heilige Gott, der da Leben, ewiges Leben ist, will durch Seine Gnade allen Leben geben, die eines guten Willens sind.

 

Noch ist es Nacht in euch, entzündet eure Liebe an dem heiligen Liebesfeuer, welches ich euch offenbare. Und bauet ein Kreuz, welches euren Altar schmücken soll. Denn von nun an soll kein anderes Opfer mehr brennen, als das Opfer in euren Herzen. Opfert eure Eigenliebe, opfert, was sich dem Geist der Liebe hemmend in euch entgegenstellt, dann wird das Licht Seines Geistes euch erhellen und ihr werdet Kinder Gottes, ihr aber untereinander Brüder und Schwestern werden.

 

So eine euch die Liebe, die reine und herrliche. Niemand sei größer oder kleiner unter euch, nur lieben und dienen sei die herrliche Aufgabe, und dann ist Gott, der Ewige und Heilige, euer Vater für Zeit und Ewigkeit geworden. Sein Friede erfülle euch mit Ruhe, Seine Liebe werde euer Leben und Sein Segen der Segen für eure Brüder. Amen, Amen, Amen“.

 

 

Sabbat in Rakka

 

Es waren zu dieser Feier auch Fremde zugegen, die erst gegen Abend in der großen Herberge eingekehrt waren. Da sich die Heilungen schnell herumsprachen, war die Neugierde umso größer.

 

Unter den Zugewanderten war auch ein römischer Kaufmann, der sehr viel von Jesus gehört hatte auf seinen großen Reisen, aber nie Wert darauf gelegt hatte. Heute war Gelegenheit, einen Jesusjünger zu hören, darum ging er dahin, wo die anderen hineilten. Die Rede des Jakobus war ihm eine Enttäuschung, er hatte gehofft, ein Wunder zu erleben. Nun kam in später Abendstunde dieser Jakobus und erbat sich ein Nachtmahl, da er den ganzen Tag noch nichts weiter genossen hatte.

 

Die Wirtin bediente ihn selbst und hoffte, von ihm noch einige Worte zu vernehmen. Aber der römische Kaufmann hatte ihn mit Beschlag belegt und fragte ihn gerade, ob er behaupten könne, alles das, was er rede und tue, dass es auch aus dem Geiste wäre.

 

Jakobus: „Lieber Freud, wenn du am heutigen Abend meine Worte hingenommen hast, als wenn sie aus mir kämen, dann wird dich auch meine Antwort nicht befriedigen, denn wer das Wort nicht als Wunder oder Offenbarung aus Gott annehmen kann, mit dem ist schwer reden. Du hast ein Wunder erwartet, weil dich ja nie die Lehre des Herrn und Meisters interessierte, sondern nur Seine Wunderwerke“.

 

Der Römer: „Du magst recht haben, Lehren und Worte bedürfen einer Prüfung, Werke aber nicht, sie sprechen für sich und halten jeder Kritik stand. Mir ist ja immer das Reale und Natürliche lieber als das Übersinnliche. Dein Meister hat aus einer unfruchtbaren Gegend eine fruchtbare gemacht. Dieses Wunder hält eben jeder Kritik stand, und seine Feinde müssen es zweifellos als Wunder anerkennen. Warum soll ich mich um die neue Lehre kümmern, denn ein Jude werde ich doch nie und nimmer“.

 

Jakobus: „Lieber Danilos, deine Rede beweist mir, wie wenig du dich um Jesus von Nazareth bekümmert hast. Es war nicht klug von dir. Andere Römer suchten die Bekanntschaft mit Jesus und haben 1000 Segnungen dabei gehabt. Du sprichst, du bist für das Reale und Natürliche und weist das Übersinnliche, sagen wir, das Göttliche, von dir. Nun sage ich dir aber, Jesus war das Natürlichste, was sich nur erkennen lässt. Seine Reden, Seine Taten so einfach, so natürlich, dass an Übersinnliches gar nicht zu denken ist. Sein Innenleben war die Gottheit. Alles was Er lehrte und tat geschah eben aus dem göttlichen Urgeist. Gott und Wunder sind eins, denn ohne Gott ist kein Wunder denkbar. Da auch Gott das natürlichste Wesen ist, müssen auch die Wunder, wie alle Offenbarungen, natürlich sein. Freilich ist es ohne Weisheit und Kraft nicht möglich, aber diese sind ja der Gottheit eigen“.

 

Spricht der Römer: „Du nanntest mich bei meinem Namen, wer offenbarte dir diesen? Dann will ich deine Ausführungen gerne anerkennen, aber was hat das direkt mit Jesus zu tun? Sein Innenleben war die Gottheit, sagst du, aber nun frage ich dich, hat denn die Gottheit nötig, sich hinter einem Menschen zu verstecken? Das kommt mir unnatürlich vor, dass eine Gottheit, die Liebe, Weisheit und Kraft ist, sich einen Menschen erwählt, ihren Willen demselben aufzwingt und hinter diesem Menschen Deckung nimmt. Ist denn unter diesen Umständen Jesus ernst zu nehmen, denn das Treibende ist ja Gott. Wie viele Götter gibt es eigentlich?“

 

Jakobus: „Lieber Freund, mit diesen deinen Gedankengängen wirst du kaum das Lebensziel erreichen. Der heutige Abend hätte dir mehr geben müssen. Dies kommt aber daher, weil du alles menschlich betrachtest. Gott und Mensch sind zwei, Gott, der Schöpfer und Mensch der Geschaffene. Gott ist Gott und Mensch ist Mensch. Gott wurde Mensch nur, um den Menschen auf die Stufe der Vollkommenheit zu stellen, damit der Mensch wieder in den Besitz der göttlichen Liebe, Weisheit und Kraft gelange, die er verloren hatte, als er sich festigen sollte in der von Gott verliehenen Freiheit.

 

Jesus tat dieses nicht aus Zwang, sondern aus dem Drängen Seines eigenen Geistes heraus, der ja göttlichen Ursprungs ist. Auch dein innerer Geist ist göttlichen Ursprungs und wohnt in deiner Seele, die wieder in deinem Fleischleib ihren Wohnsitz hat. Dein eigener Geist ist direkt aus Gott, deine Seele aber geschöpflich hervorgegangen. Dein eigener Geist bewegt sich in der allergrößten Freiheit, deine Seele aber ist an Gesetze gebunden. Dein Geist kann deine Seele zur höchsten Stufe der Vollkommenheit führen, das heißt, wenn du festen Willens bist.

 

Dein Geist kann aber auch, wenn du willst, zur größten Trägheit verurteilt werden, dann geht eben deine Seele in all dem Geschöpflichen zu Grunde. Auf der Stufe der Vollkommenheit eint sich die Seele mit unserem Geist und wird göttlich, d.h., der ewige Gott kann deinen Geist dienend fördern. Wenn aber deine Seele ganz vertiert, dann ist alles Tierische und Niedrige zu ihrem Element gemacht. Nun mache dir ein Bild um den Stand eines Menschen.

 

Der Römer: „Ich fange an, dich zu begreifen. Aber warum lässt die Gottheit, da sie alles erschaffen hat, den Menschen fallen, dass er zum Tier, ja zum Teufel wird? Hier bin ich noch im Unklaren.“

 

Jakobus: „Weil Gott den Menschen frei erschaffen hat, und denselben als Herr über alle Dinge auf unserer Erde zu Seiner Freude sehen wollte, damit der Mensch, mit dem Erbgut aus Gott, alles Geschaffene und Vergängliche zum Vollkommenen und Ewigen umgestalten sollte.

 

Der Mensch aber versagte. Darum musste Gott selbst Mensch werden, um die Schöpfung zu retten, damit dieselbe nicht zum Opfer des Welt- und Lebensfeindes werde. Um aber Mensch zu werden, brauchte Er ein Gefäß, und dieses war der Mensch Jesus. Diesem gelang es, Seine Seele auf die Stufe der Vollkommenheit zu stellen und darum konnte der in Ihm wohnende Geist sich ganz mit Gott einen, so dass zwischen Gott und Jesus kein Unterschied mehr war.

 

Nun aber war der Mensch Jesus immer noch frei. Darum wirkte Er aus den Kräften der Gottheit, die ja in Ihm zusammengeballt waren, und schuf in Seiner Liebe ein für alle Menschen neues Leben, welches jeden Tod überdauert und die Krone der Vollkommenheit ist. Darum ging ja Jesus wieder aus dem Tode hervor, um allen, allen den Beweis zu geben: Er lebt und wird ewig leben, und alle, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun, mit Ihm“. 

 

Der Römer: „Lieber Freund, nun lass mich allein, es zu viel für heute, ich muss alles nochmals überdenken“.

 

Die Beiden waren in ihrer Unterhaltung so vertieft, dass sie nicht bemerkt hatten, wie viele ihren Reden lauschten und völlig befriedigt waren, denn über allem lagerte ein Schein von Glückseligkeit.

 

Am Morgen war Ruhe. Nur das Nötigste taten die Fremden an ihrem Vieh und an ihren Wagen. Es war Sabbat. Es waren am Abend vorher auch Fremde gekommen, die ihre Ruhe aufsuchten und von dem Geschehen in Rakka keine Ahnung hatten.

 

Ein griechischer Handelsherr ging nun am Vormittag zum Tempel, um zu opfern, wie er es jeden Sabbat tat, um die Götter nicht zu betrüben. Er erstaunte aber, am Tempel viel Volks anzutreffen, er war dieses Bild nicht gewohnt. Er brachte sein Opfer, mehrere Pfund Silber, aber der Priester nahm es nicht an und sagte: „Lieber Freund, wir haben den unbekannten Gott zu unserem Gott gemacht, da wir die Erfahrung machten, dass der bisher unbekannte Gott Leben über Leben ist, die anderen Götter aber nur Sinnbilder und völlig tot sind“.

 

Spricht der Grieche: „Aber was soll das heißen, wollt ihr das ganze Land in Not und Trauer bringen, wie kann man so die Götter betrüben?“ – Arius: „Im Gegenteil, lieber Freund, nun ist der Anfang gemacht, dass alles Elend schwinden wird. Dort, schaue dir die kleine Schar an, gestern waren sie noch aussätzig und heute geben sie dem wahren Gott die Ehre“.

 

Der Grieche: „Aber hört doch auf, in ganz Judäa ist die Hölle los, da sie diesen Jesus, den man kreuzigte, auf einmal wieder lebendig machten und man behauptet, er sei Gott. Was ich da erlebte, ist grauenvoll. Die alten Priester behaupten, Gott zu dienen und verfolgen die, die da glauben, Jesus sei Gott und lebe. Von Jesus aber merkt man nichts, denn alle die Verfolgten werden doch ein Opfer ihres Glaubens und gehen elendig zu Grunde“.

 

Arius: „Lieber Freund, was du erlebtest, kann ja wahr sein, und ich kann dir deswegen nichts dagegen halten. Aber wahr ist es auch, dass gestern diese 30 geheilt wurden, und eine mit schwerer Gicht beladene Frau wieder ihre volle Gesundheit im Namen des Herrn Jesus von einem Jünger des Herrn wieder zurück erhielt“.

Der Grieche: „Lass mich mit den 30 reden, damit ich sie befragen kann. Ich habe wohl viel reden gehört von den Wundern des Jesu, aber sein Tod ist eine unleugsame Tatsache“. – Arius: „Es ist nicht nötig, andere zu befragen, denn dort kommt der Jünger des Herrn Jesus und noch viele kommen mit“.

 

Es war auch so. Jakobus hatte kaum sein Morgengebet beendet, kommt auch Danilos. Schweigend setzte er sich zu Jakobus und nimmt auch schweigend sein Morgenmahl ein. Jakobus belässt ihn in seinem Schweigen, denn er fühlt, alles ist noch im Gären. Mit der Zeit füllte sich die Gaststube, aber es wurde nicht laut, denn alle sahen auf Jakobus und erwarteten ein Wort von ihm.

 

Spricht Jakobus: „Liebe Freunde, nehmt eure Suppe ein. Da heute Sabbat ist, können wir ja nach dem neugeweihten Tempel gehen, wohin noch viele kommen werden und auch Kranke mitbringen. Aber nur, wer da will und wem an dem Heil seiner Seele liegt“.

 

So erlebte man in Rakka, dass aus der Herberge eine Schar Männer nach dem Tempel gingen und sich leise unterhielten, auch treffen sie andere, sogar welche mit Wagen, worauf Kranke gebettet liegen. Es füllt sich schnell der Tempelplatz, als auch Jakobus mit Danilos kommt.

 

Arius geht auf Jakobus zu und spricht: „Bruder, du wirst erwartet. Hier ist ein Freund, der sich noch an vielem stößt, was in deiner Heimat geschieht. Du übernimmst doch den Dienst der Liebe?“ – Jakobus. „Arius, heute bist du wie immer Priester. Lass dich ganz durchdringen vom Geist des Dienens, dann wird alles gut werden. Wenn der Geist dich drängt, dann stehe ich dir bei“.

 

Arius begrüßte die Besucher, schilderte nochmals die erlebte Liebe und Gnade von gestern, die nun immer und immer geschenkt wird, wenn der Glaube und das Vertrauen zum wahren und ewigen Gott immer lebendiger wird. Darum wird der Sendbote dieses wahren Gottes uns denselben noch mehr schildern, damit keiner mehr bereue, seine toten Götter verlassen zu haben.

 

Hier tritt Jakobus vor und spricht mit lauter Stimme: „Brüder und Schwestern, unsagbare Freude lebt in mir, da ich in euch den Zug erlebe, ganz dem wahren und lebendigen Gott zu dienen. Mit dem Verlassen eurer toten Götter müsst ihr aber auch das euch angewöhnte Leben verlassen, das ihr bisher lebtet. Ihr lebtet nur für euch, der andere mochte sehen, wie er weiter kam. Euer Priester musste Opfer fordern, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dieser Zustand machte euch unfrei.

 

Ihr lerntet nun den wahren Gott und Herrn kennen. Ich, als Sein Bote, möchte euch noch mehr mit Seinem Willen bekannt machen, der mit wenigen Worten gesagt ist. Er lautet: Liebet euch, wie Ich euch geliebt habe! Diese Liebe soll nicht Gesetz werden. Wer in dieser Liebe lebt, wird in Gott und Gott in ihm leben. Ein jeder sei für den anderen da, und keiner sei mehr und größer als der andere. Lebet ihr in diesem Geiste der Liebe, dann kommt der Segen sichtbar, und alle Not und leiden werden nur selten Gast bei euch sein. Darum bringt nun eure Kranken, damit alle Herzen von der Freude übervoll werden und Gott, der Lebendige und Ewigwahre sich ganz offenbaren kann“.

 

Schwerkranke, einige Blinde und ein Krüppel wurden vor den Altar gebracht, auf dem ein einfaches Holzkreuz stand. Mehrere Lampen standen darauf. Jakobus bat, die Lampen anzubrennen, da ja Sabbat sei und dieser Tag immer eine besondere Weihe und Ruhe geben soll. Schnell brannten die Lampen. Ein eigenartiges Bild für die Rakkaer, ein grobes Kreuz und sieben brennende Lampen am hellen Tag.

 

Jakobus: „Im Namen Gottes und Seines Sohnes Jesu Christi diene ich euch. Vor allem euch, die ihr Erlösung von euren Leiden sucht. Eure Hoffnung soll nicht zuschanden werden. Doch müsst ihr glauben können, dass nicht ich, sondern der wahre Gott und Herr, der Vater aller Menschenkinder  es ist, der da Leben und Gesundheit gibt. In Seinem Auftrag segne ich euch, in Seiner Liebe diene ich euch und Sein Geist erfülle euch, wie ich erfüllt bin!“

 

Jakobus berührte jeden mit seinen Händen, seine Augen leuchteten, der Strom von Kraft durchdrang ihn, bis er den letzten berührt hatte. Dann sagte er: „Steht auf von eurem Lager und dankt mit den Herzen für die Gnade und verherrlicht die große Gottesliebe, indem ihr euch gegenseitig dient“. Alle standen auf. Da brach das Schweigen der großen Menge. Alle wollten sie die Kranken und nun Gesunden sehen.   

 

Jakobus aber sagte: „Nicht so, meine Geliebten, lasst den Dank keinen Rausch sein. Es ist die Art des Herrn, nur Glückliche zu sehen. Macht euch vertraut mit Seinem Vater- und Heilandsgeist, dann werdet ihr wahre Schwestern und Brüder. Des einen Freude sei auch des anderen Freude, des einen Leid sei aber auch des anderen Leid. Dann kommt der rechte Himmel zu euch und ihr erlebt Freuden, die ihr noch nicht kennt.

 

Es ist genug für heute. Geht wieder in eure Behausung zurück, der Sabbat wird nicht nur im Tempel, sondern im Herzen und im Tun gefeiert und soll nicht Opfern, Beten und Entsagen sein, sondern Freuen und immer neue Freuden den anderen bereiten. Da aber euer Herz nach einem Wort der Gnade und Liebe dürstet, so spricht der Herr zu euch:

 

„Endlich ist für Mich und auch für euch die Stunde gekommen, wo wir in den rechten Verkehr treten können. Immer musste Ich von der Ferne sehen euer Ringen, euer Tun und Schaffen. Aber trotz eures Schaffens waret ihr gebunden vom falschen Geist. Nun aber hat die Befreiungsstunde geschlagen. Ich Selbst wollte es, dass die Nacht zum Tage werde und ihr im Licht Mich suchen und erkennen könnt. Nie werde ich euch verlassen noch versäumen, solange ihr an Mich glaubt und von den Gaben meiner Liebe, Gnade und Erbarmung Gebrauch macht. Meine Liebe sei auch die eure, Mein Segen das sichtbare Zeichen und Mein Geist das belebende in euch für die anderen. Legt ab das Niedere und ziehet den neuen Menschen an, den Ich als Jesus vorlebte. So ziehet in Frieden, mein Segen und Mein Frieden sei mit euch allen. Amen“.

 

Die Feier war kurz, aber beglückend. Alle wollten Jakobus danken, der aber wehrte ab. „Liebet euch“ war sein Wort, „es ist der beste Dank!“

 

Die alte Wurka sah alles mit Freuden, sie schien neu belebt zu sein. Sie sagte nur: „Ach, nur noch einmal jung sein und diese Liebe leben zu dürfen!“

 

 

Bei der alten Wurka

 

 

Danilos und Barabäus kannten sich. Sie begrüßten sich, aber das Wunder war zu offenbar. Danilos sagte: „Hier muss jede Stimme schweigen. Mir wird schwindlig, wenn ich an das Geschehene und Gehörte denke!“

 

Barabäus spricht: „Aber Freund, ich werde irre, wenn ich an die Verfolgten denke, wo bleibt da Gott? Mit meinen Augen sah ich die Gefangenen, die der Tempel einfing. Ihre Leiden rührten mich, aber wo bleibt ihr Gott, ihr Jesus? Was ich heute erlebte, kann nicht Menschenkunst sein, sondern nur wahrhaft Gott tun, obwohl die Worte des Sendboten wirklich erfreuend waren. Es wird gut sein, unsere Vermutung totzuschweigen und uns Klarheit zu holen bei dem Boten“.

 

Noch lange weilte Jakobus bei Arius und den nun Gesundgewordenen, denn Jakobus dachte an Abschied. Die alte Wurka bat ihn, er solle doch, und wenn es nur Minuten wären, einmal ihr Haus betreten. Ihre Freude sei so groß, dass sie es nicht aussprechen könnte, aber ihre Sehnsucht nach Gott sei viel, viel größer, und sie sähe doch in ihm den Stellvertreter Gottes.

 

Da die beiden, Danilos und Barabäus, auch bei den Zurückgebliebenen mit weilten, baten sie, die alte Mutter mit begleiten zu dürfen, was auch gerne gewährt wurde.

 

O, wie armselig war die kleine Hütte, aber sauber und reinlich. Wurka war überglücklich, Jakobus in ihrem Heim zu sehen. Es war ihr gelungen, die heute Geheilten bei ihr einzukehren, die nun voller Freude etwas getan hätten, was Jakobus erfreuen sollte. Aber sie waren arm, so arm, denn nichts anderes besaßen sie, als was sie auf dem Leibe hatten, und dieses war sehr wenig. Noch nie waren in Wurkas Hütte so viele beisammen. Da kommt auch noch Amalie und Amelia, die erfahren hatten, dass Jakobus bei Wurka eingekehrt war.

 

Wurka hatte für Jakobus ein Brot, etwas Fleisch und auch einen Becher Wein sich von der Herbergswirtin geben lassen. Sie wollte es abarbeiten, so gut sie konnte, denn sie wollte dem Herrn ein Opfer ihrer Liebe bringen.

 

Als nun die vielen in ihrer Wohnung dicht gedrängt am Boden kauerten, denn Sitzgelegenheiten hatte sie nur für Jakobus, Danilos und Barabäus, fing sie an zu weinen und sagte: „Siehe, du lieber Gottes- und Sendbote, für dich habe ich ein kleines Mahl bereitet. Aber nun fühle ich meine Armut wie noch nie, denn auch die anderen haben Hunger, aber ich habe nichts, rein gar nichts weiter. Siehe, Liebe spendete diese geringe Gabe und nun macht sie mir Schmerz“.

 

Da sagt Jakobus: „Wurka, weine nicht, denn deine Tränen sind der Ausdruck deiner großen Liebe, die der Herr und ewige Gott besonders lohnt. Du wolltest nicht mich, sondern den Herrn erfreuen. Da aber der Herr in jedem Armen so überherrlich zu Hause ist, da fange nur an auszuteilen im rechten Glauben und Vertrauen, dann werden alle froh und satt werden. Wo der Herr einen Menschen sieht, der das Letzte gibt, meinst du, dass Er, als die größte und heiligste Liebe, tatenlos zusieht? Bitte Ihn in Seinem Geist um den Segen, dann wird dir Seine Liebe noch mehr offenbar!“

 

Wurka: „Ach Freund, ich glaube es, und nun danke ich Dir, Du großer, großer Gott und bitte Dich um Deinen Segen und um Deine Gegenwart“. Wurka nimmt Brot und Fleisch  und reicht zuerst Jakobus und dann den anderen davon. Aber es wird nicht weniger, ja, es blieb noch übrig. Dann nimmt sie das kleine Krügel und lässt jeden trinken. Auch hier erlebt sie, es wird nicht leer. So wurden alle satt. Dann dankte Wurka auf den Knieen und spricht: „Herr, nun ist alle meine Sehnsucht gestillt, Du bist gegenwärtig unter uns, wenn auch meine Augen Dich nicht sehen, so fühle ich Deine Nähe. Lass mich noch einige Zeit auf dieser Erde, ich möchte das versäumte Leben nachholen, da ich erst seit gestern weiß, was Liebe ist und Liebe für die anderen bedeutet“.

 

Da steht der Herr im weißen Gewand mitten unter ihnen, mit Seinen Händen sie alle segnend sagt Er: „Wurka, deine Liebe drängte Mich, dich und die du um dich hast, sichtbar zu segnen. Sehet Meine Hände, immer sollt ihr sie vor euren geistigen Augen sehen, spenden immer Liebe und Segen. Um euretwillen ließ ich es zu, dass sie vom Feinde durchbohrt wurden. Mein Leben gab Ich für euch, damit alle, alle Anteil haben an dem Sieg, den Ich im Kampfe für euch alle errungen habe. Mag auch in diesem eurem Leben so vieles unverständlich sein, aber die Wege zum freien ewigen Leben sind geebnet. Alle Tore sind offen, die ewige Heimat, die ich für euch schuf, erwartet euch. Was sind aber alle Herrlichkeiten ohne Meine Kinder. Die Himmel sind voll der schönsten Engel, eine Schönheit überstrahlt die andere, aber Meine Augen suchen das Kind, um das ich im Todeskampf gerungen habe, und Meine Kinder werden die Verwalter Meiner Himmel, soweit sie Träger sind von Meinem Geiste.

 

Wurka, Mein Kind, dein Herz suchte Mich zu beglücken, und du hast vergessen, an dich zu denken, als du die Gabe Meiner Liebe austeiltest. Als sichtbare Gnade nimm nun aus Meinen Händen dieses Brot und diesen Wein. Ich will mit dir teilen zur bleibenden Erinnerung hier und dort für ewig“

 

So nahm der Herr das Brot, aß und trank einige Schluck, dann sprach Er: „Nun iss auch du, Wurka. Sehet, alle Himmel waren Zeugen dieser herrlichen Minuten. Um euretwillen nahm Ich Meine Allmacht in Anspruch, weil Ich durch diesen Akt etwas sagen will, was Mein Mund verschweigen muss. Bleibt in dieser Liebe Mir getreu, dann werde Ich auch euch getreu verbleiben können. Die aber, Wurka, sei die Gabe des Schauens und des Heilens. Lass dich nicht beirren vom falschen Schein, denn Ich allein bin das ewige Sein. Dein Wert, es sei wie das Meine, doch zuvor soll es geboren sein in dir aus Meiner Liebe. Machet frei euer Herz vom trügerischen Wahn, damit Ich in euch wohnen kann als Liebe, Wahrheit, Kraft und Leben!

 

Du, Barabäus, zweifle nicht länger, denn Meine Gedanken sind andere und Meine Führungen beweisen, dass Ich und nur Ich allein das Leben bin für ewig. Mein Segen und Mein Friede sei mit euch. Amen“.

 

Verschwunden war der Herr, aber der Abglanz der Freude lag auf allen Gesichtern. Da sprach Jakobus: „Wo der Herr in Seiner Liebe so eindringlich sich offenbarte, muss unser Mund eigentlich schweigen, aber darum wollen wir uns desto mehr im Geiste dienen“.

 

Spricht Barabäus: „Jakobus, würdest du mir und den anderen noch etwas von Jesus erzählen, wenn es für uns die größte Gnade bedeutet, dass er, als Jesus, Sein Leben opferte für uns und alle Menschen. In Seiner Größe und Herrlichkeit haben wir Ihn heute erlebt. Dieses zu beweisen ist leicht, nach diesem Wunder und offenbar werden Seiner Macht, Kraft und Liebe. Es wäre mir größtes Glück, auch von Seiner Niedrigkeit als Mensch, von Seiner Arbeit und auch von Seinem Kampfe etwas zu erfahren, da ich auf keinen Fall zu den alten Göttern zurückkehren will. Ich war gewohnt, jeden Sabbat ein Opfer zu bringen. Der wahre Gott verlangt für sich kein Opfer, aber, dass wir die anderen erfreuen sollen. Darum werde ich dir, liebe Wurka, noch heute 10 Pfund Silber und 1 Pfund Gold übergeben lassen, zu deiner freien Verfügung für die Armen“.

 

Jakobus: „Für diese Gabe drängt es mich, dir zu danken, lieber Barabäus. Und damit kann ich dir auch gleich sagen, dass es dem Meister Jesus größtes Bedürfnis war, die Menschenherzen froh und glücklich zu machen, was Ihm, da ja Ihm alle Kräfte zur Verfügung standen, nicht schwer fiel. Denke aber ja nicht, dann war es kein Kunststück, ein Helfer zu sein, sondern folge mir in die Zeit, wo Er als Mensch nach dieser Einung rang, ganz eins zu sein mit Gott, dem Ewigen. Du weißt, wir Juden hatten strenge Gesetze, große Opfer erforderte unser Glaube, die Priester taten das Übrige. Für uns waren die Priester die Stellvertreter Gottes.

 

Mein Vater war einer der Strengsten und Gläubigsten. In dieser Zeit wurde Jesus von Seiner Mutter Maria, die noch lebt, geboren. Um die Geheimnisse der Geburt, um die Vorgänge in der Natur lasst mich schweigen, da sie nicht das Größte sind.

 

Der Knabe Jesus fiel schon als Kind auf und Sein Mund sprach viel von heiligen Dingen. Er entwickelte nach und nach einen Willen, gegen den wir machtlos sein mussten, weil die größte Weisheit zu Grunde lag. Ich, als Sein Bruder, erlebte mehr, als die anderen, wurde Zeuge von manchen Geschehnissen, von denen heute noch niemand eine Ahnung hat. Mein Mund aber musste schweigen.

 

Mit älteren und weisen Männern verkehrte Jesus viel. Nicht, um von ihnen zu lernen, sondern um ihnen Dinge zu offenbaren, die ihnen noch Geheimnis waren. Meine Eltern litten furchtbar unter dieser Entwicklung des Jünglings Jesus. Vor allem fürchtete Josef jede Übertretung der Sitten und Gebräuche und der Gesetze, die der Tempel vorschrieb. Jesus war nicht zu bewegen, in die Synagoge zu gehen. Mit Worten: „Ich will nicht vorzeitig zum Gericht werden“, oder „Vater Josef, wenn dir der Frieden deines Hauses lieb ist, dann lass Mir Meine Freiheit, wie ich auch dir Freiheit lasse“. 

 

Die Priester, die gerne mit Josef verkehrten, da er ein rechtlicher und ehrlicher Charakter war, sahen mit scheelen Augen Jesus an.

 

An einem Vorsabbat kommt ein Oberpriester mit noch einem anderen in Nazareth wohnenden Priester und will Jesus in die Schranken weisen. Jesus, der tagelang schweigen konnte, wurde von Maria, Seiner Mutter, in die Stube geholt, da der Oberpriester mit Ihm reden wollte. „Wenn ihr euch nicht an Mir ärgern wollt, dann will Ich es tun“, war Seine Antwort. Da sagte Maria: „Aber Jesus, sie haben dein Bestes im Auge, der Oberpriester macht einen guten Eindruck“. Da erwiderte Jesus: „Mutter, warum lässt du dich auch von außen beeinflussen? Weißt du nicht, dass man große Dinge, die noch nicht reif sind, nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit bringt. Wann werdet ihr die rechte Klugheit besitzen? Aber um dich nicht zu kränken, will ich dir den Gefallen tun“.

 

Als Jesus mit Maria eintrat, neigte nur Jesus Seinen Kopf, mit Seinen hellen Augen sieht Er den Oberpriester an. Dann spricht dieser: „Jesus, ich bin gekommen, um dich zu fragen, wie lange du noch ein Abtrünniger Jehovas sein willst, und was hast du gegen Jehova Zebaoth? Eine Diener sind für dich nicht da, Moses und die Propheten sind dir gleichgültig. Wenn du so weiter machst, muss man dich aus der Gemeinde der Gläubigen ausstoßen!“

 

Jesus: „Simon, wärest du wirklich in das Haus Josefs gekommen, um Mich aus Meinem für euch scheinbaren Irrtum in die rechte Wahrheit zu führen, so würde ich dir demütig alle Meine Gründe Meines Lebens und Strebens darlegen. Da du aber mit einer Lüge im Herzen kommst, bist du keiner Antwort wert als nur der: Verlass wieder dieses Haus, das Josef zu einem Haus des Herrn gemacht hat und wisse: Ihr fürchtet, dass Ich euch unbequem werden könnte! Euer Leben steht im Widerspruch zu Moses und den Propheten. Eure Gesetze und Anweisungen binden die Menschen und machen sie willig für eure Ziele, die im Wohlleben liegen“.

 

Ganz erbost spricht der Oberpriester: „Josef, was du versäumt hast an diesem Ausbund des Beelzebubs,  wirst du vor dem hohen Rat verantworten müssen. Mit diesem da weiter zu reden, verbietet mir meine priesterliche Würde!“

 

Spricht Jesus: „Nimm diese Anschuldigung Josefs zurück. Mich kannst du beleidigen, das vergebe Ich dir, weil du Mich nicht kennst. Josef aber, den du seit vielen Jahren kennst als einen der treuesten Menschen, möchtest du auf einmal erledigt sehen. Damit du aber Zeit gewinnst, deine Blindheit zu erkennen, soll dir so lange das Augenlicht genommen sein, bis du gewillt bist, keinem, sei es, wer es auch sei, den Frieden des Herzens und des Hauses zu stören. Sucht Mich nicht umstimmen zu wollen. Ich werde zur Arbeit wieder da sein, da es mich graut, euer Wehklagen zu hören“.

 

Mit diesen Worten verließ Jesus das Haus. Was aber in unserem Hause geschah, könnt ihr euch wohl vorstellen. Dieser Simon wurde wirklich blind, kam nach 4 Wochen, geführt von dem dortigen Priester zu Josef und Maria und bat demütig um Verzeihung.

 

In diesem Moment kommt Jesus zur Tür herein und spricht: „Simon, der Herr und ewige Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern, dass er sich bekehre und nach dem erkannten Gotteswillen lebe. Bist du willens, ein rechter Diener Jehovas zu sein, dann sehe und bleibe Gott getreu, damit dir nicht Ärgeres widerfahre“.

 

Mit diesen Worten verlässt Jesus die Stube und Simon kann sehen. „Ich sehe wieder“, spricht er dann, „Josef, du alter Freund und Bruder im Herrn, wie kann ich dir die Wohltat deines Sohnes Jesus danken?“

 

Josef: „Rede nicht davon. Danke dem Herrn und sei eingedenk der Worte Jesus und bleibe einige Tage mein Gast. Stoße dich aber nicht an Jesus, denn Sein Leben, Sein Ringen und Kämpfen ist uns allen ein Rätsel, direkt unbegreiflich, aber Seine Liebe und Sein Wandel sind vorbildlich. Wir haben gerungen und gekämpft, es blieb alles nutzlos. Sein Wille ist unerschütterlich und Seine Ruhe ist unser Frieden“.

 

Eine volle Woche blieb dieser Oberpriester unser Gast, uns diese ganze Woche blieb Jesus dem Elternhaus fern. Gerne hätte der Oberpriester mit Jesus gesprochen, aber ich vernahm in mir die Stimme, es ist noch nicht an der Zeit. Solange Simon im Hause bleibt, darf ich nicht zurückkommen, um seines Heiles willen. So verließ Simon mein Vaterhaus.

 

Zwei Stunden später kehrte auch Jesus zurück mit den sichtbaren Spuren von Entbehrungen. Wir waren gewohnt, nicht mit Fragen in Ihn zu dringen. Da kommt Jesus zu mir und spricht: „Jakob, der Kampf wird immer schwerer, kannst du nicht ein wenig mit mir gehen?“ Da antworte ich: „Jesus, du weißt, dass ich Dich lieb habe, aber gutheißen kann ich Dein Fernbleiben nicht. Simon hätte Dich gerne gesprochen. Statt ihn zu gewinnen, hast du ihn verloren“.

 

Da spricht Jesus die inhaltsschweren Worte: „Jakob, wenn dieses deine Meinung ist, kann Ich nichts dagegen sagen. Aber es tut weh, weil auch du noch wie ein Fremdling zu Mir stehst“. Diese Worte haben in mir einen Sturm entfacht. Aber trotzdem, verstehen konnte ich Ihn auch noch nicht.

 

Einige Zeit bekamen wir Besuch, eine Base mit ihrer 15-jährigen Tochter Maria, ein lebensfrohes Menschenkind. Diese Blume versteht Jesus schon in der ersten Stunde. Es war daher nicht verwunderlich, dass Jesus viel mit ihr allein war.

 

Als der Sabbat kommt, gehen wir alle gewohnheitsmäßig in die Synagoge. Was tut Jesus? Beim ersten Morgengrauen geht Er mit der jungen Maria außer Haus, und beide kommen erst bei eintretender Dunkelheit wieder zurück.

 

Da wird Josef böse und spricht: „Jesus, Du ungeratener Sohn Deiner Mutter Maria, welche Schande bringst Du über mein Haus. Weißt Du nicht, dass auch Du uns Rücksichten schuldig bist? Was habe ich schon um Deinetwillen tragen müssen, aber was zuviel ist, ist zuviel. Du wirst mir immer rätselhafter. Wenn Du schon den Sabbat nach Deiner Art feiern musst, so halte wenigstens andere nicht davon ab, ihrem Gott und Herrn zu dienen“.

 

Spricht ganz traurig Jesus: „Vater Josef, dieser Vorwurf wird dich viel Kampf kosten, da du Meine Ziele kennst. Hättest du dich überwinden und deine übergroße Gerechtigkeit vom Geist der Liebe umweben lassen, wäre dir eine Freude widerfahren, wie noch nie in deinem Leben, denn der heutige Tag hat Mir einen großen Fortschritt gebracht“.  Sich an Maria wendend, spricht Jesus: „Maria, weine nicht. Wenn Ich Mein großes Werk beginnen kann, dann wird dir zum Bewusstsein kommen, welchen Dienst du Mir, dir und den Menschen geleistet hast“. Dann suchte Jesus Seine Lagerstatt auf.

 

In den nächsten Tagen war Er noch schweigsamer. Die Mutter Maria nahm das weinende Mädchen an ihre Brust. Dann fragte sie: „Wo seid ihr gewesen und was habt ihr den ganzen Sabbat getan“. Da sagte die junge Maria: „O Mutter, wir sind weit gelaufen, dann sind wir auf einem hohen Berg angekommen und dort blieben wir. Während dieser Zeit bat mich Jesus, ich solle schweigen und Ihn in Seiner Arbeit nicht stören. Er wollte Sich und mich durchschauen. Ich tat Ihm Seinen Willen. Erst wollte es langweilig werden, dann aber kam ein Träumen über mich, wo ich die schönsten und herrlichsten Dinge erlebte, die ich schwer schildern könnte. Ich sah schöne Städte, schöne Menschen, schöne Ländereien, hörte herrliche Gesänge und wurde wunderbar gespeist. Als Jesus mich aus meinen Träumereien weckte, wurde ich am Stand der Sonne gewahr, dass viele Stunden vergangen sein mussten.

 

Da sagte Er: Komm, Mädchen, wir müssen heim, deine Mutter soll sich nicht ängstigen. Habe Dank für deinen Dienst, denn nun weiß Ich, der Menschenleib ist ein Tempel, ein Heiligtum, den man für Gott dazu machen muss. Schweige über diese Stunden, dann wird dir manche Freude werden“.

 

Wir aber verstanden den ringenden Jesus immer noch nicht, bis Er endlich das Elternhaus überzeugen konnte von der Mission, die Seiner harrte. Mit diesem will ich von den Kämpfen Jesu schließen und zeugen von der Liebeskraft, die ihr alle so herrlich erlebtet. Sein Tod ist ja unser Leben geworden, da Er im Tode alle Schuld beglich, die auf der Menschheit lastete. Sein Leben ist der Freibrief für alle Menschen, und Sein Geist die Besiegelung, dass wir Sein sind, Sein bleiben bis in Ewigkeit!“

 

Barabäus: „Jakobus, mit diesen einfachen Worten hast du mir viel offenbart. Es reicht für mein Leben zu. Ich bekenne mich gerne zu Jesus, dem wahren und liebenden Gott, den ich nun schauen durfte, und bitte Dich, o Herr, lass mich Dich noch mehr erkennen und verstehen“. 

 

Bei Annuschka

 

Barabäus bat Jakobus zu sich in seinen Wagen, und nahm ihn einige Tagereisen weit mit. Dann kam Jakobus wieder in belebtere Gegenden, wo ihm durch die Gnade des Herrn viel Freude geschenkt wurde. Nun trennten ihn noch drei Tagesreisen von seinem Ziele.

 

In einem armseligen Dorfe suchte er eine Herberge, leider war keine vorhanden. Da kommt eine junge Frau mit einem kleinen Kinde auf dem Arm. Diese fragt er, wo man diese Nacht eine Liegestatt bekommen könnte.

 

Da spricht die junge Frau: „Dich habe ich schon den ganzen Tag erwartet. Meine Mutter sah dich im Traum kommen. Du seiest der Mann, der uns allen zum großen Heile würde, darum komme und folge mir“. Jakobus aber spricht: „Wenn ich aber der Erwartete nicht bin, was dann?“ Die Frau: „Du bist es, die Beschreibung meiner Mutter passt auf dich. Auch fühle ich es, dass nur du es sein kannst, darum heiße ich dich willkommen. Leider ist unser Haus ein Haus der Sorgen, aber du bringst uns allen das große Heil“.

 

Als Jakobus die armselige Stube betritt, ist ihm feierlich zu Mute, denn hier hatte ihn der Herr angemeldet, er wurde erwartet. Mit dankerfülltem Herzen begrüßt er die auf einem Lager liegende Frau und spricht: „Deinen Willkommensgruß habe ich schon von deiner Tochter empfangen. Mache dich bereit, den Segensgruß meines Herrn und Gottes zu empfangen. Der Friede des Herrn und ewigen Gottes sei mit dir und deinem ganzen Hause, Sein heiliger Geist durchstrahle dich und erhelle dein Inneres. Weil du deinem Gesichte geglaubt hast, spricht der Herr: Stehe auf und wandle, fortan soll keine Schwäche dich kraftlos machen, denn der Herr hat dich zum Zeugen Seiner Macht und Liebe erwählt“.

 

Da stand die alte Mutter auf. Des Stehens noch ungewohnt, reicht sie Jakobus die Hand und spricht: „O du, der ich nicht wert bin, dich anzuschauen, wie soll ich dich begrüßen und empfangen? Hier ist unser kleines Heim, betrachte es als das Deine. Wie kann ich Dank abtragen, weil ich wieder stehen kann?“

 

Jakobus: „Im Namen Jesu, dessen Diener und Bote ich bin, sage ich dir: Nur keine falschen Hoffnungen hegen und lasst alles Danken für heute, bis ihr den wahren Gott und Seinen Willen erkannt habt. Eure Not ist nun zu Ende, eure Sehnsucht, Den kennen zu lernen, Der ein Heiland aller ist, bin ich hier. Ich bin Jakobus, ein Apostel des Herrn und Heilandes Jesus und ein Diener Seiner Liebe“.

 

„O Jakobus, wie groß und gut muss dein Herr sein, dass Er Menschen zu denen schickt, die sich schon lange nach Ihm sehnen. O Wunder der Liebe, die ich nun an mir erfahren habe, du bist es wert, dass alle es erfahren, was Liebe ist“. Jakobus: „Freue dich nun mit dem Herzen, nicht nur das Wunder der großen Liebe Gottes, sondern Ihn, den Herrn und Gott Selbst, der das ewige Leben ist und für ewig sein wird, sollt ihr kennen lernen, auf dass euer Sehnen und eure Hoffnungen sich erfüllen“.

 

Ein einfaches, aber stärkendes Abendmahl bereitete die Tochter. Jakobus fühlte sich wohlgeborgen. Die zwei Frauen waren vielleicht das erste Mal wunschlos glücklich.

 

Da fragte ihn Annuschka, ob er schon das Lager aufsuchen möchte. Jakobus: „ Annuschka, nun ist alle Müdigkeit verschwunden. Ich sehe in dir den Wunsch, du möchtest noch einige, die ebenso voll Sehnsucht sind wie du, hier haben. Handle nach dem Zug deines Herzens, dann wird die Freude noch größer werden“.

 

Da ward die Alte froh, gab ihrer Tochter mit leisen Worten einen Auftrag und sagte: „Jakobus, ich habe Miriga zu einigen gesandt, um die Freude jene erleben zu lassen, die meinem Herzen nahe stehen. Sie waren in meinem Leid so gut zu mir, sollen sie sich auch in meiner Freude mit uns freuen können“. Jakobus: „So ist es recht, der Herr und Heiland hat große Freude über deine Liebe. Darum sage ich dir, morgen um diese Zeit wird dein Schwiegersohn, den du und Miriga als tot betrauert, hier unter deinem Dache weilen. Doch schweige vorderhand, damit der Herr vorerst einen Einzug in euch halten kann“.

 

Annuschka: „Jakobus, du Freudenbringer, es ist genug der Liebe. So war die Kunde des großen Heilandes, die wir aus Edessa erhielten, doch wahr, dass, wo Er hinkam, alle Not und Leiden sich in Freude verwandelten. Und dieser Heiland sollte tot und wieder lebendig sein? O Jakobus, schweige vor mir, aber rede, wenn die anderen da sind, denn Er lebt ja, dieses erfahre ich ja an mir“.

 

In kurzer Zeit sind nicht nur die Freunde, sondern auch mehrere Bekannte gekommen. Dann später brachte Miriga ihre betagten Schwiegereltern, die vor Verwunderung, weil Annuschka  wieder gehen konnte, sprachlos waren. Voll Erwartung schauten sie auf Jakobus.

 

Da spricht er: „Liebe Männer, liebe Frauen, was verwundert ihr euch über die Heilung eurer Schwester. Ist die Sehnsucht, den großen Heiland aus Judäa kennen zu lernen, nicht schon ein Wunder? Heute, wo dieser Heiland mich als Seinen Wahrheitszeugen zu euch gesandt hat, ist dieses nicht ein größeres Wunder? O, freut euch, eure Sehnsucht wird gestillt und euer Hunger nach der wahren Kunde recht gesättigt werden.

 

Ihr habt recht erfahren, dass der Heiland Jesus von Land zu Land zog. Von Stadt zu Stadt wanderte Er und brachte das Heil, das allen, allen Menschen Erlösung bringt. Auch dieses ist wahr, man hat diesen Heiland gekreuzigt und Seinen Namen mit Schande bedeckt, aber nach drei Tagen ging Er mit einem neuen und für ewig haltbaren Leib aus dem Grabe hervor, besuchte alle Seine Getreuen, die in tiefer Trauer waren und machte sie alle froh und frei. Auch ich war unter denen, die unter der Wucht dieser Schicksalsschläge zusammengebrochen waren. Aber Er, der Sieger über allen Tod, brachte uns dann Sein Leben, welches Sein Geist der rechten Liebe ist. Er sandte alle seine Getreuen hinaus zu den Trauernden, damit sie alle frei und froh werden. Nicht nur die Kunde Seiner Auferstehung zu bringen, ist unsere Aufgabe, sondern allen Seine Liebe, Seine Macht und Herrlichkeit zu offenbaren“.

 

Da spricht der alte Semja, Mirigas Schwiegervater: „O, du Freund des Heilandes aus Judäa, welch eine Wohltat bereitest du unseren Herzen, die da voll Verlangen und Sehnsucht sind. Deine Worte sind voll des Friedens und noch Größeres verheißend. Ja, wir sind voller Trauer, nicht nur um meinen Sohn, der nicht wiederkommt, weil es im Buche des Schicksals steht, sondern weil uns die Gnade versagt war, den Heiland kennen zu lernen, der ganz Judäa und andere Lande beglückte. Wir haben die Sehnsucht begraben müssen, weil wir erfuhren, Er sei tot, wir aber konnten nicht glauben, dass Er wieder lebendig geworden sei. Nun erleben wir dieses heilige Wunder, du, Sein heiliger Bote, bist an Seiner Statt gekommen, o, welch ein neues Leben bringst du uns! Sag, was sollen wir tun, um Ihn würdig zu ehren? Welches Opfer verlangt Er von uns?“

 

Jakobus: „Semja, noch machst du dir falsche Begriffe von Jesus, dem guten Heiland. Um Ihn kennen zu lernen, bin ich hier. Seht, alle Menschen lebten in Nacht und Finsternis, ihr Welttum kannte keinen Gott, darum mussten sie auch alle verloren gehen. Gott aber, der die Liebe und das Leben ist, sandte Boten und Seher. Die Menschen hörten wohl, glaubten aber nicht. Da erbarmte sich Gott und wurde Mensch, nahm Knechtsgestalt an, war gehorsam und getreu bis zum Tode und brachte allen Menschen den Gott, von dem nur noch ganz einzelne wussten, dass dieser das Leben Selbst und der Schöpfer Himmels und der Erde ist.

 

Jesus war Sein Name. Voll heiliger Liebe erfüllte Er den Willen Gottes, den Er in Sich klar erkannte, einte in Sich Seinen Willen mit dem erkannten Gotteswillen und wurde zum Sohn des wahren und ewigen Gottes. Als wahrer Sohn Seines ewigen Vaters und Gottes tat Er die Werke, von denen ihr gehört habt. Aber Er tat noch mehr, Er offenbarte den wahren Gott, offenbarte uns den Himmel in seinen verschiedenen Arten und ließ uns auch Höllen erleben, von denen wir keine Ahnung hatten. Mit Bewohnern der Himmel verkehrten wir und konnten ihre Seligkeiten und Wonnen erleben, bis wir die Überzeugung hatten, es gibt ein ewiges Sein und Leben. Er nahm uns den Schrecken des Todes und zeigte uns das Leben, wie es in Wirklichkeit ist, nach den ewigen Urgesetzen der heiligen Liebe und Erbarmung“.

 

Semja: „O Freund, höre auf, du könntest unsere Sehnsucht nur noch erhöhen, statt sie zu stillen. Es ist genug für uns, dass wir nun wissen, der Heiland lebt und wird ewig leben. Seine Heilandsliebe ist offenbart an Annuschka, wollen wir noch mehr, ihr Lieben?“ Die anderen schwiegen.

 

Da sagte Jakobus: „Semja, du bist bescheiden und begnügst dich mit der Offenbarung an Annuschka und meinen Worten. Aber eines hast du vergessen, dass du im Glauben an den ewig wahren Gott Verpflichtungen übernimmst. Nicht Verpflichtungen dem ewigen Gott gegenüber, sondern zu deinen Menschenbrüdern. Dazu aber brauchst du ja den heiligen Gottesgeist, der da ausgeht von Gott, dem heiligen Vater und von Seinem Sohne Jesus. Gerade dieser Geist ist das drängende, stärkende, beseligende und niemand kann den anderen dienen, ohne diesen Geist, den jeder empfängt, der nach Seinen Worten, Seiner Liebe tut. Diese lauten: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.

 

Nicht der ist würdig, den Geist zu empfangen, der da selig werden will, sondern nur der, der da glücklich und selig machen kann. So lebte und handelte der Mensch Jesus, so handeln auch wir, die wir Seine Boten sind. Auch ihr alle sollt so handeln, dann hat das ewige Leben aus Gott in euch seinen Anfang genommen und wird auch kein Ende mehr nehmen, da es nicht abhängig ist von dem Fleischleib, den wir alle nach der rechten Gottesordnung wieder ablegen werden“.

 

Semja: „Freund, mir wird bange. Was sagtest du uns, unser Leben wird kein Ende nehmen, obgleich wir sterben? Ja, wo werden wir dann leben und wie wird sich alles gestalten? Wo sind aber die Verstorbenen, die keine Kunde von dem Heiland Jesus vernehmen?“

 

Jakobus: „Mein Freund und nun auch Bruder, sorge dich dessen alles nicht, der Herr ist auch Herr über alles Leben. Seine unermessliche Liebe, die so herrlich für uns sorgte, hat auch Vorsorge getroffen für die im ewigen Geisterreiche.

 

Hier im Erdenleben hat Er seine Wahrheitszeugen, dort aber stehen Ihm Legionen der herrlichsten Engel und Diener zur Verfügung. Was uns im Erdenleben unmöglich erscheint, ist dort im ewigen Reiche Wirklichkeit. Es besaß der Mensch im Anfang jene Gaben, mit seinem in ihm wohnenden Geiste sich hin zu versetzen nach seinem Willen. Da aber der Mensch sich verlor, das Gottesleben zu gering und unscheinbar betrachtete, öffnete er seine Innenwelt dem Weltgeist und geht dem Verderben langsam und sicher entgegen. Um den Menschen aber wieder Gelegenheit zu geben, sich dem ewigen und heiligen Gottesleben zuzuwenden, vollbrachte Jesus das größte Liebeswerk und schuf die Erlösung am Kreuz, die alle die erfahren, die da glauben und wahrhaft nach Seinem Worte leben“.

 

Semja: „O. du Freund und Bote des Herrn, in deinem Wort liegt eine Schwere und auch eine Verheißung. Trostlos ist unser Leben und Sein. Wir ringen hart um unser Leben, an ein ewiges Sein klammern wir uns nicht, da es in unerreichbarer Ferne liegt. Wohl lehren uns die Priester von dem Leben der Götter, aber es macht uns nicht froh und frei, es bindet uns an das Leben, das im harten Kampfe errungen werden muss. Siehe, mein Sohn Stani, kaum dass er Miriga als Weib nahm, ging er deswegen in die weite Ferne, um sich ein leichteres Leben zu verschaffen, bis die Kunde kam, er sei gestorben“.

 

Jakobus: „Nun wird alles anders werden in eurem Sein und Leben, denn nun habt ihr ein festes Ziel und heilige Aufgaben. Euer Leben dürft ihr als die größte Gnade betrachten, denn in diesem Erdenleben ist ja die erste Stufe zu erringen, wo man seinem Gott, seinem Schöpfer, Gott und Vater begegnen kann.

 

Von diesem Augenblick an ist der Mensch nicht mehr allein, denn Gott ist ja mit ihm, so der Mensch sich nicht mehr trennt von Gott, seinem Schöpfer und Vater. Um euch aber inniger an Gott zu verweisen, sollt ihr Einblicke tun in die ewige und heilige Welt, die ihr einmal bewohnen werdet, da sie ja in euch ihren Anfang hat. So schließt eure Augen, im Namen Jesu tue sich eure Welt auf, damit ihr erstehen möchtet im Geiste Seiner Liebe“.

 

Nur eine Viertelstunde wurden sie in diesem Zustand belassen. Dann sagte Jakobus: „Kehret zurück in eure Wirklichkeit, und das Erlebte bleibe euch zur dauernden Erinnerung“. Alle sahen sich versonnen an.

 

Dann sagte Semja: „O Freund, welche Wunderwelt ließest du mich erschauen. Zuerst war alles trübe und neblig, dann aber erschien ein starkes Licht, so dass alles klar zu erkennen war. An einem klaren Wasser waren viele versammelt. Ich habe sie nicht erkannt, aber sie müssen mich erkannt haben und hatten rechte Freude, dass sie mit mir reden konnten. Einer sagte, er sei mein Vater, ich habe ihn nie gekannt. Dieser war glücklich, dass ich die Kunde von Jesus als wahr annahm und sagte: Alles, was du hier siehst, danken wir Jesus und Seiner unendlichen Liebe, die auch deinen Sohn wieder in deine Arme führen wird. Dann gingen wir in ein Haus, wo viele beisammen waren. Diese wurden unterrichtet, wie in einer Schule, damit auch sie zu tätigen Arbeitern im Reiche des Herrn würden.

 

Nun bin ich wieder um vieles reicher geworden, lieber Freund. Es war alles so schön, wie ich es noch nie erschaut hatte. Aber um eins bitte ich dich: Kannst du mir auch Auskunft geben über meinen Sohn, den Jesu Liebe wieder in meine Arme führen will?“

 

Jakobus: „Semja, warum zweifelst du an Gottes Liebe, die sich so in reichem Maße offenbart? Glaube, und wenn alles dagegen spricht, glaube! Im Glauben ist das Tor zum Leben offen, im Unglauben geschlossen. Siehe, auch ich tue alles im rechten Glauben. Unerschütterlich ist das Bewusstsein, welches mir niemand entreißen kann. Auch vor den härtesten Proben werde ich derselbe sein, der ich jetzt bin, wo ich aus dem Füllhorn der großen Vaterliebe austeilen kann. Es ist das Vorrecht der Menschen dieser Erde, dass sie sich im rechten Glauben auf eine hohe Lebensstufe aufschwingen können, ja, zur höchsten Vollendung sind sie fähig. Wo aber der Glaube fehlt oder tot ist, bleibt der Mensch ein Geschöpf, wo jede Hoffnung unerfüllt bleibt. Darum glaube, glaube und liebe, dann bist du recht und erwirbst Sohnesrechte!“

 

So blieben die Freunde noch lange beisammen, bis endlich die Müdigkeit zum Schlafen drängte. Was tat Semja am nächsten Morgen? Er sandte seine Leute in die nächsten Orte, wo Jakobus durch musste, und ließ sagen: Der Bote Gottes kommt, er hat uns bewiesen, dass der Heiland lebt. Glaubet, er macht euch alle eure Kranken gesund.

 

Miriga

 

Schon am frühen Morgen brachte man einige Kranke zu Annuschka. Durch die Botschaft des Semja war das ganze Dorf auf den Beinen. Man wollte Jakobus sehen, der Kranke gesund machen kann, der aber auch die Wahrheit über den Wundermann Jesus bringt. Annuschka, ganz verwundert über diese vielen Leute, weiß sich keinen Rat, bis endlich Jakobus kommt und nach kurzen Worten auch die wenigen Kranken heilt.

 

Semja ist voller Leben und fragt, ob er auch Kranke heilen könne. Jakobus: „Semja, wenn du glauben kannst, dass der Herr wirkend bei dir ist, dann ist es auch dir möglich, denn nicht ich kann heilen, sondern der Herr in mir. Der Glaube ist das Bedingende, die Liebe das Ausführende!“

 

Unter Belehrungen wurde der Tag ausgenützt. Die Leute eilten in ihre armselige Hütten, versorgten das Vieh und kamen wieder mit etwas Brot, sie wollten nichts versäumen.

 

Jakobus zu Miriga: „Gehe mit deinem Kinde an diese Stelle, wo du mich antrafest, dein Mann ist auf dem Wege nach hier. Erwarte ihn, wie du mich erwartet hast, damit eure Wiedersehensfreude von niemand getrübt wird“. Miriga: „Auf dein Wort hin warte ich, denn nun weiß ich, dass Stani lebt“. Sie nahm ihr Kind und eilte schnell nach der bezeichneten Stelle.

 

Es dauerte an zwei Stunden, dann kommen strahlenden Auges Stani und Miriga, freudig begrüßt von allen. Nach der ersten Freude spricht Stani zu Jakobus: „Ich könnte viel erzählen von dir, lieber Freund, denn die ganze Gegend bis hierher ist voll der lebendigen Freude über den lebendigen Gott, von dem auch ich überzeugt bin, nur trage ich noch zuviel des Widersprechenden über Jesus von Nazareth mit mir herum. Die einen behaupten, Er sei Gott, andere sagen, Er war nur ein Mensch, wieder andere erklären, Er ist unser himmlischer Vater. Die meisten behaupten, Er sei der Heiland und Messias, und zuletzt gibt es noch welche, die Ihm übersinnliche Kräfte zusprechen“.

Fragt Jakobus: „Was sagst du nun?“ – Stani: „Er ist ein Heiland gewesen. Sein Tod war für viele ein Schrecken, Seine Auferstehung aber hat bewiesen, Er ist Gottes Sohn“. – Jakobus: „Stani, bleibe bei deinem Glauben. Werde tätig in diesem Gottessohnesgeist, dann wird dir das andere hinzugegeben werden“.

 

Semja: „Jakobus, wenn schon die Meinungen über Jesus so verschieden sind, was sollen wir tun? Es geht ja nicht an, dass wir Seine erlebten Herrlichkeiten verdunkeln oder herabsetzen. Gib du uns zum Abschied noch das rechte Bild von Jesus“. Jakobus: „Gerne, aber bringt erst alle eure Häuslichkeiten in Ordnung. Dann kommt wieder, damit wir ungestört den Abend verbringen können. Ich werde mit dir in dein Haus einkehren, weil auch die beiden, Annuschka und Mirigia, vieles mit Stani besprechen möchten“.

 

Alle waren wiedergekommen. Das Haus der Annuschka war voll, aber für Jakobus hatte man einen Platz freigehalten. Als die Letzten kommen Jakobus und Semja. Voll Erwartung schauen alle auf Jakobus.

 

Jakobus spricht: „Liebe Männer, Frauen und Kinder, gerade so wie heute haben wir oft um den Herrn und Meister Jesu gesessen und auf Seine Worte gelauscht, die uns allen so viel gaben. Ihr wisst nun um den wahren Gott und Herrn, aber in euch brennt die Sehnsucht, ganz mit Ihm bekannt zu werden, auf dass in euch volle Klarheit und Verbindung mit Ihm werde, die nun eurem Leben vollen Inhalt und den rechten Sinn geben.

 

Über die Gesetze der Natur, der Tiere und Menschen brauche ich nichts zu sagen, da sorgen eure Priester, aber um die heiligen Dinge des Lebens mangelt es euch allen noch. Euer Bruder Semja wird euch in Zukunft dienen, denn ihm wurde das Meiste offenbart. Denkt immer daran, der Mensch ist Bewohner zweier Welten, einer vergänglichen und einer ewigen. Um das Vergängliche brauche ich euch nichts zu sagen, aber um das Ewige sind wir nochmals zusammengekommen. Wer konnte uns wohl besseren Aufschluss geben über die geistige und ewige Welt, als nur der Herr und Meister Selbst?

 

Wenn ihr jetzt die heiligen Sterne seht, kommt heilige Ehrfurcht über euch, und gerade diese Sterne sind Welten, riesig, riesig groß. Diese sind bewohnt gleich dieser Erde, aber in diesen Sphären sind die Wohnstätten auch bewohnt von vielen, vielen seligen Geistern, von denen sehr viele auf dieser Erde lebten, und nun heute den Menschen dienen. Eure Schwester Mirigia, welche in ihrer Kindheit oft von schönen Menschen erzählte, die so durchsichtig wie Sonnenstrahlen waren, soll auch von jetzt an, um ihres Glaubens willen, wieder die Sehe erhalten, womit sie euch allen viel dienen kann. Und Mirigia, bist du bereit, deinen Mitmenschen uneigennützig zu deinem und ihrem Heil zu dienen? Du bist bereit. So will ich dir im Namen des Herrn Jesus die Hände auflegen, und so empfange nach deiner Liebe und deinem Glauben. Amen. - Mirigia, nun überwinde alle Scheu und erzähle, was du schaust. Fürchte dich nicht, denn der Herr ist die ewige Liebe“.

 

Erst langsam, dann immer fließender spricht Mirigia: „Unsere Stube wird immer größer und größer. Wir sind nur ganz wenige, aber viele, viele sind gekommen, um zu sehen, um zu lauschen dem Gottesboten. O, es sind welche mit lichten Kleidern und ihre Augen leuchten wie funkelnde Sterne. Es sind aber auch welche da im grauem Gewand mit unruhigen Blicken. Dort winkt der Vater, er winkt mir zu und hat, wie ich sehe, sehr große Freude. Immer mehr und mehr Wesen kommen, ja, ist denn dieses möglich, so viele Menschen gibt es doch gar nicht. Lieber Jakobus, ist dieses ein Trugbild oder Wirklichkeit?“

 

Jakobus: „Mirigia, glaube. Das Ewige lässt sich nicht vortäuschen, es zeigt sich in realer Wirklichkeit. Wir Menschen sehen es nur nicht, nur die dazu Berufenen und Erwählten“. Mirigia: „Ja, ich will glauben, selbst auf die Gefahr hin, dass man mir nicht glaubt.

 

Ja, die vielen Tausende kommen immer näher. Wo wollen sie denn hin, sie werden uns ja erdrücken. Jetzt machen sie Halt. Auch sie werden geführt von strahlenden Wesen. Alle schauen auf uns, jetzt knien sie sogar nieder“. Da sieht Mirigia neben sich den Herrn stehen, wie Er die übergroße Menge segnet. Erst will sie erschrecken, doch da spricht Jakobus: „Der Herr ist in unsere Mitte getreten, Er segnet uns und die vielen, die Mirigia schaut. Vernehmet nun durch meinen Mund, was der Herr und Meister uns allen, allen sagen will.

 

Er spricht: „Meine Kinder, endlich ist die Stunde da, wo auch Ich, euer Vater und Gott, Mich euch offenbaren kann. Wohl seid ihr an Zahl klein, die ihr noch im Fleische lebt, gegen jene Zahl, die bereits Bewohner der geistigen Welt sind. Die Botschaft, die Ich bringe, ist für alle die gleiche. Wohl bin Ich der Herr, ihr aber seid alle Meine Geschöpfe. Um euch vom Geschöpflichen zu entbinden, wurde Ich auch Mensch und trug das vergängliche Erdenkleid. Nicht um Meinetwillen, sondern um der Menschen Heil und Rettung nahm Ich auf Mich alle Lasten und Bürden dieser Erde. Auch Ich musste ringen und kämpfen um die Befreiung von den Fesseln, die Meine Entwicklung zu dem Vollkommenen aufhalten wollten. Aber es gelang Mir mit dem Aufgebot Meiner in Mir liegenden Kräfte doch so frei zu werden, dass Mir alle Himmel, alle Kräfte untertan waren, und die niederen Mächte vor Mir zitterten.

 

Doch nicht in der Machtentfaltung göttlicher Kräfte sollte sich der Sieg offenbaren, sondern in dem Geist der Demut und Duldsamkeit. Was noch kein Mensch ertragen musste, ertrug Ich. Alle Kräfte zog die Gottheit in Mir zurück. Ich war nur auf Meine eigene Liebe angewiesen, die Mir den Weg zeigte, den der Erlöser zu gehen hatte, durch den Tod, durch finstere Nacht zum Licht.

 

Kindlein, die Qualen des Todes waren nichts gegen diejenigen, die in Meiner ringenden Seele aufstiegen, denn Ich war allein und unverstanden. Die seit Ewigkeiten Mir treueste Diener und Helfer waren, verhüllten ihre Angesichter. Alle die, denen Ich Bruder und Freund war, wurden irre an Mir, und doch gab es keinen anderen Ausweg. Ich musste durch, musste den letzten Blutstropfen opfern, damit alles lebe und sich aufwärts entwickeln kann, zum Vollkommenen. Es gelang; der Sieg in den Höllen wurde schnell erreicht, denn gleich Hammerschlägen pochte ich an die Pforten und offenbarte den Sieg des Lebens. Meine an Mir irre gewordenen Brüder und Freunde richtete Ich wieder auf und erfüllte sie mit froher Zuversicht, dass das Leben, welches nun von Mir ausgeht, für ewig unantastbar  bleibe.

 

Doch das Höchste, was errungen wurde, ist dieses: Ich bin nun kein unnahbarer Gott und Schöpfer mehr. Mein Erdenleben zeitigte den Erfolg, dass alle, die Mich schauen wollen, nun auch schauen können, dass alle, die Mich lieben, auch sichtbar mit Mir verkehren können, und dass alle, die da guten Willens sind, auch Meinen Geist empfangen können. Nun sind alle Tore offen, kein Feind kann euch mehr schaden, wenn ihr Mir, eurem Gott und ewigen Vater die Treue entgegenbringt, die Ich euch entgegenbringe.

 

Ich nenne euch alle Kinder und gebe euch auch Kindesrechte. Und es darf sich jeder bereichern aus dem Füllhorn Meiner Liebe und Gnade, soviel er will und mag, doch nur in Meinem Geist. Mein Geist aber wird eurem Geist Zeugnis geben, dass Ich euch nicht nur Kinder nenne, sondern, dass ihr es auch seid, und seid Meine Stellvertreter geworden, weil Ich um eures Heiles willen erst wiederkommen kann, wenn ihr alle reif geworden seid. So nehmt hin Meine Liebe, Meinen Segen und Meinen Frieden. Amen“.

 

Jakobus schwieg, aber Mirigia sagte: „Noch ist der Herr unter uns, aber die vielen, vielen ziehen sich zurück mit dem Zeichen größter Freude. Sie winken uns immer zu, weil sie wissen, der Herr ist unter uns geblieben.

 

O, Du treuer und ewiger Gott, die Stimme versagt mir. Ich möchte Dich loben, wie es noch kein Mund vermochte, ich möchte Dich lieben, wie es noch niemand konnte. O, bleibe bei uns, weil wir nur einen ewigen Vater in Dir empfangen haben. Du lächelst, und nun vernehme ich auch in mir Deine liebliche Stimme, sie spricht: bleibe in dieser Liebe, im kindlich reinen Glauben. Je mehr du Mir Kind bist, desto mehr kann Ich dir Vater sein. Immer sollst du Meine Worte in dir vernehmen, wenn du in Meinem Geiste, Meinem Heilandsgeiste aus dir stellen willst als nur Liebe und wieder Liebe. Sage deinen Geschwistern: Immer werde Ich unter euch sein, wenn ihr euch gegenseitig dient in Meinem Geiste!

 

O, Mutter Annuschka, welch herrliche Krone leuchtet über deinem Kopfe, sie ist dein, wenn du deinen Erdenlauf vollendet hast. Du, Vater Semja, ein großes Licht ist über dir, es wird dich immer mehr erleuchten, und ihr Lieben alle, in euch sehe ich ein Lichtlein, welches eine große Flamme werden soll, damit wir alle niemals mehr im Dunkeln verharren sollen. Die Liebe des Vaters möchte unser Leben sein und Sein Leben hat Er Selbst offenbart!“

 

Jakobus: „Nun ist bei euch meine Mission beendet. Ganz in der Frühe werde ich weiter ziehen, meine Liebe bleibt hier. Du Semja, sei der Diener aus Seiner Gnade, du Mirigia, aber Dienerin Seiner Liebe. Ihr anderen wacht über diese Beiden, damit der Feind des Lebens keinen falschen Samen streuen kann“.

 

Semja: „Jakobus, habe du uns immer lieb, aber noch ein paar Worte schenke nun dieser neu gegründeten Gemeinde über das Leben unseres Heilandes, aus Seiner Erdenzeit. Wir wissen so wenig und doch sagte Er durch deinen Mund, wie schwer Er ringen musste“.

 

Jakobus: „Ja, ihr Lieben, es ist auch so gewesen. Schon seit Seiner Kindheit wusste Er um Seine Mission. Sein Geist offenbarte sich Ihm so, wie sich die ewige Liebe durch Mirigia offenbarte. Er glaubte und folgte jeder Offenbarung, ja, Er wartete auf die göttliche Einsprache und richtete Sein ganzes Leben danach ein, bis endlich Sein eigener Geist mit dem ewigen Gottesgeist eins war. Da gab es viele, viele Kämpfe. Bedenket, in welchem Geist wir erzogen waren durch die Priester, welche Opfer wir dem Tempel zu bringen hatten und welche harten Gesetze zu halten waren. Unser Vater Josef war einer der treuesten im Glauben an Gott und den Tempel. Wir durften keine Gemeinschaft mit Andersgläubigen haben.

 

Was aber tat Jesus? Er kannte keinen Unterschied, Ihm war es gleich, ob der Mensch Jude oder Andersgläubiger war. Er legte nur Wert auf die innere Gesinnung. Da gab es viele Auseinandersetzungen, aber Jesus ließ sich nicht belehren. Wir waren Zimmerleute, arbeiteten manchmal Wochen auswärts und kamen mit vielen Menschen zusammen.

 

Einmal brannte einem Griechen der Schweinestall nieder, ein Blitz hatte eingeschlagen. Händeringend bat dieser meinen Vater Josef, er solle ihm seinen Schweinestall gegen guten Lohn wieder aufbauen. Josef lehnte entschieden ab, aber Jesus bat meinen Vater, doch den Stall zu bauen. Auch diese Bitte des Jesus wurde abgelehnt. Da sagte Jesus: `So werde Ich den Stall allein bauen und werde auch die Folgen zu tragen wissen. Dieses Mal werdet ihr mit eurer Arbeit nicht eher fertig werden, bis Ich mit dem Stall fertig bin`, sprach`s und ließ uns alle stehen. Mit Seinem Werkzeug ging Er zu dem Griechen und baute mit den Leuten des Griechen in drei Tagen einen viel größeren und schöneren Stall.

 

Natürlich blieb dies kein Geheimnis und, obwohl Josef ganz unschuldig war, wurde er von dem Priester mit schweren Strafen belegt. Jesus ging zu dem Priester in die Synagoge und legte den Sachverhalt klar, dass Josef zu Unrecht die Strafe abarbeiten solle. Der Priester aber war für die Worte des Jesus unempfänglich, nicht einen Jota ließ er abhandeln. Da sagte Jesus: `Weil dein Herz so hart wie ein Stein ist , du einen Unschuldigen aber mit harter Strafe belegst, sollst du dich auf deinem Lager nicht mehr bewegen können. Bis du zu der Überzeugung gelangst, dass du ein treuer Diener Jehovas sein sollst und dich unter göttliche Gesetze stellst`. Nach 10 Tagen ließ der Priester Josef kommen und bat ihn um Verzeihung, dann konnte auch der Priester seinen Dienst tun. Jesus aber hat er nicht mehr belästigt. Für Josef aber war es wieder eine Lehre, und der Friede war in unserem Hause wieder eingekehrt.

 

Wieder ein andermal kommt ein Freund des Hauses Josefs zu uns und macht Jesus Vorwürfe, er schände das Haus Josefs und verderbe die Jugend, weil er immer des Abends und des Nachts außer dem Hause zubringe.

 

Es war aber für Jesus ein Bedürfnis, jeden Abend 1 bis 2 Stunden unter freiem Himmel Selbstbetrachtung zu pflegen. Dieses war Sein Gottesdienst, und Er war mit keiner Bitte zu bewegen, diese Gewohnheit abzulegen.

 

Da sagte Jesus zu dem alten, ehrlichen Mann: `Du meinst es ehrlich und wirklich gut mit Mir, aber was du verlangst, ist rein menschlich. Nicht Ich verderbe die Jugend, sondern ihr selbst seid es, weil ihr Riegel vor ihre jungen Herzen legt. Was weißt du von Mir, nicht. Möchtest du aber nur ein einziges Mal mit Mir gehen, es würde dir zu einem großen Segen sein`. Spricht meines Vaters Freund: `Aber Jesus, das hieße ja, Dich in Deiner Schwäche zu unterstützen. Siehe, wir sind alt, haben keine Kinder, nur eine Enkelin. Wenn Du nun in mein Haus kämst, wir würden Dich gleich einem Sohn halten. Du würdest der Erbe meines nicht kleinen Besitzes sein und eine andere Zukunft haben, als bei deinen Brüdern, die da alle gleich so arm sind, wie Dein Vater Josef `. Da sagte Jesus: `Du bietest Mir dein Haus, deine iebe an, dies soll dir unvergessen bleiben. Ich bedarf aber dieser solcher Liebe nicht, da Ich nach Schätzen dieser Erde kein Verlangen habe `.

 

Über diese Absage waren meine Brüder entsetzt. Es gab deswegen viel Unfrieden, aber Jesus blieb fest bei Seinen Vorsätzen, bis endlich Josef fragte: `Jesus, hast Du über Dein und Deiner Mutter Zukunft recht nachgedacht? Dein Verhalten gibt keine Garantie für eine sorgenfreie Zukunft `. Da sagte Jesus: `Josef, höre. Das, was aus dir spricht, ist nicht Liebe, die im Herzen geboren wird, sondern Einfluss des Fürsten dieser Welt. Würde Ich nachgeben und deiner Sorge Rechnung tragen, dann wäre nicht nur deine, sondern die Zukunft aller gefährdet. Statt Mir zu helfen, hindert ihr Mich, statt Mich zu verstehen, verratet ihr die göttliche Liebe, die in Mir um das Lebensdasein ringt. O, Josef und Maria, wenn des ewigen Gottes Geduld so kurz wäre, wie eure, so stände längst keine Sonne mehr am Himmel `.

 

Nach diesen Worten verließ uns Jesus wiederum für eine volle Woche. Er blieb fern ohne jede Nahrung, was Ihn tüchtig mitnahm. Ließen wir Jesus gehen, ging unsere Arbeit aus den Händen. Er, als der Jüngste, brachte mehr fertig, als einer von uns. Versäumte Er ein oder zwei, drei und mehrere Tage, holte Er alles wieder ein. Nur mit Vorwürfen durften wir nicht kommen, sofort war die Freude hin.

 

Seht, ihr Lieben, so rang Jesus nach jener Reife, die Ihn fähig machte zum Heiland, zum Gottessohn. Auch während Seiner Lehramtstätigkeit, im Besitz göttlicher Macht und Kraft, blieb Er sich treu und suchte die Einsamkeit auf, um sich immer noch mehr zu vertiefen mit dem in Ihm wohnenden Gottesgeist. Ach, wie groß war das Unrecht, weil wir Ihn so wenig unterstützten, wie klein war unsere Liebe gegen Seine Liebe!

 

Nun sahen wir die große Herrlichkeit, die sich täglich aufs neue offenbarte, und diese Herrlichkeit ist uns geblieben und wird euch verbleiben, wenn ihr alle in Seinem Geiste liebend tätig bleibt. Gott ist dieses Leben Selbst, um dieses Leben musste Jesus ringen. Auch uns kann dieses Leben nicht zugeworfen werden, alle müssen danach ringen, und dazu schenkt Er Seine Kraft, Seinen Geist, Seinen Frieden und Seine Freude. So, wie Er uns durch Seine Liebe alles Schwere vergessen macht, so wollen auch wir alle durch Seine Gnade die anderen alles vergessen machen, damit das Herz für Jesus, unseren Gott, frei werde“.

 

Bei Adonis

 

Nur von Semja begleitet, verließ Jakobus am frühen Morgen das Dörflein. Er wusste: Wieder war eine Gemeinde gegründet, die den Ansturm aushält. Semja war ein anderer geworden. Er umarmte Jakobus und sagte: „Nun bist du mir Bruder, bis jetzt warst du mir Heiland“.

 

Im nächsten Dorf erwartete man Jakobus. Man hatte einige Kranke in ein Haus gebracht, Semjas Botschaft hatte Erfolg gehabt. Aber nicht nur die Bewohner waren in Erwartung, sondern auch der Priester des dortigen heidnischen Tempels. Als die Leute Jakobus freudig begrüßen wollten, kam auch der Priester. Sofort zog eine Furcht ein, die sich lähmend auf alle legte.

 

Jakobus, der Leute nicht achtend, ging hin zum Priester, grüßte und fragte ihn, warum er ihm feindlich entgegen komme. Spricht der Priester: „Wer unsere Götter missachtet und einen neuen Gott preisen kommt, kann doch mein Freund nicht sein. Die Freude, mit der man dich erwartet, ist eine Beleidigung unserer Götter, die ich nicht dulden kann“.

 

Jakobus: „Adonis, ich hindere dich nicht, deine Götter zu vertreten. Aber du musst auch im Bilde sein, dass mich nichts hindern kann, Meinen Gott zu vertreten. Da es aber nur einen Gott geben kann, muss einer davon keine Realität sein. Es liegt nun an uns Beiden, wer den Beweis von der Realität des wahren Gottes bringt. Ohne meinen Willen hat Semja die Kunde verbreitet. Ich bringe Botschaft des wahren Gottes und heile eure Kranken. Bitte deine Götter um Heilung der Kranken, dann gehe ich still, ohne ein Wort zu sagen, meinen Weg“.

 

Der Priester: „Das kann ich nicht, die Götter lassen sich nichts vorschreiben. Wir haben ihren Willen zu erfüllen, sie aber nicht den unseren“. Jakobus: „Adonis, warum bist du unehrlich im Angesichte Gottes. Du weißt genau, deine Götter sind tot. Du hast längst Kunde von dem wahren und lebendigen Gott der Juden, aber deine Götter sichern dir ein sorgenfreies Einkommen. Darum hindere mich nicht in meiner Mission, den Menschen das wahre Heil zu bringen, das sie längst ersehnen. Ich komme auch zu dir als Freund und taste deine Götter nicht an. Stellst du dich mir aber als Feind entgegen, bist du auch der Feind meines Gottes, dann brauche ich keine Rücksicht auf dich zu nehmen“.

 

Adonis: „Du nennst mich bei meinem Namen, ich kenne den deinen nicht. Ich habe Anweisung, alles zu verhindern, was das Ansehen unserer Götter schadet. Darum bitte ich dich, ziehe weiter“. Jakobus: „Mein lieber Adonis, wir haben Gott zu gehorchen und nicht den blinden, herrschsüchtigen Menschen. Gott gab mir den Auftrag und kein Mensch. Du aber bist Beauftragter von Menschen. Willst du den Kampf, dann wirst du zerbrechen, willst du aber das Heil, dann wirst du leben. Halte mich aber nicht auf, denn der wahre, lebendige Gott ist mit mir“.

 

Sehr viele hatten das Gespräch gehört. Da sagte Jakobus: „Bringt mich zu euren Kranken, auf dass die Liebe Gottes und Seine Kraft und Herrlichkeit offenbar werde“. Der Priester: „Nein, ich bringe dich selbst hin. Wer so bewusst ist, wie du, kann kein Heuchler oder Wortmacher sein“. Jakobus: „Du wirst es nicht bereuen, Adonis, ich fühle es, du wirst Großes erleben“.

 

 Nun war die Menge froh, dass ihr Priester keine Feindschaft mehr zeigte, und sie begrüßten Jakobus mit Freuden. Dieser aber sagte: „Ihr lieben Leute, lasst mich erst mir euren Kranken reden, auf dass eure Freude vollkommen sei“. Da machten sie ehrerbietig Platz. Adonis führte wortlos den Jakobus in ein nahes Haus.

 

In einem Zimmer, auf Lagern und auf dem Boden kauernd, hatte man die Kranken platziert. Die Angehörigen warteten ruhig, bis Jakobus sagte: „Der Friede Gottes sei mit euch. In Seinem Namen komme ich zu euch, um euch zu dienen. Aber ich bin nicht gekommen, um eure Kranken zu heilen, sondern um die Kunde und die Lehre des wahren und ewigen Gottes zu verkünden. Dieser Gott kann euch die Gesundheit wieder geben. Darum frage ich euch, könnt ihr an den wahren und lebendigen Gott glauben? Könnt ihr auch glauben, dass Er euch die Gesundheit wiedergeben kann? Dann seht auf, und es geschehe nach eurem Glauben“.

 

Alle standen auf, bis auf einen, der ein schlimmes Bein hatte. Da fragte Jakobus: „Aus welchem Grunde konntest du nicht glauben an den wahren und lebendigen Gott? Sieh, wie die anderen voller Freude sind, warum du nicht?“ Da fing der Mann an zu zittern. Dann sagte er: „Ich hatte Angst vor unserem Priester und fürchtete seinen Zorn“.

 

Spricht Jakobus zu Adonis: „Siehe, eine Frucht deiner Liebe, dauert dich der Mann nicht? Mache deinen Fehler im Angesicht des lebendigen Gottes wieder gut, auf dass auch dir der Heilige Gott gnädig sei und Seine Augen auf dir mit Wohlgefallen ruhen“. Adonis zu dem Kranken: „Schaba, ich hindere dich nicht, an den Gott der Juden zu glauben, von mir aus hast du nichts zu befürchten. Wenn ich krank wäre, würde ich mit heißem Verlangen den wahren Gott um Gesundheit bitten, darum glaube!“

 

Noch traute Schaba seinem Priester nicht. Da sagte Jakobus: „Du armer Bruder, fürchte dich nicht mehr vor Adonis, denn er glaubt nun auch der Botschaft, die ich euch bringe, und wird euch weiterhin Priester sein, doch Priester für den wahren Herrn und Gott. Darum stehe auf und wandle, und gib dem wahren Gott die Ehre“. Da ging ein Ruck durch Schaba, er konnte gehen. Er sagte: „Adonis, diesem Gott wollen wir dienen und opfern“.

 

Adonis: „Schaba, wir wollen gut machen, was wir versäumt haben. Der wahre Gott soll unser Gott sein, unsere Götter aber wollen wir vergessen. Du aber, du Bote des Herrn und wahren Gottes, gib uns allen die Wahrheit, die wir nicht kannten. Bitte du Gott, dass Er unsere Verfehlungen und Sünden vergibt und uns annimmt als Seine Diener“.

Schaba eilt hinaus zu den Wartenden und spricht ganz aufgeregt: „Freut euch, wir sind alle gesund. Aber freut euch noch viel mehr, denn Adonis hat sich zu dem wahren Gott bekannt, wir sollen unsere Götter vergessen“.

 

Jakobus tritt nun mit Adonis zu den anderen und die Gesundeten folgen ihnen. Schon wollte ein Jubel beginnen, da sagte Jakobus: „So nicht, liebe Leute, freut euch. Der wahre Gott hat nicht wohlgefallen an dem Lob eures Mundes, Er sieht das Herz an. Der Dank eures Herzens ist Seine Speise und die Liebe zu euren Mitmenschen soll das Opfer sein, nach dem Er sich sehnt. Ihr alle sollt leben wie rechte Schwestern und Brüder, da ihr ja alle Kinder des lebendigen Gottes seid. Er will nicht nur euer Gott, sondern auch für ewig euer Vater sein.

 

Schließt um euch das rechte Band der Liebe, dann habt ihr den ewigen und wahren und herrlichen Gott erfasst. Wie ihr euch in dieser Liebe dient, so wird Er euch dienen! So nahe, wie euch der ärmste Bruder, die ärmste Schwester steht, so nahe wird euch Gott stehen.

 

Macht euer Hauswesen in Ordnung, dann kommt nach dem Tempel, wo ich und Adonis euch erwarten. Ladet alle ein, die noch keine Kunde haben. Dann wird Gott durch meinen Mund euch allen Seinen Willen und Seine Liebe offenbaren. Du, Schaba und Adonis, bleibt bei mir, damit euch der rechte Schlüssel zum Gottesherzen werde“.

 

Gehorsam taten die vielen Menschen nach den Worten des Jakobus. Dann sagte dieser zu Adonis: „Bruder, mach den Tempel zu einem Tempel des Herrn, Schaba wird dir helfen. Ich aber werde dein Gast sein“. Adonis: „Nicht Gast, sondern helfender Bruder“. Jakobus: „So ist es recht, Adonis, mit diesen Worten hast du viel gewonnen. Ich werde dir gerne Bruder sein“.

 

In den Tempel waren einige Götzenbilder sowie auch einige Figuren. Adonis nahm sie ohne Bedenken von dem Platz und trug sie in ein Gelass, das sich noch im Tempel befand. Adonis: „Bruder Jakobus, was könnte ich wohl noch tun, um dieses Haus dem wahren lebendigen Gott ganz würdig zu machen, mir kommt alles so öde und leer vor“. Jakobus: „Mein Bruder, sorge dich um nichts anderes, als um das, wie du noch mehr Diener Seiner Liebe wirst. Beseitige noch diesen Altar, denn von nun an bedarf der Herr diese Opfer nicht mehr. Nur an dem Opfer in euren Herzen hat Er Wohlgefallen, wenn dieses aus dem Geiste der Liebe hervorgegangen ist“. Adonis: „Aber Bruder, jetzt verstehe ich dich nicht ganz. Im Tempel zu Jerusalem wird doch auch noch geopfert, ebenso auf Garizim“. Jakobus: „Ja, du hast recht, aber seit Jesus, der wahre Gottessohn sich Selbst als Opfer gab, bedarf es keines Sühneopfers mehr. Die Gesetzesschranken sind gefallen, die den Menschen von Gott trennten! Der Weg zu Gott ist frei für alle“.

 

So verschwand mit einiger Mühe auch dieser Opferaltar. An dessen Stelle setzte Jakobus ein Kreuz, welches er von Balken und Sparren, die er im Gelass vorfand, zusammenbaute. Schaba betrachtete das Kreuz mit Andacht, dann sagte er zu Jakobus: „Man müsste dieses Kreuz schmücken, es sieht so armselig aus“. Jakobus: „Schaba, als Symbol genügt es vollkommen. Alle Verehrung ist dem Herrn ein Gräuel. So wie Seine Liebe alles belebt, so soll auch unsere Liebe, unser Dank und Verehrung alles beleben! Sieh, alles, was du siehst, ist dem Tode und Vergehen geweiht, nur die Liebe Gottes gibt allem Geschaffenen die ewige Entwicklung und Vollkommenheit“.

 

Schon sind die Ersten gekommen. In ihrer Dankbarkeit brachten sie Brot und Fleisch, der Gottesbote sollte nicht hungern. Die Nacht brach herein, es waren sehr viele gekommen. Adonis entzündete eine Fackel, die Schaba trug. An dem Kreuz nahm er seinen Platz ein.

Die Menge harrte in Geduld auf Jakobus. Dieser aber sprach noch mit anderen, die besondere Fragen hatten, dann sagte er zu Adonis: „Bruder, sage der Gemeinde, eine Mutter mit ihrem kranken Kinde ist auf dem Wege zu uns, wir wollen auf sie warten, damit dann jede Störung vermieden wird“. Adonis sagt: „Bruder, wie kannst du wissen, was sich außer unserem Kreise bewegt? Es hat doch niemand etwas gesagt, aber ich glaube, dass es so ist“.

 

Endlich kommt eine junge Mutter. Schweißgebadet tritt sie vor Adonis mit ihrem Kinde auf den Armen, kann aber kein Wort sagen. Sie legt das Kind nieder und spricht: „Es stirbt, wenn keine Hilfe kommt!“ Jakobus sagt: „Dein Kind wird leben, aber du musst es glauben! Mit einer Götzenfigur im Gewande ist jedoch keine Heilung möglich“. Da riss die junge Mutter aus ihrem Gewand die verborgen gehaltene Figur, als wenn es eine giftige Natter wäre, warf sie dieselbe auf den Boden. Die harrende Menge entsetzte sich über das Wissen des Gottesboten. Da sagte Jakobus: „Nimm dein Kind, es ist gesund. Aber glaube nun fortan an Jesus Christus, denn nur Er ist der Heiland und Retter deiner Seele!“ Die junge Mutter nahm ihr Kind in den Schoß, setzte sich auf den Boden zu Jakobus Füssen und blieb sitzen.

 

Jakobus: „Die Gnade und die Liebe Gottes und der Frieden und die Ruhe sei mit euch. Die Liebe rief, ihr seid gekommen. Sie rief, um euch allen die große Sehnsucht zu stillen, die in euch schon so lange lebt. So mancher von euch, der die Kunde vernahm, in ganz Judäa sei ein Prophet und Heiland, wird sich danach gesehnt haben, Ihn einmal zu sehen und zu sprechen. Wie werdet ihr die beneidet haben, die Seine große Liebe erlebt haben, aber an eins werdet ihr nicht gedacht haben: Was verlangt dieser Heiland und Prophet von denen, die Er mit Seiner himmlischen Liebe beglückt? Vernehmt nun die Antwort und erschreckt nicht! Er verlangt alles! Auch an euch geht das Verlangen, alles Ihm zu geben, was in euch liegt, sei es rein oder unrein, sei es groß oder klein.

 

Auch an uns erging Sein Ruf. Wir verließen Weib und Kind, Haus und Hof, Schwestern und Brüder und folgten Ihm, dem herrlichen Heiland und Gottessohn. Zu Hause vermisste man uns nicht, unendlicher Segen lag auf unserem Tun. Was aber das Wichtigste ist, wir lernten den wahren und ewigen Gott kennen. Durften hineinschauen in Sein urewiges Wesen und lernten uns selbst dabei kennen. So offenbarte sich die allerhöchste Liebe in Jesus, dem Menschen- und Gottessohn, und Sein Geist machte unseren Geist frei.

 

In dieser Freiheit stehe ich vor euch, die ihr noch Gebundene seid. Wohl sind die groben Hindernisse beseitigt durch das Offenbaren Seiner Wunderkraft. Wollt ihr aber frei sein und die Segnungen Seiner Vater- und Heilandsliebe erleben, dann schenkt euch mit allem, was in euch lebt, dem Herrn Jesus Christus. Dann wird Sein Geist über euch kommen und euch in alle Seine Wahrheit und Weisheit einführen! Macht euch ganz frei von euren toten Göttern, werft weg alle eure Furcht. Dient in Demut und Liebe euch untereinander, dann habt ihr Jesus angezogen, und Er wird in euch Sein heiliges Liebeswerk vollenden!

 

Durch mich spricht Er zu euch: „Meine Kindlein, Ich habe euch längst geliebt. Mein Vaterherz brannte vor Verlangen, euch entgegen zu gehen, aber die Stunde war noch nicht da.

 

Nun Ich Mein Werk vollendet habe, kann ich zu allen kommen, die sich nach Mir sehnen, und ich verkündige euch die selige Botschaft, dass Ich in diesem Bruder zu euch gekommen bin. Wenn ihr Mir glaubt, Meine leichten Gebote haltet, euch liebt, wie Ich euch liebe, dann bin Ich in jedem Einzelnen, und euer Wort wird sein wie das Meine! Und euer Segen wird die selbe Wirkung haben, wie Mein Segen.

 

Dir, Adonis, übergebe Ich die Gemeinde, von nun an pflege sie in Meinem Geist. Du, Schaba, sollst Mein Herold sein und Gesichte haben, die euch allen die tiefsten Geheimnisse offenbaren. Jetzt bist du Fackelträger, von nun aber sei Liebesträger. Vergiss nie im Leben diese heilige Stunde! Sei immer eingedenk der großen Gnade.

 

Als Menschensohn war Ich an Zeit und Raum gebunden, obwohl Mein Geist ganz ungebunden war! Aber nun das größte Werk vollbracht ist, bin Ich außer Raum und Zeit und kann jedem zu jeder Zeit und Stunde auch Vater, Bruder, Freund und Heiland sein, je nach eurer Liebe und Verlangen! Wohl bin Ich als Gott reich an Welten und Dienern, alles ist aus Mir geworden! Aber Mein Herz sehnt sich nach Kindern, die gleich Mir der Welt den heiligen Vater, Freund oder Bruder bringen möchten.

 

Ich bin euch allen noch nicht schaubar, muss Mich verhüllen um eurer Entwicklung willen, aber schaut auf das Kreuz, es ist das Symbol Meiner siegenden Liebe. Darum nehmt Mein Kreuz auf euch, es ist zu eurem Heile nötig. So nehmt hin Meinen Geist, Meine Liebe und Meinen Segen zu eurem und der anderen Heil! Amen“.

 

Als Jakobus geendet hatte, war eine Stille eingetreten, aber Schaba war lebendig. Er fragte Jakobus, ob er reden dürfe, in ihm dränge alles zum reden. Jakobus nickte, dann sagte Schaba: „Höret mich alle an, die ihr von dem seltenen Menschen diese verheißungsvollen Worte hören durftet. Ich sah den Herrn und ewigen Gott! Er war mitten unter uns, in einem schneeweißen Gewand, und hatte die Hände erhoben, als wenn Er uns segnete. Ganz genau sah ich an Seinen Händen die Male, die Henkersknechte Ihm, als Er noch Mensch war, zufügten. Dann trat Er hinter Jakobus.

 

Als uns nun die inhaltsschweren Worte geschenkt wurden, die nur ein Vater sagen kann, gingen Strahlen aus Jakobus Munde, und diese Strahlen wurden kleine leuchtende Sterne, die sich bei euch auf eure Häupter niederließen. Die Sterne wurden immer größer und schöner, fast wie ein halber Kopf, und strahlten ein so herrliches Licht aus, welches sie aus Jakobus Munde empfingen. Als die Worte Seines Segens unser Geschenk wurden, ging das Leuchten der Sterne zu Ende, das Licht wurde aufgesogen von euren Körpern. Mit dem Amen war alles erloschen! Der Herr war wieder unsichtbar geworden.

 

Bei dir, Adonis, war der Stern kein Stern, sondern eine Gestalt, die immer schöner wurde, je länger wir die Worte vernehmen konnten. Mit dem Amen war die herrliche Gestalt verschwunden“.

 

Da bestaunten alle den Schaba, weil er auf einmal so viel reden konnte, denn er war immer ein sogenannter Ruhiger gewesen. Jakobus: „Aber liebe, liebe Herzen, staunt nicht über euren Schaba, der auf einmal ein anderer geworden ist. Es ist die unendliche Liebe, die euch allen den Schaba zubereitete, dass er euch mit dieser Gabe dienen solle. Wäre er, gleich euch, immer gesund gewesen, wäre die Gabe des Schauens und Sprechens nicht zum Durchbruch gekommen. Schaba sei nichts anderes, als euer Bruder, dem Adonis aber Diener, Freund und Helfer.

 

Ich bin glücklich, euch mit dem Bewusstsein verlassen zu können, denn ich weiß, ihr werdet, geführt von Adonis und Schaba, noch tiefer eindringen in das Wesen der heiligen und ewigen Liebe, die das Leben der Gottheit ist, und von nun an auch euer Leben sein wird. Ziehet hin in Frieden, des Herrn Leben ist der Lohn für eure Liebe“.

 

Noch viele blieben in dieser Nacht bei Jakobus, denn sie wollten von dem Leben Jesu hören, wie Er als Mensch lebte, was auch Jakobus gerne schilderte.

 

Bei Petro

Nach einigen Stunden Schlaf zog er von dannen, begleitet von Vielen, die ihn am liebsten ganz behalten hätten. Der Tag wurde sehr heiß. Da kam er in ein Dorf, welches in der Mitte eine große Herberge hatte. Hier wurde ihm der Zuruf, einzukehren. Wie in jeder Herberge, war es auch hier. An der Straße und im Hofe viele Wagen und Menschen, die noch tätig waren.

 

In der großen Gaststube saßen nur Einzelne, die noch verhandelten. Einer schaut auf und spricht: „Was hat denn der zu verkaufen, das ist doch ein Jude“. Spricht ein anderer: „Wahrscheinlich einer der Nazarener, der sein Leben in Sicherheit bringen will“. – „Wieso – fragt der andere – die Römer tun ja keinem etwas“ „Die Römer nicht, aber die Tempelpriester, welche die neue Lehre des Nazareners ausrotten wollen. Ich rufe ihn an unseren Tisch“.

 

Er winkte Jakobus und sagte: „Bist du allein, weil du zu Fuß kommst? Welches ist dein Woher und Wohin? Wenn du nach Edessa willst, kannst du mit uns gehen“. Jakobus: „Von Jerusalem komme ich und will nach Edessa, auf Umwegen gelangte ich hierher. Ein Begehren habe ich nicht, im Gegenteil: Ich bringe die Kunde vom wahren und ewigen Gott, dessen Jünger ich bin“. „Da wirst du wenig Freude erleben, denn an Göttern fehlt es hier nicht, aber an Ware, die schlecht abzusetzen ist, weil die Leute arm sind“, erwiderte der Händler. Jakobus: „Mitnichten, mit Freuden nimmt man die Lehre des Heilandes Jesus an, weil sie das Leben der armen, geknechteten Menschen froh und friedvoll macht. Außerdem wurden auch alle ihre Kranken gesund“.

 

Antwortet Achmet, der Händler: „Da bin ich begierig, denn der Wirt hat eine Tochter, die schon seit Jahren krankt“. Jakobus: „Es ist noch nicht erwiesen, ob das Mädchen gesund wird, da ohne den Glauben an Jesus, den Heiland, eine Heilung unmöglich ist“. Achmet: „Das ist sehr gut gesagt. Wenn kein Erfolg zu sehen ist, dann wird es auf mangelnden Glauben geschoben. Mir musst du schon mit anderen Argumenten kommen, wenn ich an deinen Gott glauben soll“. Jakobus: „Ich bin nicht gedungen, um Glauben zu erwecken, sondern um Kunde zu bringen vom wahren und ewigen Gott, der die Menschen erlöste vom Fluch, vom Tode, vom Gericht. Gerade du, Achmet, brauchst am nötigsten einen Erlöser, denn dich hat der Weltgeist ganz eingenommen! Keiner ist so gefangen, wie du. Alle Götter sind für dich gute Einrichtungen, da sie ja zur Versklavung und Verdummung des an sich schon geknechteten Volkes beitragen. Aber an einen wahren und ewigen Gott magst du nicht denken, obwohl du das Dasein eines wahren Gottes nicht leugnen kannst“.

 

Spricht Amino: „Achmet, jetzt bist du an den Rechten gekommen. Dieser kennt nicht nur deinen Namen, sondern er scheint dich auch zu durchschauen. Ich rate dir, sei vorsichtig, mit Göttern ist nicht zu spaßen“.

 

Jakobus: „Ich lese nicht nur bei dir, Achmet, sondern auch bei dir, Amino, in deiner Seele, als wenn alles offen vor mir liegt. Auch du bist dem Weltgeist verfallen. Es bedarf ganzer Kraft von deiner Seite, willst du dereinst ewig leben. Euer Leben ist kein Leben, ihr gleichet einem Schlinggewächs, das alles in seine Umarmung zieht, wenn aber der Tod kommt, muß alles sterben. Das Gute in euch habt ihr selbst getötet, ihr tragt nur noch einen Schein nach außen“.

 

Achmet: „Du, ich verbitte mir deine Vorwürfe. Ich brauche deinen Erlöser nicht. Ihr Juden habt der ganzen Menschheit bewiesen, dass sie ohne Erlöser leben wollen, da sie ja den seinwollenden Erlöser an das Kreuz brachten. Mit deinem Gott aber konntest du hübsch zu Hause bleiben, denn mit einem Gott, der seinen Sohn schutzlos seinen Feinden überlässt, kannst du nicht viel von Kraft und Herrlichkeit anpreisen“.

 

Jakobus: „O, du armer verblendeter Mensch, dein Wissen ist die größte Unwissenheit. Einen Narren wirst du dich selber schelten, wenn du hineinschauen lernst in die Größe und Erhabenheit Gottes. Was wirst du mir aber antworten, wenn ich dir sage: Eben dieser Gottessohn war Gott Selbst, dieses gebrachte Opfer aber ist ja die Rettung und der Weg zur Erlösung aller“. Achmet: „Was soll ich antworten? Ich habe kein Verlangen nach einem Gott, ich bin mir selbst genug“.

 

Jetzt kommt der Wirt, der schon länger zuhörte, und sagte: „Achmet, würdest du auch so reden, wenn du, wie Sabine, jahrelang auf dem Krankenbette lägest? Gewiss, du brauchst keinen Erlöser, da du keine Gebrechen an dir findest. Aber wie viele wird es wohl geben, die einen Erlöser ersehnen?“  Achmet: „Petro, dich lässt das Leid so sprechen. Denke an den König in Edessa, wie hatte er auf den Heiland und Erlöser gehofft, und sein Sohn ist doch gestorben. Wer zum Leiden geboren ist, das ist eben Schicksal, gegen das Schicksal kannst du nicht anrennen“.

 

Jakobus: „Achmet, deine Anschauung in Ehren, aber sie weicht ab von der Ordnung. Alles, auch das Geringste, ist den ewigen Urgesetzen untergeordnet, die geringste Abweichung vom Urgesetz trägt Folgen. Der Mensch ist längst nicht mehr, was er sein soll und wie er war von Anbeginn seiner Erschaffung an. Nur der kann vom Schicksal reden, der Gott und seine Gesetze kennt. Ist aber der Zustand eingetreten, wo wirklich Schicksal das Vorbestimmende war, dann, sei versichert, ist auch Gott mit Seinen Kräften da, der tragen und ausharren hilft.

 

Du, Petro, bist Beweis genug, hast du doch oft gesagt: Ich wundere mich, wo ich die Kräfte hernehme. Dein Weib krank, Sabine noch elender dran, trotzdem warst du immer voll Hoffnung. Als aber dein Weib starb, warst du am Ende deiner Kraft, und bist doch noch! Siehe, dies war Schicksal, welches nicht Gott, sondern du dir selber aufgebürdet hast. Du wolltest einmal die wahre Herrlichkeit Gottes offenbaren, und heute ist die Stunde da, wo du den Lohn für deine Treue erhältst. Noch kannst du mich nicht verstehen, aber so du wahrhaft Gott erkennst, wird dir alles offenbar werden!“

 

Petro: „Fremdling, so sprach noch kein Mensch, kein Priester. Du gibst mir eine Verheißung, die vom Gotterkennen abhängt. Sag, wie kann man Gott wahrhaft erkennen?“ Jakobus: „Du musst dich erst erkennen, musst in dir eine Grenze ziehen, wie weit du Mensch und wie weit du Tier bist. Wenn du all dein Tierisches vermenschlichen kannst, dann sei als Mensch edel, hilfreich und gut zu allen, allen Menschen und Tieren, und du bist auf der Ebene, wo du Gott erkennen kannst.

 

Du denkst, Gott erkennen, ja, wo ist eigentlich Gott? Ja, sage ich dir, Gott ist überall dort, wo du Ihn sehen willst. Und ist nirgends, wo du Ihn nicht sehen willst. Es gibt ja nichts in der ganzen Unendlichkeit, was nicht Zeugnis von Ihm ablegt, da alles aus Ihm und durch Ihn geworden ist.

 

Der Mensch aber, als Produkt Seiner Vollkommenheit, wurde freigestellt und sollte das Bindeglied sein zwischen allem Geschaffenen und Ihm Selbst! Er sollte allem den Stempel der Göttlichkeit aufdrücken, damit sich alles entwickele zum Vollkommenen. Der Mensch versagte, zerschlug alle die Hoffnungen, die Gott auf ihn setzte und verlor sich in seiner Ichsucht, Habsucht und seinem Hochmut. Um den Menschen nicht ganz verloren gehen zu lassen, wurde Gott Mensch, nahm alles an, was den Menschen hoch und nieder ziehen kann, und heiligte alles, was unheilig war. Er offenbarte das Reich des ewigen Lebens, welches im Menschenherzen seinen Anfang nimmt und zeigte die Wege, die in das Reich des Lebens und der Wahrheit führen.

 

Als Jesus, als Menschensohn lebte Er unter uns, tat Zeichen und Wunder, wie ihr oft genug gehört habt, aber noch Größeres gab Er uns! Es war Sein Wort, so einfach, so schlicht und lebenswahr, dass in diesem Seinem Wort uns Sein vergöttlichtes Leben entgegenkam. Wer an dieses Wort glaubt und es sich zu eigen macht, macht sich Gottesleben zu eigen. Es offenbart sich als Kraft, Weisheit und Frieden! Es kann sich aber nur offenbaren, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Sie lauten: Liebe Gott und deinen Nächsten mehr, als dich!“

 

Petro: „Es könnte nicht schwer sein, Gott zu lieben, wenn Er nicht mehr verlangt, als Liebe zum Nächsten! Ich glaube dir, Fremdling, und so sei nicht mehr mein Gast, sondern mein Allernächster. Betrachte dieses mein Haus als das deine und lehre mich, wie ich recht lieben kann. Ich bin müde von den vielen Sorgen und vom Ringen. Mein Leben war ein restloser Kampf, da verlernt man die Liebe“.

 

Jakobus legt seine Hände auf Petros Haupt und spricht: „Petro, mein Bruder, die Liebe Jesu sei mit dir. Sein Geist erleuchte dich und lasse dich vergessen alles Vergangene. Von nun an schaue das Leben als Liebe, Licht und Sonne, und bald wird dir Freude über Freude werden“.

 

Achmet: „Na Petro, jetzt hast du dir aber einen richtigen Schwärmer ins Haus gesetzt. Ich gönne dir die Freude, du wirst froh sein, wenn er wieder fort ist, der arme Faun“. Jakobus: „Achmet, schweige, ich tat dir nur Gutes, du aber bist beleidigt, weil ich dir zeigte, wie du bist. Sei aber in Zukunft klüger und versperre dir nicht den Weg, den ich dir zeige. Nun komm, Petro, zu Sabine, damit dein Herz frei und froh werde“.

 

Sabine

 

In einer Oberstube lag Sabine mit bleichen und abgezehrten Wangen, des Wirtes einzige Tochter. Das schleichende Gift hatte ihren Körper fast zersetzt, aber ihre Augen bitten um Erlösung.

 

Als die Beiden  an das Lager treten, sagt Petro: „Sabine, eine große Verheißung ist mir geworden, wir sollen alle recht froh werden“. Sabine: „Ja Vater, wenn ich endlich in das Grab zur Mutter gefolgt bin, dann wirst du froh sein“. Jakobus: „Mitnichten, meine Tochter, du sollst leben. Leben zur Freude Gottes und zur Freude deiner Mitmenschen. Dein Heiland und Erlöser, den du schon so oft in schlaflosen Nächten schautest, kommt in mir zu dir und spricht: `Glaube endlich, dass Ich Wirklichkeit und kein Traumbild bin. Stehe auf und lasse dich von niemand irre machen, denn Ich bin das Leben, die Liebe und das wahre Sein!“.

 

Da erhob sich Sabine mit großer Mühe. Jakobus legte ihr die Hände auf, zusehends kam Farbe und Leben in sie. Da sagte sie: „Ja, ich fühle das Leben, aber wo ist Er, den ich so oft schaute, den ich liebe unaussprechlich? Wie kann ich zu Ihm gelangen?“ Jakobus: „Sabine, kleide dich an und komme zu uns herunter, du sollst alles erfahren, was deine Sehnsucht ist, doch vor Fremden schweige“.

 

Die beiden Händler waren ganz verwirrt, als Sabine an der Hand Petros durch die Gaststube in die Küche ging. Jakobus aber setzte sich zu den Händlern. Da fragte Achmet: „Was ist geschehen mit Sabine?“ – „Nichts -  erwiderte Jakobus - nur das wurde ihr, wonach sie sich sehnte: Gesundheit! Freilich, du wirst keinen Nutzen davon haben, denn Gott ist dir ja gleichgültig“. Armino: „Fremder, lass dich doch nicht bitten. Was ist mir Sabine geschehen, denn das ist das größte Wunder, was ich mir denken kann, von dieser Krankheit ist noch niemand genesen“. Jakobus: „Du hast recht, aber bei Gott ist eben nichts unmöglich, Sein heiliger Wille vermag alles“.

 

Petro kommt an den Tisch und spricht: „Lasst alle Geschäfte ruhen. Sabine ist mir neu geschenkt worden, darum feiern wir diesen Tag, der mir so viel Glück brachte. Und du, der du mich Bruder nanntest, sei auch den anderen Bruder und offenbare uns den rechten Gott!“

 

Da wurden die anderen alle aufmerksam, die noch in der Stube sich befanden. Sie sahen auf Petro, der ganz anders war. Sie fragten: „Was ist geschehen?“ Petro aber sagte: „Sabine ist gesund geworden durch den Gott, den wir nicht kannten“. Da schauten die anderen ungläubig auf Petro, dieser aber sprach: „Bald werdet ihr es sehen. Sabine lässt nur ein Mahl richten, denn heute ist der Tag der Freude. Sagt es euren Kameraden, beendet euer Tagewerk, heute sind alle zahlfrei und alle Schulden sind gestrichen“.

 

Achmet: „Petro, bist du ein Narr geworden. Was soll das heißen: zahlfrei und alle Schulden gestrichen, bist du denn so reich geworden?“ Petro: „Ja, ja und wieder ja, denn das Leben ist zu uns gekommen. Die Freude braucht Betätigung, sonst würde mit alles tot erscheinen. Wenn du aber nichts davon sehen willst, dann störe mich wenigstens nicht in meiner Freude“. Jakobus: „Schön gesagt, Petro, dieser Tag wird dir viel Freude machen, aber nun sage Sabine, sie solle kommen“.

 

Mit einiger Scheu kommt Sabine in das Gastzimmer, niemand sah ihr die Spuren des jahrelangen Krankseins an. Petro war überrascht über seine Tochter. Er weinte laut und sagte: „Sabine, wenn das die Mutter erlebt hätte!“ Sabine: „Vater, sie sieht uns und ist selig, denn vorhin sah ich sie, obwohl ich nicht träumte“.

 

Sie gab Jakobus die Hand und sagte: „Ich weiß deinen Namen nicht, aber ich muss dir danken. Ich bin wie im Traum und frage mich, bin ich denn noch am Leben? Wie oft ersehnte ich den Tod, er wäre mir süß gewesen in meinen Schmerzen. Aber nun fühle ich das Leben und bitte dich, lehre mich, wie ich recht dankbar sein kann“. Jakobus: „O Sabine, sorge dich um nichts als nur um dieses, dass die wahre und heilige Liebe dich erfüllen möge, denn der wahre Gott ist ja die Liebe und das Leben Selbst. Wer in dieser Seiner Liebe lebt, lebt in Gott und Gott in ihm. Sein Geist wird dir alles offenbar machen“.

Die anderen waren sprachlos über die Lieblichkeit dieser jungen Menschenblume, wie ruhig und frei sie um sich schaute. Da sagte sie zu Achmet: „Aber Freund, warum blicken deine Augen trübe und Schatten verdecken dein Gesicht? Hast du mir doch so oft Trost zugesprochen. Freue dich doch mit Vater und mir. Ich bin wirklich ganz gesund und fühle neue Kraft und neue Freude, dass ich Berge abtragen möchte“. Achmet: „Sabine, Sabine, ich möchte mich freuen mit euch, aber hier innen ist etwas, was mich bindet. Lass mich gehen, ich brauche Zeit“. Sabine: „Nein Achmet, wie ein Vater voller Teilnahme warst du zu uns. In der großen Not warst du uns Freund, und nun musst du dir gefallen lassen, dass wir dich in deiner Not nicht alleine lassen. Auch dir wird Gott helfen, wie Er mir geholfen hat, dieser Freund wird dir dazu verhelfen“.

 

Sabine verließ die Gaststube, um in der Küche zu helfen den beiden Mägden. Da sagte Achmet: „Petro, Ist das wirklich deine Sabine?! Wie ein Engel sieht sie aus und ihre Sprache, ist die nicht wie ein Ton aus den Himmeln? Ich muss mich vor ihr schämen, weil ich mich so wenig in der Gewalt hatte“. Petro: „Du bist unser aller Freund und bleibst es auch. Nur das Glück wirst du mit uns teilen müssen, denn nun hat aller Kampf und Sorge ein Ende“.

 

Jakobus: „Petro, heute schaust du das Leben von der Lichtseite, trotzdem wird das Leben ein Kampf bleiben. Ein Stillesein und Stillestehen würde die Entwicklung hemmen. Aber das Leben bekommt von heute an einen anderen Sinn und einen anderen Inhalt. Sage deiner Sabine, sie solle noch für 30 Mann mehr zubereiten, denn heute bekommst du noch viele Gäste in dein Haus“. Petro „Wenn du es sagst, dann muss es auch wahr sein, es verdoppelt nur meine Freude“. Armino: „Freund, bist du allwissend, weil du Dinge voraussagst, die mir unbegreiflich sind. Kannst du mir sagen, wer diese 30 Mann sind, und was wollen denn die gerade hier bei Petro?“

 

Jakobus: „Es wäre schlimm, wenn ich als Bote der ewigen Liebe und als ein Willenträger Gottes nichts weiter hätte, als nur das, was man im Kopfe trägt! Schon durch das Verbundensein mit hm, dem wahren und lebendigen Gott, offenbart Er mir Dinge, die den anderen unbegreiflich sind. Gerade du wirst sehr große Freude erleben an den Römern, die aus Edessa kommen, denn es ist einer darunter, dem du dein Leben zu verdanken hast, als man dich überfiel und deine Habe rauben wollte“. – „Was, Benediktus, der gefallene Priester? Er kommt mit Römern hierher?“ Jakobus: „Ja, gerade der. Es ist aber möglich, dass du ihn nicht verstehen wirst, weil er das Evangelium der Liebe Jesu als etwas Unbegreifliches hinstellt“.

 

Es war auch so. Kaum dass die Zeit hinreichte, um das Essen fertig zu bringen, kommt der Tross von Römern, um bei Petro zu übernachten, wie sie es schon so oft taten. Laurentius, der Führer und kaiserlicher Amtswalter, begrüßt Petro wie einen alten Freund und verlangt Quartier für sich und alle seine Leute.

 

Lachend begrüßt ihn Petro und spricht: „O Laurentius, alles ist schon bereitet. Komme mit deinen Leuten, heute seid ihr meine lieben Gäste“. Laurentius: „Was ist dir Gutes widerfahren, du lachst ja und siehst aus wie der Glücklichste der Glücklichen?“ Petro: „Bin ich auch, Laurentius, du kennst mich ja seit Jahren und ebenso Sabine, willst du sie sehen?“ Laurentius: „Nein Petro, kranke Menschen machen mich traurig. Es ist schon genug Elend, was ich auf Straßen, in Dörfern und Städten sehe, an einem Krankenbett erlebe ich keine Freude“. Petro: „Laurentius, diesmal wirst du meine Freude teilen, Sabine ist gesund, ich werde sie holen“.

 

Freudig eilt sie herbei und spricht: „Vater, ich habe jetzt keine Zeit, was hast du für mich?“ Da sieht sie Laurentius stehen, geht hin zu ihm und, ihm die Hand reichend, sagt sie: „Lieber, edler Freund, du kommst zur rechten Stunde. Heute ist bei uns der Tag der Freude und des Dankes, ich bin richtig gesund“. Laurentius: „Bist du wirklich Sabine, Petros Sorgenkind? Beim Zeus, so schön sah ich noch keine Mädchenblume“. Sabine: „Ich bin es, edler Freund, ein Bote Gottes machte mich gesund. Aber noch Besseres brachte er mir, den Heiland, den ich schon lange als Unbekannten liebe. Aber, verzeihe lieber Freund, dort wartet Arbeit, du wirst alles erfahren durch den Gottesboten“.

 

Laurentius: „Petro, war das wirklich Sabine? Nun verstehe ich deine Freude, ich gönne sie dir. Aber stelle mich dem Gottesboten vor, ich bin recht neugierig geworden“. Petro ruft Jakobus und spricht: „Bruder, dieser Freund möchte mit dir bekannt werden, schenke ihm auch deine Freundschaft“.

 

Laurentius

 

Er sah Laurentius lange an und sagte: „Ich bin Jakobus, des Heilandes Jesu Bruder“. Laurentius: „Es wird mir schwer werden, mit dir Freundschaft zu schließen, denn dein Bruder ist ein Geächteter, ich aber bin ein Römer. Aber sag, hast du wirklich Sabine geheilt?“ Jakobus: „Ja und nein, ich war nur der Vermittler, geheilt hat sie der Geächtete, der aus diesem schmachvollen Tod als Sieger hervorging“. Laurentius: „Du machst mich verwirrt, Jakobus. So ist also die Totenauferstehung Wirklichkeit und kein Betrug von den Nazarenern?“

 

Jakobus: „Der Betrug ist das Werk der Templer. Ich bin Zeuge dessen, der da lebt und leben wird ewig und bin gesandt, Zeugnis zu geben von diesem Leben, was da ausgehet von Ihm. Sabine ist nur ein kleiner Beweis dieses neuen Lebens“. Laurentius: „Wenn ich Sabine und ihr Leiden nicht so genau kennen würde, ich würde dich als Betrüger in die Galeeren stecken, doch hier ist mehr, als Verstand, hier ist Unmögliches möglich geworden“. Jakobus: „Laurentius, warum unterordnest du dich toten Götzen, wo der Lebendige, Wahre und Ewige dir schon so viele Beweise Seines Seins, Seiner Liebe und Weisheit gegeben hat? Du glaubst, jene Götter haben den Irrtum aufgeklärt, als deiner Mutter jenes Schmuckstück abhanden gekommen war“. Laurentius: „Jakobus, was weißt du davon, damals war ich noch ein junger Mann und du ebenfalls“.

 

Jakobus: „Alles weiß ich, Laurentius! Deine Mutter war eine Griechin, die es mit ihren Göttern nie ernst nahm, da ihr Vater viel mit Juden handelte. Euer Priester aber fürchtete, sie ganz verlieren zu können, darum versteckte er bei Gelegenheit das Schmuckstück und beließ deine Mutter in dem Glauben, es sei gestohlen oder abhanden gekommen. Zur Freude deiner Mutter überraschte er sie eines Tages mit der Kunde, das Schmuckstück befinde sich im Hause, sie solle es auf dem Dache in einem Mauerriss suchen lassen. Deine Mutter fragte, woher er die Kenntnis habe. Da sagte der Priester, du warst selbst Zeuge, die Götter sind dir wohlgesinnt, sie offenbarten mir den genauen Fundort. Da gingst du mit dem Priester hin und richtig, der Priester hatte recht, das Schmuckstück hatte sich wiedergefunden. Aber nie ist dir der Gedanke gekommen, dass es der Priester gewesen sein könnte“.

Laurentius: „Du behauptest, der Priester sei es gewesen, um auch mich und meine Mutter den Göttern zu verpflichten?“ Jakobus: „Er hat auch sein Ziel erreicht, denn mit einer seltenen Hingabe und Treue blieb deine Mutter ihrem Glauben getreu. Auch du kannst dich bis heute noch nicht entschließen, an den wahren und lebendigen Gott zu glauben, dessen Sohn Jesus von Nazareth war!“ Laurentius: „Aber, mein Freund, was du mir erzählst, klingt genau so wahr wie des Priesters Darstellung. Wie willst du mir beweisen den Betrug jenes Priesters?“ Jakobus: „Beweisen kann ich es nicht, aber jener Priester kann sich diese Tat nicht vergeben, sie verschließt ihm den Weg zu Jesus“. Laurentius: „Aber Jakobus, seit wann sind denn Tote bemüht, Handlungen – im Erdenleben begangen – sich vergeben zu wollen, du wirst mir immer rätselhafter“.

 

Diese, im lauten Ton gehaltene Unterhaltung, hatten alle gehört. Sie bedauerten, das Ende nicht erfahren zu können, denn Petro ließ das Mahl auf den Tisch bringen. Sabine in ihrer strahlenden Frische, eilte, mit noch zwei Mägden, mit einer Behändigkeit von der Küche durch das große Gastzimmer, die jede Unterhaltung unterband. So war in kurzer Zeit alles gerichtet, alle hatten Platz genommen. Da sieht auch Armino seinen Lebensretter. Er steht auf und nimmt an Benediktus` Seite Platz, der große Freude hatte, Armino zu sehen.

 

Leider konnte Armino nichts sagen, denn Petro sprach: „Freunde, liebe Freunde, verwundert euch nicht über mich, denn mein Herz ist voll Freude und Dankbarkeit. Ich habe Sabine wieder, die, wie ihr wisst, seit Jahren an der Auszehrung litt. Nun ist sie gesund durch den Boten, den uns Gott gesandt hat, an den ich nun glaube und Ihm getreu folgen werde. Mit welchen Opfern suchte ich die Götter zu bewegen, noch mehr hätte ich getan, so es gefordert worden wäre, nur um ihr Leben zu erhalten. Nun kommt uns Gott, der Wahre, der Lebendige und Ewige in diesem schlichten Menschen entgegen und macht mir Sabine ohne Opfer gesund. Darum genießt alles recht froh, denn heute wollen wir uns freuen und des rechten Gottes in unserer Freude gedenken. Du aber, du wahrer Gott von Ewigkeit, du kamst in der Not zu uns, bleibe auch in der Freude bei uns. Dir alles Lob, allen Preis und Dank und Dir alle Herzen, Amen“.

 

Herrlich schmeckte das Mahl, aber der Wein war sauer, darum kam die rechte Stimmung nicht auf. Auch Laurentius konnte die Worte des Jakobus nicht verdauen.

 

Armino, der wieder mit Benediktus ganz eins war, sagte: „Was sagst denn du zu der Heilung der Sabine?“ Benediktus: „Lass mich mit dem Judengott zufrieden. Ich habe wieder in Edessa viel gehört, was ist denn wahr? Hier und da große Wunderheilungen, wo es aber darauf ankommt, versagt der Nazarener. Frage doch in Edessa, der Thronerbe ging, trotz aller Anstrengungen, die man machte, um den Nazarener herbei zu holen, doch ins Grab. Ich bin eigentlich zufrieden, ich habe mich von den Göttern losgesagt, liebe ein Glas guten Wein, da vergisst man gerne alle Sorgen“.

 

Armino: „Du weichst mir aus, um Sabine fragte ich dich. Was meinst du, könntest du glauben, dass Jesus, der Heiland, dieses Kind geheilt haben könnte?“ Benediktus: „Nein, Armino, weißt du, ich war lange genug der Betrüger und Betrogene gewesen. Du aber bedenke, Jesus ist tot, alles andere sind für mich Märchen“. Armino: „Jakobus, dieser Gottesbote, ist mit Kräften ausgerüstet, die man Jesus nachsagt. Höre, auch dieses hat Jakobus vorausgesagt, dass ihr hier einkehren werdet und du, als mein früherer Lebensretter, wärest darunter, und noch etwas, was kein Mensch wusste“. Benediktus: „Armino, du bist zu leichtgläubig. Gewiss gibt es Menschen mit großen Begabungen, aber deswegen bleibe ich auf meinem natürlichen Boden und lasse die Götter Götter sein, und wo sie sind, in den Gehirnzellen der Menschen. Lieber wäre mir, der Wein wäre nicht so sauer“.

Laurentius war auf Armino aufmerksam geworden, der mit Benediktus sich unterhielt. Er wusste, Benediktus ist schlecht auf die Götter zu sprechen. In seinem Leben war ein Vorgang, der ihn zum Abtrünnigen machte, darum wurde er Soldat.

 

Das Essen war vorüber, die Tische wurden abgeräumt, nur die Krüge und Becher blieben. Da spricht Petro: „Freunde, wer unter euch nicht ganz meine Freude teilen kann, schließe sich dem Jakobus an, denn in diesem Bruder ist der ewige Gott zu uns gekommen“. Da lächelt Benediktus, aber Laurentius sagt: „Benediktus, sei nicht so erhaben über das, was Petro spricht, denn in Jakobus ist mehr wie ein Mensch hierher gekommen. Du weißt, ich bin ein harter Mann und dulde keinen Betrüger“.

 

Benediktus: „Herr, ich kann wohl vieles verstehen, aber ist mein früheres Leben wegzuwischen? Warum halfen mir die Götter nicht, wo ich sie brauchte? Ist es nicht genug, dass ich mein Leben, solange ich weiß, den Göttern opferte, mir so manche Freude des Lebens versagte? Kam ich mir nicht wie ein Betrüger vor, wo ich der Betrogene war? Nein Herr, lasst mich in Ruhe, ich habe kein Verlangen, mich mit Göttern zu beschäftigen. Auch mit Jesus war es dasselbe. Sein Leben schenkte Er Jehova, und zum Schluss ließ Ihn Jehova genau so untergehen, wie ich untergegangen wäre, wenn ihr Römer nicht gewesen wäret“.

 

Laurentius zog Jakobus hin zu sich und sagte: „Jakobus, wir beide sind nicht fertig geworden mit unserer Unterhaltung. Ich habe hier einen Untergebenen, dem viel Unrecht geschehen ist. Du hast Sabine geholfen, kannst du auch Benediktus helfen?“ – „Nein“ erwiderte Jakobus, „weil er kein Verlangen nach Hilfe hat. Aber da ihm der Wein zu sauer ist, so soll der Wein im Namen des Herrn süß sein, denn nur der Wein ist sein Tröster“.

 

Benediktus will lachen, da spricht Jakobus: „Benediktus, um der Wahrheit willen versuche den Wein und dann sage mir, ob der Wein süß genug ist“. Da trinkt Benediktus und sagt: „Ja, wirklich, das ist guter süßer Wein, aber wie ist denn dieses möglich?“ Jakobus: „Mein armer Freund, dem wahren und lebendigen Gott ist nichts unmöglich, doch glauben muss man an Ihn können.  Aber da der Wein gut ist, sei genügsam, dass du keinen Rausch bekommst, denn im Rausch könntest du Dinge verraten, die dich später reuen würden“.

 

Benediktus: „Sei nicht so geheimnisvoll, ich wüsste nicht, was ich ausplaudern könnte. Übrigens, mir gegenüber brauchst du nicht so geheimnisvoll zu sein, ich bin lange genug Priester gewesen. Von Göttern habe ich vorläufig genug, da möchte ich ganz in Ruhe gelassen werden“. Jakobus: „Ganz recht, Benediktus, aber du musst auch Gott in Ruhe lassen. Es geht auf keinen Fall, dass du Gott angreifst und Seine Führungen unterbindest. Es war deine eigene Schuld, dass du einen Menschen auf dem Gewissen hast, der bestimmt noch leben würde“. Benediktus: „Was weißt du, Jakobus, willst du mich noch elender machen, als ich bin, konnte ich denn als Priester anders handeln?“

 

Jakobus: „Ich will dich nicht richten, auch deine Handlungsweise nicht verurteilen, aber ein Mensch soll Helfer sein, auch wenn die Umstände es verbieten. Dich elender machen hieße ja, meinen Gott schlagen. Nein, frei sollst du werden, ganz frei, und dazu kann dir nur der Herr Jesus verhelfen. Siehe, die kraft des Herrn tat dir Gutes, indem du einen süßen Wein trinken kannst. Ebenso hätte ich auch die Kraft des Herrn, dir den Wein so zu versauern, dass du ganz nüchtern bliebest. Mir aber liegt daran, dir Freude zu machen, dich für Stunden vergessen zu machen, was jede frohe Regung in dir nieder hält. Aber nun sei mit den anderen fröhlich“.

 

Sabine setzte sich an Jakobus` Seite und sprach: „Du lieber Gottesbote, bleibe recht lange bei uns und erzähle uns recht viel von dem herrlichen Heiland Jesus. Seit wann kennst du Ihn?“ Jakobus: „Seit Seiner Geburt, liebe Sabine, Er war mein Bruder. Sein ganzes Leben, Seine Entwicklung vom ersten bis zum letzten Atemzug ist in mein Inneres eingebrannt, was kein Mensch der Erde mir wieder nehmen könnte. Die Welt erfuhr nicht den 10 000. Teil von dem, was ich und durch Ihn erlebte“. Sabine: „O ihr glücklichen Menschen, wie seid ihr zu beneiden, welch herrliches Leben müsst ihr geführt haben. Wenn ich mir vorstelle, Er, als die Liebe und die Lebenssonne, wie müsst ihr euch unter den Strahlen dieser Liebe wohlgefühlt haben, es muss ein Himmel auf Erden gewesen sein. Nichts von Not, nichts von Leid, Kummer, wie muss Er euch fehlen!“

 

Jakobus: „ O Sabine, du bist in einer großen Irre, weil du von deinem großen Sehnen, von deiner menschlichen Erkenntnis ausgehst. Bei uns im Hause Josefs war alles, bloß kein Himmel. Jesus war Liebe, aber Er war auch hart und streng. Sein Leben war pur Kampf mit Sich, während Er mit uns größte Nachsicht übte. Mein alter Vater war einer der gerechtesten und streng gläubigsten Juden. Für ihn gab es die Erfüllung aller Gesetze, die der Tempel vorschrieb. Streng mit uns hielt er auch darauf, dass alles Vorgeschriebene streng befolgt wurde, z.B. die Speisen, das Beten, Andachten, Zehnten und vor allem das strenge Einhalten des Sabbats und der Festtage.

 

Jesus aber entwickelte Sich schon in Seiner Kindheit zu einem Freigeist. Nie besuchte Er die Schule oder die Synagoge und war doch klüger, als wir alle. Nie betete Er vor uns, sondern nur für sich allein. Alle Gesetze waren Dinge, die gehalten wurden, um kein Ärgernis zu erregen. Wenn es aber galt, einen Liebesdienst zu tun, hielt Ihn kein Gesetz oder Sabbat zurück. Auch vom Gegenteil weiß ich. Man verlangte eine Arbeit von Ihm, Er war hart und lehnte ab mit den Worten: `Ich tue es nicht, Ich will Meine Seele nicht beschweren`.

 

Je älter Er wurde, um so schwerer wurde es für uns. Wir verstanden Ihn nicht und machten Ihm das Leben schwer. Wie weinte Seine Mutter über Sein Verhalten und beschwor Ihn, sich doch uns und allen anzupassen. Er aber lehnte ab, wich aus, und warum? Weil Er schon frühzeitig den in Sich klaren Geist aus Gott zu Seinem Führer und Leitstern machte, um eben jenen Reifegrad zu erreichen, der Ihn, den Menschensohn, zum Gottessohn machte. Es gelang Ihm. Mit 30 Jahren tritt Er Sein Lehramt an und offenbarte allen, die Ihn hören wollten, den wahren und ewigen Gott und tut Wunder und Zeichen allerorts, die ihr vernommen habt. Viel Volks lief Ihm nach und glaubte. Der Tempel aber war und blieb Sein Feind und hatte auch seinen Zweck erreicht, Ihn unschädlich zu machen“. Sabine: „O du blindes Volk, warum ließt ihr es zu, dass dieser Wohltäter sterben musste?“

 

Jakobus: „Jesus unterordnete Sich dem Willen Gottes, Sein Tod ist ja eben unser Leben. Nur durch das größte Liebesopfer konnte eben dieser zur Vollreife gelangte Geist allen, allen Menschen zum Eigentum angeboten werden. Nur durch diesen Geist aus Ihm war es möglich, dich gesund zu machen, und in diesem Geist ist Er auch unter uns. Kannst du dieses verstehen?“ Sabine: „o ja, ganz gut. Aber ob dich unsere Freunde verstehen, bezweifle ich, denn sie haben eine gewisse Abneigung gegen euch Juden. Ich wäre glücklich, wenn es dir gelänge, sie zu überzeugen“.

 

Laurentius: „Freund, deine Vorstellung in Ehren, aber sie hält meiner Kritik nicht stand. Es macht Gott wenig Ehre, Seinen Sohn schutzlos den Feinden zu überlassen. Eine schwache Stütze, so du sprichst, Jesus unterordnete Sich dem Willen Gottes. Dieser Gehorsam ist wohl Jesus sehr hoch anzurechnen, aber ich komme da mit Gott in Konflikt“. Jakobus: „Du magst als Römer, nach deinen Ehrbegriffen, recht haben, aber es galt eine Erlösung zu schaffen, und nur der geringste Einfluss göttlicher Kräfte hätte das Erlösungswerk beendet“. Laurentius: „Wieso? Jesus starb doch und blieb als der Besiegte am Platze“.

Jakobus: „Was starb, lieber Freund, war nur die Hülle oder das Vergängliche, denn nach drei Tagen stand Er mit einem unzerstörbaren und unvergänglichen Leibe unter uns! Nicht als Besiegter, sondern als Sieger über allen Tod und alles Gericht. Eben, um dem Tod die Macht zu nehmen und um alles zu erfüllen mit Seinem Leben, musste Er sterben. Gott wusste seit Ewigkeiten, dass ein allergrößtes und allerschwerstes Opfer nötig war, um die Macht des Bösen zu brechen, damit ein Weg gefunden werde zur Erlösung und Errettung aller, die von der Macht des Bösen gefangen waren. Darum wurde Gott Selbst Mensch, nahm Knechtsgestalt an blieb Sich gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Nicht Gott ließ den Menschensohn im Stich, sonder Gott als Menschensohn trennte Sich von Seiner Gottheit und brachte als Mensch das allergrößte und allerschwerste Opfer“.

 

Laurentius: „Das verstehe, wer kann, ich nicht! Habt ihr denn gewusst, dass Gott, euer Jehova, in einem simplen Menschen unter euch lebte, ich bin begierig auf deine Antwort“. Jakobus: „Ja und auch nein. Oft waren die Beweise so überwältigend, dass wir wussten, Jesus ist Gott. Sahen wir aber wieder Sein Menschliches, dann wurden wir irre. Oft wunderte sich Cyrenius, der Statthalter, dass wir an Jesus irre wurden, denn für euch Römer war und blieb Jesus Gott“.

 

Laurentius: „Ich danke dir, Jakobus. Jetzt ist mir wenigstens klar, warum wir Römer euch Nazarenern nicht hinderlich sein sollen. Cyrenius ist tiefer eingedrungen, als ich und viele andere, aber deswegen bin ich noch nicht ganz klar über Gott und Jesus. Es wurde durch Jesus ein Weg gefunden zur Erlösung aller. Schön und gut. Waren denn alle Menschen Verlorene, die erlöst werden mussten? Siehe, ich bin mir keiner Schuld bewusst, jemals Handlungen getan zu haben, die mich zum Verlorenen machen. Musste Jesus auch um meinetwillen sterben?“

 

Jakobus: „So hart wie es klingt, lieber Laurentius, auch für dich starb Er. Für alle, alle Menschen, wie auch für die seufzende Kreatur gab Er Sein Leben. Denn alles Materielle, wie auch alles Fleisch, ist ja nicht aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen, wie es jetzt ist, sondern wurde durch die Untreue und den Ungehorsam des ersten geschaffenen Urerzengels seines hohen Lebensstandes beraubt und dem Tod und Gericht ausgeliefert. Gott aber, als Liebe und Erbarmung, suchte einen Weg, eine Lösung, und fand sie im Geiste der Demut und hingebenden Liebe. An diesem Geiste scheiterte die Macht des Bösen und gab den Menschen den Geist der erlösenden Liebe zum freien Eigentum. Darum musste  Gott dieses Opfer bringen“.

 

Laurentius: „Jakobus, du magst recht haben, doch ich kann ohne weiteres deine Erklärungen, die mir einleuchtend sind, nicht als pure Tatsache hinnehmen, denn mit der Annahme deiner Glaubensmaximen müsste mein Glaube ausgelöscht sein. Es ist aber nicht so leicht, was mir 30 Jahre liebe Gewohnheit war, ohne weiteres auszulöschen. Kannst du Beweise erbringen, dass das Blutopfer Jesu oder deines Gottes wirklich Erlösung brachte? Es ist leicht zu sagen, geht den Weg der Demut und Liebe, dann werdet ihr erlöst sein vom Tod und Verderben. Meines Wissens werden jetzt 100.te dem Tode preisgegeben, und warum? Weil sie an einen Erlöser glauben. Auch meine Rede klingt hart, aber die Tatsachen, die wir leider nicht verhindern können, sprechen das Gegenteil“.

 

Jakobus: „Für mich klingt es nicht hart. Auch ich würde mein irdisches Leben in die Waagschale legen, denn ich bin ja der Welt so gut wie gestorben durch die erlösende Liebe Jesu. Nicht mehr ich lebe, sondern Jesus in mir. Nehmt mir meinen Leib, dann werde ich getragen in das ewige Reich des Lebens, dessen Friede, Freude und Seligkeit kein Ende haben wird. Während die, die an das ewige Leben nicht glauben und in ihrem alten Ichleben verbleiben, hinüber gehen in Nacht und Grauen, in Finsternis und Schrecken, und dieses zu beweisen, ist nicht schwer.

 

Hier sitzt Sabine, ihre Seele ist gereinigt durch das entsetzliche Leiden, und kann schauen mit ihren geistigen Augen, was den anderen Menschen nicht möglich ist. Es ist dieses kein Wunder, sondern die natürliche Folge dieser dir nun geoffenbarten  Wahrheit aus Jesus. Was der alte Mensch in sich abnimmt, nimmt der neue Mensch aus Gott zu. Es ist dabei nicht nötig, zu wissen, Jesus, der Herr ist mein Helfer, sondern die Gnade des Herrn offenbart sich, ohne dass der Ringende und Leidende davon weiß“.

 

Laurentius: „Jakobus, jedes Wort ist ein neues Rätsel. War dein Jesus auch so geheimnisvoll und rätselhaft?“ Jakobus: „Lieber Herr und Freund, für die, die nicht mit Ihm gingen, war Er das größte Rätsel und Fragezeichen. Für die aber, die Ihn liebten und mit Ihm gingen, war Er das Einfachste und Natürlichste. Seine Worte waren klar und nicht zu widerlegen. Ja, Sein Wort ist das Wort eines wahrhaftigen Gottes und wird nie und nimmer vergehen. Eher gehen Welten zu Grunde, ehe nur ein Tippelchen eines Seiner Worte vergehen wird!“

 

Laurentius: „Jakobus, ich weiß nicht, soll ich deinen Glauben, oder deine Sicherheit bewundern. Jedenfalls werde ich Gebrauch machen von deinem Hinweis auf Sabine“.

 

Ein geistiges Schauen

Laurentius: „Also, Sabine, du hast jedes Wort gehört, das Jakobus mit einer Sicherheit aussprach. Ich bin nicht gegen ihn, sondern ich möchte Klarheit um jeden Preis. Was kannst du mir sagen?“ Sabine: „Aber, lieber Freund, werde ich dich auch nicht enttäuschen, denn ich bin ja Jesus zu 1000 Dank verpflichtet. Du weißt und kennst mich, dass ich nur Erlösung ersehnte und bin nun eine Erlöste, aber anders, als ich wollte.

Jakobus hat recht, dass ich schaue, denn um mich sind jubelnde Wesen inmitten des Herrn, der mir freundlich zunickt. Freilich, ich kann es dir nicht beweisen, du musst es nur glauben. Doch halt, lieber Freund, der Herr hebt die Hand und vor mir ist eine felsige Gegend, die ganz finster ist. Aus der Hand des Herrn leuchtet ein Lichtschein, der mich nur so viel erkennen lässt, dass ich sehe, was vom Licht beleuchtet ist. Jetzt sehe ich auch Menschen, ach, sind die aber elend, nur Haut und Knochen. Sie sind vom Lichtschein erschrocken und auf den Boden gefallen. Einer spricht: `Was war denn das, sollten sich endlich die Götter erbarmen und uns aus dieser Wirrnis und Not erretten?` Sagt der andere: `Ich würde es dankbar hinnehmen, aber ich glaube nicht mehr daran, denn seit die Lichtgestalt uns zurief, wir sollten uns von den toten Göttern abwenden, ist es uns nur schlechter gegangen. Seit wann haben wir nur einen Brosamen gefunden, geschweige einen Bissen gegessen? Ich fürchte, wir haben den größten Fehler unseres Lebens begangen, weil wir die Lichtgestalt abwiesen`. Ein Dritter: `Was hättest du davon, es sind doch alles Truggestalten!` `Rede nicht mehr davon Kasimir`, erwiderte der andere, `ich glaube dir nicht mehr. Sobald wieder ein solcher Lichtträger erscheint, gehe ich ihm nach, denn elender kann ich nicht mehr werden, als ich schon bin`. `Das wirst du nicht tun, Oron, was soll aus unserer Gemeinde werden. Bis jetzt konnten wir sie hinhalten, wenn du dagegen bist, kommt das Ende`.

`Ich werde es tun, Kasimir, oder soll ich die selbe Schuld aufladen, wie du? Zum Dieb und Lügner bist du, um der Götter willen, geworden, und,  hast du dabei etwas gewonnen? O wir Toren, wie dumm sind wir doch gewesen`

 

Jetzt blitzt es auf, aber noch heller, eine Lichtgestalt tritt an die beiden Priester und spricht: `Oron, wenn du Mut hast, dich von deinen toten Göttern abzuwenden, bin ich bereit, dir den Weg zu ebnen, der zum Leben führt, aber unter einer Bedingung, sie lautet: Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen, von dem du so viel gehört hast, und beginne ein neues Leben nach Seiner Lehre`. Spricht Oron: `Wie kann ich an den glauben, den ich verworfen habe, wie kann ich ein neues Leben beginnen, da ich mir nie Mühe gab, Seine Lehre kennen zu lernen?` `Du kannst es noch, Oron, denn in mir reicht nicht nur dir, sondern euch allen Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene die Hand zur Hilfe. Seine Lehre kennst du, sie lautet: Liebe Gott über alles und alle Menschen wie deine Schwestern und Brüder`.

 

Kasimir: `Oron, lass dich nicht blenden von der Truggestalt und ihren trügerischen Reden`. Die Lichtgestalt: `Kasimir schweige, das Maß deiner Sünden ist längst voll. Der Herr in Seiner Liebe und Geduld hoffte, du würdest dich in deinem und der anderen Elend wiederfinden, aber vergebens. Ich aber werde nicht dulden, dass du länger den anderen hinderlich bist. Hier bist du nicht mehr Priester und Mensch, sondern ein ganz armer und Verlorener, der am Abgrund steht, um ganz verloren zu gehen`. Kasimir lacht auf und sagt: `Du Narr, ich möchte sehen, wie du mir hinderlich sein kannst, denn Hunderte lauern auf einen Wink von mir, und du wanderst ins Feuer`.

 

Da hebt die Lichtgestalt die Hand, ganz hell wird es, als sie spricht: `Alle, die ihr hier seid, höret. Dieses ist die letzte Gelegenheit, wo ihr euch entscheiden könnt, um frei zu werden von eurer Not. Wer mit mir geht, wird in das Leben eingehen können durch den Glauben an Jesus, den Auferstandenen. Eure Götter sind nichts denn Truggestalten, eure Priester nichts als Diener verkehrter Lebensanschauungen.

 

Du aber, Kasimir, seiest von nun an allein, kein Diener, kein Wesen soll in deine Nähe kommen, bis du bereust deine Schuld, denn du bist ein Dieb, ein Lügner und ein Meineidiger. Und du Kamilla, höre: Längst könntest du wandeln auf den Pfaden des Lichtes und des Lebens, denn Jehova war dir näher, als deine Götzen. Aber Kasimir wurde an dir zum Dieb und Lügner und verstand es, dich im betrügerischen Geiste an die toten Götter zu binden. Willst du dies leugnen, Kasimir? `Kasimir, zornglühend: `Wer bist du, der meine Handlungen als Betrug hinstellt? Um der Götter willen war mir jede Handlung richtig. Verflucht seiest du, so du es wagst, mich länger zu brandmarken`. Ganz ernst spricht die Lichtgestalt: `Kasimir, du hast dir dein Urteil selbst gesprochen: Öffne dich, du Abgrund, und halte fest, bis Reuetränen die Zornesglut kühlen!. Euch aber steht es frei, den Weg zu gehen, der euch jetzt sichtbar wird`. O, o jetzt hat wirklich die Erde den Priester verschlungen. Entsetzt sahen die anderen den Vorgang, da spricht Oron: `Lasst und eilen auf dem schmalen sichtbaren Weg, damit uns nicht das Unglück erreicht wie Kasimir`.

 

Die Lichtgestalt ist noch hier und nähert sich dem Herrn, der still und ernst der Szene zuschaute!

 

So, lieber Freund Laurentius, habe ich getreu geschildert, was ich durch die Gnade des Herrn schaute“.

 

Schon ist Laurentius bei Jakobus und sagt: „Jakobus, hast du Sabine beeinflusst durch die dir innewohnenden Kräfte? Kamilla war meine Mutter und Kasimir unser Priester“. Jakobus: „Nein, Bruder Laurentius, die Gnade des Herrn ließ es zu, dass Sabine mit ihrem Gesicht die Not und die Zustände derer schildern konnte, die in Not, in Nacht und in Finsternis stehen und der Herr um des ewigen Heiles willen einen Engel sandte, der die Rettung der Verirrten versuchte, die aber nur zum Teil gelang“. Laurentius: „Es ist gut, Jakobus, mir genügt es vollauf. Aber nun muss ich allein sein, damit ich mit mir fertig werde“. Sabine: „Nein, lieber Freund, bleibe ruhig bei uns, denn noch ist der Herr unter uns, und wo Er ist, ist Ruhe und Frieden!“

 

Laurentius: „Sabine, wie sah meine Mutter aus?“ Sabine: „O frage nicht, bester Freund. Sei mit dieser Antwort zufrieden: sie gehen den Weg, der zur Erlösung führt“. Laurentius: „So muss ich mich begnügen, doch in mir ist es wie ausgebrannt. Was ist nun das Schicksal meiner Mutter? Kannst du mir einen Hinweis geben, Jakobus?“ Jakobus: „Ich könnte es, Laurentius, aber Sabine wird auch hier dir Dienerin sein. Lasse noch einige Stunden vergehen, da sich die Irregeführten erst ganz entscheiden müssen. Eines aber ist sicher, sie sind in der Hut und Fürsorge des Herrn!. Trage auch du dazu bei, dass es ihnen recht rasch gelingen möge, sich von den alten toten Göttern zu lösen“.

 

Alle Gäste waren recht aufmerksam geworden. Sabine in ihrer Lieblichkeit strahlte vor Freude. Nun sagte sie: „O ihr lieben Freunde, die ihr das Glück habt, diese seligen Stunden zu verleben. Wenn ich euch nur alle recht überzeugen könnte von der Wahrheit und Lieblichkeit des Herrn, der immer noch unter uns ist und viele, viele Selige mit Ihm! Nun frage ich euch, was soll ich denn noch tun, um euch alle zu überzeugen von der Wahrheit meiner Worte, es ist noch nicht die rechte Überzeugung in euch. Eure Freude ist die, dass ich ganz gesund bin. Lieber wäre mir, ihr würdet euch freuen, dass der Herr unter uns ist“.

 

Spricht Achmet: „O Tochter Petros, du bist selig, weil du gesund bist. Gerne glauben wir dir, denn deine Augen leuchten wie die Sonne und deine Rede ist wie ein Quell, der den müden Wanderer labt und neues Leben verheißt! Aber in uns ist noch Schatten, weil wir nicht sehen, was du siehst, und wir nicht fühlen, was du fühlst. Ich leugne die Tatsache nicht, aber mir wäre lieber, ich würde ganz klar sehen“. Sabine: „Dies wirst du, liebster Freund. Wer wie du in seinem Herzen vor dem Leid anderer hilfreich und teilnehmend war, hat ja schon den Anfang gemacht, in sich den Weg anzunehmen, der das Leben ist! Nun ist das Leben selbst unter uns und durch Seinen Boten wird es offenbar. Habe diesmal doch das rechte Vertrauen“.

 

Achmet: „Jakobus, du Bote des Herrn, Sabine macht mir Mut, von dir noch mehr zu erfahren von Dem, Der das Leben ist, und jetzt unsichtbar für uns unter uns weilt. Ich habe sehr viel von Ihm gehört, es geht bis an die Grenzen des Unmöglichen. Aber warum versagte dieser Heiland bei dem König in Edessa? Es wäre für alle hinreichend Beweis gewesen, an Ihn zu glauben. Aber das Gegenteil geschah, der Thronerbe starb und viele, viele mussten später schweres Leid tragen durch die Seuche, die Edessa heimsuchte. Kannst du mir rechtes Licht geben?“

 

Jakobus: „Ich kann es durch die Gnade des Herrn, aber warum willst du nicht frei aus dir heraus dich zu dem Glauben an den wahren Gott aufschwingen, der dir keinerlei Schwere, keine Lasten auferlegt,  nur eine Bitte hat: deinen Nächsten zu lieben, wie dich selbst. Achmet, wenn du dich an allem stößt, dich aus deinem Gerechtigkeitsgefühl von so manchem abwenden musst, hast du es noch nicht einmal versucht, der Größere und Erhabenere  zu sein? Vor dem Leid anderer warst du stumm, weil du nicht helfen konntest. Glaubst du, wenn Gott so gehandelt hätte, dass da eine Erlösung möglich gewesen wäre? Eben, was du nicht tatest, bewog ja den Herrn, Mensch zu werden, damit offenbar werde der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Du bist ein Mann großer Erfahrungen, aber in dir bist du unerfahren. Denn so sich Gott als das Leben offenbaren soll, kann Er es doch nur dort, wo die Bedingungen erfüllt sind, oder glaubst du, weil Gott Gott ist, liegt alles nur an Seinem Willen? O nein, Gott offenbarte sich zu allen, allen Zeiten durch Vermittler, und diese mussten dafür zubereitet sein. Den besten Beweis brachte uns ja Jesus Selbst!“

 

„Wieso“, fragte Achmet, „war Er nicht der Gesalbte Gottes?“ Jakobus: „Wohl, mein lieber Achmet, aber wie verstehst du die Salbung Gottes? Lass dir gesagt sein, dass Jesus einen Lebenskampf in und mit Sich führte, für den wir alle kein Verständnis hatten, bis endlich am Jordan bei der Taufe aus den Wolken allen hörbar wurde eine Salbung: Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe“.

 

Sabine: „O du treue Seele von einem Diener Gottes, würdest du uns nicht die Art Seines Kampfes schildern, die Art Seines Ringens und vor allem, wie offenbarten sich Ihm die Kräfte, die mir die Gesundheit und das Leben gaben! Wohl sehe ich Ihn in Reinheit und in Klarheit. Aber so, wie Er jetzt ist, wird Er wohl als Kind, als Mensch nicht gewesen sein“.

 

Eine Episode des Herrn

Jakobus: „Du hast recht, Sabine, gerne will ich euch allen dienen, da ich ja Sein Leben vom ersten Atemzuge kenne und mich ganz selten von Ihm trennte, bis Er von uns allen ging. Viele von euch können sich kein Bild machen von dem Leben, welches ein rechter Jude zu leben verpflichtet ist. Auch dort haben sich die Priester manches erlaubt, was sie als „göttliche Anweisungen“ hinstellen.

 

Ein Vater nahm es besonders streng, und im Elternhaus duldete er keine Vernachlässigung. Durch eigenartige Führungen kam Maria in unser Haus und wurde, da sie gesegneten Leibes war, Josefs Frau im zarten Alter von 15 Jahren. Von diesen Tagen will ich nicht reden, da sie eine Prüfung waren, die von Millionen nur einer besteht.

 

So wurde Jesus geboren. Nichts unterschied sich bei Ihm von den anderen Kindern. Aber schon in jüngsten Kinderjahren sprach Er Offenbarungen, die sich steigerten, bis Er 12 Jahre alt wurde. Die Offenbarungen hörten auf, aber Jesus war ein willensstarker Mensch geworden, der sich niemandem, als nur dem Geist unterordnete, mit dem Er in steter Verbindung war und alle Anweisungen befolgte. Dass dieses manche Harmonie störte und manchen Konflikt mit anderen brachte, könnt ihr glauben. Es war manchmal große Trauer im Hause um Jesus und viel Sorge für Sein Wohlergehen unter uns. Am meisten litt Seine Mutter“.

 

Sabine entgegnete: „Aber das ist ja nicht möglich, Seine Augen verraten die größte Milde!“

Jakobus: „Es war aber doch so, wie ich es erzähle. Ich, als der jüngste von meinen Brüdern, war am engsten mit Ihm verbunden, und doch gab es eine Zeit, wo auch ich Ihn nicht verstand. Für Arme und Leidende war Er die Liebe und Erbarmung selbst, für Harte und Lieblose aber unbeugsam wie härtester Granit“.

 

„Wieso“, fragte Achmet, „dies wäre doch ein Widerspruch in Seiner Erlöserliebe. Den Leidenden ein Helfer und den Hartherzigen ein noch Härterer, wie verhält sich das?“ „Dein Einwurf ist gut, lieber Freund“, antwortete Jakobus, „und doch ist es kein Widerspruch, da Jesus das Heil aller als Ziel in Sich trug. Um es zu erläutern, will ich eine Episode schildern.

 

Josef war ein beliebter ehrlicher Zimmermann. Seine Arbeiten waren gesucht, wir als seine Söhne wurden, wie auch Josef, Zimmerleute, Jesus nicht ausgeschlossen. Wir waren oft wochenlang fort von Nazareth, da uns Arbeiten übertragen wurden, die ein Zimmermann wie Josef mit vielen Hilfskräften ausführen konnte.

 

Wieder einmal waren wir eine Tagesreise entfernt mit dem Bau eines Wohnhauses beschäftigt. Die Arbeit ging gut von statten, Josef war guter Dinge. Zwei Stunden entfernt hatte ein biederer Grieche seine Besitzung. Da dieser mit Josef in inniger Verbindung stand, bat er Josef, einen Tag zu ihm zu kommen mit uns allen, um den Schweinestall zu erneuern, der durch und durch baufällig sei. Josef lehnte entschieden ab, alle Bitten und Versprechungen waren nutzlos, Josef blieb hart.

 

`Willst du, dass unsere jahrzehntelange Freundschaft zu Grunde geht um eines Schweinestalles willen?`, fragte der alte Grieche. Da antwortete Josef: `und wenn ich dich selbst verlieren müsste, ich tue es nicht. Wie soll ich wohl vor meinen Glaubensbrüdern bestehen können?` Da sagte der alte Grieche: `Josef, du warst mir wie ein Rettungsanker in meiner Not. Nun weiß ich mir keinen Rat mehr, denn das letzte Hoffnungsseil hast du zerschnitten`.

 

Da sagte Jesus zu Josef: `Vater Josef, warum willst du einen solchen ehrlichen Freund wie Valerius verlieren um eines Schweinestalles willen?` Da erwiderte Josef mit harten Worten: `Schweige du, Jesus, und versuche nicht, mich umzustimmen, nie und nimmer baue ich einen Schweinestall!` `Dann werde Ich ihm einen bauen, Vater Josef. Die Freundschaft eines alten biederen Mannes ist mehr wert, als die Meinung deiner zweifelhaften Glaubensbrüder!` `Das wirst du sein lassen`, erwiderte heftig Josef, `ich habe nicht Lust, die Folgen deines unüberlegten Entschlusses zu tragen`. `Ich baue den Stall, Vater Josef, und Mein Entschluss ist nicht unüberlegt, sondern der Zug in Mir, unseren alten Freund nicht zu verlieren`.

 

Josef erregte sich, aber Jesus sagte: `Du weißt doch, dass ich stets vor meinen Worten gerade stehe, aber nun möchte Ich den sehen, der Mich hindern will! Komm Valerius, Ich gehe gleich mit dir. Du aber, Josef, sollst keine Stunde arbeiten können, bis Ich zurück bin`.

 

Jesus ging mit Valerius eilend von dannen. Dann aber setzte ein Regen, Sturm und Gewitter ein, dass wir keine Stunde arbeiten konnten. Das Gewitter und der Sturm gingen vorüber, aber der Regen dauerte drei Tage lang. Josef grollte Jesum, wir aber mussten schweigen.

 

Nach drei Tagen, mit Anbruch der Nacht, kommt Jesus wieder und spricht: `Vater Josef, der Freund blieb uns erhalten! Alle seine Wünsche sind erfüllt. Den Lohnausfall für die drei Tage wird Valerius tragen, da er nach Meinem Willen morgen mit dir abrechnen wird. Danke Gott, dass Er dir drei Tage Zeit gab, deine Lieblosigkeit und Härte einzusehen, denn es könnte eine Zeit kommen, wo du es nicht mehr kannst`. Josef aber schwieg, er fastete weiter.

 

Richtig, am anderen Tage kommt Valerius. Da weigert sich Josef, den Lohn für die Arbeit zu nehmen. Da kommt Jesus und spricht: `Josef, warum forderst du Mich heraus? Du weißt doch, dass Ich von dem Gegebenen nicht ein Jota zurücknehme, du müsstest Mich doch kennen!` Da nahm Josef Vernunft an und alles wurde geregelt, wie es Jesus wollte. Die verloren gegangenen Tage aber wurden nicht heraus geholt, denn Jesus war schweigsam geworden. Er mied uns alle!

 

Als wir wieder in Nazareth waren, hielt es Josef für seine Pflicht, sofort den Zehnten von dem Verdienst an die Synagoge abzuliefern, aber diesmal war ihm der Priester zuvor gekommen. In Josef stieg wohl Bitterkeit auf, darum sagte er zu dem Priester: `Bin ich jemals in Rückstand mit dem Tempelanteil geblieben? Eure Art ist beleidigend für mich, da ich stets den Pflichten voll und ganz nachkam. Darum werde ich auch mein Opfer bemessen, wie es Moses vorschreibt`.

 

Der Priester war dieses Mal nicht einverstanden, es war ihm zu wenig. Josef beteuerte es, da drei Tage die Arbeit ruhte, darum der geringe Verdienst. Der Priester wurde wütend. Jesus kommt dazu und spricht: `Vater Josef, seit wann ist es Sitte, dass man deinen Worten nicht glaubt? Mache doch Gebrauch von deinem römischen Bürgerrecht und weise ihn zurück in die Schranken der Anständigkeit oder gib Mir das Recht, für dich zu handeln`.

 

Ganz erbost spricht der Priester: `Mit Dir habe ich nichts zu reden, Du Abtrünniger. Jehova und der Tempel sind Dir Dinge, die Du meidest. Gibt es aber Schweineställe zu bauen, kommt Dir keiner gleich und du, Josef, wirst hart büßen müssen`. Jesus: `Wieso Josef? – Ich baute den Stall ohne Genehmigung des Josef und du willst Josef, den alten ehrlichen und allzu reinen Menschen hart büßen lassen? Nimm dieses Wort zurück, sonst wird dir werden, was du Josef zugedacht hast!`

 

Da ereiferte sich der Priester und sagte: `Josef, du hast die Drohung deines Sohnes gehört. Das Tempelgericht mag entscheiden, was mit dir und dem da geschehen soll`. Da stellte sich Jesus hin vor den Priester und spricht: `Nichts geschieht ohne Meine Zustimmung. Damit dir aber die Lust vergeht, noch länger alte und ehrliche Menschen zu beleidigen und mit kaltem Herzen sie ins Unglück zu stürzen, soll dir die Stimme genommen sein und nur einem Schweinegrunzen Platz machen, bis du bittend und voll Reue den alten Vater um Verzeihung bittest. Denke aber nicht, dass du Mich täuschen kannst. Dein Herz ist voll Gift und Galle gegen Mich und seit Monaten überwachst du Mich. Dieses hat nun ein Ende`. Josef protestierte, aber Jesus sagte: `Kein Wort, Vater Josef, dieser ist an der Grenze des Schlechten angelangt, darum gehe auch Ich bis an die Grenze des Erlaubten`.

 

So war es auch. Der Priester mied die Menschen. Nach Monaten aber bat er händeringend Josef um Verzeihung, die ihm auch gewährt wurde, aber Jesum mied er, so gut er konnte“.

 

Achmet: „Jakobus, deine Vorstellung gefällt mir, ich könnte nicht sagen, dass Jesus über Gebühr hart gewesen sei. Freilich, für einen Juden ein starkes Stück, einen Schweinestall zu bauen. Wie verhielt sich denn Jesus dem Tempel und den Priestern gegenüber?“

 

Jakobus: „Ach, ihr Freunde, da blieb Jesus ganz auf Seinem Boden. Er suchte ihre Bekanntschaften nicht, und war in keine Synagoge zu bringen. Den Sabbat verlebte Er nach Seiner Art in der Natur und blieb auch an diesen Tagen den Menschen fern, um mit dem ewigen Gottesgeist in Sich ganz in Verbindung zu bleiben, und davon konnte Ihn auch niemand abhalten, wer es auch war. Trotzdem Er keine Schule und keine Synagoge besuchte, war Er allen überlegen. Wie oft kamen Freunde des Josef, alte Weise und biedere Männer, die sich Rat von Jesus holten.

 

Ich denke, dass ihr lieben Freunde und auch du, Sabine, euch nun ein rechtes Bild von Seinem Leben machen könnt. So gut und liebevoll Er alten und gebrechlichen Leuten gegenüber war, so hart war Er auch den Hochmütigen gegenüber. Er ließ aber auch nicht handeln, so Vater oder Mutter oder wir von Ihm etwas abringen wollten, und begründete es: `Ich handle nicht aus Mir, sondern aus dem Geiste in Mir, der Mich erziehen will bis zum wahren Heile`.“

 

Achmet: „Jakobus, ich bin im Bilde, aber sage mir noch das Ende. Warum ließ Jesus den Thronerben von Edessa sterben, reichte Seine Heilkraft nicht bis dahin? Ich kenne Abgarus und dessen Glauben an den Heiland, kannst und vermagst du mir Antwort zu geben?“ Jakobus: „Ich könnte es, aber der Geist in mir legt mir Schweigen auf. Die Antwort wir Abgarus aus meinem Munde erfahren, begnüge dich mit dieser Antwort“: Achmet: „Es ist mir recht, ich danke dir, nun soll sich mein Herz freuen. Ich werde auch Jesum lieben und verstehen können“:

 

 

Benediktus

Benediktus drängte sich heran und sagte: „Lieber Freund, deine Schilderungen und die Erzählung dieser holden Blume haben mich verlangend gemacht nach Erlösung von dem Druck, der mich fast zur Verzweiflung treibt.

Jakobus: „Du tust recht, so du dich verlangend fühlst nach der rechten Erlösung. Diese aber kann nur Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene geben, von dem du ja nichts wissen willst. Siehe, lieber Freund, du richtest dich selbst. Gewiss war deine Handlungsweise eines weisen und guten Menschen unwürdig, aber schuldig warst du nicht. Hat dein Freund nicht auch einen freien Willen und einen rechten Verstand? Bei einer rechten Überlegung musste dein Freund sich sagen: Benediktus kann als Priester nicht anders handeln. Er aber konnte anders handeln, indem er sich zum rechten und wahren Lebenswillen aus sich heraus durchrang und dir, und allen Göttern zum Trotz, sein Mädchen ehelichen. Als du von seinem Tod erfuhrst, war es zu spät für dich, ausgleichend zu wirken.

 

Du beschuldigst deine Götter, die dich im Stich ließen, in Wirklichkeit aber warst du verlassen von der Kraft deines Glaubens und dem Weg zu dir selbst. Du suchtest Trost im Wein und wirst immer elender, und der letzte Trost, den du in deinem Tode, gleich deinem Freunde suchst, wird dir erst recht keine Erlösung bringen“.

 

Benediktus: „Jakobus, du bist unheimlich, meine geheimsten Gedanken scheinst du zu kennen. Aber rate mir, was soll ich tun? Wie ich das bisschen Leben satt habe, ich kann schauen, wie ich will, überall das gleiche Aussichtslose, ich habe alles Vertrauen verloren“.

 

Jakobus: „Benediktus, wenn du dieses glaubst, kann es auch nicht anders sein. Warum schaust du das Leben nicht einmal von der anderen Seite? Du hast von dem Wunderheiland gehört. Gegen Seine Taten hattest du nichts, aber Seine Liebelehre war dir Ausdruck von Schwäche. Darum konntest du dich nie zur rechten Liebe aufschwingen und alles Leben in dir war und blieb tot. Aus Trotz und aus Angst vor dir selbst wurdest du Soldat und flohest vor dir selbst. Aber die erbarmende Jesusliebe gab dich noch nie auf und führte es so, dass du heute in das Haus des Petro kamst und Dinge erlebst, die dem Leben angehören.

 

Du schaust Sabine in ihrer Frische und hörtest Worte aus dem Leben der Liebe aus ihrem Munde, der vor Stunden noch Seufzen nach Erlösung hatte. Was Jesus Sabine tat, kann Er auch dir tun, aber dazu gehört ein Sichfinden und ein Sichbekennen zu Ihm, da Er nur da wirken kann, wo Ihm lebendiger Glaube entgegen gebracht wird. Siehe, dein Freund war klüger, als du. Dort, in seinem Elendsjammer nahm er die Botschaft von der erlösenden Heilandsliebe an und änderte sich in seiner Gesinnung. Heute ist er ein Geretteter und seine Dankbarkeit kennt keine Grenzen. Frage Sabine nach ihm, sie wird dir Auskunft geben“. Benediktus: „Wirklich, dann wäre ja auch der Tod keine Erlösung“.

 

Da sagte Sabine: „O du armer Freund, wie freudlos war und ist dein Leben. Ich in meinen Schmerzen hatte Sehnsucht nach Erlösung, da ich körperlich litt. Meine Seele aber sehnte sich nach Ihm, den ich so oft schaute. Du aber lebtest in Nacht und Grauen und flohst vor dir selber. Glaubst du, der wahre Gott kann helfen, ohne dass du Ihn erkennen willst? Nun ist aber Gott, der Wahre und Lebendige, offenbar geworden. Warum glaubst du Seinem Boten nicht und forderst Beweise . Siehe, der, den du tot glaubst, ist lebendig, aber du bist tot. Immer denkst du an dich und deinen Herzensfrieden. Darum lässt dir dein Freund sagen: Weiche ab von der Straße, auf der du gehst, denn nie wirst du dein Ziel erreichen. Ein hundertfaches Wehe musst du durchleben, wenn du die Hilfe des Erlösers und ewigen Herrn nicht annimmst, die ich dir als Freund und Bruder anrate. Als ich von deiner Lieblosigkeit und deinem harten Herzen bis zur äußersten Verzweiflung getrieben war, fluchte ich dir. Vera, die Gläubige, aber ging den Weg der Entsagung, da ein Leben, ohne den wahren Gott, doch kein rechtes Leben sei.

 

Noch einmal versuchte ich, dass du mich überzeugen solltest von der Wahrhaftigkeit der Götter, aber du ließest mich in meiner Not. Das Schlimmst aber war, dass du für Veras Hochherzigkeit harte und verdammende Worte hattest. Da wurde ich irre an dir, an den Göttern und an mir und ich forderte das Schicksal heraus. Das Andere weißt du.

 

Was du aber nicht weißt, ist das harte, übergroße, übertraurige Leben nach dem Leibestode. Alle Reue, alle, alle Tränen, alles Fluchen und Toben ist umsonst. Nicht einmal ein Lichtstrahl erhellt dein Dasein in finsterer Nacht und macht die Minuten zu Ewigkeiten. Nach endlosen Qualen und unsagbaren Leiden wurde Hilfe durch den Gekreuzigten, der da mir und vielen, vielen Rettung brachte und nichts anderes verlangte, als Hingabe und Glauben. Da endlich, vor solch großer Liebe, die meine ganze große Schuld auf sich nahm, erkannte ich meinen großen Irrtum. Noch einmal erlebte ich die ganze große Schwere meines Vergehens gegen das Leben, bis endlich des Gekreuzigten Liebe wie Balsam auf mein ganzes Ich überströmte. Da wurde ich klein und kleiner. Ihm zu Füssen liegend, vernahm ich Seine Worte: `Noch ist es nicht zu spät, was die Welt an dir sündigte, habe Ich gesühnt, du aber werde lebendig im Glauben an Meine Liebe und Mein Erbarmen. Von nun an höre die, die von Meinem Geist getragen werden`.

 

Ich glaubte. Licht ist um mich und auch in mir! Wunder der großen Gotteslebensliebe machten mich wieder zu einem Wesen voller Hoffnung und Sehnsucht! Darum sei endlich klug und wirf alles Dunkle und Trübe in dir weit hinter dich. Lebe von nun an ein Leben der Gegenwart und Zukunft. Kurz ist das Leben welches wir gelebt haben, aber in der Ewigkeit scheint überhaupt keine Zeit zu vergehen`.

 

Benediktus: „Sabine, ist denn dieses wirklich Wahrheit, was du mir gesagt hast, warum sehe ich Kaminski nicht? Deine Worte klingen wie ein Strafgericht, und doch liegt ein Bitten um Verstehen darin. Kannst du mich aus dem Zweifel erlösen?“ Sabine: „Armer Freund, wie tot musst du sein, wenn das Werben der Liebe dich noch kalt lässt! Würdest du deinen Freund Kaminski sehen, stände die Ewigkeit als unumstößlicher Beweis vor dir, dann gäbe es nur noch ein Entweder – Oder. So aber lässt dich der Herr in deiner Freiheit und überlässt dir selbst die Entscheidung“.

 

Da wendet Armino ein: „Bruder Benediktus, was überlegst du dir noch, liegt nicht alles offen vor dir? Nicht das ist das Gewaltige, dass du nun im Bilde bist über Kaminski, sondern das Übergroße ist, dass du weißt, Kaminski trägt dir nichts nach. Im Gegenteil, er bittet dich, Freund zu bleiben und an deine Rettung zu denken. Ich danke dir mein Leben, dass du mich von meinen Gegnern befreitest, ich weiß deine Liebe und Mut zu schätzen. Warum willst du die Liebe und Freundschaft deines Bruders Kaminski verlieren? Dass dieser in der Ewigkeit ist, kann doch das Hindernde nicht sein, im Gegenteil, es wird dir nur förderlich, da dir die Liebe deines Bruders nie mehr verloren gehen kann“.

 

Benediktus seiht alle mit flackernden Augen an, steht auf und stürmt hinaus. Da sagt Jakobus: „Lasst euch nicht stören, jetzt hat er den letzten Sturm in sich zu ertragen! Wollen wir ihm unsere Liebe nicht versagen, er wird ein herrlicher Bruder werden!“ – „Soll ich ihm nachgehen?“ fragt Sabine. Jakobus: „Nein, Sabine, der Herr Selbst geht ihm nach. Vertrauen wir ganz der ewigen Liebe und Erbarmung, es wird alles gut werden“.

 

Laurentius, der der ganzen Szene aufmerksam gefolgt war, sagte: „Du, Jakobus, und du, Sabine, ihr brachtet Dinge zum Vorschein, die beim richtigen Nachdenken Unfassbares offenbaren. Was diesen Kaminski betrifft, das ist erschütternd. Nach seinen Worten muss ich annehmen, er ging freiwillig in den Tod, er muss Entsetzliches ausgehalten haben. Der Erlöser kam auch zu den Unglücklichen! Jakobus, dieses kann ich noch nicht recht fassen. Kasimir, ein Betrüger, meine Mutter die Betrogene. Sag mir nur das Eine, warum verhindert der ewige Gott den Betrug nicht? Jetzt, nach vielen, vielen Jahren kommt die Wahrheit an den Tag. Für mich könnte es von Nutzen sein, aber wie steht es mit meiner Mutter?“

 

Sabine antwortet: „O, du treuer Freund, sorge dich um das nicht mehr! Lichtwesen, mit strahlenden Augen, betreuen sie. Mir ist, als wenn der Herr das Maß Seiner Liebe voll ausschüttet über die Vielen. Sie alle haben die Botschaft von dem Heiland angenommen und schicken sich an, ihren traurigen Ort zu verlassen. O, du treuer, guter Heiland Du, endlich ist diese trübe Gegend verschwunden“.

 

Laurentius: „Sabine, ich glaube dir und deinen Gesichten. Ich werde mich nie mehr hindernd zwischen Gott und den Menschen stellen! Habt alle herzlichen Dank. Du, Jakobus, sollst von mir aus Vollmachten erhalten, die dir dein Reisen erleichtern“. Jakobus: „Lieber Bruder, es bedarf alles dessen nicht. Der Herr ist mein Auftraggeber, in Seiner Mission reise ich von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Er, der mir in allem getreulich hilft, ist mein Schutz und Schirm, und all mein Tun und Schaffen erfolgt nur nach Seiner Anweisung. Es ist eben der Beweis, mit Gott, dem Ewigen und lebendigen, verbunden zu sein, da ich ja ohne Ihn nichts vermag.

 

Siehe, wie gerne hätte ich noch mehr meine brüderliche Liebe dem Benediktus angedeihen lassen, aber der Herr will, dass er sich selber findet. Ja, er findet sich und wird uns allen noch große Freude machen. Du wunderst dich, Laurentius, auch du musst ganz allein das Hemmende in dir beseitigen, dann erst entsteht in dir das wahre Gottesleben. Wo noch eine Nötigung erforderlich ist, hat der Feind noch großen Anteil, es gilt die Freiwerdung aller, auch die des Lebensfeindes“.

 

Petro, der allen Reden und Gegenreden aufmerksam folgte, sagte: „Meine lieben, lieben Freunde, lasst doch einmal das viele Fragen und Reden. Sind es nicht schon Beweise genug? Wie muss der Herr, der das Maß Seiner Liebe so reichlich bemessen hat, traurig sein, wenn immer noch gefragt wird. Ist das auch Liebe? Ich muss gestehen, wir würden noch ein Vieles mehr erleben, wenn wir uns alle recht dankbar freuen würden, wenn aus uns die wahre dankbare Freude strahlen würde! Könnte es dann geschehen, dass ein ringender Bruder das Alleinsein sucht? O nein, alle Herzen wären weit offen, wie das Herz des wahren Gottes und Heilandes offen ist! Nur Er allein hat uns frei und glücklich gemacht, bemühen wir uns, ebenso zu tun! Ich glaube, wir erreichen dadurch mehr, als durch stundenlanges Fragen und Forschen“.

 

Ein bedrückendes Schweigen erfolgte, dann sagte Jakobus: „Petro, deine Worte kommen aus befreitem Herzen, das in sich Sehnsucht fühlt, alle frei zu sehen. Aber denke daran, dass auch du lange, lange dulden und leiden musstest, um die Liebe und Gnade des Herrn ganz zu erkennen. Zu allem aber gehört die rechte Reife!

 

Schon des Herrn Wege waren unverständlich, so dass wir manchmal fragten, warum tut der Herr Dieses oder Jenes. War aber das Werk gelungen, dann kam die Erleuchtung, dass der Herr alles so wunderbar geführt hatte, nur müssen wir es von selbst erkennen. Die Reife aber besteht ja darin, dass wir die übergroße Liebe und Gnade des Herrn nicht, wie erst gegeben, sondern wie längst da seiend von allein finden, und in diesem Finden verwachsen wir dann mit dem Gottesleben aus Seiner Liebe und Gnade. Nur eines ist beim Herrn maßgebend, wie ein Jeder den Herrn findet. Es ist allergrößte Freiheit, die einem jeden Menschen oder Geist zu eigen gegeben ist.

 

Finden wir den Herrn und Gott als Schöpfer oder als Richter, so wird alles in diesem Sinne von Ihm zeugen. Darum ist auch bei so vielen alles so begrenzt, während bei denen, die Ihn als den ewigen Vater mit Seiner unendlichen Liebe und Erbarmung finden, alles so frei und ungebunden ist und sie kennen nur den Wunsch, sich ganz der ewigen Vaterliebe würdig zu erzeigen. Dieses geschieht aber nur durch die Bruder- und Nächstenliebe“.

 

Sabine, die jedes Wort von des Jüngers Mund wegnahm, ging unbemerkt hinaus. Ihr Inneres drängte sie, Benediktus zu suchen und ihm zu helfen. Hell schien der Mond. Als sie nach dem Brunnen schaute, gewahrte sie, wie ein Mann auf und ab ging. Sie ging langsamen Schrittes hin, erkennt den Gesuchten und spricht: „Aber, lieber Freund, warum fliehst du uns, die wir alle so froh und glücklich sind? Schmerzt dich unsere Freude oder dein eigenes Leid?“

 

Benediktus: „Du bist es, Sabine? Warum du und nicht der Gottesbote? In meinem Zustand kann ich nicht zu euch kommen, in mir ist alles zerbrochen“. Sabine: „Aber Benediktus, will der Heiland nicht alle heilen, die zerbrochenen Herzens sind? Ist es denn gar so schwer, die helfende und erlösende Liebe des Heilandes und Gottes anzunehmen? Sieh mich an, heute Morgen ersehnte ich den Tod als Erlösung und in dieser Stunde ersehne ich, dass alle, alle das Leben ergreifen möchten, wie ich es ergriffen habe!“

 

„Sabine, du bist jung, vor dir liegt noch ein langes Leben, hinter dir wenig, was du zu bereuen hast. Ich bin ein verbrauchter Mensch mit einem verpfuschten Leben, wie kann ich das Verkehrte wieder gut machen?“ – „Gar nicht, lieber Freund, das wird schon der übergute Heiland Jesus tun, wenn Er dich annimmt. Und dafür setze ich mein mir neu geschenktes Leben ein. Und Er nimmt dich, wie du bist, und macht dich brauchbar für Seine Dienste. Darum bitte ich dich, komme zu den anderen und öffne dein Herz für den Strom von Liebe, der ausgeht von Ihm, dem Heiligen und lebendigen Heiland“. Benediktus: „Mädchen, du meinst es gut. Ich will dir vertrauen, denn in dem alten Elend vermag ich nicht mehr länger zu leben“. – „Dann komme und vertraue! Ein neues Leben wird dich wieder zu einem frohen Menschen machen, wie auch ich ein neuer und froher Mensch durch Seine unsagbare Liebe wurde“.

 

Alle erstaunten, als Sabine mit dem Benediktus in die große Stube trat. Da sagte Petro: „Sabine, du hast nach dem Zug der Liebe gehandelt, während wir nur von der Liebe sprachen. Aber nun Kinder, freuet euch, erfreuet euch, solange wir noch beisammen sind, damit sich auch der Herr erfreuen kann. Heute schlafen wir nicht. Jakobus, erzähle du noch etwas aus deinem Leben mit dem Herrn“.

 

Der Liebe Lohn

„Gern, liebe Freunde, doch zuvor lasst die Becher füllen, einen Wein wird uns der Herr schenken, den ihr alle noch nicht verkostet habt“. Rasch waren die Becher gefüllt, übervoll waren noch die Kannen, da sagte Jakobus: „Nun Freunde, trinken wir auf das Wohl aller Menschen, die eines guten Willens sind, damit ihre Herzen die Wahrheit aus Gott, unserem ewigen Heiland und Vater, ganz aufnehmen“. Da tranken alle, ihre Augen glänzten, denn solch guten Wein hatten sie alle noch nicht getrunken.

 

Jakobus stand auf und sagte: „Liebe Freunde und nun auch Brüder, habe ich zuviel gesagt, dass der ewige Gott und Herr die ewige Liebe Selbst ist? Nun wir alle den guten Willen haben, Ihn als Den zu erkennen und zu lieben, der Er in Wirklichkeit ist, kann Er uns auch mit Seinem übervollen Herzen beglücken.

 

Als der Herr uns allen durch den schrecklichen Kreuzestod genommen war, waren wir alle wie zerschlagen. Zweifel durchsetzte uns, alle Freude am Leben war uns genommen. In der größten Traurigkeit kommt uns die Kunde, der Herr ist auferstanden! Zweifel und Freude rang in mir, ich musste allein sein, ich hätte vergehen mögen vor Schmerz.

 

Da, liebe Freunde, erklangen Seine klaren Worte in mir: `Jakobus, Mein Bruder, warum verlierst du dich? Weißt du nicht, dass wir beide uns nie mehr trennen können? Ist es nicht genug, dass Ich unter größten Schmerzen ein Leben ausgebären konnte, was allen zum ewigen Heile dient? Darum schaue für Augenblicke, was jetzt in der geistigen Welt vorgeht. Sei nicht traurig, sondern stark in der Freude. Nicht Zweifel, sondern groß im Bewusstsein, dass Ich der Überwinder und Sieger bin und allen das ewige Leben geben kann!`

 

Da wurde ich ganz ruhig, ich dachte, wo Sein Wort erklingt, ist Er nicht weit, ist Wirklichkeit. Und ich schaute riesige Geisterheere, die das große Wunder der Liebe als herrlichste Offenbarung annahmen. Engel waren bereit, sie aus ihrem Elend heraus zu führen. Andere riefen: `Du Sohn Davids, erlöse uns von all dem Übel, wie Du andere erlöst hast`. Da zeigte Er ihnen die Wundmale an Seinen Händen und sagte: `Aus Meinen Händen floss das Blut, welches euch allen Erlösung bringt! Verlasset alles, was euch noch bindet, und gehet ein in eine Bindung mit Mir, denn Ich bin das Leben und alles Sein!` Keiner widersprach, sondern gläubig beugten sie ihre Häupter! Und eine Wolke von Licht und Helle kam über sie, dass sie Engel erschauen konnten, die sie nun aus ihrem Elend fortführten.

 

Da, liebe Freunde, schämte ich mich vor mir selber. Ich richtete mich auf und sprach zu mir: `Nie soll der Herr mehr Grund haben, traurig zu sein über mich!` Da überkam mich eine Freude, in der alles Glück lag.

 

Und sehet, liebe Freunde, auch wenn der Herr uns allen nicht persönlich erschienen wäre, ich wusste, der Herr lebt! Sein Sterben ist mein Gewinn. Sein Tod die Stunde, wo die Ewigkeit alle ihre Pforten öffnete, allen zum Heile, allen zum Glück! Auch denen, die nicht im Verderben verbleiben wollen. In dieser Freude bin ich bis zu dieser Stunde! Als der Herr sichtbar in unsere Mitte trat, war ich nicht seliger denn jetzt, da ich die größte Seligkeit in mir trage, die ich nur steigern kann, wenn ich mit der Liebe des Herrn, wie z.B. euch, beglücke.

 

Nun hätte ich euch nichts mehr zu sagen, alles andere liegt an euch. Was in mir liegt, das selbe werdet ihr auch in euch finden. Vielleicht noch herrlicher, denn es kommt ja nur darauf an, wie ihr das Leben in euch gestaltet.

Du Sabine, bleibe in deiner kindlichen Liebe, dann wird Der, Der dir zum Heiland wurde, dir ganz Vater werden. – Du Petro, steigere deine Liebe ganz in Seinem Sinn, in Seinem Geiste, dann wird der Ewige und Herrliche dir zum Freund und Bruder. Seine ganze Liebe, Sein ganzes Herz ist Sein Vermächtnis, werdet ganz Sein Eigentum, dann gehört Er auch euch, und der Himmel wird allen offenbar.

 

So nehmet nun hin Seinen Geist. Ertraget euch in Seiner Liebe und Geduld, dann seid ihr entbunden von dem Geist, der euch hinderte, mit dem Höchsten zu verkehren. Er aber spricht in mir: `Öffnet eure Herzen für die Not der Armen, das ist der Weg zu Meinem Vaterherzen. Sollten aber Zweifel kommen, da schaut im Geiste Meine segnenden Hände, die euch jetzt allen sichtbar werden. Meine Liebe und Gnade bleibe bei euch immerdar, damit ihr zum Segen für die anderen werdet`“. Alle sahen die Hände, die sich ihnen zeigten. Da sagte Sabine: „O Du treuer Heiland, ich sehe auch Dich. Hilf mir, dass ich auch Dein Kind werde“.

 

Die Erscheinung verging, sie genügte dem Benediktus. Er sagte mit tränenerstickter Stimme: „O ich Tor, der ich war, ein halbes Leben schleppte ich mich mit meiner Last herum, jetzt erst ist mir leicht. Deine Hände habe ich gesehen, o Herr, habe Dank für diese Offenbarung, denn wo Deine Hände sichtbar werden, ist auch Dein Herz nicht mehr weit. Und verwehre mir nicht, wenn ich von nun an an Deinem Herzen Trost suche“.

 

Laurentius spricht: „Meine Freunde, der heutige Abend ist der Abschied aus einer alten, und der Eingang in eine neue Welt. Nacht ist es in uns. Wie aber wir einem neuen Tag entgegen gehen, so ist es auch in unserem Glaubensleben. Da Größte, was ich heute erlebte, ist dieses, dass keinem von uns allen je ein Vorwurf wurde, sondern: `Nehmet die Verheißung Meiner Liebe und Gnade, die euch schon immer gehörte`.

 

Wir Römer, die wir die Ehre als das Höchste ansehen, können die Fehler und Vergehen anderer nicht so leicht verzeihen, und betrachten dieselben als ehrlos. Dieser Jesus aber, in Seiner Liebe und mit Seinem großen Herzen, deckt alles und bittet: `Nehmet Mich als euren Herrn, als Gott und Vater, dann werdet ihr Mein Eigentum`. O meine Freunde, dieses ist viel, fast zu viel. Aber nun kein Wort, denn jedes Wort ist Verkleinerung Seiner Liebe“.

 

Jakobus: „Endlich ist die Schranke gefallen und voller Freude ist das Herz des Vaters! Verkostet nochmals den Wein, den wir mit kindlichem Dank genießen wollen. Du aber, Du herrlicher Vater und Jesus, erfülle unsere Bitte und bleibe auch sichtbar in unserer Mitte“.

 

Da wurden nun allen die Augen aufgetan. Sie sahen den Herrn im schneeweißen Gewand, wie Er segnend die Hände ausbreitet und über alle hält. Und hörbar werden Seine Worte: „Bleibet in Meiner Liebe und gedenket derer, die noch in Not und Armut leben! Für das Werk Meiner Liebe gab Ich Meinen Kindern das Vorrecht. O nützet die Zeit und die Stunde! Denn zur Zeit der größten Zeiten wird eine Not und Armut werden, der ihr schon heute vorbeugen sollt. Ich habe eure Schuld getilgt, und suche Kinder, die in Meinem Geiste ebenso handeln können. Dann wird der Himmel sich zur Erde senken und alles Weh und Leid tilgen. Nicht dieses wird zum Himmel, wenn Ich unter euch treten kann, sondern wenn ihr Mich verkörpert und durch euer Handeln und Tun beweist, dass Ich in euch bin Liebe  und Leben, Geduld und Barmherzigkeit! So verbleibet in Meiner Liebe. Mein Segen und Meine Gnade sei euer Teil. Amen!“

 

Lange blieb der Herr sichtbar, den einen über den Kopf streichend, dem anderen die Hand drückend. Die Herzen aber waren noch unfrei, bis auf Sabine. Sabine sagte: „O mein Heiland, mein Gott und Vater, nimm den letzten Rest von Furcht von den Brüdern, damit sie ganz Deine Liebe erfahren“.

 

Da sagte der Herr: Sabine, Ich habe die Macht, Welten zu erschaffen und zu zerstören, aber vor einem unfreien Kinde bin Ich machtlos. Nur mit Liebe kann Ich es umwerben, damit es die ganze Süße Meiner Vaterliebe verkoste, aber weiter nichts, um nicht dem Gegner neue Waffen zu geben. Ich darf nur Mein nennen, was sich ganz frei zu Mir bekennt! Und wenn Ich verbluten müsste unter Weh, Ich darf die Grenzen der eingeräumten Freiheit nicht verletzen, da es die Erlösung aller und allem gilt. Meine Kraft aber fließt allen zu, und Meine Liebe ist ein Quell für alle. Sorget dafür, dass ihr ganz Meine Liebe zu der euren macht. Bedenket aber auch, wo Ich bin, ist auch Mein Gegner! Um eure Sehnsucht zu stillen, öffne ich eure Augen, eure Herzen aber müsst ihr selbst öffnen. Dies künde Ich euch als euer Vater, Gott und Erlöser. Amen“.

 

Langsam verschwand das Gesicht, nur bei Sabine nicht. Im Geiste reichte sie Ihm den Becher, da sagte Er zu ihr: „Sabine, so wie du Mich jetzt erfreust, so sollst du noch viele erfreuen. Die Heilkraft soll dir werden, aus deinen Händen soll die Kraft strömen, die Kranken Genesung bringt. Aus deinem Herzen aber sollen sich Ströme ergießen, die, so sie in Meiner Liebe geboren sind, sich überall als Meine Gnade und Mein Segen offenbaren“.

 

Sabine trug diese Worte, diese Verheißung, still in sich. Jakobus sagte: „Sabine, glaube und handle nach Seinem Willen, dann wirst du die Herrlichkeit des Vaters erleben und andere durch dich. Bleibe aber in rechter Liebe und Demut, dann kann dir kein Lebensfeind die Gabe rauben“.

 

 

Krischan, Mirga und Bonja

An Schlaf dachte niemand. Sabine richtete noch ein Mal für den anbrechenden Tag, denn es galt, voneinander zu scheiden. Nur Jakobus blieb auf inneres Geheiß noch einen Tag, die Freunde aber schieden, da die Pflicht es erforderte.

 

Petro war erfreut, Jakobus noch einen Tag bei sich zu haben, aber Jakobus sagte: „Petro, der Herr will es. Großes wirst du noch heute erfahren, denn die Freunde werden nicht schweigen über das Wunder des Herrn, denn du wurdest von vielen bemitleidet um deines Weibes und Sabine willen. Viele werden dich besuchen und sich erkundigen, aber auch geheim, um Linderung ihres Leiden zu erfahren. Sei dir bewusst, dass ein jeder Gast, sei es ein Fremder oder nicht, ein Gott-Suchender und Ringender ist, dann wird dir der Herr die rechten Worte und Sabine die rechte Hilfe geben“.

 

Was Jakobus voraus sagte, traf ein. Schon am Nachmittag kamen die ersten Gäste, getrieben von Neugierde, wie auch von Sehnsucht nach Hilfe. Sabine war allen ein Wunder. Zu ihr hatte man Zutrauen, während man Jakobus mit einiger Scheu betrachtete. Sabine hatte alle Mühe, um alle Fragen zu beantworten. Petro aber war klüger, er ließ Brot und Wein auf den Tisch bringen.

 

Ein Eselskarren kommt angefahren, begleitet von zwei Frauen, die recht zaghaft in das Gastzimmer eintreten. Petro, der diese bemerkte, geht hin, begrüßt dieselben auf das Freundlichste und fragt nach ihren Wünschen. Ob sie recht seien, ein Prophet sei hier und könne alle Kranken gesund machen. Petro: „Ihr seid schon am rechten Ort, aber ob der Prophet euch helfen kann, hängt von euch ab, denn dieser Prophet ist ein solcher Mensch wie wir, aber erfüllt von einem Glauben an einen lebendigen Gott. Bringt erst einmal eure Kranken herein und führt euer Tier in den Stall, denn es ist hungrig und durstig“. Spricht die Eine: „Petro, du Lieber, das Tier können wir versorgen, aber meinen Mann muss ich auf dem Karren lassen, da er Schmerzen hat, die ihn ganz schwach machen. Vielleicht könnte doch der gute Mann an den Karren kommen“.

 

Jakobus, welcher gerade auf dem Hof war, sieht das Eselsgespann, geht hin und betrachtet den darauf befindlichen Menschen, der auf Stroh gebettet war- Die Sonnenhitze, wie auch das Fahren auf den schlechten Wegen bewirkten, dass eine wohltuende Ohnmacht ihn befiel. Er streichelte das von Schmerzen verzerrte Gesicht und ließ durch seine Hände den Strom von Liebe auf ihn wirken.

 

Da erwachte der Mann und spricht: „Welche Wohltat tatest du mir, ich habe doch gar keine Schmerzen mehr. Würdest du mir von dem Wagen helfen? Meine Frau und meine Schwestern müssten in das Haus gegangen sein, um sich nach dem Propheten umzusehen“. Jakobus: „Mann, wenn du an den lebendigen Gott glauben könntest, würdest du meine Hilfe nicht benötigen, da ja Er der eine und wahre Gott von Ewigkeit ist“. Da fragt der Mann: „Darf ich denn noch wagen, die Götter zu verlassen, die mich so empfindlich straften?“

 

„Du bist im Irrtum“, erwiderte Jakobus, „Nicht die Götter straften dich, sondern dein eigener Ehrgeiz. Du wolltest deinen Nachbarn beweisen, dass du ohne ihre Hilfe und ohne die Götter dein Haus bauen konntest. Dabei fielest du vom Dache und hast das Rückrat gebrochen. Du aber warst der Meinung, die Götter haben dich gestraft!“ Der Kranke: „Wie kannst du dieses alles wissen, bist du doch ein Fremdling. Haben die Frauen dir dieses gesagt?“  Jakobus: „Nein, aber der wahre Gott, dessen Diener ich bin. Darum habe du Vertrauen zu mir, auch ich möchte, dass du wieder froh und glücklich wirst“. Der Kranke: „Ich will vertrauen, guter Mann, ich muss dir ja glauben, wenn ich leben will, denn mit diesen Schmerzen ist ein Leben unmöglich“.

 

Jakobus berührte ihn mit der Hand und sprach: „Stehe auf und steige vom Wagen im Namen des Herrn! Glaube fortan an den wahren, lebendigen Gott! Und betrachte von nun an alle Menschen als deine Brüder und Schwestern. Gott will, dass du gesund wirst!“ Der Kranke stand auf, stieg vom Wagen und sagte: „Verlange, was du willst, was in meiner Kraft und in meinem Willen liegt, werde ich tun, denn vor dieser Macht und Kraft muss alle menschliche Torheit weichen!“ Jakobus nimmt ihn an der Hand und spricht: „Komm ins Haus, die Frauen sind um dich in Sorge. Du hast an dir die Kraft Gottes erlebt, nun sollst du auch um deiner Brüder willen Seine Liebe erleben!“

 

Da kommen auch schon die Frauen. Eine stürzt hin und schreit: „Krischan, Krischan, was ist mit dir geschehen?“ – „Nichts, Omelie, der ewige Gott gab mir die Gesundheit zurück, die ich mir verscherzte“. Die andere Schwester wusste nicht, wie ihr geschah, ganz still ging ein Leuchten aus ihren Augen. Sie ging zu dem Esel, spannte ab und sagte: „Was sind wir für Esel gewesen, hielten die Kunde von dem Heiland für ein Märchen und hängten uns an tote Götzen!“ Immer mehr Menschen kamen. Die, welche den Krischan kannten, entsetzten sich über diese Heilung, aber Omelie mit ihrer sanften Art, beruhigte die Neugierigen.

 

In der großen Gaststube war ein Durcheinander. Jakobus konnte zu keiner segensreichen Wirkung kommen, die Wucht dieser Heilungen waren Sensation. Da kommt noch ein Besucher. Die Leute waren ganz still geworden bei seinem Eintritt, denn er war ein fanatischer Heidenpriester. Ohne zu grüßen, geht er auf Krischan zu und spricht: „Krischan, musste das sein, dass du diesen Juden zur Hilfeleistung aufsuchst? Warum fandest du den Weg nicht zu mir? Was dieser launische Judengott vermag, ist jedem unserer Götter Leichtigkeit“. Sabine, die jedes Wort Hörte, war entsetzt über diese Anmaßung. Sie kannte diesen Priester zur Genüge. Ihr ganzes Innere drängte, aber die ewige Liebe mahnte zur Ruhe!

 

Krischan sagte: „Bonja, du kommst mit deinen Vorwürfen zu spät. Seit Tagen weißt du um mein Unglück, es wäre deine Pflicht gewesen, zu mir zu kommen. Wenn es etwas zu holen gibt, bist du ja auch gekommen. Dass ich den Göttern nicht mehr meine ganze Aufmerksamkeit zuwandte ist nicht meine, sondern deine Schuld. Wundert es dich, wenn wir die Kunde von der Heilung der Sabine erhielten, dass wir unter den größten Anstrengungen hierher eilten? Es war nicht vergebens, denn nicht ich bettelte um Heilung, sondern der von dir verachtete Judengott bot mir Seine Hilfe an, wenn ich an Ihn glauben könnte. Ich tat es, und im Nu war ich geheilt!“

 

Petro trat hin zu dem Priester und sagte: „Bonja, du bist in einem freien Hause und nicht in deinem Heim! Deine Art, über meine Gäste zu herrschen, ist eine Beleidigung des lebendigen Gottes, der gerade mir Seine größte Liebe und Gnade schenkte. Für Sabines Leiden hattest du ein Achselzucken! Beim Tode meines Weibes war in dir kein fühlendes Herz. Kalt waren deine Worte, aber noch kälter war dein Wesen! Da, schau dir Sabine recht an. Warum versagten die Götter – und du als ihr Priester? Zu jedem Opfer war ich bereit. Alles hätte ich dahingegeben, um Sabine und um meines Weibes willen“.

 

Da spricht Bonja: „Petro, ich habe dir kein Recht gegeben, über meine Wesensart zu kritisieren. Was ich bin, bin ich durch die Götter, deren Priester ich bin und bleiben werde“. Petro legte seinen Arm auf Bonja`s Schulter und sagte: „Bonja, dann müssen wir uns trennen. Mit dir länger zu verkehren hieße ja, den lebendigen Gott schlagen. Oder meinst du, deine toten Götter könnten Ähnliches oder Größeres vollbringen? Jedenfalls ist eine Gemeinschaft mit dir, solange du in deinem Irrtum verbleibst, nicht mehr denkbar“. Bonja erwiderte: „Petro, ich verstehe dich nicht, mir die Gefolgschaft aufzusagen! Was ich tat, geschah es nicht zum Nutzen der Götter?“ Petro: „Zu deinem Nutzen, wolltest du sagen, denn man kann für niemand was tun, der nicht da ist“.

 

Bonja, höhnisch lächelnd: „Ach, sieh einer an, auf einmal sind unsere Götter ein Nichts, ein Niemand – und nur darum, weil ein zweifelhafter Jude es verstand, mit seinen Künsten einige Heilungen zu vollbringen. König Abgarus hätte ein noch viel größeres Opfer  dem Judengotte gebracht, wenn sein Sohn gesund geworden wäre. Trunken seid ihr alle, darum ist es meine Pflicht, euch wieder nüchtern zu machen“.

 

Jakobus, der zu allem schwieg, trat hin zu Bonja und sagte: „Ich bin der zweifelhafte Jude, was gedenkst du mit mir zu tun?“ Bonja: „Was habe ich mit dir zu schaffen? Mit Juden verkehre ich nicht. Das Wohl meiner Gemeinde liegt mir am Herzen“. Jakobus: „Eben, weil das Wohl aller mein Lebenszweck ist, musst du dir gefallen lassen, dass ich mich mit dir beschäftige. Auch dein ewiges Wohl liegt mir am Herzen, denn es geht nicht an, dass ich, als Diener des lebendigen Gottes, einen oder den anderen ausschließen würde. Deine herabwürdigende Art tut mir nicht weh. In einer halben Stunde kannst du ja die Kraft deiner Götter beweisen! Die alte Mirja mit ihrem Enkelkind kommt, um Heilung zu erbitten“.

 

Entsetzt schauen die meisten der Anwesenden auf Jakobus. Da spricht Bonja: „Was weißt du von Mirja und ihrem Enkelkinde, die draußen im Kalten hausen?“ Jakobus, dem Priester fest in die Augen sehend, spricht: „Mirja ist mit ihrem Enkelkind auf dem Wege nach hier. Gute, hilfsbereite Menschen brachten ihr die Kunde meines Hierseins und die Heilung von Sabine. Warum entsetzt du dich darüber? Freuen müsstest du dich darüber, denn nun hast du Gelegenheit, mit deinen Göttern ihre lebendige Kraft zu beweisen. Mein ewiger Gott lässt dir das Vorrecht! Wird es dir durch die Kraft deiner Götter möglich sein, ihren Aussatz zu heilen, dann will ich lebenslang ein Aussätziger bleiben. Vermagst du aber mit deinen Göttern nichts, sollst du so lange aussätzig bleiben, bis du dich vor dem lebendigen Gott gedemütigt, und dein herrisches Wesen abgelegt hast! Denke ja nicht, dass du dem lebendigen Gott entfliehen kannst. Seine Macht und Kraft kennst du!“

 

Bonja ist entsetzt. „Teufel, du“, schreit er laut auf, „was habe ich mit dir zu schaffen?“ Da spricht Petro: „Bonja, ich bin der Vorsteher dieser Gemeinde und ein römischer Untertan. Den Vorschlag des Jakobus finde ich sehr gut, denn sollte es dir gelingen, wird Jakobus lebenslang ein Aussätziger sein, während du nur so lange, bis du dich zu dem wahren Gott bekennst. Ich wüsste nicht, wie du dich darüber entsetzen könntest“.

 

Sich zu den anderen wendend, spricht er weiter: „Freunde, habet keine Angst, euch wird nichts geschehen. Wer von euch schwach ist, mag sich ruhig entfernen, ehe Mirja kommt. Ich kann euch aber versichern: Keinem wird ein Leid geschehen, wer gläubig den wahren Gott annimmt!“ Sabine: „Auch ich schließe mich meinem Vater an, ja ich will die beiden umarmen und ihnen eine Bleibe in unserem Hause anbieten“.

 

Jakobus: „Bonja, ich will dir weiter entgegen kommen, im Sinne des lebendigen Gottes. Sabine soll die beiden Unglücklichen im Namen des Herrn heilen, damit auch nicht der geringste Zweifel von geheimnisvollen Kräften aufkommen kann.

 

Sabine, bist du bereit, diese Liebe den Heiden zu schenken? Lasse nicht den Gedanken aufkommen, dass es nicht gelingen könnte, sondern glaube, dann wirst du allen ihre Sehnsucht stillen!“

 

Bonja gebärdete sich wie ein Wilder. Er möchte fliehen, kann aber nicht, er möchte brüllen, muss aber stumm sein. Sabine sieht diesen Kampf, geht zu ihm und spricht: „Bonja, warum willst du die Liebe des wahren Gottes nicht sehen? Dir wird ja nichts genommen, sondern gegeben! Wie viele in deiner Gemeinde fürchten sich vor dir, da deine unbarmherzige Härte ihnen unverständlich ist.

 

Wenn nun der wahre und barmherzige Gott sich über uns erbarmt und durch Seinen Boten uns allen Seine heilige Liebe offenbart, uns allen Seine helfende Hand anbietet, kann doch nur Grund zum Freuen und Danken sein, und nicht Hass, wie er sich durch dich offenbart! Wir möchten dich doch nicht verlieren, sondern du sollst weiter unser Priester sein, aber im Geiste der erlösenden Liebe Jesus, des lebendigen Gottes, der uns im Jakobus Seine Liebe, Sein Leben, Seine Macht und Seine Herrlichkeit anbietet!“

 

Mirja mit ihrem Enkelkind war angekommen. Weit vom Hause standen sie, da sie sich nicht näher getrauten. In noch größerer Entfernung standen noch etliche, die sich Mirjas wegen nicht heranwagten.

 

Jakobus: „Bonja, sie sind gekommen. In ihren Herzen ist Hoffnung und Zweifel. Bist du bereit, sie hereinzuholen oder bestimme du, wer zu den beiden gehen soll. Noch liegt die Entscheidung bei dir. Einen größeren Beweis von der Liebe Gottes wirst du nicht verlangen können!“ Bonja schwieg.

 

Sabine aber eilte hinaus zu den Wartenden, nahm ihre Hände und sagte: „Mutter Mirja, komme schnell mit Katinka ins Haus. Nun sollst du erlöst sein von allem Übel, uns allen ist Großes widerfahren“. – „Darf ich noch hoffen, du gutes Kind? Dort sind vorn noch welche, die sich vor mir fürchten“. – „Das hat nun keine Not mehr, Mutter Mirja. Kommt mit mir herein, ihr werdet erwartet, denn der wahre, ewige Gott ließ uns wissen, dass du auf dem Wege – mit Katinka – zu uns bist.“

 

Vor der Türe zögerten die Mutter Mirja mit Enkelkind. Sabine sagte, allen hörbar: „Tretet ein als Gereinigte in unser Haus nach dem Willen des Herrn! Sein Name sei hochgelobt und gepriesen! Seine Macht und Seine Liebe aber soll unsere Liebe werden! – Gehet hin zu Bonja, dem Priester, damit ihr euch wieder frei bewegen könnt.“ Die beiden Kranken sahen sich an, ihr Aussatz war verschwunden. Mirja wollte vorwärts gehen, da wurde sie ohnmächtig und fiel vor Sabine, die sie nicht aufhalten konnte, auf den Boden.

 

Da drängten sich die anderen heran, doch Jakobus sagte: „Sabine, lege deine Hände auf den Kopf, die Freude war zu groß über die Wohltat, dann wird sie wieder zu sich kommen“. Sabine tat, wie Jakobus ihr geraten hatte. Da erwachte die alte Mirja, kniete, lange um sich sehend, und sagte: „O welch eine Freude, welche Großtat der Liebe dürfen wir erleben, wir sind rein! Komm, Katinka, auf den Knien wollen wir danken dem Gott, den wir nicht kannten, der aber Leben sein muss, weil wir ein neues Leben leben dürfen! O Du lebend Wesen Du, lasse uns durch Deinen Priester erfahren, wie wir Dich gebührend loben und preisen können! Dein Wille sei unser Gesetz für immer!“

 

Sie stand auf, ging, Katinka bei der Hand nehmend, zu Bonja und fragte, ob sie noch immer unrein sein sollen. Bonja besah die beiden, sein Auge konnte nicht das geringste erblicken. Da sagte er: „Ihr seid rein, eure Schritte sind frei, aber ich werde dafür büßen müssen. An meinen Händen fühle ich schon das fressende Übel“. Jakobus sprach: „Nur so lange, bis du den wahren Gott findest, denn auch du sollst leben! Denke an die Liebe, die dir Sabine anbot. Da du dich aber noch nicht entschließen kannst, dich zu demütigen, zwingt dich dein eigenes Gesetz, uns zu verlassen. Im kalten Winkel kannst du Gericht mit dir halten.

 

Eine Gnade schenkt dir der rechte Gott! Um deinen Lebensunterhalt sollst du nicht betteln, wie Mirja und Katinka, sondern Mirja wird dir jeden Tag bringen, was du benötigst. Es liegt an dir, deine Leidenszeit abzukürzen! Durch Sabine kann dir dann Gottes Hilfe werden.

 

Mit deinen Göttern konntest du deine Mitmenschen beherrschen, mit dem wahren Gott aber sollst du dienen! Deine Götter ließen sich betrügen, da sie nicht sind. Der ewige Gott sieht aber einem jeden ins Herz und weiß um alle Gedanken. Darum entferne aus dir, was sich noch entfremdend zwischen dich und Gott stellt, und du wirst angenommen werden. Aber nun gehe, damit dir nicht noch Ärgeres widerfahre“. Bonja ging, ohne sich umzusehen, aus dem Hause. Er war unfähig, auch nur ein Wort zu sagen.

 

Jakobus sagte: „Nicht traurig sein, bald werdet ihr rechte Freude erleben. Für ihn gibt es keinen anderen Weg! Er muss das Leid am eigenen Leibe kennen lernen, um für das Leid anderer Verständnis aufzubringen, denn eines Menschen innerer Wert wird offenbar, wie er sich zum Leid anderer stellt“. Da sagte Mirja: „Jeden Tag werde ich bei ihm sein. Ich werde nicht aufhören ihn zu bitten, dass er auch den Weg nach hier zurückfindet“.

 

Petro: „Kinder, nun schließet euch aber zusammen in der Liebe, die uns geoffenbart wurde. Sabine wird ein Mahl richten, ihr alle seid für heute meine Gäste“. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sich die Gemüter beruhigten und zur rechten Freude aufschwangen. Krischan und Mirja wurden nicht müde, immer Neues von dem guten Heiland zu hören.

 

Es kommt eine Störung. Ein Trupp Römer hält vor der Herberge. Ihr Führer lässt absitzen und betritt die große Gaststube. Petro eilt hin und ruft: „Claudius, du kommst zur guten Stunde. Heute musst du mit deinen Leuten hier bleiben, wir sind alle zusammen deines Glaubens geworden!“ Claudius: „Ich hörte große Dinge von euch, und um die rechte Überzeugung zu haben, machte ich einen Umweg nach hier. Endlich, Bruder Jakobus, sehe ich dich wieder. Deine treuen Augen sind noch dieselben! Die Mühe lohnte sich, da muss ich schon bis morgen hier bleiben“.

 

Als er Sabine sah, sagte er: „Hast du noch Sehnsucht, deiner Mutter ins Grab zu folgen?“ Sabine: „O Herr, du warst es, der mich auf Jesus, den guten Heiland, aufmerksam machte. Du warst es, der die Sehnsucht in mir weckte, zu Dem, der heute mein Gott und Vater ist. O, habe auch du den Anteil an Freude, wie wir uns so unendlich freuen. Da schau Krischan, heute morgen noch ein Mann mit gebrochenem Rückrat. Und die Mutter Mirja mit ihrer Katinka, war noch vor einer Stunde unrein! Soll da unser Herz nicht jubeln?“

 

Claudius gab seinen letzten Befehl, die Pferde zu versorgen, denn wir bleiben bis morgen früh. Seine Leute, die schon halb überzeugt waren von der Lehre des Herrn, staunten nicht wenig über die Heilungen. Aber noch mehr erstaunten sie, als sie erfuhren, dass Bonja, der Priester der heidnischen Gemeinde, plötzlich vom Aussatz befallen wurde. Claudius sagte: „Es wundert mich, dieses zu hören. Es ist der erste Fall, wo Gott strafend wirkt. Bis heute erlebte ich nur Beweise der allergrößten Liebe!“ Jakobus: „Aber Claudius, Bonja erlebt heute die größte Liebe, denn nur dadurch entgeht dieser Bruder seinem Untergang und wird, was ich glaube, noch eine rechte Säule! Sabine als Vertreterin der Liebe, und Bonja als Vertreter der Lehre, so sehe ich es in mir! Mit dankbarem Herzen scheide ich morgen von hier, denn nun ist wieder eine Gemeinde gegründet, auf die der Herr sichtbar Seinen Segen legen wird“.

 

Nun musste Jakobus erzählen von seinen Erlebnissen. Alle lauschten seinen Worten, am meisten aber die Soldaten, die noch nie mit einem Jünger Jesu zusammen waren. Beim Mahl brachte Petro Wein. Den einfachen Leuten war es ein Wunder, so bewirtet zu werden. Die alte Mirja aber weigerte sich, sie wollte denselben dem Bonja bringen.

 

Sunden vergingen, die Leutchen dachten an keine Heimkehr, bis endlich Petro sagte: „Liebe Freunde und Nachbarn, ihr müsst nun wieder zurück in euer Heim. Euer Vieh will versorgt sein, eure Arbeit muss getan werden. Von nun an wird euch Sabine dienen, bis Bonja unser Priester geworden ist. Vergesset diese heiligen Stunden nicht! Du, Krischan, und du, Mirja, bleibt mir euren Lieben hier, da ihr noch die Weihe empfangen sollt. Durch eure Heilung seid ihr in den Mittelpunkt gerückt. Es ist noch manches, was euch zu wissen Not tut. Jakobus wird uns weiter dienen“.

 

Bis weit über Mitternacht diente Jakobus den aufmerksamen Zuhörern. Alle Soldaten waren restlos gewonnen für die Lehre des Herrn. Mirja aber war die Aufmerksamste. Sie sagte: „Mein Herz ist so übervoll von Dank. So viel, wie ich heute erlebte, ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht geworden. Ich kann dieses alles nicht im Gedächtnis behalten, aber eins ist sicher, für diesen Heiland gehe ich gerne wieder in den kalten Winkel, weil ich mich nun nicht mehr ausgestoßen fühle“.

 

Claudius, der um der anderen willen immer schwieg, schilderte nun sein Zusammentreffen mit Jesus. Noch einmal beleuchtete er die Gnadenführungen, die ihn zu der Überzeugung brachten, Jesus lebt und ist wahrhaftig von den Toten auferstanden! „Wer die Stunden von dem Sterben Jesu erlebte und dann hinein geführt wird in das neu erstandene Leben, kann nicht anders, als mit Jesus gehen! Wer dieses nicht begreifen kann, dem ist nicht zu raten, wenn Leid und Weh ihn zusammendrücken. Ich sah welche, die von den Templern gemartert wurden, aber aus ihren Augen leuchtete Freude. Wiederum erlebte ich Heimsuchungen, da wollte ich Tröster und Helfer sein, aber das Gegenteil geschah, ich ging als Getrösteter und Gestärkter von dannen! Das Herrlichste aber ist vor allem das, man fühlt sich mit allen Gleichgesinnten so innig verbunden! Himmlisches Wehen umgibt unsere Herzen und macht uns frei und stark für den besten Vater. – Ja, Du mein Heiland und mein Vater, Gott und Herr, Du hast die Wege geebnet für einen jeden Menschen – als Sohn, um uns jetzt zu begleiten – als Vater, bis wir ganz und auf ewig Dein Eigentum geworden sind. So nimm denn unsere Hände und führe uns nach Deinem Liebewillen! Amen“.

 

Da wurde an der Türe der heilige Vater sichtbar. Näher kommend, spricht Er: „Mein heiliger Friede sei mit euch! Endlich ist auch Mir die Freude geworden, euch zu beglücken und euch aufs Neue den Beweis zu geben, wie Ich euch liebe! Nicht mit Worten will Ich es bekunden, sondern ein jeder empfinde in sich Mein himmlisches Wehen. Keinen schließe ich aus, keiner sei Mir gering. Aber sein kann Ich jedem nur so viel, wie Mir Raum in euch gegeben wird! So empfanget aus Meiner Liebe Meinen Vatersegen, damit Ich in euch verbleiben kann. Mehr kann Ich heute nicht geben, um der Schwachen willen. Ihr aber, die ihr Mir mit allen Kräften dient, ersetzt Mich ganz, damit ja keiner Mich vermisst. Mein Friede mache euch stark und Meine Liebe sei euer Leben! Amen.“

 

Langsam verschwand der Herr. Erst war Ruhe, dann aber wurden sie alle frei. Einige gingen zur Ruhe. Claudius aber, sowie Petro, Sabine, Krischan und Mirja blieben um Jakobus, der sie tiefer in das Wesen der ewigen Liebe hinein führte, damit sie diese Liebe noch mehr verstehen möchten.

 

Mit Tagesanbruch rief die Pflicht, dann aber gab es ein Auseinandergehen, aber nur nach Außen. Innerlich waren sie zusammengefügt und ganz willens, nur noch dem Herrn und Seinem heiligen Werke zu dienen. Als Jakobus sie segnete, leuchteten Tränen des Dankes und der Freude aus ihren Augen.

 

Neu gestärkt, ging Jakobus nur noch einen Tag, um nach Edessa zu gelangen. Jakobus sagte für sich: „Du, mein Jesus, bist mit alles. Nur um Deinetwillen bin ich Zimmermann für Dein Reich geworden!“

 

 

* * *

 

 

 

 

 

 

 

Band II

Jakobus Wirken in Edessa  

Zeit: Einige Wochen nach Pfingsten

Prüfung des Glaubens

Lohn der Glaubenstreue

Erwachendes Leben

Durchgerungen zum Licht

Liebe ohne Ende 

Sieg des Lebens

Geeint im Glauben

In Erwartung des Kommenden

Der liebe Lohn

Schlusswort hierzu von Bruder M.S.

„Wenn ich nur Dich habe, ....   

 

 

 

Jakobus Wirken in Edessa

 

 

 

 

 

Zeit: Einige Wochen nach Pfingsten

 

 

Empfangen und niedergeschrieben von M.S. 1941 i.W.

 

 

 

 

* * *

 

Prüfung des Glaubens

 

In Edessa, einer kleinen Stadt in Mesopotamien, residierte Abgarus. Sein Königreich war gut in Ordnung. Da er Kenntnis von dem Dasein Jesu erhielt, suchte und fand er auch Verbindung mit Ihm. Leider wurde sein Wunsch, Jesus von Nazareth ganz in sein Land als Bürger zu bekommen, nicht erfüllt, aber etwas Größeres wurde ihm zuteil, nämlich die Gnade und das Wohlwollen Jesu. Mehrere Male reiste Brachus, sein Diener, nach Judäa und brachte herrliche Verheißungen mit. Aber der Wunsch, ihm und dem kranken Sohn Heilung zu bringen, wurde ihm versagt, da der Herr und ewige Gott andere Absichten mit ihm hatte. So ging dieser Sohn und Thronerbe mit dem Bewusstsein des freien und ewigen Lebens aus dieser Welt, um in der Ewigkeit ein Leben anzufangen, das für die damalige Zeit vollständig neu war.

 

Die Zeit der Trauer um den Sohn war noch nicht vorüber, als sich König Abgarus und sein ganzes Haus zu einer noch größeren Trauer vorbereiten musste, denn er hatte durch seinen Diener in Erfahrung gebracht, dass man Jesus, den Wundermann, kreuzigen wollte. Alle Bemühungen des König Abgarus, Jesus zu bewegen, Judäa zu verlassen, scheiterten an der Bereitschaft Jesu, das größte Opfer zu bringen.

 

Es war an einem Freitag, nachmittags, als Brachus zu seinem Herrn kam und ihm meldete, dass sich die Sonne verfinstere und ihren Schein verlöre. Da befahl Abgarus, Trauer anzulegen für drei Tage, da Jesus von Nazareth am Kreuze verstorben sei nach dem Willen der Tempelpriester. „Wie kannst du das wissen, mein Herr“, erwähnte Brachus, „sind doch seit der letzten Botschaft nur wenige Tage verflossen. Nach dem, was ich erlebt und gesehen habe, ist es eine Unmöglichkeit“. – „Brachus gehorche, veranlasse die Trauer, bald wirst du die Bestätigung erhalten. Damit aber in unseren Herzen nichts, als nur reine Trauer um den großen Heiland Jesu lebt, wollen wir uns von allem enthalten und nur das Nötigste tun und zu uns nehmen“.

 

So geschah es nach dem Willen des Königs. Dieser aber blieb in seinen Gemächern, nur des allerfrühesten Morgens und des späten Abends ging er auf das Dach, um zu beten und sich zu verinnerlichen. So auch am Sonntag früh. Mit dem Sonnenaufgang hatte er sein Gebet beendet, da sieht er, wie aus der Luft zwei Jünglinge in weißem Gewand auf ihn zukommen. Er schaut und schaut, da erkennt er in dem einen seinen verstorbenen Sohn. Er möchte rufen, hineilen, aber da seine Füße gelähmt waren, musste er bleiben.

 

Ehe er sich von dem Schmerze in seinem Fuße erholt hatte, sind die beiden Gestalten bei ihm, grüßen ihn mit erhobener Rechten. Da spricht sein Sohn: „Vater, freue dich, eben kommen wir vom Grabe des Herrn, es ist leer, nichts ist eine Beute des Todes geblieben“. – „Bist du es wirklich, mein tiefbetrauerter Sohn?  So gesund und strahlend habe ich dich noch nie gesehen, komme in meine Arme, ich möchte dich an meine Brust drücken“. – „Es geht nicht, mein Vater, aber nach einer kleinen Zeit darfst du, wie mir mein Führer sagte, einmal in unsere Welt einkehren und die großen Wunder der Liebe und Gnade Gottes schauen.

 

Eines aber darf ich dir sagen: alle Tore des Lebens stehen offen. Was die Erde an Wundern die letzten drei Jahre erlebte, ist dem Geisterreich in drei Tagen geworden. Überall, wo der Name Jesus genannt wird, ist eine Lichtquelle geworden. In diesem Licht ist so viel gewandelt worden, dass es für Erdenbegriffe unmöglich ist, dieses zu schildern. Nur was böse war ist finster geblieben. Auch um und in dir soll Licht und Freude sein. Darum vernimm die frohe Kunde: Jesus ist vom Tode erstanden, alle Herrschaft des Lebens ist Ihm zugefallen. Für Ewigkeiten wird nur noch dort der Tod sein, wo man das Leben meidet, welches der Auferstandene gibt. Schaue uns beide an, nicht eine Spur der Zersetzung wirst du an uns finden, da das Leben uns ergriffen hat durch die unendliche Gnade des Herrn. Leget nun alle Trauer für immer ab, das Leben hat den Sieg über allen Tod davongetragen“.

 

„Sahest du den Herrn, unseren ewigen Gott, unser Licht aus dem Urlicht?“ – „Ja, mein Vater, nicht nur gesehen, sondern gesegnet und geweihet für das ewige Leben. Aus Seiner Liebesfülle durften wir empfangen nach unserem Sehnen. Wir sind durch Ihn, den Ewigen und Lebendigen eine neue Schöpfung geworden. Künde allen diese frohe Botschaft, damit alle Anteil an diesem Leben haben. Dir aber, mein Vater, alles Heil aus Jesu, dem Lebendigen“.

 

„Mein Sohn, wer ist dieser dein Begleiter, warum blickt er so ernst auf mich?“ – „Mein Vater, es ist mein Führer und Lehrer. Nie hätte ich mich in der ewigen Gotteswelt zurechtfinden können. Licht und überall Licht umgab mich, meine Augen waren dieses Lichtes ungewohnt. So nahm mich dieser Führer bei der Hand und führte mich in eine Welt, die mir vollständig fremd und doch so überschön ist. Herrliche Ländereien, blaue Seen und strahlende Menschen zogen meine Aufmerksamkeit auf sich, dann aber wurde ich begrüßt von den Ältesten, als wenn man mich längst erwartet hätte. Meine Freude war riesengroß. Als ich aber von dem Heiland, der nichts anderes, als Gott von Ewigkeit ist, erzählte, hat man mich nicht so recht verstanden. Nun ist es anders geworden. Seit Er selbst die Botschaft von Seinem Ringen und Sterben brachte, warf sich alles auf den Boden und weinte überlaut. Als Er aber sagte, dass Er nicht im Tode bliebe und alle von Seinem Leben beleben wolle, erhoben sich alle und der Jubel wollte kein Ende nehmen. Wir erhielten von Ihm die rechte Weihe, wir durften aber auch Blicke tun, die schrecklich waren. Dorthin eilte Er mit seinem Anhang, um auch denen die Botschaft des Lebens zu bringen“.

 

„O, mein Sohn, du Glücklicher durch des ewigen Gottes Gnade, am liebsten eilte ich an eurer Seite zu Ihm, der meines Lebens Stütze und meiner Seele Trost und Inhalt ist“. – „Vater, gedulde dich noch eine kleine Zeit, denn bald wird kein Unterschied zwischen Menschen und Geistern sein, denn Gott, als der Ewige und nun vom Tode Erstandene, wird wieder in Seine Urhimmel zurückkehren und im Geiste überall dort sein, wo man sich an Seinem Heilandsleben bereicherte, welches Er uns allen offenbarte. Auch du wirst gar bald ganz eingeweiht werden. Bleibe in dieser deiner Liebe, bleib in diesem deinem Frieden, dann kann Sein Geist, der ein Geist allen Lebens ist, sich einen mit deinem Geiste. Amen“.

 

Hier verschwanden die beiden Lichtgestalten, Abgarus aber zitterte vor Freude. Seine Schmerzen nicht mehr achtend, eilte er nach unten in seine Gemächer, um seinem Weibe und Kindern die eben erlebte Gnade, den Besuch des Sohnes und Bruders, zu schildern, und dass es gerade sein Sohn war, der die Auferstehung des wahren Heilandes übermittelte.

 

Abgarus ließ seine Getreuen, Diener und Freunde laden zwecks Übermittlung der Freudenkunde, aber er wurde enttäuscht, man glaubte ihm nicht. Hethmann, der Hausmeister, dem auch alle Diener, Knechte und Mägde unterstellt waren, sagte: „Herr, bis jetzt habe ich geschwiegen, ich wollte dir nicht wehe tun, weil du ein guter Herr und guter Vater deiner Landeskinder bist. Es ist schwer, dich zu verstehen, da manchmal deine Handlungen dem rechten Verstand widersprechen. Du klammerst dich an den Heiland fest, der weder dir, noch deinem Sohn helfen konnte. Menschen, die die schwerste Strafe verdient hätten, gibst du Vertrauensposten. Landestrauer ordnest du an, weil man deinen Heiland gekreuzigt hatte. Und jetzt willst du uns glaubhaft machen, dein verstorbener Sohn sei gekommen und habe die Botschaft, dein Heiland sei wieder zum Leben erstanden, gebracht. Herr, was zu viel ist, ist zu viel. Wir sind keine Kinder mehr, die jedes Wort glauben, was aus des Vaters Munde kommt“.

„Ich bin betrübt, Hethmann, solche Worte aus deinem Munde zu hören. Nur dem Heiland Jesu hast du es zu danken, dass ich dich in deinem Dienst belasse. In all den Jahren müsstest du mich kennen, dass ich das Gute vom Schlechten, das Falsche vom Richtigen unterscheiden kann. Wenn du mir, deinem Herrn und König, nicht glauben kannst, so hättest du wenigstens dem Freunde trauen können“. – „Herr verzeihe mir, es lag mir ferne, dich zu betrüben. An mir liegt nichts, aber deinem Volk kann nicht zugemutet werden, Dinge zu glauben, die im reinen Phantastischen liegen. Du machst dir die Priester zu Feinden. Solange du nicht mit Beweisen kommst, ist uns und deinem Volke nicht gedient“.

 

„Hethmann, es ist gut, die Beweise werden noch erbracht werden, es kommt nur darauf an, ob du und alle deine Leute auch die Beweise annehmen. Aber da du offen und ehrlich bist, so will ich dich ebenso fragen, welcher Art sollen denn die Beweise sein, da es sich um große Dinge handelt, müssen auch die Beweise groß sein“. – „Gewiss, Herr, mit der Stunde, wo du gesund bist und dich ohne Schmerzen bewegen kannst, will ich deines Glaubens sein und alles daran wenden, dass alle sich zu deinem Glauben bekehren“. – „Gut, Hethmann, es sei. Die Stunde ist nicht mehr fern, wo mir, euch und allem Volk das größte Heil widerfahren wird. Bis dahin aber wollen wir nicht mehr davon reden“.

 

So vergingen Wochen, Monate. Abgarus änderte seine Ordnung nicht, der früheste Morgen und der späte Abend gehörte Jesu und seinem Sohn Omar. Hethmann beobachtete seinen Herrn unausgesetzt. Keine Veränderung in seinem Wesen gewahrte er, aber die Ruhe und das Zielsichere machte ihn unsicher. Darum suchte er eines Tages den Oberpriester des dortigen Tempels auf und gab ihm ein getreues Bild seines Herrn.

 

Der Oberpriester, ein älterer erfahrener Mann, eingeweiht in manche Wissenschaft, sagte: „Hethmann, es ist gut, dass du gekommen bist und mir alles getreulich offenbart hast. Ich fürchte, wir müssen alle unsere Götter verlassen und uns dem Einen und Wahren, uns unbekannten Gott, nähern. Deine Nachrichten stimmen mit denen des Königs überein. Aus Rom ist strengste Anweisung da, den Verkündern der neuen Lehre des jüdischen Wundermannes nicht feindlich entgegenzutreten. Der Statthalter Cyrenius hat allen Priestern der heidnischen Religionen die Lehre des unbekannten Gottes anempfohlen“. – „Empfohlen ist aber noch nicht annehmen, haben wir nicht genug Götter und Priester?“ – „Hethmann, verkenne die Lage nicht. Ich kenne den Gott der Juden, auch zum Teil die Lehre, siehe, es ist mein Brot. Wenn ich meine Götter verlassen könnte, ich würde es sofort tun, aber wie würde ich vor dem Volk bestehen? Darum warten wir, was der König tun wird, von ihm hängt alles ab“. Erwiderte Hethmann: „Da wäre es wohl gut, sich mit den wenigen Juden in Edessa zu befreunden?“ – „Da rate ich dir ab, es sind nur Händler und Geschäftemacher. Ihre Religion ist das Verdienen, ihr Handeln ist das Gegenteil von der Lehre des Judengottes. Der Wundermann aber soll ein Feind des Tempels gewesen sein“.

 

„Mein Oberpriester, Abgarus behauptet aus sich heraus, der Wundermann sei von den Templern gekreuzigt und vom Tode wieder erstanden zu neuem Leben. Dieses habe ich als phantastisch hingestellt“. – „Hethmann, ich hätte Abgarus geglaubt. Nach der Lehre des unbekannten Gottes soll ein Sohn von Ihm kommen, alle Schulden und Missetaten auf sich nehmen und durch Sein trauriges Ende die Gottheit und die Menschheit wieder versöhnen. Für uns Menschen kann daraus nur Gutes entstehen, denn in dieser Lehre ist viel, viel Liebe verborgen, die bei unseren Göttern nicht zu finden ist. Du kannst dich aber schon mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Gott der Juden unendlich mehr ist, als alle unsere Götter zusammen. Nun, wo ich alt geworden bin, sehe ich alles mit anderen Augen an. Wie froh wäre ich, wenn ich die reine Wahrheit erfahren könnte. Komme doch wieder zu mir“. – „Gerne, wenn Abgarus gesund ist, sollst du der Erste sein, den ich an des Königs Hof bringe“.

Die Unterredung mit dem Oberpriester Zeno hat Hethmann zu vielem Nachdenken veranlasst. Dann hatte Brachus auf die Fragen des Hethmann, was eigentlich früh und abends der König auf dem Dache tue, geantwortet: „Er betet“. Erstaunt spricht Hethmann: „Er betet? Seit wann ist es denn Sitte, des morgens und abends allein zu sein und zu beten, dazu ist ja der kleine Bettempel da“. Antwortet Brachus: „Siehe Hethmann, unser Herr ist anderer Religion geworden. Du weißt von meinen Reisen nach Judäa, du weißt, dass der Heiland Jesus kein Märchen, sondern Tatsache ist. Du weißt aber auch, dass ich dem König, unserem Herrn, in allen Dingen recht gebe, weil ich selbst mit dem Heiland Jesus und seinen Jüngern gesprochen habe. Du weißt aber auch, dass unser König ein anderer, ein gerechter und liebevoller Fürst geworden ist. Siehe, wir alle erlebten die Umwandlung unseres Herrn. Ist es da nicht Pflicht, nach den Gründen zu forschen? Ich bin froh, es getan zu haben, denn dadurch bin ich auch getrieben worden, ein anderer zu werden“.

 

„Du magst Recht haben, Brachus, aber wie stehen wir da? Wo soll ich meine Götter hintun, die mir lieb und teuer sind? Ich kann doch nicht einem Phantom nachjagen, denn etwas anderes ist doch euer Heiland Jesus nicht. Ich möchte euch ja so gerne glauben. Tag und Nacht habe ich keine Ruhe, ich möchte vor mir selber fliehen“. – „Aber Hethmann, ist dies nicht für dich der beste Beweis, dass du einen Heiland brauchst? Warum gaben dir deine so lieb gewordenen Götter die Ruhe und den Frieden nicht? Bei mir ist es anders, in mir ist Ruhe, Frieden, selige Gewissheit, dass ich einen lebendigen und keinen toten Gott habe. Das unaussprechlich Große ist geschehen, dass ich mit meinem Gott reden kann und Seine tröstliche Antwort vernehme.

 

Begrabe ruhig deine Götter. Werden sie wieder lebendig, wie Jesus, der Heiland und Wundermann lebendig wurde, dann bleibe ihnen getreu, verbleiben sie aber in ihrem Grabe, dann sind sie nicht einmal den Gedanken des Nachtrauerns wert“. – „Brachus, du verlangst viel, ich kann doch nicht mit dem, was mir heilig ist, brechen!“ – „Doch, Hethmann, die Wahrheit um das ewige Sein und Leben verlangt es, oder kannst du für das Leben deiner Götter einstehen? Ich kann es für Jesus, den Heiland, weil ich Ihn fühle, empfinde, Sein mir so liebes und trautes Wort in mir höre und nur den einen Wunsch habe, Ihn nie mehr zu verlieren“.

 

„Ach Brachus, ich kann dich auch nicht mehr verstehen. Statt dass du mir entgegenkommst, entfernst du dich von mir. Deine Worte haben nicht den Erfolg gebracht, den ich von dir erwartete, im Gegenteil, du hast mich noch verwirrter gemacht“. – „Mit diesen Worten offenbarst du mir aufs neue den Wert deiner Götter. Darum ist es auch nicht mehr nötig, noch länger davon zu sprechen. Ich vertraue meinem Gott, es wird sich alles so fügen, dass du und alle in Edessa sich zu meinem Gott bekennen“.

 

 

Lohn der Glaubenstreue

An einem frühen Morgen, wo, wie immer, Abgarus seine Morgenandacht verrichtete, hörte er auf einmal die Worte: „Abgarus, Ich habe deinen Glauben geprüft, deine Treue und deine Geduld macht Meinem Herzen große Freude. Darum will ich auch Mein dir gegebenes Wort einlösen. Meine Gnade hast du erlebt, nun soll sich Meine Herrlichkeit an dir und deinem ganzen Hause offenbaren, damit der Feind alles Lebens nicht mehr den geringsten Boden finde. In drei Tagen wird Mein Bote Mein lebendiges Wort zu euch bringen“.

 

Abgarus schaut rechts und links, niemand ist zu sehen. „Herr ich hörte Deine Worte, sah Dich aber nicht, ich glaube Deinen Worten“, spricht er, stieg vom Dache und sagte zu Brachus: „Höre, des Herrn Wort kündete mir, dass in 3 Tagen der erwartete Bote kommt, sorge, dass er nicht aufgehalten wird auf dem Wege zu mir“. Spricht Brachus: „Herr, auch ich weiß, dass ein Jünger kommt. Ich habe deswegen große Freude. Soll ich den Torhüter benachrichtigen?“ – „Nein, Brachus, alles bleibe, wie es ist, der Herr weiß ja um alles“.

 

Endlich war der erwartete Tag gekommen. Abgarus änderte nichts in seiner Ordnung. Als aber die Sonne am höchsten stand, und sich noch kein Jünger sehen ließ, wurde er doch unruhig. Darum sandte er Brachus in die Stadt, um Erkundigung einzuziehen.

 

Unweit des Stadttores war ein kleines Haus, welches einer Witwe gehörte. Im Garten spielten zwei Kinder, da nahte sich ein Fremder. Einige Hunde, die frei herumliefen, verbellten die Kinder, die in ihrer Angst zu dem Fremden liefen, und machten viel Geschrei. Die Hunde aber zogen vor dem Fremden den Schwanz ein und winselten. Dies sah die Mutter der Kinder. Als sie aus dem Hause zu ihren Kindern eilte, waren die Kinder in der Obhut des Fremden. Sie dankte ihm mit vielen Worten.

 

Dieser aber sagte: „Der Friede sei mit dir. Was ich tat ist nicht des Dankes wert. Doch so du mir etwas tun willst, reiche mir einen Trunk frischen Wassers, denn es ist sehr heiß heute“. – „Dann tritt ein in mein Haus, doch zuvor lasse es zu, dass ich dir die Füße reinige“. Sie nahm ihre Kinder, ging dem Gast voran. Mitten unter der Tür reinigte sie ihm die Füße und sagte: „Sei willkommen, wer du auch seiest, ich vertraue dir. Betrachte dieses Haus als das deine, denn noch kein Mensch wünschte mir den Frieden, um den ich so ringe“.

 

Sie brachte eilends einen Krug frischen Wassers, ein Stück Brot, und sprach: „Stärke dich, du meines Hauses Gast. Ein mehreres kann ich im Augenblick nicht bieten, für die Nacht werde ich etwas besorgen“. – „Ich danke dir, Helena. Weil du mir dein Heim als eigen angeboten und mir volles Vertrauen entgegenbringst, sollst du herrlich belohnt werden, doch nicht mit Schätzen dieser Erde, sondern mit solchen, die dir den wahren Frieden bringen. Ich bin ein Bote des Friedens und ein Künder der ewigen Heilswahrheit“.

 

Andächtig hörte die Frau diese Worte. Dann segnete der Gast Wasser und Brot und stillte seinen Durst, dann nahm er noch etwas Brot. Da sagte die Frau: „Wie wusstest du meinen Namen, du bist ja kaum in die Stadt gekommen?“ – „Helena, wer mit dem wahren und ewigen Gott verbunden ist, weiß um manches, was andere nicht wissen. Ich weiß auch, dass dein Mann vor sechs Monaten an einer tückischen Krankheit verstorben ist. Du sollst aber nicht mehr traurig sein, denn der Gott des Friedens ist auch ein Gott des Lebens. Du wirst ihn noch näher kennen lernen, und alle Traurigkeit soll in Freude umgewandelt werden. Ich bringe euch allen die Botschaft des Lebens, des Lichtes und der ewigen Wahrheit, die uns durch Jesus, den Heiland offenbart wurde“.

Brachus, auf dem Wege zum Stadttor, sieht Jakobus im Hause der Helena sitzen, schnell tritt er ein. Er bleibt betroffen stehen, denn Helena saß auf dem Fußschemel, ihre beiden Kinder lehnten an ihr und lauschten andächtig den Worten des Langersehnten.

 

Jakobus drehte sich um und sprach: „Brachus, der Friede des Herrn sei mit dir“. – „Bruder Jakobus, endlich bist du gekommen, dem Herrn Jesus allen Dank, alles Lob und alle Ehre, Abgarus erwartet dich, wirst du mitkommen?“ – „Ja, ich komme mit. Da mir aber Helena ihr Heim angeboten hat, werde ich für die Dauer meines Hierseins hier wohnen. Helena, es werden viele in dein Haus kommen, bist du bereit, dieses Opfer auf dich zu nehmen? Viele Kranke werden kommen, und du wirst viel Geduld haben müssen, da ich viel abwesend sein werde“. – „Herr, alles will ich tun und ganz deine Magd sein“. – „So nicht, Helena, ich bin kein Herr, sondern ein Bote des Herrn. Nenne mich Bruder Jakobus, wie Brachus es tat. Bemühe dich nicht um mein Leibeswohl, ich benötige nur die kleine Kammer für meine Leibesruhe, alles andere wird dir gebracht werden, und du sei mir ganz Schwester“. Noch ein paar Segensworte, dann ging Jakobus mit Brachus nach dem Besitztum des Königs Abgarus.

 

„Der Friede des Herrn sei mit dir“, so begrüßte Jakobus den Fürsten, der allein im Vorgarten den Jünger in einem Lehnstuhl erwartete. Dieser aber konnte kein Wort hervorbringen. Er drückte beide Hände des Jüngers an seine Brust und wollte sich erheben, da sagte Jakobus: „Der Herr will, dass du gesund seiest, erhebe dich, fortan soll dich keine Krankheit mehr behindern“.

 

Da stand der König auf und sagte: „Gelobet und gepriesen seiest Du, Herr Jesus. Du hast Dein Wort wahr gemacht, hast mich kranken, elenden Menschen frei von meinem Leibesübel gemacht. O Du Herr alles Lebens, Du Licht alles Lichtes, Du Sieger über alles Leid, wie soll ich Dir wohl danken?“ – „Indem du vorderhand schweigst und nur dein Herz reden lässt. Der Herr sieht dein Herz und kennt alle deine Gedanken. Die Zeit ist gekommen, wo Er Seinen Geist allen schenken will, die eines guten und reinen Herzens sind“.

 

„Wie soll ich dich nennen, du herrlicher Bote meines Gottes und Herrn?“ – „Nenne mich Bruder Jakobus, eines anderen bedarf es nicht. Dass ich unserem Herrn Jesus dienen darf, ist Seine übergroße Gnade, dass ich lieben darf, ist Sein herrliches Leben. In diesem Leben folge ich dem Ruf des Herrn und wünsche, dass alle in deinem Lande, mit denen ich in Berührung komme, dieses Leben erkennen und erfassen möchten“.

 

„Auch dieses ist mein Wunsch. Doch, Bruder Jakobus, in meinem Hause ist viel Platz, wähle dir das beste Gemach. Ich will dich halten, wie meinen Sohn, du sollst dich ganz wie zu Hause fühlen“. – „Abgarus, mein Bruder im Herrn, ich habe schon gewählt, bei der Witwe Helena habe ich ein Daheim gefunden. Es werden viele aus der Stadt und Umgebung kommen, teils aus Not, teils aus Neugierde. In diesem kleinen Häuschen werden die vielen Leute viel freier und froher sein, als in deinem königlichen Hause. Denn bedenke, Abgarus, ich bin zu allen gesandt, das Heil soll keinem vorenthalten werden“.

 

„Heute gebietet der Herr kein Schweigen mehr, sondern zu zeugen aus Seinem Geist und von Seiner Wahrheit, die alle frei machen wird. Mein Brachus, gehe voraus, um die Freude vorzubereiten, denn das große Heil ist zu uns gekommen“. – „O gerne, mein König, dann aber soll Hethmann der erste sein, der die Beweise des lebendigen Gottes erfährt“. – „Ja, tue dieses, Hethmann wird Augen machen, wenn ich als Gesunder umhergehe“. Jakobus verneigte sich ganz leicht vor der königlichen Familie, dann sagte Abgarus: „Diana, ich kann allein gehen, der lebendige Heiland hat mir geholfen. Nun ist alle Trauer vorüber, das Heil ist bei uns eingekehrt“.

Jakobus hatte den Ehrenplatz einnehmen müssen. Die Weigerung hatte zur Folge, dass Abgarus sagte: „Bruder Jakobus, nicht dir gilt der Ehrenplatz, sondern Dem, Den du uns im Geiste bringst. Wenn wir jetzt ein Ehrenmahl halten, gilt es nicht dir, sondern Jesus, dem Lebendigen und Ewigen! Dem Sieger über allen Tod“. Jakobus: „Ich verstehe dich, Abgarus, deine Liebe zu dem wahren Christus ist ein heller Feuerbrand geworden. Ich darf dir versichern, die Freude des Herrn ist groß. Schaust du aber mit Augen der Liebe und Erbarmung um dich, so wirst du manchmal traurig werden, denn unwissend sind die Menschen. Aberglaube und Dummheit beherrschen noch ihre Gedanken, vom wahren und ewigen Leben wissen sie nichts und wollen auch nichts erfahren. Sein urewiger Geist aber, der durch das große Opfer des Lebensmeisters entbunden wurde, soll allen, allen zum Eigentum werden, damit der Mensch sich wiederfinde auf dem Wege und auf dem Boden der rechten Gottesordnung“.

 

Hethmann wird von Brachus geholt. Abgarus geht ihm mit schnellen Schritten entgegen und spricht: „Hethmann, was willst du nun tun? Denn siehe, ich bin nun gesund und alle Schmerzen haben mich verlassen“. – „Herr, deinen Gott will ich zu dem meinen machen, versage mir deine Hilfe nicht“. – „Hethmann, wende dich an Jakobus, den Boten des ewigen und lebendigen Gottes, er ist Sein Zeuge und Sein Vertreter“.

 

Die Begrüßung war formell, aber Jakobus sagte: „Mein Bruder, die Liebe ist ein sanftes Weben, da sie aus dem Herzen der ewigen Liebe kommt. Sie wird auch tief in eure Herzen dringen, wenn sie dafür geöffnet sind. Nicht Gesetzesbande sollen vereinen Gott und Mensch, sondern nur Sein heiliges Leben. Dieses Leben will sich aber allen offenbaren durch den Geist aus Gott, der den Menschen wieder zu einem wahren Menschen macht.

 

Auch wir mussten viel ringen um den rechten Geist, da uns alle viel Falsches und Irrtümliches gebunden hielt, obwohl wir Kenntnis besaßen von Jehova, dem lebendigen Gott, aber durch Jesum wurde uns alles klar. Wir erlebten Seine Führungen, Sein Wachsen und Werden zum Gottessohn, bis zu Seinem Tod auf Golgatha am Kreuze. Wenn alles, was Er lehrte und tat, rein ans Wundertätige grenzte, so war aber Seine Auferstehung vom Tode zum Leben das allergrößte Wunder. Was die Erde noch nie gesehen und erlebt, war Wirklichkeit geworden. Der auf die grausamste Art aus dem Erdenleben Gegangene, ist mit einem unzerstörbaren Leib zur Erde zurückgekehrt, um Seinen Zeugen, und durch diese allen Menschen, den Beweis zu geben: Er lebt.

 

Du, mein getreuer Abgarus, gabst dir viel Mühe, dieses Sein Leiden und Sterben zu verhindern. Er wusste darum und konnte und durfte dieses Opfer nicht annehmen, denn das Gericht und der Tod brauchten einen Erlöser. Wir alle waren entsetzt, verzweifelt und geschlagen. Als Er aber Selbst uns wieder aufrichtete, wurde Seine Liebe unsere Liebe und Sein Leben unser Leben. Aus diesem Leben wirke ich, zu bezeugen Seine Lehre und zu verherrlichen Seinen Geist. Sieben Wochen der größten Gnade erlebten wir noch mit Ihm, dann kehrte Er in Seine Urheimat zurück, um von da aus alle zu überschütten mit Seinem heiligen Geist , die an Ihn glauben und nach Seinen Worten tun“.

 

Fragt Hethmann: „Welches sind Seine hauptsächlichen Worte?“ Jakobus antwortet: „Liebe Gott über alles, deinen Nächsten aber wie dich selbst, denn Gott ist die Liebe und das Leben. Wer diese Liebe zu seinem Leben macht, in dem ist Gott das Wirkende geworden“. Fragt Hethmann: „Was ist zu Seiner Anbetung nötig, um meinen Glauben zu bekunden?“ Jakobus: „Wir haben das Wort des Herrn, dass weder im Tempel, noch woanders, als nur im innersten Herzen die innigste Verbindung stattfinden kann. Wer in seinem Inneren den wahren Grund des Lebens gefunden hat, wird überall, wohin das Auge schaut, Werke der Allmacht und der Weisheit Gottes erblicken, und alle Menschen wie seine rechten Brüder betrachten und im rechten Geiste des wahren ewigen Lebens ihnen dienen. Wer aber innerlich der alte Mensch verbleibt, nur nach seinem alten Menschlichen lebt, für den ist alles, was er schaut `Natur`. Und die Menschen sind und bleiben Produkte der Natur, mit denen man verfahren kann, wie man will. Darum ist die größte Anbetung Gottes die, wenn man arme, kranke Menschen glücklich und gesund macht“.

 

„Glücklich und gesund machen, wer das könnte, wenn dies möglich ist, dann soll es an Eifer nicht fehlen“, erwiderte Hethmann. „Eins habe ich herausgefunden durch die wenigen, aber desto inhaltsreicheren Worte, dass der Glaube an den unbekannten Gott etwas Großes sein muss. Alle Menschen glücklich machen, muss ja zum größten Glück werden. Abgarus, mein König und Herr, dein Land wird das glücklichste werden, denn der lebendige Gott ist ja das Mittel!“ „Hethmann“, erwiderte Abgarus, „was ist größer, die Beweise von Gottes Macht und Herrlichkeit, oder die Lebenslehre?“ – „Herr, die Lehre, denn dadurch können alle Menschen glücklich werden, während durch den Beweis nur einzelne vom Glück erfasst werden“.

 

Diener hatten Speisen und Wein gebracht, darum sagte Abgarus: „Bruder, der du der Abgesandte des ewigen Herrn und Gottes bist, segne dieses Mahl, damit es ganz dem Herrn zur Ehre gereiche“. Jakobus betete: „O Herr, der Du im Geiste und in Deiner herrlichen Liebe unter uns bist, segne Du als Geber diese Speise und habe Dank, damit es uns zur Labe gereiche. Du aber sei gelobt und bedankt für Zeit und Ewigkeit. Amen“.

 

Beim Mahle fragte Abgarus, wie die Reise verlaufen sei, ob ihm Not und Schwierigkeiten die Reise erschwert hätten. Jakobus: „Bruder Abgarus, mein Weg nach hier war eine Kette von Beweisen Seiner ewigen Liebe. Jeden Abend durfte ich die Gnade und die Liebe Jesu Christi bezeugen, so manchem Kranken wurde das Heil, gesund zu werden. Das Geschehen um die Kreuzigung und um die Auferstehung des Herrn ist ja in aller Menschen Mund, nur die rechte Wahrheit mangelt allen noch“. – „Wie stellen sich denn die Priester zu Seiner Lehre und Botschaft?“ forschte Abgarus weiter. Jakobus: „Ja, Bruder, würden wir nur die Lehre bringen, wäre es um das Werk des Herrn geschehen. Da uns aber der Geist treibt, Werke der Barmherzigkeit nur aus Ihm zu tun in großer Kraft und Herrlichkeit, müssen sie verstummen.

 

Erst heute, in einem größeren Orte, war ein Junge von einer Otter gebissen. Von weitem sah ich aufgeregte Menschen und einen Judenpriester. Als ich näher kam, beschwörte gerade die Mutter den Priester, ihrem Sohn zu helfen. Da hörte ich die Worte aus des Priesters Mund: `Er ist mit dem Tode gezeichnet, alle Hilfe ist vergeblich, nur Gott allein vermag zu helfen`. Schreit das Weib mit weinender Stimme: `Du bist doch Sein Gesalbter und Sein Stellvertreter, bitte Ihn, doch zu helfen`. Der Priester wollte weggehen, da trat ich hin und sagte: `Mutter dieses Knaben, weine nicht. So du an die Kraft Gottes glaubst, sollst du Seine ganze Herrlichkeit erschauen`.

 

Das Weib stürzt mir zu Füßen und spricht unter Weinen: `Deine Worte, o Fremdling, klingen wie Verheißung, wie Gottesworte. Ja, ich glaube an Deine Kraft, Du großer Gott und Herr Zebaoth`. Da nahm ich das Weib bei der Hand, zog sie empor, berührte den Knaben mit meinen Händen und sagte: `Herr Jesus, Du Lebendiger, Du Leben alles Lebens, erweise Dich auch hier als der Herr über Leben und Tod und gib dieser Mutter ihren Sohn gesund wieder. Dir, Ahab, sage ich: stehe auf und wandle durch die Kraft und Gnade Jesu Christi`. Da stand der Knabe auf, er war gesund. Der Priester aber sagte: `Was tatest du, oder bist du einer von der Sekte der Nazarener?` - `Ich tat, was mich die Liebe gebot`, sagte ich, `es wäre gut, so auch du dich mehr nach der Liebe Gottes, als nach dem Gesetze Mosis richten würdest. Alle Welt ist voll von der Gnade und den Wundern des lebendigen Gottes`. Da ließ mich der Priester bei der Menge stehen und ging schweigend davon, ich aber durfte reiche Ernte halten, alle nahmen die Lehre an“.

Als das Mahl beendet war, bat Hethmann seinen Freund, den Oberpriester holen zu dürfen, doch Jakobus sagte: „Bruder, bemühe dich nicht, morgen ist noch ein Tag. Kranke und Arme habt ihr genug, der Tag geht zur Neige. Du hast in dir noch vieles zu ordnen. So der Herr in dir Wohnung nehmen soll, möchte alles bereinigt sein“. – „Ist dies eure Art, alle Menschen Brüder zu nennen,“ entgegnete Hethmann, „oder bin ich dir wahrhaft Bruder geworden? Ich kenne dich so gut wie nicht, nur deinen Worten muss ich glauben, ich kann nicht anders“.

 

Jakobus: „Bruder, der Geist Christi, der mich belebt, sieht alle Menschen als Bruder oder Schwester, die Liebe aber, als Sein Leben in mir, schlägt zu allen, allen Brücken. So eine ich mein Leben mit dem euren, und will euch geben aus der Fülle des Geistes, damit euer Geist belebet werde und euch wachend macht. Es ist dem Herrn nicht gedient, so ihr aus den Beweisen glaubet, sondern so ihr selbst suchet das Licht, die Wahrheit und das Leben! In Jesus wurde es aller Welt offenbar und aller Welt gebracht. Er es annimmt, wird leben, wer es aber nicht achtet, wird im Tode verbleiben“. Hethmann: „Das verstehe ich nicht, lebten wir doch bisher ohne diesen Jesusglauben“.

 

Jakobus: „Dein Leben ist kein Leben, nur ein notwendiges Gericht, denn dein Fleisch und Blut hat kein Leben, es ist die Hülle deiner Seele. Eine Seele aber, ohne den lebendigen Gottesgeist, ist tot und kann nur durch den beigegebenen Gottesgeist zu höherem Leben erzogen werden. In den folgenden Tagen wird sich noch Gelegenheit genug ergeben, den Unterschied zwischen Leben und Tod kennen zu lernen. Alles, was wir mit unseren Augen schauen, ist dem Vergehen geweiht. Durch den Geist alles Lebens aus Gott wird alles Vergehen auf eine höhere Stufe gestellt. Wäre Gott Selbst nicht Mensch geworden, hätte Er Selbst durch Sein Sterben dem Tod die Macht nicht genommen, würden wenige zum wahren eben gelangen.

 

Du wolltest Abgarus, als er bekundete, dass er mit seinem Sohne gesprochen hat, nicht glauben, du zweifeltest an der Botschaft, die für alle Himmel größte Seligkeit war. Es wird dir deswegen nicht zur Sünde gerechnet werden, aber du hast dir dadurch einen Riegel vor deine Herzenstüre geschoben. Leben kann nur mit Lebendigem geeint werden. Jesus, der Lebendige, kann nur, wo das Tor des Lebens geöffnet ist, aufgenommen werden. Der Herr alles Lebens reicht durch uns einem Jeden die Hand, damit alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit und des Lebens kommen.

 

Es war viel, was wir, als Seine Jünger, erlebten. Was aber nun, wo der Herr nur noch in Seinem Geiste bei und in uns ist, erlebt wird, geht in das Wunderbarste über. Wir bringen nicht nur die Lehre, sondern auch das Leben. Leben aber kann nur aus Dem kommen, der das Leben Selbst ist. Dieses Leben kann nur aufgenommen werden durch den Geist der Liebe, wovon in einer jeden Menschenseele ein Fünkchen lebt. Jesus und Sein Leben aufnehmen heißt, den Liebes- und Lebensfunken in uns beleben durch die tätige Bruder- und Nächstenliebe“.

 

Hethmann: „Da sieht es noch mager aus, denn die Menschen lieben, will gelernt sein. Es ist noch zu viel, an dem man sich stößt, aber ich glaube, es könnte erreicht werden. Da muss ich dich, mein König und Herr, um Verzeihung bitten, denn in deiner vorbildlichen Liebe bin ich an dir irre geworden“. Abgarus: „Hethmann, sorge dich um dein Heil. Lerne den Heiland und den Herrn Jesus kennen und lieben, dann wird dich Sein Geist in alle Wahrheit führen. Nun bin ich ganz gesund, im ganzen Lande soll keinem das Heil vorenthalten werden. Wer den neuen Glauben annehmen will, soll es tun, wer nicht will, den wollen wir auch nicht mit scheelen Augen ansehen.

 

Vor Jahren hätte ich es als die größte Gnade angesehen, so der Herr und Heiland Jesus in unsere Stadt gekommen wäre, heute aber beherbergen wir Ihn bleibend in uns. Dieses ist tausendmal mehr, da wir von nun an nur aus Seiner Gnade und Liebe leben. O, Du mein Jesus, Du Licht und Lebenssonne, Du Urquell aller Freude und Seligkeit, nimm hin mein Herz, es schlägt nur noch für Dich und Deine Liebe. Dein Leben ist wie ein Strom, der uns belebt von Deiner Liebe, uns stärkt mit Deiner Kraft, lasse uns ganz zu Liebe werden“. Jakobus: „Siehst du, Bruder Hethmann, der König hat das Leben ergriffen, der Tod kann keine Ernte mehr in ihm halten. Alles, was der Erde gehört, ist schon geheiligt, es wird dereinst offenbar werden

 

Für heute möchte es genug sein, morgen werde ich deinen Freund Zeno besuchen. Der Wille des Vaters ist in mir wie ein Licht und Wegweiser, diesen Willen zu erfüllen, ist meine größte Freude. Du, Bruder Abgarus, freue dich der Gnade, Außerordentliches hält die ewige Liebe für dich und die Deinen in Bereitschaft. Rufe mich nicht, ich bin da, wenn die ewige Liebe es wünscht, gib mir auch keinen Boten mit. Der Herr ist mein Führer, Er gibt mir sicheres Geleit. Aber versichern soll ich euch nochmals aus dem Geiste Christi: Er ist bei euch, mit euch, und möchte ganz in euch sein. Sein heiliger Friede bleibe euch“.

Erwachendes Leben

Helena schaute nach ihrem Gast aus. Trotz ihrer Armut war der Tisch mit Brot, Milch und gekochten Früchten gedeckt. Immer und immer schaute sie die Straße entlang, endlich, wo es dunkelte, sieht sie ihn kommen. Vor dem Häuschen geht sie ihm entgegen und spricht: „Mir war bange, dass du den Weg verfehlst, da ich etwas einsam wohne. Komm, das Nachtmahl ist bereit, deine Lagerstatt wartet auf dich“. – „Helena, du sollst dich nicht sorgen, denn der Herr, Dem ich diene, sorget überreichlich. Nur ein Wort an den König hätte genügt, und du wärst aller Not enthoben. Aber ich hoffe, dass deine Errettung ganz der Herr Jesus Christus sein wird, dessen Herrlichkeit du bald erleben wirst. Um deiner Liebe und Bereitwilligkeit willen, will ich gerne mit dir und deinen Kindern das Nachtmahl einnehmen“.

 

Helena bat ihren Gast, die Lagerstätte aufzusuchen, er müsse doch müde sein nach dem vielen Wandern in der heißen Sonne. „Vor deiner Türe errichtete ich mein Lager, damit deinen Schlaf niemand störe“. – „Helena, tue dieses nicht, schlafe bei deinen Kindern. Dieses Haus ist von heute an in besonderem Schutz, Engel halten Wache, damit der Feind allen Lebens keinerlei Schaden anrichte. Der Herr Jesus ist unser Schirmherr und unsere Burg, in Ihm ist gut ruhen. Sein Wille ist aber auch Macht, der sich alles beugen muss“.

 

Ganz in der Frühe besorgte Helena das Frühmahl. Als sie aber in ihren Schrank schaute, um das Brot herauszunehmen, war sie erstaunt, noch ein frisches Brot vorzufinden. Sie wäre sofort zu Jakobus geeilt, um diesen Befund zu berichten, aber da kamen ihr die Worte in den Sinn, dass sie die Herrlichkeiten Jesu Christi erleben solle. Ja, wer war denn Jesus Christus, sie war Heidin, von einem Gott der Juden hatte sie gehört. Aber noch größer war das Staunen, sie hatte Mehl, Öl, Feigen und Datteln, wovon gestern in ihrem Schrank nicht das Geringste vorhanden war. Sie besah alles.

 

Da stand Jakobus vor ihr und sagte: „Helena, warum bist du voll Staunen, sagte ich nicht, du sollst die Herrlichkeiten Gottes schauen? Gott, der Ewige, will nicht dein Schuldner sein. Du gabst dein Letztes, darum segnete Er dein Tun mit großer Freude“. Spricht das Weib: „Jakobus, es ist alles wie ein Traum, aber wir erfuhren bisher noch nichts von Gott. Wenn alle Menschen diese Herrlichkeiten erleben würden und schon erlebt hätten, ich glaube, alle würden deinem Gott dienen“.

 

„Helena, nicht nur diese, sondern noch ganz andere Herrlichkeiten erlebten die Menschen, doch sie haben Gott vergessen, denn wer Gott liebt, kann die Welt nicht lieben. In dieser Welt hat der Fürst der Lüge und des Todes sein Regiment aufgeschlagen. Er hat es verstanden, allen einen Schleier umzuhängen. Alles ist Täuschung, Schein und blinder Glanz, es ist dem Verderben preisgegeben. So musste Gott, der Ewige, der auch die Erhaltung ist, für die Rettung und Erhaltung Sorge tragen. Er tat es, indem Er Seinen eingeborenen Sohn in diese Welt sandte und verkünden ließ die Wahrheit über alles Gericht und die neuen Wege, die zur Errettung und Erlösung führen. Du wirst noch Zeuge von Vielem sein, darum nehmen wir das Frühmahl und forschen nach dem Willen des Herrn“.

 

Die Kinder waren schon am Tische, da segnete Jakobus die Speise und den Trank und sprach: „O Du mein Jesus, mein Herr und Gott, Du Spender aller Himmelsgaben, habe Dank, dass wir Deine Gaben genießen dürfen, habe Dank, dass wir in Deinem Geiste dienen dürfen. Sende uns nach Deinem Willen dort hin, wo Du uns brauchst. Dein Geist sei unser Führer, Deine Liebe unser Leben, Deine Kraft unsere Kraft. So geschehe heute und allezeit Dein heiliger Wille. Amen“.

 

Beim Weggehen sagte Jakobus: „Helena, bald werden welche kommen und nach mir fragen. Bescheide sie auf morgen, auch ihre Kranken sollen sie mitbringen. Den Armen gibst du Labung und Stärkung im Namen Dessen, Der da heilig und lebendig ist. Damit gibst du den Dank zurück, der in deinem Herzen brennt. Gelobt sei Jesus Christus“.

 

Zeno war von Hethmann unterrichtet worden, darum wartete er mit Ungeduld auf das Kommen des Jüngers. Ihm war unbehaglich, denn er fühlte, er kam mit dem unbekannten Gott in Berührung. Es war ihm gar nicht recht, dass sich schon Besucher einstellten, die ein Opfer brachten und im Tempel Erhörung hofften. Noch an keinem Tage waren so viele erschienen, ausgerechnet auch eine Frau mit ihrer gichtkranken Mutter. Schon wollte er sie auf einen anderen Tag bescheiden, da kommt Jakobus und bleibt vor dem Tempel stehen, beschaut die menge Leute, die in stummer Andacht und Ehrfurcht auf den Oberpriester warten. Da die Menge ruhig ist, ist er auch ruhig, aber ängstlich schauen sie ihn an, da er in jüdischer Kleidung ist.

 

Endlich hat ein Diener dem Oberpriester berichtet, dass ein Fremder in jüdischer Kleidung draußen vor dem Tempel mit den anderen warte. Da ließ Zeno den Tempel öffnen, er selbst trat hinaus zu der wartenden Menge. Mit einem Blick aus seinen Augen überflog er alle, da bemerkte er Jakobus. Wie gerne wäre er auf ihn zugegangen, aber die Füße versagten ihm den Dienst.

 

Da ging Jakobus auf ihn zu und sagte: „Zeno, der Friede des Herrn sei mit dir. Erwarte nicht, dass ich deinen Tempel besuche, der toten Göttern dient, außer du beweist mir, dass sie lebendig sind“. - „Sei willkommen, Fremdling, den Frieden deines Herrn kann ich gebrauchen. Hethmann berichtete mir von deinem Kommen und von der Heilung des Königs. Dass unsere Götter keine Wunderwerke mehr verrichten, ist ja der große Jammer, darum kann ich ihr Lebendigsein nicht beweisen. Sehe ich aber die Not und das Verlangen der Menschen, erkenne ich meine Ohnmacht und muss doch dem Verlangen der Menschen nachkommen“. Jakobus: „Zeno, ich glaube, wir werden uns besser verstehen, wenn du zu einem großen Opfer bereit bist. Von Hethmann hast du vernommen dass der König ein Geheilter ist durch die Kraft und Macht des lebendigen Gottes. Diese Wohltat kannst du allen zukommen lassen, wenn du dem Herrn selbst, dessen Diener ich bin, die Wege ebnest“. 

 

„Fremdling, du erwartest viel. Wer gibt mir die Gewähr, dass allen ihr Verlangen gestillt wird?“ – „Dein eigener Glaube, Zeno, dir ist der Gott der Juden nicht fremd, von den Wundertaten Seines Sohnes hast du übergenug gehört. Du aber glaubtest dem Neuen und Gewaltigen nicht, dein Herz blieb voller Zweifel. In mir kommt dir der ewige Gott entgegen und bietet dir Befreiung von altem toten Götzentum an und reicht dir das Leben, welches der Grund alles Seins und Bestehens ist. Überlege nicht lange, denn die Besucher schauen recht unbehaglich auf uns beide“.

 

Da sagte Zeno, allen hörbar: „Ihr lieben Leute, euer Verlangen und eure Not lese ich von euren Augen, aber in dieser Stunde komme ich als ein anderer zu euch. Seit gestern haben sich unerhörte Dinge in unserer Stadt ereignet. Der König, unser gerechter Herr, ist kein Gelähmter mehr, sondern ganz gesund geworden durch die Kraft und Herrlichkeit des uns unbekannten Gottes. Dieser Gott sucht uns Menschen und will allen helfen, verlangt aber ein allergrößtes Opfer. Kein Opfer an Gold, Vieh oder anderem Gut, sondern dass wir uns von unseren Göttern abkehren, Ihn als den alleinigen Gott anerkennen, Ihm dienen und Ihm ganz zu eigen sind. Tut mir euren Willen kund, ich will euer Diener sein“.

 

Da trat Irene, die Tochter der gichtkranken Mutter Ilona vor und sagte: „Oberpriester, schon oft haben wir geopfert und heiliges Verlangen nach Hilfe erbeten, es war immer nutzlos. Die Schmerzen meiner alten Mutter, die auch meine Schmerzen sind, drängen mich immer wieder zu den Göttern um Hilfe. Wenn der unbekannte Gott es vermag, meine Mutter gesund zu machen, warum sollen wir dann den toten Göttern länger dienen? Oder hast du Angst, dass sie sich rächen an uns und an dem unbekannten Gott?“ Zeno: „Irene und du, kranke Ilona, und ihr alle, die ihr gekommen seid, ich kann und vermag euch keine Antwort zu geben. Aber dieser Fremdling, der ein Bote des unbekannten Gottes ist, wird sie euch geben. Ich selbst will der aufmerksamste Zuhörer sein und die Botschaft prüfen“.

 

Jakobus hebt grüßend und segnend die Hand und spricht: „Ihr Männer und Frauen, der Frieden und alles Heil aus Gott, dem Ewigen und Lebendigen, sei euer Heil. Es hat in den letzten Jahren genug Gelegenheit gegeben, über die Wahrheit des Lebendigen, für euch unbekannten Gottes, zu forschen. Diesem Gott hat es gefallen, Seinen Sohn zu uns zu senden, um Zeugnis allen Menschen zu bringen von dem wahren und lebendigen Gott, und Seinen Willen den Menschen aufs neue zu offenbaren.

 

Die Priester des lebendigen Gottes, die den Willen ihres Gottes kannten, verflachten und tragen viele Schuld, dass sich die Menschen von dem lebendigen Gott trennten. So musste der Sohn Gottes große Dinge vollbringen, um Seine Sendung und die Göttlichkeit und das Dasein Seines Vaters, des lebendigen Gottes, unter Beweis zu stellen. Er tat es drei Jahre, zog von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort, verkündete das neue Heil aus Gott und bekräftigte Seine Botschaft, die nur eine Botschaft der Liebe ist, durch die größten Wunder. Tote wurden lebendig, Kranke gesund, Blinde sehend und Taube hörend.

 

Man müsste glauben, dass der Priesterstand Ihn mit offenen Armen aufgenommen hätte. O nein, das Gegenteil geschah, man verfolgte Ihn, ja sogar ans Kreuz heftete man Ihn, sie glaubten, mit Seinem Tod wäre alles aus. Das Gegenteil geschah, nach drei Tagen erstand Er von den Toten und hat dem Tod die Macht genommen. Alle, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun, werden Sein Leben überkommen und keinen Tod mehr sehen, fühlen und schmecken. Sein heiliges Leben ist Liebe, Friede und Kraft, und alle, die in Seinem Geiste der Liebe, des Friedens und der Kraft tätig sind, werden den Segen des lebendigen Gottes erleben“.

 

Hier geht Irene zu Jakobus und spricht: „Wenn du wahrhaft ein Bote Gottes bist, und ich glaube es, denn aus deinem Munde vernahm ich Worte, die einen Brand von Sehnsucht in mir entfachen , auch zu erleben diese heilige Liebe, den Frieden und die Kraft. Siehe, die Glieder meiner Mutter sind krumm, vor Schmerzen flieht der Schlaf, kein Priester oder Gott hat bisher geholfen. Gelingt es dir, meiner Mutter nur den Schmerz zu nehmen, dann will ich deinem Gott die treueste Magd und Dienerin sein und mich ganz abwenden von unseren Göttern“.

 

Jakobus: „Irene und auch du, Ilona, der Heiland Jesu sagte ein schönes Wort, es lautet: `Alles, was ihr Meinen Vater in Meinem Namen bittet, will Ich euch tun`. Darum liegt es nicht an mir, sondern an euch selbst. Wenn ihr glauben könntet, dass Er euch helfen kann, so bittet ernstlich, und ihr werdet Seine ganze Herrlichkeit erschauen“. Spricht Irene: „Mutter, wie leicht macht es uns der lebendige Gott, nur bitten sollen wir. O Du lebendiger Gott, der Du in diesem Deinem Boten zu uns gekommen bist , wir bitten Dich um ein klein wenig Liebe, Frieden und Kraft, und dass Mutter frei von ihren Schmerzen sei“.

 

Jakobus legte seine Hände Ilona auf das Haupt und spricht: „Ilona, im Namen des Herrn und Heilandes Jesu sage ich dir, sei vollkommen gesund und gib nur Ihm allein die Ehre“. Ilona stand auf, ein Ruck war durch ihren Leib gegangen, ihre Glieder waren gerade, ihr Aussehen ein gesundes. Da wollte sie vor Jakobus hinknien, dieser aber sprach: „Nicht ich, sondern der ewige Gott berührte dich. Danke Ihm mit dem Herzen, Mund und Händen, dann wird dein ferneres Leben ein von Ihm getragenes sein“. Irene weinte vor Freuden, sie hätte geschrieen vor Glück, aber Jakobus sagte: „Der Frieden des lebendigen Gottes erfülle dein Herz mit Freude und Dank. Du sollst dich nicht als Schuldner des ewigen Gottes betrachten, sondern als ein freies Kind, was sich Ihm ganz schenken will“.

 

 Zeno war sprachlos. Alles drängte zu Ilona, die ja bekannt war. Er sah ihre glatten Glieder und ihre Freudentränen machten ihn ganz stumm. Endlich raffte er sich auf und sagte zu Jakobus: „Fremdling, warum kommt Gott, der Lebendige, erst heute zu uns, warum das viele Leid und die große Not, wie leicht wäre es deinem Gott gewesen, uns zu helfen“. Jakobus: „Du redest, wie du es verstehst und möchtest die eigene Schuld damit zudecken. Gott war zu allen Zeiten den Menschen nahe, aber die Menschen trennten sich von Ihm, von Seinem Geiste und schufen Gesetze, sogar tote Götzen. Der Gott des Lebens aber will nur durch das Leben erfasst und erkannt sein und überließ den Menschen sich selbst. Darum mag alles sich dem Leben zuwenden, es liegt in jedem tief verborgen. Weckt es durch die heilige Liebe, und in euer Sein kann der ewige und lebendige Gott wieder treten“.

 

Ein alter Mann, gebeugt von der Last der Jahre, tritt herzu und spricht: „O, du Mann Gottes, ich flehe um meinen Sohn, der todkrank in meinem Hause liegt. Darf ich auch mit der Bitte um Hilfe kommen? An mir liegt nichts, denn das Leben liegt hinter mir, aber bei dem Jungen liegt das Leben noch vor ihm“. Jakobus: „Ja, du darfst bitten, du alter, treuer Vater deines Sohnes. Gehe heim in Frieden und komme morgen mit deinem Sohn und seinem Weibe zu Helena, unweit des Stadttores, dein Sohn wird leben“. – „Ich glaube dir, du Mann Gottes. Du, Tempel, hast mich heute das letzte Mal gesehen. Gelobet sei dein Gott und gepriesen Sein Name“.

 

Nun drängten alle an Jakobus, aber er sagte: „Meine Freunde, gehet alle friedlich nach euren Hütten, der Herr und ewige Gott ist euch gnädig und wohlgesinnt. Wendet euch ab von euren Göttern, bereinigt euer Haus und euer Herz, damit die Wahrheit über den lebendigen Gott und Sein Leben von euch ergriffen werden kann. Er wird euch geben nach euren Wünschen. Alle, die ihr krank seid, gehet gesund von dieser Stätte im Namen des Herrn und Sein Wille werde euer Leben“. Alle waren gesund, aber keiner wollte gehen. Da sagte Zeno: „Folget den Worten dieses Boten, er bleibt länger in Edessa. Vergesst ja das Danken nicht“.

 

Trotzdem drängten die Gesundgewordenen hin zu Jakobus und wollten ihm die Füße, den Saum des Kleides küssen, aber er sagte: „Freunde und Brüder, gehet heim nach euren Hütten. Zeno wird euer Priester bleiben und euch dienen. Ihr aber müsst euch ganz frei von euren Göttern machen, eher könnt ihr nicht in die Gemeinschaft Gottes treten. Das Leben ist zu euch gekommen, um in euch frei und froh zu machen, was gebunden ist. Jesus, der Heiland und Meister über alles Leben, möchte sich euch zu eigen geben, wenn ihr an Ihn glaubt und nach Seinem Willen tut. Er lautet: Liebet euch untereinander, wie Er euch immer geliebt hat, damit alles Fremde und Harte in euch zur wahren Lebensfreude sich gestalte. Jesus lebt, wer Sein Leben sich aneignet, wird auch leben“.

 

Ilona spricht nochmals: „Lieber Gottesbote, der lebendige Gott gab mir meine Gesundheit, meine geraden Glieder wieder. Nun ist ein noch größeres Verlangen in mir lebendig geworden, Ihn recht bald kennen zu lernen und Seinen Willen näher zu erfahren. Wo bist du zu Hause, wann dürfen wir kommen?“ Jakobus: „ Bei der Witwe Helena. Willkommen seid ihr immer, denn der heilige Gott kündet es mir, so ich für euch da sein soll. Heute will ich noch zu König Abgarus, am Sabbat würde ich euch die Weihe geben, wenn ihr euch von den Fesseln des Heidentums frei gemacht habt. Ziehet in Frieden euren Weg, gelobet sei Jesus Christus. Amen“.

 

Durchgerungen zum Licht

Jakobus lud Zeno zum König Abgarus ein. Dieser erwartete ihn schon mit großer Freude, er hatte schon von den Wundern am Tempelhain alles erfahren.

 

„Bruder, sei gegrüßt in der Liebe, die uns zu frohen und zu neuen Menschen macht. Unsere Zunge kann nicht genug rühmen die Gnade und die Erbarmung des Herrn, die allen, allen gereicht wird“. – „Ja, Bruder Abgarus, wer das Leben erfasst hat, sieht, hört, fühlt und erlebt die Gnade des Herrn und ewigen Gottes, aber mit sehen, hören, fühlen und erleben bin ich noch nicht Träger Seines Geistes und Vollstrecker Seines Willens. Es bedarf noch viel Eifer und noch mehr Hingabe, um ganz für Ihn zu leben und für ein Werk zu arbeiten“.

 

Diener luden zum Mittagsmahl. Ohne langes Zaudern wurde es eingenommen, die Unterhaltung drehte sich um Jesus, den Heiland. Man betrachtete das Bild, welches Abgarus im Besitz hatte, denn die Sehnsucht war groß, um Ihn zu schauen.

 

Jakobus fragte Abgarus, ob er getauft sein möchte, als äußeres Zeichen, dass er sich dem Lebensmeister ganz zu eigen gebe. Da antwortete Abgarus: „Nicht nur ich, sondern mein ganzes Haus“. – „Auf dieses dein Versprechen hin“, erwiderte Jakobus, „will der Herr, dass ihr Einblicke erhaltet in die ewige und wahre Welt, die in euch ihren Anfang, aber kein Ende hat. Schließt eure Augen, es geschehe des Herrn heiliger Wille“.

 

Eine ganze Stunde erlebten sie die lebendige Gnade und Liebe. Dann sagte Jakobus: „Erwachet wieder in euren natürlichen Zustand, denn länger zu verweilen, trägt euer eigener Geist noch nicht“. Alle sahen sich erstaunt an, dann sagte Abgarus: „Bruder, war dies ein Traum, oder ein Gang in die Ewigkeit?“ Jakobus: „Keines von beiden, sondern ein Umsehen, ein Verweilen in eurer eigenen inneren Welt. Es liegt ja in einem Jeden das ewige und vollkommene Leben, wie in einem jeden Saatkorn das Leben unsichtbar liegt, lege es in ein Erdreich, und bald wirst du das keimende Leben erschauen. Übergib dich ganz der ewigen Gottesordnung und nicht nur du, sondern alle Menschen werden an dir das neue Leben aus dem lebendigen Gott erschauen, welches in dir seinen Anfang und für ewig kein Ende haben wird“.

 

Abgarus: „Ja, Bruder, jetzt verstehe ich dich aber nicht. Als ich mein Auge schloss, wurde es finster. Dann erschien ein Licht, es wurde immer größer, dann kam das Licht auf mich zu und hüllte mich ganz ein. Ich denke, was ist das für ein Vorgang, da gewahre ich, wie sich eine wunderschöne Gegend auftut. In den Fernen waren Gebirge, dessen Spitzen weit in den Himmel ragten, der ganz blau und hell sich abzeichnete. Ich sehe mich um, da kommen zwei Männer auf mich zu, begrüßen mich auf das freundlichste, da erkenne ich in dem einen meinen verstorbenen Sohn. Ich sage: `Omar, bist du es wirklich?` Da erwiderte er: `Ja Vater, dieses ist mein Führer Zuriel. Durch die Gnade des Herrn und ewigen Gottes dürfen wir dich führen in unsere Welt, die auch die deine ist`. Ich wollte ihn umarmen, da sagte Zuriel: `Komm Bruder, es ist am Erkennen genug, wir wollen diese Gnadenstunde recht nützen zum Heil aller`.

 

Da gingen, nein wir flogen, nach dem Abend zu. Dort war es weniger hell, die Gegend scheint recht unfruchtbar zu sein, denn überall sehe ich große Steine. Beim Durchgehen sehen wir auch einige Männer, die an den Steinen hauen und meißeln. Die Männer waren fast nackt und bemerkten uns nicht. Ich fragte: `was tun diese Menschen hier an den Steinen?` Antwortet Zuriel: `Bruder, diese versuchen, diesen Steinen Form und Leben zu geben, denn ihre Liebe galt ja auf Erden den toten Steinen und Götzen. Solange sie noch an ihren Steinen arbeiten, wäre unsere Hilfe zwecklos. Erst wenn sie anfangen, ihre Steine, die gleich ihrer Liebe sind, zu zerschlagen, können wir ihnen die erste Hilfe geben`. Ich fragte: `darf man diese Menschen ansprechen?` Da sagte Zuriel: `Lieber nicht, denn sie sehen uns nicht. Diese sind keine verlorenen Brüder. Bald wird ihnen die Kunde von der Auferstehung des Herrn gebracht werden, wenn sie an ihren Steinen irre geworden sind. Wenden wir uns nach dem Abend hin, dort wirst du manches schauen`.

 

Bald waren wir in einer Gegend, die fast dunkel war, aber unsere Augen konnten noch alles gut erkennen. Wir kommen an eine alte Burg, deren Tore eingefallen waren. Wir gehen hinein, sehen einen Schwarm Männer und Frauen, fast nackend und ganz elend aussehend. Sie sind erbittert und trostlos, ihre schöne Burg ist kein sicheres Asyl mehr, alle Speisevorräte sind aufgegessen. Der eine sagte mit grollender Stimme: `Nun sitzen wir in der Falle und haben gar nichts mehr. Wir hätten die anderen halten sollen, als sie mit den seinwollenden Gottesboten abgewandert sind`. Ein anderer spricht: `Du Großmaul du, wie die Boten da waren, da hattest du Angst, als sie nur unsere Burg berührten, weil sie einzustürzen drohte. Ich wollte, ich wäre mit den anderen gegangen, ihr Los wird ein bestimmt besseres sein, als das unsere. Was soll nun eigentlich werden? Hierher findet sich kein Wesen mehr, seit jener Stunde, wo der Gekreuzigte die Botschaft des Lebens brachte`. `Fange nicht schon wieder an, sonst fühlst du meine Fäuste. Jedenfalls brauchen wir keinen, der am Kreuz endete und allerhand verspricht, was nie werden kann. Hier sind wir die Herren und wir bleiben sie auch`. Da lacht einer hell auf und schreit: `Ja, die Herren ohne Knechte, ein schönes Leben zum Verhungern und Erfrieren. Nur zu, mich freut, wenn ihr genau so hungert und friert, wie ich`. `Ruhe`, brüllt ein anderer, `sehet zu, wo wir etwas zu essen bekommen`.

 

`Kommt weiter`, spricht Zuriel, `die  Zeit drängt. Hier schlagen sie sich noch fast tot und wissen nicht, welche Toren es sind. An 100 Brüder wurden gerettet, als der Herr Selbst ihnen ihre Blindheit und Torheit schilderte und ihnen den Weg zur Erlösung zeigte. Diese werden noch lange, lange warten müssen, denn sie waren harte Herren, ihre Sklaven waren wie Lasttiere`.

 

Wir eilten weiter, kamen an einen breiten Strom. Ein kleines Schiff war am Ufer, wir stiegen ein. Schnell ging es stromabwärts nach dem Süden zu, wo es schön hell und sonnig war. In der Nähe einer großen Stadt stiegen wir aus und gingen landeinwärts. Da reiße ich meine Augen auf, solch eine Pracht habe ich noch nie gesehen. Es kamen auch sehr schöne Menschen beiderlei Geschlechts, die da an schönen Anlagen und Blumenbeeten lustwandelten.

 

Wir gingen nach einem Tempel. Dort schien eine Versammlung zu sein, denn viel, viel Volk war da. Leider konnten wir nicht noch näher heran, da zu viele da waren. Zuriel sagte: `Ein Priester hält einen Vortrag über das Licht, der euch weniger interessieren wird, denn diese Menschen sind sehr weise und lieben das Leben nach ihrer Art. Hier gibt es viele Künstler, das seht ihr an den Bauwerken und an den Tempeln. Sie kennen Gott als den Weisesten, reden tagelang um eine Sache, bis alles auf das gründlichste klar ist. Hier gibt es nie Not, nie ein Klagen, aber auch kein Freuen, es hält schwer, einen zum Liebesbegriff zu bringen. Schaut euch recht um, denn diese Leute zeugen auch von Willenskraft und Ausdauer, auf der Erde wird so etwas fast unmöglich sein. Diese schnurgeraden Straßen, die Genauigkeit in den Maßen, alles, alles entspricht ihrer Weisheit. Nun wollen wir noch nach Omars Heimat gehen und darum wird uns Omar führen`.

 

Wir fuhren wieder mit dem Kahn nach Süden, bis an ein Gebirge. Wir steigen aus, gehen über einen Berg, schauen kleine Dörflein, kleine Hütten, und Omar spricht: `O, meine Geliebten, hier bin ich daheim. Wie armselig war mein Erdenleben gegen dieses Leben hier. Wohin das Auge schaut, nur Schönheiten, die aber Wirklichkeiten sind. Kommet, kommet und schauet selbst, wie gut der ewige Gott und heilige Vater ist. Hier gibt es nur einen Glauben, und zwar den an die Liebe, und nur ein Leben, das für den Anderen da ist. Schauet diese kleinen Häuschen, sind sie nicht allerliebst? Wohl haben sie kleine Türen, man muss sich beugen, so man eintritt, und innen. Kommt nur und schauet, schon wird es lebendig. Meine Schwestern und Brüder kommen, sie haben eure Absicht erkannt und werden euch begrüßen kommen. Da sehet, sie sind schon hier, da dürft ihr aber Wunder der Liebe schauen. Erkennst du, lieber Vater, das erste Paar, die mit leuchtenden Augen dir entgegen kommen?`

 

Ich staune, ich denke, mein Herz zerspringt vor Freude. Es war mein Vater und meine Mutter. Sie begrüßen mich mit den Worten: `Vielgeliebter Abgarus, und auch du, Bruder im Herrn, seid herzlich willkommen daheim. Unsere Sehnsucht galt euch allen. Nur ein einziges Mal solltet ihr erschauen, wie der Herr und ewige Gott die Treue und den Glauben lohnt. Was ihr hier seht, ist Eigentum unserer Liebe, auch ihr gehört dazu. Und soweit unsere Gedanken reichen, so weit gehen die Gefilde dieser Welt. So groß aber unsere Liebe ist, so groß ist auch die Kraft, zu wirken im Geiste alles Lebens aus Gott, dem lebendigen und heiligen Vater. Siehe, hier gibt es keinen mehr, der mir Vater und Sohn war, nur Brüder. Einer ist unser aller Vater, Jesus, der Lebendige und Ewige, dessen Leben und Liebe du nur ganz wenig erkannt hast. Wirst du sie erkennen im Vollmaße, dann ist deine Seele zu schwach, den Geist in dir zu tragen, der mit aller Kraft verwirklichen will, was nicht nur dir, sondern allen Erfüllung bringt. Da schau, dieses Türlein ist geöffnet, aber erschrecke nicht beim Eintreten, denn es ist das Reich des wahren Lebens, welches sich deinen Blicken zeigt. Auch möchte ich dich nur hineinschauen lassen, da deine Zeit erst kommen muss, um alles zu ertragen`.

 

Was ich nun erschaute, war zu viel. Ich sagte: `Lasset mich umkehren und wieder zur Erde gehen. Was ich hier erlebe, ist für mich Erdenbürger noch nicht zu ertragen. Da sagte mein Vater: `Abgarus, in dir liegt alles noch viel herrlicher, denn alles ist Geschenk der ewigen Liebe an alle, die wir hier verweilen dürfen aus der Gnade Gottes. In dir aber kristallisiert sich noch viel Herrlicheres, da deine Liebe dein eigener Schöpfer ist. Was wir hier unsere Welt nennen, ist uns durch die Gnade Gottes geworden. Was aber in dir lebt, ist durch deine kindliche Liebe zum Herrn, Gott und Vater, schon jetzt dein Eigentum. Nach deiner Liebe, nach deinem Willen wird sich alles gestalten. Hier, schaue Omar an. Noch ist alles im Werden, wenn aber seine Liebe ganz sein Leben geworden ist, dann ist alles Erdenleid nicht umsonst gewesen.

 

Begnüge dich mit dem Geschauten, wenn es nach uns ginge, würdest du mit uns an einem Mahle teilnehmen, aber deine Stunde ist noch nicht gekommen. Ziehet hin in Frieden. Euer Leben sei das Leben der Liebe, eure Liebe aber sei das Leben des Herrn. Ziehet im Namen dessen, der als Erster und Letzter in euch leben will zum Heile aller für ewig`.

 

Vorbei ist das Erleben, und dieses soll ein Vorgang in mir gewesen sein? Ganz deutlich war ich mit Omar, mit meinen Eltern zusammen. Dieses bedarf noch einer Erklärung, Bruder Jakobus“. Jakobus: „Richtig, Bruder Abgarus, nur Zeno mag noch kurz berichten, was er schaute, denn ihm erging es schlimmer, als dir“.

 

Zeno: „Ich weiß nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. Ich bin auf einmal in der Welt der toten Steine. Die Menschen erkenne ich alle, es waren Glieder meiner Gemeinde. Ich wundere mich über alle Maßen, dass man so ein Narr sein kann und mit den toten Steinen sich solche Mühe gibt.

 

Auf einmal bemerken mich die Menschen. Einer gibt mir einen Hammer und ein Eisen in die Hand, ich solle den Stein lebendig und gefügig machen, ich sei ja ihr Lehrer und ihr Priester gewesen. Ich sagte: `Liebe Leute, dieses sind doch tote Steine und bleiben auch für ewig welche, lasst doch ab von der unnützen Arbeit`. Da kam ich schön an, sie seien froh, mich endlich hier zu haben, ich solle sie lehren, wie man die Steine lebendig mache. Das ganze Leben hätte ich doch von den Göttern, die auch nur Steine waren, das Wunderbarste gerühmt. Ich saß fest, drohend schwangen sie den Hammer. Gerne wäre ich geflohen, aber der Boden hielt mich fest.

 

Da kam ein lichter Mann mit einem breiten Hut auf dem Kopfe und sagte: `Halt, keine weiteren Torheiten. Wenn ihr schon euren Unmut mit dem Hammer ableiten wollt, so tut es an den Steinen, euer Priester aber steht unter dem Schutz des lebendigen Gottes, dessen Diener ich bin. Verlangt nach dem lebendigen Gott, und eure Steine werden verschwinden. Bauet euch Tempel in den Herzen eurer Brüder, dann wird ein Leben in euch erwachen, was euch alle Torheiten eures Lebens vergessen macht. Suchet Gott, den ewigen Schöpfer und Erhalter, aber nicht mit Eisen und Hammer, sondern mit demütigem Herzen, Er wird sich finden lassen. Eure Götter ließen euch allein nach eurem Leibestode, Gott, der Ewige, aber möchte euch allen das Leben geben, welches froh und glücklich macht.

Du, Zeno, hast jetzt erlebt, was es bedeutet, an falschen und toten Göttern zu hängen. Erfasse die Gnade, die dir der Herr und Gott bietet, und nütze deine Erdentage, denn hier bei den Gliedern deiner Gemeinde wird dein Erdenleben seine Fortsetzung finden. Ziehe hin in Frieden, Christus aber werde dein Führer und Lebensweg. Diese aber werden das Leben bald erfassen durch die erlösende Liebe und Gnade des Herrn, der uns allen Leben gab, Leben ist und bleibt für ewig`. Dies ist mein Erleben. Was ich damit anfangen soll, musst du, Bote des Herrn, mir erklären“.

 

Jakobus: „Gern tue ich dieses, denn ihr habt nun Kenntnis von einer Welt in euch, die nach außen hin euch noch unsichtbar und unbekannt ist. Eure Liebe und euer Lebensstandpunkt sind die Grundlagen eurer Innenwelt. Ist eure Liebe so, dass sie im Geiste der Liebe und des Lebens schöpferisch sein kann, dann vollziehen sich Dinge, die für euch wohl Wunder, in Wirklichkeit die Auswirkung eurer eigenen Liebe sind. Durch den Herrn Selbst wurde alles offenbar, was nur ganz einzelnen Menschen eigen war. Nun aber, da der Herr allen Menschen zum ewigen Heile Weg und Ziel geworden ist, soll auch keiner mehr im Unklaren sein, denn Sein Geist, den sich jeder aneignen kann, wird alle Wahrheit offenbar machen und in die Tiefen alles Gotteslebens führen, die auch in Menschen tief verborgen sind.

 

Was ihr schautet, war ein Blick in eure Welt, ein Blick in die Heimat eurer Liebe und Lebens. Wie unendlich schwer es ist, sich von etwas zu lösen, was im Menschen Eigentum geworden ist. In der ewigen Welt, die in euch ihren Ausgangspunkt hat, ist das Bestimmende der Geist. Ist er göttlicher Art, wird er sich zum `Göttlichen` halten, ist er menschlich oder gar tierisch oder teuflisch, wird er sich nach dem halten, was seine Liebe ist“.

 

Spricht Zeno: „Du Bote Gottes, deine Worte sind wie feurige Pfeile, wo sie treffen, entzünden sie ein Licht. Wohl war ich mir bewusst, dass unsere Religion nicht die richtige sein kann, weil das Herz von allem dem unberührt blieb. Dass es aber ein Fortleben gibt, in dem man alle Torheiten abbüßen muss, war mir nicht bewusst. Wohl diente ich den Menschen zum Nutzen und Frommen, aber nie kam mir ein Gedanke, dass dieses verkehrt sei, bis endlich die Kunde des Wundermannes und Seiner Lehre mich erreichte. Wie kann ich nun aber die Lage derer erleichtern, die durch mich in den Irrtum geraten sind?“

 

Jakobus: „Indem du Jesus Christus anerkennst, Seine Lehre zu der deinigen machst und nur noch deinen Brüdern in Seinem Geiste dienst. Was dir schrecklich erscheint, ist in Wirklichkeit nicht so schrecklich, so nicht Wut und Hass die Triebkraft ist. Dort, im jenseitigen Leben, sind immer Engel und Boten des Herrn tätig, um aufzuklären. Keinem wird verwehrt, das Alte aufzugeben und das Neue anzunehmen. Seit Gott Mensch wurde und allen den rechten Erlösergeist offenbarte, ist auch jedem die Möglichkeit gegeben, diesen Erlösergeist anzunehmen. Dies hast du heute an deinem Tempel erlebt. Die Liebe zum Herrn ist tätige Liebe an den Menschen. Je nach der Liebe und dem Glauben an Den, der alles Leben ist, wird deine Kraft zum Erlösen sein. Wir, als Zeugen Seiner Liebe und Kraft, sind nicht die Täter, sondern Vollbringer, es ist der Herr, dessen Geist in uns lebt und wirkt“.

 

Abgarus: „Bruder Jakobus, deine Worte sind Licht und Leben. Nun ist mir klar, dass es nur des Herrn Geist ist, der in dir lebt und spricht. Offenbare mir nur das eine, werde ich jederzeit in die Welt schauen können, in der ich heute weilte? Es wäre mir ein unendlicher Trost, dürfte ich es öfter erleben“. Jakobus: „Bruder Abgarus, du kannst es, so es der Herr für richtig findet, da ja dieses alles in dir sich befindet. Im Geiste Jesu aber, der dich belebt, hast du an dem Herrn volles Genüge, denn Er ist der Anfänger und Vollender deines Lebens, Gestalter aber bist du durch deine Liebe. Ist der Herr deine ganze Liebe, dann, Bruder, wirst du keinen Trost, kein Verlangen haben, etwas zu schauen, was in dir sich herrlich gestaltete, sondern du wirst das Verlangen haben, zu geben aus dem schöpferischen Leben und Geist des Herrn, der ganz deine Liebe ist. Deine Freude wird es sein, so an anderen sich die Frucht als Liebe offenbart“.

 

Abgarus: „Nun bin ich befriedigt. Deine Worte sind Lichtstrahlen, die in das Dunkel meines Ichs drangen und mir so Schönes und Großes zeigten, dass es weiterer Hinweise nicht mehr bedarf. O, Du mein Jesus, Du Sonne der Sonnen, Du Licht alles Lichtes, wie reich und wie groß macht uns Deine Liebe. Jetzt verstehe ich Dein Zögern, nach Edessa zu kommen, wir sollten alles ohne Deine persönliche Gegenwart von selbst in uns finden, damit unsere Freude eine noch viel größere sei, und in dieser Freude einem Geist Raum gegeben wird, der nur der Deine ist. O, jetzt schaue ich das Wunder Deiner Liebe und bin erfüllt von seliger Wonne. Du aber, Zeno, mache keinen Hehl von dem Erlebten, es gilt für alle. Diese Lebenswahrheiten, diese Strahlen von Liebe halten jeden Ansturm aus, den ein Gegner unternehmen würde. Nun ist der Geist Jesu, des Lebendigen und Ewigwahren, keine Legende mehr, sondern eine Kraft, die da Erfüllung bringt allen, die da wahrhaft glauben“. Jakobus: „Abgarus, verbleibe in diesem Leben, dann offenbart dir dein Geist in dir noch viel Größeres, was du heute noch nicht fassen könntest. Bedenke aber immer: Alles kommt vom Herrn, alles ist Seine Liebe, damit alles in dir zur Liebe werde“.

 

Hethmann, der immer nur beobachtete und ein jedes gesprochene Wort mit Heißhunger aufnahm, sprach: „Nehmet mir ja nicht übel, so ich eine Erwiderung und einige Fragen diesem Gottesboten unterbreite. Es ist alles so geheimnisvoll und doch natürlich, es grenzt alles an Phantasie, und doch muss ich an Wirklichkeit glauben. Auch ich hatte ein Erlebnis, möchte es aber lieber Traum nennen, da mir alles so geheimnisvoll erscheint. Vor allem möchte ich betonen, ich bin von der Göttlichkeit überzeugt, schon deswegen, weil dieser Gottesbote keinerlei Opfer verlangt und nur aus einem inneren Drang heraus beglücken, gesunde und wahrhaftig zufriedene Menschen machen will.

 

Aber nun kommt meine Kernfrage: Wie kann ich in Wirklichkeit feststellen, dass der Drang, zu helfen, wahrhaft der Geist Jesu ist, denn zu allen Zeiten gab es auch Menschen, die von dem Zug und Drang durchdrungen waren, anderen zu helfen. Auch unsere Priester wollten das Gute. Es gab deren nicht wenige, die die Liebe und die Wahrheit selbst waren, ich denke dabei an unseren Zeno“. Zeno wollte abwinken, aber Jakobus sagte: „Bruder, es ist gut, dass du dein Herz befreit hast. Um dir aber die Göttlichkeit des Geistes in mir zu beweisen, will ich dir dein Erleben, was du dir als Traum einbildest, schildern:

 

Du schlossest die Augen, um dich war es finster. Da wurde ein Licht in der Nähe immer größer. Du wolltest auf das Licht zugehen, aber es entfernte sich so weit, als du auf dasselbe zugingst. Komisch, dachtest du, ich sehe niemand, der das Licht trägt, und doch ist das Licht da, wo mag es nur hergekommen sein? Wie du so dachtest, ging ein Wind. Du warst bange, dass dir dieses Licht ausgelöscht werden könnte. Da hörtest du eine Stimme sagen: `Willst du im Lichte wandeln, so erhalte dir dies Licht, noch niemand konnte dieses Ziel erreichen ohne Licht`. Da schautest du um dich, du wolltest den Sprecher sehen, da kam ein Windstoß und verlöschte das Licht.

 

Finster war es wieder um dich. Da dachtest du an deine Götter, aber alles blieb stumm, du suchtest nach Worten in dir und fandest keine. Da kam dir der getreue Zeno entgegen und sagte: `Mensch, Hethmann, was suchst du im Finstern, komm doch ans Licht, so wirst du das Fehlende finden. Da sagtest du: `Zeno, wenn ich nur wüsste, was mir fehlte, die schreckliche Finsternis hat mich ganz dumm gemacht. Bringe wenigstens ein Licht, damit ich dich anscheuen kann. Ich weiß nicht einmal, wo ich bin`. Antwortet Zeno: `Öffne dein Herz dem Judengott, dann wird dir Sein Sohn entgegen kommen und alle Finsternis hat ein Ende`. Endlich, nach langem Zögern sprichst du: `O Gott, lass mich an Dich glauben. Meine Götter haben mich verlassen oder waren überhaupt nicht da. Gib mir Gelegenheit, Dir zu opfern, damit Dein Sohn den Weg zu mir finde`. Da fing es an zu donnern und zu blitzen. Da wurde dir wohl, Freude zog in dich ein. Da sagtest du: `Sei willkommen, wenn auch unter Donner und Blitzen, Du rechter Gottessohn, Dein Gott soll mein Gott und Dein Vater soll mein Vater sein`. Da zerriss ein Blitz alle Finsternis. Du befandest dich auf einer schönen Wiese, schöne Menschen gingen vorüber, sie sangen Hosianna dem Sohne, der das Licht und Leben aller wurde. Dann erwachtest du und glaubtest, es sei ein Traum“.

 

Hethmann: „Du hast recht erzählt, genau so war es. Das ist aber wieder ein neues Wunder. Weißt du noch mehr solche verborgenen Dinge?“  Jakobus: „Bruder Hethmann, ich weiß nicht mehr, denn du. Aber der Geist Gottes offenbart diese Dinge, diesem Geist ist alles offenbar. Der Geist kann nur göttlich sein, der Göttliches herausheben will in dir, in deiner eigenen Welt, an die kein Weltmensch glaubt.

 

 Siehe, das Licht, welches dir leuchtete und welches du dir nicht aneignen konntest, war die Kunde des fleischgewordenen Gotteswortes. Dein fleischlicher Sinn verlöschte es wieder. Dein eigener Geist musste weiter in seinem Gefängnis bleiben und wurde dir offenbar als Finsternis. Da kam Gott als Zeno zu dir und rüttelte dich auf. Gott konnte nicht als Gott zu dir kommen, da du ja keinen kennst. Aber Zeno, der deine Liebe und dein Vertrauen besitzt und dem du blind glaubst, ist das Symbol, hinter dem sich Gott verbergen konnte. Siehe Bruder, die ewige Gottesliebe wählte diesen Weg, denn sonst hättest du nie den Weg zu Jesus, dem Gottessohn, gefunden.

 

Du hast nun die Verbindung hergestellt zwischen dem ewigen und lebendigen Gott in dir. Erfasse ganz Seine Liebe und Sein Leben, dann wird dir alles gegeben werden, was du brauchst, um andere glücklich, froh und sehend zu machen. So, wie der Herr in Seiner unendlichen Liebe allen Licht und Leuchte wurde, wird Er dir Licht und eben werden zu deinem ewigen Heile“.

 

Liebe ohne Ende

Es dunkelte bereits, als Jakobus sich nach seinem Quartier begab, sehnsüchtig erwartet von Helena, denn kaum konnte sie sich erwehren der vielen Fragenden und Neugierigen, die die Kunde vernommen hatten von den Heilungen am Tempelhain. Da sie selbst unwissend war, blieben die Leute und warteten auf Jakobus. Da erinnerte sie sich der Worte des Jüngers, ihnen Labung und Stärkung im Namen des Herrn zu geben und, o Wunder, das Brot und die Früchte wurden nicht weniger. Wohl verschwieg sie den Wartenden das Wunder, aber sie fragten doch, da sie arm sei, wo sie das gute Brot her hätte. Da sagte sie: „Der heilige Gott, dem dieser Jünger dient, lässt ihn nicht darben. Doch so ich eine Bitte hätte, gehet und kommt morgen wieder, und vergesst eure Kranken nicht“. Die Meisten gingen, aber einige blieben und lagerten sich vor dem Haus.

 

Endlich war Jakobus gekommen. Voll Scheu, wagten die vor dem Haus Wartenden nicht, ins Haus zu treten. Da sagte Jakobus: „Der Friede des Herrn und ewigen Gottes sei mit euch. Eure Neugier muss einem herzlichen Verlangen in euch Platz machen, das Wort des ewigen und lebendigen Gottes ist für einen Zeitvertreib zu schade. Prüfet euch ernstlich, ob ihr willens seid, die Botschaft des Friedens und ewigen Lebens anzunehmen, dann wird euch nichts vorenthalten werden. Doch zuvor müsst ihr mit euren Göttern brechen, denn der wahre und ewige Gott will nicht neben euren toten Göttern angenommen sein. Seine Liebe und Gnade sei euch Weckruf und Kraft für euer ferneres Beginnen. Amen“.

 

Jakobus ging wieder ins Haus. Helena, die jedes Wort hörte, war erstaunt, wie der Jünger die Besucher erkannt hatte, darum sagte sie: „Dein Gott ist nun auch der meine. Ein Strom von Segen ergoss sich über mein Haus, sodass alle Not und Sorge vorüber ist und einer Freude in mir Platz gemacht hat, dass ich immer danken möchte. O du Jünger und Verkünder deines Gottes, lehre mich, wie ich zu Ihm beten darf, denn sichtbar ist die Gnade und der Segen. Das Brot reichte für alle, das Nachtmahl ist bereit, ohne dass im Schrank etwas fehlt“.

 

„Helena, sagte ich nicht, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Der ewige und heilige Gott sieht dein hilfsbereites Herz, dieses ist Ihm, der größte Dank. Willst du aber in aller Inbrunst  mit Ihm sprechen, so versenke dich in aller Stille in dein eigenes `Ich`. Wenn alle Gedanken sich nur auf Ihn, den Ewigen und Lebendigen einen, dann sage:

 

`O, Du Vater aller Liebe und des Lebens, der ich Dich bleibend in meinem Herzen tragen möchte, komme zu mir und zu allen Menschen und errichte Dein ewiges Reich des Lebens, darin nur Dein Wille geschehe, den uns Deine Liebe offenbarte. Unser täglich Brot für Leib und Seele schenke Du uns, und vergib all unser Irren und alle Schuld, die sich in uns ansammelte, wie auch wir vergeben, die in unserer Schuld stehen. Dein Geist lasse nicht zu, dass Versuchungen kommen, die mich von Dir trennen könnten und von Deinem Leben, und mache uns frei von noch in mir lebenden Übeln, denn Dein Reich ist das Ewige und alle Kraft und Herrlichkeit die Deine. Amen`.

 

Siehe Helena, wenn du solches zu Ihm sagst mit reinem, gläubigem Herzen, dann sei gewiss, Er wird alle deine Sehnsucht erfüllen und sich als Der erweisen, der alles erfüllt und jede Sehnsucht stillt, was deinem Heile dient. So wollen wir das Nachtmahl nehmen und dann ganz in Seinem Schutze der Ruhe pflegen. Morgen wird sich vieles offenbaren“.

 

Es war so, wie Jakobus sagte. Gleich nach dem Sonnenaufgang kamen schon Besucher, um den Jünger zu sehen, der am Tempelhain so viele Kranke gesund machte. Aber sie gingen nicht ins Haus, sondern warteten auf noch andere, die auch wirklich kamen, mit Wagen und Tragen, worauf Kranke lagen. Auch Ilona mit ihrer Tochter war mitten unter ihnen, ja sie war gerade die Treibende, denn sie war bekannt und in Edessa beliebt, ihre Heilung ging von Mund zu Mund und von Haus zu Haus. Irene ordnete die Kranken vor dem Hause und bat, dass alle recht ruhig bleiben sollten. Sie sei überzeugt, dass alle das große Glück erleben werden, mit dem lebendigen Gott in Berührung zu kommen.

 

Ilona und Irene gingen ins Haus, wo Jakobus mit Helena und den Kindern noch beim Morgenmahl saßen. Da begrüßte ihn Ilona und sagte: „Dem ewigen und heiligen Gotte alles Heil und allen Dank, dir, du lieber Gottesbote unseren Gruß. Unser Herz drängt es gewaltig, zu groß ist das Geschenk Seiner Liebe und Gnade. Wenn ich nicht davon reden darf, wird mir mein Herz zu eng und die Freude zum Kummer. Ich möchte es hinausschreien, was der Herr Großes an mir getan hat und an anderen. Darum bringe ich meine kranken Freunde, empfehle sie dir und dem lebendigen Gott. Wenn du uns aber allen recht viel von dem Lebendigen und Auferstandenen künden würdest, wäre es uns die größte Seligkeit. Wohltaten aufnehmen ist etwas Köstliches, den Wohltäter aber nicht näher kennen, ist etwas Betrübendes“.

 

„Ilona, sorge dich nicht, der Gott, der die Kraft hat, alle Übel zu beseitigen, wird wohl auch die Kraft haben, in dein Inneres zu schauen und alles Unausgesprochene restlos zu erfüllen. Du tatest recht, dass du deine kranken Freunde mitbrachtest, dafür danke ich dir im Namen meines Gottes. Du aber, Irene, lass nie mehr den Gedanken aufkommen, dass es dem ewigen lebendigen Gott zu viel sein könnte. Im Gegenteil, bringe herbei, was sich nach Erlösung sehnt, allen, allen soll geholfen werden. Alle Fried- und Freudlosen sollen erfahren, dass es ein Glück gibt, alle Zweifler sollen in Ordnung kommen. Kannst du dieses als Wahrheit anerkennen?“

 

Irene: „O, du Bote des Friedens, du Künder des Lebens vom Leben. Was soll ich antworten, ist nicht ein jedes Wort so, als wenn Gott Selbst spricht? Dass du gestern meiner Mutter und vielen  Gesundheit gabst, war ein gewaltiges Wunder. Dass du aber in mein Herz schautest, meine geheime Angst und Gedanken fandest, ist noch viel mehr, denn es ist ein Offenbaren von jener Liebe, für die der Mensch noch zu arm ist. O, Du heiliger Gott, Du heiliges Leben, wie eine aufgehende Morgenröte entzündest du Dein Licht und Leben und machst uns reif für Deine Liebe. Allen soll geholfen werden, allen soll Deine Liebe gehören, darum will ich Dir danken mit meinem Leben“.

 

Irene weinte. Da sagte Helena: „Irene, du weißt erst einen kleinen Teil von der Liebe Gottes und bist so ergriffen? Wie wird es dir sein, wenn du erst mitten unter Seinen Wundern stehst? Gestern war ich noch arm und musste zu anderen betteln gehen, heute aber wurden alle gesättigt aus meiner Hand. Hier, schau in meinen Schrank, es ist alles bis oben gefüllt, ohne etwas verlangt zu haben. Ich kann allen geben, solange Jakobus unter uns ist. Willst du noch ein größeres Wunder Seiner Herrlichkeit? Aber das Schönste wirst du erst erleben, wenn du die Wunder Seiner Liebe erlebst“. Jakobus: „So ist es. Seine Macht in der Herrlichkeit soll allen Menschen geoffenbart werden, Seine heilige erlösende Liebe aber soll Eigentum derer werden, die nur in Ihm den heiligen Vater erkennen, und als Seine Kinder in Seinem Geist und in Seiner Liebe leben. Die Wartenden werden ungeduldig, wir wollen uns zu ihnen begeben“.

 

Alle treten vor das Haus. Jakobus machte das Zeichen des Kreuzes und spricht: „Der Friede Gottes und Seine helfende Liebe sei mit euch, und Seine Gnade sei immerdar bei euch. Es ist gut, dass ihr das Verlangen habt, den lebendigen Gott kennen zu lernen. Er hat mich berufen zu eurem Dienst. Ich war ein Zeuge Seiner Macht und Herrlichkeit, als Er im Kleide eines Menschensohnes unter uns lebte. Bedenket, welche Liebe in Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erden sein muss, wenn Er alle Seine Himmel verlässt, um als Mensch unter Menschen zu leben, alles getreulich tut, was nötig ist, um alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu erfüllen. Ich habe Ihn von Seinem ersten bis letzten Atemzuge erkannt, war Zeuge Seiner Taten, Seines Lebens. Es war eine Kette von Beweisen Seines göttlichen Seins, und trotzdem hat Ihn die Welt nicht erkannt, hat Ihn verachtet, ja sogar ans Kreuz geschlagen.

 

Wenn ihr erschauert unter meinen Worten, so ist es begreiflich, aber nun kommt das Tröstliche. Er ist nicht im Tode verbleiben, sondern herrlich erstanden. Allen, allen, die an Ihn glauben werden, wird dasselbe Leben, welches Er jetzt lebt. Ich bin ein Zeuge dieses Seines Lebens, es offenbart sich allen als Liebe. Aber nicht einer Liebe, was ihr als Liebe versteht, sondern einer Liebe, die erlösen, erretten, beglücken will und von einem Frieden begleitet ist, den auch ihr, als Menschen dieser Erde, nicht kennt.

 

Gestern sagte ich zu einigen von euch, ihr müsst mit euren Göttern brechen. Heute sage ich noch dazu, brechet auch mit euren falschen und verkehrten Anschauungen, damit Gott euch ganz erlösen, ganz glücklich machen kann. Dort kommen noch welche, darum wollen wir noch etwas warten und ihnen den Gruß der Liebe Gottes nicht vorenthalten“.

 

Viele waren es, darunter einige Priester, die wohl etwas hörten, aber nicht die ganze Wahrheit erfuhren. Sie wollten den Jünger hart anfahren, aber Jakobus trat auf die Straße und sagte: „Der Friede und die Gnade des lebendigen Gottes sei mit euch. Lagert eure Kranken auf diese Seite, wo die anderen Kranken schon liegen, euer Verlangen wird erfüllt werden“.

 

Da trat ein Priester vor und sagte: „Was ich gestern Abend hörte, hat mich veranlasst, hierher zu kommen. Ich kann euch alle nicht begreifen, wie ihr eure Götter so beleidigen könnt. Habt ihr alle Wohltaten vergessen, die euch wurden, wollt ihr denn euren Untergang heraufbeschwören, indem ihr einem Manne nachlauft, der nur ein Zauberer sein kann?“ Tritt Irene hervor und spricht: „Hermes, du kennst mich und meine Mutter, schaue ihre Glieder an, schau ihr in die Augen, dann sage, ist dieses einem Zauberer möglich? Du kommst, verurteilst, ohne geprüft zu haben, redest von einem Untergang, den wir heraufbeschwören. Während dieser Bote nur Worte des Lebens gab, die noch nie aus deinem Munde kamen, bist du mit deinem Urteil fertig. Dadurch hast du uns bewiesen, dass du ganz arm und ohne Liebe sein musst“. Hermes: „Wer erlaubt dir, in diesem Ton mit mir, einem Priester, zu reden und meine Würde in den Schmutz zu ziehen? Sei froh, dass ich dich nicht strafe“. Irene: „Ich fürchte deine Strafe nicht mehr, denn ich bereue, dass ich falschen Göttern meine Zeit geschenkt habe. Hier erleben wir einen lebendigen Gott, der nicht nur Worte, sondern auch Taten hat“.

 

Jakobus tritt hin und spricht: „Hermes, du bist gekommen, Gericht zu halten, hast aber nicht bedacht, dass der lebendige Gott, von dem du Kunde hast, im Besitz aller Macht und Kraft ist. Es wäre mir ein leichtes, dich im Namen dieses Gottes taub und stumm zu machen, ich tue es aber nicht, weil es ein Gericht wäre. Ich will gern zurücktreten und für immer taub und stumm sein, wenn du im Namen deiner Götter diesen Kranken die Gesundheit gibst. Ja, noch mehr, dein Knecht will ich sein und dein Wille soll der meine sein. Also tue nach meinen Worten, du bist gerechtfertigt und die Ehre deiner Götter ist gerettet“.

 

Hermes: „Fremdling, man soll die Götter nicht versuchen, zu Taten zwingen wollen, die nicht ihren eigenen Entschlüssen entspringen“. Jakobus: „Also, mit anderen Worten: du kannst es nicht, mein Priester Hermes. Wäre es nicht richtiger, du würdest die Ohnmacht deiner Götter öffentlich anerkennen, denn persönlich bist du ja davon überzeugt. Hier wird dir ein lebendiger Gott offenbart, der für ewig nur der Eine und Wahre, dem wir auch unser Dasein danken.

 

Es ist eine unglückliche Stunde für dich, denn siehe, über 100 sind gekommen, die von dem lebendigen Gott Kunde erwarten, und über 20 Kranke wurden gebracht, die ihre Gesundheit zurückerhalten möchten. Du willst oder kannst ihnen nicht helfen, da deine Götter nicht existieren. So muss ich es tun, weil der lebendige Gott in Seinem Geist lebendig unter uns ist. Weil aber ein Kranker nicht fähig ist, Worte des Lebens so aufzunehmen, dass sie wieder Leben erzeugen, so wollen wir erst einmal die Kranken besehen und du, Hermes, sollst Zeuge sein, was Gott in einem Seiner Diener vermag“.

 

Hermes wäre gerne auf und davon gegangen, aber eine Macht hielt ihn fest. Er wusste, jetzt kommt die Entscheidung. Jakobus sagte: „Hermes, ich will zurücktreten, wenn du es vermagst, diesen Kranken zu helfen, noch ist es Zeit für dich“. Hermes schwieg.

Nach einigen Minuten trat Jakobus hin zu den Kranken, segnete sie und sprach: „Höret, der Gott alles Lebens, aller Macht und Kraft will nicht den Niedergang der Menschen, sondern dass sie erstehen in Freude und Zufriedenheit, damit sie erkennen, dass Er einer ist, der Anteil an eurem Leben nimmt. Denket darum nicht, dass ich es bin, der euch Hilfe bringt, sondern glaubt, dass Gott es ist, der in Seinem Erlösergeiste, im Geiste Seiner erlösenden Liebe unter uns ist. Ich vermag ohne Ihn gar nichts, darum bittet auch ihr, wie ich Ihn bitte, um Seine Hilfe und um Seine Liebe und Gnade. Du aber, Du ewiger und herrlicher Gott, Du Leben alles Lebens, Du Gott der Macht und Kraft, in Deine Hände lege ich das Geschick dieser vor mir liegenden Kranken. Du gabst Dein Wort: `Um alles, was ihr Mich bittet, will Ich euch tun`. So bitte ich Dich, als Dein Diener und Sendling, erweise Dich auch an diesen Kranken als der Herr über alles Leben und Sein. Erfülle uns mit Deiner Kraft durch Deine herrliche Gnade. Amen. Ihr aber alle, die ihr gekommen seid und gebracht wurdet, erstehet in Gesundheit durch Seine Kraft und Liebe. Amen“.

 

Wie ein Blitz durchdrang es die Kranken, die Anwesenden fühlten auch den Strom. Da stand einer nach dem anderen auf und wollte auf Jakobus zueilen. Dieser aber sagte: „Meine lieben Brüder, meine lieben Schwestern, danket ja nicht mir, sondern Dem, der euch die Gesundheit wiedergab. Es ist Ihm aber der Dank in euren Herzen viel lieber, als der Dank aus eurem Munde. Da ihr aber schon seit Tagen nichts genossen habt, so sollt ihr euch erst einmal sättigen und dann die Kunde vernehmen von Seiner erlösenden Liebe und Erbarmung. Du aber, Helena, bringe Brot, Feigen und Datteln, damit wir diese schwachen Seelen stärken“.

 

Helena, die am ganzen Leibe zitterte, weil sie von der lebendigen Gnade so ergriffen war, schaute auf Jakobus. Dann wurde sie ruhiger, ging ins Haus und holte das Brot und die Schüsseln mit den Früchten. Jakobus brach unter Segensworten das Brot und nahm aus der Schüssel einige Früchte und reichte jedem nacheinander Brot und Früchte. Das Brot wurde aber nicht alle, die Schüssel bleib immerzu voll.

 

Hermes, der alles beobachtete, das Gesundwerden, die Austeilung des Brotes und der Früchte, sagte: „Du musst entschuldigen meine Härte und meinen Eigenwillen. Was ich mit meinen Augen jetzt sah, ist noch nie da gewesen. Was Millionen Worte vielleicht nicht vermocht hätten, hat diese Tat deines Gottes fertiggebracht. Ich gebe mich dir zu eigen, damit ich deinen Gott wahrhaft erkennen kann“. Jakobus: „Hermes, dieses brauchst du nicht, sondern lerne an den lebendigen Gott glauben und Ihn lieben, dann erfüllst du alles, was Er von dir fordert. Doch entschuldige, meine Zeit gilt diesen da, die sich noch nicht getrauen, zu essen“.

 

Sich an die Geheilten wendend, spricht Jakobus: „Esset ruhig, es soll euch zur Stärkung eures Leibes und der Seele dienen, denn diese Speise ist euch gegeben aus der Liebe des Herrn und ewigen Vaters, der im Geiste unter uns weilt, euch stark und aufnahmefähig machen will für Sein Wort und Seinen Liebegeist. Wer aber von euch noch Hunger verspürt, kann ruhig von dem Brot bekommen, es wird für alle reichen“.

 

Nur Ilona bat um etwas Brot, die anderen waren noch unfrei. Als aber Ilona das Brot verkostete, brach sie in Tränen aus und sagte: „O, du guter Gott, was musst Du für ein Herz voll Liebe haben, wenn schon das Brot von Dir solch wunderbaren Geschmack hat. O, könnte ich Dich doch sehen und vor Deine Füße hinsinken. Warum bin ich so arm und kann Dir nichts geben, als nur mein Stammeln. O, Du guter Gott, lass Dich erkennen, lass Dich erfassen, denn ohne Dich ist mir das Leben undenkbar“.

 

Ilona konnte nicht mehr weiterreden. Sie sank auf den Erdboden, ihre Hände verdeckten ihr Gesicht. Jakobus hob sie empor und sagte: „Ilona und ihr alle, vernehmet, was mein Wort, welches ein Wort des Herrn ist, euch jetzt geben wird. Dieser Gott hat sich geoffenbart im Menschensohne Jesus, dessen Zeuge und Jünger ich bin. Sein Leben war ein heiliges, Sein Wandel ein vorbildlicher und Sein Tun die Erfüllung des heiligen Gotteswillens, den Er in Sich vernahm. Es gab kein Ding, von dem Er nicht wusste. Ihm war die entfernteste Sonne so bekannt, wie ein Sandkörnchen an Seinen Füßen. Es gab kein Leid, was Er nicht beseitigen konnte, ja der Tod musste nach Seinen Worten die Beute wieder herausgeben. Alle Elemente waren Ihm gehorsam, mit kurzen Worten, Er war ein Herr über alle Dinge.

 

Diesen herrlichen Menschen tötete man am Kreuze, weil es nach dem Heilsplan der ewigen Liebe der einzige Weg war, um die Menschen vom sicheren Tode und Untergang zu erretten. Weil Jesus dies alles an Sich geschehen ließ, ist der Weg zu Gott frei. Es gibt keine Hindernisse mehr vor Gott, denn alles dieses schuf Jesus. Nur eins konnte Er nicht, die Hindernisse beseitigen, die ein jeder in sich trägt, die ihn von Gott und Seinem Erlösergeist trennen.

 

Suchet in euch, in eurem Inneren ist eine Welt, die euch allen noch fremd und unbekannt ist. Darum sprach auch Sein Mund die Worte: `das Himmelreich ist in euch`, und ein andermal: `die ärgsten Feinde werden eure Hausgenossen sein`, die eigenen weltlichen Wünsche und Begierden. Es ist darum so wichtig für euer ganzes zeitliches wie ewiges Leben, dass ihr euch selbst erkennt, und in diesem Erkennen werdet ihr auch Gott finden.

 

Es wäre falsch, wollte ich euch einen Gott künden, dem ihr pur untertan sein sollt. Da ich aber Gott kenne, durchdrungen bin von Seinem Wesen, kann auch mein Zeugnis nicht anders sein, wie Gott, der Ewige und Heilige, in mir lebt. Betrachtet mich nicht als einen Diener Seiner Gottheit, sondern als einen Vertreter Seines Geistes, Seiner Liebe und Erbarmung“.

 

Sieg des Lebens

Zwei Männer brachten auf einem zweirädrigen Wagen einen Mann. Mit festen Stricken hatte man ihn an einen Holzklotz gebunden. Seinem Munde entquoll Schaum, seine Augen waren wie gebrochen. Die Menge entsetzte sich vor diesem Elend, was sich ihnen hier zeigte.

 

Da sagte der eine zu Hermes: „Wir haben von der Heilung vieler Kranken gehört und haben erfahren, dass Kranke hierher gebracht wurden. Unser armer, wirrer Bruder hatte heute einen besonders schweren Anfall. Wir waren gezwungen, ihn an das Holz zu binden, sonst hätte großes Unglück geschehen können. Dürfen wir auch auf Hilfe rechnen? Oder wo ist der Wundermann, damit wir mit ihm sprechen können?“ Hermes: „Dort, dieser ist es, der Ilona an der Hand hält. Aber warum kommt ihr zu mir, da ihr doch Juden seid und an euren Gott glaubt?“ – „Verzeihe mir, in meiner Not habe ich es übersehen, dass du das Gewand eines heidnischen Priesters trägst“.

 

Jakobus, der diese Szene beobachtete, ging hin und sagte: „Befreit diesen Kranken von seinen Fesseln. Er leidet furchtbare Qualen, denn nicht Liebe zu eurem leidenden Bruder ist es, warum ihr ihn brachtet, sondern Furcht, es könnte euch Übles geschehen“. Da sagte der andere: „Es ist gefährlich, ihn frei zu lassen, in seiner Wut weiß er nicht, was er tut“. – „Weil ihr ihn nicht behandelt wie einen Kranken, sondern wie ein wildgewordenes Tier. Dabei kennt ihr den Moses und die Propheten. Es muss sehr schlecht um euren Glauben stehen, sonst wäre euer Bruder längst gesund“. Beide schwiegen. Als aber der Kranke aufs neue an zu stöhnen fing, sagte der erste: „Auf deine Verantwortung hin mache ich ihn los, vielleicht kannst du uns noch helfen“

 

In wenigen Minuten war er frei. Er lag nun auf der Straße, blutunterlaufen waren die Striemen, ein Bild des Mitleids, denn er war fast nackend. Er war zu schwach, sich empor zu richten, aber seine Augen blickten so bittend, so dass Jakobus sagte: „Im Namen Jesu, des lebendigen Gottes und ewigen Herrn, erstehe in voller Gesundheit und sei vollkommen frei. Du aber, du finsteres Wesen, gehe zurück in deine finstere Sphäre, werde demütig vor Gott, dem Herrn, dessen Güte du missbrauchtest“. – „Nie“, brüllte das Wesen durch des Kranken Mund, „Er sei verflucht“. – „Halt! Kein Wort weiter“, sagte mit fester Stimme Jakobus, „nun gebiete ich dir im Namen und im Geiste Jesu, verlasse augenblicklich diesen Menschen, sonst kommt noch größere Verdammnis über dich“.

 

Da  riss es nochmals den Kranken herum, dann stand er auf, kindlich war sein Blick. Dann sagte er: „O Gott und Herr Zebaoth, wie leicht ist es mir jetzt. Darf ich dir danken, du guter Mann, oder dem lichten Wesen, was ich in dir erschaue?“ Jakobus: „Stärke dich vorerst mit diesem Brot und diesen Früchten, damit dein Hunger gestillt und du in dir zur Ruhe kommst. Du aber, Helena, bringe Wasser, um den Schmutz von seinem Leibe zu entfernen und um die Wunden zu reinigen, die die Lieblosigkeit seiner Brüder verursachte“.

 

Rasch war eine Schüssel mit Wasser zur Stelle. Ohne zu fragen, wusch Helena dem Geheilten, der niedergekniet war, den Schmutz von seinem Leibe. Dann holte sie etwas Öl und betupfte die wunden Stellen.

 

Jakobus verwies den Brüdern, die da Einspruch gegen das Waschen erhoben, ihre Rede und sprach: „Schweiget vorläufig, denn nicht um euer Heil seid ihr gekommen. Dieser euer Bruder bleibt nun hier und wird woanders eine Unterkunft finden. Nehmet euren Wagen und gehet wieder nach eurer Behausung, denn nur denen diene ich, die da hungern und dürsten nach der ewigen Wahrheit aus dem lebendigen Gott.

 

Ihr seid reich, und tut vor den Menschen, als wäret ihr arm. Euer Streben war und ist nur nach dem Mammon. Für solche Menschen ist die Botschaft des Friedens und der Liebe nicht an der Zeit. Ändert euren Sinn und werdet wieder getreu eurem Gott, dann wird das Evangelium des heiligen Gottes euch nicht vorenthalten werden. Du aber, Rudomin, iss, dein Leib braucht Stärkung und Labung. Lasse deine Brüder ziehen, die nie deine Brüder waren. Die ewige Liebe, die für deine Erlösung sorgte, wird auch für deine weitere Unterkunft sorgen“. Die anderen waren froh, ihren Bruder auf diese leichte Art los zu werden, nahmen ihren Karren und zogen von dannen.

 

Die Anwesenden murrten über diese Lieblosigkeit, Jakobus aber sagte: „Lasset euer Murren, sondern Erbarmung soll euch erfüllen. Ihr wart Zeugen dieser wunderbaren Errettung, euer Herz wäre voll Freude gewesen, so die anderen auch recht dankbar gewesen wären. Aber was euch Schmerzen machte, macht auch dem gegenwärtigen Gott Schmerzen. Darum wollen wir doppelt dankbar sein für diese Gnade, den Zug in uns lebenswahrer gestalten, nur helfen und wieder helfen wollen, wo Elend, Not und großes Leid ist“.

 

Rudomin hatte etwas Brot und einige Früchte genommen, dann sagte er: „Ich habe vorläufig genug. Warum sind denn diese vielen Menschen hier. Ihre Gesichter strahlen doch vor Freude, was ist ihnen Schönes geschehen? Könnte ich doch auch wieder so froh werden, wie ich es früher war“. Jakobus: „Du wirst noch froher werden, als alle diese hier, denn der Heiland, den diese gefunden und auch angenommen haben, wird auch dein Heiland sein. Er allein machte dich wieder gesund, auch dieses Brot schickte Er dir“. – „Wo ist dieser Heiland, damit ich Ihm danken kann. Wo ist Er hingegangen, ich möchte zu Ihm und Sein treuer Knecht sein“.

 

Jakobus: „Dieses ist nicht so einfach, da dieser Heiland unsichtbar ist. Er kann nur gefühlt und erlebt werden im Herzen. Du glaubst doch an Gott, den Herrn Zebaoth?“ – „Eigentlich nicht mehr, lieber Mann, denn schon lange ist es her, seit ich nichts mehr von Gott hörte. Meine Brüder mochten den Priester nicht, er kostete zu viel. Aber nun kann ich doch nicht hier bleiben, ich habe nichts, was ich dem Heiland zum Opfer geben könnte. Auch kann ich eure Liebe nicht entschädigen“. Jakobus: „Sei ohne Sorge, Rudomin, dieser gute Heiland verlangt nur nach einem Opfer welches das Herz freiwillig gibt. Du musst aber alles hingeben, was als falsche Liebe in dir lebt. Je nach dem Maße du hingibst, empfängst du, nur mit dem Unterschied, was du empfängst, bleibt dir ewig, während du nur Zeitliches geben könntest“.

 

Eiligen Schrittes kam der alte Mann, der am Tage vorher für seinen Sohn bat. Er hatte seinen Sohn und dessen Weib mitgebracht. Jakobus sah dieselben. Er sagte zu Rudomin: „Rudomin, jetzt wirst du eine Freude erleben. Nun kannst du gleich erfahren, was der Heiland zu geben vermag“.

 

Mit Tränen in den Augen tritt der alte Mann hin zu Jakobus und sagt: „Dank und Freude erfüllt mein Herz. Hier ist mein Sohn, er ist gesund durch deinen Gott. Wie sollen wir die Guttat deines Gottes lohnen? Worte können es nicht ausdrücken, was ich für deinen Gott empfinde. In mir ist alles wie neu, alles hat ein anderes Gesicht, ja die Sonne am Himmel scheint viel heller. Schau meinen Sohn, ist er nicht so frisch, als wäre er nie krank gewesen? Schaue sein Weib an, welche Freude leuchtet aus ihren Augen, wo bisher nur Angst und Sorge war? Komm, Gabriele, und du, Darius, wir wollen niederknien und anbeten den unbekannten Gott“.

 

Da knieten die Drei nieder. Dann aber knieten auch Rudomin und alle Geheilten nieder. Herminus, der alte Vater aber betete: „O, Du heiliges Gotteswesen, Du uns unbekannter Gott. Mit Deiner Dir eigenen Liebe hast Du uns aller Angst, Not und Sorge ledig gemacht. Wir möchten danken Deiner würdig. Unsere Liebe, unsere Gedanken möchten wir Dir geben, aber wir kennen Dich nicht, wissen nicht, was Deiner Liebe, Deiner Kraft und Macht als Zeugnis aus unserem Mund dienen soll. O lasse uns Dich erkennen. Wir glauben an Dich, ohne zu wissen, wer Du bist, wir vertauen Dir, weil Deine Liebe, Macht und Kraft sich so wunderbar und herrlich an uns offenbart hat. Du gabst uns so viel, o schenke uns dies eine noch, dass wir Dich begreifen können. Und nimm uns die Furcht vor Deiner Heiligkeit, damit wir Deine Liebe mit Liebe erwidern können. Alles Heil nur Dir!“

 

Jakobus war ergriffen von diesem Bild und von dem Erleben. Er sagte: „Brüder, Schwestern, stehet auf. Im Namen des Herrn und in Seinem Geiste verkündige ich euch die Botschaft des heiligen Gottes, der euch allen so nahe ist und sich euch durch mich offenbaren lässt. Durch Seine Kraft und Macht und Erbarmung seid ihr geheilt an eurem Leibe. Auch habt ihr schon Worte des Lebens gehört, aber es darf nicht beim Hören bleiben, sondern in euch, in eurer inneren Welt, von der ich schon kündete, sollen sie das Fundament und das Grundleben eurer Gotterkenntnis sein, damit ihr immer und immer in Verbindung bleibt mit dem ewigen und lebendigen Gott.

Gott wurde Mensch und erhob dadurch den Menschen zum Träger Seines Geistes und Vollender Seines Erlösungswerkes. Durch mich kam Er in Seinem Geiste der Liebe zu euch. Es wäre Ihm ein Leichtes gewesen, durch Seine Allmacht eure Götter zu vernichten, oder durch harte Gerichte euch zu zwingen, Ihn anzubeten. Er tat es nicht. Mit Liebe will Er wecken das in euch ruhende Geistesleben. In Liebe trägt Er euch und will warten, ob ihr Ihn auch lieben und Ihm vertrauen könnt.

 

Wenn ihr bedenkt, alles ist aus Ihm, alles ist Sein Eigentum, Er könnte fordern. Er tut es nicht, Er bittet, dass ihr euch bekehrt und Raum in euch frei macht, damit Sein Geist der Liebe und des Lebens euch belebe und ihr zu frohen, glücklichen Kindern Seiner Liebe werdet.

 

Dieser Gott der Liebe hat nur einen Feind, es ist das Böse im Menschenherzen. Dieser Feind ist das Trennende und das Gottesleben Vernichtende. Solange dieser Feind das Herrschende und Belebende in euch ist, kann sich Sein Leben nicht durchsetzen. Weil der Mensch das Ebenbild Seiner Selbst ist, soll er auch Gestalter seiner eigenen inneren Welt sein. Nun wählet, prüfet euch, und alles weitere offenbart euch euer eigener Geist, der das ewige Geschenk Seiner Gottheit in euch ist“.

 

Jakobus schwieg. Herminus aber, ergriffen bis ins Innerste, sagte: „O, ihr Kinder und ihr lieben Freunde, was durften wir vernehmen! Nicht genug, dass der Heilige Gesundheit eurem Leibe gab, alle Angst, Sorge und Kummer von euch nahm, nun hören wir die Botschaft, dass Er uns Vater sein will und uns zu Seinen Kindern macht. Denkt an die vergangenen Tage, Wochen und Jahre, endlos war die Angst, trostlos die Zukunft. Die Priester waren unwürdige Vertreter ihrer Götter, kalt und tot waren ihre Worte, und hier lebt alles, sogar die Worte sind Leben aus Gott. O Du ewiger Gott, Deine Macht hätte mich zu einem Sklaven gemacht, so Du es gefordert hättest, weil Du meine Bitte erfüllt hast. Deine Liebe aber, die uns Dein Bote kündete, macht uns zum Kinde. So nimm mich auf in Deinen Liebesbund, mein Denken und Tun soll Dir immer gehören“.

 

Jakobus geht ins Haus, bringt eine Schüssel reinen Wassers, begibt sich hin zu dem in Andacht verharrenden Herminus und spricht: „Auf dein Gelübde hin bestätige ich den Liebesbund zwischen dem ewigen und heiligen Vater und weihe dich mit dem äußeren Zeichen, dem reinen frischen Wasser für Gott, den Herrn und heiligen Vater. Sein Geist durchwehe deine Seele, Seine Liebe werde dein Leben und Seine Gnade und Sein Friede erweise sich täglich an dir, zum Heile deiner Mitmenschen. Amen.

 

Ihr alle aber, die ihr Zeugen dieser Handlung wart, geht nach euren Hütten und dorthin, wo euch die Pflicht hinstellte. Wer in sich der festen Überzeugung ist, dass es ohne diesen lebendigen Gott kein rechtes Leben ist, tue dasselbe, was Herminus tat. Gelobet euch Gott, dem Ewigen und Herrlichen an, dann will ich euch auch gerne dienen und euch weihen zum Zeichen vollständiger Bindung. Prüfet euch ernstlich, lasst nicht eure Liebe ein flackerndes Feuer sein, sondern ein Brand, der nie verlöschen kann. Ziehet hin in Frieden, die Gnade Gottes und Seine Liebe bleibe bei euch und in euch jetzt und allezeit! Herminus, du bleibst mit deinen Kindern. Ilona, nimm dich des Rudomin an und bleibe. Irene mag mit Helena ein Mahl richten, Gott zur Ehre und euch zum Segen“.

 

Da tritt Hermes hin zu Jakobus und spricht: „Willst du mich auch fortschicken, jetzt, wo du die Beweise gegeben hast von der Kraft und Macht Gottes? Nun ist in mir die Frage brennend geworden: `Wer und was ist Gott?` Wohl kenne ich die Schrift der Juden, aber sie ist zu geheimnisvoll und voller Widersprüche“. Jakobus: „Hermes, wenn du willst, bleibe, das heißt, wenn du ernstlich verlangend nach Wahrheit suchst. Bedenke aber auch, dass du deine Götter, deinen Dienst lassen musst, denn der alleinige und ewige Gott will dich ganz. In Gott gibt es nur Vollkommenes, nichts Halbes, darum erwäge recht ernstlich“. Hermes: „Ist schon geschehen, denn vor deinem Gott gibt es kein Entrinnen. Früher oder später muss sich doch ein jeder zu Ihm bekennen, da Er doch alle Macht und Kraft ist. Führe mich ein in die rechte Lebenslehre, damit ich bald ein rechter Priester werde, aber ein Priester nach dem Willen des ewigen Gottes“.

 

Viele verabschiedeten sich von Jakobus mit Tränen in den Augen. Das Glück, ihre Gesundheit wiedererlangt zu haben, war zu groß. Jakobus ließ sie auch ziehen, denn er wusste, die Kraft der Liebe Jesu wird sie weiter tragen und doch noch rechte Nachfolger aus ihnen machen. Es vergingen aber trotzdem einige Stunden. Inzwischen hatte Helena mit Irene ein Essen bereitet, welches den Dagebliebenen recht mundete.

 

Geeint im Glauben

Es war die ersehnte Ruhe eingetreten, da legte Jakobus dem Rudomin die Hände auf. Rudomin kam in Verzückung und fing an zu sprechen: „O Gott, musst Du gut sein! Dieser herrliche Garten, diese schönen Blumen und Sträucher, o diese Bäume, es ist, als wenn sie sprechen und miteinander reden, nur verstehen kann ich sie nicht. Es ist eine Sprache, gleich gedämpfter Musik, aber wer versteht wohl diese? O, in der Ferne dieses herrliche Haus, die Fenster glitzern wie die herrlichste Morgenröte. Ich komme dem Haus näher oder das Haus kommt zu mir. Jetzt bin ich da, aber die Tür ist verschlossen, ich kann sie nicht öffnen“. Nach einigen Minuten spricht er weiter: „Ich kann suchen wie ich will, ich finde keinen Menschen. Das Haus und der Garten muss ja jemand gehören. Es muss ja jemand sein, der die Arbeit macht, oder sollte Gott es tun, den ich nicht sehe? Da hinten ist noch ein kleines Haus, ich gehe dort hin, vielleicht treffe ich jemanden. Es ist sehr schön hier, aber allein ist es unangenehm.

 

Gott sei Lob und Dank, aus dem Häuschen kommt ein Mann auf mich zu. Er spricht: `Sei willkommen. Wenn du auch noch ein irrender Bruder bist, und deine Heimat dich noch nicht aufnehmen kann, sollst du doch schauen, wie noch alles in der alten Ordnung ist. Bis jetzt war dein Erdenleben noch verfehlt, trotz der ernsten Prüfungen. Aber nun die Gnade Gottes übermächtig geworden ist und dich zu einem Diener Seiner Erbarmung berufen will, sollst du hier die herrlichen Gnadenführungen schauen, die nur Auserwählte verstehen.

 

Komm, tritt ein in mein mir von der ewigen Vaterliebe geschenktes Heim, aber wundere dich nicht, denn jetzt bewegst du dich im Heim der Liebe`. - `Ach, du meine Seele, das soll ein Haus sein? Das ist ja eine Stadt. Leben da auch Menschen, oder bist du allein?` - `Komm und siehe, die Liebe vollbringt Dinge, die keine andere Macht vermag. Ich werde dich aber nur in dieses große Haus führen, dann hast du übergenug gesehen`.

 

Ein großes weißes Haus, große offene Fenster, eine große breite Tür, schon bin ich mit dem Manne in einer großen Halle. Da kommen viele, viele Männer in weißen Gewändern und heißen uns willkommen, begrüßen mich als ihren Bruder. Ihre Worte sind so freundlich, aber sie halten sich zurück. Da schaue ich das erste Mal den Mann richtig an. Ich wollte fragen, da kommt ein Erinnern, mit dem habe ich doch irgendwo gelebt.

 

`Quäle dich doch nicht mit Vergangenem, mein Bruder, diese können dir nicht mit der Liebe entgegenkommen, die ihnen eigen ist, da du ja wieder zur Erde zurück musst. Dein Besuch soll ja nur ein Schauen sein, ich will dir alles erklären. Diese Brüder sind alle Diener der Liebe. Ihr Erdenleben war ein Leben der Prüfung und ein Kampf, doch war es ihr eigener Wunsch, um zur Zeit der Zeiten würdig befunden zu werden zum Dienst der Liebe. Da die Erde sich im größten Aufruhr befindet, ihre Bewohner gefangen sind vom Fürsten der Welt, reicht doch die Liebe und Erbarmung bis in die tiefste Hölle, die du ja auch durchwandern musstest.

 

Nun kommen wir schon weiter. Dort schau, da sind junge Mädchen, die im Elend umgekommen sind und hier ihrer Vollendung entgegengehen sollen. Sie waren schuldlos und sind Opfer des Feindes geworden, aber die Liebe und Erbarmung hat Mittel und Wege zur Genüge. Dort,  rechts siehst du junge Buben, die ebenfalls, wie die Mädchen, eine hohe und herrliche Schule durchleben. Gehen wir eine Treppe höher. Da, hier wohnen alle die, die da ausruhen und ihre Innenwelt bereichern von dem Geist der Gnade. Ich wollte, dass gerade niemand hier anwesend ist, um deinetwillen, sonst würdest du alle Lebensfreude in deinem Erdenleben verlieren, die man dir bis zu deiner Rettung zunichte machte. Präge dir alle diese Worte ein in deinem Herzensschrein. Was du aber hier siehst, soll dir nach dem Willen der ewigen Liebe verbleiben. Nun aber komm, die Zeit ist um, ich will dich aus meinem Haus führen`.

 

O Gott, welche Süßigkeiten erlebe ich hier auf dem Wege. Jetzt sehe ich Menschen. O tausend und noch mehr sind es. Wie sind sie schön, ihre Gesichter strahlen vor Freude. Sie winken, ihre Sprache ist Musik, wie von Hunderten von Harfen. Schade, dass dieser Traum ein Ende hat. Ich sehe alles noch so, als wenn es natürlich wäre“.

 

Jakobus: „Rudomin, vergiss dieses Erleben nicht. Für dich sei es ein Traum, für euch aber soll es Erleben sein. Was euch Rudomin schilderte, ist nur für euch bestimmt, nicht für die anderen, da ihr ja gleich mir ein Träger des Gottesgeistes und ein Diener der Liebe werden wollt. Da Rudomin durch die Qualen in seinem Leben viel geläuterter ist denn ihr, konnte die Führung durch die Gnade geschehen. Rudomin, höre, nur diesen deinen Schwestern und Brüdern darfst du dein Schauen erzählen, keinem anderen, da sie nicht verstehen und das Werk der Liebe herabsetzen würden.

 

Was Rudomin erlebte, war ein Blick in seine Welt. Alles ist unverständlich, sogar die Sprache, und warum? Weil seine Welt verschlossen ist, wie in einem Weizenkorn die neue Pflanze, die hundert Körner bringt, verschlossen ist.

 

Du, Hermes, wolltest erfahren, wie und wer Gott ist. Rudomins Erlebnis ist die Antwort, denn Gott ist nicht allen ein und derselbe, sondern wie dein Geist, deine Liebe, deine Hingabe Ihn in dir gestalten. Deine bisherigen Götter stellten Entsprechungen dar, unverrückbar sind ihre Formen und eure Begriffe. Der ewige Gott aber, als Schöpfer und Erhalter alles Geschaffenen, ist Gott denen, die Ihn als Gott anerkennen, ist Richter denen, die Ihn zum Richter machen. Ich könnte dir noch so manches Bild geben. Mir ist Er die höchste Liebe und Erbarmung, und ich bin auch von Seiner Liebe und Erbarmung durchdrungen, die mir auch bleiben wird, so ich auf dem Boden der Demut und Hingabe verbleibe.

 

Ich glaube, dass dieses Erleben, diese meine Erklärung, den Weg in euch ebnen wird, um Den zu erkennen, der da wahrhaftig und ewig ist. Suchet aber nicht mit Gewalt, dieses Gotterkennen bei anderen zu erreichen. Denn wie Gott die ewige Liebe und Erbarmung ist, sollen auch Seine Jünger liebend und erbarmend sein. Wo keine Gewalt und kein eisernes `Muss` etwas vermag, kann diese erbarmende Liebe doch noch Großes vollbringen“.

 

Hermes: „Wie Wetterleuchten ist es in mir, es ist, als ob von gestern an ich ein ganz neues Leben lebe. Wie trostlos sah es um uns aus, und heute? Ich vermag es kaum in Worte zu fassen. Mir winkt nicht nur ein neues Herrliches, o nein, es ist schon da, hüllt uns ein wie die Strahlen der aufgehenden Sonne. Wenn du uns aber noch etwas erzählen willst, du lieber treuer Liebesbote, so schildere noch etwas von dem Heiland, der ein Freund und Diener aller Menschen war“.

 

Jakobus: „Gerne, mein Hermes, so höre. In meinem Vaterhaus wuchs dieser Heiland als Kind auf. Ich war der jüngste meiner Brüder und hatte die Aufgabe, Ihn zu beaufsichtigen. Es war ein schwer zu behandelndes Kind, einen Eigenwillen hatte Er, der unbeugsam war. In allen Dingen war Er gehorsam, nur beten wollte Er nicht. Keine Strafe brachte es fertig, dass Er nur einmal betete. Gab es eine gute Speise oder eine schöne Frucht, da hielten die kleinen Hände eine Weile still, ungesegnet nahm Er nie etwas zu sich.

 

Da fragte ich Ihn: `Mein Jesus, Du machst mir schon frühzeitig rechten Kummer. Du weißt doch, dass der alte Vater Joseph nie von seinem Gebet Abstand nehmen wird, Du aber weigerst Dich hartnäckig. Beten dürfen alle die anderen, auch ich, nur Du willst nicht. Sage mir, mein Jesus, warum?` Da lächelte dieser zweijährige Knabe und spricht: `Jakob, du weißt doch, wer Ich bin. Genügen denn dir die Herrlichkeiten nicht, die du schon erlebtest? Ich habe es schon schwer genug, so Ich euer Lippengeplärr ertragen muss`. Ich sagte: `Jesus, was sagst Du, Du hättest es schwer, wo wir Dich mit der größten Liebe umgeben, und nennst unser Beten Lippengeplärr? Heute bist Du fast nicht zu ertragen`. Da spricht Jesus: `Jakob, Ich weiß, ihr liebt Mich, aber ihr liebt noch nicht den rechten Geist in Mir. Wenn aber einmal die Zeit kommen wird, wo Ich ganz mit dem ewigen Urgeist eins sein werde, dann werdet ihr Mich mit ganz anderer Liebe umgeben. Eure Augen werden die Dinge ganz anders sehen und euer Herz wird lebendig werden für diesen Geist, um den Ich schon frühzeitig ringe`.

 

Es vergingen die Jahre, aber Jesus verstanden wir nicht. In Ihm hatte sich alles Göttliche durchgerungen. Seine Augen hatten einen stillen, aber ernsten Glanz. Und höret und staunet, Jesus ging beten, aber ein anderes Beten, nicht mit den Lippen, sondern mit ganzem heißem Herzen.

 

Als ich Ihn darum fragte, ob Er sich noch an die Worte erinnerte, wo Er als Kind unser Beten als Lippengeplärr hinstellte und es Ihm schwer war, es zu ertragen, da sagte Er: `Mein Jakob, euer Beten ist auch heute noch dasselbe, aber Mein Beten ist ein Vereinigen mit dem ewigen Vater in Mir. Wie soll Ich denn Meinen Vater hören in Mir, wenn das Maß der weltlichen Pflichten immer größer wird? Um mit dem Vater eins zu werden, bedarf es der größten Harmonie, diese erringe Ich Mir in der Stille. Glaubst du, mein Jakob, diese Harmonie mit dem Gottesgeiste aufrecht zu erhalten, wenn du deinem eigenen Geist in dir keine Gelegenheit gibst, sich an den Gottesgeist anzulehnen? Noch stehe Ich im Kampfe mit Mir Selbst, ist aber die Einung erreicht, werde Ich den Kampf mit der Außenwelt aufnehmen können. Einen Kampf, der zum Sieg führen wird. Ich wollte auch, es wäre schon vollbracht`.

 

Als Er Sein Lehramt antrat, wo nur Liebe und wieder Liebe die größten Dinge vollbrachte, da wurde mir erst alles klar, wer Jesus war, der rechte Sohn vom ewigen Vater, Der in Sich die ewige Gottheit verkörperte und uns einen Geist schenkte, der alles und alle zur herrlichen Vollendung führt. Es wäre noch Vieles zu schildern, aber da in Seinem Geiste, den ihr euch durch die Liebe zum Nächsten aneignen sollt, euch derselbe noch alles offenbaren wird, mag es für heute genug sein“.

 

Spricht Ilona: „O, ihr überglücklichen Menschen, welche Seligkeiten müsst ihr schon erlebt haben. Die Erde muss euch zum Himmel und euer Leben eine Seligkeit gewesen sein, für die ich keinen Begriff habe, es darzustellen. Nur einen einzigen Tag hätte ich bei euch leben mögen, während wir in Sorge, Qual und Schmerzen dahinsiechten“.

 

Jakobus: „Schwester Ilona, jawohl, wir haben Seligkeiten erlebt. Aber denke keiner, dass uns der Erbfeind in Ruhe ließ, schwere Kämpfe und manche Niederlage mussten uns ausreifen, um eben die Seligkeiten ertragen zu können. Wir waren ja auch nur Menschen und verwachsen mit dem Gesetz und den Propheten, nur Jesus war frei. Ich weiß, wie ein Trupp Gefangener durch Nazareth marschierte. Es durfte unter keinen Umständen den Gefangenen etwas gereicht werden. Vor dem Brunnen tränkten die Soldaten ihre Pferde und taten sich an dem frischen Wasser gütlich, während die Gefangenen fast vor Durst verschmachteten. Da ging Jesus, zum Schrecken aller, hin, hob einen Eimer Wasser aus dem Brunnen und ließ die Gefangenen aus einem Becher trinken. Der Führer des Transportes wollte Jesus anfahren, aber mit großen Augen sah Jesus ihn an und sagte: `Seit wann stellt denn ihr Römer die Menschen unter das Vieh? Muss dich ihre Not nicht erbarmen, wo du besorgt bist um deine Pferde? Es stehet geschrieben, der Gerechte erbarmet sich des Viehes, wie viel mehr muss der Mensch aber gerechter sein, wenn die Not der Mitmenschen ihn zu Handlungen treibt, die nur das Herz gut heißt`.

 

`Du musst ein gutes Herz haben`, erwiderte der Römer, `darum will ich dich nicht tadeln. Ich wollte, alle Menschen wären wie du, dich könnte man lieb haben`. - `Tue es immerhin, und eingedenk sei dir Mein Name, Ich bin Jesus`. Da ließ der Römer rasten und den Gefangenen wurden Erleichterungen gegeben. Lange noch unterhielt sich der Römer mit meinem Vater Joseph und mit Maria, Jesus Leibesmutter. Jesus aber war gegangen, Ihn störte es, so man Ihn lobte“.

 

Helena: „Ach, ihr Lieben, beschäftigt euch doch nicht so sehr mit dem, was war. Liegt die Gegenwart und Zukunft nicht viel herrlicher vor uns? Ist nicht Not über Not unser ständiger Begleiter gewesen, und jetzt ist alles nur Wonne. Es ist ein Glück, dass dieser Jesus, dieser übergute Heiland und Menschenfreund, nicht als Mensch hier ist, ich würde meinem Herzen und Gefühlen vollständigen freien Lauf lassen und an Seiner Brust mich entschädigen für das vergangene Leid. So ist es aber gut, ich kann mich vorbereiten zum schönsten Dienst für Ihn. Meine Augen werden in jedem Menschen Seine Liebe suchen, meine Ohren werden lauschen auf jedes Wort, welches das Leben kündet. Aber mein Herz soll offen sein für jedes Weh und alles Leid, denn ich fühle es lebendig, nur dort finde ich Seine Liebe, Seine Gegenwart, wo ich dem Weh und dem Leid den Stachel nehme und Freude hintrage“.

 

Jakobus: „Helena, du hast das Leben der Liebe erfasst. Freue dich dessen, denn wer das Leben aufgenommen hat, der ist auch von Ihm, unserem herrlichen Gott und Vater, angenommen und aller Tod ist überwunden. Jesus lebt, trotz Tod und Todespein, und alle, die an Ihn glauben, mit heißem Herzen Ihn erfassen, werden ewig mit Ihm leben in Seinem Reiche, wo es kein Leid und kein Geschrei mehr geben wird. Fürchtet euch nicht vor den Menschen, die euch rauben möchten diesen, nun euren Glauben, sondern seid euch bewusst, dass der Vater um alles weiß, dass Er keinen vergisst, der Ihm die Treue gelobt, und der Lohn wird nicht ausbleiben. Ihr werdet geliebt werden von Ihm, und Er gibt Sich Selbst als Lohn“.

 

 

In Erwartung des Kommenden

Vor dem Hause wurden Stimmen laut, einige Männer kamen und fragten nach dem Wundermann. Es waren Abgesandte der Kranken, die am Tempelhain bei dem Oberpriester Trost und Heilung suchten. Zeno aber gab unumwunden zu, dass er unfähig sei, zu heilen. Er verwies auf den Gottesboten, der bei der Witwe Helena in der Stadt sei und die Botschaft des wahren und ewigen Gottes bringe, und seine Worte mit Wundertaten beglaubigte.

 

Jakobus: „Der Friede sei mit euch. Euer Wunsch ist mir bekannt, kehrt um und sagt den anderen, dass ich zu ihnen kommen werde“. – „Wie kannst du wissen, du Fremdling, um unser Begehren, es ist doch noch kein Wort darüber gesprochen worden“. Jakobus: „Ich weiß noch mehr, ich weiß sogar, dass noch viele auf dem Wege zum Tempelhaine sind. Da dieselben aber länger als vorgenommen bleiben werden, möchte ich euch bitten, einen Speisevorrat zu kaufen und denselben hinzubringen“ – „Wie kommen wir dazu, Speise für andere zu kaufen, sollen sie doch selber dafür sorgen“. Jakobus: „Es war nur eine Bitte, ihr lieben Männer. Wenn ihr nicht wollt, dann lasst es bleiben. Aber ich glaubte, wenn euch Wohltaten gereicht werden sollten, es doch billig wäre, dass auch ihr etwas beitragen könntet. Gehet voraus, in einer Stunde bin ich dort“.

 

Helena, die Jakobus an die Türe folgte und jedes Wort hörte, sagte: „Lieber Jakobus, sind dies harte Menschen. Lass mich Brot und Früchte hintragen, denn es geht nicht an, dass dort, wo diese herrliche Liebe geoffenbart wird, die Zuhörer hungern sollen“. Jakobus: „Sie werden nicht hungern. Die Männer werden Brot und Früchte kaufen und alle werden satt werden. Möchtest du mit deinen Kindern nicht mitkommen?“

 

Alle gingen mit Jakobus zum Tempelhain. Sehnsüchtig erwarteten die Anwesenden den Jünger Jesu. Durch Zeno vorbereitet, waren ihre Herzen schon aufnahmefähig und warteten geduldig der Dinge.

 

Zeno ging dem Jünger entgegen, drückte dessen Hände an sein Herz und sagte: „Meine Seele freut sich, weil ich an meinem Lebensabend noch die ewige Heilswahrheit erfahren und erfassen durfte. So gut es ging, sind alle vorbereitet, doch sind einige Kranke darunter, die schon jahrelang leiden“. Jakobus: „Zeno, vertraue ganz und dein Glaube wird dir herrlich gelohnt werden. Im Namen Jesu und in Seinem Geiste bist du Sein Vertreter, was du in diesem Glauben anfängst, wird Er vollenden“. Zeno: „Ich bin glücklich, diese Worte zu hören, aber noch glücklicher wäre ich, so alle den Herrn zu ihrem Herrn machen würden“.

 

Jakobus wurde umringt, alle waren begierig, Worte aus seinem Munde zu hören, aber er sagte mit schlichten Worten nur: „Friede sei mit euch und die Liebe und Gnade des Herrn Jesu sei euer Teil“.

 

Dann ging er zu den vier Kranken, die auf leichte Wagen gebettet waren, und sagte: „Wenn ihr festen Willens seid, eure Götter zu verlassen und den ewigen Gott annehmt, von dem schon euer Oberpriester zeugte, dann stehet auf und seid im Namen des ewigen und wahren Gottes gesund, und Seine Gnade sei mit euch immerdar“. Da standen sie auf von ihren Wagen, gingen hin zu Jakobus und drückten ihm die Hand.

 

Einer aber sagte: „Wie sollen wir dir danken, du Bote des ewigen Gottes. Nicht das ist das Wunder, dass ich gehen kann, sondern, dass meine Ahnung vom Dasein eines wahren. lebendigen und allmächtigen Gottes Wirklichkeit geworden ist. Wohl trug ich schwer an meinem Leiden, aber noch schwerer trug ich, weil mich die Götterlehre nicht befriedigte. Was Zeno erzählte, war schön und gut, aber noch besser müsste es sein, so ich, und wir alle, aus deinem Munde von dem wirklichen und wahren Gott die reine Wahrheit erführen. Zeno war unfähig, uns Gutes zu tun zur Besserung unserer gelähmten Glieder, du aber sagtest, wenn ihr glauben wollt, dann seid ihr gesund. Ich, und wir alle, wollen gerne glauben, ja, wir wollen gerne tun, was dein Gott von uns begehrt, aber du musst uns ein Bild von Ihm geben, damit wir Ihn uns vorstellen können“.

 

Jakobus: „Ebraim, dein Wunsch ist schon erfüllt, denn es ist Sein Wunsch, dass Er, der Herr des Himmels und der Erden, erkannt sein will von allen Seinen Menschenkindern. Das Bild, welches ich euch gebe, ist dies eines Menschen, aber in allem Guten und Wahren die höchste Vollkommenheit. Vollkommen in der Liebe, Macht und Weisheit, Er ist das Leben und alles Leben kommt aus Ihm. So ihr alle an Ihn glaubet und nach Seinem Willen tut, wird auch Sein Leben in euch sein, die aber nicht an Ihn glauben, verbleiben im Tod und im Gericht.

 

Als Mensch unter Menschen offenbarte Er uns Sein ureigenes Leben. Es war Liebe und Erbarmung, gepaart mit der herrlichsten Weisheit. Seinem Willen musste sich alles beugen. So erwarb Er als Mensch uns Menschen das ewige Leben. Kein Tod hat mehr Macht über das Leben. Ihr werdet denken, dann stirbt auch niemand mehr, aber dieses ist anders. Wohl werden wir alle den Leib ablegen nach dem Willen des ewigen Gottes, aber unsere Seelen, welche das Leben aufnehmen, werden vom Leben aus Gott getragen und in Seinem Reiche, welches in uns seinen Anfang hat, mit Ihm leben. Ihr staunet ob dieser Worte, aber fragt Rudomin. Vor Stunden noch ein armer Kranker, durfte er Vorgänge in der ewigen Welt erleben, die die Gnade und Liebe Gottes ihm schenkte“.

 

Spricht Ebraim: „Guter Freund, es müsste herrlich sein, Blicke in das Jenseits des Grabes zu tun, aber wichtiger wird es wohl sein, dass wir zum rechten Glauben kommen. Durch jahrelanges Leiden hat man nur den einen Wunsch gehabt, gesund und froh zu werden. Wir lebten auch, aber welch ein trauriges Leben. Du kündest uns ein Leben, welches bis jetzt nur in unserer Sehnsucht lag. Sage mir, wie ich am schnellsten dieses Leben erringe, denn schon allzu lange lebte ich ein Leben, welches nur Qual war“.

 

Jakobus: „Ebraim, und ihr alle, höret, der schnellste und einfachste Weg ist der Weg der Liebe. Liebe deinen Nächsten mehr, als dich, und suche zu beglücken, wo du nur kannst, hilf, wo du nur kannst und wo Hilfe Not tut, allen Elenden und Armen reiche deine Hände. Aber alles dieses tue im Geiste Jesu, des ewigen und lebendigen Gottes, dann hast du das Leben und das Leben hat dich für ewig. Es ist die höchste Gnade Gottes, so der Mensch sich diesen Geist der Liebe aneignet, den ihr eben so wunderbar erlebt habt“.

 

Einige Wagen mit Begleitung kamen, es war Abgarus mit seinem Gefolge. Ihn trieb es zu dem Jünger Jesu, es waren verlorene Stunden für ihn, wo er ihn nicht um sich hatte. Durch Boten erfuhr er, dass im Hause Helena viele Kranke ihre Gesundheit erhalten hatten. Unterwegs gedachte er Zeno, den Oberpriester, mitzunehmen, um denselben ganz für das Werk Jesu zu gewinnen. Wie groß war sein Erstaunen, den Jünger beim Tempelhain anzutreffen.

 

Jakobus, der ihn zuerst sah, ging auf ihn zu und sagte: „Bruder, nicht umsonst trieb dich die Liebe Jesu. Ich danke dir, dass du dem Ruf des Meisters folgtest. Aber nun komm und sieh, wie glücklich die Menschen durch Jesus geworden sind“.

 

Die Anwesenden wollten vor ihrem König auf ihre Knie niedergehen, aber Abgarus sagte: „Höret auf, heute bin ich zu euch als euer Bruder gekommen, der dem ewigen Gott die Ehre geben möchte. Dir aber, Herr Jesus, Du Leben alles Lebens, Du Liebe aller Liebe, danke ich aus tiefstem Herzensgrunde, weil Du mit die Freude bereitet hast, glückliche Menschen um mich zu sehen. O Du Heiland aller Heilande, Du Meister aller Liebe, schenke uns Deinen Geist, der uns in die Herzen Deiner Kinder einen Weg bahnen lässt“.

 

Als die anderen ihren König so reden hörten, jubelten sie ihrem König zu. Aber Jakobus sagte: „Liebe Männer, es ist recht, so ihr rechte Freude habt, im Freuen wird das Herz groß und weit. Es ist noch Großes zu vollbringen, solange aber noch die alten Götter mahnend und warnend zwischen euch und dem lebendigen Gott stehen, ist noch eine Wand, die euch wahrhaft hindert, den wahren Gott Jesu walten zu lassen.

 

Machet diesen Tempel zu einem Tempel des wahren und lebendigen Gottes, dann habt ihr eine Stätte, wo ihr euch einen könnt, um euch gegenseitig zu stärken und zu fördern. Der Herr aber, als die Liebe, ist bereit, euch ganz nach eurer Liebe zu dienen mit Seinen Gaben, damit keinem etwas abgehe“. Spricht Abgarus: „Bruder Jakobus, ich danke dir für den Hinweis. Sofort soll mit dem Errichten begonnen werden, zum Sabbat sollst du ihn weihen können, wenn wir die Taufe begehren“.

 

Was nun folgte, grenzte ans Wunderbare. Abgarus selbst überwachte die Arbeiten, und immer mehr Volkes kam zum Tempel, um sich zu überzeugen von der Änderung ihres geliebten Tempelhaines. Es warteten viele, dass die Götter sich wehrten und die Handwerker straften, aber nichts von alledem. Noch nie hatten Zeno und Hermes so viel zu reden, wie in den beiden Tagen. Die Geheilten aber sorgten, dass die Kunde ihrer Heilung nicht nur in Edessa, sondern weit hinaus getragen wurde. Es war aber dabei das Wunderbare: Abgarus sorgte, dass alle auch beköstigt wurden, keiner litt Hunger oder Durst. Als am Freitag die Sonne sich neigte, war das Werk vollendet.

 

Jakobus war dem Tempel ferngeblieben. In der Stadt, in den Herbergen, bezeugte er in den zwei Tagen die große erbarmende Liebe Jesu und heilte dabei viele Gebrechliche und Kranke. Die Heilung des Königs und der Kranken wurde ja viel höher bewertet, als seine Predigten, aber sein Herz war voller Freude, immer lebendiger wurde sein Zeugnis, dass ihm niemand widerstehen konnte. Bei Helena hielt der Zuzug nicht auf, immer wieder kamen Kranke und warten und warten auf den Jünger. So kam der Sabbat heran.

 

Abgarus mit Zeno besuchten ihn noch am Abend. Sie werden wiederum Zeuge von der wunderbaren Kraft der erlösenden Liebe Jesu, die ihre Herzen ganz freudig machen zum Werke, welches am morgigen Sabbat öffentlich beginnen soll, zu dem Zeno mit seinen Priestern eingeladen hatte. Der letzte Rest vom alten Göttertum verschwand beim Zeno, als er das Brot, welches Helena allen Besuchern mit Früchten vorsetzte, genossen hatte. Ein solches Brot hatte er noch nie gegessen. Helena, in ihrer dankbaren und dienenden Liebe, hatte nicht genug Worte, dieses Wunder mit dem Brot und den Früchten zu bekennen, für Zeno aber war es die Reinigung vom alten Göttertum. In der Stadt aber rüstete man zur feierlichen Einweihung des Tempels, um den Sabbat würdig zu feiern.

 

Als die ersten Strahlen der Sonne den werdenden Sabbat begrüßten, zogen schon Massen nach dem Tempelhain. Zeno hatte die Tore zum Tempel offen, zögernd gingen sie hinein. Feierliche Stille umgab die schnell den Tempel füllenden Menschen. Alle Opferaltäre waren verschwunden, nur ganz vorn war ein Altar mit sieben brennenden Leuchtern, jeder Leuchter hatte sieben brennende Lampen. Ein drei Meter hohes Kreuz ragte empor. Auf dem Altar war, zwischen blühenden Blumen, das Bild des Herrn, welches Abgarus dem Tempel stiftete. Die Tempelhalle war in zwei Teile geteilt, wo weiche Teppiche lagen, die zum  Sitzen einluden. Die Gasse bleib frei für kommende und gehende Besucher. Viele Hunderte waren darinnen und noch viele wollten hinein, aber es war schon überfüllt.

 

Da kommt Abgarus mit seinem ganzen Hause, sie werden freudig von allen begrüßt. Man will Platz machen, damit sie in den Tempel hinein können, er wehrt ab und bleibt mit den vielen vor dem Tempel. Nun kommen Sänger mit Harfen und Flöten und anderen Instrumenten. Sofort beginnen sie mit einem Jubellied, und unter den Klängen des Liedes kommt Jakobus.

 

Mit leuchtenden Augen, mit den Händen rechts und links grüßend, geht er durch die schmale Gasse, die man bis zum Altar machte, wo schon Zeno mit Hermes und den anderen, die die Lehre fest erfasst hatten, harrte. Stille trat ein.

 

Jakobus, vor den Altar tretend, hebt die Hände zum Segen und spricht: „Die Gnade Gottes und die Liebe des Herrn Jesus Christus sei mit euch. In Seinem Namen grüße ich euch. Ich danke euch, dass ihr mir Gelegenheit gebt, in Seinem Liebegeist zu dienen, den ihr in den letzten Tagen so herrlich erlebt habt.

 

Eure Liebe schuf diesen Tempel zu einer Stätte, wo ihr euch zusammenfinden wollt, so die Liebe euch treibt. Herrlich habt ihr die Stätte geschmückt, ganz würdig eurer Liebe. So weihe ich euch diesen Tempel. Denket immer daran, dass nicht der Herr und Gott in diesem Tempel wohnt, sondern mit dem Herrn sollt ihr euch in diesen Hallen zusammenfinden in Freud und Leid. Einer sei dem anderen immer das, was der Herr und Heiland, der treue Gott und Vater, euch sein soll.

 

Du Zeno, der Herr bedarf deiner. Sei ein Diener aller, deinen Helfern aber sei immer ein Vorbild in der Liebe. Alles aber, was ihr den Begehrenden reicht, wird euch Sein Geist geben, und so empfanget Seinen Geist, der euch in alle Wahrheit leiten wird. Du aber, Du treuer Herr und Gott, sei in dieser Stunde unter uns, lasse Deinen Lebensstrom fließen, damit er alle belebet. Erfülle alle mit Deinem Geist, die ihr Herz für Dich offen halten und segne uns aus der Fülle Deiner erbarmenden Liebe, damit wir wieder segnen können. Amen! Du Zeno, du Hermes und du Rudomin, nehmet hin den heiligen Geist, der euch für ewig zu Dienern Seiner Liebe macht. Amen. Amen. Amen“.

 

Zeno, ganz ergriffen, spricht: „O Herr, der Du mich würdig machst Deiner Gnade und Barmherzigkeit, lasse mich ganz Dein Diener sein, um das Heil aller willen. Ihr aber, liebe Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, in heiliger Stunde kann ich nicht anders, als das verkünden, was in mir lebendig geworden ist. Jesus hat Seinen heiligen Liebesplan offenbart. Wir sollen alle mit Ihm leben, ein Leben der Freude. Aus Seinem Geist sollen wir uns untereinander lieben, wie Er uns liebt. So segne ich euch, als euer Diener aus der sich in mir offenbarenden Kraft. Euer Wollen und des Herrn Friede sei mit euch“.

 

Hermes: „Es sei hinfort keine Schranke mehr zwischen den Priestern  und euch, sondern wir dienen euch mit der herrlichen Liebe, die uns so reichlich geschenkt wurde und auch weiterhin verbleiben wird. Kein Gesetz, keine Vorschriften, sondern der freie Liebeszug aus Gott, dem Ewigen und Lebendigen, soll uns gemeinsam verbinden und dem Herrn immer näher bringen. Du aber, Du Vater aller Deiner Kinder, hilf uns, damit wir auch Deine rechten Kinder werden. In meinem Herzen fühle ich das Leben. Ich möchte euch alle damit erfüllen, damit des Herrn Liebegeist ganz unser Eigen werden“.

 

Jakobus: „Heilig ist die Stunde, weil Leben über Leben sich zu euch allen drängt. Doch schauet hin aufs Kreuz, das Zeichen unserer Erlösung. An dem Kreuze errang der Meister unsere Freiheit. Er machte uns frei von der Macht des Todes. Lasset das Kreuz stets zu euch sprechen, denn es verkündet den Sieg. Frei dürft ihr sein, das Leben gehört euch allen, damit ihr wahrhaft Seine Kinder werdet. So wollen wir hin an den nahen Bach, um das Werk, das heilige, zu vollenden und allen die Taufe geben, die sie begehren. Geht im Namen des Herrn, Sein Wille sei auch der unsere!“ Alle, alle gingen, es war ein Singen, ein Jubel.

 

Jakobus, Zeno und Hermes treten in das kühle Wasser. Abgarus, als der erste, Hethmann, als der zweite, begehren die Taufe, dann kommen alle, erst die Männer, dann die Frauen. Helena, Ilona und Irene gleichzeitig, dann alle, und in zwei Stunden war das heilige Werk beendet.

 

Alle gingen auf die Knie. Jakobus, mit beiden Händen segnend, spricht: „Schwestern Brüder, es ist jetzt kein Unterschied zwischen Himmel und Erde. Der Herr, unser Jesus Christus, ist mitten unter uns und spricht: `Kindlein, seid gesegnet aus Meiner Liebe, die alles trägt, aus Meinem Leben, welches ewig neues Leben zeugt und aus Meinem Geist, der ganz euch erfüllen soll, damit Mein Werk durch euch seine Erfüllung finde. Ich suchte euch, ihr ließet euch finden, Ich kam zu euch, ihr habt Mich aufgenommen. Haltet Mich fest durch eure Liebe, denn Ich in euch und ihr in Mir sollen krönen das Werk Meiner Liebe und Erbarmung. Meine Liebe habt ihr erlebt. Es sei euer Streben, dass auch alle anderen Meine Liebe durch euch erleben und Mich als Den erkennen, der das Leben ist und sein wird ewig.

 

Wie der Liebe heiliges Leben Mich erfüllt, so wird euch Mein Leben erfüllen. Darum bleibet in Mir, damit Ich euch verbleiben kann. Mein Geist in euch wird euch noch vieles offenbaren, was ihr jetzt noch nicht erfassen könnt. Aber seid euch dessen bewusst, was ihr heute noch nicht ahnt, wird bald eure Herzen mit Seligkeit erfüllen. Ein jeder liebe Mich, aber mit dem Herzen. Vergesset nicht, dass auch in jedem Menschen eine Heimatstätte Meiner Liebe zu errichten ist, damit uns alle ein Geist verbindet, der allen, allen Erlösung und Beseligung bringt.

 

Ziehet hin in Frieden, jeder an seinen Platz. Mein Vatersegen verbleibe bei euch und Mein heiliger Friede sei euer Teil. Amen. Amen. Amen`“.

Der Liebe Lohn

Jakobus ging durch die Menge, um dem einen oder anderen ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Dann kommt er zu Abgarus und spricht: „Mein Bruder, mit übervollem Herzen danke ich dir für die Arbeit für den Herrn. Sieh nur, wie sie alle dich lieb haben, kannst du dir eine noch größere Freude wünschen? Ich sage dir, noch viel, viel mehr Freude wirst du erleben, denn Zeno hat das Leben erfasst, Rudomin ist sein treuer Helfer, denn seine Gabe ist das Schauen. Es werden euch Dinge offenbart werden, von denen ihr alle noch keine Ahnung habt. Die Feier ist beendet. Nach und nach wird der Platz leer werden, den Tempel lasst Tag und Nacht offen. Es genügt, so des Nachts eine kleine Lampe brennt als Symbol“.

 

Abgarus: „Bruder, eine Herzensbitte habe ich an dich. Komme heute noch in mein Haus, ich lade Zeno und seine Priester, du aber bringst die drei Frauen mit. Ich muss euch heute noch um mich haben, denn ohne ihre Arbeit wäre nicht der Erfolg geworden“. Jakobus: „Gerne erfülle ich deine Bitte, Bruder Abgarus, es gilt auch an den Abschied zu denken. Meine Mission ist erfüllt, an anderen Orten ist meine Anwesenheit wichtiger. Aber, Bruder, keine großen Ehrungen, die Liebe sei das Band, was uns bindet“.

 

Ach, wie viele sehnten sich noch nach einem Worte von dem Jünger, alle wollten ihm so gerne danken. Helena war nicht erfreut, beim König zu erscheinen, da aber Ilona und Irene zuredeten, ging sie mit. So wurde am Nachmittag geruht.

 

Als die Sonne sich neigte, empfing Abgarus seine Gäste. Zeno, Hermes und Rudomin waren schon anwesend. Der große Speisesaal war in einfacher Art für ein Abendmahl gedeckt, zu dem alle die geladen waren, die sich um das Werk Jesu besonders hervorgetan hatten.

 

Abgarus war voller Freude, begrüßte alle in herzlichster Freude mit den einfachen Worten: „Meine lieben Freunde, es ist meinem Herzen Bedürfnis, an Stelle des Herrn und ewigen Gottes Jesus Christus, euch zu danken. Wie einsam war ich oft, da ich mit wenigen nur sprechen konnte von Dem, Dem wir alle zu danken haben, und heute erlebe ich die Liebe meiner Landeskinder. Wundert euch deswegen nicht, dass ich gerade heute euch mit meiner Liebe und meinem Dank beglücken möchte. Wie wunderbar ist alles geordnet. In langen Nächten habe ich oft nachgedacht, wie kann meinem Volk die rechte Wahrheit beigebracht werden, und das Ergebnis heute? Fast alle begehrten die Taufe. Wir wollen ohne Zwang das Abendmahl einnehmen, aber zuvor bitten: Herr Jesus, sei Du unser Gast und segne uns alles, was Deine Liebe bescheret hat. Amen“.

 

Nach dem Essen bleib man an der Tafel sitzen. Da sagte Jakobus zu Rudomin: „Bruder, lege alle Scheu ab. Denke, es sind alle deine Brüder und Schwestern, und du willst allen dienen mit dem, was dir der Herr schenkte. Nicht umsonst hat dich der Herr berufen und dir eine neue Heimat gegeben, darum mache dich würdig der Gnade, ein Berufener zu sein“.

 

Erst langsam, dann immer sicherer schilderte Rudomin sein Schauen. Rudomin begann: „Ich bin kein Redner, darum bitte ich um Nachsicht, so ich Fehler begehe. Ich sah heute im Tempel den Herrn das erste Mal, als der Jünger die Worte des Herrn übermittelte. Ich habe weniger den Worten gelauscht, der Herr war mir wichtiger. Als die Worte beendet waren, war auch mein Schauen beendet.

 

Als die vielen zu uns ins Wasser kamen, sah ich, wie auf einem Schleier sitzend, viele schöne Gestalten. Ganz deutlich erkannte ich auch deinen Sohn, mein Herr und König. Als der Jünger dein neigendes Haupt mit Wasser benetzte, machte dein Sohn das Zeichen des Kreuzes über dich. Sein Gesicht glänzte wie die Sonne.

 

So immer neue zu uns ins Wasser kamen, sah ich auch neue Gestalten. Es war mir, als wenn die getauften Brüder und Schwestern die Gestalten mitnahmen. Darum passte ich auf, wie Helena, unsere Wohltäterin, sich mit den anderen taufen ließ. Ihr verstorbener Mann, den ich sehr gut kannte, war bei ihr und blieb auch lange, bis zwei Lichtgestalten ihn in ihr Licht einhüllten.

 

Die Taufe war beendet. Zum Danke lagerten sich die Glücklichen, und nun kommt ein schönes Erleben. Ungefähr 50 herrliche Gestalten bringen oder schweben mit einer herrlichen Girlande über die Betenden und schlingen uns alle ein. Dann kommt der Herr Selbst, nimmt in jede Hand ein Ende und spricht die herrlichen Worte, die wir durch den Jünger hörten. Als Er Amen. Amen. Amen spricht, lässt Er ein Ende los und wirft uns allen die Blumen zu, bis die Girlande alle war. Und, o Wunder, jeder hatte eine Blume, und auch jetzt noch, an der linken Seite, wo das Herz sitzt. Du, mein König, hast eine große weiße Blume, die ich leider nicht mit Namen bezeichnen kann, während Helena die selbe Blume, aber in rot hat. Jeder hat eine andere Farbe, aber wie ich feststelle, sind bei den Frauen alle ins rötliche. Dann segnete uns der Herr. Beim Entschwinden nimmt er alle Gestalten mit oder in Sein Licht auf. Dies ist mein Schauen gewesen“.

 

Zeno, ganz aufgeregt über das Schauen seines Helfers, spricht: „Aber Rudomin, du hast doch noch gar nichts gesagt über dein Schauen“. – „Nein, mein Oberpriester, ich hätte auch heute nichts gesagt, wenn der Jünger des Herrn nicht gemahnt hätte“. Jakobus: „Es ist so, Rudomins Wesen muss sich erst noch ganz klären. Noch ist er nicht so frei, um vertreten zu können, was er schaut. Durch jahrelange Besessenheit war er nicht sein eigener Herr in seiner Welt, sondern die, die ihn beherrschten. Aber freut euch mit ihm, er wird euch noch vieles übermitteln.

 

Du, Bruder Zeno, bediene dich immer seiner, denn bei Kranken wird er dir immer gute Dienste leisten. Jede Besessenheit wird erkannt, da er ja die Geistwesen sieht, die da den einen oder anderen belasten. Auch beim Verscheiden eines Menschen wird er alle Vorgänge schauen und euch als Priester wertvolle Dienste leisten. Auch dir, Abgarus, wird er großer Helfer sein. Jeden Menschen, der es nicht ehrlich und offen meint, wird er sofort erkennen und dich aufmerksam machen können“.

 

Abgarus: „Das ist mir ganz neu, dass auch hier der Herr so wunderbar vorsorgt. Da sind ja mit einem Schlag alle Sorgen zu Ende, wenn wir in allen Dingen klar sehen dürfen“. – „Du wirst noch genug Arbeit bekommen, mein Bruder im Herrn, aber der Herr, als der immer Sorgende, wird dir in deinem Geiste offenbaren, was du tun sollst. Helena wird die Gabe einer Wehmutter empfangen und viel Segen stiften, wenn die Neugeborenen mit dem Segen des Herrn ihren Erdengang antreten.

 

Liebe Freunde, wünscht euch keine Gabe vom Herrn, sondern machet frei, was so herrlich in euch liegt. Keinem wird etwas neu geschenkt, sondern es liegt alles in euch. Jede, auch die kleinste Liebe aus dem Reichtum eurer Innenwelt, ist Geschenk des himmlischen Vaters und ist dazu da, um zu beglücken und sich zu bereichern am Heilandsleben.

 

Du Hethmann, denkst, `ja, es ist alles schön und gut, aber was nützt es dem Menschen, so er es nicht weiß? Was nützt mir der Schatz in meinem Hause, wovon ich nichts weiß? Wie vieles besser wäre es, so allen bekannt wäre, was in uns liegt`. Bruder Hethmann, was du jetzt dachtest, ist noch auf deinem Grund gewachsen. Lasse erst den Christus in dir dein Grund werden, dann wirst du dir der Schätze in deinem eigenen Hause bewusst werden.

 

Ihr alle, meine Brüder und Schwestern, seid euch alle bewusst, die Gnade des Herrn gleicht einem Vorratshause, die Liebe ist der Schlüssel dazu. Beides ist gegeben, um den Geist des Herrn zu verwirklichen, nur mit dem Unterschied, Vergängliches gibt sich aus, Ewiges vermehrt sich je nach dem Maße, nachdem man austeilt.

 

Aber nun mag Rudomin euch noch beglücken mit dem, was sich eben im Geiste hier abspielt“. Jakobus nickt ihm zu, dann sagte Rudomin: „Mein Herr und mein König, gut muss es der gute Gott mit dir meinen, denn Omar, dein Sohn kommt in Begleitung des Herrn, dahinter folgen viele Wesen. Die Wände deines Hauses sind vor meinen Augen völlig verschwunden, ich schaue nur mit geistigen Augen. Mir ist, als wenn wir im Hintergrund sitzen, wo es noch sehr dunkel ist. Omar, dein Sohn, segnet uns alle. O Wunder, eine große Festtafel ist auf einmal da,  in Form eines großen Kreuzes. Die seligen Gestalten schmücken die Tafel mit den schönsten Blumen. Ja, was ist denn das, sie formen ja Buchstaben und Worte. Sie lauten: Jesus Christus, Du bist die vollendete Liebe, in dieser Liebe die vollkommene Gottheit und die ewige Erhaltung. O, wie schön diese Farbenpracht. Jede Blume besingt die Liebe des anwesenden Gottes Jesus Christus.

 

Omar spricht: `o Abba Immanuel, wie glücklich machst du mich in dieser Freudenstunde mit dem Geschenk, dass meine Eltern und Geschwister, sowie die Brüder, alles erfahren dürfen, was sich jetzt in meiner Welt vollzieht`. Spricht der Herr: `Mein Sohn, auch Ich bin glücklich, denn nicht die Meine, sondern deine Liebe ist es, die dieses Festmahl ermöglicht`. Omar: `Wenn es meine Liebe ist, o mein Immanuel, mein Abba, dann wage ich etwas ganz Großes, bitte Dich aber im voraus um Deinen Segen`. Der Herr: `In deiner Liebe ist schon alles recht gesegnet, darum handle ganz frei`. Omar drückt die Hände, die Nägelmale tragen, an seine Brust und spricht: `Dank, mein Abba, in Deinem Namen versuche ich mein Heil. Entschuldige mein Fortgehen, bald bin ich wieder zurück`.

 

Omar verschwindet, der Herr segnet ihn. Nun sehe ich Omar in einer Welt voller Steine, da er niemand sieht, ruft er. Da schauen aus den Löchern Bewohner heraus. Omar geht hin und spricht: `Brüder, kennt ihr mich nicht mehr?` - `Doch, du bist des Königs Sohn, was suchst du hier und störst unsere Ruhe?` - `Nicht stören, sondern um zu erlösen aus eurer Steinwelt, die tot und ohne Leben ist`. - `Bist du gekommen, uns zu predigen von dem Gott, der Liebe sein soll, dann gehe ruhig wieder. Noch haben wir keine Sehnsucht nach einem Gott, von dem wir bisher nichts wussten`.

 

`Ich bin nicht gekommen, um zu predigen, sondern um euch hinauszuführen zu Ihm, wo Er euch erwartet. Unsere Erdenbrüder haben ihren Tempel dem lebendigen Gott geweiht. Die Taufe ist ihnen geworden als Zeichen der Zugehörigkeit zum ewigen und lebendigen Gott und ewigen Vater`. - `Wie willst du uns dieses beweisen? Mit der Erde und ihren Bewohnern sind wir fertig, wir sind für sie ausgelöscht`. - `Aber nicht für den lebendigen Gott. Kommt mit mir, wenn es nicht so ist, dann könnt ihr jederzeit zurück`. - `Wenn dem so ist, dann versuchen wir es. Aber wehe dir, so es sich anders verhält, unsere Hämmer nehmen wir mit`. Da ruft der eine, und nun kommen sie alle und hören die Botschaft und den Versuch, den ewigen Gott, der lebendig sein soll, kennen zu lernen. Es wurden sehr viele.

 

Omar kommt strahlenden Auges und bringt diese große Schar in den herrlichen Festsaal und spricht: `O mein Jesus, mein Heiland, mein Vater und Immanuel, ganz leicht ging es, diese Schar hierher zu bringen. Wenn Du sie nicht magst, so lass sie wenigstens einmal an Deinem Tische essen. Ich will so lange ihr Diener sein, bis sie Dich erkennen`. - `Omar, verraten darfst du Mich nicht, tue, als wenn ich nicht da bin, es sind ja deine Gäste`.

 

Omar nötigt, Platz zu nehmen. Da spricht der eine: `Höre, dies ist ja ein Götterhimmel! Wer sind denn diese strahlenden Wesen, du wolltest uns ja zum lebendigen Gott führen`. - `Nehmet erst einmal Platz, genießet mit Freude die herrlichen Gaben, alles weitere kommt von selbst`. - `Nun, Hunger haben wir mehr als zuviel, setzen wir uns, unsere Hämmer legen wir zu unseren Füßen`. Sie legen die Hämmer zu ihren Füßen, wo sie sich hinsetzen, und Omar spricht: `Meine Freunde, greift zu, im Reiche des ewigen Lebens gibt es kein Hungern und Darben, alles ist da, um zu beglücken`. Sie langen zu.

 

Der eine, der ihr Anführer ist, sitzt neben dem Herrn. Er spricht: `Bist du schon lange hier beim Omar und mit seinem Gott, der ewig sein soll, einverstanden?` - `So lange Omar hier ist, bin ich auch hier. Mit dem lebendigen Gott bin ich ganz einverstanden`. - `Da bin ich neugierig, Den kennen zu lernen. Weißt du, in unserer Steinwüste ist auf die Dauer kein Leben. Dies Brot ist das erste, was ich seit meinem Erdenabschluss zu mir nehme`. - `Dann verkoste auch diesen Wein, den kann nur der lebendige Gott keltern. Wer davon genießt, wird nicht berauscht, sondern vom Leben erfasst`. - `Wenn es erlaubt ist, gerne, es ist aber kein Becher da`. - `Tut nichts, Ich habe doch einen, trinken wir zusammen`.

 

Da trank der Herr und gibt ihn dem anderen. Dieser trinkt und spricht: `Du, höre, das ist aber ein Wein! Wenn schon der Wein so gut ist, wie muss erst der Gott sein, der ihn macht. Kannst du Ihn mir nicht einmal zeigen, denn um des lebendigen Gottes willen sind wir hier`. - `Ja, mein Freund, da kann ich dir nicht helfen. Hast du die Blumen noch nicht recht betrachtet, sie sagen doch mehr, als das Predigen`.

 

`Du hast auch recht, wo habe ich denn meine Augen gehabt? Jesus Christus, Du bist die vollendete Liebe. Ja, lieber Freund, die fehlt uns allen noch. Da scheint Omar doch besser daran zu sein, als wir. Sein Gesicht strahlt vor Wonne, während wir... o, nicht mehr daran denken. Dürfen wir hier bleiben und uns nützlich machen, bei den Steinen ist doch verlorene Zeit?` - `Omar hat euch geholt für dauernd, es fragt sich, ob ihr wollt. Eure Steine werden euch nicht vermissen, ohne wahres Leben ist auch euer Leben ein verlorenes. Ich bin Omars Freund, was Ich sage, gilt so viel als das seine, und Meines Freundes Wort als das Meine. Darum frage Ich dich, wollt ihr hier bleiben und ein neues Leben beginnen? Frage deine Brüder, ob sie auch wollen`. - `Ja, sie wollen`.

 

Nun geht aber der Becher von Hand zu Hand, immer fröhlicher werden alle, da spricht der eine: `Du, ich glaube, wir werden auch gute Freunde werden. Aber um eines bitte ich Dich, lerne mich den Jesus Christus, der die vollendete Liebe ist, recht bald kennen, denn unter dieser Liebe möchte ich nicht länger ohne Liebe sein`. Jetzt ist dieses Erleben zu Ende“.

 

So endete dieser Sabbat in herrlicher Weise. Vieles wurde noch geschildert, Jakobus konnte allen gerecht werden und die Segnungen blieben nicht aus.

 

Bei Helena war nun alle Not behoben, nur dienen und helfen war ihr Leben. Ilona und Irene waren die Sängerinnen, die das Leben der Heilandsliebe besingen konnten, auch in ihrem Tun und Handeln. Zeno war ein rechter Priester, der immer das Rechte fand durch die Liebe und Gnade des Herrn und durch die Mithilfe des Rudomin.

 

Die Saat, die Jakobus gesät hatte, war herrlich aufgegangen, besonders bei Abgarus. Dieser hatte auch als Letztes von Jakobus die Verheißung bekommen, dass der Herr und Liebemeister ihm noch zwei Jünger senden werde, die die Aufgabe haben, seinem Volke die Liebesbotschaft  zu bringen, damit auch diese seine Sehnsucht erfüllt werde. Sie wurde erfüllt.

 

Abgarus erlebte noch glückliche Jahre. Immer größer wurde bei allen das Verlangen nach dem rechten Gott. Durch die Gnade Gottes wurde sein Land zu einer Gemeinschaft, die nur einen Herrn kannte: Jesus Christus, den Ewigen und Lebendigen.

 

 

 * - * - * - * - *

 

 

Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde,

denn Du, als Gott, willst als Liebe aller Liebe unter uns leben

als Mensch und Sohn willst gerade richten das Verkehrte,

und als Freund und Bruder das Gute lohnen.

 

Doch das Allergrößte hast Du Deinem werdenden Kinde vermacht,

dass Dein heiliger Geist unserem Geist das Zeugnis gibt,

und uns belehrt und Licht bringt in das Dunkel unserer Nacht,

damit alle erfahren, wie Du Dein Kind hast geliebt.

 

Wenn Du in mir lebst, ist jeder Tag ein Geschenk,

und eine jede Stunde ein Zeugnis Deiner erbarmenden Liebe.

Mein ganzes Tun und Lassen wird von Deinem Geist gelenkt,

und wird zum Segen für mich und viele.

 

Doch arm sind alle, die ihr Herz verschlossen halten,

weil Du nicht einkehren kannst in ihr Herz,

Dein lieblich Wort und Wesen hat ihre Zunge gespalten,

und das erfüllt mich und Dich mit heißem Schmerz.

 

 

                                                                      

 

Max Seltmann    1949.

 

 

Band III

                                                                                                                                                                                                                                                          

Abreise von Edessa mit der Karawane des Iwano nach Patmur zur Herberge des Nikolaus

Ankunft in Patmur bei Nikolaus

Abreise der Karawane des Iwano  

Heilung des Oberpriesters, Bekehrung der übrigen 3 Priester

Lydia wird geheilt

Einkehr des Griechen Baltasar

Karawane mit Fieberkranken

Heilung der Fieberkranken

Karawane mit gefangenen Christen wird gefangen genommen

Sardellus findet seine Schwester Danila wieder

Züchtigung des Priesters Ramon

Bericht eines Knechtes der Tempeldiener

Verurteilung des Priesters Ramon

Jakobus erzählt Erlebnisse mit Jesu im Elterhaus

Jesus erscheint und spricht zu Schimba

Jakobus zeigt dem Baltasar seine Innenwelt

Baltasars Erlebnis mit Alina

Jakobus und Baltasar bei Kasimir

Die bissigen Hunde des Kasimir und ihre Zähmung

Der alte Treiber Ben                  

Abschied des Jakobus vom Lager Kasimir

Einkehr bei Elegius/Amatus

Jenna erhält die Gabe des Heilens

Jakobus erzählt eine Begebenheit im Hause Josefs

Weiterreise nach Damaskus und Abschied von Elegius und Baltasar

Rast bei Arnulf

Jeremias und ein weiterer Priester treten ein

Weiterreise zu Dinarus 

Jakobus zu Gast bei der Familie Dinarus 

Weiterreise des Jakobus über Tyrus nach Jerusalem

 

* * *

 

Band III

 

Abreise von Edessa mit der Karawane des Iwano nach Patmur zur Herberge des Nikolaus

Es war der Wunsch des Jakobus, dass sich niemand einfinden sollte beim Scheiden von Edessa. Die dankbaren Edessaer aber ließen es sich nicht nehmen, die Karawane eine Stunde noch zu begleiten, die den Jünger Jesu nach Patmur zu bringen hatte. Der Karawanenführer Iwano, welcher dem Christentum sehr geneigt war, konnte es kaum fassen, den scheidenden Menschen noch solch ein Opfer zu bringen. Er nahm sich vor, mit den seltenen Menschen sich mehr wie gewöhnlich zu beschäftigen. Die Karawane war stark, 20 Wagen, beladen mit persischen Teppichen und Stoffen, dazu eine Begleitung, weil es unruhige Zeiten waren, die Treiberdienste verrichteten.

Jakobus war dem Karawanenleben nicht fremd, die Art aber, wie Iwano seine Leute behandelte, zwang ihm größte Achtung ab.

Jakobus der am ersten Tage noch einmal Rückschau hielt, war innerlich befriedigt, ganz wunschlos gab er sich hin, weil es ihn immer lebendiger machte.

Iwano bemerkte dieses, fragt aber trotzdem Jakobus, was ihn so beglückte. „Ja, lieber Iwano, es ist schwer zu sagen, dieses oder jenes beglückt mich, da ich ja aus dem Glück gar nicht herauskomme. Mein Leben ist eine Kette von Freude und Glück, die für dich unvorstellbar ist.“

Iwano: „Aber Freund, bleibe nur bescheiden, wer weiß, wann du wieder so einen Abschied erlebst wie in Edessa. Hetmann erzählte mir schon von den Ereignissen im Königshause und bei der Witwe Helena, aber glaube mir, das Volk vergisst auch so leicht.“

Jakobus: „Nach deiner Meinung ja, aber was ich bringe, vergisst man nicht mehr, sondern es wird tagtäglich wieder neu! Siehe in Edessa findest du keinen Götzen mehr, sondern alle sind gewonnen für den Liebemeister Jesus, auch die Priester und diese besorgen mit Freuden, die Gnade des Herrn allen zu offenbaren.“

Iwano: „Mir ist alles ein Rätsel, wie du dieses alles fertig bringst. Ich bin auch ein Anhänger dieses deines Jesu, aber deswegen vergesse ich auch meine Pflichten nicht und bleibe doch der alte Iwano.“

Jakobus: „Höre lieber Iwano, ich möchte dir auch keinerlei Vorschriften machen, da ja ein jeder Mensch Schöpfer seines Glückes und Gestalter seiner Innenwelt ist. Ich bin nicht gedungen, eine neue Lehre zu verbreiten die Jesu von Nazareth uns Wort für Wort ans Herz legte, sondern um zu zeugen von dem Leben, welches sich in mir offenbart, da ja Jesu Geist ganz mein Eigentum geworden ist. Auch mein Handeln geschieht in diesem Geist, darum bin ich wohl ein Diener der Liebe. Der Ausführende ist der Herr selbst, kannst du mich verstehen?“

Iwano: „Ich kann dich verstehen, aber es sind noch Dinge, die mir unbegreiflich erscheinen. Z.B. Zeno, der Oberpriester, dessen Amt es war, die Seelen im heidnischen Irrtum zu festigen, jetzt ist er Priester der von dir gegründeten Gemeinde. Wäre es nicht richtiger gewesen, einen anderen Priester zu wählen? Ebenso ist Hetmann und Hermes geblieben, versprichst du dir davon Gutes? Warum nahmst du keinen Geheilten?“

Jakobus: „Mein Freund, nach menschlichen Begriffen hast du recht, aber der Herr ist der Anordnende und der Ausführende. Ein Geheilter würde der Gemeinde dienen aus Dankbarkeit für den Herrn, die Gewonnenen aber dienen aus Liebe zum Herrn, weil sie ihr Herz ganz geöffnet haben der Gnade aus Jesus dem Herrn.“

Iwano: „Aber Freund, du bringst schon wieder ein Rätsel, indem du sagst, der Herr sei der Anordnende und Ausführende. Was mein Herr anordnet führe ich aus, denn wozu ein Anordnen, wenn ich selbst der Ausführende bin?“

Jakobus: „Iwano, hier ist ein großes Geheimnis, offenbar wird es aber nur denen, die sich die Lehre des Herrn Jesu aneignen und in seinem Geiste bleiben. Der Mensch ist das Bindeglied zwischen Gott und Mensch, der Schöpfer und den Geschaffenen. In seiner Mission ist Er als Geschöpf die Krone aller Schöpfungen, da Er ja die ganze Schöpfung, ja das ganze all nach den geistig göttlichen Gesetzen in sich trägt.

Freilich, der natürliche Mensch ahnt ja dieses nicht, da der Mensch nach den Göttlichen Gesetzen sein Leben einrichtete. In diesem Zustand war der Mensch noch Herr über das Geschaffene. nach innen aber war er Diener des großen Geistes, der seinen eigenen Geist in aller Klarheit und in die Wesenheit Gottes führte. Mit der Zeit aber verlor sich der Mensch nach außen, die Folge war, er hörte auf, ein Herr des Geschöpflichen zu sein und wurde dafür dessen Sklave. Die Offenbarungen des großen Geistes hörten auf nach dem Grade des Verlierens und das Innere des Menschen erstarb.

Gott aber, der sein Werk nicht untergehen lassen will, wurde darum Mensch und brachte damit nicht nur den Menschen, sondern allen Geschaffenen die willkommene Erlösung. Der Mensch aber, der mit allen Fasern und Wurzeln seines Seins mit dem geschöpflichen oder dem vergänglichen verwachsen ist, wehrt sich gegen diese Lösung, da dieselbe nur zu erreichen ist, wenn er sich dem Geiste Gottes zuwendet, der die Erlösung brachte.

In dem Augenblick, wo du, Iwano, dich dem Ewigen zuwendest. wirst du lebendig, du suchst und forschest, immer tiefer dringst du in das Wesen des Gottesgeistes ein und lernst dich dabei erkennen, wie auch alle die in dir ruhenden Dinge, die dich abhalten, in Verbindung zu bleiben mit dem Gottesgeiste. In diesem Erkennen deiner selbst kommt dir Gott näher und näher und die Sehnsucht, immer klarer zu schauen, weckt auch die Liebe zu dem Göttlichen bis endlich alles offenbar geworden ist. Kannst du mich richtig verstehen?“

Iwano: „O, sehr gut, lieber Freund, aber dieses ist mir nicht klar, dass Gott gerade den Menschen dazu braucht, um Seine Schöpfung zu vollenden.

Gut, in dem Heiland Jesu wurde Gott Mensch, dies ist mir faßbar. Warum aber macht Gott die Umwege und braucht nicht Gewalt? Warum eine Entwicklung, die Jahrhunderte, ja Jahrtausende dauern könnte, wenn es in wenigen Monaten zu erreichen wäre, dies ist mir unklar.“

Jakobus: „Iwano, wenn du den Herrn als ewige Liebe erlebst, wird dir alles licht und klar sein; wenn Gott nur aus Seiner Allmacht geschaffen hätte, dann freilich wäre auch die Menschwerdung Gottes überflüssig gewesen. Der Mensch ging aber aus der großen Gottesliebe und Weisheit hervor und wurde berufen zu einem freien göttlichen Leben.

Du kennst doch so vieles in der Welt. Am vertrautesten sind dir deine Tiere, du kennst ihren Charakter, ihre Eigenarten, ihre Gesetze, die zur Fortpflanzung und Erhaltung nötig sind, aber nie wirst du oder ein anderer zu einer anderen Wesensart sie erziehen können, da das ewige Gesetz ihnen auf- und eingedrückt ist.

- Anders die Menschen - da ist alles frei und alles muss gezogen und erzogen werden. Nach dem Maße der Erziehung wird sich der Mensch bilden. Er kann auf eine hohe, aber auch auf eine niedere Stufe gezogen werden, was bei einem Tier nie der Fall sein kann. Warum wohl dieses? Weil in der großen Freiheit des Menschen das Gesetz der herrlichen Liebe verankert ist und der Teil aus Gott zu einem Bestand des Menschen wird, ja noch mehr, dieser Teil aus Gott macht den Menschen erst zum Menschen.“

Iwano: „Mit wenigen Worten hast du mir viel gesagt. Nun verstehe ich den Heiland Jesus, Der da sagte: `Kommet her zu mir, Ich will euch Helfer und Heiland sein, da Ich gesandt bin vom Vater im Himmel!` - Aber noch ist mir nicht klar, Gott wurde Mensch, lebte wie ein Mensch und musste gleich einem Menschen ringen und schaffen, wo doch die göttlichen Kräfte sich von allem Göttlichen nicht trennten und trennen können.

Wie kann dann die Erlösungstat des Gottmenschen etwas Großes sein, da ihn ja alle Mittel zur Verfügung standen? Ich weiß, der Tod am Kreuz ist hart, überhaupt für einen Gerechten. Was bedeutet es aber für einen mit göttlichen Kräften erfüllten Menschen, auf diese Art zu sterben? Hier steigen mir immer und immer wieder Fragen auf, die noch unbeantwortet sind.“

Jakobus: „Iwano, es ist gut, dass du dich dieser Fragen entäußerst. Es ist nicht gut, des Herrn Leben, Geist und Wesensheit nach menschlichem Ermessen zu beurteilen. Gott wurde Mensch, dieses glaubst du, gut. Nun musst du in dir klar werden, warum wurde Gott Mensch - warum wohl diese Umwege, wie du dies ausgedrückt hast.

Nun höre: Da die Freiheit vieler geschaffener Großgeister, vor allem des größten Lichtgeistes, missbraucht wurde, trennte sich im Herzen Gottes die Liebe von Seiner Allmacht und wuchs zu einer Wesenheit, die alles Trennende und Verlorengehende mit starker Kraft umfasste und nach einem Mittel suchte, das Erhaltung und Vollendung bringt. So wurde diese Liebe zum Sohn zum Menschen. Um aber eine vollkommene Erlösung zu bringen, musste sich ja der Sohn umkleiden mit dieser Materie, die Erlösung brauchte.

Es ist eine falsche Vorstellung, so du glaubst, dem Menschensohn Jesus sei alle göttliche Kraft und Macht gleich einem Geschenk beigegeben worden. Da bist du in einem großen Irrtum. Ich weiß aus Erfahrung, wie es um das Kind, dem Jüngling und dem werdenden Mann Jesu stand. Alles musste Er sich erringen und aneignen, nicht einen Grad erging es ihm besser als uns, obwohl in Ihm eine starke Seele war. Diese aber war bedingt, da sie ja der Träger des Gottesgeistes in aller Fülle war. Dieser Gottesgeist wurde der Führer in der Seele Jesu! Er war sich Seiner Sendung bewusst darum gab es für ihn kein Ausweichen oder Zweifeln. Das Ziel, welches unablässig vor Seinen Augen und Seiner klar erkannten Mission stand, belebte Seine Liebe zum Erlösungswerke und weckte alle Kräfte, die gleich Samenkörnern in Ihm lagen.

Hättest du Seinen Kampf in Gethsemane gesehen, wie wir Jünger es erlebten, nie würdest du denken, Jesus war mit göttlichen Kräften erfüllt. Im Gegenteil, dort war Er innerlich leer. Er wusste um Seinen Kampf, Sein Leiden und Sterben. Er musste, wie noch kein Mensch, ringen um Beistand und Kraft! Was aber das Schlimmste war, wir verstanden in dieser entscheidenden Stunde den Herrn und Meister nicht.

Kannst du dir nun vorstellen, wie es in dieser Stunde um Jesus stand, ob der großen unendlichen Liebe, die da im Herzen Jesu ausreifte? Es gelang Ihm, das Allerschwerste und Bitterste zu ertragen und Er starb für uns alle, damit wir leben!“

Iwano: „Du, Jakobus; so hat noch keiner mir das Leben vorgestellt, obwohl ich an Ihn glaube. Jetzt aber fühle ich in mir, ich habe Ihm großes Unrecht zugefügt. Wie kann ich dieses wieder gut machen?“

Jakobus: „Iwano, der Mensch Jesus, der aus Liebe zu den Menschen sterben konnte, hat auch deine Schuld gesühnt und dich obendrein mit Seinem Liebegeist beschenkt! Ist dein Glaube ernst, dann bleibe nicht beim Glauben stehen, sondern ergreife dieses Jesusleben, mache glücklich wo du es vermagst, hilf allen Bedrängten und Bedrückten, dann ruht nicht nur Sein Auge, sondern Seine ganze Liebe und Gnade auf dir und du wirst den Segen gewahr, der von Seiner Liebe und Gnade ausgeht!

Wieviel Großes schuf Seine Liebe in Edessa! Es ist erst der Anfang; denn in den Herzen derer, die in Liebe zum Herrn stehen, ersteht eine Saat, die herrliche Frucht hervorbringt!“

Iwano: „Jakobus, wie machst du es bloß, dass du mit Ihm, dem Heiligen, verbunden bist. Der Tod hat ja nicht die geringste Lücke in dir gerissen, oder siehst du Ihn immer noch wie Er euch erschienen ist?“

Jakobus: „Iwano, liebe Ihn und aus dieser Liebe alle Menschen, dann ist alles in dir lebendig. Gerade dieses Leben ist ja der Beweis, dass Jesus lebt. Nicht im Geringsten fehlt mir der Meister. Sein Tod war ja für mich das Sprungbrett in dieses Leben und Sein. Ohne Seinen Tod wären wir die Alten geblieben und das Gesetz lastete noch wie ehedem auf uns, aber Dank Seiner großen Opferliebe fließt uns Stunde um Stunde Leben und Kraft zu, nach dem Maße unserer Liebe zu den Menschen in Seinem Liebegeiste!“

Iwano: „Ich danke dir Jakobus, deine Worte zeigen mir klar meinen Weg; denn nun kenne ich einen besseren Weg -Jesus-.“

Es wurde heiß; an einem bewaldeten Hügel ließ Iwano seine Karawane halten, denn Menschen und Tiere brauchten Ruhe und Stärkung. Wie gewohnt fuhren die Wagen zusammen, die Tiere wurden freigelassen, sie suchten ihr Futter, nur an Wasser mangelte es. Als erfahrener Karawanenführer fand er feuchte Stellen, wo er nach Wasser graben ließ, aber heute versagte sein Wissen.

Jakobus aber, der ihn begleitete, sagte: „Iwano, Jesus in dir weiß auch um Wasser. Warum versuchst du nicht, mit Ihm welches zu suchen? Er ist doch ein Helfer und Beistand in äußeren Dingen.“ Iwano: „Daran habe ich noch nie gedacht, Jakobus, deine Rede aber sagt mir, dass du um eine Quelle weißt. Ich bitte dich, zeige mir den Ort.“

Jakobus: „Dort bei den großen Steinen findest du in Überfülle Wasser. Du mußt aber 10 Fuß tief graben lassen.“ Iwano: „Jakobus, wenn ein anderer mir das sagen würde, würde ich ihn auslachen, dir aber glaube ich!“

Es war auch so, gutes reines Wasser füllte sich in dem Loch, welches Iwano graben ließ. Von den Treibern wurde deshalb Jakobus göttlich verehrt. Iwano erlebte an dem Jakobus immer Neues, nur einmal wurde er irre, als ihm ein Tier verloren ging, indem es sich ein Bein brach. „Warum - warum offenbarte es der Heiland nicht“, klagte er, „wir hätten mehr Vorsicht walten lassen müssen durch diese steinigen Gegenden.“

Jakobus aber blieb ganz ruhig und sagte: „Iwano suche auch hier noch etwas zu finden, was sich als Gnade und Führung offenbart! Nie wird sich in deiner Welt etwas ereignen, was dir nicht von dauerndem Nutzen sein könnte. Gewiss, es ist schade um das Tier, aber größer ist der Gewinn des Gottesanteils in dir,- so du dich ergeben auf die Führungen Gottes einstellst! Mit Klagen erschwerst du dir und den deinen den Dienst, während in Geduld und Hingabe sich Ruhe in dir und um dich ausbreitet!“

Endlich kommen sie in belebtere Gegenden, wo Iwano wieder in einer Herberge einkehren kann und die Treiber, vor allem den Tieren, die rechte Ruhe und Pflege angedeihen lassen konnten.

 

Ankunft in Patmur bei Nikolaus

Beim Nachtmahl sagte Iwano: „Jakobus, du bist mir ein rechter Bruder geworden! Nun heißt es scheiden! Wie werde ich dich vermissen! Wann werde ich dich wieder sehen? Diese Tage waren ein Geschenk Jesu.“

Jakobus: „Du tust recht, Iwano, diese Tage als Gnadengeschenk anzusehen. Größer aber ist die Freude des Herrn und Meisters Jesus, weil du dein Herz geöffnet hast für Jesus! Von nun an werden deine Leute mit viel größerer Liebe an dir hängen, denn auch sie erfassen die Lehre des Meisters und ersehen die Gnade, die von Ihm ausgeht.“

Da tritt der Wirt hin und spricht: „Iwano, hast du von diesem Freund Neues von Jesus erfahren? Ich erhalte ganz spärlich Kunde aus Jerusalem , was ich höre klingt nicht gut.“ Iwano: Ich kann dir Besseres berichten und dir große Freude bringen mit diesem Bruder ist ein Jünger des Herrn in deinem Hause.“

Wirt: „Wenn es so ist, lieber Iwano, dann seid ihr mir nicht Gäste, sondern Brüder! Wie oft ersehnte ich diese Stunde. um die Wahrheit aus berufenem Munde zu hören.

Die Juden sind schlecht zu uns Heiden. Immer neue Schandtaten verbreiten sie von den Anhängern Jesu. Ich bin froh, dass ich römischer Untertan bin, da ist wenigstens mein Haus von dem Schmutz bewahrt; aber nun will ich die Nachricht meinen Leuten bringen und für einen guten Trunk sorgen.“

Jakobus wollte ablehnen, aber Nikolaus, der Wirt, sagte: „Um die reine Wahrheit zu erhalten, ist mir kein Opfer zu groß, lieber arm und ein Wissender, als reich und ein Irrender zu sein.“

Jakobus: „Tue nach deinem Herzen, deine Liebe ist der Schlüssel zu den Toren deiner Mitmitmenschen. Nur diese Liebe hat die Kraft deine Mitmenschen zu Schwestern und Brüdern zu erheben.“

Die Becher wurden gefüllt, einige Krüge des sauren Weines wurden auf die anderen Tische gestellt - da kommt auch des Wirtes Weib mit ihren Söhnen und Töchtern. Die Begrüßung war herzlich, aber zurückhaltend.

Da sagte Nikolaus: „Verzeihet, weil die Kinder noch so zurückhaltend sind. In ihnen ist mehr Furcht als Vertrauen. Erst gestern waren einige Tempelpriester hier, denen ich das Haus verweisen mußte; aber nun ist alles gut, endlich leuchtet uns die Sonne, die uns Gewißheit bringt.“

Die Freude übertrug sich auch bald auf die anderen, die noch in der Herberge weilten, denn bald wußten sie es alle, dass ein Jünger des gekreuzigten Heilandes Jesu in ihrer Mitte weilte.

Jakobus getrieben von seiner innersten Liebe, begrüßte nun jeden Gast und gab noch ein paar Segensworte dazu. Nicht einer war da, der diese einfache Liebe abgelehnt hätte. So waren schon die Herzen aller gewonnen, ehe er nur ein Wort vom Herrn verkündet hatte.

Nun stand er im Mittelpunkt aller und sagte: „Meine Freunde, ich bin nicht aus mir selbst hierher gekommen, sondern in der Mission des Herrn und Meisters Jesus, von Dem ihr gehört habt, Er sei gekreuzigt worden; aber dieser Jesus ist nicht im Tode verblieben, sondern in ein Leben eingegangen, das Er allen erworben hat, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun. Seine Lehre ist ein einziges Gebet der Liebe. Sein für uns erworbenes Leben ist die freie Zugabe, die mit dem Liebesgebot eng verknüpft ist. Es kann nur errungen werden in dem Geist, der Jesus beseelte. Es ist Kraft aus der Liebe, Licht aus der Gnade und herrliches Bewußtsein in Ihm geborgen zu Sein für Zeit und Ewigkeit!

Du Nikolaus, möchtest fragen wie es kommt, dass so viele leiden und sterben müssen um des Herrn willen - da sage ich dir: Die um des Herrn willen leiden und sterben werden von Ihm selbst getragen, in ihnen ist die Gnade mächtig. Alles Leid und Weh ist versüßt durch die Gegenwart des Herrn, Der um der Errettung aller willen Seine Feinde nicht richten kann!

Wohl ist der Tod hart und grausam, würdet ihr aber mit allen denen reden, die für den Herrn in den Tod gegangen sind, ihr würdet erstaunt sein über ihre Aussagen. Das Leben hat den Sieg über den Tod errungen, darum kann der Tod keine Schrecken mehr verbreiten, sondern ist Eingang in ein Leben der wahren G1ückseligkeit! Bist du nun zufrieden?“

Nikolaus: „Deine Worte sind beglückend und überzeugend, aber unser menschliches Denken und Empfinden wehrt sich dagegen, so Nachrichten kommen über Grausamkeiten.

Warum, warum, du lieber Jünger des Herrn, verhindert der Herr diese nicht? Du sagtest wohl, um die Errettung aller sei dieses nicht zu verhindern, hier komme ich nicht mit! Ist denn Jesus ein anderer geworden? Was haben wir für Großtaten vernommen. An jedem Tisch wurde Seine Kraft und Herrlichkeit gerühmt, während jetzt alles stumm und ängstlich ist. Den Namen Jesu auszusprechen. macht schon ängstlich! Sich zu Ihm zu bekennen, ist gefährlich; denn überall sind Schergen des Tempels, die mit Freuden die Bekenner Jesu fortbringen.

Jakobus: „Du hast recht gesagt, Nikolaus, der Lebensfeind steht auf der Höhe seiner Nacht. Er will den Auferstandenen für ewig zu den Toten werfen, aber da Jesus in Sein ewiges Eigentum eingegangen ist, hat Er uns Sein Wort und Seinen Geist hinterlassen, welches uns in alle Weisheit und Wahrheit führt und belebt zum ewigen und wahren Leben aus Ihm! In diesem Leben bist du mit dem Leben alles Lebens verbunden, kein Feind vermag an dieser Feste zu rütteln; denn Jesus, ist die Macht und auch der Sieg!“

Nikolaus ließ ein Mahl auftragen, es war wieder die rechte Fröhlichkeit, die Nikolaus so liebte. Da kamen zwei Tempelpriester, die Nikolaus am Tage zuvor aus seinem Haus gewiesen hatte. Mit einer großen Frechheit wollten sie den Grund wissen, warum alle so gut gelaunt sind und was der Anlaß ist zu diesem frugalen Mahl.

Nikolaus sagte: „Nicht ich habe euch gerufen, auch werde ich euch nicht Antwort auf eure Fragen geben - solltet ihr aber vergessen haben, dass diese Herberge eine römische ist, dann werde ich von meinem Hausrecht Gebrauch machen.

Tempelpriester: „So war es nicht gemeint, lieber Freund, ich sehe nur einige, die unseres Glaubens sind. Da ist es unsere Pflicht, über sie zu wachen. O, was sehe ich, des Zimmermanns Josef's Sohn ist hier, da ist unsere Anwesenheit doppelt nötig, gehört er doch zu den Zwölfen des Geächteten.

„Halt, kein Wort mehr, spricht Nikolaus, für euch mag Jesus ein Geächteter sein, für uns ist er der größte Wohltäter. Es trifft sich gut, dass dieser Jünger hier ist, da kann er gleich euer Hass- und Lügengewebe über Jesus aufdecken.“

Tempelpriester: „Lieber Wirt, sei nicht so überzeugt von dem Nazarener; denn gerade in Nazareth spricht man nicht viel Gutes von Ihm. Eben dieser Jünger muß es zugeben, wie lieblos und eigensinnig sein Bruder war. Ich kenne die Verhältnisse noch ziemlich genau; denn im Hause Josefs war selten Friede, wie es bei den Kindern Israels sein soll. Dass sich bei den Nazarenern keine Anhänger fanden, spricht ja für uns.“

Jakobus: „Du bist Simon, Jorams Sohn, du warst in deinen jüngeren Jahren nur eine kurze Zeit in Nazareth. Es ist wahr, die Nazarener waren eine Zeit lang schlecht auf Jesus zu sprechen, weil sie alle, auch wir, den Kampf und das Ringen in Jesus nicht verstehen konnten. Jesus war bei deinen Eltern nicht beliebt, du konntest Ihn überhaupt nicht ausstehen, du hattest eine Abneigung gegen Ihn ohne, dass du mit Ihm in nähere Berührung gekommen bist. Ihr zoget fort, so hast du ja Seine Entwicklung gar nicht beurteilen können. Heute, wo du gleich deinem Vater, ein Tempelpriester bist, mußt du ja handeln nach den Richtlinien des Tempels, der jede gute Handlung des Meisters Jesus mit Hilfe des Belzebub ausführt.

Warum habt ihr nicht mit denen gefühlt, die Er erlöste von Leiden und Qualen? Wer wie ihr vom Tempel, so schnell mit einem Urteil fertig ist, ist ja gar nicht wert, dass die unendliche Liebe aus Gott in Jesus ihnen offenbart wird. Wenn du, Simon, eine todkranke Frau oder Tochter hättest und ein Heiland käme und machte sie dir gesund, wärest du nicht von heißem Dank erfüllt? Was tatet aber ihr? Solche dankbaren Menschen habt ihr in Gefängnisse gebracht ohne Rücksicht auf Alter und Familie. Hier, wo ihr selber nur Gäste seid, gelüstet es euch, euer liebgewordenes Gewerbe -auf Menschenjagd zu gehen- um belobt zu werden vom Tempel, weiter zu betreiben.“

Simon zwang sich zur Ruhe, aber er sagte: „Jakobus, gehe nicht zu weit, denn auf diese Anschuldigungen und Beleidigungen eines Gottesdieners gibt es schwere Strafen.“

Jakobus aber spricht: „Auf deine Drohungen sage ich dir, dass ich diese nicht fürchte, aber all denen, die hier weilen, bin ich es schuldig, zu beweisen, wie wenig du ein Diener Gottes bist!

Nikolaus schicke vier oder fünf Mann in die "Herberge des wilden Mannes". Dort sind zwei Tempeldiener, die drei Frauen und einen Mann, gebunden an Händen und Füßen, gefangen halten. Lasset sie hierher bringen, dann kann dieser Priester seine Dienerschaft zu Gott beweisen.“

Nikolaus spricht: Jakobus, woher wußtest du dieses, wenn das wahr ist, ich bin der Vorsteher der Gemeinde, dann hat das Gericht zu sprechen.“

Simon wollte etwas einwenden, aber Nikolaus sagte: „Abwarten, was bei dieser Geschichte herauskommt, in einer halben Stunde wissen wir alles.“

Jakobus sagte: „Nikolaus, glaubst du wirklich, dass ich aus mir heraus Menschen eines Verbrechens beschuldigen könnte? Nimm es als Beweis des Heilandes Jesu an und du hast die Erfüllung deiner Sehnsucht. Sichere dir aber Simon, er hat schlechtes im Sinne!“

Nikolaus: „Sei unbesorgt, einen alten Krieger legt man nicht so schnell herein. Er stand auf und pfiff nach seinem Hund, der auch schnell zur Stelle war. Er wies auf Simon und sagte: „Gut aufpassen, mein Freund!“ Der große Hund kauerte sich vor Simon hin, knurrte und schaute unentwegt auf Simon. Alle Männer in der Wirtsstube machten sich auf nach dem "Wilden Mann", teils aus Neugierde, teils aus Wut auf die beiden Priester. Sie mußten den Worten des Jakobus Folge leisten.

Als die Männer die Stube mit viel Geräusch verlassen hatten, schaute sich Simon um, der Hund schaute ganz gleichgültig auf Simon. Simon machte einige Bewegungen, auf die der Hund nicht reagierte, schnell griff er unter seinen Mantel und wollte mit einem spitzen Messer den Hund erstechen; aber mit einem Sprung hatte der Hund Simon zu Boden gerissen. Die Anwesenden hatten den Vorgang gar nicht bemerkt, da sie sich um Jakobus geschart hatten. Nun aber waren sie bestürzt, als sie sahen, wie der Hund Simon zurichtete.

Nikolaus rief: „Laß ab Cäsar, laß ab - das hast du brav gemacht.“ Er nahm das Messer, welches auf den Boden gefallen war und sagte: „Simon, das hast du wohl nicht erwartet. Das Messer wird dich schwer belasten, denn seit wann gehen Priester bewaffnet im Dienste Jehovas? Für die Wunden, die dir Cäsar beibrachte, bist du selbst verantwortlich. Das Einzige, was ich tun will ist, dass ich dir deine Wunden reinigen lasse, denn Hundebisse können gefährlich werden.“ Nikolaus holte seine Tochter Irene. Diese wusch die Wunden mit Essigwasser aus ohne auf die Schmerzen des Verletzten zu achten.

Inzwischen kommen die Männer mit den gefangen gehaltenen, dafür aber hatten sie die beiden Tempeldiener gebunden, die sich wehrten, die Gefangenen herauszugeben. Es war eine Aufregung in der Stube, so dass Nikolaus erst Ordnung gebieten musste. Der gefangene Mann war ein Bekannter des Nikolaus.

„Du weißt, dass mir mein Weib gestorben ist, mein kleines Anwesen braucht dann und wann weibliche Hilfe. Diese drei sind meine Schwägerinnen, die gemeinsam mir und meinen Kindern helfen. Wie dieser Priester es herausgebracht hat, dass wir Anhänger des Heilandes Jesu sind, ist mir rätselhaft, von meiner Seite aus habe ich nichts verraten.“

„Da bin ich schuld“, sagte die eine. „Dort dieser Mann bat um ein Stück Brot um Jesu Liebe Willen, da habe ich mich verraten und die anderen dazu. Ich bitte herzlich um Verzeihung, weil ich so töricht war und dem Frieden glaubte.“

Nikolaus: „Sorge dich dessen nicht mehr! Dein Verrat ist kein Verraten, sondern ein Bekennen, für das wir dir alle danken werden; aber, wie wurdet ihr gefangen, dieses ist mir das Wichtigste!“

Schimba: „Es ist einfach, meine Schwägerinnen wohnen am anderen Ende des Dorfes. Kaum, dass sie in meine Hütte eingetreten waren, kommt dieser Priester und verlangt, ich solle den Nazarener dreimal verfluchen und ein größeres Opfer bringen, da ich des Todes schuldig wäre. Ich lehnte dieses entschieden ab, da schlug er mir ins Gesicht und ging aus dem Haus. Schon glaubten wir, die Gefahr wäre vorüber, da der Tag verging ohne jede Störung, aber gerade, als die drei in ihr Heim zurück wollten, kommen die Wüteriche zu viert, überwältigten erst mich und dann meine Schwägerinnen. Wir mussten zusehen, wie sie meine Vorräte plünderten. Sie ließen sich mein Brot schmecken - auf meine Proteste erhielt ich wieder Schläge - und dann kam die Nacht.

Meine Kinder verkrochen sich vor den Wüterichen in der Scheune, ich weiß bis jetzt nicht, was aus ihnen geworden ist. Der eine ging fort, kam aber bald mit einem Wagen, den wir vier besteigen mussten, sonst hätten wir alle Schläge bekommen. Das war gestern, man fuhr nach dem "Wilden Mann", es war aber keine Gelegenheit, uns bemerkbar zu machen, da wir streng bewacht wurden. Nun sind wir hier. Man sagte uns, ein Jünger Jesu hätte es angeordnet, dass wir befreit wurden.“

Nikolaus sagte: „Es ist so, lieber Schimba, Jakobus ist es, den der treue Heiland Jesus in unsere Mitte führte.“

Schimba: „Laß dir danken, Jakobus! Leider muß ich nach meinen Kindern sehen, sie werden nicht wissen wo wir sind.“ Jakobus: „Tue es, Schimba, doch komme morgen wieder. Die Schwestern mögen hier bleiben, da genügt es, wenn ein Bote deine Schwiegermutter verständigt.“

Schimba: „Ich komme, sobald es möglich ist, mein Herz ist voll Dankbarkeit und voll Freude, aber um etwas Speise bitte ich für mich, wir haben einen Tag nichts zu essen gehabt.“ An einem Tisch sättigen sich die vier - dann ging Schimba eiligst nach seiner Behausung.

Nikolaus ließ die vier Templer in einem Gelaß bewachen, dann sagte er: „Jakobus, der unangenehme Teil ist vorbei, sei gewiß und bringe wieder Ordnung in unsere aufgewühlten Gemüter. Siehe, wir alle hungern nach einem Wort Jesu, wir brennen danach, eingeführt zu werden in das Wesen Jesu, Der aus Liebe für uns starb.“

Jakobus antwortete: „Liebe Brüder, liebe Schwestern! Euer Sehnen ist verständlich. Auch wir haben dasselbe durchleben müssen als Er, unser Meister, von uns gerissen wurde. Drei Tage waren wir in Schmerz und Trauer und wie herrlich ist nun alles geworden! Nicht das war uns die größte Freude, dass Er uns in Seinem unzerstörbaren Leibe wieder aufrichtete, sondern dass Er uns einen Geist schenkte, der uns in alle Weisheit und in alle Wahrheit führt. Euer Sehnen ist auch des Meisters Sehnen. Darum öffnet eure Herzen, vergesset was hinter euch liegt, denn Seine Liebe ist es, die euch frei und froh machen will, doch nicht für jetzt, sondern für alle Ewigkeit!

An dem Handeln dieser Templer habt ihr die Frucht des Weltgeistes geschaut! Mit Abscheu wendet sich euer Herz von diesem Niederen und Verkehrten ab, und warum? Weil in eurem Innern der Geist erstehen konnte, der für den wahren und ewigen Gottesgeist die Tore in euch öffnete. Das lieblichste Wort aus Jesu Munde lautete: `Kommet her zu Mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid - Ich will euch erquicken!`

Denkt ja nicht, dass Er diese Worte sagte, weil in Seinem Wesen der Geist der Liebe offenbar wurde -o nein-Er sagte diese Worte, weil in Seinem innersten Herzen durch die Einswerdung mit Gott Seine Liebe so groß und stark wurde, dass Er allen ein Heiland und Erlöser sein kann. In der Stunde, wo sich alle Verachtung und Hass an Ihm austobte -am Kreuze- konnte Er noch sagen: `Vater - vergib ihnen - denn sie wissen nicht was sie tun!` Sehet - in diesem Wort liegt das größte "Bekenntnis Seiner Liebe", hier offenbarte sich die Kraft Seiner Heiland- und Erlöserliebe, die selbst im Tode noch bedacht war, einen Weg offen zu halten für den Feind alles Lebens !

Mit dem Erlöschen Seines Lebens macht die Trauer für den geliebten Meister uns matt und mutlos, aber als Er zu uns kam, mit Seiner herrlichen Liebe, die uns nun Sein Leben im neuen Lichte zeigte, da, liebe Brüder und Schwestern, war auch ein Strich gemacht hinter unser vergangenes Leben - und das neue Leben aus Gnade und Liebe konnte sich frei entfalten nach dem Grad der Liebe zu uns zu Ihm und zu den Nächsten! - Wie sich in uns täglich immer Neues bekundet in unserem Geist, so wird sich auch in euch immer Neues offenbaren durch den Geist Seiner Liebe und Gnade.

- Auch ihr werdet ganz frei werden von den alten Begriffen, die das Gesetz und die falsche Erziehung in euch schuf, ja sogar Grenzen zog, wo dem Leben aus Gott ein Halt geboten war. Doch um alles wusste der Herr und Meister! Schon als Kind wußte Er um Seine Mission und scheute keinen Kampf in und mit Sich; denn alles, was in uns liegt, lag ja auch in Ihm. Und warum wohl? Weil allem Leben in der Widerordnung ein Weg gebaut werden musste, auf dem eine Erlösung möglich ist.

Auch unsere Vorväter haben gerungen um diesen Geist. Es ist ihnen nicht möglich gewesen, die Schranken in sich niederzureißen, um dem ewigen Geist aus Gott die Möglichkeit zu geben, dem eigenen Geist ein Bewusstsein zu geben, dass er ein Teil des ewigen Gottesgeistes ist. In diesem inneren Bewußtsein kann sich unsere Seele einen mit dem Geist und der Weg, der zur Erlösung führt, ist beschritten!

Sehet, ihr lieben Schwestern, in eurem Schmerz und Leid -zugefügt von Dienern, die im falschen Wahn dem Lebensfeinde dienen- ist ein großer Schritt zum ewigen und freien Leben aus Gott getan worden. An euch hat sich die Liebe offenbart, die nur helfen und befreien will. - Lasst nun die Sehnsucht immer größer werden, ganz Den zu erkennen, der euch noch viel mehr geben möchte; denn wie ihr Verlangen habt, mit Ihm in eine Verbindung zu treten, so hat auch Er - als die ewige Liebe - das Verlangen, mit euch in ewiger Verbindung zu bleiben.“

Nikolaus: „Lieber Jakobus, deine Worte sind wie ein sanfter Regen auf ausgedorrtes Land. In jedem Wort klingt das Verlangen, dass das Leben pulsieren soll in einem Jeden - und jeden tragen soll zu Ihm wo es Licht und Klarheit, Frohsinn und Zufriedenheit gibt; aber auch du ließest durchblicken, dass der ewige Heiland und heilige Meister diese Sehnsucht in sich trägt. Er ist doch der Herr, kann Er nicht in Seiner grenzenlosen Liebe erfassen, was Er will, warum noch Sehnsucht, wo Er in Liebe nur zuzugreifen braucht?“

Jakobus: „In deiner Frage liegt viel, mein Nikolaus, aber bist du nicht auch Vater von Kindern, die du liebst? Wie auch du dir manchen Wunsch versagen musst infolge der Unreife deiner Kinder, so ergeht es auch dem ewigen Vater!

Sehet Seine Liebe und Weisheit hat für alle und alles Sorge getragen. Auch nicht ein einziges Wesen in der ganzen Unendlichkeit soll je Grund zum Klagen oder mit Vorwürfen kommen können. Durch Seine Menschwerdung stellte Er ja den Menschen auf eine Stufe die jede Entwicklung zulässt.

Er Selbst machte ja den Anfang und stellte Sich als Mensch auf die Stufe des Menschen, nahm als Kleid Seine Seele, dieselben Potenzen, die jeder Mensch in seiner Seele trägt. Sein Kampf als Mensch galt nicht der Erde, die Ihn trug, sondern war ein Kampf, um zu veredeln, was Er als unedel in Sich erkannt hatte, galt dem Menschlichen, welches Göttliches verherrlichen sollte. Es ist Ihm gelungen! Darum standen Ihm auch alle Kräfte zur Verfügung, die Er aus dem Unlauteren Seiner Seele auf die göttliche Stufe stellte und die zu Seinem freien Eigentum wurden. So war Sein Wort: `Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden`. Das Zeugnis, dass Er die verloren gegangene Herrschaft, die einst dem ersten geschaffenen Menschen zu Eigen war, wieder errungen hatte.

Nun war der Weg frei für alle Menschenkinder, und dem ewigen Untergang ein Damm gesetzt. Aber auch der Weg war frei, dass nun auch Gott wieder Sich Seinen verirrten Kindern nähern konnte. Bis zu Seiner Menschwerdung konnte Gott nur durch den Mund Seiner Propheten reden, die Er mit vieler Mühe und Geduld sich erkoren hatte, aber nun kann Er mit einem jeden Kinde reden und Sich offenbaren, aber nur nach den Gaben des erwachten Geistesleben. Welch heiliges Wehen umgibt die, die ganz in Seiner Liebe und in Seinem Geiste leben! Mit heiliger Ehrfurcht dient die ewige Liebe dem Kinde, welches ausreifen will zu dem Grade, wo es mit Gott ganz Eins werden könnte!

Ja, meine Lieben, Eins werden mit Ihm im Dienen, im Lieben, dass alle alles erfahren und erleben die Kraft des Glaubens und die Gnade des lebendigen Gottes, der in einem jeden Kinde erstehen will zu einem Heiland und Erlöser! Dann wird Sein Wort wahr: `Daran soll die Welt erkennen, dass ihr Meine Kinder seid.` In diesem Geiste liebet euch und alle Menschen, dann öffnet ihr die Tore des Lebens zum wahren Himmelreich, welches dann in euch den Anfang und den Grund gefunden hat. Dann kennt der Mensch nur noch die eine große Aufgabe: Die Gnade, die da ihn belebt, zu verherrlichen und mit heiligem Tun nach dem heiligen Wort Seiner Liebeslehre!

Habt ihr mich verstanden? Machet eure Herzen ganz frei! Je freier ihr seid, umso lebendiger wird es in euch; je größer die Erkenntnis, umso größer das Gottesleben, aber auch um so größer die Verantwortung. Gott wirft nicht mit Seinen Geistesgaben um sich, weil Er überreich und der Herr unendlicher Schätze ist, sondern weil die Gnadengaben neues Leben wecken sollen, auf dass alle vom Tode errettet und in das ewige Leben eingehen können.“

Nikolaus: „Jakobus, du führst uns immer tiefer in das Leben Gottes. Wir ahnen die Größe Seiner Liebe und Gnade, aber wie weit sind wir noch entfernt, wo auch wir so lieben und glauben können, dass sich der ewige Gott über uns freuen könnte? In deinen Worten liegt ja schon die Sehnsucht, uns alle so zu zeigen, dass auch wir mit Gott, dem Ewigen und Heiligen, so verkehren, wie Kinder mit ihrem Vater!

Aber, wenn ich dich recht verstanden habe, ist unsere Unreife, unsere noch viel zu große Trägheit, das Übel das uns keine Erfüllung bringen kann. Sage uns, wie wir am schnellsten diese Reife erlangen können - an dem Willen soll es nicht fehlen. Für meine Brüder gilt dasselbe!“

Jakobus: „Nikolaus, die alten und verkehrten Begriffe sind das größte Übel. Es gilt vor allem einmal, sich selbst zu erkennen, es lebt noch so vieles von alldem in jedem Menschen, das der Erde noch angehört; gerade diesem gehört das größte Augenmerk, weil es im größten Gegensatz zum Himmlischen steht! Es gilt zu trennen, die Liebe zum Irdischen und Himmlischen, beides kann man nicht in eines verweben - warum wohl? Weil alles, was dem Irdischen gehört, die Seele knechtet, während alles, was dem Ewigen gehört, die Seele und den Geist freimacht! Das rechte Bild gibt dir noch Simon, der Priester!“

Nikolaus: „Wenn ich dich recht verstanden habe, muß also die Liebe zum Göttlichen die Triebkraft alles Handeln sein. Da fehlt es natürlich noch bei allen. Es wird schwer sein, den Reifegrad zu erreichen, um mit Gott verkehren zu können, wie es unsere Sehnsucht ist.“

Jakobus: „Nikolaus, mit diesen falschen Begriffen erreicht ihr das Ziel nie und nimmer! Gott als die ewige Liebe will gesucht sein, aber Er sucht auch euch, sonst wäre ich nicht hier. Lasset doch einmal allen Verstand beiseite, suchet mit dem Herzen, aber dort, wo Er zu finden ist - in Euch! Umwebet alle eure Menschenbrüder mit dem Gesetz der Liebe, und ihr seid auf dem besten Wege, mit Ihm in Verbindung zu treten. Erwartet aber nicht, dass Er äußerlich zu euch kommt, sondern ganz still und leise in eurem Herzenskämmerlein.“

Die eine Schwester von Simon: „Lieber Jünger Jakobus! Wenn du nicht gekommen wärest, ob ich durchgehalten hätte? Denn all unser Bitten schien vergebens zu sein, es war nur gut, dass uns die beiden Priester immer allein ließen. Wir selbst sind noch nicht so fest, um diese ernsten Prüfungen zu ertragen, und du hast recht, dass uns noch viel fehlt, um ganz fest im Glauben und stark im Vertrauen zu sein. Darum Ihm unser Dank für Seine Güte!“

Jakobus: „Sorge dich um nichts anderes mehr, als dass du immer noch mehr lieben kannst; denn gerade diese Liebe in dir ist ja Sein Leben. Lasse nie den Gedanken aufkommen, du könntest versagen, sondern sei gewiß, dass der herrliche Meister der Liebe dich in allen Lagen trägt, dich unterstützt, auch in der Prüfung. Von Ihm geprüft zu werden, heißt: angenommen zu sein -heißt: gewürdigt zu sein - aufgenommen zu sein in den Bund derer, die da Lebensträger in Seinem Geiste sind!

Meine Lieben, Seine Liebe ist ja nie so recht zu schildern, sondern sie kann nur offenbaren, was ihr innerstes Wesen ist. Nun ihr das wisset, wird es euch leicht sein, ganz einzudringen in Seinen Geist, der euch in allem die reine Wahrheit, das rechte Leben zeigt, das ihr nun zu leben habt. Auch wir haben um diese Wahrheit ringen müssen. Nun wir sie ausleben, ist auch Gott uns nicht mehr fremd, sondern ein Vater geworden, der uns die ganzen Schätze Seiner Liebe zur Verfügung stellt.“

Isidor spricht: „O du lieber Bote unseres Heilandes, deine Worte sind wie ein süßes Brot, aber es macht hungriger. Was haben wir alles gehört. Immer größer wurde das Verlangen, einmal mit einem zusammen zu kommen, der mit Jesus, dem guten Heiland, zusammen lebte.

Du bist einer von denen, den ich bitten darf, uns etwas zu erzählen von Seinen Wundern, von Seiner Liebe, die alle Menschen sättigte, so dass alle jene, die da mit Ihm waren durchdrungen waren von der Wahrheit und Göttlichkeit Seiner Liebe und Sendung. Was wir hörten, belebte uns, es war so mächtig, dass wir glaubten an den eingeborenen Sohn.

Wie muss es erst sein, so wir Sein Wort von Ihm Selbst, oder von einem Seiner Berufenen empfangen! Ich fühle es in mir, dass dein an uns gerichtetes Wort tief in mein Innerstes gedrungen ist. O lasse noch mehr mein Inneres und Innerstes von Seinem Wort und Leben durchdringen, damit uns nichts mehr trennen kann von Ihm, der aus Liebe zu allen Menschen sterben und einen Himmel schaffen konnte, in dem alle selig werden sollen!“

Jakobus: „Siehe, mein Bruder und ihr alle: Des Herrn Wort und Leben ist ein Quell, der nie versiegen und versagen wird - ob es aus meinem oder einem anderen Munde kommt. Immer wird es dieselbe Kraft und Wirkung haben, denn Sein Wort ist ein Same. So es mit gläubigem Herzen aufgenommen wird, wird es auch seine Wirkung zeitigen, nur kommt es darauf an, in welchem Geiste es euch gegeben wird. Das zu beurteilen, ist wohl nicht leicht, aber in dem Augenblick, wo ihr Sein Wesen erkannt habt und es euch aneignet, ist euch alles klar und licht. Es ist oft vorgekommen, dass der Herr Selbst nicht verstanden oder anerkannt wurde.

Ich erinnere an Bruder Judas, der die ganze Zeit mit uns ging und doch Sein Wesen der Liebe nicht erkennen oder gar sich aneignen konnte. Wie viele Kämpfe erlebten wir, die der Herr ausfechten musste, nur, weil die Liebe als Schwäche oder eines Mannes unwürdig hingestellt wurde. Was sind für lange Sitzungen nötig gewesen bei denen, die alles mit ihren Verstande erfassen wollten, und wie einfach und schnell wurden die größten Wunder offenbar, so demütig und kindlich der Herr erfasst wurde.

Jesus konnte auch nicht nach Seiner Ihm innewohnenden Weisheit verfahren, sondern musste oft, ja fast immer, zur Liebe Zuflucht nehmen, musste sich ganz auf den Boden derer stellen, die Ihm zuhörten. Ebenso war es mit den Wundern oder mit den Heilungen. Erst musste der Boden aufnahmefähig sein. Das Wunder allein hätte die Erfolge nicht gezeitigt, aber Sein Wort, Seine Lehre, die ihr auch habt.“

Isidor: „Es sind wohl dieselben Worte, dem Laute nach aber doch nicht dieselben Worte. Der anderen Worte machten hungriger, aber Seine Worte, stillten den Hunger, stillten das Sehnen und machen das sehnende Herz ruhig!“ Darum danken wir dem Herrn, dass er dich gesandt hat in unsere Mitte. Nur eine Bitte habe ich `bleibe länger, auch wir brauchen dich für unsere Kranken und unsere Feinde`.“

Jakobus: „Sei alles dessen ohne Sorge; denn es geschehe auch hier nicht unser, sondern auch Sein Wille! Wir wollen nur den Herrn erfreuen, der auch in dieser Stunde mitten unter uns ist! Deinen Worten aber will ich gern nachkommen und einiges bringen, welches euch Seine Liebe noch mehr als jetzt offenbaren will. Wir waren in Bethanien - täglich kamen viele Gäste, Freunde und auch Feinde. Lazarus bleibt für alle ein- und dasselbe. Eines schönen Tages kommen zwei Fremde, Geschäftsfreunde vom Bruder Lazarus. Bald war das Geschäftliche erledigt, da fragte einer: `Lazarus, wie machst du es, dass alles so wunderbar geht? Bei anderen sind Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, aber mit dir macht man ordentlich gern Geschäfte!`“

Lazarus: `Mit einem Wort kann ich dir das nicht erklären. Dass ich aber eine Hilfe an dem Heiland Jesus habe, willst du nicht gelten lassen, denn da kenne ich deine Meinung.`

Der Geschäftsfreund: `Fange nicht wieder damit an, lieber Lazarus! Du weißt der Glaube meiner Väter ist mir unantastbar. Ich kann dich einfach nicht verstehen, dass du noch dem Tempel und auch den Römern hörig bist. Es wäre für mich eine glatte Unmöglichkeit, Römern Gastfreundschaft anzubieten.`

Lazarus: `Nichts leichter als das; denn ich sehe in meinen Gästen nicht den Templer oder den Römer, sondern den Menschenbruder, den Gott mir in mein Haus sandte. Ja noch mehr, in einem, Menschen auch in dir kommt Gott als Gast zu uns, und das erfüllt mich mit heiliger Freude!`

Geschäftsfreund: `Lazarus, du bist ein prächtiger Mensch, aber nimm es mir nicht übel, du bist auch ein Schwärmer, wie es so viele heute gibt, die da angesteckt sind von der Sekte der Nazarener.`

Lazarus: `O-ho!` spricht Lazarus, `seit wann stellst du denn Behauptungen auf, die du nicht beweisen kannst. Es kann ja nicht Schwärmerei sein, so ich für alle einen gedeckten Tisch habe. Oder glaubst du, ich könnte alles aus mir heraus glatt erledigen? Da bist du in einer großen Irre! Eben auch den Nazarener bin ich in den Stand gesetzt, so zu handeln und darf in jedem Menschen den Ausdruck erleben, den Gott mir geben würde, so Er mein Gast wäre.`

Geschäftsfreund: `Lazarus sündige nicht! Du weißt genau, dass ich scharfe Grenzen ziehe, seit meine Kinder vor mir in das Grab gegangen sind.`

Lazarus: `Ich weiß um alles, Isidor, aber du bist verbittert, darum bist du für diese Freude, für alles Glück unzugänglich. Aber soll es immer so bleiben? Siehe, ich will dir einen Beweis geben, wie recht ich habe und wie einsichtslos du bist.

Siehe, dort habe ich fünfzig Gäste. Ich sagte, dass in einem jeden Gott als Gast zu mir gekommen ist. Bitte gehe zu irgendeinem, unterhalte dich einige Minuten mit ihm, ganz nach deinem Belieben. Bist du enttäuscht, dann sollst du recht behalten und nie mehr werde ich dir Vorhaltungen machen.`

Isidor: `Lazarus, du machst dich lächerlich. Du gehst entschieden zu weit. Ich werde es nicht tun, da ich nicht will, dass andere dich nicht verstehen.`

Lazarus: `Isidor, ich will dich nicht zwingen, aber weil ich dich noch mehr an mich binden möchte, bitte ich dich -versuche es doch- damit auch du mich noch mehr an dich binden kannst.`

Isidor schaute Lazarus durchdringend an und spricht: `Gut, Lazarus, ich werde um deiner Freundschaft willen den Versuch machen, obwohl ich mir gar nichts verspreche.`

Isidor schaute alle Gäste durchdringend an, sein Blick bleibt an Jesus haften - dann geht er hin und spricht: `Lazarus, erlaubte mir, dass ich mich mit Dir unterhalte, verzeihe mir, so ich störend in Deine Unterhaltung mich dränge.`

 

Jesus sprach: `Herzlich willkommen heiße ich dich! Gilt es doch, dir den Beweis zu geben, dass Lazarus nicht aus einer blinden Schwäche oder Schwärmerei handelt, sondern aus dem Impuls seines in ihm wohnenden Gottesleben, an welches du nicht glauben konntest.`

Isidor: `Bist du allwissend oder sollte Lazarus dir ein Zeichen gegeben haben?`

Jesus: „Lieber Freund, du bist überrascht von Meiner Antwort. Ich könnte dir noch Vieles sagen, aber es genügt wohl, wenn Ich dir sage, Dein Freund Lazarus hat das bessere Teil erwählt! Glaube Seinen Worten und halte Seine Freundschaft fest, ja noch mehr werdet eins, denn er ist ein Gesegneter des Herrn! Auf dass du aber den untrüglichen Beweis erhältst, dass in Mir Gott hier zu Gaste ist, bitte Ich dich um etwas, das nur Gott tun kann. Es muß aber nur etwas Natürliches sein.`

Isidor: `Lieber Freund! Wer Du auch sein magst, ich verlange nichts; denn es ist mir Beweis genug, dass in Dir Gott gegenwärtig ist. Nur verstehen kann ich dieses alles nicht! Oder könntest Du mir da zu Hilfe kommen ohne dass ich meinem Glauben untreu werde?`

Jesus: „Ich könnte es, aber was hättest du davon zu halten, deinen Glauben in Ehren, aber was ist Glaube, der dich nicht trägt in allen Lebenslagen, der dich hinwirft bei der kleinsten Probe? Siehe, als deine Kinder dir genommen wurden, warst du verzweifelt, dein unschuldiges Gewand zerrissest du in hundert Fetzen. Dein Weib hättest du fast verloren, wenn die beiden Schwestern deines Freundes Lazarus nicht gewesen wären. Sag ist das Glaube?`

Isidor: `Hör auf, lieber Freund, erinnere mich nicht an die schwersten Stunden meines Lebens, aber sage mir, wer hat dieses alles offenbart?`

Jesus: `Lieber Freund, es müsste ein armer Gott in Mir Sein, der nicht in die Tiefen deiner Seele schauen könnte, darum sagte ich Dir, Ich könnte dir noch Vieles sagen, aber warum äußerst du nicht den Wunsch, der dir so brennend auf deiner Seele liegt?`

Isidor: `Nun vage ich nichts mehr zu sagen und zu fragen, wenn Du auch weißt was meine größte Sehnsucht ist.`

Jesus: `Armer - armer Freund! Wie wenig kennst du deinen Gott! Einmal fürchtest du dich, deinen Glauben zu verletzen, dass andere Mal fürchtest du dich vor Gott! Siehe - in Mir ist wahr und wahrhaftig Gott zu Hause, wer mit Mir spricht, spricht auch mit Gott! Das wissen hier alle Brüder und auch dein Freund Lazarus, was liegt an der Verletzung deines verkehrten Glaubens? Nichts! Aber daran muß dir gelegen sein, deinen Gott nicht zu verletzen, den du im lebendigen Glauben zu dienen gelobt hast! Siehe - deine einzige Sehnsucht ist die, deine Kinder wieder einmal zu sehen um einige Worte mit ihnen sprechen zu können. Dein Glaube aber weiß sie im Grabe bis zu ihrer Auferstehung. Und da sage Ich dir, du bist in einem großen Irrtum, denn deine Kinder leben und harren der Stunde bis Ich die Tore öffne die zum Leben führen!`

Isidor schaute entsetzt auf Jesus und spricht: `Wenn deine Augen mich nicht so liebevoll anschauen würden, ich müßte mich vor Dir fürchten; denn es ist wahrhaftig so, aber was soll ich tun. Ich möchte den Glauben meiner Väter nicht verlassen.`

Jesus erwiderte: `Das sollst du auch nicht, aber glauben sollst du an den lebendigen Gott, der in Mir lebt, der jetzt zu dir spricht: `Öffne deine Augen und deine Ohren, damit du das Wunder Seiner Liebe schauen und erleben kannst und dann sage Mir, ob du noch den alten Begriff von deinem Gott aufrecht erhalten kannst.`

Da verschwanden vor unseren Augen die Wände, des Hauses, vor uns lag die Landschaft eines schönen Gebirges, eine schöne Helle, ließ uns alles schön erkennen und viele Menschen beiderlei Geschlechts, die noch die steinernen Gärten bearbeiteten, erregten unser Interesse: Da kommen auf einmal zwei in lichten Kleidern auf uns zu und rufen: `Vater, Vater bist Du nun auch zu uns gekommen? Schon immer warteten wir auf Dich kommt Mutter auch bald?` Isidor breitete die Arme aus, als wollte er die beiden umarmen, aber er konnte kein Wort sprechen - da trennte sich eine liebliche Gestalt von den anderen: `Glaube und vertraue Dem, Der dir diese Gnadenblicke schenkte. Auch wir ersehnen die Stunde, wo das Tor des Lebens allen, allen geöffnet sein wird. Fürchte dich nicht mehr vor Dem, was du Sünde nennst. sondern lebe ein Leben der, Liebe in Gott, der in unserer Welt genau so erwähnt wird, wie in der deinen!`

Das Schauen verlor sich - da sagte Isidor nach einer Weile: `Freund, wenn das kein Traum, sondern Wirklichkeit war, dann bin ich ein geschlagener Mann, dann war ja mein strenges Leben ein großer Irrtum und meine Gottesfurcht Sünde gegen das Leben!`

Jesus sprach: `Gott ist gerecht und macht alle krummen Wege gerade, aber Liebe kann Er nicht geben, wo noch Furcht und übergroße Eigenliebe herrscht. Halte dich in Zukunft näher an den Rat, den dir die liebliche Gestalt gab, dann wird dir offenbar, wie auch dich Gott sucht! Aber nie wird der kommende Messias so sein, wie Er in deiner Vorstellung lebt!`

Da ergriff Isidor die Hände des Meisters und sagte: `Jetzt errate ich, wer Du bist! Du bist der Nazarener, den ich immer einen Toren schalt - lasse mich meinen Fehler gutmachen, von nun an werde ich mich bemühen, so zu sein, wie Lazarus ist!`

Jesus erwiderte: „Dann bleibe heute bei Lazarus. Du gewinnst an Leben mehr, als du verdienen würdest an denen, die du noch besuchen wolltest; denn auch sie kommen heute noch zu Lazarus. Ich sage dir das, damit du ersehen sollst, wie Gott auch Dinge den Menschen offenbaren kann, die noch irdischer Art sind! Gott vermag alles, aber das vermag Er nicht, dass Er dir eine andere Vorstellung über Ihn geben kann. Das muß der Mensch selbst tun! Darum erlebe heute durch Seine Gnade noch einen Beweis Seiner Liebe die auch allen Menschen zum Heile werden soll!`

Jakobus: „So, liebe Brüder und Schwestern, wurde es ein Tag des Heils, wie auch der heutige Tag ein Geschenk der übergroßen Liebe Gottes ist, die in Jesus allen Menschen zum ewigen Heile angeboten wurde. Wohl denen, die sie sich zu Eigen machen!“

Am anderen Tage kommt schon zeitig in der Frühe Schimba. Ganz freudig bewegt erzählt er, dass, wie er nach Hause gekommen ist, alles in der schönsten Ordnung war. Zu einer treuen Nachbarin sei ein junger Mann gekommen und habe sie mit freundlichen Worten gebeten, sich der Kinder und des Viehes anzunehmen, da Schimba und seine Schwägerinnen fortgeschleppt worden seien - aber in spätestens drei Tagen wieder zurück seien.

So traf ich alles in bester Ordnung. Die kleine Gesellschaft, die schon auf war, erstaunte nicht wenig über den Bericht des Schimba. Als aber Jakobus unter sie trat und mit wenigen Worten sie aufklärte, war die Freude umso größer.

 

Abreise der Karawane des Iwano

Iwano mußte weiter - er umarmte Jakobus und sagte: „Bruder, nie werde ich dich vergessen können, denn durch dich lernte ich den Herrn und Heiland kennen -o wie anders sieht die Welt nun aus! Wie wichtig erscheint mir nun das Erdenleben und wie groß erscheint mir auch die kleinste Aufgabe, gilt es doch, mitzuhelfen an dem großen Werke des Herrn!“

Jakobus: „Ziehe mit dem lebendigen Gott, der ein Vater aller derer ist, die Ihn kindlich lieben! Von nun an wirst du auch Seine Stimme in dir hören. Sei in Seinem Geiste gesegnet und die Liebe des Herrn in dir wird sich als Seine Kraft erweisen! Ziehe in Frieden!“

Nach dem Frühmal kommt Nikolaus aufgeregt zu Jakobus und spricht: “Bruder, der Priester, den Cäsar gebissen hat, ist sehr benommen. Er hat hohes Wundfieber, wenn keine Hilfe kommt, ist er verloren. Was ist da zu tun?"

Jakobus: „Helfen - Nikolaus, nur helfen! Lege ihm im Namen des Herrn die Hände auf, dann wird es besser mit ihm werden. Er ist ja nicht unser Feind, sondern nur ein verblendeter Mensch!“ Nikolaus: „Jakobus, das kann ich nicht recht verstehen, Er ist unser Feind und ein Feind des Herrn! Was er verschuldet hat, mag er auch büssen!“

Jakobus: „So darfst du nicht denken -Bruder-, sondern wie würde der Herr in diesem Falle handeln, den du stehst an des Herrn Stelle hier. Sein Geist kann aber nur in dir wirken, wenn du ganz auf dem Boden Seiner Wesenheit bist, nicht du erniedrigst dich oder den Herrn, wenn du Liebe und Erbarmung walten lässt, sondern du erhöhst Seine Liebe und Sein Leben - darum überwinde deinen Stolz und demütige dich vor dem Herrn – dann wird Sein Geist in dir zum Durchbruch kommen!“

Nikolaus: „Jakobus - ich will es versuchen- aber warum willst du nicht dem Simon die Hände auflegen?“ Jakobus: „Weil es des Herrn und Meisters Wille ist -fest sollst du werden- feuerfest in der Liebe, der Herr bedarf deiner! Suche in dir, da wirst du die volle Löse finden.“

Nikolaus: So geschehe des Herrn Wille! Du aber Herr Jesus, gib mir die rechte Kraft und das rechte Verständnis.“

Nikolaus ging allein in die Kammer, wo die vier Templer sich befanden. Simon stöhnte im Fieber, die Anderen waren ratlos. Da sagte Nikolaus: „Warum gebt ihr eurem Bruder keine Linderung, ihr seid doch mit ihm verbunden. Oder habt ihr vergessen, dass ihr Angehörige des Tempels seid? Es ist nicht meine, sondern eure Schuld, dass ihr nun gefangen seid.“

 

Heilung des Oberpriesters Simon, Bekehrung der übrigen 3 Priester

Nun trat er an das Lager des Simon. Lange schaute er auf ihn, dann legte er ihm die Hände auf das Haupt und betete laut: „Herr Jesus, Du guter Heiland und Meister, ich brauche Deine Kraft und Deine Hilfe! Hier, dieser blinde und verirrte Mensch hat in seinem falschen und verkehrten Hass Dir schaden wollen und hat sich dabei selbst geschadet! „O - hilf Du ihm! Lasse ihn nicht zugrunde gehen sondern. gib ihm aufs Neue Gelegenheit, dass er sich bessern und ein neuer Mensch werden kann. Erfülle Du mich mit Deiner Kraft aus Deiner Liebe, damit Dein Liebesstrom ihn belebe und das Fieber von ihm weiche!“ Volle 7 Minuten verharrte Nikolaus im Gebet, dann wurde Simon ruhiger - das Fieber war gewichen.

Nikolaus, zu den Priestern sich wendend, spricht: „Ihr waret Zeugen, dass der Herr Jesus, den ihr vernichten wolltet, noch einmal Gnade walten ließ! Bekehrt euch und macht euch von eurem- Irrtum frei; denn wie der Herr und Meister durch mich eurem verblendeten Bruder helfen konnte, ebenso könnte Er auch Seine Macht zu eurem Verderben gebrauchen. Was habt ihr von eurem wüsten Leben, nichts als nur Gefahren! Wenn ich euch den römischen Gerichten übergebe, wird von eurer Herrlichkeit nicht mehr viel übrig bleiben; denn eure Untat war Überfall auf wehrlose Menschen!“

Einer der Priester spricht: „Du hast gut reden, was weißt du von unserem Leben! Wir haben zu gehorchen, wenn der Tempel befiehlt, was kümmert uns der Nazarener, von dessen Tod wir überzeugt sind, und an Seine Auferstehung zu glauben, verbietet uns unser eigener Verstand. Du siehst, dass unser Handeln und Tun im Sinne des Tempels durchaus nicht wie ein Verbrechen aussieht. Wenn du mich überzeugen kannst, dass ich wirklich im Irrtum bin, dann wäre ich ein Tor, wenn ich mein jetziges Leben, welches ich übersatt habe, weiterführen würde. Ich habe Weib und Kinder! Auf Gnade und Ungnade bin ich dem Tempel verfallen - so ich meinen Eid breche.

Nikolaus: „In diesem Ton bin ich gern bereit, weiter mit dir zu sprechen. Denkt ihr beide auch so?“ Der Priester: „Lieber Wirt, sie sind genau so verpflichtet wie wir, aber an dem Überfall sind sie schuldlos!

Nikolaus: „Gut - versprecht ihr mir, nicht zu fliehen, dann seid ihr frei. Vergesset auch nicht, dass mein Hund scharfe Augen hat und noch schärfere Zähne! Um Simon braucht ihr euch nicht zu kümmern - der ist in unserer Pflege!“

Simon erholte sich schnell - freilich, die Wunden sahen schlecht aus, aber die Gefahr einer Verschlimmerung war unterbunden. Die anderen blieben in der Stube ohne jeden Wunsch. Sie waren froh, wieder freie Menschen zu sein.

Schimba und seine Schwägerinnen bestanden auf keine gerichtliche Verfolgung - da sagte Jakobus: „Liebe Brüder und Schwestern! Nun ist mein Herz voll der heiligen Freude! Eure Liebe zu Jesus hat einen Sieg errungen - wie ihr es nicht ahnen könnt. Im Himmel ist Freude über Freude - in eurem Herzen werdet ihr den Widerhall finden und der Herr kann euch Selbst Seine Freude bekunden.

Einen Menschen, der uns Gutes tat, mit Gutem zu lohnen, ist Pflicht, einem Menschen aber, der uns Schlechtes zufügte und wir vergelten dasselbe mit Gutem - ist göttlich! Ihr werdet den Herrn Heiland als einen noch viel Herrlicheren erkennen. Sein Liebesleben in euch wird noch manches lösen, so ihr in dem Leben verbleibt. Solange der Herr als Mensch unter uns lebte, sahen wir Seine Herrlichkeit - jetzt aber erleben wir sie, nicht aber wie ein Geschenk, sondern wie ein eigenes Leben! Dieses Leben offenbart aber immer Neues himmlisches Leben, sodass ich mit Bestimmtheit sagen kann: Nicht mehr ich lebe, sondern Er in mir und ich in Ihm! Brauchen wir da noch irgendwelche Beweise? Siehe Schimba, ich könnte dir Verheißungen geben im Namen des Herrn. Es wäre viel zu gering, da ja der Herr Selbst, den du durch die Krönung Seiner Liebe in dir zu dem Rechte verholfen hast, dass Er mit dir selbst verkehren kann, alles Selbst offenbaren will.

So vernehmt noch weiter, dass Sein Geist in mir euch allen sagen will. Sein Auge sucht nach Herzen, die sich sehnen; mit Ihm zu verkehren; aber nicht wie Herr und Diener, sondern, wie Vater und Kind. Ja noch mehr, Seine Liebe ist so durchdrungen, dass Er nur noch den Wunsch hat, Sein Werk zu vollenden in den Herzen Seiner Kinder, die Sein Leben in sich tragen. Noch mehr - es ist Seine größte Seligkeit, Seinen Kindern zu dienen, wie Er als Mensch uns diente, was kein Auge je gesehen und kein Ohr vernommen hat, will Er selbst denen bereiten, die Sein Leben in sich aufgenommen haben.

Ihr fraget, ist dieses wohl-möglich, Er ist doch der Herr, wir aber sündige Geschöpfe - da sagte der Herr: `Geschöpfe der herrlichsten Art können wohl mein Auge entzücken aber Mein Sehnen geht nach Kindern, denen Ich ganz Vater sein kann, mit denen Ich Mich beraten kann. Noch mehr, mit denen Ich die Tiefe noch segnen und heiligen kann ohne Meine Heiligkeit zu verletzen. Meine Heiligkeit zog und mußte Grenzen ziehen, aber mit dem Kindessinn Meiner in Meinem Geiste stehenden Kindern ist es möglich, alle Grenzen zu beseitigen und das Licht Meiner Liebe leuchten zu lassen, um den Weg, den meine Liebe schuf, zu erhellen, damit alle zu Mir sich finden und erleben Meine Liebe Meine Gnade und Meine Erbarmung!

Durch eure Liebe an Meinen Feinden ist das Tor geöffnet zu ihrem Heil. Ich Selbst konnte und durfte dieses nicht. Meinen Kindern aber darf Ich nichts verwehren, so sie in sich finden, was Meine größte Sehnsucht und Verlangen ist - um Meinen Feind zu schonen und in seinem Wollen und Wirken nicht zu hemmen. Höret - nicht zu hemmen - denn so Ich einem einzigen Wesen seine Freiheit antaste, ist die Seligkeit aller gefährdet. Mein Kind aber, die Freiheit erkennend empfindet in sich das Wesen Meiner Liebe und handelt nach dem Zug Meiner Liebe in sich und vollbringt Dinge, die Ich Mir versagen muß! Sein Dank darum ist grenzenlos und sein Glück die Entschädigung von dem, was er leiden und erdulden mußte, um eben diesen Geist zu lösen.

Solange noch dieses als Sehnen lebt, ist dieser Geist anfechtbar, nun aber wo die Erfüllung gegeben ist, ist er auch Eigentum der Erde geworden und hat Himmel und Erde zusammengeschmolzen. Meinen Kindern ist der Weg geebnet zu Mir und Ich kann alle die Mein nennen, die Mein Leben in sich tragen und verkörpern Mein Wort und verherrlichen Mein Leben`.“

Schimba: „O Bruder Jakobus, was hast du uns für Worte gegeben durch .Jesus? Das, was wir für Schwäche hinstellten, offenbarst du uns als größte Liebestat, in mir ist ein Drängen, ja eine Freude, dass ich noch Größeres tragen und dulden könnte; aber nicht aus einer Ohnmacht, sondern mit einer Kraft, wie nie vorher. Ist denn dieses alles in Ordnung?“

Jakobus: „Schimba, frage nicht, sondern danke und suche in dir weiter Den zu schauen, Dem du so herrlich beweisen konntest, denn Er ist mitten unter uns - Seine Worte durch mein Herz ist noch nicht Beweis genug. sondern so ihr schauet, fühlet und empfindet.“

Schimba wollte etwas erwidern, da aber einige Frauen mit Kindern kamen, schwieg er - eine von den Frauen sagte zu Nikolaus: „Wir haben gehört, ein Jünger des Heilandes Jesus sei gekommen, darum sind wir mit unseren kranken Kindern gekommen und wollen ihn bitten, unsere Kinder zu heilen.“

Jakobus: „Ihr seid hier recht, aber warum glaubet ihr nicht, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, eure Kinder wären längst gesund und ihr hättet nicht die Sorgen gehabt.“

Eine der Frauen: „Du hast recht gesagt, wir konnten es nicht glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden sei -es ist dieses auch schwer zu glauben. Die einen sagen so, die anderen wieder anders, ein jeder weiß anderes zu berichten.“

Jakobus: „Weib, wenn der Meister von den Toten nicht auferstanden wäre, wäre Seine und auch unsere Sendung nutzlos; aber ihr kennt doch die Schrift - stehet nicht geschrieben, dass Er den Tod überwinden und allen das ewige Leben bringen wird? Es ist geschehen. Alle aber, die an Ihn glauben, werden innewerden, dass die Schrift erfüllt ist! Wie soll ich denn das beweisen, so ihr Gott nicht glaubet - darum gehet in euch und beseitigt allen Zweifel in euch, dann könnt ihr erst die Herrlichkeit Gottes erschauen. Hättet ihr geglaubt, wie Schimba und seine Schwägerinnen, längst wäre euch die Gnade zuteil geworden, Jesus in Seiner unendlichen Liebe zu erleben.“

Eine andere spricht weinend: „Daran ist unser Unglaube schuld, gib uns unseren Frieden wieder. Nun du es sagst, werde ich glauben und jedem Priester die Tür weisen; denn sie waren es, die uns unseren Frieden nahmen und die Auferstehung des Heilandes als Lüge und Betrug hinstellten.“

Jakobus: „Beschuldigt niemand, denn ein jeder ist verantwortlich für sich selbst! Damit ihr aber erlebet, wie recht ich habe, so wendet euch an euren Bruder Schimba. Er wird eure Kinder im Namen des Herrn heilen.“

Schimba: „Bruder Jakobus, warum gerade ich, sind sie nicht voll Vertrauen zu dir gekommen?“

Jakobus: „Bruder, hast du die herrlichen Offenbarungen schon vergessen? Wartet der Herr nicht auf deine Liebe, die ein Produkt Seiner Liebe in dir ist?

Gehe im festen Glauben an das Werk, das Seine Liebe in dir erfüllt sehen möchte, wehre nie dem Geist, lasse dich führen und leiten von Ihm, auch wenn du keinen Erfolg sehen wirst. Die Arbeit sei dein, aber das Gelingen sei des Herrn Werk. Glaube und vertraue und immer vertrauter wird dir dein Heiland, dein Jesus und Erlöser sein!“

Schimba: „Wenn so, dann lieber Heiland, in, Deinem Namen und in Deiner Liebe gib Gelingen!“

Schimba geht hin zu der Schwester, die sich anklagte und spricht: „Du hast gehört, was Jakobus, der Jünger, sagte. Komm, bitte mit mir um den Segen und um den Sieg Seiner Liebe in uns. Herr Jesus, wir sind auf Dich angewiesen, hilf uns, dass wir auf Dich vertrauen und schenke uns Deine Kraft und Deine Liebe. Lasse einen Strom in uns lebendig werden, damit er belebe, was unsere Liebe belebt und heile, was wir durch Deine Liebe geheilt haben möchten. Ich danke Dir, Mein Heiland und Mein Gott, weil Du unsere Bitte schon erfüllt hast. Amen!“

Der Knabe, dem Schimba während des Betens die Hand auf den Kopf legte, war gesund, alle roten Flecken, die er am Körper trug, waren verschwunden. Da stürzte das Weib nieder und stammelte Dankesworte.

 

Lydia wird geheilt

Inzwischen legte Schimba einem anderen Knaben die Hand betend auf und dasselbe Wunder vollzog sich wieder. Ehe die Mutter so recht denken konnte, kam die dritte Frau. Zagend sagte sie: „Schimba, darf auch ich kommen, du kennst mich, ich bin voller Sehnen, auch gesund zu werden, weise mich nicht fort von dir, ich war es, die dich verriet, da der Priester für mich beten wollte.“

Schimba: „Du, Lydia, machst mir mein Dienen schwer, habe ich dich nicht immer wie eine Schwester geliebt! Meinem Weibe warst du immer zugetan, womit habe ich dir wehe getan, damit ich dich um Verzeihung bitten kann. Dass du mich und meine Schwägerinnen verraten hast musste so sein, denn sonst hätte sich das Leben des Heilandes Jesu nicht offenbaren können. Du bist frei von Schuld in meinen Augen, sprich auch du dich frei, dann wird auch dir der Herrliche Heiland beweisen, dass Er dir alles vergeben hat. Du aber, Du herrlicher und getreuester Heiland, erneuere Du unseren Bund und mache Lydia gesund durch Deine Kraft und Gnade, Dein Wille sei unser Wille, Dein Frieden unser Heiligtum jetzt und immer! Amen!

Jakobus: „Da sage auch ich im Namen des Herrn - Amen! Seid gesegnet im Namen des Herrn und in Seiner Liebe! Du aber, Lydia, wirst viel lieben müssen, damit das Auge des Herrn wieder mit Wohlgefallen auf dir ruhen kann. Der Herr hat dir vergeben deine Fehler, mache mit doppelter Liebe gut und so sei gesund im Namen des Herrn Jesu - Amen!“

Lydia konnte nur weinen. Mit Tränen in den Augen sagte sie: „Dir, Herr Jesus, danke ich von nun an, aber nicht in Worten, sondern mit meinem Leben, welches Du mir jetzt aufs Neue geschenkt hast. Alle sollt ihr Zeuge von dem Versprechen sein, was ich jetzt gelobe. Nur Dir, mein Herr und Gott, mein Heiland und Erlöser, wird mein Leben gehören.

Wo Du mich hinstellst, werden meine Augen Dich suchen, wo es in Deiner Liebe und Gnade zu dienen gibt, werde ich sein und über meine Lippen soll kein Wort gehen, welches Dich verkleinern könnte. Um dieses vollbringen zu können, bitte ich Dich, Du Treuer Jesus, um Deine Kraft und um das Gelingen. Du hast mich wieder mit Kraft erfüllt, in mir fühle ich neues Leben. Mein Leben -es ist Dein- solange es Dein Wille ist - Amen!“

Die anderen waren ergriffen von dem Erlebten, da sagte Jakobus: „Lydia, der Herr verlangt kein Versprechen, da du es aber gabst, bist du es dir schuldig. Enttäusche ein zweites Mal den Herrn nicht! Du bist gesund durch die Gnade des Herrn, werde zu einem Zeugnis für den Herrn! Er wird dir die rechte Kraft dazu geben.“

Die drei Templer erstaunten nicht wenig über die Vorgänge, da sagte Elias, der Priester: „Ich bin erstaunt über die Art eures Glaubens und eure Heilungen; wenn ich dieses früher gewusst hätte, nie hätte ich mich dazu hergegeben, für den Tempe1 verbrecherische Dienste zu tun . Was ist uns alles aus Jerusalem berichtet worden. Was hat Simon nicht alles bekräftigt und nun erlebe ich das Einfache in Natürliche, in lieblicher Art! Lieber Wirt, es bedarf keiner Worte mehr; wenn ich auch kein Nazarener werde, ein Priester bleibe ich nicht mehr!“

Nikolaus: „Ich wußte es, dass ihr von dieser Wahrheit überzeugt werdet. Ein Nazarener brauchst du auch nicht zu werden, aber ein rechter und gerader Mensch, der alles in rechter Ordnung prüft und alles Gute und Wahre behält, wirst du doch sein wollen! Bleibt solange ihr wollt in meinem Haus. Hier kommen viele reiche Kaufleute und Römer, da wird dir eine neue Existenz schon werden. Werde vorerst ein Römer und löse dich ordnungsgemäß vom Tempel.“

Elias: „Gut - ich nehme dein Anerbieten an, was wird aus Simon?“

Nikolaus: „Überlasse dieses Simon selbst, denke vorerst an dich, damit du noch mehr überzeugt wirst. Noch ist Jakobus unter uns. Dieses bedeutet, dass der Herr Selbst gegenwärtig ist im Geiste! Möchtest du nicht mit Ihm bekannt werden?“

Elias: „Gerne , wenn ich euch nicht beraube!“

Jakobus: „Elias, du bist einer frommen Mutter Sohn. Ihre größte Sehnsucht war, dich zu einem Priester zu machen. Ich würde nicht so leicht Amt und Würde eines Priesters ablegen, sondern ein rechter Priester werden! Die Wahrheit über Jesus kann kein Tempel und keine falschen Priester aufhalten! Wie eine aufgehende Sonne mit ihren Strahlen die Nacht verdrängt, so wird die Lehre des Herrn und Meisters Jesu alles Falsche und Verkehrte verdrängen und der Tempel wird ein Opfer werden seiner Hab- und Herrschsucht!

Bis jetzt erlebte ich immer den vollen Sieg der Liebe und Gnade Jesu. Seit Monden erlebe ich die Umwandlungen, auch du wirst dich nicht davon ausschließen können; denn das Evangelium des Heilandes Jesu ist eine Kraft, die da selig macht, die daran glauben! Oder bist du anderer Meinung?“

Elias: „Ich werde nichts versprechen. Ein zweites Mal möchte ich nicht irregeführt werden. Simon hat in mir Berge von Zweifeln geschaffen!“

Jakobus: „Alles wird in dir durch des lieben Meisters Hilfe geordnet werden - wenn du ernstlich willst. Es ist des Meisters herrlichster Liebezug, da zu helfen, wo wahres Sehnen vorhanden ist, und wo der Meister hilft, wird alles gut! Siehe Schimba an. Gestern noch ein Opfer des Hasses und heute ein Diener Seiner Liebe! Siehe Lydia, wie sie jetzt auflebt, und was wäre mit ihr geworden, so sie ganz in den Banden des Tempels geblieben wäre? Darum wartet des Herrn, denn Er wartet auch auf euch!“

Elias: „Ich fühle deine Liebe Jakobus. Es wird mir nicht leicht, dir volle Bereitschaft zuzusagen, jetzt stehe ich vor Tatsachen und in mir ist alles aufgewühlt; aber das eine sage mir, ist es Politik oder wirklich wahre Liebe, weil ihr so schnell mit dem Vergeben seid?

In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht gehört, dass nach einem Verbrechen noch Wohltaten gereicht werden. In dieser Nacht hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen. Die Römer kennen keine Gnade. Nun aber erlebe ich einen Zustand, für den ich eigentlich keine Worte habe. Statt des Kreuzes ein noch viel freieres und ruhigeres Leben. Wahrlich, dies ist mehr denn Gnade und dieses danke ich dem Heiland Jesus, Dem ich die Anhänger wegtrieb und ein lohnendes Geschäft daraus machte.“

Jakobus: „Siehe, Der Herr weiß um alles, Er weiß auch um die Leiden Seiner Getreuen. Wohl möchte Er dieses alles verhindern; aber würde die Gelegenheit da werden, Seine Feinde zu gewinnen!

Eben um diese Liebe, die so wenig verstanden wird, geht es! In unserem Erdenleben erlebt man noch Liebe, aber nicht die himmlische. Die große und gewaltige Sendung des Meisters Jesu verfolgte ja nur das eine Ziel, jene heilige und erbarmende Liebe dieser, unserer Erde, zu schenken, die da berufen ist, Gotteskinder dem heiligen Gott und Vater zu schenken! Gerade um dieser Liebe willen nahm Er der Erde Kleid und löste an Sich den Fluch zum Segen, der einem jeden Geschöpf anhaftet! Eben in dieser Liebe kann nur dieses herrliche Ziel erreicht werden. Darum nahm Er alle Schuld auf Sich und verblutete, um aller Rettung und Erlösung den Weg freizumachen, der der gefallene und verblendete Sohn versperrte.

Kannst du dir vorstellen, was den Feinden Jesu geschehen wäre! Ein Chaos wäre entstanden und für Ewigkeiten hätte es keine Möglichkeit gegeben, dem Fluch in seiner grausigsten Auswirkung zu entrinnen. Trotz alledem wird noch viel viel Leid über diese Erde gehen müssen, weil gerade diese Liebe nicht angenommen und ausgelebt werden will. Oder, lieber Elias, kennst du einen anderen Weg, der allen zum Heile gereicht, nennen? Der Tempel, als das äußere Zeichen Seiner Gegenwart ist das pure Gegenteil von dem, was er sein soll. Alle anderen Einrichtungen gehen an dieser großen Liebe vorbei und alles geht dem Verderben entgegen!“

Elias: „Wenn ich ehrlich bin, muß ich dir recht geben. Nur das kann ich weder fassen noch glauben, dass gerade Jesus dieser Mensch sein sollte. Bedenke Seine mysteriöse Geburt, alle die sie begleitenden Umstände würden ja für Ihn sprechen. Betrachte aber das Verhältnis zu gewissen Frauen in Bethanien und Jerusalem, dann mußt du zu der Überzeugung kommen, dass Seine Gottesherrlichkeit nicht weit her sein kann. Er mag ein Mensch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gewesen sein, aber weiter kann ich nicht gehen. Auch unsere Propheten waren berufene Männer. Ihre Worte sind heute noch richtunggebend und ihre Offenbarungen reine Gottesworte. Stelle mir Jesus als Prophet hin und ich will an Ihn glauben!“

Jakobus: „So nicht, lieber Freund! Mit deiner Einstellung Jesu gegenüber wirst du nie zum wahren Heile gelangen. Der geringste Schatten, den du auf Jesus wirfst, ist eine Kluft, die dich von ihm trennt. Es ist dies das Herrschwerk des falschen und hochmütigen Geistes, wie er im Tempel herrscht - aber sie haben sich ja nie Mühe gegeben, die Wahrheit über Jesu zu ergründen!

Ich gebe zu, dass es sehr schwer war, Jesus zu verstehen. Wir selbst wurden oft irre an ihm und nur darum, weil wir uns auch schlecht von dem alten Anerzogenen trennen konnten. Wir erschwerten Sein Ringen um die Einswerdung mit Gott und mussten später doch erfahren, dass wir im größten Irrtum waren.

Nun aber steht das herrliche Leben in Seiner Vollendung als höchstes Gnadenleben vor unserem geistigen Auge und zeigt uns den Weg, den Er uns geebnet hat. Sehen wir Ihn so, erleben wir nicht nur die Wahrheit über Jesus, sondern Ihn Selbst in Seiner herrlichsten Wesenheit und werden erfüllt mit Seiner Kraft, Seinem Frieden und Seinem Heilandsleben.“

Elias spricht: „Lieber Freund, gegen deine Überzeugung kann ich nichts weiter sagen als nur: `Ich will mir Mühe geben!` Durch die Verwendung des Wirtes wird mein Leben in andere Bahnen gelenkt. Es wäre zu wünschen, dass ich auch ein solcher zufriedener Mensch werden könnte!“

Jakobus: „Elias, dies macht mich froh und ich weiß, du wirst es werden! Nun aber möchte ich dich bitten, gehe zu Simon und sehe zu, ihn für dich zu gewinnen. Da du in deinem Leben viel gutzumachen hast, so fange bei Simon an, tue es im Namen des wahren und lebendigen Gottes, dessen Priester du bist - und du wirst Erfolg haben.“

Elias erwiderte: „Ich werde es tun, Gott wird mir Seinen Beistand nicht versagen. Dürfte ich zu meiner Unterstützung Schimba mitnehmen?“

Jakobus nickte, als Elias und Schimba das Zimmer verließen, konnte er ihn segnen und sagte: „Die Liebe geht wunderbare Wege, wollen wir beide mit unserer Liebe umgeben, damit es ein Erfolg werde.“

Lange dauerte es, ehe Elias mit Schimba und Simon zurück kam, was nun folgte, war alles zu viel, denn Simons Wunden waren geheilt. Er war überwunden durch die Liebe, die im Herzen des Schimba zum vollen Durchbruch kam.

Nikolaus ließ wiederum ein Mahl richten, aber für doppelte Gäste, denn Jakobus sagte zu Nikolaus: „Richte ein Mahl für die gewonnenen Freunde, aber so reichlich, dass alle die mit satt werden, die dir die ewige Liebe heute in dein Haus führt. Du wirst große Freude erleben!“

Der Priester Simon bat die Schwägerinnen des Schimba herzlich um Verzeihung, was er in blindem Wahn und falschem Eifer ihnen zufügte. Diese aber waren so gerührt, dass sie gern taten, was die Liebe so gern will.

Simon sagte: „Glaubet mir, Jakobus hätte es nicht fertiggebracht, mich anderen Sinnes zu machen, aber Schimba, den ich am meisten schädigte, überwältigt mich, indem er mir meine schmerzenden Wunden heilte. Du Nikolaus, vergib auch mir mein Handeln an dir und deinem Hause und gib mir Gelegenheit dir und allen Freund zu werden.“

Einkehr des Griechen Baltasar

Ehe Nikolaus etwas erwidern konnte, fährt eine Karawane in den Hof, alle schauen hinaus - im nächsten Augenblick kommt ein braungebrannter Grieche. Nikolaus sehen, ihn umarmen - war eins.

Da sagte der Grieche: „Nikolaus, Herzensbruder, endlich sehe ich dich wieder,- mein Glück ist groß, größer aber wäre es so ich endlich den endgültigen Beweis hätte von dem, was du in mir angefacht hast. Überall wo ich war, höre ich Vermutungen, vernehme dieses und jenes, auch Schlechtes, aber nie kann ich die volle Wahrheit erfahren.“

Nikolaus: „Baltasar, heute erlebst du der Liebe Lahn, hier sehe ich das Häuflein glücklicher Menschen, die die Liebe des Herrn und Heilandes gestern und heute erfahren haben. Beeile dich mit deinen Leuten, dass du an dem Liebesmahl mit teilnimmst, welches wir halten wollen, um Den Herrn und Heiland zu erfreuen! Ist Er denn hier, fragte Baltasar, sich umsehend, welcher ist es denn?“

Nikolaus lächelt und spricht: „In jedem ist Er hier anwesend, was Seine größte Freude ist. Schau mich nicht so fragend an, denn in dir ist Er ja auch aufs Neue zu uns gekommen. Wir haben darum auch auf euch gerechnet mit dem Mahl.“

Das Mahl war gerichtet, die große Stube war voll, alle hatten Platz, da sagte Nikolaus: „Liebe Freunde, mein Herz ist übervoll vor Freude, ich möchte danken, aber mir fehlen die Worte. Darum sage ich nur: Herr, segne dieses Mahl, das Deine Liebe erschuf, ihr alle aber betrachtet es als Liebe von unserem so heiß ersehnten Jesus, Der im Geiste und in Seiner Liebe unter uns ist. Du aber, Herr Jesus, nimm unsere Liebe als die Deine an!“

Baltasar der neben Nikolaus saß, sagte: „Bruderherz, mir ist es als ob ich träumte, noch nie, seit ich dich kenne, waren soviel hier beisammen. Seit wann bist du denn der Templer Freund und wer ist denn der Freund an deiner Seite? Ist es einer von den Jüngern des Herrn?“

Nikolaus: „Du hast recht empfunden, es ist Jakobus, des Heilandes Bruder und Sein Sendling. Du wirst ihn hören. Diese beiden Priester an dem anderen Tische sind auf dem besten Wege, unsere und des Heilandes Freunde zu werden. In mir ist eine Riesenfreude, denn durch Jakobus ist unserem Ort viel Leid erspart geblieben und er hat ein Feuer angefacht, wie es zu des Heilandes Zeiten auch nicht anders gewesen sein kann. Wenn es so ist, Bruderherz, dann opfere ich meinen Wein, den ich in meinem Wagen habe, denn der deine ist für ein solches Fest doch zu sauer!“

Jakobus: Bruder, lasse deinen Wein in deinem Wagen, der Meister sieht deine Liebe als geschehen an. Dein Wein, Nikolaus, den du heute auf den Tisch bringst, soll dem besten Wein nicht nachstehen. Alle sollen erfahren, wie Jesus der Herr und Meister die Liebe lohnt! Du glaubtest um der Liebe willen - darum soll dein Herz übervoll vor Freude sein. Heute sollt ihr alle erleben die Gnade und den Geist, der nur erfreuen und erquicken will!“

Nikolaus voller Freude stand auf und ergriff den gefüllten Becher. Er sagte: „Meine lieben Freunde und Brüder! Wir erleben jetzt eine heilige Stunde! Der übergute Heiland Jesu hat unsere gemeinsame Liebe gesegnet. Aus Seinem übervollen Herzen spendet Er Segen über Segen, unsere Freude soll der Seinen nicht nachstehen, darum wird Er unseren Wein, der bekanntlich sauer ist, in einen süßen umwandeln.

Unsere Freude ist so groß, dass wir keinen Wunsch mehr hätten als nur den, dass Er selbst sichtbar unter uns wäre. Da wir aber uns mit Seiner Gnade begnügen, sollen wir recht dankbar bleiben. Trinket alle mit mir, auf dass Seine Liebe mit jedem Tag uns bewusster werde und wir alle Ihm zur Freude leben und uns allen zum ewigen Heile!“

Der Wein war wirklich zuckersüß - alle strahlten, weil sie nun auch ein Wunder erlebten.

Elias kostete immer und immer wieder. Er sagte zu Schimba und Simon: „Sagt uns der Wein nicht, welch große Toren wir waren. O der großen Gottesliebe, die uns aus dem Abgrund errettete! Jetzt sehe ich es erst richtig ein. Simon, kannst du dir ausdenken, wir sitzen hier beim besten Wein wo wir vor dem Richter stehen müssten. Jedenfalls möchte ich nun Jesus kennen lernen. Du, Schimba, weißt noch zu wenig, deine Kraft stützt sich auch nur auf deinen Glauben. Ich werde Jakobus bitten, mir zu helfen!“

Elias geht an den Tisch des Jakobus und spricht: „Jakobus, als Bittender komme ich zu dir. Meine Absicht, Jesus zu meiden, ist hinfällig! Ich möchte Jesus kennen lernen. Nicht Seine Macht und Kraft, durch die Er Wunder wirkt, sondern Sein Leben, Seine Liebe, mit der Er Seine Feinde zu Freunden macht. Für einen, dem Er Wohltaten über Wohltaten gab, infolge seines Glaubens und seiner Anhänglichkeit ist es nichts Grosses; denn dies tun fast alle Menschen - aber denen - die nur Schlechtes für Ihn und Seine Anhänger wollten, ist es etwas außerordentlich Grosses und so gut, wie noch nie da gewesen.

Es ist wahr - bei Seiner Kreuzigung soll Er `Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun` gesagt haben. Es ist dies eine Regung, die man öfter erlebt. Nun aber erlebe ich selbst, dass es Wahrheit ist, und der Umschwung meiner Gedanken stützt sich auf Tatsachen, die ich eben erlebe! Uns drohte Strafe, dafür erleben wir Liebe, weil wir uns überzeugen ließen, dass das Tempelgetriebe nicht mehr den Geist Jehova trägt.

Ich muss bekennen, dass dieses genug der Liebe wäre, aber nun wir eine Liebe erleben, die uns, den Unzuverlässigen - den Unerprobten zuteil wird, ist das Verlangen da. Wie ist es in Wahrheit um Jesus? Wir erleben nicht nur Seine Liebe, sondern uns wird derselbe Lohn zuteil, den die erlebten, die für Ihn gelitten haben. Es ist nicht zu viel verlangt, so ich dich bitte, gib mir Aufklärung, führe mich in das Wesen des Menschen ein, der ja kein Mensch, sondern Gott sein muss!“

Jakobus: „Dieser Bitte komme ich gern nach, da ja schon Simon weiß, dass ich nicht nur ein Jünger, sondern ein Zeuge Seiner Geburt Seines Lebens, Seiner Entwicklung, Seines Sterbens und Seiner Auferstehung bin. Und so wollen wir nicht vom Tempel oder von uns reden, sondern nur von Ihm! Von Ihm, weil Er alles getan hat um den Willen des Heiligen Vaters zu erfüllen! Er hat es vollbracht! Vollbracht aus Kräften, die wohl göttlich waren, aber die Er sich zu Eigen machen musste.

Was es an Kampf und Ringen bedeutete, kann kein Mensch ermessen, da es noch keiner fertig brachte, was es bedeutete, in einem Hause, wie bei Vater Josef zu leben, der nur ein Bestreben kannte, den Willen Jehovas und den des Tempels zu erfüllen - und kann auch nur der begreifen, der es erlebte! Wohl erlebten wir Wunder über Wunder, aber wie bald war es vergessen, wenn wir Jesus in Seinem Ringen sahen! Dieser ringende Jesus erschien uns oft als unbarmherzig. Wie oft grollte der alte Vater Josef, wie oft brach Er Mutter Maria das Herz und wie oft bestürmten wir Ihn `werde ein gehorsamer Sohn und ein lieber Bruder`. Zum Steinerweichen baten wir Ihn und was wir im Gebete errungen, und was wir uns alle an Mühe auferlegten, davon weiß niemand, nur Jesus allein.

Nun höret, meine lieben Brüder, statt dass wir Jesus förderten, hemmten wir Seine Entwicklung, statt dass wir Ihn getragen hätten mit unserer Liebe, trug Er noch unsere Schwachheit und lohnte mit Liebe unsere Verkehrtheit! Bis zu Seinem 30. Lebensjahr erlebte Er nie unsere volle Zustimmung. Wir waren wohl an Sein Leben gewöhnt, aber gingen nie mit Ihm! Jesus suchte mit allen Mitteln, die der Liebe möglich sind, uns und auch andere zu gewinnen; aber jeder Versuch Seiner Liebe schlug fehl. Es war die größte Probe Seiner Selbst, dass Er immer von denen, die Er als Mithelfer zu gewinnen suchte, enttäuscht wurde, weil sie versagten. Nur wenige alte treue Juden, Freunde von Josef stützten Ihn und nur darum, weil sie noch die Schrift verstanden.

Endlich kam die Zeit der Erlösung für uns. Wir wurden durch die Veränderung der Verhältnisse überzeugt und wurden mit Ihm völlig eins! Meine Brüder, wie auch Maria erkannten nun die heilige Mission und erlebten tausend Male die Herrlichkeit Gottes, die sich täglich, ja stündlich durch Ihn offenbarte! Von Seinen Lippen kam nie ein Vorwurf, mit keinem Wort rührte Er an unsere Schwächen, sondern Sein Bestreben war Dienen! Dienen und den Willen Gottes erfüllen, den Er ganz klar in Sich vernahm. Ebenso war es auch mit den Taten, die Er aus der Kraft Gottes vollbrachte. Um keine Schätze der Welt hätte Er etwas getan, was Gott nicht zuvor Ihm offenbart hätte. Wie oft bat man Ihn, etwas zu tun, da sagte er manchmal: `Der Vater hat in Mir noch nicht gesprochen!´

So lernten wir von Ihm Geduld und volle Hingebung, lernten den Willen des heiligen Gottes erfassen, um nicht aus uns selbst etwas zu tun, was nicht der Wille Gottes war. Obwohl Jesus in Sich ganz eins mit Gott war, Er Selbst sagte eines Tages: `Ich und der Vater sind Eins` -pflegte Er doch immer noch die heilige Zwiesprache mit Seinem Gott und Vater. Wir nannten es beten. Immer noch suchte Er in Sich nach Dingen, die sich noch nicht ganz mit dem Willen und dem Geiste Gottes deckten um nicht nur nach außen sondern auch nach innen vollendet zu sein! So verschmolz Jesus mit Seinem Vater. Alles was in Seinem Fleische lebte, war nur noch die Hülle Seiner Seele, die ganz in den Gottesgeist eingegangen war. Er hätte jederzeit Seinen Fleischleib ablegen können, aber nach dem Heil- und Erlösungsplan musste ja Sein Leib das Opfer werden, das nach außen nötig war. Nur durch das Fleisch, welches der Träger alles gebundenen Lebens ist, kann der Weg zur Erlösung folgen. Und Jesus, als Gottessohn, vollbrachte das Werk -und der Weg in die wahre Freiheit des Lebens war frei, ist frei und wird auch frei bleiben. Diese Erlösung ist die Erfüllung aller Sehnsucht, ist das Einlösen des Versprechens, welches Gott unseren Urvätern gab, ist die Erfüllung aller Verheißungen, die Gott durch den Mund Seiner Propheten gab.

Einsichtige und verständige Menschen erkennen die übergroße Gnade, die durch Jesus allen Menschen gebracht wurde. Nur verblendete und vom falschen Geist erfüllte Menschen konnten Interesse haben, dass die Mission Jesu zum Scheitern kam. Hätte Jesus durch die Ihm eigene, aus Gott gewordene Allmacht Sich Seiner Feinde erledigt, wäre noch eine Lücke gewesen in dem Werk der Erlösung. So aber war Er gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz! Und es kann nie und nimmer das Werk der Erlösung angefochten werden, denn es gibt auch keinen anderen Weg als den, den Jesus schuf!

Liebe Brüder, Schwestern und Freunde, dies ist das klare Bild von Ihm, von Seinem Leben und Sterben! Das Bild Seiner Liebe, aber würde nur meiner Liebe zu Ihm entsprechen und darum bitte ich euch, schafft in euch durch eure Liebe zu Ihm und allen Menschen ein Bild Seiner Liebe in euch selbst! Nach dem Maße eurer Liebe wird es in euch erstehen und nach dem Geist, den ihr in euch erstehen lasst, wird Er auch tätig werden! Auch Jesus schuf Sich ein Bild Seines Himmlischen Vaters, belebte es mit Seiner Liebe und schuf somit eine Liebe zu Gott, die noch nie zu einer Zeit dagewesen war. Diese Liebe bewegte Gott zu immer größeren Offenbarungen und legte immer größere Tiefen in Jesu Seele frei, und erleichterte damit die Freiwerdung des Ringenden und Kämpfenden.

Alle die Herrlichkeiten, die wir erlebten, waren kein Geschenk Gottes, sondern die innere Welt des freigewordenen Jesus zeigte uns die Herrlichkeiten die in Ihm durch Seine Liebe, durch Seine Einswerdung mit Gott Sein Eigentum geworden waren! Ebenso verhielt es sich mit der Kraft, mit der der Meister all die großen Dinge vollbrachte! Jesus aber blieb demütig, immer herrlicher konnte sich Gott offenbaren und geben. Wir aber verstanden trotz alledem den Meister nicht. Seine Geduld. mit uns war grenzenlos. Oft sagte er:`Wie lange werde Ich euch noch ertragen müssen!` Und heute sehen wir ein, wie dumm und töricht wir waren; wenn das herbeigeeilte Volk die Herrlichkeiten Seiner Liebe erlebte, da wollte das Rühmen und Lobpreisen kein Ende nehmen. Hörten sie aber Seine herrliche Lehre, da schüttelten sie den Kopf und gingen unbefriedigt von dannen. Nur wenige waren es, die Ihn begriffen und diese Wenigen waren meistens Römer oder Griechen.“

Baltasar spricht nach einer kleinen Pause: „Freunde und Du, lieber Gottesbote, lasset mich einmal ein paar Worte sagen, denn was ich empfinde bei diesen gehörten Worten ist tausendfach mehr, als der Wein, der durch deine Kraft süß wurde. Das Bild, welches hier aufgerollt wurde, entspricht ganz meiner Sehnsucht und meiner Vorstellung, die ich mir über Gott machte.

Ich bin viel gereist, bin mit Menschen aller Art zusammengekommen, aber keiner konnte mich so für einen Menschen interessieren, wie du. Ich kenne dich nicht, aber mein Herz sagt mir, dass wir uns kennen lernen müssen und um eines bitte ich dich: Sage mir, ist uns, die wir sogenannte Heiden sind, etwas Besonderes auferlegt, um diesen, deinen Glauben anzunehmen. Es ist wohl schön, dass dieses dein uns übermitteltes Evangelium bekennt, dass er für alle sei - schon dein Besuch sagt ja selbst das. Deine Botschaft gründet sich aber nicht nur allein auf das Glauben, sondern auf das Aufnehmen dieses deines Geistes . Was muß ich tun - ist meine brennende Frage. Jesus interessiert mich gewaltig, aber andere Dinge interessieren mich auch. In der Annahme dieses deines Glaubens liegt aber auch eine Gefahr des Heuchelns oder die des Mitlaufens!“

Jakobus: „Mein Freund, deine Annahme ist rein menschlich und ist Produkt deines Verstandes. Das Evangelium von Jesu ist eine Kraft, die da selig macht - aber selig im Herzen! Willst du ein Jünger und Nachfolger Jesu sein, so bemühe dich, Jesu kennen zu lernen und dir Sein Wesen anzueignen, dann nimmst du Seinen Geist auf und dann macht Er aus dir eine neue Kreatur - einen neuen Menschen. Dein ganzes Tun und Schaffen trägt dann den Stempel dieses Jesuswesens. Dein Interesse wird zu etwas Bewusstem und dein Verstand wird zum Regulator deines Geistes im Sinne der Liebe aus Gott. Ja - noch mehr kann ich dir sagen! Du bist in diesem Geist ein Gefäß der ewigen Wahrheit aus Gott geworden! Könnte ich diese Botschaft verkörpern, wenn ich dieselbe nur im Kopfe trüge - oder könnte ich diesen Geist aus mir wohl bekunden, wenn ich nicht der Träger dieses Geistes aus Gott wäre?

An Rednern hat es noch nie gefehlt, wohl aber an Nachfolgern im Sinne des Meisters der Liebe! Er gab uns Seinen Geist, wir aber dürfen auch Seinen Geist allen übermitteln; aber zuvor muss dieses Gefäß gereinigt sein und, lieber Freund, dich zu einem Gefäß zuzubereiten für Ihn oder Seinen Geist - ist auch die einzige Bedingung. Der Meister brauchte 30 Jahre, um das Gefäß für die sich offenbarende Gottheit zu werden, wir aber sollen das Gefäß der offenbarenden Liebe aus Jesus sein und zu alledem hilft Er uns selbst, so der rechte Wille vorhanden ist. Hast du mich recht verstanden, denn in dir sehe ich noch Fragen über Fragen!“

Baltasar: „Du hast recht, in mir bewegt sich viel, bis jetzt musste ich mich nur mit Brosamen begnügen und diese waren auch noch zweifelhaft. Hier steht auf einmal das große Wunder vor uns. Ist es da nicht zu verwundern, wenn ich nun frage, ist es möglich, auch Den zu schauen, der im Geiste in mir oder bei uns ist? Das Natürliche zog ich immer dem Unnatürlichen vor; wenn der Meister der Liebe mich so erfüllen und so beleben kann, muß Er doch auch hier sein! Was ist wohl schuld, dass ich dieses Liebewesen nicht schauen darf?“

Jakobus: „Baltasar, den Wunsch haben wohl alle, die Seine Liebe erfuhren. Es ist möglich, Ihn zu erschauen, aber nicht Bedingung, denn alles hängt von der Reife und von der Sehnsucht und der Liebe ab, die zu Ihm entbrannt ist. Ja, ich muss bekennen, dass der Geist Jesu sich am herrlichsten offenbarte, wo man sich mit Seiner Liebe begnügte. Eines Seiner Worte lautete: `Wirket und lebet so, dass niemand Mich vermisst, denn ihr seid Vertreter und Repräsentanten Meiner Liebe und Erbarmung´ und sehet, liebe Freunde, wie ihr nun die Nähe und Gegenwart des Herrn fühlt und empfindet, so sollen auch alle diejenigen empfinden, die um euch sind!“

Baltasar: „Lieber Freund, ich will alle Fragen zurückstellen! Ich sehe, dass jede Frage ein noch gehegtes Misstrauen darstellt. Ich fühle nicht nur die Wahrheit deiner Worte, sondern auch das Leben, wie es Oberwasser in mir gewinnt - habe darum Dank für deine Hinweise!“

Jakobus: „So nicht, lieber Freund und Bruder, dein ganzes Leben soll ein Dank sein! Ich wirke nicht, weil ich soll, sondern weil es mir Bedürfnis ist! Das Leben der Liebe aus Jesum, unserem Herrn und Meister, gehört ja erst uns, wenn wir es den anderen übermitteln - dieser Dienst ist ja unsere Seligkeit und das Ausreifen für höhere Aufgaben. Eines Ausruhens bedarf es nicht, die Heilandsliebe ist wie ein Quell, der immer Leben spendet und in den anderen neue Quellen erschließen will. Darum beweist sich das Leben der Liebe von selbst und schließt alle Fragen aus. Hast du einmal das rechte Leben in dir aufgenommen, wirst nicht nur du zu einer neuen Schöpfung aus Gott, sondern du selbst wirst erleben, dass um dich auch alles wie neu erscheint.- Aber nun möchte Schimba etwas fragen.“

„Ja, Bruder Jakobus, ich möchte fragen, ob das alles auch das Richtige ist! Es ist mir der Gnade zu viel, ich muss mich immer noch fragen, kann das Wahrheit sein, dieses heilige und lebendige Glück in mir? Da muß dann aber der Herr mit Seiner Hilfe bald eingreifen, denn diese Seligkeit ist auf die Dauer nicht zu ertragen!“

Jakobus: „Sorge dich nicht darum, denn auch neue Prüfungen werden dein in dir entstandenes Leben festigen. Bleibe in dieser Liebe, die du durch deine Liebe, deinem Bruder Simon erwiesen hast und gar bald wirst du die Freude erleben, die aus deiner Handlung entstanden ist. Vergesset alles was dahinten ist und schauet alle auf, auf den Herrn, der unsere Zukunft ist!“

Simon spricht: „Mir ist alles noch wie ein Traum! Du sprichst -vergesset was hinter euch liegt-, ja kann man das überhaupt vergessen, was man in seiner Verkehrtheit und aus blindem Hass tat!

Ich möchte schreien vor Weh und Schmerz, weil ich das viele Leid nicht mehr gut und rückgängig machen kann. Ich sitze hier am Gnadentische und nehme die verzeihende Liebe des Herrn wie etwas Selbstverständliches hin, während die, die ich in die Sklaverei brachte, vor Sehnsucht nach Freiheit verschmachten und vielleicht irre an dem Herrn geworden sind!“

Jakobus: „Ich verstehe dich Simon, es wird dir auch schwer werden, alles gut zu machen, was du getan hast, aber warum sich mit Vorwürfen quälen, wo der Herr dir helfen will, alles ins Gleiche zu bringen? Sagte ich nicht, dass der Mensch im Geiste der Jesusliebe eine neue Kreatur wird? Im Geiste dieser Liebe versuche gutzumachen und du wirst die helfende Liebe Jesu erfahren!“ Simon: „Wenn dem so ist, dann will ich nicht säumen mit meinem ganzen Vermögen zu dienen denen, um vergessen zu machen, was ich ihnen tat.“

Baltasar geht auf Simon zu und spricht: „Freund, darf ich dir dabei helfen! Ich habe überall Handelsplätze und auch Verbindungen im Geiste dieser Liebe die ich heute erlebe diene ich dir gern. Ich habe viele Verfolgte und auch Leidende gesehen. Es würde mich mit Freude erfüllen, so ich beitragen könnte Glück zu bringen. Also schlag ein, es gilt, ein Gefäß dieser heiligen Liebe zu werden!“

Simon: „Hier - meine Hand, und werde mein Freund, so ich daran denke, ich, ein Verbrecher, der in die Galeeren gehört und jetzt durch die Gnade Gottes ein Gesegneter! Es ist zu viel - zu viel, o Elias, du mein Freund - kannst du die Gnade ermessen? Ich noch nicht, ich sehe immer noch mein Schlechtes und mein Verdorbenes!“

Nikolaus: „Nun aber Schluss mit den Vorwürfen! Ich denke, wenn der Herr dir ein neues Leben schenkte, so schenkte Er es dir nicht, um wie ein altes Weib zu klagen, sondern um ein Mann zu werden, der das Vergangene als eine böse und harte Schule ansieht und das neue Leben danach einrichtet. Heute erlebst du grosse Freude. Wie willst du aber die Freude ertragen die dir wird, wenn du dein Wiedergutmachungswerk beginnst? Säume nicht! Nicht nur unser Segen, sondern auch des Herrn Segen wird dich begleiten.

Dass du, mein Bruder Baltasar, dich erbietest, dem Simon zu helfen, ist mir Gewähr, dass das Werk gelingt! Nun will ich auch das meine tun, also höret: Schicket die Verlassenen und Heimatlosen zu mir. Hier, wo die ewige Liebe uns so Großes schenkte, soll eine Burg sein für die Verfolgten. Eine Heimat soll ihnen werden, die ihnen volle Erfüllung ihrer Sehnsucht bringt!“

Jakobus: „Meine lieben Freunde, Brüder und Schwestern - nun ist der Durchbruch erfolgt. Eurer Liebe sind nun alle Wege offen und nun bitte ich euch, verkostet noch einmal euren Wein und wir wollen anstoßen auf die Liebe, die ihr eben ausgeboren habt. So sei gesegnet, du Liebe, die nur für die anderen wirken will, sei gesegnet du Liebe, die gutmachen wird und sei gesegnet du Liebe, die neue Liebe verbreiten will im Namen des Herrn, der da spricht: `Auch Ich segne diese Liebe, die ein Teil von Meiner Liebe ist. Was aus Mir gegeben ist, ist wohl schon gesegnet aber trotz alledem segne Ich nochmals gern, um Meine Freude zu bekunden, die ich in eurer Mitte erlebe.

Wie ich als Mensch so gern diente, so diene ich auch heute und allezeit. Wie Ich keinem meiner Feinde einen Vorwurf gab, so sie sich zu mir bekannten, so gebe Ich auch euch keinen Vorwurf; denn in dem Eingehen in Meinen Liebegeist und Willen übernehme Ich das Werk zu sühnen, was in falscher Verblendung begangen wurde. Eure Liebe sei Mein Leben, dann führt euch Mein Gott die Wege, wo ihr euch bewähren könnt! Der neu gesegnete Wein sei das Sinnbild Meiner Liebe, trinket und lasset alles in euch zur Liebe werden.

Dir, Schimba, soll die Gabe des Schauens werden und löse ein was du versprachst; denn in dieser Stunde löse Ich ein, was Ich dir versprach. So seid auch ihr gesegnet in Meinem Geist und Mein Friede sei euer Leben - euer Wollen lasset Tat werden- dann wird Mein Geist euch allezeit führen die Wege, die zum Heile aller dienen! Amen.`“

Jakobus nahm den Becher und trank - desgleichen auch die anderen, dann sagte Simon: „Das größte Wunder der allerhöchsten Liebe haben wir verschmeckt. Es ist genug der Gnade und der Liebe! Lasst uns wahrhaft tätig werden. Jede Stunde unseres Säumens ist Sünde gegen diese Liebe. Noch nie war ich ein Mensch, der große Versprechen gab, aber heute tue ich es. Mein Leben soll von nun an dieser Liebe gehören.“

Jakobus spricht: „Lieber Bruder Simon! Der Herr will kein Versprechen, aber ich nehme es als Anlass und bitte dich, bleibe hier in dieser Gegend als Diener der Liebe! Schimba wird dir ein treuer Helfer sein und in Nikolaus hast du eine Stütze. So wollen wir uns auf das große Werk konzentrieren und immer bedenken, dass es doch noch so viele gibt, die die reine Wahrheit um Jesu noch nicht wissen. - Du. Baltasar, hast immer noch wünsche. darum bitte ich dich, bleibe noch bis morgen. Was du an Zeit verlierst, gewinnst du an Gnadenbeweisen, und Simon möchte dir doch aus seinem Irrtum so manches offenbaren, um dir zu danken, weil du ihm helfen willst seine Schulden abzudecken. - Suchen wir unser Lager auf. Der morgige Tag wird viel Neues bringen!“

Früh schied Iwano von den Brüdern, zuvor erhielt er eine größere Summe Gold von Simon, die er anwenden soll, um Christensklaven frei zu kaufen.

Jakobus umarmte Iwano und sagte: „Bringe der Liebe ein kleines Opfer, mein Bruder Iwano und mache einen Umweg über das Gebirge. Du wirst einen Karawanenzug treffen, der Fieberkranke hat. Der Führer dieser Karawane ist mir bekannt. Darum wirst du es leicht haben, ihn zu bewegen, hierher zu kommen. Der Herr sei mit dir und deiner Liebe und du wirst innewerden, dass der Herr der treueste Helfer und Förderer deiner Liebe ist! Rechne nie auf Dank, aber wisse, dass der Herr dein Dank ist.“

 

Karawane mit Fieberkranken

Baltasar blieb. Seine Leute glaubten, ihr Führer sei von dem Wein trunken, von dem sie nie genug erzählen konnten. Nahe am Mittag war es, als ein Karawanenzug in den Bereich des Nikolaus ankam. Weit von der Herberge ließ der Führer halten und ging nach der Herberge, um sich bei Nikolaus die Erlaubnis zu holen, auf seinem Gelände Zelte zu errichten, da er Fieberkranke in seinem Wagen habe.

Nikolaus gab sie gern und sagte: „Ich glaube, lieber Freund, so du dich der Hoffnung hingibst, wird dich Jehova, der wahre Gott aus deiner drückenden Not befreien. Ich kenne nur den Gott der Juden vom Hören, sonst aber gehe ich den Juden, so ich kann, aus dem Wege. Was ich heute von Juden auf dem Karawanenwege erlebte, ist Sünde gegen die Menschen. Wie darf ich dich nennen? Mein Name ist Nikolaus.“

„Man nennt mich den schwarzen Bären, mein Vater rief mich Samino.“

„Gut Samino - auf treue Freundschaft und Vertrauen!“

In einer kleinen Stunde kommt Samino und erbittet sich Feuer vom Herde des Nikolaus; aber dieses läßt Nikolaus nicht gelten, er spricht: „Samino, in meiner Herberge werdet ihr alle mit uns essen! Sagte ich nicht, dass du hoffen sollst auf Hilfe des lebendigen Gottes!“

Samino: „Es ist gegen die Ordnung. Meine Kranken erfordern es!“

Nikolaus aber sagte: „Deine Kranken werden von uns versorgt werden. In meinem Hause berge ich einen Jünger des Wundermannes aus Judäa. Magst du dich nicht mit ihm bekannt machen?“

„Es wird nicht viel nützen, alles, was Jude ist, flösst mir Abscheu ein. Zuviel der Schlechtigkeiten habe ich und mein Vater erleben, ja ertragen müssen. Da du mir aber die Freundeshand botest, will ich es tun.“

Samino ging an der Seite des Nikolaus in die große Stube. Jakobus und Simon befanden sich allein darinnen, alle anderen waren draußen beschäftigt bei der Karawane des Baltasar - und im Hause war ein jeder beschäftigt mit dem Mittagsmahl.

Jakobus ging auf Samino zu und sagte: „Samino, wenn du mein Herz schauen könntest, würdest du mit Freuden meine Hand ergreifen, denn ich möchte an dir gutmachen, was meine Stammesbrüder an dir fehlten.“

„Dieses ist nicht gut zu machen. Mein Vater kann nicht mehr zum Leben erweckt werden und meine Mutter ist aus Gram gestorben.“

„Samino, du bist verbittert und dies nimmt dir die Freude deines dir von Gott geschenkten Lebens. Siehe, ich war es, der Iwano die Bitte unterbreitete, auf Geheiß des lebendigen Gottes, dessen Bote ich bin, dass du mit deiner Karawane hierher kommen solltest. Deine Karawane ist mit dem Tode gezeichnet, darum sollst du die Liebe erfahren, die gutmachen und dir weiterhelfen will. Hier nimm meine Hand und habe Vertrauen! Auch du sollst erfahren, dass Gott wahrhaft ein Wahrer und Lebendiger ist.“

Samino: „Ich kenne keinen Gott der Juden und wenn es in Wahrheit einen gäbe, dann wird Er Mühe haben, mich von Seiner Gottheit zu überzeugen Mein ganzes Leben gilt dem Hass, den ich den Juden geschworen habe.“

Jakobus: „Samino, du bist in einem großen Irrtum gefangen. Du bist wohl ein kluger Mensch, aber in diesem Punkt bist du in der größten Irre. Hass lebt in dir! Hast du dich einmal gefragt, was ist eigentlich Hass? Ich sage dir, nein, denn sonst hättest du einsehen müssen, dass Hass das pure Gegenteil von Liebe ist. In dir lebt aber auch Liebe, dieses beweist deine Treue deinen Kranken gegenüber.

Erst vorgestern hättest du dich ihrer endledigen können, du tatest es nicht um der Liebe willen und hättest es als eine Gemeinheit zu dir selbst angesehen. Also lebt auch in dir Liebe! Liebe und Hass aber können nicht auf die Dauer in einem Hause beieinander leben, denn eines der stört das andere! Liebe ist das Grundleben der Erhaltung, Hass die Idee der Vernichtung. Die Auswirkung siehst du am besten bei den Kranken.“

„Wieso - was haben meine kranken Leute mit meinem Hass zu tun, das sind doch pur meine eigenen Angelegenheiten!“

„Nach deiner Meinung ja, aber nicht nach dem Ordnungsgesetz des Heiligen Gottes, Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Wie Sein Grundleben die Liebe und das Leben ist, so ist es auch Sein Wille dass alle Seine Geschöpfe von Seinem Grundleben Nutznießer sind. Nur der kann Sein Feind sein, der sich des Gegenteils Seines Grundlebens bedient und ein eigenes Leben lebt!“

Samino: „So lebe ich also auch ein eigenes Leben? Das ist mir neu! Welches Leben lebt denn dann ihr? Ihr seid doch auch nur Menschen und keine Götter!“

Jakobus: „Götter nicht - aber Menschen, die aus dem wahren Göttlichen ihre Kraft, ihre Liebe und Weisheit - mit kurzen Worten, ihr Leben empfangen. Jedes Leben bekundet einen Geist, da es aber nur einen Geist aus Gott gibt, der Erhaltung ist, kann dieser das Leben, welches ein solcher Mensch lebt, nur göttlicher und vollkommener gestalten! Das pure Gegenteil wird aber der Mensch erfahren, der kein Leben aus Gott lebt, in ihm wird sich das Göttliche, welches jeder bei seiner Geburt erhält, immer mehr verlieren, bis er nur noch sein eigenes Leben lebt und dieses ist dem Tod geweiht! Darum kam eben Gott in diese Welt, den Menschen das wahre göttliche Leben und Sein zu offenbaren, damit aller Tod weiche und an dessen Stelle das wahre Leben trete.“

Samino: „Deine Sprache klingt nicht schlecht, auf diesem Boden ließe sich mit mir verhandeln, doch möchte ich vor allem gern wissen, was willst du von mir und was hast du für Absichten. Iwano machte Andeutungen, dass meine Kranken durch dich gesund würden?“

Jakobus: „Iwano hat recht; aber sagte nicht Iwano, das solches möglich wäre, so du dich aufschwingen könntest, gleich mir, an den wahren Gott zu glauben? Auch ich habe für dich den Wunsch, an den Gott zu glauben, der nur Liebe und immer nur Liebe ist, aber nicht gezwungen, sondern frei; denn es kann nicht sein, dass du an den Gott, der nur Liebe ist glaubst, und dein Herz ist voll Hass gegen die, die immer noch die Verbindung mit dem wahren Gott, aufrecht erhalten haben. Siehe, der Wundermann Jesu, obwohl Er das Opfer der von dir gehassten Juden wurde, blieb dem göttlichen Leben in Sich treu und machte die Liebe zur Bedingung. Wer diese Bedingung erfüllt, lebt aus Gott und wird auch alles empfangen, was nötig ist um auszureifen zu einem vollkommenen Leben aus Gott. Um dir aber den Beweis zu geben, wie recht ich habe, sage ich dir aus der Kraft und Gnade des Herrn: Gehe zu deinen Kranken - sie sind auf dem Wege der Besserung!“

Samino spricht: Wenn dem so ist, dann hast du mich zu einem Schuldner deines Gottes gemacht. Warum tatest du dieses?“

Jakobus: „Um deiner Kranken willen. Wenn schon du nicht glauben willst, so soll doch ihnen das Evangelium des Lebens aus Gott nicht vorenthalten werden und um dir zu beweisen, dass der wahre Gott Liebe und Leben ist.“

Samino: „Wer spricht, dass ich nicht glauben will! Mache in mir alles vergessen was war und keinen Treueren und Dankbareren wirst du in denen Reihen finden!“

Jakobus: „Nicht ich oder Gott kann dir Vergangenes vergessen machen, sondern du selbst. Mache in dir, was dem Hass geweiht ist, zur lebendigen Liebe und du gehst auf den Wegen, die dich nicht nur alles vergessen, sondern zu einem neuen Menschen machen wird. Der nur einen Willen kennt, nichts mehr ohne Gott zu tun und immer mehr und mehr einzugehen in das Leben aus Gott und in Gott! Aber nun gehe zu deinen Kranken, sie verlangen nach dir!“

Samino: „Wenn dem so ist, dann komme du mit. Wie könnte ich wohl ihnen sagen, dass der Heilige Gott ihnen geholfen habe, den ich selbst noch nicht kenne!“

Jakobus: „Gerne komme ich mit dir, aber siehe, alle die um mich sind, möchten auch die Gnade, die deinen Kranken geworden ist, miterleben und ihnen Helfer und Bruder sein, damit du und deine Leute nicht mehr in deinem Lager, sondern hier im Hause die volle Wahrheit über den Ewigen und heiligen Gott erhaltet. Du bist doch einverstanden?“

Samino: „Dann kommt! Vor dieser Liebe bin ich machtlos. Aber habe du Geduld mit mir, ich hoffe, dass du den Hass, den ich gegen euch hatte, mir nicht nachträgst.“

Bei dem Lager angekommen, wird überall Samino verlangt. Sie fragen, ob sie aufstehen dürfen. Die Hitze im Kopf in den Gliedern sei verschwunden - sie seien wie ausgewechselt.

„Stehet alle auf und erfahret das große Wunder! Ihr werdet richtig gesund werden, gesund durch den wahren Gott, den uns diese Freunde lehren werden.“

„Samino, ist die Botschaft wahr? Dann ist wohl die Kunde vom Sterben des Wundermannes eine Lüge gewesen. Welcher ist denn der Wundermann, von Dem soviel geredet wurde?“

Jakobus  tritt hin und spricht: „Bringet alle ins Haus - Nikolaus, der Wirt, legt Wert darauf, dass alle in seinem Hause gestärkt werden und dann die rechte Wahrheit erfahren. Um dich aber, du treuer Diener deines Herrn zu erfreuen, sage ich Dir: Jesus der Heiland und Wundermann ist wahrhaft am Kreuze gestorben, aber nach drei Tagen wieder von den Toten auferstanden und ist im Geiste Seiner Liebe mitten unter uns. Ich aber bin Sein Zeuge!“

Der Treiber fragt: „Was - gestorben und wieder vom Tode auferstanden? Wo ist er jetzt wenn er lebt, kannst du mir genau Bescheid geben, damit ich zu Ihm gehen kann. Zuviel habe ich gehört und nicht geglaubt!“ Der Treiber rennt hin zu den anderen und drängt zur Eile "kommt, kommt", drängt er, es ist von dem Wundermann ein Zeuge da, Jesus lebt, Jesus lebt, Er ist gestorben und wieder lebendig - kommt - kommt, ihr werdet alle wieder gesund. Jesus ist im Geiste da, lautet das Zeugnis Seiner Zeugen.“

Es war eine Aufregung, aber eine freudige. Der Treiber hatte alles lebendig gemacht.

Samino wollte Einhalt gebieten, aber Jakobus hielt ihn davon ab und sagte: „Warum willst du deinem treuen Diener die Freude nehmen? Bist du traurig, weil du es nicht kannst, mit lebendigen Worten die Lebensfreude zu fördern? Wie willst du aber dich rechtfertigen, wenn sie alle das große Wunder der herrlichen Heilandsliebe erleben, - Samino, ermanne dich und verschließe dich nicht länger vor der Gnade Gottes und Seiner Liebe und Erbarmung, da Er, der heilige Gott auch dich sucht!“

Samino schaute lange Jakobus an und spricht langsam: „Lieber Freund, du überfällst mich mit der Liebe deines Gottes, wenn ich nun versage und nicht halten kann, was dein Gott von mir fordert? Ich weiß immer noch nicht, was willst du oder was will Gott von mir?“

Jakobus: „Samino, Gott will dich. Leben sollst du für Ihn, dein Leben in den Dienst Seiner Liebe stellen, wie du es schon bisher getan hast. Nur mit dem Unterschied, dass du bisher von deiner Liebestätigkeit noch keine Frucht ernten konntest. Wirkst du aber im Geiste der Liebe aus Gott, wird Segen über Segen deinem Tun entströmen! Gott ruft dich, ja längst rief Er dich, aber du ließest alle Gelegenheiten vorübergehen mit dem Heiland aller Heilande zusammenzukommen, nur deines Hasses wegen. Gott aber der Liebe ist, liess dich in diese deine übertraurige Lage kommen, um dich zu erretten von dem Gericht, dass die unausbleibliche Folge deines blinden Hasses ist. Samino, in mir reicht dir die ewige Liebe die Hand, stoße sie nicht länger zurück. Das Leben ist tausendfach köstlicher als der Tod und das Gericht!“

Samino: „Was liegt an mir geringem Menschen? Dein Gott muss ja Macht genug besitzen, um auf der Höhe Seiner Macht und Gottheit zu bleiben. Bin ich doch nur ein Produkt des Hasses geworden durch die Menschen, die sich als das Volk Gottes bekennen. Gut - ich will gern dich als Seinen Vertreter anerkennen. Ich will dich bitten, um meiner Kranken willen, ihnen nicht zu entgelten, dass ich ein Starrkopf bin. Nur dränge mich nicht, solange die Vergangenheit wie ein wüstes Bild mich verfolgt und mir jede gute Regung nimmt.“

Jakobus: „Samino, komme nun mit deinen Kranken ins Haus und erlebe, wie Gott die Fehler derer gut macht, die im falschen Wahn Unglück über Unglück über die Menschen brachten.“

Rasch bewegten sich die Kranken nach dem nahen Wirtshaus, erwartet von Nikolaus, der sie nach der großen Wirtsstube führte und an Tafeln und Tischen platzierte. Sein Herz war so voll überströmender Freude, dass er die römische Militärpatrouille gar nicht bemerkte, die in den Hof eingeritten kam.

Der Führer dieser Patrouille grüsste Nikolaus und fragte, was das für Leute sind und bat für seine zehn Leute und die Pferde um Speise und Futter bis zum nächsten Tag.

Nikolaus war etwas erschrocken über die Römer, er kannte den Unterführer, der ein fanatischer Heide war, aber dennoch grüßte er ihn freundlich wieder und sagte: „Diese Leute sind auf, meinen Wunsch in das Haus gekommen. Sie bedürfen der Pflege und Ruhe, die sie in dem Lager des Samino nicht haben.“

Der Römer spricht: „Von Samino sind diese Leute, da muss ich aber Einspruch erheben. Die Karawane des Samino ist mit dem Tod gezeichnet und hat das Lager nicht zu verlassen. Wo ist Samion? Erst gestern wollte ich ihm die Kranken abnehmen lassen - aber er wollte nicht. Sind das die Kranken, die hier in diesem Raume sind?“

„Freilich, das sind sie, aber nicht mehr krank, sondern auf dem Wege gesund zu werden!“

In diesem Augenblick kommen Samino und Jakobus als die Letzten. Rasch tritt der Römer zu ihnen und spricht: „Samino was ist geschehen? Gestern trug deine Karawane das Zeichen des Todes und jetzt lässt du es zu, dass sie in das Haus des Nikolaus übersiedeln. Weißt du, dass du schwere Strafen zu erwarten hast, wenn nur ein Kranker außerhalb deines Lagers stirbt?“

„Pistorius, ich weiß es! Es wird aber niemand sterben, sondern ganz gesund werden durch die Hilfe des lebendigen Gottes der uns in diesem Freund entgegengekommen ist.“

„Samino, bin ich oder du nicht mehr normal. Du nennst diesen Juden einen Freund! Du, der du die Juden am liebsten ausspeien möchtest. Da möchte ich doch wissen, was da vorangegangen ist.“

„Ja, da staunst du, Pistorius! Iwano, der fromme Schwärmer, begegnete uns- kommt zu mir und bittet mich um mein und meiner Leute Heil, ich solle unverzüglich die Herberge des Nikolaus aufsuchen. Sein Bitten und Drängen bewegte mich, zu folgen, und hier erlebe ich das große Gotteswunder des auferstandenen Wundermannes.“

Nikolaus bittet, sich nicht an der Tür solange aufzuhalten, sondern auch Platz zu nehmen, wo sie wollen, der Tag ist noch nicht zu Ende, es wird alles geklärt werden. Es wurden die Tische und Tafeln gedeckt, bald kamen auch die Soldaten und meldeten. dass die Pferde versorgt seien. Pistorius dankte und ließ seine Leute an seinem Tisch Platz nehmen. Da alle Hunger hatten griffen auch alle ohne Nötigung zu. Nikolaus ließ auch einen Wein auftragen, dem auch reichlich zugesprochen wurde. Bei dem Essen war nur eine Unterhaltung. Sie drehte sich um den Heiland der im Geiste da sei, wie Mischko versicherte. Niemand von den Kranken war im Bilde - die Römer aber blieben reserviert.

Pistorius, der darauf wartete, bis alle gegessen hatten, ging an die Tische der Kranken und sagte: „Leute hört einmal auf mich, ich stehe vor einem großen Rätsel. Gestern waret ihr zum Sterben und heute sieht man von eurer Krankheit so gut wie nichts mehr. was ist geschehen?“

Mischko spricht: „Herr, der Auferstandene ist im Geiste unter uns. Wir wissen selbst noch nicht, wie alles gekommen ist, aber der Freund an der Seite Saminos kann volle Auskunft geben.“

Pistorius geht hin zu Jakobus und spricht: „Ist es war. dass der Gekreuzigte bei der Heilung der Kranken Seine Hand im Spiele hatte? Ich möchte volle Klarheit. Denke aber nicht. dass ich zu täuschen bin, denn ich bin ein Römer. Es sei dir gesagt, dass ich dir keinesfalls feindlich gegenüber stehe, sondern die reine Wahrheit verlange.“

Jakobus: „Ich habe keine Ursache, jemanden zu täuschen, sondern das Bestreben die reine Wahrheit zu bringen allen denen, die unklar und im Zweifel sind. Ich bin ein Zeuge und Jünger des gekreuzigten und wiedererstandenen Jesus von Nazareth. In Seinem Geiste und in Seiner Liebe wirke ich. Da ich ganz von Seinem Leben durchdrungen bin, brauche ich auch nichts zu fürchten, auch dich nicht. Du sagst, dass du mir nicht feindlich gegenüber stehest, aber die Schranke, die du zwischen dir und mir aufgerichtet hast, grenzt an Feindseligkeit! Du warst nie der Juden Freund, nie wolltest du gelten lassen, dass ihr Gott der wahre und ewige sei, dir sei Er begegnet; aber das hast du dir noch nicht überlegt, dass deinen vielen Göttern auch noch nicht zu dir gekommen ist. Was du von dem wahren Gott verlangtest, musstest du auch von den anderen Göttern verlangen. Ja ich weiß sogar, dass du in große Erregung gekommen bist als die Anweisung kam, der Ausbreitung des Christentums keine Schwierigkeiten zu machen.“

„Woher und von wem weißt du dieses? Ich sprach zu keinem Menschen darüber“ erwiderte Pistorius.

„Ich weiß noch mehr. Du wolltest sogar einen solchen Vertreter der neuen Lehre ein solches Wetter machen, dass es ihm verginge, noch mehr von den Toten zu reden. Nun bin ich aber einer von denen, aber nicht einer, der nur von den Toten redet, sondern Sein Leben bezeugt. Sein Leben, welches den Sieg über allen Tod und Gericht errungen hat und für Ewigkeit auch fortbestehet wird. Freilich, du wirst es nicht glauben wollen, diese aber, die Todgeweihte waren, werden bald Sein Leben in sich tragen und mit Freuden Dem danken, der Ihnen ihre Gesundheit und ein neues Leben werden ließ.“

Das sagt aber noch nicht, dass dieser Tote an diesen Kranken Seine Hand im Spiele hat - wie willst du es mir beweisen?“ „Dir den Auferstandenen zu beweisen, werde ich nicht tun, da du ja gar kein Interesse an Ihm hast, aber da ich in deinem Herzen das Falsche und Böse in dir aufflammen sehe, rate ich dir, gehe von hinnen und störe nicht das Leben, welches sich in diesen Menschen entwickeln will. Blinden und tauben Menschen diene ich gern mit dem Leben des Auferstandenen, aber böswilligen Menschen nicht. Deine Macht als Römer fürchte ich nicht; aber dein Vater, der noch nicht lange in der geistigen Welt ist, ist überaus traurig, erstens, weil du dich nicht als ein echter Römer benimmst, zweitens, weil du die Gelegenheit nicht wahrnehmen willst, mit dem Auferstandenen bekannt zu werden und drittens, weil du nicht mehr an das Versprechen denkst, welches du deinem Vater auf dem Sterbebett gabst.“

Straff schaut der Römer auf Jakobus und spricht: „Mann, was weißt du, wie kann das Versprechen so wichtig sein, welches man einem Sterbenden gibt? Sind nicht 10 volle Jahre darüber vergangen. Was hat es für einen Sinn, mich von meiner Götterlehre zu trennen und nach einem Gott zu suchen, der ewig sein soll. Bis jetzt haben mir meine Götter jeden Wunsch erfüllt, den ich in mir laut werden ließ. Mein Leben genügt mir und über meine Handlungsweise lasse ich mir von niemandem, auch von einem Juden nicht reinreden. Das ist ja Torheit, mir zu sagen, in mir wolle Falsches und Böses aufflammen!“

„Und ich sage dir, dass das Böse dich voll und ganz ergriffen hat, denn jetzt stehst du mir als Feind gegenüber, weil ich es wagte, dir die Wahrheit zu sagen über deine Gedanken und Pläne. Ich werde nun auch kein Wort mehr mit dir reden, außer du kommst von selbst zu mir. Wenn ich auch nur ein Jude bin, so lebt aber auch in mir ein Geist, der göttlichen Ursprungs ist und dieser Geist gibt mir Anweisung, dich nicht weiter zu reizen.“

Jakobus neigte sein Haupt vor Pistorius und wandte sich an Nikolaus, der mit Unbehagen dieser Unterhaltung folgte und sagte: „Bruder, beruhige dich, auch er wird an den Heiland glauben. Lasse dich in deiner Liebe nicht stören und mache du alle die Verlangenden mit dem Heiland bekannt.“

„Gern“, erwiderte Nikolaus, „aber warum willst du es nicht tun? Sehne ich mich ja selbst nach deinen Worten, die des Heilandes Liebe und Leben so klar schildern. Da du es aber wünschest, muss es doch auch des Heilandes Wille sein?“

 

Karawane mit gefangenen Christen wird gefangen genommen

Endlich hielt die Karawane. Alle Hände halfen. Was sich aber für Szenen abspielen bei der Unterbringung der Kranken und Geplagten, läßt sich nicht schildern. Sardellus war außer sich als er mit eigenen Augen sah, was Tempelwut und deren Haß zu Wege brachte. Fünf gefangene Priester und zehn ihrer Diener mussten in ein sicheres Gewahrsam gebracht werden, das von den Soldaten streng bewacht war. Es war ihnen nicht mehr möglich, sich zu befreien.

Das Haus war übervoll. Nikolaus Weib rang die Hände, mit so vielen hatte sie doch nicht gerechnet. Die erste Sorge galt nun denen, die man in die Zelte schaffte. Es galt vor allem Kleidung zu schaffen, denn fast alle waren nackt und ihre Schamtücher waren sogar zerrissen. Es mussten ihre Wunden gereinigt werden, die ihnen Knechte der Priester durch ihre Peitschen und Riemen beigebracht hatten.

Wie dankbar waren die Befreiten. Noch nie hat ihnen das gereichte Brot und der Wein so gut geschmeckt wie heute. Es dauerte auch nicht lange, so brach der Lebenswille wieder durch und sie wurden wieder froher. Im Hause wurden alle gesättigt und endlich konnte Pistorius berichten, denn vor allem Sardellus wollte den ganzen Hergang wissen.

Er erzählte: „Als ich endlich nach langem, erfolglosen Suchen die Karawane sichtete, war mein Bestreben, alles in Ruhe und im Sinne der Liebe, die mir ja einen Beweis geben wollte, zu erledigen. Als die Templer uns sahen, setzten sie sich auch schon zur Wehr, ohne von uns gesprochen zu werden. Zwei meine Leute wurden dabei verwundet, was mich in ungeheure Erregung brachte. Ich schrie: Kein Pardon – dann war es das Werk weniger Minuten und wir hatten die bewaffneten Knechte überwältigt.

Ich sehe mich um, da kommt ein Priester mit einem Speer drohend auf mich zu, aber da er im Gebrauch mit Waffen ungeübt war, habe ich ihm den Speer bald aus der Hand geschlagen und ein Faustschlag in das Gesicht machte ihn unschädlich.

Inzwischen kamen noch vier Priester. Meine Leute waren inzwischen mit den Knechten fertig geworden. Die Priester brüllten mich an, warum ich friedliche Menschen überfalle. Erregt, wie ich war, gab ich zur Antwort: Überfallen nennt ihr meinen Dienst! Ich habe nur zu kontrollieren. Nun sollt ihr aber an mir einen erleben, der nicht das Geringste durch die Finger gehen läßt. Mit Donnerstimme fragt ich: Wer hat hier die Führung? Wer ist Besitzer dieser Karawane? Warum seid ihr Priester bewaffnet?“

Da sagte einer höhnisch: „Du hast ja gar nicht zu fragen, sondern sollst die glücklich schätzen, so wir dich fragen, mit welchem Rechte überfällst du uns?“ Da war es aus `Leute, sichert mir diesen Templer` rufe ich und in wenigen Augenblicken waren alle gebunden.

Nun kam die Ruhe über mich. Noch einmal fragte ich meine Leute: Sind wir angegriffen worden oder waren wir die Angreifer? und es wurde mir gesagt – wir wurden angegriffen, weil wir wahrscheinlich so schnell herangeritten kamen – . Gut sagte ich, wir wollen sehen was bei der Untersuchung herauskommt. Jedenfalls muß ich mich genau informieren lassen. Den anderen Treibern rief ich nun zu, sie sollten anhalten und sich uns zur Verfügung stellen. da kam einer hin und sagte: `Herr, lasse uns nicht entgelten, was diese Herren versündigten. Wir sind arme Fauns und müssen tun, was uns geheißen wurde.`

Hat man euch gezwungen ungesetzliches zu tun fragte ich, da antwortete der arme Mensch: `Nicht nur ungesetzliches, sondern unmenschliches`. Da sagte ich ihm: Wenn dem so ist, fürchte nichts, denn wir Römer handeln nur nach der Gerechtigkeit! Was habt ihr auf eurem Wagen, doch nicht etwa Menschen? Da kam die Antwort: `Nur Menschen- gute Menschen, die niemand etwas zu Leide taten. Ihr Fehler war nur der, dass sie Nazarener sind`.

Mit diesem Wort kam mir mit einmal die Mission in den Sinn, der zuliebe ich ja die Karawane suchte, und in mir zog Ehrfurcht vor dem Gott ein, Dem ich zu entfliehen suchte.

Lasse alle aussteigen, übernimm du in meinem Namen alle Sorge um die Menschen. heute lasse alle ruhen, denn morgen möchte ich bei dem Nikolaus am Wege Patmur sein. Dort hoffe ich alle unterzubringen. Dann müssen wir frühzeitig fahren, denn der Weg ist weit, wir haben wenig Wasser und ich kenne keine Quellen.“

So wurde ich nun Zeuge von einem Elend, welches ist selbst nicht im Kampfe erlebte. Du wirst an dich halten müssen um nur einigermaßen ruhig zu bleiben und so möchte ich die bitten, den Leuten heute die Ruhe zu gönnen, denn es sind wirklich Schwerkranke darunter.“

Nikolaus, der das Gespräch mit angehört hatte sagte zu Jakobus: „Bruder, was empfindest du in deinem Herzen?“ Jakobus: „Nur Weh und Schmerz, denn ich fürchte, Sardellus wird hart mit den Priestern umgehen“. Nikolaus: „Können wir da nicht sänftigen, Jakobus?“ Jakobus: „Hier nicht, denn die Wahrheit ist dermaßen überwältigend, dass nur ein Herz voll der größten Erbarmung noch eine Entschuldigung finden kann. Doch soweit ist Sardellus nicht. Wir können nichts dabei tun und müssen sein Gerechtigkeitsgefühl anerkennen, aber würdest du nicht einmal mit mir zu denen in den Zelten gehen?“ Nikolaus: „Gern, aber wir werden Sardellus bitten mitzukommen, damit er auch erlebe, wir im Geist der Heilandsliebe dienen möchten!“ Jakobus: „Habe Dank, Nikolaus. Mit dieser Rede hast du mir eine rechte Freude gemacht. Wir wollen auch den Schimba nicht vergessen, denn er wird es sein, der die Kranken in Behandlung nehmen wird und wer noch mitkommen will, den wollen wir willkommen heißen.“

Sardellus und Pistorius waren sofort dabei und da die Nackten bekleidet wurden, freute er sich die Begegnung der Armen mit dem Jünger Des Herrn.

Es waren ihrer viele, die zu den Zelten traten, Jakobus rief mit lauter Stimme: „Selig seid ihr, die ihr Leid traget, denn unser Leid soll in Freude und euer Schmerz soll auch in Freude verwandelt werden, und so ruft euch der Herr und Meister Jesu zu. Kommet heraus aus den Zelten und erfahret, wie herrlich der Herr eure Treue lohnt.“ Und heraus kamen die Schwergebeugten, andere wurden gestützt. Da sagte Schimba: „Im Geiste ist er hier, eure Rettung ist ja Sein Werk. Dort sehet unseren Bruder Jakobus, den Jünger des Herrn!“

Jakobus sah Sardellus und Pistorius. Mit wenigen Schritten war er unter den Schwerkranken und sagte mit lauter Stimme: „Schwestern und Brüder, der Herr will, dass eure Leidenszeit vorüber ist. Empfanget Seinen Segen und Seinen Geist! Ihr aber, die ihr in Treue in den Tod gegangen wäret, erstehet in Gesundheit und eure Wunden sollen schnell heilen. Lasset aber den Geist der Liebe und Verzeihung walten und Freude über Freude wird in euer Herz einziehen. Nach dem Maße eurer Liebe werdet ihr belebt und nach dem Zuge eurer Erbarmung wird Sein Heiliger Friede in euch auch froh und freudig machen! So geschehe Sein, aber auch euer Wille! Amen.“

Da wurden alle fieberfrei und die Schmerzen wurden erträglicher. Da sagte jemand: „O ihr lieben Freunde und du, Jünger des Herrn! Hochgelobt sei der Name des Herrn und gepriesen Seine Wunderkraft! Hier sehet meinen Rücken. Vor Schmerzen konnte ich nicht mehr liegen und vor Qualen hätte ich am liebsten sterben mögen, er ist so gut wie geheilt. Saget mir, wo kann ich dem Herrn meine ganze Dankbarkeit darbringen, denn das Wunder Seiner Liebe und Kraft ist ja übergroß, dass Er hier sein muss. Da sehet, meine Schwestern wären vielleicht schon gestorben, wenn Er nicht mit Seiner Hilfe zu uns gekommen wäre. O, du Jünger des Herrn, quäle uns doch nicht so mit deinem Schweigen, den jede Minute ist Sehnsucht nach Ihm verbracht, fehlt uns und Ihm.“

Jakobus legte der Frau die Hände auf und spricht: „Schwester, öffne ganz dein Herz und laß alles, was in dir Sehnsucht ist, zur Liebe und Erfüllung werden; denn siehe, der Meister kann dich nur erfüllen mit Seinem Geist und du wirst inne werden, dass du ganz bei und in Ihm bist. Nicht äußerlich kann Er zu dir kommen, sondern in deiner Liebe zu Ihm ist es Ihm möglich, dass Er und den anderen sichtbar wird. Es ist der Liebe größtes Wunder, dass in euch Sein Leben offenbar wird, aber noch größer wird das Wunder sein, wenn ihr in eurer Liebe Sein herrliches Leben offenbart. Sein Leben, was Er im größten Lebenskampf uns zu eigen gab, damit erstehen soll der herrliche Heilands- und Erlösergeist unter uns allen, damit Sein Wesen und Sein Ewiges Leben für ewig Eigentum der Erde und allen Menschen zum Heile werde.“ Da umstanden alle den Jakobus und ein Schein ging von ihm aus, den alle sahen.

Da sagte Sardellus: „Jakobus, hast du etwas getan, damit deinen Worten ein größerer Nachdruck verliehen wird? Noch nie sah ich ein derartiges Leuchten an einem Menschen.“ Jakobus erwiderte: „Sardellus, ich habe nur den Geist walten lassen, der mich mächtig belebt. Die anderen werden es gar nicht merken. Weil du aber mit deinem Verstand alles beobachtetest, liegt auch das Äußere dir näher, als das geistig Innere. Würdest du in solcher Liebe wie Maruschka entflammt sein, wahrlich, du würdest Wunder über Wunder erleben und dein in dir wohnender Geist aus Gott würde Tiefen über Tiefen in Gott schauen, der sich nur nach dem Reifegrad Seiner Kinder offenbaren kann.“

Sardellus: „Das ist mir unverständlich. So erlebt also die Maruschka etwas anderes als ich?“ Jakobus: „Nicht nur Maruschka, sondern ein jeder unter uns. Frage Schimba und bitte ihn, er solle berichten, was er jetzt in diesem Augenblick erlebt. Du wirst aus dem Staunen nicht herauskommen.“

Sardellus rief Schimba und Maruschka zu sich und sagte: Höret, ihr Lieben, das Wunder, welches uns offenbar wird, soll für jeden verschieden sein. Würdest du, so ich dich bitte, mir kundtun, was du jetzt erlebst?“ „Aber gern, lieber Herr! Mein Herz ist übervoll! Ich hätte schon längst gesprochen, aber es ist alles so belebt und da würde so manches verloren gehen. Wenn du, hoher Herr, die anderen um etwas Ruhe bitten würdest, würde ich übergern sprechen.“

Sardellus bat um einige Augenblicke Gehör für Schimba und da sagte Schimba: „Meine Freunde und ihr Vielgeliebten, höret, der Herr läßt mich etwas Wunderbares erleben. Er ist mitten unter uns mit einer Schar der liebvollsten Geister. Dir, Maruschka legte Er die Hand auf dein Haupt und es liegt ein goldener Glanz auf deinem Haar, das ich am liebsten mit der Krone vergleichen möchte und aus deinen Augen strahlt ein Leuchten! Wenn es finster wäre, würden alle das Leuchten sehen. Du Jakobus, bist eingehüllt in eine Sonne, die dich in einem herrlichen Glanz und Leuchten erschauen läßt und bei jedem Wort, welches du sagst, ist es als wenn Lichtfunken aus deinem Herzen kämen und sie dringen in das Innere der Zuhörer. Bei anderen sehe ich wieder Lichtgestalten, die sich am liebsten anklammern möchten. Bei dir, hoher Herr, sehe ich auch eine herrliche Frauengestalt, während aber eine Männergestalt nicht so strahlend sich in deiner Nähe aufhält. Im Hintergrund aber steht der Herr und schaut mit leuchtenden Augen auf uns.

Eine Schar ganz junger, aber lichtstrahlender Wesen sind um Ihn und nun sehe ich, wie die herrlichen Wesen Bänder, nein Lichtstreifen um uns weben und wie herrlich, ein jeder hat ein andersfarbiges Lichtband an die Lieben, auch an dich geknüpft. Jetzt hält der Herr beide Arme hoch, als wenn Er uns segnet und, o Wunder, aus seinen Händen, aus Seinen Augen, sogar aus Seinem Mund strömen Strahlen von Licht und beleuchten all die schönen Bänder. Diese aber strahlen das ihnen eigene Licht wieder zurück, es ist eine Schönheit, dieses Strahlen! O, wenn ich Maler wäre und dieses Lichterstrahlen nur festhalten könnte. O, jetzt wird das Licht immer stärker. Der Hauptstrahl wendet sich Jakobus zu, nein, aus Jakobus kommt das Strahlen und geht hin zum Herrn. Diese Strahlen dringen aber nicht, wie bei den anderen, in das Innere, sondern ballen sich in seiner Hand zu einem Kelch. Der Kelch wird voll des kristallenen Wassers, ein Lichtwesen verneigt sich hier weilenden Wesen.

Wieder erlebe ich ein neues Wunder. Die Lichtvollen erstrahlen noch heller und die weniger Strahlenden verändern sich auch zu ihrem Vorteil. Jetzt reicht ein strahlender Engel der bei dir Weilenden den Kelch. Sie trinkt nicht, sondern reicht denselben dem männlichen Wesen. Dieses trinkt und viel heller strahlend seine Augen, ja sogar das Gewand nimmt eine hellere Farbe an. Nun trinkt auch die strahlende Gestalt, gibt den Kelch zurück und der Mann reicht der hellen Frau die Hand und diese zieht ihn von hier fort; aber zuvor legt sie dir, hoher Herr, die Hand auf deinen Kopf, während der Mann dich nur ansah.

Sie sind verschwunden, aber um so mehr der lieblichsten Wesen drängen sich hin zu den Geretteten. Von denen geht auch ein herrliches Strahlen aus und der Herr segnet ihre Liebe, die sie denen erwiesen. Dich, Pistorius, lässt Der Herr besonders bestrahlen und gern würde die herrlichen Wesen uns auch aus diesem Kelch trinken lassen, aber wir sind eben noch im Fleischleibe! Meine Innere sagt: Es ist genug und so, hoher Herr, werde ich nun wieder schweigen!“

Sardellus spricht: „Aus allem kann ich mir nicht viel nehmen, aber sage mir, Jakobus, ist das alles wahr? Kann nicht die Fantasie dem Schimba einen Streich spielen? Es klingt mir alles so märchenhaft. Wer ist die Lichtgestalt und wer der Mann. Kannst du mir da rechte Auskunft geben?“

Jakobus: „Gewiß, Sardellus, diese Lichtgestalt ist deine in ihrer frühesten Jugend verstorbene Schwester und der Mann dein Vater. Deine Schwester hat den Herrn in aller Fülle erkannt und ihr Wesen ist Liebe und nur Liebe, während dein Vater immer noch zu sehr mit dem ihm anhängenden Göttern ringt. Heute nun ist es der Liebe deiner Schwester gelungen, ihn von der Liebe und Erbarmung des Herrn zu überzeugen und zwar durch dein Suchen nach der Wahrheit des wahren Gottes.“

Sardellus: „Wieso ich, was weiß ich von meiner Schwester, die seit 20 Jahren längst vergessen ist und was wird sie von mir wissen? Überhaupt sage mir, kann denn ein Verstorbener nach solch langer Zeit sich noch an uns erinnern. Du gibst wahrlich Rätsel auf – und mein Vater, war er nicht ein rechtlicher Mann?“

Jakobus: „Sardellus, du wirst doch nicht zweifeln an der Wahrheit, die dich der Herr erleben läßt, denn gerade um deinetwillen hat der Herr alles so geführt und das größte Wunder wirst du heute noch erleben, denn deine noch lebende Schwester befindet sich dort im Zelt. Aus Scham vor den Vielen, die gekommen sind, ist sie mit noch einer anderen nicht aus dem Zelt getreten.“ Sardellus: „Was sagst du – meine Schwester?“

Jakobus: „Ja, dein Schwester Danila, die um ihres Glaubens willen sich von euch trennte.“ Sardellus packte Jakobus an den Armen und sagte ganz aufgeregt: „Jakobus, es ist ja ganz unmöglich. Danila, die ich seit 10 Jahren nicht mehr sah, ist hier? Komm führe mich zu ihr!“

Da ging Jakobus mit Sardellus an das Zelt und sagte: „Danila, komm heraus und erlebe die Wunder des Heilandes Jesu, die dich jetzt für alles Leid belohnen.“

 

 

Sardellus findet seine Schwester Danila wieder

Da tritt Danila an das geöffnete Zelt und sieht ihren Bruder. Dieser aber ergreift Danila und spricht: „Danila, bist du es wirklich!“ Ich bin es, Sardellus. Denke aber nicht, dass ich den Glauben an Jesu dem Heiland aufgebe.“

Sardellus: „Das sollst du auch nicht, aber weißt du, dass nun gerade du es bist, dir mir endlich das gibt, nach dem ich so sehr suche. Hier ist unser Hausgötze, sieh her, mit Füßen trete ich auf ihn. Ich kann mich endlich ganz frei machen für deinen und hoffentlich auch meinen Heiland.“

Danila umarmt ihren Bruder und spricht unter Weinen: „Sardellus, nun sind alle Leiden bezahlt, mag kommen was will, der Heiland ist nun felsenfest in mir verankert, nun weiß ich auch, dass du volle Erlösung findest.“

Sardellus: „Danila, dort, dieser ganz einfache Bruder, schaute vorhin den Vater und die Monika. Laß dir von ihm erzählen, mir kommen doch nicht die rechten Worte.“ Danila: „Sardellus, der Bruder geht noch nicht fort, da bleibt mir immer noch Zeit, sag mir aber, wie kommst du hierher, bist du an unserer Rettung beteiligt? Ich war recht krank und fürchtete, von hier gehen zu müssen ohne mit euch ausgesöhnt zu sein. Wo und wann ist Vater gestorben? Siehe, ich konnte nicht mehr von der Liebe zum Herrn lassen und in der Liebe zum Herrn spürte ich nichts von der Trennung von euch.“

Sardellus: “Danila, nun ist alles gut, komme mit in das Haus des Nikolaus und wenn du willst, schlafe in meiner Kammer, nur um das eine bitte ich dich, führe du mich ein in das Wesen des Heilandes Jesu!“ Danila: „Ganz recht, Sardellus. Vorerst aber wollen wir die anderen nicht vergessen, denn in der Liebe zu den anderen wird das Wesen des Herrn offenbar. Und du bist der Jünger, der immer bei dem Herrn war. Dich erkenne ich noch ganz genau, denn du bist der einzige von deinen Brüdern, der dem Herrn zuliebe die Heimat verließ und mit dem Herrn zog.“

Jakobus: „Danila du hast recht. Die anderen aber taten auch, wozu ihr Herz sie drängte. Du wirst rechte Freude noch erleben und nun mache das Maß der Liebe voll und gehe mit Sardellus.“ Die anderen waren erschüttert, dass gerade Sardellus seine Schwester finden mußte.

Da sagte Danila: „Gerade hier sehe ich die Liebe des Heilandes, dass Er nur mit Seinen Getreuen das höchste Ziel erreichen will, während die anderen sich erst durchringen müssen. Nicht, dass sich Sardellus durchringen soll, o nein, denn Sardellus ist ja voll des größten Verlangens nach der Liebe des Herrn, um meinetwillen mußte dieses alles geschehen, denn wir sind wahrlich schwach geworden in der Stunde der Prüfung. Keinen Tag länger hätten wir durchhalten können, da wir durch die Leiden und Qualen völlig entkräftet waren. Nun aber steht die Liebe des Herrn und die ganze Herrlichkeit Seiner Führungen in einem ganz anderen Licht vor uns. Diese erlebte Liebe sollen wir zu unserer Liebe machen.“

Sardellus: „Fühlst du dich noch krank“, fragte Sardellus besorgt. „Der Wirt Nikolaus wird alles tun was ich wünsche.“ Danila: „Sardellus, sorge dich ja um alles nicht mehr, denn hier ist keine Sorge mehr am Platze. Lasse ganz den Herrn in dir walten, wie der Wirt den Herrn walten läßt und du wirst neue Wunder der Liebe erleben. Wir sind geborgen in Ihm und sollen uns nur von einer Sorge leiten lassen, dass wir das Heiligtum Seiner Liebe in uns bergen, aller Feinde zum Trotz.“

In der großen Stube ging es sehr eng zu. Die Tische waren alle voll besetzt. In der Küche fehlten vor allem die Hände die das Mahl fertigmachen sollten. Da war es Danila, die zu den anderen Frauen, die nicht so gelitten hatten sagte: „Wollen wir nicht in der Küche der Wirtin zu Hand gehen, ich habe das Gefühl, dass es an Hilfe fehlt, die Zeit ist vorüber wo Engel uns Menschen halfen. Jetzt müssen wir die Engel ersetzen.“ Da wollten alle mithelfen und wie rasch ging mit einmal alles. Die Wirtin brauchte nur anzuweisen und in kurzer Zeit konnte die Hälfte der Anwesenden essen und die andere Hälfte half denen, die das Essen in die Zelte trugen.

Nikolaus sagte zu Jakobus: „Bruder, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Das Essen in den Kesseln müßte längst alle sein, doch was erlebt mein Weib, der Kessel wird nicht leer!“ Jakobus: „Nikolaus, mache nicht viel Aufhebens, dass du, dein Weib und deine Kinder das Wunder erleben zu eurer Festigung. Für die anderen mag es ruhig die Folge eures Fleißes sein. Der Herr kann doch mit Wundern aus Seiner Allmacht nicht mehr unser Helfer sein, sondern mit der Liebe die wir als Seine Getreuen Ihm zurückgeben.

Du wirst die größte Freude an Sardellus und seiner Schwester noch erleben. Nur um eines bitte ich dich, lasse auch den Gefangenen ihre Speise zukommen und bitte Pistorius, dass er dafür sorgt, dass ihnen nichts vorenthalten wird.“ Nikolaus: „An die dachte ich allerdings nicht mehr, es ist gut, dass du mich daran erinnerst.“

In zwei Stunden waren alle gesättigt. Die Anstrengungen des Tages erforderten Ruhe, darum sagte Jakobus: „Schwestern und Brüder, es ist spät geworden. Der Tag hat soviel Kräfte gefordert, dass es an der Zeit ist, die Ruhe aufzusuchen. Jeder von uns mag in seiner eigenen inneren Welt alles ordnen, dass morgen die Liebe und Gnade Des Herrn immer heller und leuchtender offenbar wird. Ihr habt heute mehr denn als nur Offenbarungen erlebt, sondern den Herrn Selbst und so macht euch würdig dieser herrlichen Gnade. Möge Sein Geist in euch alles beleuchten und auch in die rechte Klarheit führen, denn ihr müßt euch auch klar werden, was mit euch werden soll. Würde ich euch beeinflussen, dieses oder jenes tu tun, wäre es gefehlt. Ganz freiwillig müssen eure Entscheidungen sein und dass wir alle an euer Glück denken, soll heute wie immer, eure Freude sein. Seid in Seiner Liebe gesegnet und von dem Geiste gestärkt, der euer alle Heil will, dann werdet ihr auch dem Leibe nach gestärkt sein. Ruhet in dem Bewusstsein: Der Herr ist unsere Burg und Sein Friede wir euer Friede sein! Amen.“

Schon zeitig in der Frühe wurde es lebendig in der Herberge, in den Zelten war noch Ruhe. Die Treiber versorgten ihre Tiere und je mehr es Tag wurde um so mehr traten aber auch Anforderungen an Nikolaus heran. Da kam nun Jakobus und sagte: „Bruder, lasse dein Weib sorgen, dass Frühmal ist ja fertig und Der Herr kann sich nur da überherrlich beweisen, wo Ihm das Vertrauen entgegengebracht wird. Dein Weib hat in Sardellus Schwester eine herrliche Hilfe, ihr gelingt es mehr denn uns, Hilfe zu bringen, denn auf sie hören alle.“

Nikolaus drückte Jakobus die Hand und sagte: „Bruder, wie kommt es, dass ich gerade jetzt, wo der Herr so ersichtlich mit Seiner Gnade unter uns ist, versage? Ich schäme mich vor mir selbst!“ Jakobus: „Das alles musst du selbst in dir finden. In Dingen, die nur dich und den Herrn angehen, kann auch der Rat eines Bruders falsch sein. Anders wäre es, du wärst in einer seelischen Not, da brauchst du Hilfe. so aber lebst du unter den Wundern herrlicher Liebe und verpaßt das Beste.“ Nikolaus: „Bruder, Bruder, das war die beste Antwort. Ich danke dir!“

Sardellus, der sich mit seiner Schwester die ganze Nacht unterhalten hatte, ruhte nun noch, aber Danila war wie neu geboren. Mit einer Frische begrüßte sie alle und dann ging sie in die Küche und fragte, ob und wieviel nötig sein werde.

Sardellus: „Ach Schwester, noch nie hatten wir so viele Gäste. alles ist mir so unbegreiflich. Mir geht es fast nicht in den Sinn, dass in der Liebe so vieles möglich ist. Wenn du es vermagst, so hilf mir nach eurer Liebe, denn ihr sei ja unsere Gäste.“

Danila: „So nicht, das ist gefehlt. Wir sind keine Gäste und können ja nicht den geringsten Stater bezahlen. Wir sind Kinder eines Vaters im Himmel und es ist die Sorge unseres Vaters, dass alle satt werden. Nicht nur einmal erlebten wir beim Herrn, dass alle satt wurden, ohne je das Geringste dazu beigetragen zu haben. Also lasse mich machen und es wird schon alles richtig werden. Den Männern wollen wir nichts merken lassen von unserer geringen Mühe, die haben heute auch ihren Tribut an die Welt zu bringen.“ Welch eine Freude entwickelte sich nun unter uns allen, wo sie wussten, dass sie gerettet waren, sah ja für alle alles rosig aus und es löste sich darum keine Enttäuschung aus, als Pistorius durch einen Mann alle versammeln ließ.

Sardellus, Nikolaus und Pistorius begrüßten nun die Versammelten und Sardellus sagte: „Meine Freunde, es ist für euch eine Aufgabe, auch allen gerechte zu werden. Ich kam hierher, um die Wahrheit über den wahren Gott zu finden und da ich Gott gefunden habe, stellt Er mich mitten unter euch, die ihr um eures Glaubens willen viel Ungemach erleiden musstet. An euch ergeht nun die Frage: Was hat mit euch zu geschehen? Wer auch euch hat eine Heimat und wer aus euch braucht eine neue Heimat? Es ist gewiss, wenn der eine oder andere wieder in seine Heimalt zurückkommt, fällt der Tempelhass aufs Stärkste wieder auf euch zurück, denn dass wir den Priestern ihre Versprechen ungestraft lassen, geht doch auf keinen Fall.

Um die Arbeit zu erleichtern, bitte ich um eure Mitarbeit, und wer keine Heimat braucht trete aus dieser Mitte heraus, wir schaffen euch dort hin, wo ihr zu hause seid. Für alle, die keine Heimat haben, ist Nikolaus bereit, mit eurer Hilfe euch eine neue Heimat zu bieten. Hier vor uns ist fruchtbares Land, es bedarf nur der Arbeit, um es nutzbringend zu machen. Für Wohnungen würde ich, Kraft der Vollmachten und Befugnisse in Kürze sorgen, ich weiß, der Stadthalter würde alles gutheißen, was ich unternehmen würde. Ihr Männer, wendet euch an Nikolaus und ihr Frauen und Mädchen an Danila. Die Gnade Gottes so wunderbar ersichtlich ist, so bitte ich euch, dass auch euer Beginnen in diesem Geist vor sich gehen soll. Ich habe nun mit den Templern meine Arbeit und wer da noch Klagen vorzubringen hat, mag sich an euren Befreier, Pistorius wenden.

Jakobus aber besuchte die Kranken mit Schimba. Gegen Mittag waren alle gesund und konnten sich auch auf den Besprechungen der anderen beteiligen. Sardellus ließ die gefangenen Templer vorführen und erlebte in diesen Menschen derart verstockte und bestialische Wesen, dass er zu Pistorius sagte: „Was ist da zu tun mit Menschen von derartigen Wesen mag ich nicht verhandeln. Mir ekelt vor dem Schmutz, der sich mir auftut. Danila hat ohne große Umschweife mir alles geschildert. Oder willst du an meiner Statt die Verhandlungen führen? Sie gehören ans Kreuz.“

Nikolaus sagte: „Sardellus, ich habe einige bekehrte Priester hier, ich werde sie rufen. Wir wollen sehen, was sich tun lässt.“ Nikolaus holte Simon und Elias. Als diese die fünf Priester sahen, erschraken sie. Sardellus, der auf alles achtete, sagte: „Warum erschrecket ihr? Ihr seid doch keine Angeklagten?“

Simon: „Nein, Herr, aber unsere Freunde sind es, die nach Anweisungen des hohen Priesters handelten.“ Sardellus: „Hier kommen nicht die Anweisungen des Tempels in Frage, sondern die Verbrechen, die sie an den Gefangenen begangen haben. Oder sind das auch erlaubte Dinge, wenn man nackte Frauen, die sich auf das Entschiedenste weigern, mit ihren Peinigern der Wolllust zu frönen, ihre Rücken blutig schlägt oder sie an Händen und Füßen fesselt und sie dann ganz der Willkür der Knechte überlässt?“

Simon: „Herr, lasse mich mit ihnen reden, aber allein. Vielleicht gelingt es mir, ihnen ihren harten Sinn zu brechen und aus ihnen wieder brauchbare Menschen zu machen.“ Sardellus gab Nikolaus und Pistorius einen Wink und sie verliessen das Zimmer. Da es ebenerdig lag, gingen sie hinaus und so konnten sie hören was gesprochen wurde. Simon wurde mit Schande überhäuft, weil er an der Sache des Tempels verräterisch gehandelt habe und sie riefen ihm zu: `Ihr habt wohl ganz vergessen, dass immer noch der Tempel und die Römer nicht die Macht haben.`

Als der erste Sturm vorüber war, sagte Simon: „Ihr verkennt die Lage in der ihr stehet, Römer hin oder her, wir sind alle Menschen. Unser Recht sollte sein das Recht und die Freiheit, die die Menschen dem Tempel einräumten, nicht zu missbrauchen. Auch ich habe Nazarener gesucht und zu Gefangenen gemacht. Ich habe sie aber immer noch als Menschen behandelt – ihr aber nicht. Wie wilde Tiere und Bestien habt ihr mit ihnen gehandelt. Eure eingeräumte Macht habt ihr missbraucht und gehandelt wie Teufel. Mein Rat geht an euch: Betreuet eure Untaten, die Römer sind feinfühlige Menschen und vor allem Christen, die nicht euren Untergang, sondern eure Rettung vor Augen haben.“

Ein Priester: „Da bist du wohl auch solch ein verruchter Nazarener geworden! Weißt du, was du in meinen Augen bist? Der größte Verräter, der größte Lump, den ich mir denken kann, geh aus meinen Augen. Schade, dass mir die Hände gebunden sind, mit meinen Händen würde ich dich erwürgen, du wärst nicht der erste.“

Simon: „Soweit hast du dich schon verstiegen! Du dauerst mich. Deine Sache steht schlimm, denn nun wird dich nicht nur das Gesetz, sondern auch Gott strafen. Einem Priester steht nicht das Recht zu, zu richten, darum richte ich dich auch nicht. Aber ihr anderen, lasset euch nicht von eurem Bruder blenden, es geht um euer zeitliches und ewiges Sein.“

Priester: „Halte dein Maul, du Verräter, kein Wort mehr oder ich vergesse mich.“ Simon: „Lasset ihn brüllen, er hat sich schon zu weit vergessen, aber um eurer Rettung willen seid offen und frei.“

 

Züchtigung des Priesters Ramon

Noch mehr brüllte dieser Priester. Da kommt Sardellus mit den anderen und gebietet zu schweigen, da er jetzt vor der Gerichtsstelle stehe. Voller Wut und Haß schreit dieser: „Nie und nimmer! Wir erkennen euch als Gericht nicht an – wir sind die Herren!“

Pistorius ruft zwei Soldaten und spricht: „Schaffet diesen da hinaus und 25 Hiebe auf den Rücken, aber nicht vor den Augen der anderen, weil er uns als Gerichtspersonen beleidigt. Keine Schonung – hört ihr!“

In einigen Minuten war Ruhe, dann sagte Sardellus: „Höret, ihr Verblendeten, wir wollen doch nicht euren Untergang. Liebt ihr das Leben so wenig, dass ihr euch von uns nicht überzeugen lasst. Wir wollen euch doch Helfer, aber nicht Rächer sein!“

Ein Priester: „Herr, am Leben liegt uns nichts mehr, wir sind in das Leben hineingezerrt worden. Für uns gibt es keine Rettung – nur den Tod. Lasset ihr uns am Leben, nimmt es uns der Tempel. Es ist wahr, wir haben nicht wie Menschen sondern wir Tiere gehandelt. Wir sind Opfer der Verhältnisse, die uns nicht mehr loslassen.“

Sardellus: „Mann, rede nicht solchen Unsinn! Wer eine Untat getan hat muss damit rechnen, dass früher oder später die Sühne kommt. Ich kenne auch Moses und die Propheten und die Priester und die Psalter eures Königs David. Mit keinem Buchstaben wird bestätigt, dass ihr wie Verbrecher handeln könnt, nur weil ihr Gesalbte Gottes seid. Aber meine Schwester Danila habt ihr blutig geschlagen, sie geschändet und ihren Körper krank gemacht. Dass euch kein Gott diese Untaten verzeihen kann. Die Umfrage bei den anderen wird noch manches hervorbringen, sodass euch die Strafe kaum erlassen werden kann.“ Ein Priester: „Herr, geschehen ist geschehen. Ich unterordne mich deiner Gewalt und bitte um ein mildes Urteil.“ Auch die anderen sagten ähnliches.

Da sagte Nikolaus: „Wir wollen heute nichts mehr unternehmen, wir wollen die vier allein lassen und den Anführer trennen von den anderen.“ Sardellus: „Mir kann es recht sein, aber nun möchten einmal die gefangenen Knechte zu Wort kommen. Wir werden zu ihnen gehen.“ Bei denen angekommen sagte Sardellus: „Pistorius, lasse die Fesseln lösen. Diese sind ungefährlich und nur Opfer.“

Als die Bande gelöste waren, spricht einer: „Herr, wer du auch seiest, gehe mit uns nicht so schwer ins Gericht. Zu diesem Dienst sind wir gepresst worden und nicht nur einmal haben wir die Peitsche bekommen, weil wir mit der Anführung zögerten, die unsere Herren von uns forderten.“

Sardellus: „Eure Aussagen müssen nachgeprüft werden. Wenn es sich so verhält wie du eben sagst, dann seid ihr frei. Ihr müsst uns aber jederzeit zur Verfügung stehen.“ Ein Knecht: „Herr, löse uns vom Tempel, mache uns zu Soldaten, so es angeht. Unter Teufeln kann es auch nicht schrecklicher sein.“

Sardellus: „Nun, zu Soldaten kann ich euch ohne weiteres nicht machen; aber in den Dienst dieses Vorstehers könnt ihr treten und dann werdet römische Untertanen. Wem gehört eigentlich die Karawane?“ Da schweigen sie alle, aber Sardellus sagt: „Warum schweiget ihr?“

Ein Knecht: „Herr, wir haben geschworen zu schweigen, der Schwur bindet uns.“ Sardellus: „Kein Schwur hat mehr Gültigkeit, da ihr jetzt Römer seid. Ihr habt nun die Interessen eures Herrn zu vertreten und euer Herr vertritt euch – und so will ich nicht mehr fragen. Nikolaus, frage du!“

Nikolaus: „Ich bin Nikolaus, der Besitzer dieses großen Grundes und dieser Herberge – von dieser Stunde an eurer Brotherr! Nie werdet ihr es bereuen, dass ihr in meine Dienste getreten seid. Ich bin aber auch ein Christ und hoffe, dass auch ihr nicht gegen das Christentum handeln werdet, sondern euch von selbst zu Christus bekennt, aber noch sind Fragen zu erörtern und dazu brauche ich euch. So frage ich: Wer ist der Besitzer dieser Karawane? Es geht doch nicht an, dass wir die Karawane für uns behalten wollen. Sie muss ja dem Besitzer wieder zugestellt werden.“ Da spricht einer: „ Die Karawane hat keinen Besitzer, denn der Besitzer, ein persischer Händler, wurde von uns erschlagen auf Befehl des Priesters Ramon, weil der Perser die Schweinereien nicht dulden wollte. Es kam zu mehrfachem Streit zwischen Ramon und ihm und in einem solchen Streit wurden wir gezwungen, das gemeinste zu tun, was je von uns verlangt wurde.“

Sardellus: „Hat der Getötete Weib und Kinder oder Verwandte? Was ist euch darüber bekannt?“

 

Bericht eines Knechtes der Tempeldiener

Ein Knecht: „Nach verschiedenen Aussagen muss der Händler alleine stehen, denn nie sprach er von einem Zuhause oder von Weib und Kind. Er habe die Wagen und die Tiere von seinem Vater übernommen, der verstorben sei. Er hatte ja auch keine Treiber. Wir mussten Treiber- und Knechtsdienste tun. Darum hatte ja auch der Perser gar keine Hilfe und war dem Tempel direkt ausgeliefert.“

Sardellus: „Wer ist Ramon?“ Ein Knecht: „Ramon ist der Führer der Tempelpriester und ein Teufel aller Teufel.“ Sardellus: „Es ist gut. Da ich nun länger als vorgesehen hierbleiben muss, werden wir uns noch öfter unterhalten. Um eines bitte ich euch. Vergesset nicht, dass ihr jetzt Römer seid. Du Nikolaus, wir beenden unsere Verhandlungen. Wir sehen jetzt klar und so führe deine Leute in dein Haus ein. Die Karawane bleibt vorläufig dein Eigentum, da du die Kosten der Ansiedler am meisten tragen musst. Diesen Ramon aber halte mit dem Essen kurz. Mit diesem Mörder werden wir nicht mehr viel zu verhandeln haben. Bis die Kommission kommt, wird schon viel segensreiche Arbeit geleistet sein.“

Mit den Tempelknechten hat Nikolaus einen guten Griff getan. Sie waren willig und in manchen Dingen sehr klug, vor allem waren sie glücklich, einen guten Herrn gefunden zu haben. Von all dem Ärger mit den Templern erfuhren die anderen so gut wie nichts, denn am anderen Tag wurde Holz aus dem nahen Wald geholt, welches gefällt worden war. Jakobus arbeitete mit den anderen. In der Küche wurde für das leibliche Wohl gesorgt und am Sabbat geruht.

Jakobus und Simon hielten die Andachten, nichts störte die Harmonie und Sardellus, Pistorius und Nikolaus schwiegen von den Verhandlungen.

Das Leben ging seinen gewohnten Gang, Karawanen gingen und kamen und die Siedlung wuchs rasch als Bauleute und Arbeiter durch die Hilfe des Sardellus eintrafen.

Jakobus aber blieb immer noch da. Am Tage galt es tüchtig zu schaffen und des Abends waren immer welche da, die das rechte Verlangen nach der Liebe Jesu hatten.

Da alle von der Karawane des Ramon dageblieben waren und Schimba sich in allem als der rechte Helfer und Heiler erwiesen hatte, konnte dennoch an dem Gerechtigkeitsgefühl des Sardellus nicht das Geringste geändert werden.

Nun war es soweit. Die Kommission war eingetroffen und die fünf Priester standen vor einem ordentlichen Gericht, denn Sardellus hatten sie nicht anerkannt. Die Art des Richters war ein aus der Ordnung und Gerechtigkeit. Alle Misshandelten wurden gehört. Nur Danila verweigerte die Aussage. Ich bin Christin, kein Gesetz war imstande, mich von dem betroffenen Leid zu befreien. Nur die Liebe und die Gnadenführung des Heilandes und Meisters Jesu retteten mich und häufte Liebe über Liebe auf meine wunderbar geheilte Seele. Mein Glück ist so groß, dass ich auch hier bleiben will unter denen, die im blinden Wahn uns Übles taten.“ Sardellus wollte es nicht gelten lassen, aber Danila blieb fest und der Richter hatte eine hohe Meinung von dieser Seelengröße.

Ramon blieb verstockt und bösartig, er konnte nicht vergessen, dass er als Gesalbter auf den nackten Rücken Schläge bekam. Für ihn waren die Christen keine Menschen, nur Hunde, die man beliebig schlagen konnte. Ein römisches Gesetz gab es für ihn nicht. Der Tempel und sein Hohepriester waren ihm alles. Die anderen vier standen unter Zwang und die Freizügigkeit ihres Handelns wurde von Ramon gefördert. Es stand schlimm um Ramon.

Pistorius wurde entlassen und wieder ist es Jakobus, der zu ihm kommt und spricht: „Bruder, willst du dem Herrn willig sein? Eine Karawane ist auf dem Weg nach der Küste. Mit einigen deiner Leute kannst du vielen befreiten und dir die größte Freude machen.“ Pistorius: „Jakobus, wie kannst du nur fragen, weißt du doch, dass in mir nur ein Drang lebt, Dem zu dienen, Der meinem Leben erst den rechten Inhalt gab! Also wann und wo kann ich den Herrn vom Tempel einen Strich durch die Rechnung machen?“

Jakobus: „Morgen früh, mein Bruder. Du musst sie aber bei Sonnenaufgang überraschen, denn sie sind nur zwei Wegstunden von hier entfernt und ohne Arg.“ Pistorius: „Jakobus, sage mir nur das eine, wie erhältst du eigentlich die Kunde? Warum offenbart nicht immer der Herr die Grausamkeiten?“

Jakobus: „Weißt du, Bruder, das lässt sich nicht einfach erzählen. Es gehört eine lange Schule dazu, um den Herrn und Meister oder einen Seiner Diener innerlich zu vernehmen. Mir wurde die seltene Gabe zum Geschenk, weil ich den Herrn schon als Kind in der Entwicklung eingeschlossen hatte. Auch die Zeit, wo Jesus in der Entwicklung stand und nach außen nicht das Geringste verriet was in Ihm vorging, wurde ich schon innerlich geistig geführt. Nur habe ich nicht immer so recht acht gegeben und darum wenig gewonnen. Für das innere Empfangene stehe ich ein. Nicht ein einziges Mal wurde ich enttäuscht und ich stelle mein ganzes Handeln eben auf das Innere ein, aber ebenso kann ich auch nicht sagen, was sich abwickeln wird, so ich nichts empfange.“ „Du Jakobus, mit dir möchte ich ganz eins werden, es muss herrlich sein, so geführt zu werden!“

Pistorius weihte seine Leute ein. Niemand erfuhr von der Aufgabe, die Pistorius lösen wollte.

Weiter ging die Arbeit an dem Siedlungswerke. Niemand vermisste den Pistorius mit seinen Leuten. Der Richter hatte seine Sache mit Ramon noch nicht abgeschlossen. Der Richter verstand Jakobus gut und hielt sich zurück. Er wollte in den Prozess nicht einwirken und enthielt sich auch den anderen gegenüber von jedem Urteil.

So wird Mittag und alle sind beim Essen. Da kommt Pistorius mit seiner Karawane und hat 30 junge Männer aus den Händen der Priester befreit. Zwei Priester sind an die Pferde gebunden, sie müssen laufen, wenn sie nicht geschleift werden wollen und Pistorius führt sie dem Richter und Sardellus vor. Dieser aber ließ sie in das Gewahrsam bringen, wo ihnen wenig Wasser und Brot gereicht wurde.

Als die jungen Männer gesättigt und sich gereinigt hatten, wurden sie vernommen von den beiden Römern und wieder erlebte der Richter, wie gemein und verbrecherisch der Tempel mit Nazarenern umging.

Dann wurde der Karawanenführer vernommen, der gegen Sold im Dienste des Tempels stand. Da derselbe von den Geretteten nicht belastet wurde, wurde er zu keiner Strafe verurteilt, aber er sollte die Herberge nicht verlassen. Der Karawanenführer war ein Grieche. Klug, aber geizig. Er konnte nichts verlieren, nur gewinnen. Sein Brotherr war bisher immer mit ihm zufrieden.

 

Verurteilung des Priesters Ramon

Am Nachmittag sollte die Verhandlung mit Ramon fortgesetzt werden. Von zwei Soldaten begleitet wurde er vorgeführt und bei dieser Gelegenheit sieht ihn der Grieche. Er folgte dem Gefangenen und steht auf einmal auch vor dem Richter und Sardellus, die erstaunt aufschauen. Der Richter fraget den Griechen nach seinen Wünschen und da spricht er: „Herr, gegen diesen Priester habe ich auch Klage zu führen. Mich und meinen Herrn betrog er nicht, aber Hunderten ließ er die ganze Habe wegnehmen. Seine Gewalt ging soweit, dass, wenn er ein junges Menschenkind sah, stempelte er es zum Christen, um einen Grund zu haben, es fortzuschaffen. Dieser hat einen Handel mit Menschen getrieben.“

Der Richter fragte: „Kannst du das beweisen?“ Der Grieche sagte: „Sofort, denn unter meinen Treibern ist einer, den mein Brotherr gekauft hat. Dieser tut Treiberdienste und kann sofort meine Aussage bestätigen. Darf ich ihn holen?“ Der Richter: „Hole ihn, aber spreche nicht mit ihm, ein Soldat mag mitkommen.“

Der Grieche ging mit dem Soldaten, da sagte der Richter: „Ramon, deine Sachen stehen schlecht, wenn sich alles bestätigt, ist das Kreuz dir sicher. Warum willst du kein Geständnis machen?“ Ramon: „Wie werde ich etwas gestehen, einem Römer gegenüber erst recht nicht, ich habe ein Recht so zu handeln!“ Der Richter: „Ramon, du bist der erste nicht, der dieser Trugidee zum Opfer fällt. Siehe, dein Gott konnte wohl die retten, die du gefangen nahmst, aber dich läßt Er fallen, weil Er mit Menschen wie du Seine Liebe nicht besudeln lässt. In diesen Tagen habe ich genug gesehen und der Jünger Jakobus hat mir deinen Gott Jehova in einem anderen Licht gezeigt.“

Der Grieche kommt mit seinem Treiber und spricht: „Herr, kein Wort sage ich zu meinem Treiber. Der Soldat kann es bezeugen. Frage du ihn selbst über das, was du wissen begehrst.“ Der Treiber stand ruhig vor den Römern und sah Ramon ganz fest an.

Da fragte der Richter den Treiber: „Kennst du diesen Menschen, sprich die Wahrheit, du stehst vor einem römischen Gericht.“ Der Treiber: „Herr, was soll ich sagen. Ich kenne den Menschen nicht, aber er ist es, der mich und noch einen anderen Bruder vor mir, sowie auch viele andere aus unserem Ort gefangen nahm, unter Prügeln und Hunger auf Wagen lud, wo wir tagelang gebunden lagen und uns nicht rühren konnten. In Sidon wurde ich von einem Kaufherrn gekauft und musste dort als Leibeigener alles tun, was befohlen wurde.“

Der Richter: „Bist du Christ?“ Der Treiber: „Noch nicht, weil ich keine eigene Willensmeinung haben darf, aber gern möchte ich einer sein!“ Der Richter: „Für deine Freiwerdung werde ich mich einsetzen, würdest du aber diesem da, der dir und den anderen solch unsagbares Leid zufügte, auch vergeben können?“ Der Treiber: „Herr vergeben, das wird schwer sein, denn was er mir zufügte, das könnte ich ihm vergeben, dass er aber meine Mutter fast zu Tode prügelte, weil sie uns nicht hergeben wollte, kann ich ihm nicht verzeihen, denn meine Mutter war mir alles!“ Der Richter: „Es ist gut mein Sohn, gehe wieder an deine Arbeit, ich werde gutzumachen versuchen, was verbrochen wurde.“

Die 30 Geretteten wollten auch bei Nikolaus bleiben und gingen sofort an die Arbeit. Samino holte mit seiner Karawane Lebensmittel. Alles war zugeschnitten, um das Werk recht bald zu beenden.

Jakobus sagte zu Nikolaus: „Bruder, ich bekomme den Ruf weiterzuziehen. Dein Lebenswerk geht dem Gelingen entgegen. Was du hier tust, ist ja nicht aus dir, sondern aus dem Herrn. Bleibe in dem Geiste und du wirst immer mehr und mehr innewerden, wie dich der Herr beleben wird! Alles, was wir noch zu besprechen hätten, gibt dir der Geist ein und die Liebe deiner Brüder. In all den Angelegenheiten als Vorsteher deiner Gemeinde lasse den Geist walten, der Liebe, Weisheit und Ordnung ist.“

Nikolaus: „Jakobus, du wirst uns fehlen. Siehe, mit dir ist Arbeit, Segen und vor allem die Wahrheit zu uns gekommen. Simon hat ja den Willen, aber es wird doch noch an Manchem fehlen.“

Jakobus: „Nein, Nikolaus, trage du ihn im Glauben und durch die Macht der Liebe und sei du dir bewusst, der Herr gibt allen das ihnen Nötige. Siehe, deine Liebe zeitigt Früchte. Das Werk wird bestehen, solange du mit Dem verbunden bist, Der das A und das O ist! Darum bleibe in diesem Geiste und sei dir bewusst, dass nur Jesus und wieder Jesus über dieses alles Seine Hände hält, denn Er, der Meister der Liebe, gab ja dir nur den Geist, du aber gibst ihm die Frucht des Geistes, nach der Er Verlangen hat, und wahrlich, Er ist reich beglückt über deine Liebe. Wenn in deinem Herzen das Bestreben immer lebendiger wird, dann sei versichert, es ist des Herrn Geist. Wird aber in dir die Freude größer, dann sei bewusst, es ist des Herrn Freude, der, in dir Wohnung genommen hat. So richte dich nun damit ein, alles soweit in Ordnung zu bringen, dass in dir keine neue Fragen kommen, denn die auf und in den Wegen des Herrn wandeln, müssen bewusst Menschen sein.“

Der Richter hatte alles Trübe und Traurige hinter sich. Der Priester, der so unmenschlich und teuflisch handelte, wurde zu 15 Jahren schweren Galeeren verurteilt, die anderen zu Zwangsarbeit bei Nikolaus, bis die letzte Ernte unter Dach und Fach ist. Der Verurteilte wurde unter Bewachung abtransportiert und nach diesem traurigen Geschäft sagte der Richter zu Jakobus: „Jetzt endlich bin ich soweit, um mit dir über den Gekreuzigten zu sprechen. Ich habe es bisher vermieden, um nicht Stimmungen walten zu lassen, die schließlich aufgestiegen wären.“

Jakobus: „Ich wusste es, auch ich hielt mich in einer gewissen Ferne, um dich nicht im Geringsten zu beeinflussen.“ Der Richter gab Jakobus die Hand und sagte: „Für dieses danke ich dir besonders. Ich weiß, dass in dir der Geist des Auferstandenen lebt. Ich erlebe die Wahrheit und das Leben des Erstandenen ja an den Geretteten. Aber ich kann immer noch nicht mit euch gehen. Wie kommt es, dass du dem Pistorius die Bitte des Erstandenen unterbreitetest, beide Karawanen zu befreien? Wie kommt es, dass du den Auftrag und keiner von den anderen denselben erhielt? Mir kommt dieses merkwürdig vor!“

Jakobus sieht lange den Richter an und spricht: „Alles was von dem Herrn in einem Menschen als Offenbarung angenommen wird, richtet sich nach dem Zustand und nach dem Verhältnis, wie der Mensch zu Gott steht. Du kennst Moses und die Propheten, du kennst aber auch David und Salomo und du bist immer unbefriedigt bis zur Stunde gewesen. Wie kommt es, dass dir die Offenbarungen an die Gottesmänner das nicht geben konnten, was es den Gottesmännern war? Siehe, es lag daran, weil sie zu dem Herrn in einem anderen Verhältnis standen. Du weißt, auch, dass gerade der Stadthalter die Lehre des Herrn und Meisters Jesu gefördert haben will. Du weißt auch, dass gerade der Stadthalter am meisten Jesu prüfte und von Seinem Geiste erfüllt war. Nicht nur einmal wollte der Stadthalter die Lehre des Auferstandenen zum Gesetz machen, aber da war Jesu, der ihm abriet und warum? Weil die Freiheit der Menschen nicht beengt werden sollte und da Jesus den Tempel nicht angriff und alle die Heiden mit der gleichen Liebe behandelte, so konnte Ihm, dem Herrn, auch kein Vorwurf gemacht werden.

Der Stadthalter sah dieses auch ein und erkannte in dieser Einsicht die große Wahrheit und Liebe des Herrn und hatte darum auch nur den Wunsch, dass alle seine Beamten die Lehre des Herrn fördern sollten. Leider ist diesem Wunsche wenig Rechnung getragen worden. Ja, ich möchte sagen, feindlich standen viele den Anhängern der Lehre Jesu entgegen bis sie zu dem Bewusstsein erwachten, dass doch der Gott, den Jesu vertrat, der ewig und wahre ist.

Dass nun dieser erkannte Gott mit Seinen herrlichsten Offenbarungen auch vorsichtig ist, muss dir schon dein Verstand sagen und wenn du Offenbarungen von einst und jetzt vergleichst, wirst du erkennen, dass alle Offenbarungen nach dem Erkenntnisgrad abgestimmt sind. Bedenke die Offenbarungen auf dem Berge Sinai und halte denen die Offenbarungen durch Jesu gegenüber. Dort heißt es, Zahn um Zahn und hier liebet eure Feinde, ja segnet die euch fluchen. Und es ist doch ein- und derselbe Gott, aber nicht ein und dieselben Menschen!

Gott kann sich bei allen Offenbarungen nur auf den Boden stellen, auf dem der Mensch steht. Du musst aber auch bedenken, wenn der Mensch Offenbarungen braucht, sollen dieselben auch nur dienen, den Menschen auf eine höhere Stufe zu stellen. Ihr Römer steht schon auf einer höheren Bildungsstufe gegen diese Menschen, die hier leben, aber diese Stufe ist verstandesmäßig. Gott sieht bei allen Offenbarungen nur auf die Herzensbildung, und alle Offenbarungen, die mit dem Herzen aufgenommen werden zeitigen auch ein anderes Resultat als die, die mit dem Verstande angenommen werden. Jesus konnte darum auch die höchsten Offenbarungen empfangen, weil Sein ganzes Inneres auf den Gott gerichtet war!“

Der Richter: „Halt einmal ein, Jakobus, Jesus erhielt die höchsten Offenbarungen, weil Sein ganzes Innenleben auf den ewigen Gott gerichtet war? Mir aber wurde gesagt, dass eben gerade Jesus der ewig Gott war - hier komme ich in eine Sackgasse!“ Jakobus: „Ganz recht, wenn der Mensch Jesus und der Innenmensch Jesu nicht voneinander getrennt werden! Jesus war ein Mensch und Er war genau mit allem behaftet, wie wir alle. Durch das frühe Erkennen Seiner Mission als Mensch wandte Er auch allen Fleiß auf und brachte es fertig, Seinen in Ihm wohnenden Geist mit dem Gottesgeist zu einen, und konnte darum Dinge erleben und empfangen wie noch kein Mensch zuvor alle Seine Kraft, Seine Weisheit und Sein hoher Lebensstand war die Frucht Seines Fleißes und der Gotteignung .“

Der Richter: „Jakobus, da steigen immer neue Fragen auf; aber mit neuen Fragen ist mir nicht gedient, sage mir nur das eine: Ist diese Auferstehung des Gekreuzigten und verstorbenen Jesus eine wahrhaftige, d.h., was ist bei diesen Vorgängen alles wieder lebendig geworden? Ist es derselbe Leib, dieselben Hände und Füße oder ist die Auferstehung eine rein geistige?“ Jakobus: „Alles ist wieder zum Leben erstanden, nichts Verwesliches ist im Grabe verblieben, wir haben uns überzeugt. Sein Leib ist rein vergeistigt und Den trägt Er jetzt und für alle Ewigkeiten. Und alle, die an Ihn glauben und diesen Seinen Geist in sich mit ihrem eigenen Geist einen, werden, genau wie Jesus, auch erstehen und in einem unzerstörbaren Leibe und Ewigkeiten hindurch die Früchte ernten, die durch ihren Fleiß als Mensch zu dem ewigen Gott entstanden sind.“

Der Richter: „Jakobus, ich danke dir für diese Hinweise. Sie genügen vollauf, ich denke, dass wir auch noch etwas zusammenbleiben. Oder dachtest du länger hier zu bleiben. Ich würde dich gern nach Tyrus mitnehmen und gern Zeuge sein von allem, was du bis dorthin wirken wirst.“ Jakobus: „Die zustimmende Antwort kann ich dir noch nicht geben, da die Antwort vom Herrn abhängt. Ich gehöre nicht mir, da ich ganz dem Herrn dienen will. Nur wenn ich ganz in diesem Geiste diene, habe ich auch vollen Erfolg.“

Die anderen hörten mit Interesse das Gespräch und die Folge war, dass immer wieder Wünsche laut wurden. Am meisten Sardellus, der überglücklich war, Danila, seine Schwester, gefunden zu haben und noch immer nicht verstehen wollte, dass gerade sie schwieg, so er den Räumer ihrer Ehre erfahren wollte.

So trat er an Jakobus heran und fragte ihn unter vier Augen, ob er ihm denselben nicht namhaft machen könnte. Jakobus: „Ich kann es nicht, lieber Sardellus, weil der Her es mir noch nicht kündete, aber sage, was willst du tun? Willst du dem Herrn vorgreifen. Warum willst du dem Herrn dieses nicht aufopfern?“

Sardellus: „Jakobus, wir sind Römer und haben eben in bezug auf Ehre andere Begriffe wie ihr.“ Jakobus: „Wir alle zusammen sind Menschen und Ehre ist ein Begriff, den dir nicht Menschen geben können. Der Meister sagte einmal: `Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass Er sich dienen und ehren lasse, sondern dass Er diene und ehre Den, der Ihn gesandt hat.`

Siehe, darin liegt meine Ehre, dass ich ganz den Willen des Herrn tue. Was die Welt dazu sagt, ob ich gelobt oder getadelt werde, kümmert mich nicht, da mir nur an der Zustimmung des Herrn und an der Einswerdung mit Ihm etwas liegt. Alles, was sich ereignet, sei es schön oder unschön, ist nur Mittel, um dieses längst ersehnte Ziel zu erreichen. Warum willst du es nicht als Mittel ansehen? Für Danila war es eine Schule, sie ist daran gereift. Du müsstest dich darüber freuen und nicht das Vergangene immer wieder lebendig machen.“

Sardellus: „Jakobus, wenn ich das könnte! Es geht aber eben nicht. Ich werde nicht eher meine Ruhe haben bis diese Schmach gesühnt ist.“ Jakobus: „Wenn der Meister so denken würde, glaubst du, dass Er das größte Liebes- und Opferwerk hätte vollbringen können, oder wenn der Meister in der Stunde Seiner Bewährung versagt hätte, dass Er den Tod hätte überwinden können? Nein, Bruder Sardellus, da wäre Er nur ein Moral- und Menschendiener geblieben, der wohl Gutes, aber nicht das Beste mit den Menschen wollte. Das Beste aber, was Er uns brachte, ist ja Sein Leben und dieses ist ewig!“

Sardellus: „Jakobus, verzeihe, ich weiß, du kannst und darfst nicht anders zu mir reden und es wird noch eine lange Zeit dauern, bis ich ganz den Herrn verstehe!“ Jakobus: „Der Herr drängt nicht, aber um deines inneren Friedens willen wünschte ich dir, dass du ganz in den Geist eindringen könntest. du würdest erschauern vor der Macht der Liebe. Bruder, in dem Geist der erbarmenden Liebe wird dir der Verbrecher sogar zum irrenden Bruder, der nur ein Opfer seiner falschen und verkehrten Erziehung geworden ist. Siehe, Danila hat ihm vergeben und dadurch ist sie dem Herrn bedeutend näher kommen. Sie hat Frieden und ist ausgesöhnt mit dem Herrn.“ Sardellus: „Jakobus, nochmals meinen Dank, trage auch du mich um Danilas willen, denn um keinen Preis möchte ich ihren Frieden stören!“

An diesem Tage noch bat Danila um eine Unterredung, wo Sardellus zugegen war. Danila sagte: „Bruder Jakobus, ich habe ein Anliegen und brauche deinen Rat, damit es mir nicht zur Herzensnot werde. Es handelt sich um den Priester, der mich misshandelte. Siehe Jakobus, dieser Priester bat mich flehentlich um Vergebung. Er ist bereit, jedes Opfer zu bringen, um mich vergessen zu machen, was er in seiner Blindheit tat. Ich antwortete ihm, dass ich das wohl nie vergessen könnte und er habe das mit sich selbst abzumachen. Gott kann nur das vergeben, was ein Mensch sich selbst vergeben kann. Darauf spricht er zu mir: Wenn ich mir nur das vergeben und ungeschehen machen könnte. Ich bin verurteilt hier zu arbeiten, ich muss dich jeden Tag sehen, wohne unter demselben Dach mit dir und in meinem Herzen brennt die Qual über meine Untat. Nun ich alles das Verkehrte und Böse eingesehen habe, mein ganzes Leben wie es bis jetzt war, ist ja nichts weiter gewesen als eine große Lüge und nun sehr ich unter euch eine Gemeinschaft, die ja das Gegenteil von dem ist, was wir oder der Tempel will. Da habe ich nur einen Wunsch, zu vergeben oder gutzumachen.“

Da sagte ich zu ihm: Es freut mich, dass du den Weg zu mir gefunden hast. Auch deine Strafe wird zu Ende gehen bis dahin kannst du innerlich viel ausreifen. Eines Gutmachens bedarf es ja nicht mehr, da ja der Herr schon alles gutgemacht hat. In meinen Augen bist du ohne Schuld und ich will dir gern dazu verhelfen, dass du ganz gerettet wirst und in die Gemeinschaft der Menschen deinen Platz ausfüllen kannst.

Da fällt mir der Mann zu Füßen, küsst mir den Saum von meinem Kleide und spricht: `Danila, mit diesen Worten machst du mich zu einem neuen Menschen!` Ich aber sagte: Stehe auf, denn es geziemt sich nicht, vor Menschen zu knien! Werde demütig und voll erbarmender Liebe, dann wird auch dir Gott entgegenkommen und dir verhelfen zu dem, was dein Wille und Wollen ist.“

Sardellus sagt: „Wer war der Priester?“ Danila: „Josef ist es, nur ein blindes Werkzeug des Tempels, der unter Zwang des Karawanenbesitzers handelte.“ Sardellus: „Danila, du willst hier bleiben und unter Umständen den Mann heiraten?“ Danila: „Ja, Bruder, schon immer beobachtete ich den Mann und ich muss sagen, er hat sich gewaltig geändert. Ich habe ihm aber noch mit keinem Blick Hoffnung gemacht, mit Ausnahme von heute.“

Sich an Jakobus wendend, sagt Danila: „Bruder Jakobus, wie ist deine brüderliche Meinung, welchen Rat gibst du mir?“ Jakobus: „Gar keinen, Danila, denn das sind deine eigenen Angelegenheiten; denn bei allem deinem Tun und Wollen kommt es ja auf den Geist an, aus dem du es willst und tust. Ein Gelingen ist ja nur möglich, wenn alles aus dem Geist der Liebe geschieht und dazu kann dir nur der Herr in dir die Kraft und das Gelingen geben!“

Danila: „Jakobus, du gibst mir viel in dieser Stunde. Du und Sardellus seid die einzigen Menschen, mit denen ich darüber sprach. Es bedarf auch nun keines Wortes mehr. Ich weiß meinen Weg und dass es nicht mehr über Golgatha geht, ist des Herrn und Meisters Liebe die Garantie. Sardellus, was ich in mir empfinde, seit ich die Gedanken als Liebe und Helfen hinausstelle, kann ich dir nicht sagen, es wäre Entweihung, wollte ich darüber sprechen. Siehe, was andere als das größte Übel und Demütigung ansehen, ist mir zur größten Freude und Herrlichkeit geworden. Ein größeres Geschenk hätte mir der Herr gar nicht geben können und in Josef, dem Gefallenen, habe ich einen neu erstandenen Bruder gefunden, für den ich bereit wäre, jedes Opfer zu bringen.“

Jakobus: „Danila, der Herr hat deinen Willen und deine Liebe gesehen, kein Opfer sollst du bringen, sondern der Herr wird dir dein Vorhaben segnen und dich überreich belohnen. Überlasse alles der Zeit. Wie du ausreifen musstest, so mag auch der andere Teil ausreifen und menschliches Wollen wird zu einer Ernte, wenn es im Geiste Jesu sich vollendet!“

Sardellus sagte: „Bruder Jakobus, hier siehst du wieder, wie recht du hattest, indem du mich zurechtrichtetest. Was hätte ich für Schaden angerichtet, wenn ich den Namen gewusst hätte. Nun sieht alles ganz anders aus. Wir sind gewiss noch arme und kleine Menschen. Wir glauben, Großes zu wollen und hätten dabei genau so verkehrt gehandelt wie die armen Priester. Danila, nun werde ich dir auch nicht mehr hinderlich, sondern förderlich sein. Warum muss der Mensch wohl solche Umwege machen?“

Jakobus: „Auf das er klug und weise wird oder glaubst du, dass du je einen verirrten Menschen verstehen könntest. Siehe, ich hielt mich die ganze Zeit zurück um mit keinem Wort in das Geschehen einzuwirken und nun habe ich auch herzliche Freude daran. Auch den anderen wird es zum Heile gereichen.“

Nikolaus erlebte ein Wunder über das andere; trotzdem nur Karawanen einkehrten, war doch alles bekannt geworden. Neue Händler kamen und was sie erlebten war mehr als man sich vorstellen kann. Diese wieder schwiegen nicht über das Erlebte und wenn auch einer einmal etwas zuviel sagte, konnte der andere nichts anderes tun, als zugeben.

So kam an diesem Tage Baltasar mit seiner Karawane. Er konnte gar nicht genug die herrliche Liebe loben.

„Baltasar, was hast du bloß angerichtet, Bruderherz“, sagte er zu Nikolaus. „Weißt du auch, dass eine römische Besatzung hierher kommt. Dein Werk ist von oben anerkannt und es soll gefördert werden mit allen Kräften und du, Jakobus, nimm dich vor den Templern in Acht. Tausendfältig hat man dich verflucht, weil du den Römern durch dein Gesicht verraten hast, wo die Karawanen aufzufinden waren.“

Nikolaus: „Ach, mein Bruder Baltasar, sorge dich nicht um mich, solange es der Herr nicht will, werde ich ihr Opfer nicht werden und wenn es um meiner Vollendung willen geschehen sollte, so müsste ich ihnen ja nur noch danken. Denke ja nicht, dass etwas ohne Grund geschieht. Der Herr weiß um alles. Er weiß auch um das Schlechte und meistens ist es so, dass der Lebensfeind den Herrn treffen will und das Kind des ewigen Vaters ist nur das Opfer. Glaubst du, dass der Herr da nicht mit einer besonderen Liebe hinter dem Kinde steht?“

Baltasar: „Jakobus, du zündest aber ein Licht in mir an – daran dachte ich noch nicht, o wie sind wir noch dumm!“ Jakobus: „Nicht dumm, Baltasar, nur noch fremd in der großen Liebe unseres Gottes und Vaters. Was glaubst du wohl, wie wir geführt werden mussten, ehe wir erkennen konnten, dass in Jesus, unserem Bruder, Gott Selbst zu uns gekommen ist und heute ist mir alles so natürlich, so klar, dass es nichts einfacheres geben kann.“

Da sagte der Richter: „Jakobus, ich wollte eigentlich dich nicht sehr in Anspruch nehmen, um die anderen nicht zu schmälern, da du aber von selbst auf die Zeit der Entwicklung des Auferstandenen kommst, möchte ich dich bitten um einen kleinen Vortrag und vor allem, wie lebte eigentlich Jesus als Mensch im Alter von 20 Jahren und wie verhielt Er Sich gegen den Tempel und gegen die Römer?“

 

Jakobus erzählt Erlebnisse mit Jesu im Elternhaus

Jakobus: „Genau wie jeder andere Mensch. Nur schien uns Sein Eifer gegen Sich Selbst manchmal übertrieben. Wir verstanden Ihn nicht. Zu wecken brauchte Ihn niemand, zu jeder Stunde war Er bereit, zu arbeiten und den alten Vater Josef war Er die beste Stütze. Im Tempel war Er vom 12. Lebensjahr an, mit wenig Ausnahmen, nicht mehr und am Sabbat ging Er Seine eigenen Wege. In eine Synagoge war Er nicht mehr zu bringen, zum Leidwesen des alten Vater Josef. Seiner Mutter aber machte Er so manchen Kummer. Zu den Römern war Er zugänglicher, meistens waren die Römer Soldaten oder Kommissare und dies verstanden Jesus besser als die eigenen Landsleute.

Was Gabe es manchmal für Unruhe, wenn jemand Jesus tadelte. Ohne ein Wort zu verlieren ging Er aus dem Haus, um mitten in der Nacht das Schlaggemach aufzusuchen, aber in der Frühe war Er immer der Erste! Nie war Er vorlaut, nie sagte Er, wir wollen es lieber so machen und hatte Jesus einen Wunsch, so äußerte Er ihn ohne weiteres. Wurde er nicht gewährt, so nahm Er Sich aber das Recht und führte es alleine aus.

Der alte Josef war ein Ehrenmann durch und durch und schwer war es, so ein Andersgläubiger eine Arbeit gemacht haben wollte. Josef ging nicht von dem Gesetz ab und so der Priester die Arbeit nicht genehmigt, unterblieb die Arbeit. Hier ging Jesu nicht mit. Ich weiß von einem Fall, wo das Haus eines Griechen durch einen Sturm baufällig wurde, dass das Wohnen in dem Haus eine Gefahr war. Wir alle waren der Meinung, dem Manne muss geholfen werden. Aber was tut der Priester, er untersagt dem Josef die Arbeit. Da Jehova den Heiden strafen wolle, soll er sich die Hilfe bei seinen Göttern holen. Josef musste schweren Herzens dem Griechen auf später bescheiden. Noch heute tut mir das Herz weh, wie der Mann bettelte, doch eine Ausnahme zu machen. Josef aber blieb hart, auch auf den Einwurf hin, dass er ja kein Heide, sondern auch ein Gläubiger sei und nur wegen der Hab- und Herrschgier der Templer zum Schein ein Heide bleibe.

Vater Josef war hart und sagte: Das Gebot des Priester ist für mich maßgebend und so gut, als hätte es Jehova gesagt.

Da sagte Jesus: `Vater, Josef, du tust dem Manne bitter weh und verlierst in ihm einen Menschen, der dich immer hoch achtete.` Da sagte Vater Josef. `Schweige Du, immer hast Du eine besondere Meinung. Mir steht das Gebot Gottes höher als ein Mensch!` `Gut, Vater Josef`, erwiderte Jesus, `erstens ist kein Gebot aus Gott, sondern eine kleine Rache des Priesters und einen Freund verlieren ist gleich, als wenn ich ein Stück von Meinem Gott verloren habe.` Da schalt Josef Jesus aus und sagte: `Jesus, merke dir, nach deinen Ansichten kann ich nicht richten. Wenn ich trotz des Verbotes des Priesters dem Manne helfe, verliere ich etwas von meinem Gott.`

Jesus wendet sich an den Griechen und spricht: `Freund, traure nicht, ich werde dir dein Haus zurecht richten und Ich möchte den sehen, der Mich daran hindern würde – und so sollen wir auch gleich an das Werk gehen. – Dir aber, Vater Josef, grolle ich nicht, weil du ein Gebundener des Tempels bist und so bitte ich dich, grolle Mir auch nicht, denn ich kann nicht dulden, dass man dem alten Josef Lieblosigkeit oder Hartherzigkeit vorwerfen sollte.` – Ehe Vater Josef etwas erwidern konnte, war Jesus mit dem Griechen wieder aus der Werkstatt heraus. Der alte Vater Josef hätte beide gern zurückgeholt, aber seine Füße waren wie gebannt und so schalt er auf Jesus und Seine Mutter, weil sie ihm zuviel Willen gelassen hätte. Drei Wochen hörten und sahen wir nichts von Jesu. Wir hatten alle Hände voll zu tun und unsere Arbeit ging uns nicht aus den Händen, Jesus fehlte überall. Endlich kam er strahlenden Gesichts und sagte: `Vater Josef, das Werk ist vollendet, damit du es aber weißt, ich weise den Lohn zurück, denn ich handelte aus reiner Liebe und habe dem Hause Josef einen Freund erhalten und den Glauben an Jehova an ihm gefestigt.`

Der Grieche kam wirklich und wollte den Lohn überbringen, aber Josef blieb diesmal fest und sagte: `Jesus macht den Fehler anderer gut und dieses ist mehr als wenn du mir hundert Groschen bezahlst. Wenn du mir aber alles erzählen willst, wie es gegangen ist, würde ich mich freuen, denn Jesus hat bis jetzt noch nicht gesprochen.`

Der Grieche: `Das wundert mich aber, lieber Josef, denn Jesus war sehr gesprächig und denke dir, kurz vor meinem Grundstück kommen drei Bauleute und Jesus fordert sie auf, mit uns zu gehen, und so war ich auch jeder Sorge ledig. Die ganze Art des Arbeitens ging glatt vonstatten, alle vier einig und die Arbeit ging vorwärts, als wenn sie in ihrem ganzen Leben nicht anderes getan hätten als zusammenzuarbeiten.`

Da wunderte sich Josef und sagte: `Höre, das geht nicht mit rechten Dingen zu, fremde Bauleute habe ich noch nie getroffen, welcher Abstammung waren dieselben?`

Der Grieche: `Das erfuhr ich nicht. Jedenfalls war es eine Freude, unter ihnen zu sein. Das Schönste aber war, ich wurde in das Leben Gottes und Seiner Sorge für die Menschen hineingeführt, sodass ich heute noch ganz erfüllt bin von der Liebe, die mir von Gott zuteil wurde.

Da sagte Jesus, der zu allem bis jetzt geschwiegen hatte: `Habe ich dich nicht gebeten, zu schweigen, denn es ist noch nicht an der Zeit. Wenn aber die Stunde da sein wird, da wirst du innewerden, welchen Dienst dir Gott erwiesen hat. Nochmals bitte ich dich, schweige um Josefs willen, denn der Lebensfeind hat lange Ohren und geht darauf aus, Mich in Meiner Ruhe zu stören. So bleibe heute unser Gast.`

Später fragte ich Jesus, wie es mit den Bauleuten war, da sagte Er: `Jakobus, warum vergisst der Mensch so leicht all die Gnadenführungen des Herrn, warum macht ihr es Mir so schwer? Gerade du müsstest es am Besten wissen, wer in Mir das Wirkende und Vollbringende ist.`“

Da sagte der Richter: „Höre, das ist mir wertvoll. Eben, weil Jesus von euch keine Unterstützung erhielt, muss doch bestimmt in oder um Ihn eine Kraft gewesen sein, die ihn trug. Unter euch Juden ist es schwer, eine eigene Meinung durchzusetzen, wie viel schwerer muss es Jesus geworden sein, etwas ganz Neues und noch nie Gehörtes oder Gesagtes heraus zu kristallisieren. Warum sagte wohl Jesus zu dir: `Gerade du müsstest es wissen, wer in Mir das Wirkende ist`, oder war es nur eine Redensart von Ihm?“

Jakobus: „O nein, ich habe als der Jünger von Josefs Söhnen, oft die Kindsmagd machen müssen und dabei Dinge erlebt, die noch kein Sterblicher erlebte. Mir erschienen Engel – das andere Mal erlebte ich Himmel über Himmel und so manche Segnung, die ich leider auch vergessen habe. Nun aber, wo ich mich auch durchgerungen habe zu dem seligen Bewusstsein -Er ist mein Gott und mein Erlöser- ist die Einung und die Verbindung meine größte Seligkeit und ich werde erfüllt sein von Seiner Kraft und Gnade.

Was ich hier und anderen Orten tue, ist nicht aus mir, sondern aus dem Geiste Jesu, der in mir lebendig ist. Ohne Ihn bin ich genau so kraftlos wie du und die anderen. Und was ich aus Jesu tue, könntest auch du oder die anderen tun, so ihr von Seinem Geist erfüllt wäret. Frage Schimba oder Danila, ganz gleich wen, sie werden dir bestätigen, dass ich nicht mehr bevorzugt bin als die, die in Seinem Geist und in Seiner Liebe lebendig werden.“

Der Grieche: „Jakobus, ich danke dir nochmals. Jesus hat in dir einen guten Anwalt, aber deswegen wirst du auch noch manchen Kampf haben, das habe ich an den verurteilten Priestern erlebt.“ Jakobus: „Du magst recht haben, ich weiß aber auch, dass alles, was an mich herantritt, mir dazu dient, mit Jesu ganz eins zu werden.“

So verging noch ein Tag in Ruhe und Freude und Nikolaus erfuhr aus Jakobs Munde, dass der heutige Tag der letzte des Beisammenseins sei und er solle allen mitteilen, sie sollen die Arbeit eine Stunde früher beenden um eine Stunde länger vereint zusammen sein zu können.

Nikolaus sagte: „Dann Bruder, lasse ich auch ein Festmahl richten, wie es noch niemand erlebt hat; denn es gilt, nicht einen Abschied, sondern ein neues Leben zu feiern!“

Manches Herz wurde traurig, denn an Jakobus hatten sie Jesus Liebe erlebt und an seinen Worten wurde ihre Sehnsucht gestillt. Still und feierlich kamen alle und jeder und jedes wollte ihm die Hände drücken. Er aber kam ihnen zuvor und schenkte ihnen Liebesbeweise, die sie so fröhlich machten, dass ihre Augen in hellem Glanze erstrahlten.

Nikolaus war ganz in seinem Element. In kurzer Zeit waren die Tische gedeckt und ein Wein stand auf den Tischen, wie ihn noch keiner getrunken hatte. Er wusste, dieser Wein war die besondere Gabe des Herrn, denn Baltasar hatte ihn mitgebracht und er sollte nur zu besonderen Festen getrunken werden.

Mit kurzen Worten segnete Nikolaus die Gaben und bat, sie sollen alle an der Liebe sich sättigen, „denn die Speisen sind das Geschenk der Liebe, die uns heute wieder eint und diese Liebe will sich immer mehr und mehr offenbaren.“

Nach einer Stunde, als sich alle gesättigt hatten, wurden die Tische abgeräumt, nur die Krüge und die Becher mit dem Wein blieben, damit die Gabe der Liebe sie noch mehr stärken sollte.

Jakobus, ganz erfüllt mit dem Geiste des Herrn sagte: „Schwestern und Brüder, der Ruf des Herrn ist in an Mich ergangen, weiterzuziehen, um den anderen, die noch im Dunkeln leben, Licht und Freude zu bringen. In dieser weihevollen Stunde aber möchte nicht nur ich, sondern auch der Herr euch danken für eure Hingabe und eure Treue. Mit wehen Herzen muss Er noch so manches Menschenkind am Abgrund taumeln sehen und Seine ausgestreckten helfenden Hände werden nicht erfasst. Schmerz über Schmerz lebt in Ihm, aber Er durch Sein größtes Opfer ja Mittel und Wege schuf, und es wird nicht angenommen.

Hier aber, wo sich eine Insel der erbarmenden Liebe inmitten von Nacht und Finsternis heraushob, hat die ewige Liebe Freude über Freude – und aus dieser Seiner Freude werdet ihr ganz besonders herrliche Begegnungen erleben!

Du Simon und du, Schimba, seid die rechten Mittler Seiner Liebesgaben und du, Nikolaus, sei nicht nur Vorsteher, sondern auch Wächter, damit sich der Lebensfeind nicht in deine kleine Gemeinde wage. Noch ist es den Feinden nicht gelungen, Zwietracht in die Herzen zu säen, die sich unter deine Obhut stellten, aber sei auf der Hut, denn ein jedes Werk der Liebe wird angefeindet und du wirst herrliche Beweise der großen Gottesliebe erhalten!

Ihr aber, meine geliebten Schwestern und Brüder, meine Freunde, nehmet hin das Wort meiner Liebe, die in mir lebt aus Ihm, em herrlichen und ewigen Vater. Lasset in euch lebendig werden die Liebe, die erlösen und befreien will, lasset in euch das Leben wirkend werden, damit ihr immer inniger euch zusammenschließen könnt in dem Geist, der andere glücklich machen will. Im Leid seid ihr geschult und erprobt, aber die wahre Liebe will Leben schaffen, Leben aus der Liebe, in der freiesten Art und in diesem Leben wird Er lebendig in und um euch und ihr erkennt den Heiland, den noch so mancher von euch ersehnt. Nicht Ihn erschauen ist das Größte, sondern getragen zu werden von Ihm ist das Herrlichste. Wie aber werde ich von Ihm getragen, von ihm geführt und geleitet. Nur wenn ich Ihn allein in mir zum Führer und Helfer in der wahren Demut und Hingabe mache und in Ihm meinen Herrn und ewigen Gott erkenne, Der mir Berater, Freund, Heiland und sogar Vater sein will!

Meine leiben teuren Schwestern und Brüder, die ewige erbarmende Liebe will gesucht und erlebt sein, weil sie auch uns sucht mit der ihr eigenen Liebe und sich auch finden lässt. So aber einmal der Mensch in die innige Verbindung mit Ihm getreten ist und in der Verbundenheit bleibt, wird alle Frucht und Angst weichen und die Schrecken des Todes können keinen Schatten mehr vorauswerfen. Ihr habt ja erlebt in eurer Prüfung all die Schrecken der Nacht und die Ungewissheit und nur darum, weil einige von euch in festem Vertrauen blieben, konnte die ewige Vaterliebe eure Rettung durchführen. Es ist noch ein Geheimnis um die große Liebe des Herrn. Wie gern würde Er alles abwenden, so es nur möglich wäre, aber dazu gehört auch das Kind, welches in dem Vater und Gott den Helfer und Heiland sieht. Freilich mit Ehrfurcht und Gottesfurcht bemüht ihr euch, ein Leben zu führen, dass das Auge des Herrn mit Wohlgefallen auf euch ruht, aber liebe Herzen, Er sehnt sich genau so wie ihr nach Kindern, die in Liebe erstehen und nicht in Furcht, nach Kindern, die da Abba, lieber Abba rufen und allen Menschen zum Heiland und Helfer werden.

Da aber das Drängen in mir größer und größer wird, euch zu künden die Liebe und Verbundenheit des Herrn, sollt ihr alle Ihn erschauen und durch den Mund des Schimba vernehmen, was euch die ewige und herrliche Liebe sagen lässt.“

 

Jesus erscheint und spricht zu Schimba

Jakobus schweigt. In diesem Augenblick steht der Herr mitten unter ihnen, segnet sie alle und der Herr spricht: „Kinder und Freunde, meiner Liebe und Erbarmung. Endlich darf Ich euch alle künden, wie Ich mich freue über eure Liebe, euern Eifer und eure Dankbarkeit. Mein Herz ist immer bei euch und Ich kenne nur eine Sehnsucht, ganz in euch zu leben und euer Sein zu erfüllen mit dem Geist, mit Meiner Kraft und Weisheit. Stunden des Leides machten euch reif, dass Ich euch dienen konnte, den soweit geht Meine Liebe, dass ich euch Diener und Bruder sein möchte. Doch all dieses hängt nur von euch ab. Engel sind euch um eure Herzen zu erforschen und um eure Sehnsucht kennen zu lernen, doch eure Reife kenne nur Ich allein. Glaubet, meine Kinder, dass Ich Mir dem größten Zwang inmitten der größten Freiheit Meiner Kinder antun muss, denn nur soweit kann Ich euch Diener sein, inwieweit ihr euren Brüdern dient und nur soviel kann Ich euch Vater sein, so viel ihr Mir Kind geworden seid in der freiesten Hingabe. Darum sorget euch um nichts weiter als dass ihr ganz in Meiner Jesuswesenheit ausreift und Meine Liebe in euch immer tätiger nach außen wird. Wie gern möchte Ich euch an Mein Herz drücken zum ewigen Beweis meiner Vaterliebe, aber noch ist zuviel des Trennenden zwischen Mir und euch und dieses kann Ich, trotz Meiner Allmacht, nicht beseitigen. Dieses müsst ihr selbst tun. Es ist der Begriff eurer Unreinheit, noch zuviel des Gesetzes lebt in euch. Machet euch frei, denn in Meinen Kindern soll Mein herrlicher und freiester Jesusgeist sich entfalten, der über allem Gesetz und über jeder Furcht steht. Was ihr in dieser Liebe als Bruder an eure Brust nehmt, ist so gut, als wenn Ich es getan hätte, und was diese, Meine Liebe, in euch ausgleicht, ist für ewig ausgeglichen. Darum, Danila, was du willst ist gesegnet, weil es aus Meiner Liebe geschieht und du, Josef, mache dich dieser Liebe würdig, reife aus in der Liebe, die alles gutmachen will, werde Träger des Geistes, der auf Golgatha offenbart wurde und Mein Herz wird dir jederzeit offen sein. Du, Nikolaus, werde ein Diener aller, denn nur damit kannst du meinen Jesusgeist verherrlichen und der Segen wird sichtbar allen werden, die bei dir ein- und ausgehen.

So segne Ich euch alle und Meine Liebe sei und bleibe euer Leben und Mein Frieden und Meine Kraft belebe euch, damit ihr in und bei Mir verbleibet, jetzt zeitlich und dann für ewig!

Amen,- Amen!“

Noch blieb der Herr sichtbar und alle waren still. Nur eine war mutig, sie stand auf und ging auf den ihr sichtbaren Herrn zu und sagte: „O, du mein Heiland, mein Jesus und nun Vater, wie soll ich Dir noch danken für das Geschenk, welches Du mir gabst, mein Leben gebe ich Dir, so Du es fordertest.“

Da sagte Jakobus: „Danila, der Herr spricht: „Ich gebe dir zurück, was du Mir schenktest, dass du dein Leben Mir geopfert hast, ist erwiesen; aber erwiesen war noch nicht, dass du mit Liebe lohnen konntest, wo du Hass empfingst, darum soll dir die seltene Gabe zum Geschenk werden, dass du jede Sphäre fühlen sollst, die sich, ob Mensch oder Geist dir nähert.

Es ist dies eine der größten Gnaden, da nie Mein Feind dich als die Wissende ansehen wird. Bleibe demütig, wahr und rein und alles, was in dir lebendig wird, betrachte es als Geschenk Meiner Liebe. Ich habe deine Liebe gesegnet, segensvoll soll auch fortan dein Leben für die anderen werden!

Wenn aber die Zeit kommen wird, wo der Feind zum größten Schlage ausholt, dann seid gerüstet in der Liebe. Eure Heimstätten sollen Asyle werden, eure Liebe Brot aus meinen Himmeln werden und Worte sollen gleich Heimatsklängen erklingen für die, die durch Not Meine Erbarmung erleben werden.“

Jakobus schwieg. Da verschwand auch Der Herr.

Samino sagte: „Wahrlich, hier ist mehr, denn nur Predigen und Hinweisen auf den Herrn, hier ist Er Selbst, was meinst du, Baltasar, wollen wir nicht hier bleiben und unsere Heimat neu gründen? Wo ein solches Zeugnis uns offenbar wird, ist ja alles geebnet – was meinst du?“

Baltasar: „Ich meine gar nichts, ich weiß nur, dass das größte Geschenk mir hier wurde und seit der Zeit ist überall, wo ich Liebe üben kann, meine Heimat.“

Der römische Richter sagte: „Freund, für dieses Wort möchte ich dir besonders danken, es ist wirklich so, wo Liebe gelebt wird, offenbaren sich himmlische Kräfte, darum soll auch der Herr und Meister der Liebe Sich über mich freuen können und ich gebe den drei Priestern, soweit sie Römer werden wollen, die Freiheit wieder, kraft meiner Befugnisse von dem Kaiser.“

Die Priester treten hin vor den Richter und Josef war der erste, der sagte: „Herr, von Stunde an will ich mich lösen vom Tempel und tun, was du mich heißest. Gern will ich nicht nur Römer werden, sondern auch sein. O Du Jesus, unsichtbar bist Du nun unseren Augen geworden, aber in mir fühle ich Deine beglückende Nähe, denn meine Freiheit gabst Du mir selbst nur, dieser edle Römer war nur der Mittler und so gelobe ich hier vor allen, dass es keinen treueren und eifrigeren Menschen geben soll in dieser Gemeinschaft. Die mir gebotene Freiheit nehme ich mit Freuden an, aber mein Dienst soll derselbe bleiben bis sie Ernte eingebracht ist und was dann wird, überlasse ich der Liebe, die mir in diesen Tagen erstmalig so groß und rein offenbar wurde. Ihr anderen, haltet euch an meine Worte heute, von morgen an an mein Vorbild, denn ich will nicht nur euch, sondern allen ein Vorbild sein, damit die Liebe des Herrn immer neue Liebe zeitige!”

Sardellus ging hin zu Danila, reichte ihr die Hand und sagte: „Danila „ so liegt auch an deiner Verbindung mit deinem Erwählten nichts mehr im Wege und so gebe ich dir mein Jawort und auch meinen Liebessegen. Mag alles in deiner Liebe zu Liebe werden!”

Josef reichte den beiden die Hände und sagte: „Habt tausend Dank, meine Liebe gehört euch, aber trotzdem soll es bei dem verbleiben, bis die Ernte unter Dach ist, es soll meine Prüfungszeit sein, um mich ganz würdig zu machen dem unermesslichen Geschenk der großen erbarmenden Gottesliebe!”

Noch lange blieben diese Getreuen zusammen, bis endlich Nikolaus sagte: „Freunde. gehet jetzt zur Ruhe, wir sehen uns doch am frühen Morgen, wir scheiden doch im Geiste Jesu, Der alles eint. Nie werden wir uns trennen können, da die Liebe des Herrn immer das Verbindende ist und bleiben wird!”

Die meisten hatten keine Ruhe, jeder hatte den Drang, noch einmal Jakobus zu sehen und ihm die Hände zu drücken.

Danila schlief überhaupt nicht, sie bereitete ein Mahl. Ganz allein vollbrachte sie das Werk und deckte die Tische zum Morgenmahl.

Baltasar ließ es sich nicht nehmen - er machte einen Wagen fertig und erbat sich von Nikolaus Lebensmittel für mehrere Tage sowie Geschenke für Jakobus, damit er auch andere beglücken konnte. So war alles zur Abfahrt bereit. Es war kein Abschiedsmahl, sondern ein Gedächtnismahl zu Ehren des Herrn und alle hatten eine große Freude.

Baltasar bat nun, endlich doch aufzubrechen, sonst komme die Sonne zu hoch Nikolaus musste Baltasar recht geben. Da entschloss sich Jakobus zum Abschied. - Tränen flossen reichlich, aber Jakobus sagte: „Meine Geliebten, freuet euch, denn das Los ist euch auf das Lieblichste gefallen. Ihr besitzet die Liebe des Herrn und werdet euch immer nochmehr dessen bewusst, dann ist der Herr immer bei und unter euch. Bleibet in dieser Liebe, wachset immer noch mehr zu einer helfenden und erlösenden Liebe heraus, dann wird der Herr wie gestern euch selbst leiten und beglücken!

Und so seid gesegnet in und durch Seine Liebe, Gnade und Erbarmung. Werdet tätig, damit bei und unter euch der Herr auch tätiger sein kann!”

So schieden sie unter Tränen. Baltasar sagte: „Bruder, der Abschied ist das Schwerste. Er kann nur gemildert werden durch die Hoffnung des Wiedersehens. Werden wir uns einmal wiedersehen?”

Jakobus: „Bestimmt, mein Baltasar. Ist es nicht hier im Erdensein, dann dort in der ewigen Welt, wo es keinen Trennungsschmerz gibt!” Baltasar: “Das verstehe ich nicht. Wie groß muss denn die ewige Welt sein, dass sich alle Menschen, die je einmal zusammenkommen, nicht mehr trennen?” Jakobus: „O mein Bruder, nicht alle Menschen kommen zusammen, sondern nur die, die sich lieben, und auch nur diese Liebe muss es sein, die nichts haben will, sondern nur gibt. Siehe, ich könnte dir das Auge öffnen durch die Gnade des Herrn, damit du schauen könntest die Sphären durch die wir gehen, aber es hätte keinen Nutzen. Wer wie du, am Tische des Herrn gesessen, Ihn in Seiner größten Liebe und Erbarmung erlebt hat, ist sich bewusst, dass der Herr alles in allem ist, und du hast den Herrn wunderbar erlebt und kannst durch deine neu erkannte Liebe anderen zu Nutz und Frommen diese Liebe ausleben.

Denn siehe, der Herr ist wohl der Herr, aber dann sind wir Seine Geschöpfe, alles andere ist unsere eigene Sache. Stelle dich ganz auf Liebe ein und Neues, Ungeahntes wird dich erfüllen und dies sind dann Vorgänge in deiner Welt, die deinen Geist immer reger machen. In dieser Liebe ziehst du auch die geistigen Sphären an, die in derselben Liebe stehen, und werden dir völlig unbewusst auch zu Bewohnern deiner inneren Welt. Nun höre, je mehr du im Geiste der erlösenden und erbarmenden Liebe durch die Tätigkeit in diesem Geiste wächst, wächst auch deine innere Welt und dir völlig unbewusst bist du ein Träger Vieler, Vieler geworden . Nicht nur das sind die Bewohner, die dir schon in die Ewigkeit vorangegangen sind, sondern auch Menschen die du liebst und vor allem die, denen du in dieser Liebe zum Helfer geworden bist. - Jawohl, mein Baltasar, in deiner Welt habe ich einen guten Platz - und sobald du im Jenseits weilst und ich wäre auch dort, so würdest du mich recht bald wiedersehen.

--Alles was du mit Liebe umgibst, bürgerst du in deiner Innenwelt ein. Denke aber einmal nach. welch ein Zustand das sein muss, wenn ein Mensch in seiner verkehrten Liebe etwas erfasst! Nie bekommt er diese Innenbewohner wieder los, ausser, er ändert sich von Grund auf - und dieses werden seine Innenbewohner immer zu verhüten suchen.”

Baltasar spricht: „Lieber, lieber Jakobus, diese deine Worte habe ich sehr gut verstanden und konnte es mir auch lebendig vorstellen. Nun ist mir auch verständlich, warum die Priester in ihrem Hass verbleiben, wahrlich um hier zu helfen, dazu gehört eine große Geduld und eine große Liebe.”

Jakobus: „Ja, Bruder Baltasar, man hilft nicht nur dem einen Verirrten sondern seinen ganzem Anhang und darum ist diese Aufgabe so herrlich und dankbar, denn das Wehen seliger Geister ist der Heimatton aus den Himmeln und der Gruß der ewigen Liebe unseres Vaters Jesu! Heute am Abend, wenn wir beide im Zelt unsere Ruhe nehmen, will ich dir durch die Gnade des Herrn den Beweis erbringen, dass es kein größeres Glück geben kann, als die Liebe derer, denen du in deiner Liebe ein Heiland und Helfer geworden bist!”

Baltasar: “Jakobus, da freue ich mich schon jetzt, aber sage mir das eine, sehen denn auch unsere Innenbewohner unsere Umgebung?” Jakobus: „Aber natürlich, denn du bist es ja, der ihnen dazu verhilft; alles Äussere muss sich nach dem Inneren richten und alles Innere ist der Faktor, der alles belebt oder ertötet. Ein jeder Mensch, der seine Innenwelt pflegt durch die Gnade und Erkenntnis des Herrn, wird sich des übergroßen Reichtums immer mehr und mehr bewusst und räumt den ersten Platz dem Herrn und Meister ein. Darum erlebten wir ja die großen Kämpfe des Herrn und konnten das gewaltige Ringen nicht verstehen. Auch uns allen bleibt deswegen der Kampf und das Ringen nicht erspart, aber uns fließen Kräfte aus des Herrn Liebe zu und tragen uns zum Erfolg über alles das sich in uns trennend zwischen uns und des Herrn Liebe stellt.”

Als die Sonne am höchsten stand, sagte Jakobus: “Wir wollen rasten, dort ist ein Wäldchen und eine klare Quelle, deinen Tieren wird die Ruhe guttun.”

Baltasar: „Hier gibt es aber kein Wasser, Jakobus. Ist denn diese Gegend bekannt? Ich kenne hier jeden Baum und Strauch, aber keine Quelle.”

Jakobus: „Tue, was ich dir sage, Bruder, des Herrn Wege, sind wunderbar und Seine Führungen sollen ja Seinen Kindern dazu dienen, um sobald wie möglich das herrliche Ziel zu erreichen, die Einung des Vaters mit dem Kind.”

Jakobus hatte recht. Eine klare Quelle spendete reines und frisches Wasser, eine saftige Weide war da für die Tiere und im Wäldchen war wunderbarer Schatten. Im Walde war es ruhig. Die Vögel schienen auch zu rasten und der Friede um den beiden war angetan, das Herz zu weiten und zu öffnen für die Gnade, die beide so wunderbar belebte.

Nachdem sie sich gesättigt hatten, gaben sie sich der Ruhe hin und so kam der Abend heran unter erbauenden Zwiegesprächen.

Jakobus sagte: „Bruder, ich will nicht dazu beitragen, nicht in die Geisterwelt sollst du schauen, sondern in deine eigene Welt, die dir wie ein Traum vorkommen wird. Wenn ich in mir recht ruhig werde, öffnen sich die Tore meiner Welt und ich erlebe das Leben, was in mir Wahrheit geworden ist und dieses Leben ist das Ewige, was einem jeden in der allergrößten Freiheit mitgegeben wurde bei der Eingeburt in dieses Erdenleben. An einem jeden Menschen liegt es nun, was er aus diesem Leben macht, einen Himmel oder eine Hölle. Hier ist der Herr nur der Wartende und kann nur zu einem Helfer und Beistand werden, wenn es der Mensch will! Und nun wollen wir beide, aber jeder in sich, Einkehr halten zu unserem und der anderen Heil!”

 

Jakobus zeigt dem Baltasar seine Innenwelt

Es wurde um und in den beiden ruhig. Baltasar schloss die Augen, aber immer und immer wollte sich nichts an und bei ihm bemerkbar machen. Schon wollte er sich an Jakobus wenden, da zerriss ein Blitz die Finsternis, die durch die geschlossenen Augen entstanden war und in dieser Helle sieht er ein altes Gemäuer mit einer offenen Tür aus der Licht herausfällt. Nun blieb es bei ihm hell und es war ihm, als wenn er durch die geöffnete Tür ging. Zuerst sieht er nichts als nur eine Straße mit einigen alten Häusern, die unbewohnt zu sein schienen. Langsam geht er die Straße entlang, schaut nach rechts und links und nun auf einmal ist es gar nicht so einsam, denn die Häuser sind bewohnt, nur die Bewohner hielten sich verborgen.

Langsam geht er weiter, er hat eine kleine Freude, weil sich die Bewohner so verbergen und am Ende der Straße ist ein kleiner Tempel. Dorthin zieht es ihn mit Macht. Wie er näher kommt, erschrickt er über die Verwahrlosung die dort herrscht. Schon will er weitergehen, da kommt ein ihm bekannter Priester und überschüttet ihn mit Vorwürfen.

Baltasar, der diesen Priester, der schon längere Zeit verstorben war, immer liebte, will sich zurückziehen, da er sich keiner Schuld bewusst war, aber da kommt auf einmal eine ganze Schar Bekannter und umzingelt ihn. Abwehrend hält er beide Hände vor sich, da spricht der Priester: `Baltasar, was hast du getan, unsere Heimat hast du uns genommen, unseren Frieden hast du gestört. Wir finden nichts, gar nichts mehr, was uns je erfreuen könnte.`

Baltasar spricht: „Aber Freund, ihr seid in einem großen Irrtum, noch nie habe ich irgend etwas getan was euch schädigen könnte.” Da erwidert der Priester: `Unsere Wasserquelle hast du verstopft, wir haben kein Wasser mehr und das Brot geht auf die Neige, komm, sieh selbst.” Mit diesen Worten nimmt er ihn bei der Hand und zieht ihn in das Tempelinnere. Die anderen folgen.

Dort angekommen spricht der Priester: `Hier, sieh, unser Schrank ist leer, in der Zisterne ist kein Tropfen, sag, was soll da werden. Warum hast du uns des Nazareners wegen verlassen und bringst denen Wasser und Brot die Fülle? Warum?`

Baltasar: „Du irrst - nie brachte ich euch Brot und Wasser, nie dachte ich daran, anderen Brot und Wasser zu bringen, ihr seid längst Verstorbene.”

`Was –Verstorbene?` schreien die anderen, dann bist du wohl auch gestorben. Nein, nein, das gibt es nicht, du willst uns nur los sein, weil du uns kein Wasser und Brot geben willst!”

Ganz bekümmert ist der alte Priester und spricht: „Baltasar, glaube uns, es ist wirklich so, um deinetwillen haben wir unser Heim an unserem Tempel aufgeschlagen, weil du uns so gutes Wasser und Brot gabst und seit du deine Götter verliessest, hungern wir geradezu. Dich werden wir aber verlassen und so magst du zusehen wie du verkommst.”

Da gingen die anderen. Baltasar blieb allein und nun hatte er Muße, sich umzusehen. Er war in einem ihm so gut bekannten Hause. Auch Menschen sah er, doch waren dieselben ihm unbekannt. Man übertrug ihm die Aufsicht über alles, ja man wollte, dass er ihnen auch Essen geben sollte Willig sagte er zu und nun fand er Brot und Früchte in Menge, es schmeckte ihm sehr gut und dann sah er sich um. Da befanden sich Ställe mit Vieh. Er beteiligte sich an deren Pflege und Fütterung, besah die dazu gehörigen Weiden und war befriedigt- Als er nach einer Wanderung durch das Anwesen zurück in das Haus kam, war schon der Tisch zum Essen gedeckt und die anderen waren schon beim Essen. Da griff er nach dem Brot, welches ihm gereicht wurde und fand es herrlich schmeckend. Wie sie alle miteinander beim Essen sind, kommt der Priester mit den anderen. Überaus freundlich dankten sie ihm und brachten ihm ein Geschenk - eine Mannesbüste. Er nahm sie, besah dieselbe und legte sie beiseite. Um niemanden zu verletzen, sagte er kein Wor