jl.hag1.034. Kapitel

   01] Nun lassen wir diese kleine Gesellschaft in der Schule der Geschöpfe und lassen sie essen wilde Beeren, Gras und Wurzeln bis zur bestimmten Zeit; wir aber wenden uns hin nach Ihypon (heutzutage 'Japon', auch 'Japan') und erwarten alldort die herankommenden Meduhediten und wollen uns noch eine kurze Zeit bei ihnen aufhalten.
   02] Nach dreißig Tagen und Nächten sind also unter Meinen günstigen Winden auf kleinen Umwegen der Ruhe des Meeres wegen die Meduhediten auf der besagten Großlandsinsel glücklich und wohlbehalten unter lautem Jubel, Frohlocken und Lobpreisungen Meines Namens angelangt, und zwar an der breiten Mündung eines ruhig fließenden Flusses aus dem Innern des Landes, auf dessen ruhigem und ziemlich breitem Rücken sie in ihren Kasten bis ins Innere des Landes durch einen ziemlich starken, dienstbaren Wind gehoben wurden.
   03] Als sie nun vollends in der Mitte waren, da fiel Meduhed auf sein Angesicht nieder, ganz ergriffen von der wunderbaren Schönheit des Landes, und dankte Mir in der stillen Tiefe seines Herzens bei einer Stunde lang, und aller Augen und Ohren waren auf ihn gerichtet.
   04] Und als er nun beendet hatte sein Mir wohlgefälliges Gebet und in demselben auch erschaut hatte Meinen ferneren heilbringenden Willen für das gerettete Volk, da stand er wieder auf und wartete, bis die Kasten sich alle vollends aneinander angeschlossen hatten.
   05] Als nun dieses alles nach Meinem Willen längs des seichten Ufers geschehen war, da stieg er alle Kasten nach Meinem inneren Geheiße ab und ermahnte die Scharen in aller Liebe, ja nicht eher das Land zu betreten, als alle dem Herrn bei drei Stunden lang in ihrem Herzen für diese unendliche Gnade werden gedankt haben. Und so der Herr erst dann das geschenkte schöne Land in und vor ihrem Angesichte segnen werde unter einem sichtbaren Zeichen, so wolle er zuerst ans Land steigen. Dann sollen sie ihre Kinder zuerst ans Land setzen und endlich erst selbst mit den Weibern das Land betreten; und da sollen sie dann wieder auf ihre Angesichter zur Erde vor Gott niederfallen und anbeten Seine Heiligkeit und lobpreisen Seine unbegrenzte Güte und unendliche Liebe.
   06] Und siehe, als sie nun dieses verrichtet hatten in größter Freudigkeit ihres Herzens, da richteten sie auf den Ruf Meduheds ihre Augen in die Höhe, sahen eine lichte Wolke umhüllen das ganze Land und sahen große Tropfen fallen in der Fülle von der Wolke bei einer Stunde lang. Dann sahen sie diese Segenswolke sich wieder teilen und einen kleinen Regenbogen unter derselben brennend leuchten und vernahmen auch von Morgen her einen gar sanften Wind wehen, der ihnen durch den Mund Meduheds laut verkündete, daß Ich nun für sie das Land gesegnet habe, - worauf sie dann in schon besagter Ordnung ans Land stiegen und daselbst eben wieder in größter Freudigkeit ihres Herzens taten, wie es ihnen der frommweise Meduhed liebevoll angeraten hatte. Und als nun dieses geschehen war, da berief sie Meduhed wieder alle zu sich und hielt eine bündige Rede an sie, welche also lautete:
   07] »Männer, Brüder, Schwestern und auch ihr schon wortverständigen Kinder! Merket es euch alle wohl, was ich euch nun durch die große Gnade Gottes kundgeben werde! Das sei der Grund alles unseres Denkens und Handelns, daß wir nie den heiligen Willen Gottes aus den Augen unseres Herzens lassen und allezeit mit Dank und Lobpreisung denselben erfüllen bis auf einen Punkt. Denn was immer von Ihm kommt, ist groß, heilig und daher auch von größter Wichtigkeit; und scheine es unseren kleinen Weltaugen auch noch so klein, so ist es aber doch von unendlichem Werte, da es von Gott ist, der nun unser aller Herr ist, und wir, so wir sehr willig gehorsam sind Seinem Willen, auch noch Seinen großen Kindern, die ihr habt kennen gelernt unter der Felsenwand ob (oberhalb) Hanoch, wie uns allen versprochen ist, gleich werden können.
   08] Seht, so will der Herr, unser großer Gott und seinwollender allerheiligster Vater, daß wir uns fürs erste lieben sollen, und zwar jeder seinen Nächsten als Bruder und Schwester siebenmal mehr als sich selbst. Jeder sei strenge gegen sich selbst und milde und sanft und voll Liebe gegen seine Brüder und Schwestern. Nie denke einer, größer und mehr wert als der Schwächste von euren Brüdern zu sein; denn bei Gott gilt nichts als ein reines, demütiges Herz. Wem der Herr je, wie mir, Seine Gnade schenken wird, der denke sich als den Allergeringsten und sei bereit, gleich mir, allen zu dienen und nach dem Willen Gottes allen mit einem guten Beispiele voranzugehen. Nur allein Kinder sind gegen ihre Eltern vermöge ihrer ursprünglichen Schwäche und notwendigen Erziehung den unbedingtesten Gehorsam schuldig; und wenn sie zur Erkenntnis des Willens Gottes in sich werden gelangt sein, dann trete an die Stelle des Gehorsams, den ihr dann Gott allein nur schuldig seid, die kindliche Liebe und Achtung gegen die Eltern in hohem Maße. Doch sollt ihr nach dem Willen Gottes dem Weisesten von euch allezeit euer Ohr leihen und eure Augen auf ihn richten, um willig zu erfahren die Ratschlüsse Gottes fürs Allgemeine sowohl, als auch für jeden einzeln; doch hütet euch davor, je einem solchen Weisen irgend mehr Achtung, Liebe und Verehrung zu geben als einem andern noch nicht weisen, aber doch sehr willigen, lieben Bruder.
   09] Und da sei und bestehe die Achtung des Weisen aus Gottes Gnade von euch in nichts anderem als bloß in der Liebe Gottes, Liebe des Nächsten und dem willigsten Gehorsam gegen die Anordnungen Gottes durch das demütige Herz eines weisen Bruders.
   10] Nie komme je eine Unwahrheit über eure Lippen; denn die Lüge ist ein Fundament alles Bösen. Fern sei von euch alle Schadenfreude über die Buße eines Sünders, sondern eure Liebe helfe einem gefallenen Bruder wieder auf die Beine.
   11] Das Land gehört allen ohne allen Unterschied gleich; was der Boden reichlich tragen wird, das nehme der Bedürftige zu seiner Sättigung, und der Starke sammle gern für die Schwachen.
   12] Die Tiere macht euch freundlich, damit sie euch ihre warme Milch nicht versagen werden.

(13. Juli 1840)
   13] Ein jeder sei untertan seinem Bruder und bereit, ihm zu dienen; aber nie befehle einer dem andern, sondern ihr sollt euch allenthalben mit der Liebe begegnen, damit ihr einst Kinder werden mögt eines Vaters in der Liebe.
   14] Da der Herr allzeit mehr gibt, als es dem Menschen nötig wäre, zu erhalten sein Leben, so sollt ihr aber deswegen doch nicht unmäßig sein in jeglichem Genusse, sondern nach dem Willen Gottes eurer Gesundheit wegen mäßig in allem, was ihr tut und genießt; denn so spricht der Herr: 'Gesegnet sei ein gerechtes Maß und ein gerechtes Ziel; das Unmaß doch sei verflucht und verdammt die ziellosen Wege, und auf ihnen wandle nur die Hurerei und Unzucht und finde da die Nacht des Verderbens und des ewigen Todes!' Darum sammelt den Überfluß des Segens, und errichtet überall Vorratshäuser, jedoch nicht nach der Art Hanochs aus Steinen, sondern aus Holz. Da steckt vier fein behauene Stämme in die Erde, so daß sie zwei Mannshöhen gut in einem Vierecke über den Boden emporragen. Auf dieselben legt eben auch vier Querbäume nach euch schon bekannter baulicher Art. Macht dann ein Halbdach darüber, und deckt es mit Rohr und Gras. Zwischen den vier Holzpfeilern, aus der Erde ragend, macht eben auch aus Rohr geflochtene Wände, laßt aber in einer jeden Wand eine Öffnung, viermal so groß als ein Mannskopf, und von der Morgengegend her auch eine Türe, jedoch ohne ein Gitter, damit jeder nach Bedürfnis freien Eintritt habe. Innerlich aber schlagt bis zur Hälfte eines solchen Vorratshauses mehrere kleine Pfähle in die Erde, etwa eine halbe Mannslänge über den Boden hervorstehend. Darüber befestigt dünnere Bälkchen; legt dann darüber ebenfalls Rohrflechten, um so auf dieselben dann die Segensüberfülle für eure Brüder und auch für euch zu legen. In die andere Hälfte aber sammelt und legt dürr gewordenes, langes Gras kniehoch über die Erde als eine Ruhestätte, damit ihr auf derselben die Nacht hindurch schlaft und eure müde gewordenen Glieder ausrastet und erlabt die Eingeweide.
   15] Eure Werkzeuge und sonstigen Geräte aber legt unter die Vorratsflechten. Jedoch soll sich nie jemand ein solches Haus zueignen, sondern da arbeite einer für alle und alle für einen und somit alle für alle, daß da nie jemand Not leide unter euch und allen euren Nachkommen.
   16] Nahe an den Bergen, die nicht rauchen oder gar brennen, wie ihr sie von hier in weiter Ferne sehet, machet mannstiefe Gruben; allda werdet ihr die euch schon bekanntgemachte Broterde finden, welche ihr jedoch sehr mäßig genießen sollt, und das nicht täglich, sondern nur dann und wann nach dem Willen Gottes zu eurer Gesundheit, so eure Not zu weich geworden ist.
   17] Ferner werdet ihr an den Bergen, die ihr nun auch besteigen dürft, wenn sie nicht brennen, schöne, sehr harte, glatte Steine finden; diese sammelt und bringt sie vor eure Wohnungen. Fürs erste sollt ihr darauf Körner eines Grases zermalmen, und aus dem Mehle sollt ihr mittels des Wassers einen Teig machen in einem Gefäße, das ihr in großer Menge an den Ufern des Flusses antreffen werdet, und sollt euch dann dazu auch eine schon bekannte Backstätte bereiten und euch darauf ein gesundes Brot daraus backen. Und fürs zweite aber sollt ihr auch solche Steinplatten nehmen, die etwas weicher sind, von denen es auch eine Menge gibt an den Füßen der feuerfreien Berge, und sollt darauf euch alles dieses aufzeichnen nach der euch bekannten Art, damit noch selbst unsere späten Nachkommen erfahren sollen den euch jetzt geoffenbarten Willen Gottes.
   18] Denn hört! So spricht der Herr: Solange ihr und eure Nachkommen bleiben werdet in dieser gebotenen Ordnung, so lange auch wird nie ein fremdes Volk sich nähern können diesem Lande und euch stören in eurem Frieden, und Ich Selbst werde euch tausenderlei schöne und nützliche Dinge erkennen und bereiten lehren; doch aber wenn ihr je aus Meiner Ordnung treten solltet und auch verbleiben in Meiner Vergessenheit und nicht wieder zurücktreten würdet alsobald zu Meiner Ordnung, dann werde Ich ein anderes Volk erwecken, es führen hierher, und das wird euch unterjochen und zu Sklaven machen. Da wird dann sein ein Kaiser, der euer Heiligtum zerstören wird und wird euch schlagen und viele töten lassen und wird euch gleich Eseln vor den Pflug spannen lassen und euch züchtigen wie ein Kamel. Der wird sich alles zueignen und wird euch hungern lassen und euch verbieten, euern Durst zu löschen mit dem Safte der Früchte, sondern wird euch zum Wasser treiben wie ein zahmes Tier. Und ihr werdet für ihn müssen, wie zu Hanoch, Städte bauen und ihn gut füttern und seine Diener, damit er kräftig werde, euch zu schlagen und zu töten.
   19] Dann werdet ihr für eure Arbeit keine Früchte und kein Brot mehr bekommen, sondern tote Zeichen nach dem Grade der Arbeit, für welche Zeichen man euch etwas weniges zu essen geben wird; ja, so ihr dann noch nicht werdet zur Ordnung zurückkehren, so werdet ihr sogar an den Kaiser von den Zeichen den fünften Teil als eine Arbeitssteuer von dem hart Erworbenen ohne Entgelt zurückgeben müssen, welches wird sein ein Zeichen, daß ihr sogar werdet bitten müssen, um nur arbeiten zu dürfen, und da werdet ihr für eine solche Erlaubnis dann die erwähnte Steuer entrichten müssen.
   20] Und Ich sage, da wird im ganzen Lande auch nicht ein Fleckchen sein, das sich nicht der Kaiser möchte zugeeignet haben. Und verteilen wird er dann das Land als ein Lehen an seine Günstlinge und Höflinge; euch aber wird er zum schmählichen Leibeigentum der Günstlinge und Höflinge machen, und diese werden Herren sein dann über euern Tod und euer Leben und euch zu essen geben gekochtes Gras und schlechte Wurzeln, denn sie werden sich die besten Früchte aneignen. Und wer sich dann an einer solchen Frucht vergreifen wird, der wird alsogleich mit dem Tode bestraft werden.
   21] Dann wird der Kaiser eure schönsten Weiber und Töchter nehmen für seine und seiner Günstlinge und Höflinge Geilheiten, und ihr aber werdet eure Knaben in den Fluß werfen und dafür seine Kinder ernähren müssen, damit sie euch dann mißhandeln werden. Ich aber werde dann Meine Ohren, um nicht zu hören euer Jammergeschrei, bis ans Ende der Zeiten verstopfen, und es wird euch dann tausendmal ärger gehen, als es euch gegangen ist in Hanoch.
   22] Auch dieses alles merket euch wohl, und schreibt es in die anbefohlenen weichen Steine!'
   23] So seht denn, meine lieben Brüder, was der Wille Gottes ist; darum tut, wie euch geraten und ihr könnt so leicht, ja und noch um tausendmal leichter ein selbständiges Volk bleiben ohne auch nur irgendeinen Verlust eurer Rechte. Daher werdet voll Liebe und Gnade, und ferne sei von euch der böse Eigennutz, dann werdet ihr bleiben, wie ihr seid, ein Volk Gottes. Und nun schließlich ist es der Wille Gottes, daß ihr nämlich diese Kasten über den Fluß einen nach dem andern mittelst Stangen über den Kasten miteinander verbinden sollt und da errichten eine Brücke über den Fluß, damit wir auch das Land jenseits des Flusses betreten und davon dann willkürlich Gebrauch machen möchten.
   24] Nun fallt nieder auf eure Angesichter, und dankt dem Herrn für diese hohe Gnade der Belehrung und Kundgebung Seines Willens zu unserm allergrößten Wohle und sagt mit mir:
   25] 'O Du großer, überguter, überheiliger, allmächtiger Gott, wir danken Dir im Staube unserer Nichtigkeit! Laß zu Deinen heiligen Ohren dringen unseres Dankes schwache Stimme aus der Tiefe unserer Bosheit, und siehe gnädig an unser demütiges und schüchternes Herz! O Herr, wir sehen nicht, wie groß die Leere unseres Gemütes ist; daher erfülle uns gnädig mit der Wärme Deiner Liebe, und ziehe nie Deine Gnade von uns armen Kindern der Sünde! Lasse uns, so wir uns je vergessen könnten, gegen Deinen heiligsten Willen zu handeln, ja nicht von Menschen züchtigen, sondern züchtige Du uns nach Deiner Gerechtigkeit und großen Milde, und schaffe uns um in unseren Herzen nach Deiner großen Barmherzigkeit, damit wir dereinst würdig werden möchten, Deinen Kindern nur im geringsten zu gleichen! Und so bleibe Du unser aller großer heiliger Gott und unser Herr, und werde dereinst auch unser lieber, heiligster, heiligster Vater. O Herr, erhöre unser Flehen und vernimm gnädigst unsere schwache Bitte! Amen.'
   26] Nun denn gehet und vollzieeht alles nach Zeit und Rat, und überzeuget euch von allem, damit ihr sehen möget, wie wahrhaftig und getreu der Herr ist! Und habt ihr alles vollzogen und des Herrn nie vergessen vor und nach jeder Arbeit, und vor und nach jedem Mahle, vor und nach dem Schlafe, vor und nach dem Aufgange, vor und nach dem Niedergange - und ganz besonders aber, so ihr euch beschlaft, sollt ihr vor und nach der Handlung über alles den Herrn um Seinen Segen bitten -, dann werdet ihr zeugen Kinder des Lebens und des Lichtes, im Gegenteile aber nur Kinder des Todes und der Finsternis.
   27] Ich aber werde mein ganzes Leben hindurch hier in der Gegend des Flusses verbleiben, da wir gelandet sind; und dort über dem Flusse in jener weiten Grotte auf dem schönen Berge wird meine und meiner Kinder Wohnung sein, damit ihr mich allezeit finden möget, sooft jemand ein Anliegen hat. Diese Grotte und den Berg gibt mir der Herr zum Besitztume aus Liebe zu euch, damit ihr mich allezeit finden könnt.
   28] Euer aber ist das ganze, große, schöne Land. Ich werde nach dem Willen Gottes noch sehr alt werden und noch ein später Zeuge sein aller eurer guten oder schlechten Handlungen. Und von allen, die hier sind lebend, werde ich der Allerletzte sein und euch folgen vor das Angesicht des Herrn.
   29] Ihr, meine zehn Begleiter, die ihr auch schon weise geworden seid, nehmt das Volk und führt und verteilt es weise im Lande und lehrt sie, was ihnen not tut; und kommt, sooft der Mond voll geworden ist, zu mir des Rates und der Lehre wegen. Amen.«
   30] Und siehe, als nun Meduhed beendet hatte seine Rede, da verneigte sich alles Volk vor ihm, fiel noch einmal ohne Geheiß des Meduhed zur Erde nieder und dankte Mir für eine solche heilsame Lehre, richtete sich dann wieder auf und nahm ehrfurchtsvoll die Nahrung zu sich, lagerte sich dann zur Erde und rastete und betete mitunter, drei Tage lang. Dann erhob es sich, nahm die Werkzeuge und stellte zuerst die Brücke her, dann aber ging es unter der Segnung Meduheds auf seine fernere Bestimmung nach allen Richtungen des Landes und pries und lobte Mich allenthalben. Und da wurden, wie leicht einzusehen, dann viele von ihnen weise nach der Art Meduheds und lebten so als ein glückliches Volk bei neunzehnhundert Jahre, beinahe bis in die Zeiten Abrahams, und wurden nicht mitgenommen von der Sündflut Noahs.
   31] Später aber fingen sie Meiner auch nach und nach an zu vergessen, da Ich sie zum gebildetsten und reichsten Volke der Erde gemacht hatte, und gefielen sich in allerlei Schnitzwerk und fielen dadurch völlig in die schwarze Abgötterei und Hurerei aller Art.
   32] Und nachdem Ich ihnen sechshundert Jahre lang durch die Finger zugesehen hatte und sah keines und abermals keines zur reuigen und sich bessernden Umkehr auch nur irgend die allergeringste Miene machen, so erweckte Ich, wie Ich es ihnen schon durch Meduhed hatte androhen lassen, in der Gegend der heutigen Mongolei ein Volk zur allgemeinen Geißel und ließ es durch einen Engel, der unsichtbar war, hinführen nach Ihypon, machte ihnen eine Inselbrücke vom heutigen Sina aus, wovon noch heute mehrere Inseln in einer etwas gebogenen Reihe zeugen, daß sie trockenen Fußes wie die Israeliten übers Rote Meer und auch fast gleichzeitig dahin gelangten, bei welcher Gelegenheit Ich dann durchs Feuer der Erde um Ihypon eine Menge großer und kleinerer Inseln emporheben und entstehen ließ als allfällige Zufluchtsorte für einige sehr wenige Weise, welche allda in Grotten wohnten und Mir im stillen dienten, bis Ich sie abrief von der Welt.
   33] In solchen Grotten finden sich auch noch zum Zeugnisse Meiner Liebe solche bezeichneten Tafeln vor, welche freilich jetzt niemand lesen könnte, und zwar viel weniger noch als die Hieroglyphen Ägyptens, welche niemand außer nur ein vollends Wiedergeborener wird lesen können und nur hie und da einiges erraten irgendeine starke fleischkranke Seelenschläferin durch ihren auf ganz kurze Momente nur aufgewachten Kindgeist.
   34] Und so findet sich auch in der Höhle (die früher oder damals Meduhedsgrotte hieß) jetzt noch das euch schon bekannte hohe Lied, wie auch noch einige bekannte Werkzeuge; jedoch ist diese Höhle jetzt unzugänglich, da sie sich auf einem hohen Berge befindet, was Ich später durch Feuer und bis jetzt noch andauernde Erdbeben bewirken ließ.
   35] Und so ist dieses Land noch heutzutage in der kaiserlichen, halbmongolischen und halb urihyponischen Verfassung. Der Ungläubige reise hin und überzeuge sich; aber es wird ihm wenig nützen, so er nicht völlig die Wiedergeburt erreicht hat. Und hat jemand diese, der wird nicht nur die ganze Oberfläche der Erde, sondern auch die Tiefe derselben bis in den Grund mit hell verklärten Blicken schauen.
   36] (Denn alles, was Ich euch hier gebe, ist wahr und getreu für Meine Kinder; denn Ich gebe es nicht der Welt, sondern Meinen schwachen Kindern. Daher sollen dieselben Meine Liebe und Weisheit und Meine Worte und Meine Gnade nicht mit dem Maßstabe der Welt bemessen. Denn Ich will nicht glänzen vor der Welt, sondern will von euch nur geliebt sein. Denn Ich habe der Sonnen genug, um der Welt etwas vorzuglänzen. So ihr aber Meine Schrift mit eurer Weltgelehrtheit bemängelt, was glaubt ihr, was Ich dereinst tun werde mit eurem Weltunsinn? - Daher lernt es von Mir; wenn ihr erst werdet aus Mir gelehrt sein, dann erst werdet ihr sehen und erkennen, wessen Regeln höher stehen, - Meine oder die der Welt. Denn die Welt hat das Wort im Sinne, Ich aber habe den Sinn im Worte, - daher derjenige gar gewaltig zerstreut, der nicht mit Mir sammelt!)
   37] Bevor Ich euch noch in dieser Meiner Haushaltung weiterführen werde, will Ich euch kurz etwas bezüglich Meines Engels (betrifft das Gedicht Lorbers 'Der Engel') sagen, - namentlich aber denjenigen, welche fast in jeder Zeile einen sogenannten Grammatikalanstand genommen haben der Welt wegen. Da ihr Herz dabei nicht schalkhaft ist, so sollen sie, wo Mein schwacher Geheimschreiber Meines neuen Wortes irgendein NÄStrichel zu viel oder zu wenig gemacht hat zufolge einer in ihm schon alten, unaufmerksamen Gewohnheit, es nach ihrer Einsicht ergänzen, so auch das Unorthographische und die i-Tüpfel; aber wer es da wagen würde, auch nur ein Wort zu versetzen oder einen besseren Reim zu suchen oder irgendeinen abgängigen Fuß unnotwendig zu suchen, den werde Ich mit ärgerlichen Augen ansehen. Suchet nicht das Wort im Sinne, sondern den Sinn im Worte, wollt ihr zur Wahrheit gelangen; denn im Geiste ist die Wahrheit, aber nicht in der Wahrheit der Geist, was unmöglich sein könnte, da der Geist frei ist und jeder Regel vorrangig, Wahrheit aus sich schöpfen lassend. Da ihr das schon sogar von euren Genies sagt, warum sehet ihr hernach Meinen Geist mit gar kritischen Augen an, als wenn euch ein Schulknabe irgendein schlechtes Pensum gegeben hätte zur Korrektion?! - Daher, so jemand glaubt, Ich tauge mit dem Kleide nicht in die Welt, der behalte Mich daheim; es wird aber jedem verdienstlicher sein, Meiner Schrift eine aus ihr entnommene Regel hinzuzufügen als eine Weltkritik, - denn viel seliger ist Geben als Nehmen! Dieses versteht wohl! Amen.


 

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

 

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Die Urgeschichte der Menschheit

Wir erfahren die vornoachische Gestalt der Erde

 [HGt.03_366,01] (=Haushaltung Gottes) Damit ihr Gestalt und Beschaffenheit der Erde leichter begreifen und eurem Verständnisse näherführen könnet, so ist es vor allem notwendig, euch die damaligen Hauptgebirgszüge, sowohl Asiens, als Europas und Afrikas, wie in einem Bilde vor Augen zu stellen; denn von vielen, die in jener Zeit bestanden haben, ist in der Jetztzeit keine Spur mehr anzutreffen. Zum Teile sind sie bei Gelegenheit des Rücktrittes des Meeres abgeschwemmt und zerrissen worden, und ihre alten Verbindungsrücken liegen nun tief unter dem Stromgerölle der Täler begraben, und hie und da müssen sich die gegenwärtig bestehenden Ströme und Flüsse durch die von ihnen abgezwickten Gebirgsengpässe hindurchzwängen.
 Was aber die Hochgebirge betrifft, so sind sie – bis auf wenige – auch durch die Wirkung der verschiedenen Witterungen so von der früheren Gestalt verändert worden, daß sie ein Mensch, der nur vor tausend Jahren gelebt hat, nun nicht leichtlich wieder als dieselben erkennen würde, so er mit seinem damaligen Bewußtsein in eine Gegend versetzt würde, die er vor tausend Jahren als Mensch bewohnt hat. Man darf ja nur das Steingerölle eines nur ein paar Stunden breiten Stromtales ein wenig in Augenschein nehmen und die Masse betrachten, die im selben, bis zu einer Tiefe von vierhundert Klaftern, durch das Wasser aus der Gegend der Hochgebirge abgelöst in einem solchen Tale, von der Entstehung eines Stromes angefangen bis zu seiner Mündung in irgendein Meer, sich befindet, und man wird dann leicht begreifen können, daß die Berge vor kaum zwei- bis dreitausend Jahren eine ganz andere Gestalt hatten als jetzt.
 02 Dieses voranzuschicken war notwendig, auf daß ihr die vornoachische Situation der Berge desto leichter verstehet.
 03 Wir fangen beim Norden Europas an und ziehen uns dann teilweise nach Asien hinüber, dann in die südlichen Teile Europas und am Ende Afrikas.
 04 Von den Gebirgen, die sich nahezu mitten durch Schweden und Norwegen ziehen, ging da ein starker Gebirgszug im äußersten Norden bis an das Uralgebirge und verband sich mit demselben in stets steigender Richtung und hatte eine Fußbreite bis hundert, ja bis zweihundert deutsche Meilen. Dieser Gebirgszug verband sich aber auch mit den gegenwärtigen Gebirgen Dänemarks und von da weiter mit jenem Gebirgszuge, der heutigentags noch teilweise mehr oder weniger das westliche Flach-Europa von dem gebirgigen heutigen deutschen Europa bis in die Schweiz hin trennt, und es standen somit die Schweizer Gebirge im Verbande mit dem Ural und dieser durch Mittelasien hin mit dem hohen Tibet. Das war demnach ein ununterbrochener Gebirgskranz, dessen selbst niedere Teile noch immer eine Höhe zwischen fünf- bis sechstausend Fuß über die Fläche des Meeres darboten; nur waren sie nicht überall von einer gleichfesten Konsistenz und daher bei noch zu beschreibendem Fall der Mittelmeere, die mit dem Hauptmeere zu jener Zeit in keinem Verbande standen, durch die Flutung durchgebrochen und nach verschiedenen Richtungen hinweggeschwemmt worden.
 05 Es gab in jener Zeit zwei Haupt- Mittelmeere.
 06 Das nördliche bestand in jenem großen Becken, das, vom heutigen Schwarzen Meere ausgehend, sich zum Teil über das ganze europäische Rußland und alle konfinen Ebenländer mit der gegenwärtigen Ostsee verband und teilweise auch die Ebenen von der gegenwärtigen europäischen Türkei bis zum heutigen sogenannten Eisernen Tor hin, wie auch die Engpässe bis Belgrad und Semlin bei großen Stürmen mit seinen berghohen Wogen bespülte. Das war demnach das nördliche Mittelmeer.
 07 Das zweite Mittelmeer, welches mit dem in keiner Verbindung stand und heutzutage noch den Namen ,Mittelländisches Meer‘ führt, dieses Meer stand ebensowenig wie vormals das ,Schwarze‘ mit irgendeinem Weltmeere im Verbande; aber seine Oberfläche war im ganzen nicht minder groß als die des vorbenannten ,Schwarzen‘ oder ,Nördlichen‘. In der Gegend des heutigen Fiume zieht sich ein breites und langes Tal in das Kroatien und von da weiter in verschiedenen Verzweigungen nach dem Flußbette der Save bis nach Krain und daselbst bis an jene Gegenden, wo dessen Hochgebirge anfangen. Auf der anderen Seite bedeckte es das gegenwärtige venetianische Königreich, sowie die Lombardei und so auch einige östliche Teile von Frankreich, zog sich in Afrika durch das Niltal bis zu den Katarakten hin und bedeckte auch die heutige große Sandwüste.
 08 Denn von Asien herüber ging ein bedeutend hoher Gebirgszug, von dem heutzutage noch ganz bedeutende Spuren vorhanden sind. Dieser Gebirgszug zog sich vom nordöstlichen Teile von Afrika an bis ebenfalls an die hohen Katarakte hin, die weiterhin in Verbindung mit den heutigen Hochgebirgen Afrikas stehen. Die Straße von Gibraltar war ebenfalls im Verbande mit dem heutigen Spanien, und zwar durch einen ziemlich hohen Gebirgszug, und bildete somit das zweite Mittelmeer, welches an Flächenausdehnung dem Nordmittelmeere nichts nachgab; nur lag es im allgemeinen um viele Klafter tiefer als das nördliche Mittelmeer, von dem das Schwarze Meer heutzutage noch ein Überrest ist.
 09 Nun gab es aber noch ein drittes Mittelmeer. Um dieses zu ermitteln, wo es sich befand, dürfet ihr nur einen Blick auf diejenigen Ebenen und Täler werfen, welche heutzutage von der Donau, Drau und Mur nebst ihren Nebenflüssen durchflossen werden. Dieses kleinere Mittelmeer war in jener Zeit freilich wohl niemandem bekannt, weil in solcher Vorzeit das heutige Europa noch von keinem menschlichen Wesen bewohnt worden war; wohl gab es eine Masse von allerlei Tieren, gewöhnlich von riesiger Gestalt, von denen man noch heutigentages in gewissen Gebirgshöhlen und aufgeschwemmten Sand- und Schotterbergen Überreste (im versteinerten Zustande) findet.
 10 Ihr müßt euch aber nicht denken, daß dieses kleine Mittelmeer als für sich allein bestehend sich vorfand; denn es gab nach ihm besonders in Europa noch eine Menge bedeutend großer Seen, die mit diesem dritten Mittelmeere nur durch schon damals bestehende Abflüsse im Verbande standen. Das Krain, oder dessen Ebenen bis ins tiefe Oberkrain, war ein für sich abgeschlossener See, von dem der heutige sogenannte ,Laibacher Sumpf‘ ein Überbleibsel ist, der sich aber durch einen starken Abfluß bis in die Gegend des heutigen Rann mit dem zweiten Mittelmeere verband, welches die weiten Ebenen von Kroatien her bedeckte.
 11 Ein mit dem dritten Mittelmeer verbundener Hauptteil war über das heutige Drautal bis in die Gegend der Herrschaft Fall sich erstreckend und dort weg – wo die Drau sich durch eine lange Reihe von Bergen bis in die Gegend des heutigen Eis den Weg bahnen mußte –, dort begann ein zweiter ziemlich bedeutender See, von dem der heutige sogenannte Werther-See ein Überbleibsel ist. Ein Teil dieses Sees aber zog sich nach dem Drautale bis weit über Villach hinaus fort, mit welchem noch viele kleinere Seen in Verbindung standen. So war das heutige Ennstal ebenfalls ein für sich bestehender See, der sich den Weg durch das heutzutage sogenannte Gesäus bahnte und von da weiter, bis es einen bei weitem größeren See verband, welcher größere See nach dem Donautale aufwärts alle Flächen Bayerns und auch zum Teile des breiten Inntales in Tirol bedeckte. Die heutige Mur stand gleich wie die Donau mit dem dritten Mittelmeer in flacher Verbindung. Die Gegend des heutigen Wildons bis ins heutige Gösting nahm ein kleinerer See in Besitz, und hinter Gösting angefangen lag ein anderer, der Mursee, längs dem ganzen Murboden und dessen verflachten Nebentälern, die in ihrem Hintergrunde ebenfalls wieder kleinere Seen hatten und mit dem Hauptsee in Verbindung standen durch kleine Abflüsse. Die heutige Schweiz hatte dergleichen kleine Seen in großer Menge, von denen Überbleibsel noch heutzutage bestehen.
 12 Mit dem habt ihr ein genügendes Bild über den vorsündflutigen Zustand der Gebirge und der Gewässer dieses kleinen Weltteils. Nun wollen wir noch einen Blick besonders in das Mittelasien werfen und auch das Hauptgebirge, welches Mittelasien von Südasien trennt und die eigentliche Wiege des adamitischen Menschengeschlechtes ist, in Betracht ziehen!
 13 Vom Ural weg zog sich – wie schon gezeigt wurde – ein Gebirgszug bis zum hohen Tibet hin, der aber schon in jener Zeit durch eine Menge der fruchtbarsten Täler durchfurcht war, durch welche Täler die aus den Bergen kommenden Flüsse ihren Lauf hatten und sich zumeist nach Norden hin ergossen.
 14 Diese Gebirge sind nachher unter Hanochs Zeiten und besonders unter den Nachkommen Seths bewohnt worden, während die Hanochiten in den Ebenen auch weit über diesen Gebirgszug sich ausbreiteten. Da sie aber sahen, daß die Bewohner der Berge viel vorteilhafter daran seien als sie in ihren fruchtbaren und überweit gedehnten Ebenen, so fingen sie diese Gebirgsbewohner stets mehr und mehr zu necken und zu verfolgen an und ließen von diesen Verfolgungen trotz der oft an sie ergehenden Mahnungen nicht ab, sondern fingen mit Hilfe ihrer Sprengkörner, von denen das heutige chinesische Pulver noch ein Abkömmling ist, diese Berge, in die sie tiefe Löcher bohrten, buchstäblich zu zersprengen und zu zerstören an. Dadurch verschafften sie in ihrer tiefsten Blindheit nicht nur den großen Gewässern, über deren Bassins diese Berge standen, sondern auch jenen in weiter Ausdehnung, die da Tibet und der Taurus deckte und nördlich in weiten Strecken hin der Ural, den Ausweg. Dadurch entstand besonders in der Gegend des heutigen Kaspischen Sees, wo einst Hanoch stand, die größte Immersion, und der Durchbruch der Wässer war so gewaltig, daß er eine Höhe zwischen sieben- bis achttausend Fuß über die andern Meere erreichte, und er ward noch durch einen über ganz Mittelasien bewirkten, lang anhaltenden Regenfall vermehrt und unterstützt.
 15 Dieser außerordentliche Hochstand des Wassers in ganz Mittelasien bahnte sich dann zu einem starken Teile einen mächtigen Abfluß durch das heutige Wolgatal und erhöhte dieses Mittelmeer um viele Klafter; diesem konnte besonders in der Gegend des heutigen Konstantinopel die ohnehin nicht so überfeste Landenge um so weniger mehr zum Durchbruche ein Hindernis stellen, als sich bei dieser Gelegenheit außerordentliche Feuereruptionen, notwendig weithin alles verheerend, gebildet hatten.
 16 Wie hoch die Wässer Mittelasiens von selbst gestiegen sind, beweist, daß Noah mit seinem Kasten auf einer Hochebene des Ararat einen Boden fand, auf dem der Kasten sitzenblieb. Das meiste Gewässer dieses Mittelasiens fand dann seinen Hauptabfluß freilich nur nach Norden und Osten; aber ein äußerst bedeutender Teil auch nach Süden und Westen. Dadurch war das zweite große Mittelmeer derart überfüllt, daß es zum Teile durch seine Schwere und zum größten Teile durch die unterirdischen Feuereruptionen sich den reißenden Ausweg in den Atlantischen Ozean machte und sich in ein paar hundert Jahren derart verfloß, daß alle die unmittelbar in seiner Verbindung stehenden gegenwärtig zum Teil sehr fruchtbaren Ebenen zum größten Teile trockengelegt wurden, – wonach besonders die Küstenländer von Asien aus nach und nach bevölkert werden konnten.
 17 Zu einem großen Teile aber haben die noch am Leben gebliebenen Völker des hohen Mittelgebirges von Asien und auch jene des Ural, der in jener Zeit bis an das Nordmeer hin ein fruchtbarer und breiter Landstrich war, von welchem aus dann auch der übrige nördliche Teil Europas besonders auf den Bergen hin bevölkert worden ist, dies bewerkstelligt. Von jenen Völkern stammten auch die Taurisker her, welche sich auf den Bergen Steiermarks und vieler anderer Länder seßhaft machten und lange ruhig untereinander fortlebten, bis der Römer und Griechen Hab- und Gewinnsucht sie ausfindig gemacht hatte.
 18 Die Landenge, die in der Zeit der hanochitischen Flut Europa mit Asien verband, hieß nach dem dortigen Erzvater, der auch zu den Gebirgsbewohnern gehörte und eine Art Prophet weit durch das westliche Asien abgab und Deukalion hieß – das heißt „von Gott Gesandter“ oder „von Gott komm ich her“ –, auch die Landenge von Deukalion, und die Sündflut wurde daher auch von den Völkern, welche den südasiatischen Teil bewohnten, lange hin die Deukalionische Flut benannt, bis erst nach einigen Jahrhunderten die Nachkommen Noahs die Hauptursache und den Hergang dieser Flut mit all den Nebenumständen kundgaben. Im Verlaufe von vielen Jahren wurde nach den Überbleibseln großer Seen Mittelasien zum trockenen, aber leider bis jetzt noch wüsten und unbewohnbaren Lande; nur gegen China hin und an den nördlichen Füßen des tibetanischen Hochgebirges ist es fruchtbar und bewohnbar.
 19 Aus diesen Länderteilen stammen die euch bekannten Mongolen, Hunnen, Tataren und Turkomanen her, die nach Überbevölkerung ihrer Ländereien sich zu einer Auswanderung genötigt sahen und sich zum Teile nach Osten und zum Teile nach Westen wandten, wo sie allenthalben den früheren dort lebenden Einwohnern große Not und Verlegenheit bereiteten.
 20 Im Osten fühlten die alten Sihiniten und in Japan die Meduhediten die Macht und Schwere der Mongolen, und im Westen hatten sich besonders die Hunnen, in Verbindung mit den Tataren, und späterhin die Turkomanen sehr fühlbar gemacht und bewirkten die in jene Zeiten fallenden euch wohl bekannten großen Völkerwanderungen.
 21 In der Jetztzeit hat man in den wüsten Teilen Mittelasiens wohl schon häufig Versuche gemacht, es oasenweise fruchtbar zu machen; aber der Verstand zum Fruchtbarmachen solch wüster Ländereien steht noch zu tief in der Nacht ihres heidnischen Aberglaubens begraben, und daher wird dieser große Landstrich noch sehr lange zu warten haben, bis er zu seiner alten vornoachischen Fruchtbarkeit gelangen wird.
 22 Wie fruchtbar in jener Zeit mit Einschluß eines großen Teils von Siberien die Länder waren, beweisen die heutzutage noch häufig aufgefundenen, unter dem ewigen Schnee und Eise ruhenden Mammuts und noch eine Menge anderer gras- und laubfressender Tiere, die sich nach der Zerstörung dieses überaus fruchtbaren Landes nicht mehr ernähren konnten und somit schon lange völlig ausgestorben sind. Dazu gehören nebst dem großen Mammut die Riesenhirsche, die Riesenschafe, das eingehörnte Riesenpferd und dergleichen mehr, von denen man noch zum Teile im Uralgebirge und zum großen Teile in den Höhlen des nördlichen Tibet und auch unter dem Schnee und Eise Siberiens versteinerte Überreste findet.
 23 Es könnte hier leicht jemand fragen, warum man nicht auch besonders in Siberien Überreste von Menschenkörpern vorfindet. Und die Antwort ist: weil der Menschenkörper viel ätherischer in allen seinen Teilen und somit auch verwesbarer vom Urbeginne an erschaffen ist, – das heißt, was die Nachkommen Adams betrifft!
 24 Was aber die voradamitischen, sogenannten Tiermenschen, Cephonasims (Betrachter des Firmaments) genannt, betrifft, so finden sich von selben wohl noch hie und da versteinerte Überreste vor, wie sich auch hie und da noch Abkömmlinge dieser Art Tiermenschen vorfinden und ihren Standpunkt zwischen den Nachkommen Kains und den gegenwärtig vorkommenden Affen, als Schimpansen und Orang-Utans, einnehmen.
 25 Sie besaßen aber unter allen Tiergattungen die größte instinktmäßige Intelligenz und bauten sich hie und da ihre freilich höchst einförmigen Wohnungen und verlegten auch die eben nicht zu breiten Stellen der Bäche und Flüsse mit Steinen und bauten sich dadurch eine Art Brücke über solche Stellen; und fing das Wasser an, über solche Brücken zu fließen – was gewöhnlich der Fall war – , da legten sie bald hinter der alten Stelle, wo die Strömung herkam, eine zweite und höhere und setzten diese Arbeit nicht selten so lange fort, bis in plump terrassenförmiger Richtung oft zehn und mehrere solcher Brücken entstanden, die ihnen am Ende aber wenig nützten, weil das Wasser hinter ihnen immer zu schwellen anfing und diese Brücken samt und sämtlich wieder überströmte.
 26 Von diesen mit einem kurzen Schweife, der aber mit einem starken Büschel Haare bewachsen war, versehenen Menschen waren sonach die erbauten Mauern, von denen man heutzutage noch Spuren vorfindet, und denen man ein hohes Alter gibt, was mitunter auch der Fall ist, daß manche solcher vorgefundenen Mauern, besonders in den Gebirgsgegenden, das Alter Adams weit übersteigt; aber sie sind ebensowenig Werke eines freien menschlichen Verstandes als die ganz zweckmäßig gebauten Häuschen der Biber an jenen Gewässern, in denen diese Tiere ihre reichliche Nahrung finden.
 27 Es gibt noch andere Tierarten auf der Erde, die sich ihre Wohnungen also erbauen und einrichten, daß die Menschen selbst, so sie eine solche finden, darüber höchlich erstaunen; aber man erkennt diese Wohnungen dennoch daran gar leicht als Tierwerke, weil sie gleichfort in der gleichen Art und Form vorkommen. Auch kann der Stoff, aus dem sie gebaut sind, wohl von einem erfahrenen Chemiker analysiert werden, woraus er besteht, aber das Baumaterial ist ebensowenig aus der Natur heraus zu bewerkstelligen als der Stoff, aus dem die Spinne ihren Faden spinnt, die Biene ihre Zellen baut und die Schnecke ihr Haus. Und wie es mit derlei Tieren sich verhält, so verhält es sich auch um nicht viel besser mit den eigentlichen Präadamiten, die in den Wäldern Afrikas und hie und da Amerikas vorkommen. –
 28 Ich meine, daß Ich euch in möglichster Kürze die adamitische Gestalt der Erde mehr als hinreichend klar gezeigt habe, und ihr werdet darüber weiter nicht viel mehr zu fragen haben.
 29 Nur zwei schlüßliche Bemerkungen mache Ich noch:
 30 Die erste ist, daß sich die gegenwärtige Donau erst etliche hundert Jahre später durch das Eiserne Tor den gegenwärtigen Weg gebahnt hat, wobei aber dennoch auch Menschenhände in Anspruch genommen werden mußten, um durch das Eiserne Tor dem Strome das lange hin noch sehr gültige Bett derart zu regulieren, daß diese Stelle nun auch für größere Fahrzeuge fahrbar war. Wohin sich die vorbeschriebenen Mur-Seen ihre sie einrahmenden Hindernisse geschafft haben, da dürfet ihr nur die den Murboden umliegenden Hügel und den Murboden selbst in Augenschein nehmen, und deren Gerölle wird es euch gleich sagen, wie diese Hügel entstanden sind und daneben auch das gegenwärtige dritte von der Mur gebildete Ufer; da werdet ihr die Überreste von den nach und nach zerstörten Uferdämmen leichtlich finden.
 31 Auf dem Boden um Graz werdet ihr leicht noch in einer nicht sehr bedeutenden Tiefe zentnerschwere Rollsteine finden, und zum größten Teil von sehr harter Konsistenz. Unter Wildon hinab gibts die Mur schon wohlfeiler; nur hie und da, aber schon in einer ziemlichen Tiefe, finden sich noch schwerere abgerollte Kalksteine vor, weiter unter Radkersburg bis zum Ausfluß derselben in die Drau werdet ihr nur mehr Sand als abgerollte Steine finden, und das darum, weil die Mur dort schon ein sehr breites Bett hatte und keinen großen Druck mehr ausüben konnte, weil ihr Fall ein zu geringer war.
 32 Gehet hin nach Ägypten, und ihr findet bis in die ziemliche Nähe der Katarakte nur sehr wenig Steingerölle, dafür aber eine desto größere Menge rotbraunen und mitunter auch weißlichen Sandes! Die Ursache davon ist, weil dieser Strom bis in die Gegend der Katarakte hin mit dem gegenwärtig mittelländischen Meere noch immer in der wenig abweichenden Fallinie sich befindet – was nämlich die Höhe betrifft –, während andere Ströme gegen das Meer zu einen stärkeren Fall haben, mit Ausnahme der Donau ins Schwarze Meer, der Wolga ins Kaspische und des Amazonenstroms in Amerika ins Atlantische Meer.
 33 Was aber nun zweitens die Annahme einer Überflutung Amerikas betrifft, von der unter den Ureinwohnern dieses Weltteiles einige dunkle Sagen bestehen, so ist damit zum Beweise einer dortigen allgemeinen Überflutung soviel als gar nichts gesagt! Denn in jener Zeit standen die Niederungen dieses Weltteiles ohnehin noch unter Wasser. Mit der Zeit wurde dieser von Norden nach Süden weitausgedehnte Weltteil zuallermeist durch die inneren Feuereruptionen über den Meeresspiegel stets mehr und mehr emporgehoben, und das Meer war genötigt, immer mehr und mehr abzufließen.
 34 Dazu trat noch ein anderes für diese Erde großartiges Naturereignis:
 35 In jener Urzeit der Erde, in welcher nach dem Gesetze der Meereswanderung sich der größere Teil des Meeres noch mehr gegen Norden hin befand, ging von der äußersten Westküste Afrikas eine ununterbrochene Inselreihe bis an die östliche Ecke des heutigen Brasilien hin und teilte somit das Nordmeer des Atlantischen Ozeans von dem südlichen; und diese beiden Meere standen nur durch eine Menge Meerengen im Verbande, von denen die größte kaum die Breite des Roten Meeres hatte.
 36 Allein in jener Zeit, in der von der unterirdischen Feuergewalt alle damaligen Weltteile, besonders aber der Meeresgrund, viele Veränderungen zu erleiden bekamen, versank auch der größte Teil der vorbenannten Inselreihe, wie auch viele tausend größere und kleinere Inseln des großen Weltmeeres, in den tiefen Grund, und das Nordmeer konnte sich dann durch dieses breite Tor ungehinderter ins Südmeer ergießen, und es traten dann im nördlicheren Teile der Erde viele Inseln und andere Flachländer in nutzbaren Vorschein, und somit auch die Ländereien Amerikas.
 37 Dafür aber ist die vormals noch weit gegen den Südpol hinabreichende Spitze Afrikas bis jetzt noch unter Wasser; darum denn auch das Meer weit hin unter dem Vorgebirge der Guten Hoffnung eine Art Berg bildet, über den die Schiffe besonders bei schlechten Winden schwer darüberkommen und oft einen großen Umweg machen mußten, um auf den flachen Teil des Ostmeeres zu gelangen. Die Dampfschiffe nun habens freilich leichter. –
 38 Da habt ihr denn nun auch die Sündflut Amerikas und von einer Menge größerer und kleinerer Inseln, und forschet über diese Mitteilung nicht weiter, ansonst Ich euch in die Urschöpfungsperioden und vielen Meereswanderungen zurückführen müßte; und ihr würdet da nicht viel Nützlicheres in Erfahrung bringen als jenes alte Weib, das da nicht begreifen konnte, wie es zu so vielen Falten und Runzeln gekommen ist, trotzdem es immer gut und keusch gelebt habe und man, als es als Mädchen noch zwanzig Jahre alt war, am ganzen Leibe sogar um einen Weltpreis nicht eine Falte hat entdecken können.
 39 Ja, da kann man dann nichts anderes sagen als: „Das hat alles Gott der Herr so eingerichtet, daß sich die Zeiten ändern und wir Menschen mit allem, was uns umgibt, mit den Zeiten!“
 40 Lassen wir daher nun die Erde ruhen; in tausend Jahren wird sie ohnehin schon wieder ganz anders aussehen! Und somit gut und zu Ende mit dieser Erklärung, die Ich euch darum gab, damit ihr so manches andere aus den Evangelien und den Schriften Mosis leichter begreifet! Amen.

 
Nun folgt die Liste der von Jakob Lorber empfangenen Bücher mit kurzen Inhaltsangaben:
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Um einen leichteren Einstieg in die große Fülle der Neuoffenbarung Jesu durch den Propheten Jakob Lorber zu ermöglichen, habe ich einige aus dem Leben gegriffenen Themen kurz beschrieben und mit Quellenbeispielen versehen.

  1. Vom Universum und von Ausserirdischen Zivilisationen
  2. Unsere lebendige Erde
  3. Wohin gehen die Tiere ?
  4. Die Urgeschichte der Menschheit
  5. Das Wesen des Menschen
  6. Die Kunst in Gesundheit alt zu werden
  7. Wie sich das menschliche Gehirn verbessern lässt
  8. Warum lässt Gott das Unrecht zu?
  9. Träume, Visionen und Gesichte
10. Vom Beten

11. Wie Engel uns begleiten
12. Jesus kennen lernen
13. Voraussagen und Wiederkunft Jesu
14. Vom Sterben
15. Erdbestattung-Feuerbestattung?
16. Vom Leben nach dem Tod im Jenseits
17. Vom Selbstmord (Freitod,Suizid)
18. Wie unsere Kinder die früh sterben im Jenseits geführt werden
19. Das Wesen Gottes
20. Die Entstehung des Neuen Testaments

21. Die ausführliche Erklärung der Gebote Gottes
22. Wie wir den richtigen Ehepartner finden können
 
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  Ill. v. Christ, Hildegard
Die Geschichte der Urmenschheit
Nach dem Werk "Die Haushaltung Gottes" von Jakob Lorber nacherzählt und illustriert
2. Aufl. 04.2003, 368 Seiten - 24 x 17 cm, Gb
Lorber-Verlag | ISBN: 3874956075
 
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