(13. Juli 1840)
13] Ein jeder sei untertan seinem Bruder und
bereit, ihm zu dienen; aber nie befehle einer dem andern, sondern ihr sollt euch
allenthalben mit der Liebe begegnen, damit ihr einst Kinder werden mögt eines
Vaters in der Liebe.
14] Da der Herr allzeit mehr gibt, als es dem
Menschen nötig wäre, zu erhalten sein Leben, so sollt ihr aber deswegen doch
nicht unmäßig sein in jeglichem Genusse, sondern nach dem Willen Gottes eurer
Gesundheit wegen mäßig in allem, was ihr tut und genießt; denn so spricht der
Herr: 'Gesegnet sei ein gerechtes Maß und ein gerechtes Ziel; das Unmaß doch sei
verflucht und verdammt die ziellosen Wege, und auf ihnen wandle nur die Hurerei
und Unzucht und finde da die Nacht des Verderbens und des ewigen Todes!' Darum
sammelt den Überfluß des Segens, und errichtet überall Vorratshäuser, jedoch
nicht nach der Art Hanochs aus Steinen, sondern aus Holz. Da steckt vier fein
behauene Stämme in die Erde, so daß sie zwei Mannshöhen gut in einem Vierecke
über den Boden emporragen. Auf dieselben legt eben auch vier Querbäume nach euch
schon bekannter baulicher Art. Macht dann ein Halbdach darüber, und deckt es mit
Rohr und Gras. Zwischen den vier Holzpfeilern, aus der Erde ragend, macht eben
auch aus Rohr geflochtene Wände, laßt aber in einer jeden Wand eine Öffnung,
viermal so groß als ein Mannskopf, und von der Morgengegend her auch eine Türe,
jedoch ohne ein Gitter, damit jeder nach Bedürfnis freien Eintritt habe.
Innerlich aber schlagt bis zur Hälfte eines solchen Vorratshauses mehrere kleine
Pfähle in die Erde, etwa eine halbe Mannslänge über den Boden hervorstehend.
Darüber befestigt dünnere Bälkchen; legt dann darüber ebenfalls Rohrflechten, um
so auf dieselben dann die Segensüberfülle für eure Brüder und auch für euch zu
legen. In die andere Hälfte aber sammelt und legt dürr gewordenes, langes Gras
kniehoch über die Erde als eine Ruhestätte, damit ihr auf derselben die Nacht
hindurch schlaft und eure müde gewordenen Glieder ausrastet und erlabt die
Eingeweide.
15] Eure Werkzeuge und sonstigen Geräte aber
legt unter die Vorratsflechten. Jedoch soll sich nie jemand ein solches Haus
zueignen, sondern da arbeite einer für alle und alle für einen und somit alle
für alle, daß da nie jemand Not leide unter euch und allen euren Nachkommen.
16] Nahe an den Bergen, die nicht rauchen oder
gar brennen, wie ihr sie von hier in weiter Ferne sehet, machet mannstiefe
Gruben; allda werdet ihr die euch schon bekanntgemachte Broterde finden, welche
ihr jedoch sehr mäßig genießen sollt, und das nicht täglich, sondern nur dann
und wann nach dem Willen Gottes zu eurer Gesundheit, so eure Not zu weich
geworden ist.
17] Ferner werdet ihr an den Bergen, die ihr nun
auch besteigen dürft, wenn sie nicht brennen, schöne, sehr harte, glatte Steine
finden; diese sammelt und bringt sie vor eure Wohnungen. Fürs erste sollt ihr
darauf Körner eines Grases zermalmen, und aus dem Mehle sollt ihr mittels des
Wassers einen Teig machen in einem Gefäße, das ihr in großer Menge an den Ufern
des Flusses antreffen werdet, und sollt euch dann dazu auch eine schon bekannte
Backstätte bereiten und euch darauf ein gesundes Brot daraus backen. Und fürs
zweite aber sollt ihr auch solche Steinplatten nehmen, die etwas weicher sind,
von denen es auch eine Menge gibt an den Füßen der feuerfreien Berge, und sollt
darauf euch alles dieses aufzeichnen nach der euch bekannten Art, damit noch
selbst unsere späten Nachkommen erfahren sollen den euch jetzt geoffenbarten
Willen Gottes.
18] Denn hört! So spricht der Herr: Solange ihr
und eure Nachkommen bleiben werdet in dieser gebotenen Ordnung, so lange auch
wird nie ein fremdes Volk sich nähern können diesem Lande und euch stören in
eurem Frieden, und Ich Selbst werde euch tausenderlei schöne und nützliche Dinge
erkennen und bereiten lehren; doch aber wenn ihr je aus Meiner Ordnung treten
solltet und auch verbleiben in Meiner Vergessenheit und nicht wieder
zurücktreten würdet alsobald zu Meiner Ordnung, dann werde Ich ein anderes Volk
erwecken, es führen hierher, und das wird euch unterjochen und zu Sklaven
machen. Da wird dann sein ein Kaiser, der euer Heiligtum zerstören wird und wird
euch schlagen und viele töten lassen und wird euch gleich Eseln vor den Pflug
spannen lassen und euch züchtigen wie ein Kamel. Der wird sich alles zueignen
und wird euch hungern lassen und euch verbieten, euern Durst zu löschen mit dem
Safte der Früchte, sondern wird euch zum Wasser treiben wie ein zahmes Tier. Und
ihr werdet für ihn müssen, wie zu Hanoch, Städte bauen und ihn gut füttern und
seine Diener, damit er kräftig werde, euch zu schlagen und zu töten.
19] Dann werdet ihr für eure Arbeit keine
Früchte und kein Brot mehr bekommen, sondern tote Zeichen nach dem Grade der
Arbeit, für welche Zeichen man euch etwas weniges zu essen geben wird; ja, so
ihr dann noch nicht werdet zur Ordnung zurückkehren, so werdet ihr sogar an den
Kaiser von den Zeichen den fünften Teil als eine Arbeitssteuer von dem hart
Erworbenen ohne Entgelt zurückgeben müssen, welches wird sein ein Zeichen, daß
ihr sogar werdet bitten müssen, um nur arbeiten zu dürfen, und da werdet ihr für
eine solche Erlaubnis dann die erwähnte Steuer entrichten müssen.
20] Und Ich sage, da wird im ganzen Lande auch
nicht ein Fleckchen sein, das sich nicht der Kaiser möchte zugeeignet haben. Und
verteilen wird er dann das Land als ein Lehen an seine Günstlinge und Höflinge;
euch aber wird er zum schmählichen Leibeigentum der Günstlinge und Höflinge
machen, und diese werden Herren sein dann über euern Tod und euer Leben und euch
zu essen geben gekochtes Gras und schlechte Wurzeln, denn sie werden sich die
besten Früchte aneignen. Und wer sich dann an einer solchen Frucht vergreifen
wird, der wird alsogleich mit dem Tode bestraft werden.
21] Dann wird der Kaiser eure schönsten Weiber
und Töchter nehmen für seine und seiner Günstlinge und Höflinge Geilheiten, und
ihr aber werdet eure Knaben in den Fluß werfen und dafür seine Kinder ernähren
müssen, damit sie euch dann mißhandeln werden. Ich aber werde dann Meine Ohren,
um nicht zu hören euer Jammergeschrei, bis ans Ende der Zeiten verstopfen, und
es wird euch dann tausendmal ärger gehen, als es euch gegangen ist in Hanoch.
22] Auch dieses alles merket euch wohl, und
schreibt es in die anbefohlenen weichen Steine!'
23] So seht denn, meine lieben Brüder, was der
Wille Gottes ist; darum tut, wie euch geraten und ihr könnt so leicht, ja und
noch um tausendmal leichter ein selbständiges Volk bleiben ohne auch nur
irgendeinen Verlust eurer Rechte. Daher werdet voll Liebe und Gnade, und ferne
sei von euch der böse Eigennutz, dann werdet ihr bleiben, wie ihr seid, ein Volk
Gottes. Und nun schließlich ist es der Wille Gottes, daß ihr nämlich diese
Kasten über den Fluß einen nach dem andern mittelst Stangen über den Kasten
miteinander verbinden sollt und da errichten eine Brücke über den Fluß, damit
wir auch das Land jenseits des Flusses betreten und davon dann willkürlich
Gebrauch machen möchten.
24] Nun fallt nieder auf eure Angesichter, und
dankt dem Herrn für diese hohe Gnade der Belehrung und Kundgebung Seines Willens
zu unserm allergrößten Wohle und sagt mit mir:
25] 'O Du großer, überguter, überheiliger,
allmächtiger Gott, wir danken Dir im Staube unserer Nichtigkeit! Laß zu Deinen
heiligen Ohren dringen unseres Dankes schwache Stimme aus der Tiefe unserer
Bosheit, und siehe gnädig an unser demütiges und schüchternes Herz! O Herr, wir
sehen nicht, wie groß die Leere unseres Gemütes ist; daher erfülle uns gnädig
mit der Wärme Deiner Liebe, und ziehe nie Deine Gnade von uns armen Kindern der
Sünde! Lasse uns, so wir uns je vergessen könnten, gegen Deinen heiligsten
Willen zu handeln, ja nicht von Menschen züchtigen, sondern züchtige Du uns nach
Deiner Gerechtigkeit und großen Milde, und schaffe uns um in unseren Herzen nach
Deiner großen Barmherzigkeit, damit wir dereinst würdig werden möchten, Deinen
Kindern nur im geringsten zu gleichen! Und so bleibe Du unser aller großer
heiliger Gott und unser Herr, und werde dereinst auch unser lieber, heiligster,
heiligster Vater. O Herr, erhöre unser Flehen und vernimm gnädigst unsere
schwache Bitte! Amen.'
26] Nun denn gehet und vollzieeht alles nach
Zeit und Rat, und überzeuget euch von allem, damit ihr sehen möget, wie
wahrhaftig und getreu der Herr ist! Und habt ihr alles vollzogen und des Herrn
nie vergessen vor und nach jeder Arbeit, und vor und nach jedem Mahle, vor und
nach dem Schlafe, vor und nach dem Aufgange, vor und nach dem Niedergange - und
ganz besonders aber, so ihr euch beschlaft, sollt ihr vor und nach der Handlung
über alles den Herrn um Seinen Segen bitten -, dann werdet ihr zeugen Kinder des
Lebens und des Lichtes, im Gegenteile aber nur Kinder des Todes und der
Finsternis.
27] Ich aber werde mein ganzes Leben hindurch
hier in der Gegend des Flusses verbleiben, da wir gelandet sind; und dort über
dem Flusse in jener weiten Grotte auf dem schönen Berge wird meine und meiner
Kinder Wohnung sein, damit ihr mich allezeit finden möget, sooft jemand ein
Anliegen hat. Diese Grotte und den Berg gibt mir der Herr zum Besitztume aus
Liebe zu euch, damit ihr mich allezeit finden könnt.
28] Euer aber ist das ganze, große, schöne Land.
Ich werde nach dem Willen Gottes noch sehr alt werden und noch ein später Zeuge
sein aller eurer guten oder schlechten Handlungen. Und von allen, die hier sind
lebend, werde ich der Allerletzte sein und euch folgen vor das Angesicht des
Herrn.
29] Ihr, meine zehn Begleiter, die ihr auch
schon weise geworden seid, nehmt das Volk und führt und verteilt es weise im
Lande und lehrt sie, was ihnen not tut; und kommt, sooft der Mond voll geworden
ist, zu mir des Rates und der Lehre wegen. Amen.«
30] Und siehe, als nun Meduhed beendet hatte
seine Rede, da verneigte sich alles Volk vor ihm, fiel noch einmal ohne Geheiß
des Meduhed zur Erde nieder und dankte Mir für eine solche heilsame Lehre,
richtete sich dann wieder auf und nahm ehrfurchtsvoll die Nahrung zu sich,
lagerte sich dann zur Erde und rastete und betete mitunter, drei Tage lang. Dann
erhob es sich, nahm die Werkzeuge und stellte zuerst die Brücke her, dann aber
ging es unter der Segnung Meduheds auf seine fernere Bestimmung nach allen
Richtungen des Landes und pries und lobte Mich allenthalben. Und da wurden, wie
leicht einzusehen, dann viele von ihnen weise nach der Art Meduheds und lebten
so als ein glückliches Volk bei neunzehnhundert Jahre, beinahe bis in die Zeiten
Abrahams, und wurden nicht mitgenommen von der Sündflut Noahs.
31] Später aber fingen sie Meiner auch nach und
nach an zu vergessen, da Ich sie zum gebildetsten und reichsten Volke der Erde
gemacht hatte, und gefielen sich in allerlei Schnitzwerk und fielen dadurch
völlig in die schwarze Abgötterei und Hurerei aller Art.
32] Und nachdem Ich ihnen sechshundert Jahre
lang durch die Finger zugesehen hatte und sah keines und abermals keines zur
reuigen und sich bessernden Umkehr auch nur irgend die allergeringste Miene
machen, so erweckte Ich, wie Ich es ihnen schon durch Meduhed hatte androhen
lassen, in der Gegend der heutigen Mongolei ein Volk zur allgemeinen Geißel und
ließ es durch einen Engel, der unsichtbar war, hinführen nach Ihypon, machte
ihnen eine Inselbrücke vom heutigen Sina aus, wovon noch heute mehrere Inseln in
einer etwas gebogenen Reihe zeugen, daß sie trockenen Fußes wie die Israeliten
übers Rote Meer und auch fast gleichzeitig dahin gelangten, bei welcher
Gelegenheit Ich dann durchs Feuer der Erde um Ihypon eine Menge großer und
kleinerer Inseln emporheben und entstehen ließ als allfällige Zufluchtsorte für
einige sehr wenige Weise, welche allda in Grotten wohnten und Mir im stillen
dienten, bis Ich sie abrief von der Welt.
33] In solchen Grotten finden sich auch noch zum
Zeugnisse Meiner Liebe solche bezeichneten Tafeln vor, welche freilich jetzt
niemand lesen könnte, und zwar viel weniger noch als die Hieroglyphen Ägyptens,
welche niemand außer nur ein vollends Wiedergeborener wird lesen können und nur
hie und da einiges erraten irgendeine starke fleischkranke Seelenschläferin
durch ihren auf ganz kurze Momente nur aufgewachten Kindgeist.
34] Und so findet sich auch in der Höhle (die
früher oder damals Meduhedsgrotte hieß) jetzt noch das euch schon bekannte hohe
Lied, wie auch noch einige bekannte Werkzeuge; jedoch ist diese Höhle jetzt
unzugänglich, da sie sich auf einem hohen Berge befindet, was Ich später durch
Feuer und bis jetzt noch andauernde Erdbeben bewirken ließ.
35] Und so ist dieses Land noch heutzutage in
der kaiserlichen, halbmongolischen und halb urihyponischen Verfassung. Der
Ungläubige reise hin und überzeuge sich; aber es wird ihm wenig nützen, so er
nicht völlig die Wiedergeburt erreicht hat. Und hat jemand diese, der wird nicht
nur die ganze Oberfläche der Erde, sondern auch die Tiefe derselben bis in den
Grund mit hell verklärten Blicken schauen.
36] (Denn alles, was Ich euch hier gebe, ist
wahr und getreu für Meine Kinder; denn Ich gebe es nicht der Welt, sondern
Meinen schwachen Kindern. Daher sollen dieselben Meine Liebe und Weisheit und
Meine Worte und Meine Gnade nicht mit dem Maßstabe der Welt bemessen. Denn Ich
will nicht glänzen vor der Welt, sondern will von euch nur geliebt sein. Denn
Ich habe der Sonnen genug, um der Welt etwas vorzuglänzen. So ihr aber Meine
Schrift mit eurer Weltgelehrtheit bemängelt, was glaubt ihr, was Ich dereinst
tun werde mit eurem Weltunsinn? - Daher lernt es von Mir; wenn ihr erst werdet
aus Mir gelehrt sein, dann erst werdet ihr sehen und erkennen, wessen Regeln
höher stehen, - Meine oder die der Welt. Denn die Welt hat das Wort im Sinne,
Ich aber habe den Sinn im Worte, - daher derjenige gar gewaltig zerstreut, der
nicht mit Mir sammelt!)
37] Bevor Ich euch noch in dieser Meiner
Haushaltung weiterführen werde, will Ich euch kurz etwas bezüglich Meines Engels
(betrifft das Gedicht Lorbers 'Der Engel') sagen, - namentlich aber denjenigen,
welche fast in jeder Zeile einen sogenannten Grammatikalanstand genommen haben
der Welt wegen. Da ihr Herz dabei nicht schalkhaft ist, so sollen sie, wo Mein
schwacher Geheimschreiber Meines neuen Wortes irgendein NÄStrichel zu viel oder
zu wenig gemacht hat zufolge einer in ihm schon alten, unaufmerksamen
Gewohnheit, es nach ihrer Einsicht ergänzen, so auch das Unorthographische und
die i-Tüpfel; aber wer es da wagen würde, auch nur ein Wort zu versetzen oder
einen besseren Reim zu suchen oder irgendeinen abgängigen Fuß unnotwendig zu
suchen, den werde Ich mit ärgerlichen Augen ansehen. Suchet nicht das Wort im
Sinne, sondern den Sinn im Worte, wollt ihr zur Wahrheit gelangen; denn im
Geiste ist die Wahrheit, aber nicht in der Wahrheit der Geist, was unmöglich
sein könnte, da der Geist frei ist und jeder Regel vorrangig, Wahrheit aus sich
schöpfen lassend. Da ihr das schon sogar von euren Genies sagt, warum sehet ihr
hernach Meinen Geist mit gar kritischen Augen an, als wenn euch ein Schulknabe
irgendein schlechtes Pensum gegeben hätte zur Korrektion?! - Daher, so jemand
glaubt, Ich tauge mit dem Kleide nicht in die Welt, der behalte Mich daheim; es
wird aber jedem verdienstlicher sein, Meiner Schrift eine aus ihr entnommene
Regel hinzuzufügen als eine Weltkritik, - denn viel seliger ist Geben als
Nehmen! Dieses versteht wohl! Amen.
